Vor ein paar Tagen hat ein Artikel auf katholisch.de für Furore gesorgt (HIER), weil darin die eucharistische Anbetung auf Recht merkwürdige Weise herabgesetzt und suspekt gemacht wurde. (Es wurde u.a. ein für mich nicht nachvollziehbarer Zahlenvergleich mit irgend so einer dubiosen politischen Organisation bemüht, die sich als "katholische Jugend" tarnt.) Und nebenbei wurde dadurch die Werbetrommel für den "Adoratio"-Kongress gerührt. (Ich würde gerne selber teilnehmen, kann aber leider nicht.)
Mich hat jener Artikel schockiert, aber nicht sonderlich überrascht. Die Theologie in Deutschland und auch die Reflektionsprozesse in den deutschen Kirchenbehörden sind seit ein paar Jahren (ausgelöst durch das Phänomen "Nightfever") damit beschäftigt, nicht selten missgünstig auf die eucharistische Anbetung zu blicken.
Solche Reaktionen kommen zu einem Gutteil daher, dass alle gebräuchlichen religions-soziologischen Modelle, mit denen man hier wie dort arbeitet und die quasi die "Offenbarungsquelle" für das die Pastoral bestimmende "Lehramt" sind, diesen Trend weder vorhergesagt haben noch irgendwie erklären können. Man ist also zunächst einmal schlicht ratlos und weiß nicht, was man davon halten oder wie man damit umgehen soll. Darum wurde Nightfever in der Theologie und in vielen Diözesen auch so lange ignoriert, bis es nicht mehr zu ignorieren war.
Ein anderer Grund für die abweisende Reaktion auf ein Erblühen der eucharistischen Anbetung liegt wohl darin begründet, dass diese fundamental im Widerspruch zu dem steht, was im Kern des theologischen Mainstreams seit Jahren nicht mehr wie früher nur festgestellt, sondern aktiv betrieben wird: die Entsakralisierung. (Vgl. auch meinen Beitrag "Über die Angst vor bekehrten Christen".) Es gibt eine inzwischen tief sitzende Abneigung gegen das Heilige, was u.a. daran liegt, dass es nicht demokratisch einzuebnen ist und nicht dem "Machen" unterworfen werden kann. Wenn es das Heilige, das Sakrale gibt, dann ist hier etwas nicht "auf Augenhöhe" und damit inkompatibel mit der herrschenden Ideologie. Die Folgen dieser Abneigung werden augenfällig in mancher Kirchenarchitektur, aber mehr noch in pastoralen Programmen deutscher Diözesen und natürlich in der sich selbst "theologisch" nennenden Literatur.
Die eucharistische Anbetung - oder allgemeiner: die unmittelbare Begegnung mit dem Heiligen - passt nicht in das, was den Verantwortlichen in Theologie und Bistumsverwaltung wichtig ist: sie widerspricht dem Konsens zwischen Theologie und Pastoral, sie widerspricht den Prognosen und Planungen, und sie widerspricht v.a. der aktiv angestrebten Umgestaltung des gläubigen Bewusstseins (weg von Dingen wie Geheimnis, Sünde, Heiligkeit, Wahrheit etc.). (Randnotiz: In Freiburg, Regensburg und Paderborn wurde in den
vergangenen Jahren [2008, 2009 {aktualisiert 2016} und 2017] jeweils
eine recht umfangreiche Broschüre zum Thema eucharistische Anbetung
herausgegeben, jedoch scheinen das eher isolierte Phänomene zu sei, die
schon in den bischöflichen Behörden selbst zumeist belächelt oder
ignoriert werden.)
Es ist immer erheiternd, wenn man Theologen und Kirchenfunktionäre über das "Hören auf den Heiligen Geist" reden hört. Aber wehe, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, das auch noch unzweifelhaft katholisch ist. Im Zweifel ignoriert man es dann einfach, packt es in die Schublade "zu Überwindendes" und schreitet mit dem religions-soziologisch abgesicherten pastoralen Programm unbeirrt voran.
Der Theologe Gregor Maria Hoff aus Salzburg hat angesichts der Missbrauchskrise den Begriff der "Sakralisierungsfalle" geprägt, den ich zwar nicht für glücklich gewählt, aber zumindest für einigermaßen nützlich zur Beschreibung eines Sachverhalts halte: Es geht um die Gefahr, dass ein Priester bzw. seine Autorität/Macht zu sehr (durch sich selbst oder von anderen) überhöht, geradezu engelgleich stilisiert wird, was dann leider den Tätern zugute kommt, sei es psychologisch für sie selbst, sei es, weil dadurch die Vertuschung begünstigt wird. Der Begriff "Sakralisierungsfalle" rückt leider (ob beabsichtigt oder nicht) das Sakrale und den (echten) Klerikalismus in eine enge gedankliche Nähe. Inzwischen ist auch wahrzunehmen, wie das gedankliche Umfeld dieses Begriffs auf andere Aspekte der Kirche angewendet wird, namentlich etwa die eucharistische Anbetung.
Theologen wie Kirchenbeamte können heute ganz selbstverständlich
davon sprechen, dass eucharistische Anbetung irgendwie "problematisch" sei. Dies wird dann z.B. damit begründet, dass hier die "Gefahr der Sakralisierung", d.h. der
geistlichen Überhöhung bestünde. Konkret ist damit etwa gemeint: Die durch die Aussetzung des Allerheiligsten notwendig eintretende "Unterscheidung zwischen sakral und profan" würde die Eucharistie aus dem "kommunikativen Zusammenhang der Liturgie"
herausreißen. (Das in den "..." sind übrigens Zitate, ich denke mir das nicht aus.)
Mit Letzterem ist gemeint, dass in der Liturgie der Kirche Kommunikation zwischen
Mensch und Mensch stattfinde, was bei der eucharistischen Anbetung nicht
der Fall sei (= Problem). Auf den Gedanken, dass die eucharistische Anbetung
vielleicht der "kommunikative Zusammenhang" par excellence sein könnte,
weil hier der Einzelne Christ unmittelbar geistig und leiblich vor
den geistig und leiblich anwesenden Gott kommt um mit diesem ins
Gespräch zu treten, kommt man dabei natürlich nicht. Die vertikale
Dimension (das Heilige!) ist allzuoft gar nicht mehr im Bewusstsein
jener Theologen und Kirchenbeamten.
Man muss sich das einmal vor Augen führen: Da wenden sich (v.a. junge) Leute mit Überzeugung und Sehnsucht dem zu, was/den wir Katholiken als Zentrum, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens wie des Lebens der ganzen Kirche bekennen. Aber nicht wenige Theologen und Bistumsbeamten (oder katholisch.de-Autoren) sehen darin nicht etwa einen Anlass zu Freude und Dank, sondern zunächst einmal etwas "Problematisches", ja sogar eine "Gefahr"...
Ich glaube, die eucharistische Anbetung ist tatsächlich eine Gefahr: Eine Gefahr für alles, was nicht der heil(ig)enden Botschaft des Evangeliums entspricht.
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Samstag, 26. Oktober 2019
Freitag, 24. August 2012
Kirchen-, Glaubens-, oder Verkündigungskrise?
Ein lesenswerter Artikel über die "Krise" im Bistum Hildesheim in der FA.
Ein, zwei Sachen stören mich dann doch:
Ein, zwei Sachen stören mich dann doch:
»99 Prozent können mit der katholischen Messe nichts anfangen, weil sie es nicht verstehen, weil ihnen die Uhrzeit nicht passt, weil es ihnen zu langweilig ist oder weil es sie nicht berührt.«
Es lässt sich wohl auf den erste Punkt runterkürzen.
Hmm... sie verstehen es nicht... Steht der Lehrer vor der neuen Klasse, und alles was er tut, ist zu klagen, dass die Schüler "es" nicht verstünden...
Ich finde es zudem sehr befremdlich, wenn hier davon gesprochen wird, "die Kirche" müsse "neue Formen" wagen. Heißt das, sie soll ihre "alten Formen" aufgeben (weil sie ja niemand "versteht")? Ich halte es zudem für völlig falsch, derartiges von oben her zu verordnen oder gar planen zu wollen... Das beste Beispiel ist Nightfever: Von "unten" kommend, ist es eine Gottesdienstform die junge Leute anzieht und begeistert. Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste daran: Es ersetzt nichts. Es klingt ein wenig sehr danach, als wollten Herr Hennecke und Frau Reus, mit bischöflichem Segen, die Hl. Messe mit einem Lobpreiskonzert oder -abend ersetzen... was recht befremdlich ist, denn ein Lobpreisabend ist ein Lobpreisabend und eine Hl. Messe ist eine Hl. Messe... beides besuche ich reichlich, aber nur eines davon beinhaltet sakramentales Geschehen.
"Weil sie es nicht verstehen"?
»Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.« (1Kor 2,14)
»Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?« (Röm 10,14)
Entweder ist die Eucharistiue Teil unseres Glaubens, oder sie ist es nicht. Wenn sie es ist, dann kann und darf ich mich mit dem Nichtverstehen nicht abfinden und dann darf ich die Hl. Messe nicht ersetzen. "Neue Formen" können immer nur ein Zusatz, ein schönes Geplenkel sein, das stets au die "Teilnahme am eucharistischen Opfer", die "Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (vgl. SC 11) ausgerichtet bleibt oder dorthin führt. Dass die Eucharistie der Erklärung bedarf ist kein modernes Phänomen. Die Kirche ist kein Ramschladen der sein Lager räumen muss, sondern sie ist Hüterin des sakralen -- Bewahrerin der leibhaftigen Gegenwart Gottes.
Samstag, 5. Mai 2012
KatholikentagsKuriositäten 8
Heute nur eine Winzigkeit, die ich aber überaus persönlich nehme: Nightfever erscheint im Programmheft des Katholikentages (S. 244) unter einer Bezeichnung die garantiert und mit Brief und Siegel völlig unpassend ist... eine Beleidigung!
Wortgottesdienst
Sa 19.30 Nightfever – mach’ die Nacht zum Tag
bis 22.30 Internationaler Jugendgebetsabend mit Eucharistischer Anbetung
Sa 19.30 Nightfever – mach’ die Nacht zum Tag
bis 22.30 Internationaler Jugendgebetsabend mit Eucharistischer Anbetung
Wortgottesdienst... Pffff!
Aber: Es mag daran liegen, dass so etwas wie Nightfever in keine der zahllosen Kategorien reinpasst... schade eigentlich, dass man sich ausgerechnet da so wenig erfinderisch zeigt...
Montag, 13. Februar 2012
Nightfever in der Neuen Welt
Nightfever hat endlich den Sprung über den Teich geschafft! Nachdem bereits am 4. Februar das erste Nightfever jenseits des europäischen Festlandes in London stattfand, hat es nun letzten Freitag sengensreich in Canada begonnen. Danke an D., dass er, nach verdienten Jahren in Deutschland, Nightfever in die "Neue Welt" mitgenommen hat!
So kann Neuevangelisierung aussehen!
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