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Dienstag, 2. Februar 2021

Ignatianisches am suizidalen Weg?

Eine nicht geringe Zahl von Mitgliedern des suizidalen Weges hat sich kürzlich dagegen gewendet, dass bei selbigem Weg mehr gebetet wird. Diese Opposition gegen das Beten wird zugleich verwurstet mit einem Hohelied der Demokratie. Satiriker haben es echt schwer...

Drei großartige Einsichten hat man dabei Vorgebracht (vgl. hier): "alles Denken und alle Auseinandersetzung um der Menschen willen [ist] geistliche Haltung", "Dialogprozesse, Diskussionen und Abstimmungen sind geistliche
Prozesse" und "Vielfalt in Einheit zu leben ist geistlicher Weg." Also: Gebet brauchen wir nicht, denn praktizierte Demokratie ist quasi schon die Höchstform des Gebets. Diese Logik ernstgenommen, sind die hohen Geistlichen in unserem Land also... die Politiker?

Man kennt das natürlich aus anderen Bereichen, z.B. aus diözesanen Entwicklungsprozessen: Man tut, was immer man will (z.B. Strukturmaßnahmen), und behauptet dann, dies als "geistlichen Prozess" gestalten zu wollen. In der Realität ist dann häufig der einzige Hinweis darauf, dass es sich um einen "geistlichen Prozess" handelt, die Behauptung, dass dies so sei (z.B. in Hamburg). Aber wahr ist: Man kann solche Prozesse als "geistliche Prozesse" gestalten, z.B. mit regelmäßigem Gebet. Am suizidalen Weg ist man aber schon einen Schritt weiter (hin zur Säkularisierung des Christentums): Man behauptet gar nicht mehr, den Prozess "geistlich" gestalten zu wollen, sondern man erklärt, der Prozess sei aus sich heraus schon "geistlich": "Diskussionen, Abstimmungen und Wahlen sind geistliche Prozesse".

Dass die Autoren sich mit ihrer "geistlichen Haltung", ihrem "geistlichen Prozess" und ihrem "geistlichen Weg" letztlich fernab des Christentums stellen (bzw. dieses in weltlichen Strukturen auflösen) erhellt auch daraus, dass sie behaupten, mit der Forderung nach mehr Gebet (gegen die sie sich wenden) sei zugleich eine gewisse Ablehnung von Demokratie verbunden. Und damit haben sie tatsächlich recht: Wirkliches Gebet ist mit Demokratie eher unvereinbar, weil die Wahrheit Gottes nicht per demokratischer Abstimmung gefunden, sondern nur von Gott selbst eingegeben werden kann. Kennen diese Leute etwa nicht das bedeutendste Beispiel für "Demokratie" (Herrschaft des Volkes) in der Bibel? Hier ist es:

»Als das Volk sah, dass Mose noch immer nicht vom Berg herabkam, versammelte es sich um Aaron und sagte zu ihm: Komm, mach uns Götter, die vor uns herziehen. Denn dieser Mose, der Mann, der uns aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat - wir wissen nicht, was mit ihm geschehen ist. Aaron antwortete: Nehmt euren Frauen, Söhnen und Töchtern die goldenen Ringe ab, die sie an den Ohren tragen, und bringt sie her! Da nahm das ganze Volk die goldenen Ohrringe ab und brachte sie zu Aaron. Er nahm sie aus ihrer Hand. Und er bearbeitete sie mit einem Werkzeug und machte daraus ein gegossenes Kalb. Da sagten sie: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.« (Ex 32,1-4)


Aber zum Thema.

Diese Menschen scheuen sich auch nicht, Ignatius von Loyola dafür zu missbrauchen, dass man prinzipiell alles an der Kirche per Demokratie ändern könne, weil nichts von vornherein feststeht: 

»Ignatianisch gesprochen braucht es die 'Indifferenz', also die Unvoreingenommenheit von persönlichen Vorlieben, Vorurteilen und Vorfestlegungen.«

Zugegeben: Die ignatianische Gleichmütigkeit (so übersetzt man das richtiger, nicht mit "Unvoreingenommenheit") wird in ca. 99% aller Fälle, in denen auf sie Bezug genommen wird, missbräuchlich verdreht oder zumindest grob falsch verstanden, wenn man sie z.B. als "Ausgeglichenheit" oder als Inbegriff von "Meditation" auffasst. In diesem Fall handelt es sich aber um eine ideologisch motivierte missbräuchliche Verwendung auf höchster Ebene - nämlich zur Infragestellung der Identität der Kirche.

Also, Ignatius: Die ignatianische Gleichmütigkeit gehört zu "Prinzip und Fundament" der Exerzitien. Dort wird sie wie folgt beschrieben (aus der Übersetzung von H.U.v.B.): 

»Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott Unseren Herrn zu loben, Ihn zu verehren und Ihm zu dienen, und so seine Seele zu retten.

Die andern Dinge auf Erden sind zum Menschen hin geschaffen, und um ihm bei der Verfolgung seines Zieles zu helfen, zu dem hin er geschaffen ist. Hieraus folgt, dass der Mensch sie soweit zu gebrauchen hat, als sie ihm zu seinem Ziele hin helfen, und soweit zu lassen, als sie ihn daran hindern.

Darum ist es notwendig, uns allen geschaffenen Dingen gegenüber gleichmütig (indiferentes) zu machen, überall dort, wo dies der Freiheit unseres Wahlvermögens eingeräumt und nicht verboten ist, dergestalt, dass wir von unserer Seite Gesundheit nicht mehr als Krankheit begehren, Reichtum nicht mehr als Armut, Ehre nicht mehr als Ehrlosigkeit, langes Leben nicht mehr als kurzes, und dementsprechend in allen übrigen Dingen, einzig das ersehnend und erwählend, was uns jeweils mehr zu dem Ziele hin fördert, zu dem wir geschaffen sind.«
Was bei der Bezugnahme auf diese Gleichmütigkeit fast immer unerwähnt bleibt, ist zum einen der Sinn und das Ziel der Exerzitien insgesamt, nämlich eine Hilfe zu sein zu Sinn und Ziel des Menschen: "Gott Unseren Herrn zu loben, Ihn zu verehren und Ihm zu dienen, und so seine Seele zu retten"; zum anderen bleibt der Nebensatz meist unerwähnt, der genau diese Zielausrichtung konkretisiert: Jene Gleichmütigkeit gilt nämlich nur da, "wo dies der Freiheit unseres Wahlvermögens eingeräumt und nicht verboten ist". 
 
Für Ignatius ist unzweifelhaft, dass es eben doch "Vorfestlegungen" gibt, nämlich alles, was Gott in seiner Schöpfung festgelegt hat (Naturordnung) und alles, was er durch seine Offenbarung in die Herzen seines Volkes und in die Kirche gelegt hat (Gnadenordnung: Gebote, Sakramente, die Verfassung der Kirche etc.). Was Gott in der Natur- oder Gnadenordnung verboten hat, das brauchen wir nicht "indifferent" zu beurteilen, denn es ist bereits klar, dass wir es abzulehnen, uns davon fernzuhalten haben - beispielsweise praktizierte Homosexualität (vgl. HIER und hier).

In gewisser Weise meint Ignatius das genaue Gegenteil von dem, was ihm hier gerne unterstellt wird: Es geht gerade darum, dass der Wille des Menschen gefestigt ist, und zwar auf sein Ziel hin (Gottesverehrung und Seelenrettung). Die "Indifferenz" ist kein Absehen vom Willen, sondern sie meint das rechte "Gleichgewicht", die rechte Beurteilung der Naturdinge im Lichte dessen, was uns von Gott als unser Ziel geoffenbart ist. Es geht nicht darum, nicht zu wollen oder zu lieben, sondern darum, das Richtige (zum richtigen Zeitpunkt) zu wollen oder zu lieben, damit wir zu unserem Ziel gelangen. Um dieses "Richtige" zu beurteilen, gibt es einen objektiv gültigen Maßstab "wo dies der Freiheit unseres Wahlvermögens eingeräumt" oder wo es "verboten ist": Das Wort Gottes, von dem das Zweite Vatikanische Konzil sagt: "Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird." (DV 10)
Damit lehrte Ignatius natürlich nichts Neues, sondern das zählt zum Grundbestand christlichen Weltverständnisses; Ignatius bringt es nur sehr prägnant auf den Punkt.


Sodann berufen sich die Suizidalen auch noch auf den sensus fidei fidelium, den man auch als sensus ecclesiae - ein Fühlen mit der Kirche (oder schlicht: kirchliche Gesinnung) - bezeichnet, und der den "geistlichen" Charakter dieser Demokratie sicherstellen soll. Über diesen sensus schreibt Ignatius u.a.:
»Um das wahre Fühlen zu erlangen, das wir in der diensttuenden Kirche haben sollen, werden die folgenden Regeln beachtet

Die erste. In Absehung jeglichen [privaten] Urteils müssen wir den Geist gerüstet und bereit halten, dazu hin, in allem zu gehorchen der wahren Braut Christi Unseres Herrn, die da ist Unsere Heilige Mutter, die Hierarchische Kirche.

Die zweite. Loben [im Sinne von: Wir versprechen zu tun] die Beichte beim Priester und den Empfang des Heiligsten Sakramentes einmal im Jahr, und viel mehr noch jeden Monat, und viel besser noch alle acht Tage, unter den erforderten und geschuldeten Bedingungen.
 
[...] 

Die neunte. Loben endlich alle Vorschriften der Kirche, stets bereiten Geistes, um Gründe zu ihrer Verteidigung zu finden und in keiner Weise zum Widerstand gegen sie.

[...]«

 
Tja... (vgl. meinen sehr kurzer Senf dazu hier). Wieder zeigt sich, dass der Versuch, diese falsche Reformagenda irgendwie an die Glaubens- und Denktradition der Kirche anzubinden, nicht funktioniert... Und wiederum gilt: Entweder wissen sie nicht, was sie da faseln, oder sie wissen es und führen die Menschen ganz bewusst in die Irre.
Ich finde es immer ganz erstaunlich, wenn die falschen Reformer irgendwelche Heiligen instrumentalisieren, um damit gegen die heilige Ordnung der Kirche zu kämpfen (z.B. Katharina von Siena)... die Tatsache, dass es sich um Heilige der Kirche handelt, müsste jedem schon ein genügender Hinweis sein, dass hier etwas faul ist. Im Zweifel genügt ein flüchtiger Blick in das, was jener Heilige tatsächlich gesagt/geschrieben hat, um den Irrtum der Instrumentalisierer zu beweisen.

Die ultimative Ironie dieses beschämenden Dokuments scheint mir darin zu liegen, dass diese Menschen mit dem irreführenden Rückgriff auf eine der größten religiösen Gestalten "Unvoreingenommenheit" predigen, während das Dokument zugleich dazu dient, ihre eigene Voreingenommenheit gegen DEN allgemeinmenschlichen religiösen Grundvollzug schlechthin zu verbreiten. Die Autoren und ihre Unterstützer sind wahrhaftig "unvereingenommen": sie sind völlig gleichgültig gegenüber der Offenbarung, haben keine Ahnung vom christlichen Glauben und wissen nicht, was Gebet ist - was wohl leider auf die große Mehrzahl der Suizidalen zutrifft (anderes Beispiel: hier).
 
Der Blick auf den Gekreuzigten muss für diese Menschen ganz unerträglich sein... darum ersetzen sie ihn durch "Diskussionen, Abstimmungen und Wahlen"...


Zu dokumentationszwecken. Die sich so dummdreist Äußernden, und das christliche Beten faktisch durch Politik Ersetzenden sind (laut dem Dokument): der "Berufsverband der Pastoralreferent*innen Deutschlands e.V." und der "Bundesverband der Gemeindereferent/-innen Deutschlands e.V."; des Weiteren: fr. Simon Hacker OP, Jan Hilkenbach (Diözesankomitee Paderborn), Ulrich Hoffmann (Präsident des Familienbundes der Katholiken), Lucia Lagoda (Bundesvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands [kfd]), Viola Kohlberger (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg [DPSG], Diözesanverband Augsburg), Wolfgang Klose (Vizepräsident des ZdK und Diözesanrat in Berlin), Nadine Mersch (Sozialdienst Katholischer Frauen), Lukas Nusser (KjG Diözesanleiter in Freiburg), Gregor Podschun (Bundesvorsitzender des BDKJ), Sr. Nicola Maria Schmitt, Brigitte Vielhaus (Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands), Prof. Dr. Agnes Wuckelt (stellv. Bundesvorsitzende Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands).

Freitag, 24. Juli 2020

Hirtenamt und Laienwürde

Dass nun nicht wenige Bischöfe den Laien mehr Leitungsverantwortung (vulgo: Macht) in der Kirche geben wollen, erinnert mich sehr an die Zeit der Fürstbischöfe, die keine Weihe empfangen hatten, sondern eigentlich nur weltliche Herrscher waren. Sakramentale Verrichtungen übernahmen die so genannten „Weihbischöfe“, die extra angestellt wurde, weil die eigentlichen „Bischöfe“ mangels Weihe selbst keine Weihen vornehmen konnten. Zu Recht lehnen wir solche Verhältnisse heute ab: Der oberste Hirte eines Bistums muss geweiht sein, wirklich Bischof sein, nicht bloß ein weltlicher Herrscher. Aber warum eigentlich? Man hat damals das Leitungsamt in der Kirche in zwei Bestandteile zerlegt, die zuvor fraglos zusammen gehörten: Sakrament und Regiment (da steckt das Wort „regieren“ drin).

Ein kurzer Abstecher: Das Volk Israel verlangte einst in seiner Ignoranz: „ein König soll über uns herrschen!“ Dies geschah mit der Begründung: „Wir wollen wie alle anderen Völker sein.“ (1 Sam 8,19-20) [Man vergleiche die fast gleichlautende Formulierung beim Götzendienst: „Wir wollen sein wie die Heiden, wie die Völker in den andern Ländern, und Holz und Stein anbeten.“ (Hes 20,32)] In ähnlicher Weise ist die Aufspaltung des Hirtenamts in der Kirche nach dem Vorbild der profanen Welt geschehen: Man wollte das Regiment ohne das lästige Sakrament, oder konkreter: Man wollte Herrschaft (Prestige und Geld) ohne zölibatär leben zu müssen... so wie die weltlichen Herrscher auch. Nochmal anders: Laien wollten Macht in der Kirche.

Seit ältester Zeit gehören in der Kirche Leitung und Heiligung wesentlich zusammen, beides war und ist Merkmal des einen in apostolischer Nachfolge ausgeübten Hirtenamtes, wie es dem Sinn und Existenzgrund der Kirche (Verkündigung des Evangeliums) entspricht. Das Führen der Herde auf die Weide und zur Quelle umfasst stets beides: Leitung und sakramentliche Heiligung. Joseph Ratzinger hat treffend beschrieben, was geschieht, wenn diese Einheit aufgebrochen wird: Es handelt sich um eine unzulässige Trennung jener beiden Vollmachten des Hirtenamtes, „bei der die eine ins Magische, die andere ins Profane abgedrängt wird: Das Sakrament wird nur mehr rituell und nicht als Auftrag zur Leitung der Kirche durch Wort und Liturgie gefaßt; das Leiten umgekehrt wird als ein rein politisch-administratives geschäft gesehen – weil man offenbar die Kirche selbst nur für ein politisches Instrument hält.“ (Demokratie in der Kirche, 31-32) „In Wahrhweit“, so fährt Ratzinger fort, „ist das Vorsteheramt in der Kirche ein unteilbarer Dienst. Die Kirche, der vorzustehen ist, ist ihrem Kern nach Versammlung. Diese Versammlung aber kommt zusammen, um Tod und Auferstehung Jesu Christi zu verkündigen. Das Vorstehen in ihr vollzieht sich daher nicht anders als in der Vollmacht der sakramentalen Verkündigung.“ (Ebd.)

Die Fürstbischöfe mit ihren Weihbischöfen waren ein Bruch mit dieser apostolischen Tradition, ein Schandfleck der Kirchengeschichte. Die so handelnden wollten es bequem, wollten herrschen, ohne lästige sakramentale Vollzüge und die an sie geknüpften Verpflichtungen. Sie wollten die Macht, aber ohne den großen Anspruch der Lebenshingabe im sakramentalen Amt, denn dieser Anspruch ist kein geringer. Mit den Worten von Marianne Schlosser: „Die Ehelosigkeit ist eine sehr konkrete, auch in der Dimension des Verzichtes spürbare, Form der Übereignung an Gott: Ihm wird gegeben das Verlangen, fruchtbar und nicht sinnlos zu leben, und die Sehnsucht, personal geliebt zu sein. Es wird gegeben ‚um des Himmelreiches willen‘, in der glaubenden Gewissheit, dass man niemals Gott etwas gibt, ohne dass ER mehr zurückgibt, in der zuversichtlichen Hoffnung, dass dadurch diejenige Liebe (caritas) wachse, die zum Heil anderer beiträgt, die Liebe des Guten Hirten, der sein Leben für die Seinen einsetzt.“ (hier)
Natürlich schützt die Sakramentalität des Amtes nicht völlig vor dem Missbrauch von Macht und vor falschen Motiven. Aber es besteht doch die begründete Hoffnung, dass das Wirken Gottes und das Gebet der Gläubigen wirksam werden können. Oder, wie es Marianne Schlosser an anderer Stelle ausdrückt: „Die Kirche bindet die Übertragung von Vollmacht und besonderer Verantwortung an Kriterien, auch an eine längere Ausbildung und Prüfung der charakterlichen und religiösen Voraussetzungen eines Kandidaten, um Risiken zu minimieren. Und im Ritus der Weihe kommt das Vertrauen in das Gebet der Gläubigen zum Ausdruck, dass der Heilige Geist nicht untätig bleiben wird. Solange das Leitungsamt (‚munus regiminis‘) – selbst wenn das nur ein fernes Ideal wäre! – dialektisch mit der ‚diakonia Christi‘ (Joh 13,13-16; Lk 22,27) verbunden ist, das heißt: mit der Entäußerung von sich selbst notfalls bis zur Lebenshingabe, gibt es wenigstens Hoffnung, dass sich einige, viele, möglichst alle daran ausrichten – Hoffnung, dass man den Gipfel nicht aus den Augen verliert, selbst wenn man zurückfiele.“ (hier)

Was wir heute erleben, erinnert doch stark an jene finsteren Zeiten der Fürstbischöfe, nur etwas abgewandelt: Die heutigen Bischöfe wollen ebenfalls den Leitungsdienst vom Heiligungsdienst abtrennen, nur wollen sie im Unterschied zu den Fürstbischöfen die Last der Leitungsverantwortung abgeben.
Ich kann zwar keinem unserer Bischöfe ins Herz schauen, ihre Motivationen sind mir fremd, aber es scheint mir nicht so weit hergeholt, auch hier eine gewisse Bequemlichkeit zu vermuten. Das gleiche erleben wir seit Jahrzehnten mit den Pfarrern. Nicht wenige Bischöfe und Pfarrer, so scheint mir, sind froh darüber, nur mehr „Sakramentenonkel“ zu sein und die lästige Verantwortung der schnöden Leitung und Verwaltung abgeben zu können: „Die Leute lassen sich ja eh nichts mehr sagen!“ Damit geben sie auch Verantwortung ab und nehmen so wiederum viele Lasten von ihren Schultern weg.
Damit tun die Verantwortlichen das Gleiche, was die Fürstbischöfe von einst taten: Sie zerteilen das eine Hirtenamt gegen die beständige Überlieferung der Kirche, so als ob Leitung und Heiligung voneinander getrennte Aufgabenbereiche wären. Man kann sie wohl unterscheiden, aber in der Kirche, die sowohl eine sichtbare Institution als auch eine unsichtbare sakramentale Wirklichkeit ist, lassen sie sich nicht trennen.

Dass die gegenwärtigen Strukturen in Deutschland eine solche Trennung erforderlich machen würden (sprich: verteilung auf mehrere Schultern), ist ein Scheinargument, denn diese Strukturen wurden ja bewusst anhand der Prämisse errichtet, dass die Laien immer mehr davon übernehmen sollen. Die Strukturen sind nicht einfach so, wie ein Schicksal, wie ein Umstand, mit dem man sich arrangieren muss… sie wurden von den Verantwortlichen im wachen Zustand so gestaltet, auch auf Druck der Laien die nach Macht strebten. Bestes Beispiel sind Pfarrgemeinderäte, die laut Kirchenrecht eigentlich nur beratende Funktion haben dürften, faktisch hierzulande aber bestimmend sind und dem Pfarrer nur das negative Rech des Einspruchs lassen, ihm also die positive Initiative faktisch aus der Hand genommen haben.

Übrigens zeigt sich dieses gleiche Muster der Zerteilung des Hirtendienstes und der Rückkehr zu überwundenen Fehlentwicklungen der Geschichte auch bei der Argumentation für das Frauenpriestertum. Etwa, wenn mit der großen Bedeutung argumentiert wird, die in der Vergangenheit manche Äbtissinnen hatten. Diese hätten viel Macht und Einfluss besessen und sogar nach ihrem Gutdünken über Priester bestimmt, folglich könne man Frauen nicht von Leitungspositionen, sogar über den Priestern, ausschließen.
Dabei wird freilich das Faktum unterschlagen, dass jene Äbtissinnen mehr Ähnlichkeit mit jenen Fürstbischöfen hatten, als mit Ordensfrauen: Auch für so eine Äbtissin war der Posten eher eine herrschaftliche Einrichtung (Prestige und Geld): Sie waren weltliche Herrscherinnen, lebten nicht im Kloster, legten keine Gelübde ab und verließen den Posten des Öfteren bald wieder um zu heiraten. Auch hier waren Leitungsdienst und Heiligungsdienst (die geistliche Führung der Klostergemeinschaft) zerteilt: Die geistlichen Aufgaben übernahm, analog zu den oben erwähnten Weihbischöfen, die Priorin, die Äbtissin schaute nur gelegentlich mal vorbei. (Mit vielen Äbten war das übrigens genauso.) Ihre „Leitungsposition“ als Äbtissin hatten sie also darum inne, weil sie weltliche Herrscherinnen waren. Oder so: Sie hatten ihre Macht nicht, weil oder trotz dass sie Äbtissinnen (oder: Frauen) waren, sondern sie waren Äbtissinnen, weil sie weltliche, feudale Machthaber waren, ihr Geschlecht spielte dabei keine Rolle. Na, ob das ein gutes Modell für heute ist?

Also: Man möchte Leitungsdienst und Heiligungsdienst trennen, und fällt damit in den gleichen Irrtum, den wir zu Recht verurteilen, nämlich die Zerteilung des apostolischen Hirtenamtes. Rom hat diesen wesentlichen(!) Zusammenhang bezüglich der Pfarrer nun erneut bekräftigt und zugleich die Verantwortung der Laien für die angestrebte pastorale Umkehr betont.


Wo liegen die Gründe?

Vielleicht kommen wir dem Grund für das heutige „Machtstreben“ der Laien durch die Sprache etwas näher: Wenn wir in dieser Debatte von „Verantwortung“ reden, dann meinen wir Leitungsverantwortung, Letztverantwortung. Doch das ist eine extreme Verkürzung. Verantwortung trägt nämlich auch der, der nicht das letzte Wort hat. Man spricht dann ungeschickterweise von „Mitverantwortung“ und wertet das als einen negativen, abwertenden Ausdruck. Das empfinde ich aber als irreführend. Denn auch wenn ich nicht der letzte Entscheider, der Hauptverantwortungsträger bin, so bin ich doch (mit-)verantwortlich für das Ganze. Ich bin verantwortlich durch mein Zeugnis in meinem Lebenswandel und in meinem Wort. Ich bin ggf. verantwortlich im beratenden Wort und im Gehorsam, soweit es eben an mir liegt.
Und da sehe ich den Knackpunkt: Dieses Letzte ist nicht gewollt. Diese Form der Verantwortung (für das eigene Handeln!) ist nicht gewollt. Niemand will gehorsam sein, und zwar nicht bloß was den Pfarrer oder den Bischof betrifft. Letztlich geht der Gehorsam bekanntlich gegen Gott („wer euch hört, hört mich“). Dieser darf bekanntlich nicht mehr als Gebietender verkündet werden, sondern muss stets auf Augenhöhe gehalten werden – die Zehn Gebote sind nur ein Gesprächsangebot. Das Machtstreben der Gläubigen hat seine letzte Motivation, sein letztes Ziel nicht in der Augenhöhe mit Pfarrer und Bischof – das sind nur Äußerlichkeiten –, sondern der Abbau der irdischen Hierarchie soll v.a. strukturell (sichtbar) das widerspiegeln, was ohnehin schon im Gottesverhältnis propagiert und eingeübt wurde.
Letztlich spricht man nicht dem Bischof die Leitungsvollmacht ab, sondern Gott. Alles soll dialogisch, demokratisch sein. Darum müssen Heiligung und Leitung getrennt werden: Die Heilung und Heiligung von Gott möchte man, aber die Gebote nicht unbedingt, nur wenn sie gerade passen. Man ist bequem. Den Anspruch, der mit dem Heilsangebot Gottes einhergeht, den lehnt man ab. Die Bedingung nimmt man eigentlich gar nicht mehr wahr: „Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben“ (Joh 15,10).

Und was machen die Hirten angesichts dieser Bestrebungen? Die meisten Bischöfe (und Pfarrer) haben diesbezüglich schon lange klein beigegeben. Es wird weithin nicht mehr verkündet, sondern möglichst unverbindlich angeboten; nicht mehr ermahnt, sondern nur noch beraten. Nicht wenige Hirten haben sich ein Fell übergezogen, laufen auf allen Vieren und machen freudig „määh“.
Ein Freund hatte mir das neutlich sehr drastisch gesagt: Er befürchtet, dass es nie zu einem „offiziellen“ Schisma kommen wird, sondern dass der Brand unbenannt, knapp unter der Oberfläche und kaum durch Floskeln verschleiert, weiter vor sich hin schwelt, da die Hirten (in Deutschland und in Rom) zu schwach sind. Sie haben weder den Charakter, noch die Intelligenz, und erst recht nicht die Leidenschaft, die einen echten Häretiker/Schismatiker vom Schlag eines Marcion, Arius, Jan Hus oder Martin Luther (vgl. dazu das sehr lehrreiche „Buch der Ketzer“ von Walter Nigg) oder ihre katholischen Kontrahenten auszeichneten. Unsere Bischöfe sind in der Mehrheit lauwarm, theologisch alles andere als versiert und sie haben v.a. Angst um ihr Ansehen (vgl. meine Gedanken dazu hier). Anders ausgedrückt: Ein „offizielle“ Schisma erfordert den Mut zum (falschen) Bekenntnis. Den haben unsere Bischöfe in der Mehrheit jedoch nicht.

Das Traurigste ist, dass es nicht so sein muss. Die Alternative ist nämlich gerade nicht die Widerherstellung fürstbischöflicher absolutistischer Verhältnisse. Wenn die Laien, statt den Anspruch und die Last von Gottes Geboten abzuwerfen, sich ihrer Verantwortung vor Gott bewusst wären, gerade dann würde ein fruchtbares und wahrhaft christliches Verhältnis zwischen Klerikern und Laien im Leben der Kirche entstehen. Man stelle sich allein schon die Entlastung vor, wenn die Zuständigkeiten klar wären… die meisten Sitzungen hätten sich erledigt.

Auch hier bietet die verwendete Sprache Anhaltspunkte: So liegt es durchaus im Interesse der Akteure, dass der Begriff „Laie“ negativ besetzt ist und negativ besetzt bleibt. Die negative Definition „Laien sind die, die nicht geweiht sind“ ist in der aktuellen (jahrzehntealten) Debatte mit voller Absicht von interessierten Kreisen gesetzt worden; sie ließe sich problemlos durch eine positive Bestimmung (etwa: Glieder des königlich-priesterlich-prophetischen Volkes [gr. loas] Gottes, auserwähltes Geschlecht, Erben des Reiches Gottes) ersetzen – aber das wird verhindert, denn die Laien sollen sich als Defizitär und als unterjochte Opfer der „Kleriker“ fühlen. Durch diese sprachliche Festlegung haben sie auch weiterhin stets den Eindruck, in „Kirche“ nichts von Bedeutung tun zu können, solange sie nicht entweder die Leitungsgewalt der Geweihten bekommen, oder selbst geweiht werden (Thema Frauenpriestertum). Wobei mir hier die große Mehrheit der Leute nur Stimmvieh einiger Weniger zu sein scheint, die dabei die Hebel in der Hand haben und z.B. jenes Sprachspiel aufrechterhalten, die allermeisten wissen gar nicht, wovon sie reden.

Es ist eine Lüge, wenn behauptet wird, die Laien seien sich ihrer Würde bewusst geworden und würden eben darum nach Macht in der Kirche streben. Die Laien sind die vorrangigen Träger des Auftrags der Kirche! Dieser Auftrag besteht aber gerade nicht darin, „Kirche“ zu gestalten, sondern der Welt das Evangelium zu verkünden (vgl. Ratzingers Kommentar zum suizidalen Weg, HIER). Die Würde der Laien besteht eben gerade darin, die Mission der Kirche in die Welt hinaus zu tragen. Mit einem militärischen Gleichnis (nicht, dass ich besonders militärafffin wäre, aber von Fußball hab ich noch weniger Ahnung): Die Laien sind die Frontlinie der Mission, die Phalanx des „gehet hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern“. Die römische Instruktion nennt daher alle Getauften „aktive Protagonisten der Evangelisierung“. Die Kleriker sind dabei eher die Sanitäter und Versorgungsoffiziere im Hintergrund und zuweilen auch mal die Artillerie… der eigentliche Nahkampf wird von den Laien geleistet, die in ihrem Alltag in der Welt mit dem Zeugnis ihres Lebens Christus bezeugen. Darin besteht ihre Würde, nicht in „Macht in der Kirche“.
Ich befürchte (wieder: ich kann in niemandes Herz schauen, aber der Verdacht drängt sich mir auf), dass sich unsere Gremien- und Verbandskatholiken darum so sehr auf die ihnen nicht zustehenden Posten in der Kirche konzentrieren, weil sie nicht willens und/oder nicht fähig sind zum Zeugnis nach draußen, wo ein verwässerter Glaube nichts gilt und nur das furchtlose Bekenntnis den Unterschied macht. Sie sind, im vorigen Gleichnis gesprochen, fahnenflüchtig, und versuchen sich jetzt unter die Versorgungsoffiziere und Sanitäter zu mischen, um bloß nicht an die Front zu müssen.

Rekapitulieren wir: Die Hirten wollen mit den Schafen blöken und die Ziegen möchten gerne Gärtner sein. So. Ein. Unsinn.
Die meisten Hirten und (jedenfalls der Lautstärke nach zu urteilen) der Großteil der Herde gleichermaßen, haben nicht den Mut zum Gehorsam gegenüber Gott und zum Bekenntnis gegenüber den Menschen... welchen Wert hat das ganze dann noch? Dann taugen wir wahrhaftig nur noch als eine politisch-ökologische Pazifisten-NGO...

Dienstag, 25. Februar 2014

Freiburgs logische Demokratisten

klickmich

Die Freiburger Ungehorsamsaufrufer wissen, dass sich Erzbischof Robert Zollitsch in Rom keine Freunde gemacht hat, als er auf die Freiburger Ungehorsamsaufrufer zuging und ihnen brav gehorchte. Nun wollen die Freiburger Ungehorsamsaufrufer ihren nächsten Bischof selber wählen. Rom soll nun auch gehorchen.
Logisch.

Meine Gedanken zu Demokratie in der Kirche: hier.

Samstag, 15. Februar 2014

Demokratie (= Politik) in der Kirche


Der Tanz um die Demokratie?
Als ich heute in der Messe die Lesung vortrug (1Kö 12,26-32.13,33-34), erinnerte mich das darin Geschilderte doch frappierend an Forderungen nach Demokratie in der Kirche (etwa in Köln) und mehr noch an die unsäglichen Pöbel in Chur oder in Limburg (wo man sich recht offensichtlich gegen die Lehre der Kirche stemmt). Denn was, so frage ich mich, hätten wir anderes zu erwarten, als dass nach Einführung demokratischer Stukturen der Wahlkampf beginnt und wir am Ende doch nur Politiker zu wählen bekommen die dann keine Hirten, sondern Funktionäre sind?

Dass die Verantwortungsträger in der Kirche nicht nach deren eigenem Willen oder dem irgendwelcher Interessengruppen (Demokratie verlangt letztlich Parteiungen) bestellt werden, empfinde ich als einen besonderen Segen. Als Katholiken glauben wir an den göttlichen Beistand, der der Kirche beständig verheißen ist. Dass sich dieser Beistand heute schwerlich über die vox populi kundtun kann, ist eigentlich evident: Wenn in der alten Kirche die Stimme des Volkes als göttlich inspiriert betrachtet werden konnte, oder wenn z.B. der hl. Benedikt in seiner Ordensregel über die Bestellung eines Abtes schreibt: 
»Es werde der bestellt, den die ganze Gemeinschaft einmütig in Gottesfurcht gewählt hat oder ein noch so kleiner Teil in besserer Einsicht« (64. Kapitel)
dann ist immer dabei vorausgesetzt, dass bei den "Wählenden" nicht nur ein profundes religiöses Wissen, sondern auch eine brennende Liebe zu Gott und seiner Kirche vorhanden ist, und nicht etwa provintialistische Ideologien das Programm bestimmen.
Als Bischöfe mancherorts noch vom Volk per Akklamation bestimmt wurden, gab es noch kein bequemes und strukturell wie finanziell gepolstertes Verbandschristentum, wie wir es heute etwa in Deutschland haben. Da war Christsein noch lebensgefährlich und eine ehrliche Frömmigkeit und tiefe Verwurzelung im Leben und Feiern der Kirche, immer im Gehorsam zum Evangelium und zu den Hirten, war überlebenswichtig. Das war auch die Zeit, als der Taufe ein oft jahrelanger Weg des Katechumenats voranging und die religiöse Bildung, wie auch die Bildung des Herzens, von ganz entscheidender Bedeutung war (nicht zuletzt, weil überall gefährliche Häresien sprossen).


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Die Perikope die die Kirche uns heute in der Lesung vorlegt ist nicht leicht verständlich, wenn man nicht den historischen und religionsgeschichtlichen Kontext kennt. Ein paar Worte zum Verständnis (bitte den Text selbst lesen).

Vorgstern laß die Kirche die Perikope 1Kö 11,4-13, in der vom Abfall Salomos erzählt wurde, weil er Kulthöhen für die fremden Götter seiner Frauen errichtete. Jerobeam wird von Salomo ob seiner Tüchtigkeit zum Fronvogt eingesetzt; später ist es Gott selbst, der Jerobeam durch den Propheten Ahia zum König über das Zehnstämmereich (das Nordreich: Israel; im Unterschied zum Südreich: Juda) einsetzt. Ahia zerreißt den Mantel, den er trägt, und sagt zu Jerobeam: 
»Nimm dir zehn Stücke; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Ich nehme Salomo das Königtum weg und gebe dir zehn Stämme.« (1Kö 11,31)
Zehn Stämme deshalb, weil der Stamm Juda, der Verheißung an Salomo gemäß, nicht preisgegeben wird (1Kö 11,13: "ich lasse deinem Sohn noch einen Stamm wegen meines Knechtes David und wegen Jerusalem, der Stadt, die ich erwählt habe") und weil ein Stamm hier naturgemäß nicht mitgezählt wird, nämlich der Stamm Levi, der kein Land besaß (vgl. 4Mo 1,49–50). 

In der heutigen Perikope nun fürchtet Jerobeam, das ihm übergebene Reich könnte wieder an den König von Juda (und damit Jerusalem) zurückfallen. Um das zu verhindern, kreiert Jerobeam seinen eigenen maßgeschneiderten Kult (zwei goldene Stiere als Kultobjekte; "Kalb" wird als verächtliche Bezeichnung gebraucht), um die religöse Aufmerksamkeit von Jerusalem abzulenken. Er benutzt also diese Religion Marke Eigenbau zum Machterhalt.

Jerobeam wollte vermutlich nicht den Jahwe-Kult abschaffen (1Kö 12,28 sagt er über die Kälber: "dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten heraufgeführt hat"), aber ihn doch in ihm nützliche Bahnen lenken. In Bet-El hat bekanntlich der Erzvater Jakob bereits einen Altar errichtet und auch Dan blieb von Israels Kult nicht unberührt. Aber der Stier als zu verehrendes Abbild war in Israels Umgebung als Götze wohlbekannt und beeinträchtigte somit die Klarheit in der Verehrung Jahwes (v.a. gehörte der Stier zur Ikonographie des Baal). Besonders gravierend war es, dass Jerobeam an diesen Kultstätten in Bet-El und Dan viele Opfer darbringen ließ, was nach dem göttlichen Gesetz nur in Jerusalem zu geschehen hatte (vgl. 5Mo 12,5-14).

Schließlich verstieß Jerobeam auch dahingehend gegen die göttlichen Anordnungen, dass er mehrere Höhenheiligtümer errichtete, quasi als Konkurrenz zum Tempel in Jerusalem (der aber außer Konkurrenz stand, weil er die Bundeslade beherbergte) und er zudem die Leviten (die eigentlichen Priester!) aus dem priesterlichen Dienst ausschloss um sodann Priester und Hohepriester aus allen Stämmen nach Gutdünken zu bestellte:
»Er bestellte weiterhin aus allen Teilen des Volkes Priester für die Kulthöhen; jeden, der es wünschte, setzte er als Höhenpriester ein.« (1Kö 13,33)
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Zurück zur Forderung nach Demokrartie in der Kirche: Wie die Bedingungen früher waren, und warum die vox populi noch Gewicht haben konnte, habe ich schon erläutert. Und was haben wir heute? 
Wir haben kirchliche Beamtenapparate auf der einen Seite, und auf der anderen einen beispiellosen Bankrott des religiösen Wissens bei den Gläubigen. Von der weitverbreiteten Gleichgültigkeit gegenüber der (Welt)Kirche bei vielen, die sich "katholisch" nennen, ganz zu schweigen. Was sich heute an "Kirchenvolk" (nicht selten aggressiv) gebärdet, kann unmöglich die vox Dei in Gestalt der vox populi sein, weil dieses "Volk" mehrheitlich einem schier grenzenlosen Individualismus und Relativismus verfallen ist und bei ihnen meist nicht einmal mehr Grundkenntnisse dessen anzutreffen sind, was man Glaubenswissen oder gar Glaubenssinn nennen kann. Das sentire cum ecclesia, das "Fühlen mit der Kirche" ist heute zu einem provintialistischen Tunnelblick mutiert.
Man setzt sich heutzutage in den Reihen der "engagierten Katholiken" bei achso wichtigen Fragen mehrheitlich schon aus Gewohnheit in einen dezidierten Widerspruch nicht nur zum bösenbösen "Lehramt der Kirche" (der Beweis: hier), sondern auch zu allem was in der Kirchengeschichte Wahr und Heilig war (vgl. dazu hier). Dass nur noch ein Bruchteil der Gläubigen (auch derer, die sich allzugerne kirchenpolitisch äußern!) regelmäßig am Gottesdienst der Kirche teilnimmt und die Sakramente würdig empfängt, ist auch kein Geheimnis. [Ich weiß z.B., dass an der Diözesanversammlung letztes Jahr in Freiburg zahlreiche Personen als "Delegierte" teilnahmen, die nicht einmal wussten, welcher Pfarrgemeinde sie eigentlich angehören! Von der katastrophalen Unwissenheit vieler dieser Menschen habe ich heute noch Alpträume. Ein paar Eindrücke: hier.]
Auch die "theologische Wissenschaft" kann heute kaum Abhilfe schaffen, sie ist ja zu nicht kleinen Teilen an der aktuellen Misere schuld (siehe hier)!

Was wir heute als "Repräsentativum" (und meist von den Ortskirchen finanziell getragen!) vorfinden (Diözesanversammlung!), sind allerlei politische Initaitiven, die mit politischer Denkweise und politischen Forderungen gehör finden wollen (ZdK, BDKJ etc.). Wenn es solchen Haufen erlaubt würde, die Hirten zu bestimmen oder zu lenken, wäre das Resultat wohl dem nicht unähnlich, was Jerobeam in Israel getan hat... die Religion würde zum Werkzeug für allerlei politische Ideologien die (man sieht es ja an den Forderungen in Chur, siehe hier) nicht selten im Widerspruch zur von Gott geleiteten Kirche stehen. Dass die Demokratie dann als etwas "Erlösendes" charakterisiert werden könnte (endlich Befreiung aus der Unmündigkeit!) und sie somit den Platz der goldenen Kälber einnehmen würde, wäre dabei nur noch das Sahnehäubchen.

Um es kurz zu machen: Dem "Kirchenvolk" (auch vielen Priestern und wohmöglich sogar manchen Bischöfen...) fehlt heute in aller Regel schlicht und ergreifend die Qualifikation, um über irgendetwas Wichtiges "demokratisch" bestimmen zu können (und daran sind sie nicht nur selber Schuld, vgl. hier)!

Falls es hart auf hart kommt, und diese Leute Erfolg haben sollten, mag es geschehen, dass Gott wiederum eingreift um dem falschen Kult zu begegnen... Jerobeam stellte sich schließlich selbst an die von ihm errichteten Altäre um dort zu opfern (erinnert mich irgendwie an die Meute in Limburg, die ihren Bischof davonjagen will...), aber ein Gottesmann trat ihm entgegen:
»Während Jerobeam am Altar stand, um zu opfern, kam ein Gottesmann aus Juda im Auftrag des Herrn nach Bet-El. Er rief im Auftrag des Herrn gegen den Altar: Altar, Altar! So spricht der Herr: Dem Haus David wird ein Sohn geboren mit Namen Joschija. Dieser wird auf dir die Höhenpriester hinschlachten, die auf dir opfern, und die Gebeine von Menschen wird man auf dir verbrennen.« (1Kö 13,1-2)


Zum Schluss ein Gedankenexperiment: Wenn die Kirche so weit zusammengeschrumpft und gesellschaftlich dermaßen geächtet und marginalisiert ist, dass man nur noch aufgrund tiefster Überzeugung und größter Beharrlichkeit "Katholik" sein kann; wenn das Studium der Schrift, der Väter und des Katechismus neben der Feier der Sakramente wirklich das (Über)Lebensprinzip dieser kleinen verstreuten Gruppen geworden ist; wenn der jeweilige Bischof seine kleine Herde tägtäglich seinem Amt entsprechend leitet, lehrt, heiligt und in der Einheit bewahrt; wenn es im innerkatholischen Austausch nicht mehr um Strukturdebatten, politische Korrektheit und Anpassungen an die "Welt", sondern einzig um das Heil der Seelen und das Lob Gottes geht... wenn also die Bedingungen gegeben sind, unter denen sich einst die Stimme Gottes in der Stimme des "Volkes" Gehör verschaffte  - DANN dürfen meinetwegen die einzelnen Gemeinden gerne ihre Bischöfe wählen!
Bis dahin, sollten wir dankbar dafür sein, dass diese Kirche in der Lage ist, selbstständig dem Heil der Seelen zu dienen, ohne sich von irgendwelchen Gruppen, Parteien, Staaten, Unternehmen oder dergleichen lenken zu lassen. Sie ist nur Gott verantwortlich, der sie als seine Braut liebt und beschützt. Sie bleibt die "Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist" (1Tim 3,15).


PS. Natürlich bleibt es Glaubenssatz, dass die Kirche hierarchisch strukturiert ist. 
Zur Frage der Verfasstheit der Katholischen Kirche, empfehle ich die Lektüre hier.

Freitag, 13. Dezember 2013

Von der "Wahl" eines Bischofs

Unsere Bundeskanzlerin demonstriert seit einigen Jahren in immer exzellenterer Weise, wie Demokratie funktioniert. Nämlich v.a. mit Anbiederung... wenn das "Volk" der Souverän ist, muss man sich gütlich mit ihm stellen, denn das Volk will bekanntlich nicht was "richtig" ist, sondern was das Gemüt anspricht. Eine Politik des Machterhalts zeichnet sich in einer Demokratie naturnotwendig durch Wankelmütigkeit und Standpunktlosigkeit aus. Wieso sind alle davon so überrascht? Wenn die Stimmung im Volk schwankt, muss natürlich derjenige, der regieren will, mitschwanken, sonst wird er nicht gewählt, und wer einen Standpunkt hat, macht sich notwendigerweise für einen Teil des Stimmviehs unwählbar.
Der einzelne Bürger mag noch so mündig sein, die Masse, und sie ist nunmal das, was in einer Demokratie zählt, ist es nicht! Vor allem in "Friedenszeiten" ist sie sehr verwöhnt...

Die Katholische Kirche in Deutschland leidet m.E. beträchtlich unter zu viel Einfluss durch die Politik. Das ZdK, jenes selbsternannte oberste Organ der Katholiken im Land, ist evidentermaßen ein Politikerkarussel, das nur marginal mit theologischer Kompetenz ausgestattet ist und das, soweit der Eindruck von Außen dies zu beurteilen zulässt (ein Urteil über den Einzelnen maße ich mir nicht an, ich sehe aber die Früchte des dort betriebenen Geschäfts!), ohne erkennbare Spuren von soetwas wie Frömmigkeit oder gar Heiligkeit bei den Mitgliedern auskommt.(Gleiches gilt auch für den Rat der EKD.)

Die Nähe der Politik zur Kirche ist natürlich nichts Neues, es gibt sie seit der Konstantinischen Wende. Heute kann diese Nähe aber weitaus zerstörerischer sein als früher, denn heute bekommt jeder diese Nähe zu spüren und, siehe Merkel, die politische Führung (auch in der Kirche) ist gezwungen, sich dem "Volk" anzubiedern, sich ihm gegenüber darzustellen... Dem mittelalterlichen Pfarreischäfchen konnten die Kanäle zwischen Bischof und Fürst recht egal sein, und dem Fürsten wiederum das Befinden jenes Schäfchens... heute ist das nicht mehr so, Demokratie und Medien sei Dank. 
Zudem geht es der deutschen Kirche ja so gut, dass sie allen Grund hat, verwöhnt und bequem zu sein... Es herrscht weitestgehend Friede... bei uns wird niemand für seinen Glauben verfolgt (es sei denn, er wiederspricht dem gesellschaftlichen Mainstream, was unsere geweihten und nicht geweihten Wortführer aber nur äußerst selten tun) und das finanzielle Polster federt noch immer alle Verrottung und allen Verfall im Unterbau ab. Dass das eigentliche Proprium der Kirche seit einem halben Jahrhundert hierzulande in eklatanter Weise verramscht und totgetrampelt wird (die Morallehre, mehr dazu hier, ist nur ein aktuelles Beispiel) stört dabei nur unmerklich... man schickt sich eher noch an, das bisherige Handeln zu verstärken. Das soll aber jetzt nicht das Thema sein, sondern hier geht es um die Frage nach der Bestellung von Bischöfen.

Um zu verstehen, warum die Kölner Initiative zur "Beteiligung an der Wahl eines Bischofs" so fragwürdig ist, ist es hilfreich zu betrachten, wie denn eigentlich ein Bischof zu seinem Amt kommt.


Der Regelfall der Bestellung eines Bischofs, der bei ca. 99% aller Bischofsernennungen in der römisch-katholischen Kirche vorliegt, funktioniert so:

In regelmäßigen Abständen (alle 1-3 Jahre) schickt der Bischof einer Diözese sowie die zuständige Bischofskonferenz eine so genannten Absolute Liste mit geeigneten Kandidaten nach Rom [die Liste ist "absolut", weil es dabei um Priester geht, die generell geeignet wären, in den Bischiofsstand aufgenommen zu werden, ohne dass damit bereits ein konkretes Bischofsamt verbunden wäre], sodass Rom immer einen Pool von Priestern in jeder Diözese kennt, aus denen man gegebenenfalls neue Bischöfe ziehen kann.
Wird ein Bistum vakant, weil der Bischof gestorben oder zurückgetreten ist, wird durch den örtlichen päpstlichen Legaten (Nuntius) unter geheimer Befragung der Bischöfe der betroffenen Kirchenprovinz, der zuständigen Bischofskonferenz, des Klerus der betroffenen Diözese sowie von Laien, "die sich durch Lebensweisheit (sapientia) auszeichnen" (c. 377 § 3 CIC), eine so genannte Relative (Dreier-)Liste geeigneter Kandidaten erstellt und ebenfalls nach Rom gesandt [diese Liste ist "relativ", weil sie Zweckgebunden ist für die Besetzung eines bestimmten Bischofsamtes, weswegen also auch Kandidaten draufstehen können, die bereits dem Bischofsstand angehören], die nun dem Pool geeigneter Kandidaten zugerechnet werden.

Jetzt kommt der Papst ins Spiel [wenn ich "Papst" sage, meine ich die römische Kurie, denn der Papst kann sich nicht um alles persönlich kümmern bzw. auch nur alles im Blick behalten; dafür hat er seine Dikasterien, die per Definition in seinem Auftrag handeln... weswegen es auch so idiotisch ist, einen Keil zwischen Papst Franziskus und EB Müller treiben zu wollen: Letzterer handelt im Auftrag von Ersterem und würde es diesem nicht gefallen, was jener macht, würde er ihn zurechtweisen, was er aber, oh Wunder!, nicht tut]: Der Papst wählt einen Kandidaten aus, der dann der nächste Bischof des vakant gewordenen Bistums wird. Wichtig ist dabei: Der Papst hat zwar die Listen aus der Diözese bzw. die des Nuntius zu berücksichtigen (und normalerweise beschränkt er sich auch auf sie), er ist in seiner Wahl aber letztlich völlig frei: Er ist nicht an den Pool (aus Absoluter Liste und Relativer [Dreier-]Liste) gebunden, sondern kann jede Person, die er für geeignet erachtet, zum neuen Bischof bestimmen... Punkt.
Das ist der Regelfall.

Nun gibt es da aber noch ein weltkirchlich völlig unbedeutendes Häufchen von Ausnahmefällen, die v.a. an einigen wenigen (und interessanterweise recht nah beeinander liegenden) Örtchen anzutreffen sind, nämlich in: ein paar Bistümern der Schweiz, Frankreichs und Österereichs sowie in allen deutschen Bistümern.

Wieso das so ist, braucht uns jetzt nicht zu kümmern, viel interessanter sind die konkreten Unterschiede zum Regelfall. Geregelt werden diese Ausnahmefälle von den jeweils geltenden Konkordaten. Für uns in Deutschland sind hierbei das Bayrische Konkordat, das Badische Konkordat sowie das Preußenkonkordat relevant ["Konkordate" sind völkerrechtliche Verträge zwischen dem Heiligen Stuhl und einzelnen Staaten].

Zunächst zum Bayrische Konkordat von 1924 (gilt für die bayrischen Diözesen und, sicher aus einem erheiternden historischen Grunde, auch in Speyer). Dieses unterscheidet sich betreffs der Bestellung von Bischöfen vom Regelfall dahingehend, dass nicht die Bischofskonferenz, sondern nur die bayrischen Bischöfe die periodische Absolute Liste nach Rom senden, und dass es zudem das Domkapitel (nicht der Nuntius) ist, das im Fall der Fälle eine Relative (Dreier-)Liste zusammenstellt. Der gravierendste Unterschied zum Regelfall besteht aber wohl darin, dass der Papst bei seiner Auswahl an den Pool der eingegangenen Listen gebunden ist; er kann nicht jemanden ernennen, der nicht auf einer der eingereichten Listen steht. Wie im Regalfall, wird auch hier der vom Papst ausgewählte Kandidat der neue Bischof (sofern der Staat nix dagegen hat).

Das Badische Konkordat von 1932 (das hier in Freiburg gilt) sowie für unser Thema quasi deckungsgleich das Preußenkonkordat von 1929 (das u.a. für Köln gilt) unterscheiden sich vom Regelfall wiefolgt: Die Absolute Liste schickt der jeweilige Diözesanbischof regelmäßig nach Rom, die Relative (Dreier-)Liste im Fall einer Vakanz wird vom Domkapitel des betroffenen Bistums zusammengestellt. Der Papst ist hier wieder frei in der Auswahl, er kann also auch Leute auswählen, die nicht auf den Listen stehen (das Domkapitel hat also nur ein Vorschlagsrecht). Allerdings bestimmt der Papst nicht eindeutig den neuen Bischof, sondern er sendet eine so genannte Terna in das vakante Bistum zurück. Dabei handelt es sich um eine Liste von drei Namen, von denen einer aus dem betreffenden Bistum stammt. Das Domkapitel des vakanten Bistums wählt dann aus dieser Dreierliste den neuen Bischof.

(Diese Ausnahmen sind der Grund, warum uns Deutschen die Ansprache des Papstes an die Apostolischen Nuntien im Juni [hier; vgl. auch hier] so fremd vorkam und uns eigentlich auch überhaupt nicht betraf: Bei uns hat der Nuntius bei Bischofsernennungen nix zu melden, er ist nur der Postbote.)


Zum Thema:
Wenn sich nun eine Kölner Initiative anschickt, Bischöfe "wählen" zu wollen, stellt sich die Frage: Wie?
Dass das Domkapitel für die Erstellung der Relativen (Dreier-)Liste auch Priester und Laien befragt, ist bereits Usus. Genau hier will man ansetzen und schlägt vor, dass nur solche Kandidaten auf die Liste kommen, die zuvor von wem auch immer "gewählt" wurden.
Fakt bleibt aber: Der Papst ist frei in der Auswahl der zur Wahl stehenden Kandidaten (relative Liste plus absolute Liste plus wen immer der Papst für geeignet hält). Das ganze "Wahlverfahren", wie immer sich das dann gestaltet, kann also völlig für die Katz sein.

Davon abgesehen muss man aber v.a. feststellen, dass eine "Wahl" durch das "Kirchenvolk" insofern äußerst fragwürdig ist, weil der normale Gläubige überhaupt keine Ahnung hat, wer denn für den bischöflichen Posten geeignet wäre... die meisten Gläubigen kennen nur ihren eigenen Pfarrer und vielleicht noch so manchen Priester, der, aus welchen Gründen auch immer, hie und da mal in den Medien erscheint (z.B. Bruder Paulus, um mal eines der sehr wenigen positives Beispiele zu nennen). 
Das Problem mit einer Einführung von (Pseudo-)Demokratie ist, dass man sich damit auch zwangsläufig Wahlkampf ins Haus holt, denn irgendwie müssen doch überhaupt mal Kandidaten die nötige Aufmerksamkeit haben, damit sie jemand kennt und also wählen kann, ansonsten "wählt" jeder nur seinen eigenen Pfarrer. Das "Wahlvolk" hat schlicht keinen Durchblick und keine Ahnung vom zur Verfügung stehenden Personal und deren Eignung (entsprechend dem, was in c. 378 CIC dargelegt ist)... die "Obrigkeit" hingegen schon, weswegen sie es auch ist, die klar fokussiert (und geheim!) Erkundigungen einholt und die Listen zusammenstellt!

Das historische Argument der KKI ist übrigens ziemlich unaufrichtig, weil es einfach nicht zieht: In der "alten Kirche" konnten Bischöfe aus und von ihrer Gemeinde gewählt werden, weil das, was dort die "Gemeinde" war, einen mengenmäßig überschaubren Kreis von Menschen bezeichnete, die sich unter einander kannten (es gab keine flächendeckende Pfarreistruktur, sondern Stadtkirchen und in so ziemlich jeder größeren Stadt gab es einen Bischof)... jeder kannte jeden, man wusste wer tauglich ist und wer nicht. Und selbst wenn es Spannungen und Spaltungen in diesen Gemeinden gab, gab es doch in aller Regel einen glühenden Eifer für den Glauben und die Kirche [und keine politische Abhängigkeit!]... etwas, was heute schlichtweg nicht mehr existiert. Davon abgesehen war es immer schon so, dass eine Gemeinde nie für sich einen Bischof bestimmen konnte, denn jeder Bischof musste von den Bischöfen der benachbarten Diözesen anerkannt und dann v.a. auch geweiht werden (daher die Vorgabe der für eine Bischofsweihe erforderlichen drei Konsekratoren)!
Die Kölner Kircheninitiative begeht zudem einen merklichen Schnitzer, wenn sie ihre Forderungen an der "früher" (wann?) gebräuchlichen "Befragung des Volkes" messen, denn "befragt" werden kann das Volk ja auch heute noch, was die KKI fordert ist aber eine Mitbestimmung des "Volkes"! Und die gab es "früher" nicht!

Dass die Kölner Initiative so unglaublich vage ist und sich abzeichnet, dass am Ende "(Kirchen-)Volksvertreter" diejenigen sein müssten, die tatsächlich "wählen", liegt in der Natur der Sache: Sie ist praktisch nicht anders durchführbar. Aber selbst dann krankt das System unheilbar an einem Legitimationsproblem, denn auch jene "Vertreter", etwa Pfarrgemeinderäte (die in aller Regel aber auch nicht mehr Ahnung haben!), können ja beim besten Willen nicht den Willen aller betroffenen Gläubigen repräsentieren... bei der letzten PGR-Wahl in meiner Pfarrei hatten wir 12 Kandidaten für 12 freie Plätze und eine Wahlbeteiligung von deutlich unter 10 %. (Zum Problem der Demokratisierung und der Verweigerung des Kirchenvolkes dieser gegenüber, siehe hier.)
"Demokrartie", so wie man es sich wünscht, ist letztlich aber v.a. darum nicht durchführbar, weil sie mit bestehenden Gesetzen kollidiert (kirchen- und völkerrechtlich müsste einiges geändert werden) und weil v.a. der Papst letztlich ein nicht zu demokratisierendes Element ist und bleibt (der Jurisdiktionsprimat ist Glaubensinhalt!).

Diese oben beschriebenen weltkirchlich völlig unbedeutenden Ausnahmen (bei ca. 50 Bischöfen die von den beschriebenen bzw. angedeuteten Ausnahmen betroffen sind, und 5000 katholischen Bischöfen weltweit, macht das tatsächlich nur 1% der Fälle aus!) lassen die Kölner Initiative ohnehin lächerlich erscheinen... sollten die praktischen Unmöglichkeiten wider Erwarten bewältigt werden können, wäre damit lediglich ein deutscher Sonderweg zementiert, der für die Katholische Weltkirche irrelevant ist und bleiben wird.

...

Sicher ein gewichtiger Grund, warum es in Basel und St. Gallen immer solche merkwürdigen Bischofsgestalten gibt, die sich sogar trauen, nicht als Angehörige des Klerus erkennbar vor die Kameras der Weltöffentlichkeit zu treten, liegt darin, dass dort die Bestellung eines Bischofs völlig ohne den Papst stattfindet... das Domkapitel erstellt eine Kandidatenliste und wählt dann einen davon aus. Und darum knallt und zischt es derzeit so in der Schweiz, weil diese Regelung, bzw. einige der Konsequenzen daraus, mit dem Selbstverständnis der Kirche nicht vereinbar ist.

Hieran sieht man, was passiert, wenn sich die Schafe den Hirten aussuchen: Sie wählen nicht den, der sie gesund und sicher bewahrt, sie pflegt und sie mit Stock und Hund auf die beste Weide treibt, sondern sie wählen den, der sie mit Leckerli verwöhnt und immer nur knuddelt und betüddelt... Welches Schaf möchte schon freiwillig "mit Stock und Hund getrieben" werden... oder welches Schaf möchte geschoren werden (man muss sie dazu immer einfangen und während der Prozedur festhalten, auch wenn die betreffenden Panik-Instinkte schon sehr stark runtergezüchtet sind)... oder welches Schaf würde weniger schmackhaftes (dafür aber gesundes und notwendiges) Futter und die Konfrontation mit dem Wetter und den Elementen wählen, wenn es auch fett, rund und Salz leckend im Stall liegend verweilen kann...

In der Demokratie siegt letztlich die Bequemlichkeit (von Idiologien, die von der u.U. letztlich bestimmenden Minderheit vertreten werden, ganz zu schweigen), das beweist uns Frau Merkel und das beweisen gewissermaßen auch manche schweizer Bischöfe. 
Im Staat beobachten wir zudem immer wieder, wie die Gewählten letztlich doch ihrem eigenen Gutdünken folgen, taktieren, Wahlversprechen brechen und von Lobbys beharkt und oft genug regelrecht gelenkt werden... weswegen sich der Wähler darum auch jedesmal wieder verarscht vorkommt. Die Frage, die sich jeder Demokratieforderer stellen sollte, ist diese: Welchen Grund hätten wir, zu glauben, dass das in einer "kirchlichen Demokratie" anders wäre?


Zum Schluss:
Die Kirche ist eine Theokratie, sie ist sakramental, sie ist wesensnotwendig eine hierarchisch und in Stände gegliederte Institution: Ihr Oberhaupt ist Jesus Christus, und der ist jeder Medienkampagne, jedem Wahlkampf, jeder Stimmungsschwankung und politischen Agenda absolut entzogen.
Die Kirche ist beseelt und wird durch die Jahrhunderte geleitet vom Heiligen Geist. Wenn sich die Macher der Kölner Initiative auf den Heiligen Geist stützen wollen, wie sie es behaupten zu tun, dann müssen sie zunächstmal anerkennen, dass dieser Heilige Geist die Kirche seit 2000 Jahren leitet und dass auch der Jurisdiktionsprimat des Papstes, der eine notwendig zu glaubende Wahrheit ist, vom Geist geoffenbart ist. Auch muss man sich im Klaren darüber sein, dass der Heilige Geist niemals an eine politische "Form" gebunden sein kann. Wenn er in seiner Kirche handelt, und das müssen wie glauben!, dann handelt er auch bereits in der gegenwärtig üblichen Form der Bischofsernennung so, wie es recht ist. Der Heilige Geist bedarf keiner Medienkampagnen (unbestreitbares Herzstück der Kölner Initiative!)... Menschen bedürfen dieser!
Unzweifelhaft ist auch, dass man sich mit "Demokratie in der Kirche" allerhand Probleme einhandeln würde (s.o.), zumal in solch einer Legitimationsform per definitionem immer nur Mehrheit eine Rolle spielt, nicht aber Wahrheit.

Statt solche Initiativen anzuleiern und kurioserweise ansonsten anti-kirchliche Medien vor den eigenen, angeblich "geistreichen" Karren zu spannen (Spiegel), sollten die Unterstützer dieses Vorhabens ganz einfach mal das tun, was man von je her bei einem Bischofswechsel in einem Bistum tat: beten. Beten um einen guten Bischof!
Die Kirche ist keine Partei und kein gemeinnütziger Verein, sie ist kein Staat und kein politischer Rat; sie ist Leib Christi, seine Braut, unsere Mutter!
 
Dies müssen wir immer fest glauben und darauf Vertrauen: Das Gebet ist das wahre und eigentliche Instrument der "Mitsprache aller" in der Kirche, denn Gott ist es, der sie führt!

Samstag, 7. Dezember 2013

Die Sache mit der Demokratie

Folgendes Szenario: Eine Initiative möchte Demokratie in der Kirche durchsetzen. Sie finden damit einige Unterstützer und unterhalten neben einer Homepage auch eine facebook-Seite, einen Twitter-Account und andere Spielzeuge, auf denen sie auch ein paar Likes, Follower und Sonstiges erringen.
Nun fällt aber auf, dass die übergroße Mehrheit der Katholiken sich daran nicht beteiligt...

Was ist los? Die zur Debatte stehende Frage lautet: Soll es Demokratie in der Kirche geben. 
Es gibt also eine Initiative die dies will. Das Problem ist nun, dass die Macher jener Initiative offenbar nur in demokratischen Strukuren zu denken in der Lage sind, weshalb sie aus dem Fehlen einer "Gegeninitiative" zu der ihrigen schließen, dass es niemanden Ernstzunehmenden gibt, der ihr Anliegen nicht teilt.

Das Problem ist dies: In den Köpfen der Initiativler bedarf es einer demokratischen Abstimmung, um über etwas zu entscheiden. Aber wie soll man über den Gebrauch oder Nichtgebrauch von Demokratie demokratisch abstimmen lassen? Würden sich die Gegner der Intiative dann nicht selbst widersprechen? (Man stelle sich das vor: "Unterschreiben sie hier, wenn sie keine demokratisch strukturierte Kirche wollen!"...)

So erlebe ich das immer wieder mit solchen unterschriftengeilen "basiskatholischen" Grüppchen: Sie fühlen sich von jedem Like und jedem Follower bestärkt, noch mehr aber beflügelt durch das Fehlen einer organisierten Opposition... Sie sind nicht in der Lage, ihre demokratistische Brille abzulegen und können nicht begreifen, dass die Verweigerung an populistischen Medienschlachten teilzunehmen nicht automatisch bedeutet, dass es den "Verweigerern" egal ist, sondern es kann auch tatsächlich heißen, dass vielen dieses Verfahren, das man das "demokratische" nennt, schlicht nicht zusagt und sie darum nicht darüber abstimmen wollen. Tatsächlich sehen das sehr viele Leute so, mit denen ich regelmäßig zutun habe.

Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, dass die hierarchische Struktur der Kirche Glaubensinhalt ist, und dass eine "demokratische" Kirche mit dem christlichen Glauben recht unvereinbar ist, denn über die Kirche bestimmt einzig Gott, nicht das Volk. Die Kirche ist eine Theokratie, ihr Haupt ist Christus. Wem das nicht passt, ist im falschen Laden.

Freitag, 6. Dezember 2013

beruhigende Dummheit

Elise Ritter - Gemeinschaft der Heiligen
Der Papst redet über den susus fidelium, und man darf gewiss sein, dass sich demnächst wieder ein dämlicher Mensch vor eine Kamera stellt und genau diesen sensus, der per definition eine Eigenschaft der "Gesamtheit der Gläubigen" ist, für sich und seinen Dunstkreis beansprucht.

Ruhig Blut wegen Köln, München, Limburg, Rottenburg, Freiburg und wo auch immer gerade Menschen mit einem abgeschlossenen Theologiestudium die völlige Unzulänglichkeit ihrer Ausbildung medial zur Schau stellen: Solange sich diese Menschen dermaßen dumm und dümmlich anstellen in dem, was sie tun (Paul Zulehner ist da nur das momentan glanzvollste Genie), können alle, die einfach nur katholisch sein wollen, gelassen bleiben.

Das Geibelsche Wort, wonach am "deutschen Wesen" einmal noch die ganze Welt genesen soll, ist nicht ohne Grund inzwischen eng verwoben mit der deutschen Neigung zum Egoismus und zur Überheblichkeit... und es ist nicht erst heute das Motto aller angstfreien Idiokraten.

Noch ein Wort zu jenem dunklen Begriff, an dessen Bearbeitung sich die Theologen bislang kaum gewagt haben.
In Lumen Gentium 12 ist zu lesen:
»Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glauben und Liebe, in der Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben, kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie "von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien" ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert. Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und genährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes, in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt, den einmal den Heiligen übergebenen Glauben unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil immer tiefer in den Glauben ein und wendet ihn im Leben voller an.«

In der Gegenwart und in der Situation in der sich die Katholische Kirche (auch und vielleicht besonders krass in Deutschland) befindet, manifestiert sich, für jeden Beobachter offenkundig, das genaue Gegenteil eines solchen sensus fidelium, weil jeder Naseweis sein eigener Pope sein möchte und es soetwas wie ein gemeinsames Bekenntnis schon lange nicht mehr gibt. Jeder glaubt nur noch, was er glauben möchte, das je eigene Gutdünken ist zum Maßstab von jeglicher "Wahrheit" erkoren.

Keine Sorge, liebe Leute, der Glaubenssinn aller Glieder der Kirche Christi, synchron UND diachron!, ist unfehlbar. :)

Samstag, 24. August 2013

Über die Verfassung der Kirche

Auferstehung zum Gericht, untere Zeile oben.
Habe heute meine Wahlbenachrichtigung zur Bundestagswahl bekommen... Aus diesem Anlass: Auf ein Wort bzgl. Demokratie in der Kirche!

Meist führe ich etwaige Pfarrerinitiative, Kirchenvolksbegehren und andere Erscheinungen auf einen Mangel an Bildung zurück. Etwa in dem Sinne, dass die Leute, obzwar sie häufig Theologen sind, oft einfach "nicht wissen", wie es sich verhält, z.B. bei der Frage der sakramentalen Weihe von Frauen. "Es geht nicht." Dieses Faktum gilt es zu wissen.

Ich meine aber inzwischen, dass es nicht so sehr ein Bildungsdefizit ist, das für das ganze Debakel mit diesen Initiativen verantwortlich ist. Zwar "auch", aber nicht ursächlich.

Viel näher am Ursprung scheint mir ein grundsätzliches Unbehagen und eine generelle Ablehnung dessen zu sein, was die Kirche ist und wie sie verfasst ist.
Die Kirche ist eine "ständehierarchisch organisierte Anstalt zum Zwecke der Heilsvermittlung". Das heißt also, dass sie 1. hierarchisch, 2. in Ständen verfasst und 3. ihr ganzer Sinn und Zwek das Heil der Seelen ist.
Diese Verfasstheit, die eine göttliche Stiftung und damit unabänderlich ist, wird von solchen Leuten, die, wie gesagt, oftmals Theologen sind und folglich über diese Tatsachen belehrt wurden, abgelehnt. Folgerichtig wird dann natürlich auch die rechtliche Struktur der Kirche abgelehnt.

Anders als etwa im Recht des Deutschen Staates, fallen im kirchlichen Recht Gleichwürdigkeit und Gleichberechtigung nicht zusammen. Jeder Katholk besitzt die Gleiche Würde vor Gott, aber nicht jeder Katholik hat die gleichen Rechte und Pflichten. Das mag man bedauern, ist aber nicht zu ändern (s. Hierarchie).
Kirchliche Gesetze sind keine "Grundrechte" die jedem Menschen durch seine Geburt zukommen, sondern es sind "Gemeinrechte", die dem Getauften im Hinblick auf die Gemeinschaft zukommen. Während das weltliche Recht den einzelnen Bürger und seine Individualität vor dem Staat schützen soll, indem es Letzteren bindet, soll das kirchliche Recht die Kirche, also die Gemeinschaft der Gläubigen schützen und den Einzelnen auf die Gemeinschaft hin binden. Weltlich besehen ist die Freiheit des Individuums also das oberste Ziel, in der Kirche ist es die Freiheit des Einzelnen auf die Kirche hin, d.h. auf die Verwirklichung seiner Persönlichkeit in, mit und durch die Kirche, nie aber getrennt von ihr ("Ein Leib in Christus"). Ist die weltliche Freiheit des Einzelnen etwas, das individuell gefunden und gestaltet werden muss, so wird die Freiheit des Katholiken objektiv vorgefunden. Hat der Einzelne gegenüber dem Staat, aufgrund seiner Geburt, die ihn zu einem Individuum macht, das Recht, dessen Eingriffe abzuwehren, seine (z.B. sozialen) Leistungen zu beanspuchen und an seiner Willensbildung teilzunehmen, so hat der Katholik seine Rechte und Pflichten aufgrund der Taufe, die ihn zum Glied im organischen Gefüge der Kirche macht, ihn aber nicht als Individuum konstituiert. (Sowohl das Vat II. als auch der CIC kennen den Terminus "Individuum" nicht!)

Die Hierarchische Verfasstheit der Kirche ist unaufgebbar, denn die Suprematie Gottes ist unüberwindbar. Die Kirche lehrt mit der Autorität Christi ("wer euch hört, hört mich") und kann darum nicht "demokratisch" sein. Als der Herr seine große Eucharistierede in Joh 6 schloss, ließt er nicht darüber abstimmen, ob das so O.K. war oder nicht, sondern er ließt die, denen es nicht gefiel, weggehen. Das was ist, nämlich die Wahrheit, ist unabänderlich und muss angenommen oder verworfen werden ("euer Ja sein ein Ja, euer Nein ein Nein"); es steht nicht zur Abstimmung.

Wenn einzelne Priester und Bischöfe die Verfasstheit der Kirche mit Füßen treten und sich in jeder Hinsicht mit allen anderen gleichmachen wollen, ist das nur zutiefst zu bedauern. Sie spielen etwas vor, was es nicht gibt. So wie Mann und Frau naturnotwendig unterschieden sind, so sind es in der göttlichen Verfasstheit der Kirche Kleriker und Laien.


Es ist sehr bedauerlich, dass ausgerechnet Leute, die sehr wohl über die Verfasstheit der Kirche bescheid wissen, die Menschen darüber belügen. Sie gaukeln etwas vor, stellen die Kirche als eine Institution dar, deren Recht und Verfassung so oder so ähnlich funktionieren wie die eines Staates. Dabei ist die Kirche mit jeder weltlichen Instanz unvergleichlich und völlig anders strukturiert - und zwar aufgrund göttlicher Einsetzung! Sie ist mit keinem politischen System vergleichbar sondern etwas ganz und gar Eigenes und Schönes. Man wünscht eine "Freiheit von der Hierarchie", ähnlich der Freiheit von der staatlichen Obrigkeit, und vergisst dabei, dass diese Hierarchie im Dienste der Wahrheit und damit im Dienste des Heils unserer Seelen eingesetzt ist. Der weltlichen "Freiheit vom Staat" entspricht in der Kirche nur die "geistliche Freiheit zur Gemeinschaft"!
Die gottgewollte hierarchische Verfassung der Kirche ist übrigens Glaubenssatz.

Die Rechte der Glieder der Kirche sind keine Freiheitsrechte und können es nie sein, egal wie oft soetwas herumgebrüllt wird. Unsere Rechte sind Gliedschaftsrechte die uns die Freiheit geben, unsere Pflichten gegenüber Gott und der Gemeinschaft der Gläubigen zu erfüllen, sie dienen nicht der uneingeschränkten Selbstverwirklichung.

Es ist ein ebenso radikaler wie verkehrter Individualismus am Werk, bei dem jeder nur das Eigene durchsetzen will... weil zufällig einige manchmal das gleiche Wollen, kommen dann "Initiativen" und "Volksbegehren" (oder Piusbrüder) dabei heraus. Aber eigentlich sind es alles Egomanen, die nur so lange zusammenarbeiten, wie es ihren bloß eigenen Wünschen nützlich ist. Eine solche Haltung hat in der Kirche nichts zu suchen. Die Kirche, der Leib Christi, besteht im Zusammenhalt und in der Unterordnung aller unter den einen Herrn Jesus Christus. In einer guten Kirchenrechtsvorlesung lernt man sehr schnell, dass das Grundwort in der Kirche nicht "Ich" ist, wie etwa im Staat, sondern "Wir". Das mag "totalitär" anmuten, ist es ja auch insofern, weil Gott, auf den hin das alles veranstaltet wird und der es selbst so instituiert hat, "total" ist und wir ihm "total" (gesamt, gänzlich, ganz) angehören sollen.

Es sind die Verdammten, die, jeder für sich, in die Verdammnis gehen. Die "Heiligen" aber, sind diejenigen, die einander beistehen, die sich gegenseitig helfen und sich dabei auch einander unterordnen. Der Weg zum Heil ist ein gemeinschaftlicher Weg, der in die Verdammnis ein monadischer.
Sehr schön ist das im Tympanon des Westportals des Freiburger Münsters bei der Auferstehung der Toten dargstellt: Die Seligen linker Hand helfen einander aus dem Grab und halten sich bei der Hand, während bei den Verdammten zur Rechten jeder für sich ist und als Erstes seine Grabplatte allein wuchten muss...
Die Kirche ist wesentlich communio und wesentlich hierarchisch. Wer das nicht akzeptiert, sollte einsehen, dass er es nicht ändern kann und sich damit anfreunden, oder sich einen anderen "Verein" suchen.

Samstag, 27. April 2013

Die Ergebnisse der Diözesanversammlung

Zur Einordnung etwas vorweg: Der ganze Sinn der Diözesanversammlung (hier) besteht darin, dass die versammelten 300 Vertreter aus der Erzdiözese (die natürlich sehr bedacht handverlesen sind!) am Ende mit "Empfehlungen" aufwarten sollen, auf die dann der Erzbischof "irgendwie" reagiert. Die Versammlung hat also keine gesetzgeberische Gewalt oder dergleichen. Allerdings ist unschwer ersichtlich, dass seine Exzellenz dadurch in ganz enormen Zugzwang gerät, denn wenn er schon "Demokratie" zulässt, wäre er der konkurrenzlose Buhmann, würde er am Ende nicht auch brav gehorchen!

Das Positive gleich vorgweg: Es gibt absolut rein gar nichts Überraschendes zu vermelden! Die drei Ausschnitte an der Seite (roter Punkt rechts bedeutet Zustimmung) zeigen mal nur die "brisantesten" Ergebnisse, nämlich jeweils für: "Zugang zu den Ämtern" (auf Deutsch: Frauenpriestertum und Abschaffung des Zölibats), "breite Diskussion über die Mitwirkung der Frauen" (auf Deutsch: Frauenweihe jetzt! Scheiss auf den Papst!!) und "uneingeschränkte Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten".
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Teilnehmer der Versammlung u.a. (es gab ja noch andere Themen...) mit überwältigender Mehrheit Frauen weihen, den Zölibat abschaffen und Ehebruch folgenlos machen wollen.
Prosit!

Ich habe das starke Gefühl, dass EB Zollitsch sich inzwischen wünscht, er hätte diesen Zirkus nie angeleiert. Morgen wird er dann zu den "Empfehlungen" Stellung nehmen und gewiss auch alle Beteiligten über den grünen Klee loben für ihr Engagement.

Marginalie: Zum fremdschämen fand ich es, dass bei der Präsentation der Ergebnisse - nota bene: es ging da also nur um die Präsentation des bereits "Erreichten"! -  vor und nach den einzelen (elf) Gruppen jedesmal ein Lied (qualvoll schief) gesungen wurde... "Atme in uns Heiliger Geist..." 


Faceplam-Momente gab es aber noch zuhauf... Der Live-Stream hatte heute was von Stand-up Comedy. Vor allem was Sprache anbelangt, glaubt man sich mit einer Herde von völligen Amateuren und Stuhlwärmern konfrontiert: Da wird z.B. eine "Klarheit der Sprache" gefordert, weil das Wort "Laie" in Welt und Kirche nicht das gleiche bedeutet, was als verwirrend empfunden wird. Oder es wird "Klarheit" gefordert etwa bezüglich der Regelung des Predigens von Laien in der Eucharistiefeier (diese Klarheit besteht: es ist nicht erlaubt!). Es ist echt zum Heulen!