Samstag, 15. Mai 2021

Ida Friederike Görres († 15. Mai 1971)

Auf die Frage, warum wir die Kirche lieben:
»Weil sie die Wahrheit trägt: das, das macht unsre Herzen erzittern vom unaussprechlichen Schauer der Gottesbegegnung: weil sie, genau wie Christus von sich sagt: "dazu geboren und in die Welt gekommen ist, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben". (Joh. 18, 37). Darum allein: Wenn das nicht wäre! Alles sonst, was andre, was zum Beispiel Sie an der Kirche bewundern, uns vielleicht beneidend: der pädagogische und künstlerische und kulturelle Reichtum, das seelische Geborgensein in einem Kosmos von unerhörter, einziger Fülle, - alles das könnte uns gestohlen werden, wäre es auf einer Lüge, einem Traum, einer Illusion aufgebaut. Nie habe ich begreifen können, wie Andersgläubige, auch Sie, verehrter Freund, um ihrer Caritas oder Kunst oder Ordnungsmacht oder Weisheit willen der katholischen Kirche so lächelnd und großmütig Reverenz bezeugen können, wenn Sie doch glauben, dass die Macht über den Menschen, welche alle diese geistige Fruchtbarkeit hoch trieb, letztlich auf einem falschen Anspruch fußt. So ungefähr: "Wenn es die katholische Kirche nicht gäbe, müsste man sie erfinden, ob das, was sie als Dogma zu ihrer Begründung darstellt, im übrigen wahr ist oder nicht." Ganz im Gegenteil! Auf das Letzte allein kommt es uns an. Wenn dieses Eine nicht stimmt, wenn nicht sie, sie allein, als Ganzes, als Körper, als "Anstalt", das Gesamt der geoffenbarten Wahrheit, das heißt der Botschaft Gottes über sich selbst, über den Menschen, über die Welt enthält und trägt, so ganz, so eins, dass nicht ein Stückchen abgebrochen werden oder verloren gehen darf, und mit der unfehlbaren Entscheidung darüber, was eigentlich in diesem un geheuren Konglomerat von Lehre, Kult, Auslegung, herauskristallisiertem Brauch und Ansatz das Ur-Erbe ist und was Menschenwerk, darüber, was man glauben muss und was man glauben darf und kann und soll: wenn die Kirche also nicht das Organ der vollen Botschaft Gottes auf Erden ist, Ver mächtnis und Stiftung Jesu Christi, dann gibt es doch für den, dem an der Wahrheit etwas liegt, nur die eine Lösung: écrasez l'infame vernichtet die Verfluchte. Dann ist sie nämlich der Antichrist, das fleisch- und formgewordene Prinzip der Lüge, und ihre sämtlichen "kulturellen Werte und Verdienste" sind nichts als der riesenhafteste Apparat der Verführung. Darum liebe und ehre ich die Protestanten, die aus solchem Ernst heraus die Kirche den Antichrist nennen, - auch Newman tat es, viele Jahre hindurch, und bei diesem Liebenden der Wahrheit war es ja auch gar nicht anders möglich -, weil sie der Kirche die Ehre antun, ihren ungeheuren Anspruch an das christliche Gewissen ernstzunehmen, und seine Ungeheuerlichkeit, wenn er falsch wäre. Wir aber, die wir diesen ihren Anspruch hören und glauben: dass, wer die Kirche hört, Gott hört, die wir glauben, dass, wenn ein Engel vom Himmel käme mit andern Ansprüchen, so sei er verflucht, - wir "suchen" bei ihr zu erst weder Kultur noch Weisheit der Menschenführung noch Ordnung der Völker und der Gesellschaft noch die gewaltige Macht der nothelfenden, tränentrocknenden Caritas: wir suchen die Wahrheit Gottes in ihr und das "Amt der Versöhnung" (2. Kor. 5, 18), das Kommen Seines Reiches, - und siehe, all das andre wird uns nachgeworfen!«


(Aus dem "Brief über die Kirche" vom 01.08.1946)

Bisher auf diesem Blog von ihr: hier und hier.

Dienstag, 4. Mai 2021

Katholische Wahrheiten

Auf kath.net ist ein Artikel erschienen, der sich mit den hanebüchenen Thesen Michael Seewalds zum Katechismus beschäftigt (hier), die dieser neulich in "Christ in der Gegenwart" veröffentlicht hat, namentlich jener von ihm schon länger propagierten These, der KKK habe die päpstliche Lehrvollmacht illegitimer Weise auf Aspekte ausgeweitet, die nicht explizit in der Offenbarung enthalten sind. Als Entgegnung wird auf Schmaus und Wetzer/Welte verwiesen, die ziemlich klar machen, dass die päpstliche (auch unfehlbare) Lehrvollmacht sich natürlich auch auf solche Bereiche erstreckt. Eine Ergänzung dazu: 


Im 19. Jahrhundert gab es, besonders in England, das Phänomen des „Minimismus“, der alles, was nicht ausdrücklich als „Dogma“ erklärt wurde, für eine bloße Meinungsäußerung hielt und darum als unwichtig und unverbindlich betrachtete. Das gleiche Phänomen haben wir heute wieder sehr oft (nach dem Schema: Dass Frauen nicht Priester werden können ist kein Dogma, also kann es auch anders sein), Michael Seewald ist nur einer von zahlreichen Inhabern dieser Meinung in einflussreichen kirchlichen Positionen. Wobei er noch einen Schritt weitergeht und irrwitzigerweise, ich paraphrasiere, den Katechismus in Gänze als „ist doch kein Dogma, also weg damit!“ bezeichnet, was natürlich auf gar keiner Ebene irgendeinen Sinn ergibt.

Die sog. „katholischen Wahrheiten“ hat insbesondere Matthias Joseph Scheeben in der Erkenntnislehre am Beginn seiner Dogmatik recht ausführlich behandelt (vgl. Bd. 1, Nr. 416-432). Man kann sie auch als „Dogmen im weiteren Sinne des Wortes“ bezeichnen, d.h. sie sind „vorschriftsmäßige Lehre der Kirche, zu deren zweifellosen Annahme jedes Glied der Kirche als solches ebenso verpflichtet als berechtigt ist“ (edb. 416). Eingängiger als bei Scheeben, findet sich das Thema bei Schmaus, Katholische Dogmatik Bd. 3/1, 809-811 (§177) erläutert.

Letztlich ist das alles auch eine Frage der sprachlichen Konvention: was ein „Dogma“ genannt wird, und was nicht. In all seinen neuscholastischen Feinheiten (siehe Scheeben) interessiert das heute eigentlich niemanden mehr. Am ehesten ist vielleicht noch die Unterscheidung zwischen „göttlichen“ und „kirchlichen“ Dogmen relevant, also direkt aus der Offenbarung gewonnene Lehren, respektive von der Kirche als mit dieser eng verbunden verbürgte, wie es der Katechismus darlegt. Fest steht aber: Etwas wird nicht erst dadurch verbindlich, dass es als „Dogma“ bezeichnet und festgesetzt wird, sondern andersherum wird ein Schuh draus: Weil etwas verbindlich gelehrt wird, kann die Kirche es „Dogma“ nennen und „dogma-tisieren“ – muss sie aber nicht, was nichts an seiner Verbindlichkeit ändert.

Und das unfehlbare Lehramt erstreckt sich natürlich auch auf diese „katholischen Wahrheiten“, das ist völlig klar (bei Schmaus werden sie etwa ausgerechnet im Kapitel zur päpstlichen Unfehlbarkeit [= §177] näher behandelt). Dass der KKK in Nr. 88 einen „weiten“ Dogmenbegriff wählt ist legitim und geschah womöglich auch mit der Absicht, dem wieder aufkeimenden Minimismus entgegen zu treten, bedeutet aber in keiner Weise eine Ausweitung der kirchlichen Lehrvollmacht oder des Verbindlichkeitsanspruchs – das war vorher alles schon da.

Was einen Inhaber eines dogmatischen und dogmengeschichtlichen Lehrstuhls dazu veranlasst, seit Jahren immer und immer wieder etwas als 1992 illegal eingeführt zu bezeichnen, was offenkundig schon sehr viel länger zum dogmatischen Einmaleins gehört, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass der KKK „dem Lehramt eine Kompetenz zu[spricht], die die vergangenen beiden Konzilien ihm ausdrücklich nicht zugesprochen haben“, wie Seewald meint, stimmt jedenfalls sicher nicht. Dazu Schmaus (a.a.O. 809): 

»Das Feld der päpstlichen Unfehlbarkeit umfaßt die ganze Offenbarung, also die geoffenbarten Glaubens- und Sittenlehren, aber auch jene Randgebiete, welche mit dem Offenbarungsfelde selbst in so enger Verbindung stehen, daß dieses nicht mehr unversehrt bleibt, wenn nicht auch jene gesichert sind.
Es handelt sich hierbei um die sogenannten katholischen Wahrheiten, um allgemeine kirchliche Disziplinarvorschriften, um die Approbation von Orden und schließlich um die Kanonisation von Heiligen.«

Dienstag, 27. April 2021

Wie Theologie heute funktioniert - 1

Michael Seewald, Dogmatiker in Münster (und Priester, aber das merkt man nie und nirgends), lässt verlauten (hier): "Der Katechismus ist zu einem normativ aufgeladenen Text geworden, zu einer Art lehramtlichem Superdokument, das nicht selten als Markstein des wahrhaft Katholischen betrachtet wird" um damit zu insinuieren, dass er eben eigentlich nicht normativ ist, sondern erst in letzter Zeit dazu stilisiert wurde. In Wahrheit sei er (bloß!) eine "Arbeitshilfe" die "angeboten" wird und "nützlich" sei, er bilde aber nicht für überlieferte Glaubenslehre ab.

Fragen wir doch mal den Papst, der den Katechismus herausgegeben hat (in seinem Schreiben Fidei depositum, das als Teil des Katechismus vorne drin immer mit abgedruckt ist): 

»Der „Katechismus der katholischen Kirche“ [...] ist eine Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird. Ich erkenne ihn als sichere Norm für die Lehre des Glaubens an...« (33)

Und weiter: Der KKK ist "sicherer und authentischer Bezugstext für die Darlegung der katholischen Lehre", dient der Vertiefung der "Kenntnis der unerschöpflichen Reichtümer des Heiles", zeigt "den Inhalt und den harmonischen Zusammenhang des katholischen Glaubens genau auf", in kurz: Er legt dar "was die katholische Kirche glaubt." (34)

Der Katechismus wurde nicht nachträglich als normativ stilisiert, er war es von Anfang an. Und er erhebt durchaus den Anspruch, die überlieferte Glaubenslehre verbindlich, nicht nur als Angebot (Vorschlag?), darzustellen. 

So funktioniert heute Theologie: Man behauptet einfach etwas, auch wenn die Realität eine ganz andere ist. Dahinter steht der Versuch, diese Realität dadurch zwangsweise zu verändern, dass man die Menschen glauben macht, sie sei ganz anders. Und, nein, der Mann ist nicht dumm oder unwissend, das alles ist eine ganz bewusste Irreführung (sein Buch "Dogma im Wandel) dokumentiert dies).

Petrus Canisius und die Bücher

Aus der Vorrede des hl. Petrus Canisius zu seinen „Hauptwahrheiten des katholischen Glaubens“ (man beachte auch seine anfängliche Diagnose der Zeit...).


»Es will die Zeit, so voll Sünden und Aergerniß ist, aufs Höchste erfordern, daß wir Christen uns selbst und auch die Unsrigen, so viel unser Seelenheil belangt, recht fleissig versorgen, besonders in diesen gefährlichen, zänkischen und verführerischen Läuften; denn leider (wie vor Augen) christlicher Glaube und Andacht je länger, je mehr abnimmt, die Lieb erkaltet, die Bosheit geht in Schwung, und nach Christi Weissagung nimmt sie überhand allenthalben.
Nun findet man aber gleichwohl viel Bücher und Büchlein, welche im Druck ausgegangen, die sich dermassen ansehen lassen, als ob sie nichts Anderes, als den wahren und christlichen Weg uns weiseten, und als ob sie uns und die Unsrigen in der Gottseligkeit genugsam bewahrten und versorgten. Im Grund aber erfindet sich, daß mehrentheils in solchen allgemeinen Büchlein nur ein Schein und eine schöne Farb der Wahrheit angestrichen wird, haben aber sonst allerlei irrige, verführerische und schädliche Lehren eingemischt, welche doch von dem gemeinen Mann nicht leicht gemerkt und verstanden werden. Soll darum ein jeder fromme Christ ernstlich ermahnet und bei seiner Seele Seligkeit gewarnet sein, daß er wohl zu und umsehe, was er für Büchlein habe und lese, besonders von Katechismen und Betbüchlein, und dergleichen anderen mehr. Denn wie St. Johannes sagt: ‚Glaubet nicht jeglichem Geist,‘ so mag man auch wohl sagen: ‚Glaubet nicht jeglichem Büchlein und Katechismo, weil viel falsche Propheten und Scribenten (Schriftsteller) in die Welt ausgegangen sind.‘ Und wie wohl viel andere Katechismi gefunden werden, welche die reine ungefälschte christliche Lehre in Kürze begreifen und vortragen, so wird doch dies Büchlein vielleicht nicht weniger Frucht als diese schaffen, weil es ohne alle Weitläufigkeit kurz und gründlich alle vornehmsten, nothwendigsten Stücke anzeiget und vorstellt; denn in diesem findest du, christlicher Leser, die Grundveste und Hauptartikel unserer wahren, christkatholischen und seligmachenden Religion. Es hängt doch Alles am Glauben, Hoffnung, Liebe, Sakramenten und Gerechtigkeit, wenn wir nur immer Gottes Kinder und in Christo gerecht und selig werden wollen. Ohne den Glauben erkennen wir Gott nicht, ohne die Hoffnung verzweifeln wir an Gottes Gnaden; ohne Lieb nutzt uns weder Glauben noch Hoffen oder Vertrauen, sondern wir bleiben noch in der Finsterniß, ja auch im Tod, wie die Hl. Apostel schreiben. Ohne die Sakramente aber, und ihren rechten katholischen Gebrauch wird die Gnade des Hl. Geistes nicht geschöpft noch erhalten. Wo dann nicht ist die Gerechtigkeit, da ist nicht Christi sondern des Teufels Reich, wie da geschrieben steht: ‚Wer recht thut, der ist gerecht. Wer Sünde thut, ist vom Teufel. Dazu aber ist erschienen der Sohn Gottes, sagt Johannes, daß er die Werke des Teufels zerstöre.‘«

 

Beachtlich finde ich es, dass der Heilige seine "Kurze Erklärung der vornehmsten Stücke des wahren katholischen Glaubens" eigentlich nur als Faszikel vor seine "rechte und katholische Form zu beten" gestellt hat: jene Grundwahrheiten des Glaubens sind sozusagen das Vorspiel für sein eigentliches Anliegen, nämlich das Gebet der Gläubigen zu fördern, wofür er dann in bester Gebetsbuch-Tradition einiges zusammengestellt hat; von den über 500 Seiten sind nicht einmal 90 der Katechismus. So eine Kombination aus klar dargelegten Glaubenswahrheiten und Gebeten für den gläubigen Alltag finde ich klasse. Soetwas bräuchte es in für heute angemessener Form eigentlich auch - dringend. Ein "Katechismus-Gebetbuch" für die heutige Glaubensnot... Quasi eine Kombination aus Youcat und Youcat-Jugendgebetbuch für unterschiedliche Altersstufen...

Dienstag, 20. April 2021

Bischof Oster und G.K. Chesterton

Bischof Oster von Passau ist offenbar (verständlicherweise) ob des bescheuerten Rassismusvorwurfs einer gewissen Tübinger (sich so titulierenden) "Theologin" gegenüber lehramtstreuen Katholiken die Hutschnur geplatzt. Jedenfalls hat er einen ausgesprochen deutlichen und kämpferischen Beitrag dazu verfasst, was katholisch ist, und was nicht (HIER zu finden). Sehr zu empfehlen!

Nur eine kleine Anmerkung: In seinem Beitrag fügt der Bischof auch ein Zitat ein, das gerne G.K. Chesterton zugeschrieben wird: »Ich brauche keine Kirche, die mir erzählt, dass ich unrecht habe, wenn ich weiß, dass ich unrecht habe. Ich brauche eine Kirche, die mir sagt, dass ich unrecht habe, wenn ich glaube, dass ich recht habe.«

Inhaltlich liegt das gewiss ganz auf der Linie von Chesterton, aber es ist eher eine Paraphrase von etwas, das Chetserton geschrieben hat, kein Zitat. Die Paraphrase stammt aus seinem Büchlein "The Catholic Church and Conversion", das Chesterton wenige Jahre nach seiner eigenen Konversion schrieb. Dort heißt es in Kapitel 5: »We do not really want a religion that is right where we are right. What we want is a religion that is right where we are wrong.« Viel interessanter als dieses Bonmont finde ich aber, was darauf folgt, denn es ist eine Abrechnung mit genau dem Schlag von "religiösen Menschen", der heute z.B. am suizidalen Weg den Ton angibt:

»These people merely take the modern mood, with much in it that is amiable and much that is anarchical and much that is merely dull and obvious, and then require any creed to be cut down to fit that mood. But the mood would exist even without the creed. They say they want a religion to be social, when they would be social without any religion. They say they want a religion to be practical, when they would be practical without any religion. They say they want a religion acceptable to science, when they would accept the science even if they did not accept the religion. They say they want a religion like this because they are like this already. They say they want it, when they mean that they could do without it.
It is a very different matter when a religion, in the real sense of a binding thing, binds men to their morality when it is not identical with their mood. It is very different when some of the saints preached social reconciliation to fierce and raging factions who could hardly bear the sight of each others' faces. It was a very different thing when charity was preached to pagans who really did not believe in it; just as it is a very different thing now, when chastity is preached to new pagans who do not believe in it. It is in those cases that we get the real grapple of religion; and it is in those cases that we get the peculiar and solitary triumph of the Catholic faith.«

Mittwoch, 14. April 2021

Kein Nebenschauplatz

Ein Gedankenexperiment:

In seiner Offenbarung an die Menschen sagt Gott kategorisch und ohne Ausnahmen zuzulassen: Wer die Handlung X tut, der ist des Todes würdig, er kann nicht Erbe meines Heils sein.

Bestimmte Kirchenleute sagen: Wir möchten der Handlung X den Segen Gottes zusprechen.

Wie kann man etwas segnen, was Gott definitiv (nach allem, was er uns offenbart hat) nicht segnet, sondern eindeutig verwirft? Macht man Gott damit nicht zum "Diener der Sünde" (Gal 2,17)?


Von den beiden großen evangelischen Theologen Adolf von Harnack (1851-1930, "liberal") und Adolf Schlatter (1852-1938, "konservativ"), wird erzählt, dass Harnack einmal vor Fakultätsangehörigen erklärt habe: "Vom Kollegen Schlatter unterscheidet mich nur die Wunderfrage!" (sprich: ob Wunder real sind, oder nicht), daraufhin habe Schlatter dazwischengerufen: "Nein, die Gottesfrage!"

Also: Wie bei der Frage nach der Realität von Wundern, so geht es auch bei der frage der Segnung homosexueller Akte nicht um etwas Nebensächliches, sondern letztlich um die "Ordnung", die Gott seiner Schöpfung gegeben hat, und es geht um Gottes Gebote. Damit geht es aber um das, was wir von Gott glauben. Glauben wir, dass Gott sich offenbart hat? Dass er klare Weisungen gegeben hat und dass, obwohl im Verlauf der Geschichte seiner Offenbarung einiges davon sich gewandelt hat - wie sich ja auch die Qualität dieser Offenbarung sowie die Adressaten dieser Offenbarung und jener Weisungen geändert haben -, ihre wesentlichen Gehalte zu unserem Heil von Gott erlassen wurde?

 

Oder anders: Glauben wir, dass, was Gott segnet, wahrhaft gesegnet ist? Wenn ja, dann müssen wir aber auch das, was Gott eindeutig verwirft, als verworfen betrachten. Ihm dennoch den Segen Gottes zuzusprechen, ist nichts weniger als eine Lüge, und zwar eine die zugleich Gott der Lüge (oder schlimmerer Dinge) bezichtigt.

Wenn es den Segen Gottes gibt und wenn Gott wahrhaft Person (und nicht bloß eine moralisch gleichgültige "Kraft") ist, dann gibt es für Gott auch die Möglichkeit, etwas nicht zu segnen. Wenn wir uns anmaßen solchem Tun dennoch den "Segen Gottes" zusprechen zu wollen, dann besteht m.E. die ernste Gefahr, dass hier jemand anderes seinen "Zuspruch" gibt, denn Gott ist es sicherlich nicht...

Donnerstag, 8. April 2021

Zum Tod von Hans Küng

R.I.P.



Der Vorsitzende der DBK sagte: „In seinem Wirken als Priester und Wissenschaftler war es Hans Küng ein Anliegen, die Botschaft des Evangeliums verstehbar zu machen und ihr einen Sitz im Leben der Gläubigen zu geben.“ Und er dankte ihm „für sein jahrelanges Engagement als katholischer Theologe in der Vermittlung des Evangeliums“ (hier).

Mal davon abgesehen, dass Hans Küng seit 1979 keine Lehrberechtigung als „katholischer Theologe“ mehr hatte und das Evangelium bestimmt auch ohne die Vermittlung von H. Küng „verstehbar“ ist, seien ein paar Worte über diesen großen Denker verloren, den ich, ganz ehrlich, so gar nicht leiden kann, schon weil zu seinen Grundgedanken die Aufhebung der Transzendenz zählt: Gott ist für ihn nicht ein Gegenüber zur Welt (und so ihr Schöpfer und schließlich Richter), sondern er ist in der Welt, wie Küng in seinem Buch zur „Menschwerdung“ von 1970 ausführt: „Gegen alle biblizistische Berufung auf den biblischen Gott und alle traditionalistische Berufung auf den traditionell-christlichen Gott muss es bleiben bei der nachkopernikanisch-neuzeitlichen Einsicht: Gott in der Welt, Transzendenz in der Immanenz, Jenseitigkeit in der Diesseitigkeit.“ Aber dennoch sei kurz jenen beiden Punkten nachgegangen: War er „katholisch“ und ging es ihm um das „Evangelium“? (Dass ein Bischof Bätzing sich so sehr an Küng anschmiegt, lässt jedenfalls für die Richtung, in die selbiger Bischof die Katholiken in Deutschland zu manövrieren gedenkt, nichts Gutes ahnen.)


War Küng „katholisch“?

Küngs Abfall von der Kirche kam endgültig mit seinem Buch „Unfehlbar?“ (ebenfalls 1970), das ironischerweise auch seinen vielleicht prominentesten Irrtum (methodisch wie inhaltlich) darstellt: Küng bestreitet die Unfehlbarkeit der Kirche insgesamt sowie des obersten Lehramtes im Besonderen, indem er auf Dogmen verweist, die seiner Ansicht nach falsch sind; dieser Selbstwiderspruch zeige ihm zufolge, dass es diese Unfehlbarkeit nicht geben könne. Und zwar dient ihm als Beweis für „falsche Dogmen“ ausgerechnet die Enzyklika Humanae Vitae. Die darin enthaltene Lehre sei ein Dogma und sie sei offenkundig falsch. Nur leider unterlässt es Küng, zu zeigen, warum HV seiner Ansicht nach falsch sein soll, er setzt deren Falschheit einfach als etwas Selbstverständliches voraus (siehe dagegen die beiden Sammelbände von Janet E. Smith „Why Humanae Vitae Was Right“ [1993] und „Why Humanae Vitae Is Still Right“ [2018]). Selbst ein Karl Rahner ließ an Küngs These zur Unfehlbarkeit kein gutes Haar und wies nach, dass Küng im Grunde die ganze kirchliche Lehtradition mindestens der letzten 500 Jahre ablehnt und sich somit auch jeder Grundlage eines innerkatholischen Dialogs beraubt hat (in dem Sammelband „Zum Problem Unfehlbarkeit“). Alles Bemühen um Verständigung und Frieden zwischen Konfessionen und Relgionen ist am Ende eine Lüge, wenn es auf Kosten der Wahrheit geht.


Ging es Küng um das Evangelium?

Hans Küng ging es immer um die Menschen, um Frieden und Gerechtigkeit… alles überaus löblich, und er gilt zurecht als einer der einflussreichsten Denker der letzten Jahrzehnte. Aber Küng ging es nicht um „die Botschaft des Evangeliums“. Ihm ging es bestenfalls um seine verkorkste Version dieser Botschaft, und die ist eines sicher nicht: katholisch. Jedenfalls stellt er in seinem Bestseller „Christ sein“ (1974) unübersehbar zur schau, dass es ihm gänzlich egal ist, was die Kirche lehrt, er ist v.a. sich selbst und seinen mal mehr, mal weniger diffusen Ideen treu. (Wiederum Karl Rahner bemerkte übrigens zu dem Buch, dass Küng darin gedanklich die letzten paar Jahrhunderte wohl verschlafen hat...). Für ihn ist Jesus einmalig, unersetzbar, eintzigartig als Vorbild für uns Heutige. Jesus, so Küng an anderer Stelle, ging es sowieso eigentlich nicht um „Religion“... und wäre es ihm um eine solche gegangen, dann jedenfalls eine „priesterlose“. Viel mehr als ein Vorbild ist dieser Jesus dann doch nicht… „Sprecher“ Gottes, sein „Sachwalter“ hat er ihn genannt. Hans Küng kann Jesus sogar als „Gottes Wort, Wille, Sohn“ bezeichnen, jedoch meint Küng damit die Funktion die Jesus in seinem Leben, Reden und Tun ausgeführt hat, nicht ihn selbst als Person. Auf die unausweichlich klare Frage, ob Jesus Christus in dem Sinne Gott ist, dass ihm auch (göttliche) Anbetung im strengen Sinne gebührt – der Lackmustest für eine authentische Christologie, denn wäre Christus weniger als Gott, wäre seine Anbetung Götzendienst –, weiß Hans Küng nichts zu antworten. Für ihn gibt es eigentlich keine Heilsgeschichte, es gibt nur eine Aufklärungsgeschichte, denn „Heil“ würde „Unheil“ (Sünde) voraussetzen und sogar die Möglichkeit des Verlorengehens – das darf nach Küng aber nicht sein, gleichwohl es in der Predigt Jesu breiten Raum einnimmt.



Ein Wort zu seinem literarischen Nachlass: Ich kenne zahlreiche Personen, die anhand von Büchern aus der Feder Joseph Ratzingers (wieder) zur Kirche gefunden haben. Ob das seine „Einführung“ ist, seine ersten beiden Interviewbücher mit Peter Seewald, seine Jesus-Trilogie oder seine Meditationen. Ratzinger weiß das Christliche authentisch darzustellen, Faszination und Neugierde zu wecken. Hans Küng begeistert niemanden für Jesus, seine Schriften führen nur weg von ihm, mehr als ein Gutmenschentum findet man bei ihm nicht. Ermutigend für mich ist es daher, dass das Interesse an Küngs Büchern bereits sehr deutlich geschwunden ist. Am Ende ist es doch immer wieder nur das Selbe. Seine „Sämtlichen Werke“, die der Herder-Verlag in 24 Bänden herausgibt, sind, wie ich aus internen Quellen weiß, mit eine der am schlechtesten laufenden Reihen, die der Verlag aktuell zu bieten hat (mit Abstand am besten laufen übrigens die Gesammelten Werke Ratzingers!). Was der Verlag da an Exemplaren absetzt, reicht gerade mal um die wissenschaftlichen Bibliotheken zu bestücken, die diese Bände brauchen, darüber hinaus kauft kaum jemand diese Bücher (sie sind überdies auch als Objekte von eher minderwertiger Qualität, aber das nur am Rande).


In seinem Werk „Damit die Welt glaube“ (1962) zitierte Hans Küng einmal den überaus bedeutenden Kirchenschriftsteller Origenes (gest. 254) mit diesen Worten:

»Ich möchte ein Mann der Kirche sein und nicht nach irgendeinem Gründer einer Häresie, sondern nach Christi Namen benannt werden und diesen Namen tragen, der auf Erden benedeit ist. Und es ist mein Begehren so der Tat als dem Geiste nach ein Christ genannt zu werden. Wenn ich, der ich deine rechte Hand zu sein scheine, der ich den Priesternamen trage und das Wort Gottes zu verkünden habe, etwa gegen die kirchliche Lehre und die Regel des Evangeliums verstieße, so dass ich dir, Kirche, zum Ärgernis würde, so möge mich die gesamte Kirche in einhelligem Beschluss, mich, ihre Rechte, abhauen und von sich werfen.«

Hätte er sich dies zu Herzen genommen, wäre er vermutlich einer der wichtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts und für die ganze Kirche sicherlich bedeutsam geworden... Die Kirche hat ihren Part erfüllt (und sie müsste es noch viel häufiger tun).

Franziskus an die deutschen Katholiken 3

Siehe Teil 1 und Teil 2 dieser kleinen Serie: hier und hier.

 

Anbetung ist, noch vor Lobpreiskonzerten und eucharistischer Anbetung, ein Grundzug christlicher Lebensgestaltung, der Reife und Übung im geistlichen Leben erfordert. Im Kern geht es gleichermaßen um Staunen und Gehorsam, in einem Wort: Unterwerfung unter den Thron Gottes – nicht wir bestimmen, sondern der Herr. Ist dies nicht gegeben, dann fällt der Mensch ins Gegenteil, nämlich indem er sich selbst, menschliche Erkenntnis oder irgendwelche anderen Götzen anbetet - selbst wenn er behauptet, dies nicht zu tun. Am Hochfest der Erscheinung des Herrn dieses Jahres hat Papst Franziskus das schön ins Wort gebracht:

»Die Anbetung erfordert eine gewisse geistliche Reife, man gelangt an dieses Ziel nach einer inneren, manchmal langen Reise. Die Haltung der Anbetung entsteht nicht einfach so in uns. Ja, der Mensch braucht Anbetung, aber er läuft dabei Gefahr, dass sie auf das Falsche gerichtet ist. Wenn er nämlich nicht Gott anbetet, wird er Götzen anbeten – es gibt keinen Mittelweg: entweder Gott oder die Götzen; oder um es mit den Worten eines französischen Schriftstellers zu sagen: „Wer Gott nicht anbetet, betet den Teufel an“ (Léon Bloy) –, und so wird er statt zu einem Gläubigen zu einem Götzendiener. Das ist so: entweder – oder.« (hier)


Der Papst will mit seinem Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" aus dem Jahr 2019 (hier) das in den Fokus rücken, was man hierzulande seit einem halben Jahrhundert zu ignorieren trachtet, und was man erst in den letzten paar Jahren zögerlich, oft auch nur dem Begriff nach (aber dann ohne Inhalt), anzunehmen beginnt: Evangelisierung. Wir sollen unsere bürokratischen Lasten und ideologischen Scharmützel zugunsten der Freiheit des Evangeliums loswerden um frei zu sein, „frei zur Evangelisierung und zum Zeugnis“ (Nr. 12). Franziskus bringt diese prioritäre Ausrichtung des christlichen Tuns ausdrücklich (siehe Fußnote 43) in Verbindung mit dem, was Romano Guardini vor vielen Jahren als „Anbetung“ beschrieb.

Wie schon in den letzten beiden Teilen dieser Miniserie, meine ich, dass der Papst sehr bewusst eine kleine Auswahl vorzüglicher katholischer Literatur in seine Fußnoten gesetzt hat, um uns Orientierung zu bieten. Also schauen wir doch mal bei Guardini rein um genauer zu sehen, was uns Papst Franziskus sagen will. Wie schon bei den anderen Texten, auf die Franziskus uns in seinem Brief hinweist, so spricht auch Guardini hier sehr deutlich einige Dinge an, die passgenau auf aktuelle Reformbestrebungen in Deutschland anwendbar sind, weil dort genau der falsche Weg gegangen wird. Guardini (Hervorhebungen von mir):

»[D]er Mensch, der Gott anbetet, kann nie vollständig aus der Ordnung kommen. Wer – seiner innersten Gesinnung nach und auch, sobald es dafür zeit ist, wirklich, im lebendigen Akt – Gott anbetet, ist in der Wahrheit behütet. Er mag noch so vieles falsch machen; noch so sehr erschüttert werden und ratlos sein – im Letzten sind die Richtungen und Ordnungen seines Lebens sicher.

Wir tun gut, uns das ganz klar zu machen und danach zu handeln wirklich zu handeln; die Anbetung wirklich zu üben. Das ist kein Vorsatz unter anderen, so wie man etwa sagt: „ich will mein Wort halten“, oder „ich will meine Arbeit richtig tun“. Hier geht es um die Mitte und das Maß des Daseins. Davon, ob in unserem Leben die Anbetung ist, hängt irgendwie alles ab. So oft wir anbeten, geschieht etwas; in uns selbst und um uns her. Die Dinge werden richtig. Wir kommen in die Wahrheit. Der Blick schärft sich. So manches, was uns bedrückte, löst sich. Wir unterscheiden besser zwischen Wichtig und Unwichtig, zwischen Zweck und Mittel, Ziel und Weg. Wir sehen klarer, was gut und was böse ist. Die Verschleierungen, die das tägliche Leben bewirkt, die Verschiebungen und Verfälschungen der Maßstäbe werden wenigstens in etwa zurechtgerückt.

Es ist gesagt worden, wir müßten die Anbetung üben. Das ist wichtig. Nicht warten, bis es uns dazu drängt und sie mit Selbstverständlichkeit aus der Stunde hervorgeht. Das wird selten genug der Fall sein und, wenn wir uns darauf beschränken, immer seltener. Auch die religiösen Dinge müssen geübt werden, wenn sie gedeihen sollen. Gott verlangt die Anbetung, und unsere Seele braucht sie; so müssen wir sie als Pflicht und Dienst vollbringen.

Wenn möglich, wollen wir dazu niederknien. Das Knien ist die Anbetung des Leibes. Darin vollziehen wir die Haltung jener Gestalten mit, in denen sich die Anbetung der Erde ausdrückte, der vierundzwanzig Ältesten... Dann still werden; die Unrast des Körpers und der Seele weg tun; ruhig werden mit unserem ganzen Wesen. Im Augen blick der Anbetung sind wir nur für Gott da, für nichts sonst. Dieses Hinaustreten aus der Bedrängnis des Sorgens und Begehrens, des Wollens und Fürchtens ist selbst schon Anbetung und wirkt innere Wahrheit... Und nun sich sagen: „Gott ist hier. Ich bin vor ihm. So vor ihm, wie die Gestalten der Vision vor dem Throne. Ich sehe ihn nicht, denn alles ist ja noch irdisch und steht in der Verschlossenheit der Zeit; im Glauben weiß ich aber, daß er da ist. Er ist Gott, und ich bin Mensch. Er hat mich geschaffen. Ich bin durch ihn geworden, und in ihm habe ich mein Bestehen ...“ Und nun braucht wohl nicht weitergeschrieben zu werden. Nun muß der, den es angeht, Gott ins Angesicht schauen, seinem Gott, und ihm sagen, was sein Herz aus der Wahrheit des inneren Gegenüberstehens ihm ein gibt.

Dann wird er erfahren, wie groß die Wahrheit der Anbetung, und wie wohltätig sie ist. So manches, was ihn ängstigt, fällt ab. So manche Sorge wird gegenstandslos. Sein Wünschen und Fürchten ordnet sich. Er wird zuversichtlich und kräftig für das, was das Leben von ihm verlangt. Er fühlt sich im Innersten geborgen, und die Mitte seines Wesens gewinnt festen Stand in Gottes Wahrheit. Von da aus tritt er dann wieder in sein Leben hinaus, fähig, in den Erprobungen, die es ihm auferlegt, zu bestehen.

Die Anbetung Gottes mitten in der Verschlossenheit der Zeit hat eine besondere Schönheit. Sie eilt der kommenden Offenheit voraus. Wo immer ein Mensch anbetet, dringt die neue Schöpfung durch. Ist es nicht wunderbar, das zu vermögen? Und ist nicht auch das wunderbar, sich sagen zu dürfen, daß man Gott die Ehre gibt, während er sich selbst in den Schein der Schwachheit bescheidet? Daß man ihm der um der Wahrheit willen es auf sich nimmt, vom Willen des Menschen entehrt zu werden, die Treue hält und bekennt, auch jetzt sei er „würdig, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht“? Es ist vielleicht das Größte, was der Mensch empfinden kann, zu wissen, daß er, der Vergängliche und in der irdischen Wirrnis Verfangene, dem sich bescheidenden Gott gibt, was ihm gebührt. Daß er diesem Gott in seinem Herzen den Thron auf richtet und so für seinen Teil die Dinge richtigstellt.« (Guardini, Glaubenserkenntnis, Würzburg 1949, 14-16)


Welcher Kontrast zum suizidalen Weg, wo das Credo zu lauten scheint: „Dialogprozesse, Diskussionen und Abstimmungen sind geistliche Prozesse“ (vgl. hier). Das Gegenteil der Anbetung Gottes ist die Anbetung der Götzen, hier heißen sie Dialogprozess, Diskussion und Abstimmung.

Samstag, 3. April 2021

Cantalamessa über die Spaltungen in der Kirche

Der Prediger des Päpstlichen Hauses, Kardinal Raniero Cantalamessa (wärmstes zur Lektüre empfohlen sei aus seiner Feder "Komm, Schöpfer Geist - Betrachtungen zum Hymnus Veni Creator Spiritus" und "Die Eucharistie unsere Heiligung") in der gestrigen Karfreitagsliturgie des Papstes (eigene Übersetzung):

 

»Die katholische Brüderlichkeit ist verwundet. Christi Obergewand ist in Stücke zerteilt durch die Spaltungen zwischen den Kirchen. Aber nicht weniger schlimm ist, dass jedes dieser Teile erneut in weitere Teile zerteilt wird.

Was ist die häufigste Ursache für Spaltungen unter den Katholiken? Es ist nicht das Dogma, es sind nicht die Sakramente und die Ämter - alles Dinge, die wir dank der Gnade Gottes unversehrt und einmütig bewahren. Es ist die politische Option, wenn sie die religiöse und kirchliche ablöst und für eine Ideologie eintritt, während sie den Wert und die Pflicht des kirchlichen Gehorsams gänzlich vergisst. Dies ist der wahre Grund der Spaltung in bestimmten Teilen der Welt, auch wenn er verschwiegen oder abfällig verneint wird. Dies bedeutet, dass das Reich dieser Welt im eigenen Herzen wichtiger geworden ist, als das Reich Gottes. 

Ich glaube, dass wir alle dazu aufgerufen sind, in dieser Hinsicht eine ernste Gewissenserforschung zu betreiben und uns zu bekehren. Jene [Spaltung] ist schlechthin das Werk desjenigen, dessen Name "diabolos" ist, d.h. der Spalter, der Feind, der das Unkraut sät, wie Jesus ihn im Gleichnis nennt.« (hier)


Donnerstag, 1. April 2021

Vinzenz von Paul über die ernste Gefahr für die Hirten

Missbrauchende, vertuschende und Irrlehren fördernde oder duldende Priester und Bischöfe aufgepasst! Aus den geistlichen Unterweisungen des hl. Vinzenz von Paul (Nr. 1065):

»Aber, mein Heiland, wenn ein guter Priester Großartiges wirken kann, welchen Schaden macht er, sobald er auf Abwege gerät!
Wer weiß, ob nicht alle Unordnungen, die wir auf der Welt sehen, den Priestem zugeschrieben werden müssen. Dies könnte einigen zum Anstoß gereichen, aber der Gegenstand erfordert es, dass ich durch die Größe des Übels die Wichtigkeit der Heilung aufzeige. Schon viele Konferenzen wurden über diese Frage gehalten und sie ist erschöpfend behandelt worden, um die Quellen so vielen Unheiles aufzudecken. Das Ergebnis aber war, dass die Kirche keine schlimmeren Feinde hat als die Priester. Von ihnen gingen die Häresien aus; Zeugen davon sind die beiden Häupter des Protestantismus, Luther und Calvin, die Priester waren. Durch die Schuld der Priester haben die Protestanten die Oberhand gewonnen, herrscht das Laster und hat die Unwissenheit im armen Volk ihren Thron errichtet. Das geschah infolge ihrer eigenen Ungeordnetheit, und weil sie sich nicht mit allen ihren Kräften, wie es ihre Pflicht gewesen wäre, diesen drei Sturzbächen entgegensetzten, von denen die Erde überflutet wurde.
Sicherlich, mein Herr, haben die Priester unserer Zeit allen Grund, Gottes Urteil zu fürchten; denn außer ihren eigenen Sünden werden sie Gott auch über die des Volkes Rechenschaft ablegen müssen, denn sie haben sich nicht bemüht seiner verletzten Gerechtigkeit für sie Genugtuung zu leisten, so wie sie dazu verpflichtet sind. Was noch schlimmer ist: Gott wird ihnen die Bestrafung der Völker anrechnen, die er über diese kommen lässt; denn sie rühren keinen Finger, um sich den Geißeln, welche die Kirche heimsuchen, entgegenzusetzen: der Pest, dem Krieg, dem Hunger und den Irrlehren, die von allen Seiten die Kirche bedrängen. Sagen wir noch mehr, mein Herr: Der schlechte Lebenswandel der Geistlichen ist schuld an dem ganzen Chaos, wodurch die heilige Braut des Erlösers so tief bedrückt und so stark entstellt wurde, dass sie kaum zu erkennen ist.
Was würden heute diese alten Väter über uns sagen, die sie in ihrer ersten Schönheit gesehen haben, wenn sie die Frevel und Schändungen erblickten, wie wir sie in ihr sehen, sie, die gemeint haben, dass die Zahl der Priester, die gerettet werden, sehr klein wäre, obwohl sie damals in ihrem größten Eifer waren.«

Montag, 29. März 2021

Entmündigte Theologen

Das aktuelle Aufbäumen zahlreicher Theologen gegen die römische Feststellung der immer schon geltenden Lehre bezüglich der Segnung nichtehelicher Verbindungen hat mich einmal mehr zu einem Gedanken zurückgeführt, der mich spätestens seit der Zeit meiner Diplomprüfungen in selbigem Fach immer wieder mal behelligt.

Die Theologen hierzulande, auch die „anständigen“, nicht nur der breite liberale Mainstream, sind bis auf wenige Ausnahmen in erschütternder Weise unfrei. Ich meine jene Freiheit der Kinder Gottes, von der Paulus in Paarung mit der Herrlichkeit spricht (vgl. Röm 8,21), und die zugleich jene Freiheit ist, wegen der wir „umkehren und wie die Kinder werden“ sollen (vgl. Mt 18,3). Gemeint ist die Freiheit des Bekenntnisses zu dem einen wahren Gott in drei Personen, der sich offenbart hat, der uns erlöst hat, der uns in seiner Kirche – insbesondere in den Sakramenten – leiblich, geistig und seelisch nahe ist. Ohne jetzt herablassend klingen zu wollen: Sie tun mir Leid.

Vor kurzem las ich in der Einführung zu einem Sammelband eines namhaften amerikanischen Theologen (den man hierzulande natürlich nicht kennt, weil man sich i.d.R. mit deutschsprachiger Literatur begnügt) das mit völliger Selbstverständlichkeit dargelegte Zeugnis, dass er seine (Jahrzehnte umfassende) theologische Arbeit als einen Teil seines Weges der Jüngerschaft betrachtet und als einen Weg, zu immer größerer Klarheit im Glauben zu gelangen. Von einer winzigen Anzahl abgesehen, kenne ich im deutschen Sprachraum niemanden in dem Fachbereich, der sein Wirken auch nur annähernd so zu charakterisieren in der Lage wäre – schon gar nicht öffentlich.

Soetwas tut man nicht. Das steht einem Theologen nicht gut an, denn das ist nicht „wissenschaftlich“. Nein, Theologie muss „wissenschaftlich“ sein (fatal, dass wir sprachlich nicht so schön wie im Englischen zwischen science und humanities unterscheiden können!), daher darf sie keinen freimütigen Bekenntnischarakter haben – noch nicht mal im Vorwort. Das ist keine Selbstzensur, es ist geradezu eine organisch vorgegebene Notwendigkeit, dass dies nicht geht.

Den Grund für diese Unfreiheit – die übrigens das genaue Gegenteil christlicher (erlöster) Gelassenheit ist – vermute ich in der seit Jahrzehnten alles Theologietreiben durchsäuernden Indeologisierung. In dem krankhaften Bestreben sich „wissenschaftlich“ zu geben, hat man die eigene wissenschaftliche Grundlage (= die Wahrheit der biblischen Offenbarung, wie sie vom authentischen Lehramt verbindlich vorgelegt wird, vgl. Dei verbum 10) aufgegeben, mit dem Ergebnis, dass nur noch Ideologie in Reinform übrig geblieben ist, deren Fachvertreter sich nun vorrangig mit anderen (gesellschaftlich relevanten) Wissensgebieten (stets ideologisch voreingenommen) beschäftigen müssen, um noch zumindest das Gefühl einer Daseinsberechtigung zu erzeugen. Soziologie, Psychologie, Marketing, Politik...

Vor allem aber dies schmerzt: Von einer lebendigen und heilig(end)en Liebe zu Jesus Christus und seiner Kirche ist weit und breit nichts zu spüren – überhaupt nichts.

Und selbst diejenigen, die ich als „anständige“ Theologen bezeichnet habe, betreiben zwar tatsächlich Theologie mit der ihr zukommenden wissenschaftlichen Grundlage (darum sind sie keine Häretiker), aber selbst diese Theologen gelangen nur in seltenen Ausnahmefällen zu jener Gelassenheit und Freiheit, dass sie sich freimütig zu dem, was sie beschreiben, erklären und verteidigen, bekennen können. Und noch seltener geschieht dies in einer Sprache, die inspiriert und wiederum andere zum Bekenntnis ermutigt.

Natürlich ist das religiöse und gesellschaftliche Umfeld hierzulande ein ganz anderes als in den USA, wo es sehr viel mehr Fluktuationen im religiösen Leben gibt und die US-amerikanische Zivilreligion das religiöse Bekenntnis konstant im öffentlichen Raum präsent hält. Nichts desto trotz halte ich diese Freimütigkeit, die begeistert, für genuin christlich und nötig. Andernfalls wird die Theologie nur noch bedeutungs- und v.a. fruchtloser, als sie es ohnehin schon längst ist (was aber die Herren und Damen Theologen zumeist noch nicht bemerkt haben, weil sie zu sehr mit sich selbst befasst sind).

Das gleiche Phänomen gibt es auch bei den Bischöfen zu beobachten. Bei denen ist es nochmal deutlicher, dass die übergroße Mehrheit unserer Hirten alles Mögliche sind (Bürokraten, Technokraten, Politiker etc.), aber sie sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Zeugen für Christus. Alle salbungsvolle Rede dieser Welt kann nicht das kürzeste Bekenntnis (Jesus Christus ist der Herr!) ersetzen.

So durch ihr eigenes Tun der christlichen Freiheit beraubt, sind sie wahrhaft entmündigte Christen, sie sind faktisch nicht zum Bekenntnis in der Lage, ihr Berufsethos (wie sie es verstehen) steht dem im Wege.

Sehr schade.

Donnerstag, 25. März 2021

Pflichten eines Bischofs

Da wir aktuell beobachten müssen, wie Bischöfe sich ganz offen gegen Rom positionieren und ihren Ungehorsam medial verbreiten, seien hier einige Stellen aus dem "Direktorium für den Hirtendienst der Bischöfe" (2004) wiedergegeben (mit in der aktuellen Lage relevanten Hervorhebungen von mir):


»Im Bewusstsein seiner Verantwortung für die Einheit der Kirche und unter Berücksichtigung der Tatsache, mit welcher Leichtigkeit heute jede Erklärung breiten Kreisen der öffentlichen Meinung bekannt wird, soll sich der Bischof davor hüten, Gesichtspunkte der Lehre des authentischen Lehramtes oder der Ordnung der Kirche in Frage zu stellen, um weder der Autorität der Kirche noch seiner eigenen Autorität Schaden zuzufügen« (13).

 

»Als Konsequenz seiner Bischofsweihe, der hierarchischen Gemeinschaft und seiner Zugehörigkeit zum Bischofskollegium sowie als Zeichen der Einheit mit Jesus Christus soll der Bischof der Gemeinschaft der Liebe und des Gehorsams mit dem Papst höchste Rechnung tragen und diese von Herzen fördern, indem er sich dessen Absichten, Initiativen, Freuden und Sorgen zu eigen macht und indem er auch in den Gläubigen die selben kindlichen Gefühle fördert.

Der Bischof soll getreu die Anordnungen des Heiligen Stuhls sowie der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie ausführen, die dem Papst bei seiner Sendung des Dienstes an den Teilkirchen und ihren Hirten helfen. Er soll zudem dafür sorgen, dass die Dokumente des Heiligen Stuhls zeitnah den Priestern oder, je nachdem, dem gesamten Volk Gottes zur Kenntnis gelangen, wobei er in geeigneter Weise deren Gehalt erläutern soll, um ihn so für alle verständlich zu machen.« (14)


»Christus, der „gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8), und dessen Speise es war, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34), steht dem Bischof beständig vor Augen als das höchste Vorbild jenes Gehorsams, der die Ursache unserer Rechtfertigung war (vgl. Röm 5,19).

Indem er sich Christus gleichförmig macht, leistet der Bischof einen hervorragenden Dienst für die Einheit und die Gemeinschaft der Kirche, und mit seinem Verhalten zeigt er, dass in der Kirche gerechterweise niemand den anderen befehlen kann, wenn er sich nicht zuvor anbietet als Vorbild des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes und der Autorität der Kirche.« (43)


»Im Bewusstsein, dass er in der Teilkirche der Leiter des gesamten Dienstes am Wort Gottes ist, und dass er das Amt eines Boten des Glaubens, des authentischen Lehrers und des Zeugen der göttlichen und katholischen Wahrheit empfangen hat, muss der Bischof seine intellektuelle Bildung vertiefen durch persönliches Studium und durch ein ernsthaftes Bemühen, sich über die kulturellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Tatsächlich muss es der Bischof nämlich verstehen, die Strömungen des Denkens sowie die anthropologischen und wissenschaftlichen Richtungen unserer Zeit aufzunehmen und zu bewerten, um sie unterscheiden zu können und um auf die neuen Fragestellungen, die aus der Gesellschaft erwachsen, im Licht des Wortes Gottes und in Treue zur Lehre und zur Ordnung der Kirche antworten zu können.

Die theologische Fortbildung ist für den Bischof notwendig, um den unauslotbaren Reichtum des geoffenbarten Geheimnisses vertiefen und bewahren, um die Glaubensüberlieferung getreu darlegen zu können und um zu den Theologen eine Beziehung der respektvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit pflegen zu können. […] Eine theologische Kenntnis auf der Höhe der Zeit wird es dem Bischof auch erlauben, darüber zu wachen, dass die verschiedenen theologischen Vorschläge, die vorgetragen werden, mit dem Inhalt der Überlieferung übereinstimmen, und alle Widersprüche und Abweichungen von der gesunden Lehre zurückzuweisen.« (52)


Der Bischof »darf […] keine Einschränkung seiner apostolischen Freiheit für die öffentliche Verkündigung des Evangeliums sowie der moralischen und religiösen Grundsätze, auch in gesellschaftlichen Fragen, erlauben. So wie er bereit ist, das Engagement und den wirklichen sozialen Fortschritt zu loben, so soll er anderseits auch bereit sein, jede öffentliche Beleidigung des göttlichen Gesetzes und der menschlichen Würde zu verurteilen«. (117)


»Es ist auch Aufgabe des Bischofs, immer und überall die moralischen Grundsätze der gesellschaftlichen Ordnung zu verkünden, und so die authentische Befreiung des Menschen anzukündigen, die durch die Menschwerdung des Wortes in die Welt gebracht wurde. Wenn es die Rechte der menschlichen Person oder das Heil der Seelen erfordern, ist es seine Pflicht, ein in der Offenbarung begründetes Urteil über die konkrete Wirklichkeit des menschlichen Lebens abzugeben: Insbesondere, was den Wert des Lebens anbelangt, die Bedeutung der Freiheit, die Einheit und die Beständigkeit der Familie, die Erzeugung und die Erziehung der Kinder, […].

Der Bischof soll es nicht unterlassen, seinen Gläubigen die Lehren und die Hinweise zu übermitteln, die er vom Heiligen Stuhl empfängt.« (120)

 

Die Bischöfe, die diesen Aufgaben nicht nachkommen, insbesondere diejenigen, die gerade das genaue Gegenteil davon tun, indem sie gegen die Lehre der Kirche wettern und ihre Änderung ("Weiterentwicklung") verlangen, sollten sich dringend eine Auszeit zur Besinnung nehmen, oder den Papst schleunigst um Entpflichtung bitten. Sie sind, bei allem gebotenen Respekt, für das ihnen übertragene Amt nicht hinnehmbar.

Mittwoch, 24. März 2021

Homosexualität und Kontrazeption

Ein kleiner Hinweis, weil das in der Diskussion wenig gesehen wird: Die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Sexualität hängt nicht unwesentlich mit der Akzeptanz künstlicher Empfängisverhütung zusammen.

Ein zentraler Punkt, der ausgelebte gleichgeschlechtlicher Sexualität aus biblisch-katholischer Perspektive als sündhaft qualifiziert, ist die solchen Akten grundsätzlich innewohnende Unmöglichkeit der Fortpflanzung, die als Kernaspekt des Geschlechtsaktes angesehen wird. Das exakt gleiche Kriterium erfordert nun aber auch die Ablehnung künstlicher Empfängnisverhütung.

Andersherum bedeutet dies: Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Sexualität als legitim folgt notwendig aus einer Anerkennung künstlicher Empfängnisverhütung. Wer Humanae vitae ablehnt, der wird konsequenterweise auch die römische Absage von Segnungen gleichgeschlechtlicher Verbindungen ablehnen; wer HV annimmt, muss auch Letzteres annehmen. Sehr anschaulich hat diesen wichtigen Zusammenhang der frühere anglikanische Primas Rowan Williams in einer bedeutenden, im anglikanischen Raum bis heute vielfach beachteten, Ansprache im Jahr 1989 mit dem Titel "The Body’s Grace" (z.B. hier zu finden) ins Wort gebracht:

»In fact, of course, in a church which accepts the legitimacy of contraception, the absolute condemnation of same-sex relations of intimacy must rely either on an abstract fundamentalist deployment of a number of very ambiguous texts, or on a problematic and non-scriptural theory about natural complementarity, applied narrowly and crudely to physical differentiation without regard to psychological structures.«

Zu Deutsch: Wenn künstliche Empfängnisverhütung kirchlicherseits akzeptiert ist, dann muss man auch gleichgeschlechtliche Sexualität akzeptieren; alles andere wäre inkonsequent und heuschlerich.

Wie gut, dass die katholische Kirche die künstliche Empfängnisverhütung genauso als sündhaft ablehnt, wie sie dies mit gleichgeschlechtlicher Sexualität tut. Diese letztere Ablehnung ist also durchaus konsequent. Die Wut, die sich heute über Rom ergießt, ist die selbe, sie sich 1968 ergossen hat... Eigentlich reden wir in beiden Fällen über ein und das selbe Thema, nur die Akteure sind heute andere.


Übrigens kann man den durchschalgenden evangelisierenden "Erfolg" der alles und jeden segnenden Anglikaner statistisch nachweisen, wie z.B. hier mit Daten aus dem Jahr 2019: 

»The report, published by the National Centre for Social Research, on Thursday of last week, found that only 12 per cent of respondents would describe themselves as “belonging to the Church of England [or the Church in Wales and Scottish Episcopal Church]”. This figure is down from 14 per cent last year, 22 per cent in 2008, and 40 per cent in 1983, when the survey was first run.
Among 18- to 24-year-olds, just one per cent said that they belonged to the Church...«

 

Die Anhänger der britischen Staatsreligion sind in ihrem eigenen Staat (und anderswo) faktisch eine sehr schnell aussterbende Gruppe... Aber zum Glück "diskriminieren" sie während ihres Aussterbens niemanden, und sie stellen es jedem frei, sich als gesunder Mensch mit technischen Mitteln in einen für sie krankhaften Zustand zu versetzen, nämlich den der Unfruchtbarkeit... juhu?



ceterum censeo: Paul VI. hatte recht (KLICKMICH).

Sonntag, 21. März 2021

Sünde und Heiligkeit

Was das Responsum der Kongregation für die Glaubenslehre letztlich bedeutet, und wogegen sich nun viele mit ehrlicher oder inszenierter Wut aufbäumen, ist bei Licht betrachtet einzig dies: Dass zum ersten Mal seit langem wieder unmissverständlich klargestellt wurde, dass Sünde real ist.

 

 

»Die Kirche grenzt niemanden aus. Jeder der glaubt, und sein Leben auf Gott ausrichten will, ist willkommen. „Ausgrenzen“ kann man sich nur selbst, durch Unglauben und durch ein bewusst sündiges Leben. Das gilt, wie für alle Menschen, auch für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen.

[…]

Selbstverständlich vergibt Gott homosexuelle Sünden genauso wie jede andere Sünde, die ein Mensch bereut. Gerade deswegen ist es wichtig, dass die Kirche auch auf diesem Gebiet die Sünde Sünde nennt. Zu behaupten, dies sei „diskriminierend“, ist absurd. Die Frage kann nur sein, ob die Lehre der Kirche wirklich der Wahrheit entspricht. Aber wenn homosexuelle Akte tatsächlich Sünde sind gilt wie bei jedem anderen Gebot: Gottes Wort ist „Licht“ auf dem Weg des Menschen, und es ist gut für ihn zu wissen, dass dieses oder jenes Verhalten ,,ins Verderben“ führt, wie die Bibel dies auszudrücken pflegt.

[…]

[A]m gebieterischen Ruf zur Keuschheit führt kein christlicher Weg vorbei. Wer darüber entsetzt ist und das für schlechthin „unzumutbar“ hält, lasse sich gesagt sein: Das ist keine „besondere Strenge“ gegenüber Homosexuellen. Denn ein sexuell enthaltsames Leben mutet die Kirche im Namen Gottes jedem unverheirateten Menschen zu, zeitweise auch Eheleuten, und manchen Menschen für immer. […]

Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen sind, wie alle Menschen, zur Heiligkeit berufen. Man kann mit Sicherheit annehmen: Es hat schon Heilige mit homosexuellen (und allen nur möglichen sexuell oder sonst wie merkwürdigen und abartigen) Neigungen gegeben. Als Christen, die entschlossen waren. Gott mehr zu gehorchen als ihren Antrieben, erkannten sie darin Versuchungen zur Sünde, die sie niederrangen und auszuhalten lernten, sicher auch mit Hilfe der Beichte.

Es wäre zu wünschen, einige von diesen Heiligen mit homosexuellen Neigungen beim Namen zu kennen und sie somit als Fürsprecher und Vorbilder zu haben: Heilige, die bestimmte Zeiten ihres Lebens unter gleichgeschlechtlichen Neigungen litten und doch verzichtet haben, ihnen nachzugeben. Sie richteten ihre Augen auf Gott, hielten die Leiden an diesem ihren Kampf für ungleich geringer als die Freude, die Gott ihnen verheißen hatte, dachten an die Gebote Gottes, hörten auf ihr Gewissen und lebten nach der Lehre der Kirche, der sie mehr glaubten als den „Weisen“ dieser Welt. Darum hörten sie nach ihrem Tod das Wort Jesu: ,,Kommt, ihr, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“ „Homosexuelle“ im Himmel? Nein, sondern heilige Menschen, die trotz ihrer sexuellen und trotz manch anderer sündigen Neigungen Gott geliebt haben aus ganzem Herzen und mit allen ihren Kräften, nach dem Maß der Gnade.«

(aus: Andreas Laun, Homosexualität aus katholischer Sicht)


Donnerstag, 18. März 2021

Ein Kommentar zum Responsum der Glaubenskongregation

Ein unsystematischer und unvollständiger Kommentar zum


Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts [HIER herunterzuladen]

  • Sofort wird klar – was aber nur bemerkt, wer ehrlich und unverbrettert ließt –, dass es in diesem Responsum nicht um die Segnung von (Einzel)Personen geht, sondern um die Segnung einer Verbindung von Personen, also um eine Lebensform, allgemeiner gesagt: um eine Handlung oder ein Tun von Personen. In den Kommentaren und Entgegenungen auf das Responsum, selbst in Wortmeldungen mancher Bischöfe, wurde der Eindruck erweckt oder sogar ausdrücklich so gesagt, dass diese römische Äußerung gegen die Segnung homosexuell empfindender Menschen gerichtet ist. Wie es der Text mehrfach(!) unmissverständlich deutlich macht, ist genau das nicht gemeint. Sogar weltliche Medien schaffen es, die im Dokument ausgedrückte Unterscheidung zwischen Sünde und Sünder deutlich hervorzuheben, beispielsweise tagesschau.de (hier), schade, dass manche kirchlichen Persönlichkeiten dazu nicht in der Lage sind.

  • Ein Beispiel ist hier Bischof Overbeck in Essen, der verlauten ließ „Wir werden mit unseren seelsorglichen Angeboten auch weiterhin alle Menschen begleiten, wenn sie darum bitten – ganz gleich in welcher Lebenssituation.“ (hier) Mit dieser Äußerung erweckt er den Eindruck, Rom habe die Seelsorge für homosexuell empfindende Menschen untersagt, wogegen er sich nun mutig zur Wehr setzt. Dabei tut Rom eigentlich das genaue Gegenteil (s.u.). Eine ehrliche (und von Einsicht zeugende) Antwort wäre es gewesen, wenn der Bischof gesagt hätte, man werde das römische Responsum als Anspron nehmen, die entsprechende Seelsorge weiter zu fördern, denn genau dazu regt es ja auch an.

  • Es ist im christlichen Denken schon immer eine Grundkonstante, zwischen dem Sünder und der Sünde zu unterscheiden. Der Sünder hat ein Anrecht auf unsere Liebe und unseren Segen, weil er diese Liebe und diesen Segen auch fraglos von Gott erhält. Seine sündhaften Handlungen haben diesen Anspruch jedoch nicht, weil er ihnen auch von Gott her nicht zukommt: Gott segnet nicht die Sünde (vgl. Gal 2,17). Paulus sagt „Segnet, die euch verfolgen“ (Röm 12,14), er sagt nicht „Segnet die Verfolgung“. Jesus sagt „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44), er sagt nicht „Betet dafür, dass die Verfolgung gelingt“. In gleicher Weise sollen wir z.B. für einen Ehebrecher beten und ihn segnen, aber unter keinen Umständen dürfen wir den Ehebruch segnen, egal wie sehr der Ehebrecher und seine Geliebte meinen, sich zu „lieben“.



AUF DAS VORGELEGTE DUBIUM:
Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen?

  • Es sei das Augenmerk auf die Wortwahl gerichtet: Gefragt wird nämlich nicht, ob die Kirche willens ist, oder ob sie in der Lage dazu ist, etwas zu tun. Sondern es wird gefragt, ob sie die Vollmacht hat, etwas zu tun. Es geht also nicht darum, ob die Kirche das in Frage Stehende tun kann, sondern ob sie es darf. Das „Können“ ist derweil vom „Dürfen“ abhängig, denn was nicht erlaubt ist, entfaltet in diesem Sinne auch keine Wirkung, ist nicht gültig, ist null und nichtig: Wenn ich beispielsweise als nicht bevollmächtigte Person ein Dokument unterschreibe, dann „kann“ ich diesen mechanischen Vorgang des Unterschreibens zwar offensichtlich tätigen, aber weil ich diese Unterschrift auf diesem Papier nicht leisten darf, weil ich nicht die Vollmacht dazu habe, ist meine Unterschrift Bedeutung- und Wirkungslos und bewirkt höchstens Verwirrung, Unannehmlichkeiten und zusätzlichen Verwaltungsaufwand zur Bereinigung des Fehlers.

  • Wann immer eine Frage auftaucht, in der es darum geht, ob die Kirche etwas tun darf, geht es folglich nicht um etwas, das in der Verfügungsgewalt der Kirche steht. Denn dürfen und nicht-dürfen geschieht nicht aus einem selbst heraus, sondern es ist auferlegt von dem, der die Regeln aufgestellt hat. Vollmacht wird einem durch Bevollmächtigung zuteil. (Die Alternative ist Selbstermächtigung, etwas, das gewöhnlich nicht gewaltfrei abläuft.) Also: Die Frage behandelt nicht etwas, das in der Kompetenz oder Beliebigkeit der Kirche liegt, sondern etwas, das ihr vorgegeben ist. Ginge es nur um ein Können“, ließe sich fragen, ob die Kirche nicht einfach den nötigen Mut aufbringen könnte, um es zu tun... Wenn ihr aber die Vollmacht fehlt, dann kann sie das nicht eigenmächtig ändern.

  • Nicht „Rom“ übt hier „Macht“ aus, wie es gerne dargestellt wird, sondern „Rom“ stellt gerade fest, dass es diesbezüglich keine Macht hat! Dass es auch in Sachen Religion gewalttätige Selbstermächtigung gibt, wissen wir aus Jesu eigenem Mund, wenn er über das Schicksal des Täufers Johannes (und sein eigenes) spricht: „bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich.“ (Mt 11,12) Gemeint ist ein gewalttätiges Auflehnen gegen die Umkehrpredigt des Täufers, das dann auch folgerichtig auf die Umkehrpredigt Jesu weiterwirkte und noch bis heute wirkt. Das Aufbäumen von Theologenschaft und Bischofsclique gegen diese „römische Note“ ist m.E. nichts anderes als die (verbal) gewalttätige Auflehnung gegen das Himmelreich (= die Herrschaft Gottes), von der Jesus sprach.

  • Übrigens: Die gleiche Formulierung bzgl. der Vollmacht findet sich z.B. auch in Ordinatio sacerdotalis, womit die Unmöglichkeit der Spendung des Weihesakraments an Frauen festgestellt wurde. Auch Johannes Paul II. verkündete damals nicht, dass die Kirche dies nicht tun könne oder wolle, sondern, Zitat: „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden“ (Nr. 4).



WIRD GEANTWORTET:
Nein.

  • Manche Reaktionen stören sich an dem, was sie als „schroffes Nein“ oder dergleichen bezeichnen. Sogar manche Theologen stoßen in dieses Horn. Dazu muss man wissen, worauf auch der Kommentar zum Responsum hinweißt, dass ein Responsum grundsätzlich mit „Ja“ oder „Nein“ antwortet, die zugrundeliegende frage (dubium) ist entsprechend stets so gestellt, dass eine Ja/Nein Antwort möglich ist. Das ist in diesem „Literatur-Genre“ so und hat nichts mit Schroffheit zutun. Hätte die Frage anders gelautet, z.B. „Muss ein Priester die Segnung eines homosexuellen Paares unterlassen?“, wäre ein ebenso „schroffes“ Ja als Antwort gekommen. Eine Frage die nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden kann, wäre nicht in der Form eines Responsum beantwortet worden, sondern dann womöglich als Instruktion oder Brief oder dergleichen… Mehr steckt nicht hinter dem angeblich „schroffen“ „Nein“.



Erläuternde Note

  • Wir können uns freuen, dass es erläuternde Noten gibt. Das war nicht immer so und das ist für die Autorität der gegebenen Antwort auch nicht erforderlich. Das Responsum wäre genauso gültig und verbindlich ohne eine erläuternde Note. Sie ist eine Hilfe zum Verständnis und zur Vermittlung. Wie sich zeigen wird, zeigt diese Note ein hohes Maß an pastoralem Einfühlungsvermögen und Realitätssinn bei den Verfassern. Ironischerweise spricht man ihnen genau das derzeit ab, während die so Absprechenden (bewusst oder aus Ignoranz) genau die Missverständnisse wiederholen, die mit dieser Note geklärt und beantwortet werden.



In einigen kirchlichen Bereichen verbreiten sich Projekte und Vorschläge von Segnungen für Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts.

  • Inzwischen hat es sich medial herumgesprochen, dass dieses Responsum vermutlich auf eine Anfrage aus dem deutschen Sprachraum antwortet, und dass es daher auch besonders auf diese Länder gemünzt ist. Bekanntlich werden in den meisten Bistümern inzwischen solche Segnungen vorgenommen und von offizieller Stelle zumeist stillschweigend geduldet. Manche Bischöfe haben auch schon ganz offen solche Feiern angeregt.



Nicht selten sind solche Projekte durch den aufrichtigen Willen motiviert, homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten, „damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen“.

  • Faktisch herrscht wohl meistens eine Einstellung vor, die den Willen Gottes für das Leben des Menschen mit seinem faktischen Leben gleichsetzt. Wie immer jemand lebt, was immer er tut und will, das wird als der Wille Gottes für sein Leben propagiert. Der Maßstab ist meist also nicht der Wille Gottes, sondern der Wille des Menschen: Wie er leben will, das ist maßgeblich. Der Anspruch einer Lebensänderung die nicht dem eigenen Willen entspricht, kommt in den meisten pastoralen Papieren und Praktiken nicht vor.

  • Die Bibel weiß es besser: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“ (Jes 55,8). Wir wissen, dass sogar ein christliches Bekenntnis nicht ausreicht, um gerettet zu werden, solange nicht auch unser Handeln dem Bekenntnis entspricht; und das heißt, solange unser Handeln nicht konsequent an den Plänen bzw. am Willen Gottes ausgerichtet ist: „Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Mt 7,21; vgl. 12,50) Das Entscheidende ist der Weg Gottes, der nichts anderes meint als die Befolgung seines Willens: „Du sollst die Gebote des Herrn, deines Gottes, bewahren, auf seinen Wegen gehen und ihn fürchten.“ (5Mos 8,6)



Auf diesen Wegen können das Hören des Wortes Gottes, das Gebet, die Teilnahme an liturgischen Handlungen der Kirche und praktizierte Nächstenliebe eine wichtige Rolle bei der Förderung von Bemühungen spielen, die eigene Lebensgeschichte zu deuten sowie frei und verantwortungsbewusst die eigene Taufberufung anzunehmen,...

  • Das ist ein ungemein wichtiger Punkt: Es wird klar, dass die Teilnahme und Teilhabe am Leben der Kirche sehr viel mehr beinhaltet, als die oft geforderte „Anerkennung“ durch eine öffentliche Zeremonie. Die Realität ist häufig gerade die, dass solche Zeremonien, deren Inhalt meist nicht verstanden, und die daher mit eigenen „Inhalten“ gefüllt werden, einen Gutteil unserer pastoralen Anstrengungen einnehmen: Die so genannten Kasualien (Taufe des Kindes, Erstkommunion, Firmung, Trauung, Beerdigung) werden noch relativ viel nachgefragt, aber sie entfalten faktisch keine Tiefenwirkung mehr. Sie werden innerhalb eines in hohem Maße standardisierten und ebenso flachen Kirchen- und Gottesbildes (ein säkularisiertes Christen- und Gutmenschentum, wenn man so will) als Gestaltungselemente für Familienfeiern udgl. angefragt, aber nicht als Vollzüge des christlichen Glaubens. Dementsprechend sind, wenn es um „Teilhabe an Kirche“ geht, meist auch nur solche formalisierten und öffentlichen Aktionen im Blick. Das Glaubensleben, also die bewusste Annahme der Taufberufung, umfasst mehr; einiges wurde hier genannt.



... weil „Gott jeden Menschen liebt. Und Gleiches tut auch die Kirche“, indem sie jede ungerechte Diskriminierung ablehnt.

  • Wird später noch relevant: Die Kirche lehnt ungerechte Diskriminierung ab. Das gleiche tut auch der Staat. Wie wir aus der Geschichte wissen, ist das leider sowohl bei der Kirche als auch beim Staat durchaus nicht selbstverständlich.

  • Nun behaupten manche anlässlich des Responsums, etwa der „Schweizerische Katholische Frauenbund“ (hier), es gäbe nicht soetwas wie eine gerechte Diskriminierung, Diskriminierung sei immer ungerecht. Das ist natürlich Quatsch, denn sowohl im Staat, als auch im gesellschaftlichen Alltag und so auch in der Kirche gibt es massenweise gerechte Diskriminierungen, d.h. eine Ungleichbehandlung von Personen anhand bestimmter Parameter. Beispiele gefälligst? Hier: Wenn jemand im Gefängnis sitzt und nicht nach belieben die Welt bereisen darf, dann handelt es sich dabei um eine gerechte Diskriminierung. Der Staat hat das Recht, Menschen auf diese Weise (gerechter Weise) zu diskriminieren, z.B. in der Form der Strafe für begangene Verbrechen. Aber auch jedes Schild an einer Tür „Zutritt verboten“, „Privat“, „Nur für autorisiertes Personal“ ist eine gerechte Diskriminierung, denn allen nicht Berechtigten wird der Zutritt verwehrt. Oder wenn ein Ladenbesitzer sich entscheidet, aus einem gerechten Grund einen potentiellen Kunden nicht zu bedienen, dann ist das eine gerechte Diskrimierung. Oder wenn der Busfahrer mich nicht mitnehmen will, weil ich keine Fahrkarte habe (und auch keine kaufen will), dann ist das eine gerechte Diskriminierung. Ein wichtiges Stichwort hier ist das „Hausrecht“. Das gibt es aber auch anderswo, z.B. wenn Grundstücke verlost werden: Wer kein Los kauft, wird diskriminiert, indem er nicht an der Verlosung teilnehmen darf. Wer eine Niete gezogen hat wird diskriminiert, indem er kein Grundstück bekommt. Überall gibt es gerechte Diskriminierung. Flapsig gesprochen: Wie der ÖPNV, so hat auch die Kirche Regeln, und wer sich nicht an sie hält, hat keinen Anspruch darauf, „bedient“ zu werden, er wird dann folglich gerechterweise diskriminiert.



Unter den liturgischen Handlungen der Kirche sind Sakramentalien von besonderer Bedeutung: als „heilige Zeichen, durch die in einer gewissen Nachahmung der Sakramente Wirkungen, besonders geistlicher Art, bezeichnet und kraft der Fürbitte der Kirche erlangt werden. Durch diese Zeichen werden die Menschen bereitet, die eigentliche Wirkung der Sakramente aufzunehmen; zugleich wird durch solche Zeichen das Leben in seinen verschiedenen Gegebenheiten geheiligt“.

  • Diese allgemeine Darlegung konkretisierend: Der Segen über eine innige Verbindung zwischen zwei Menschen ist Hingeordnet auf die in Gottes Plan vorgesehene Verbindung par excellence, in der sich als ein tiefes/großes Geheimnis das Verhältnis zwischen Christus und seiner Kirche (Eph 5,32) bzw. zwischen Gott und Mensch sinnbildlich verdichtet: Die Ehe.

  • In der Geschichte der Kirche gab es auch die Tradition der Freundschaftssegnung, bei der eine besondere freundschaftliche Liebe zwischen zwei Menschen (meist zwischen zwei Männern) in einer eigenen Liturgie unter den Segen Gottes gestellt wurde. Diese so genannte „Adelphopoiese“ (gr. „Brudermachung“), im Deutschen spricht man von „Schwurbruderschaft“, gab es in der Westkirche bis ins 14., in der Ostkirche noch bis ins 20. Jahrhundert. Vor ein Paar Jahren hat man versucht, hier soetwas wie eine Trauung Homosexueller oder doch zumindest die „Gutheißung“ (Segnung) gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu erblicken… das stellte sich erwartungsgemäß als dummer Irrtum heraus und ist seit ein paar Jahren wieder in der Versenkung verschwunden. Es würde mich aber nicht wundern, wenn das demnächst von irgendwelchen „Theologen“ erneut herangezogen wird, was dann wiederum mühselig entkräftet werden muss… Stellte sich nämlich heraus: Menschen waren einstmals in der Lage, eine innige Beziehung zu pflegen, ja sogar Liebe für einen anderen Menschen zu empfinden, ohne jeglichen Wunsch, auch mit diesem zu kopulieren… Etwas, das in unserer hypersexualisierten Welt unvorstellbar geworden ist, daher auch das Unverständnis für diese historischen Zeremonien.

  • Im Grunde wäre es wünschenswert, wir würden „Liebe“ nicht immer eingleisig als sexuelle Liebe auffassen. Es gibt z.B. auch die Liebe in der Familie, für die es eigene Segensformen gibt (Familiensegen). Ob es für freundschaftliche „Liebesbeziehungen“ wieder besondere liturgische Formen braucht, weiß ich nicht, aber sie würden in der gegenwärtigeen Situation jedenfalls ein gerütteltes Maß an Unterscheidung und Festigkeit im Glauben erfordern, um sie korrekt zu beurteilen und einzusetzen…



Der Katechismus der katholischen Kirche erläutert weiter: „Die Sakramentalien verleihen die Gnade des Heiligen Geistes nicht nach Art der Sakramente, sondern bereiten durch das Gebet der Kirche vor, die Gnade zu empfangen und mit ihr mitzuwirken“ (Nr. 1670).

  • In gewisser weise sind alle Sakramentalien mit Gebet verbundene Segnungen, denn sie alle dienen dazu, Gegenstände oder Personen in den Dienst (des Willens) Gottes zu stellen bzw. Gottes Zuwendung durch die Kirche auszudrücken.



Zur den Sakramentalien gehören Segnungen, mit denen die Kirche „die Menschen aufruft, Gott zu preisen, sie auffordert, seinen Schutz zu erbitten und sie ermahnt, sich seiner Barmherzigkeit mit der Heiligkeit des Lebens würdig zu erweisen“. Darüber hinaus sind „sie in einer gewissen Nachahmung der Sakramente eingesetzt und beziehen sich immer und hauptsächlich auf geistliche Wirkungen, die sie kraft der Fürbitte der Kirche erlangen“.

  • Wir erfahren: Ein Segen befähigt zur „Mitwirkung“, er entält eine Ermanung und er hat (hoffentlich) auch eine Wirkung. Ein Segen ist also kein Konsumgut – das man passiv empfängt, um dann weiter das zu tun, was man halt tun will –, sondern er wirkt und bewirkt etwas.

  • Festzuhalten ist, dass ein Segen an sich nicht an in der Vergagenheit liegende Vorausetzungen beim Empfänger gebunden ist, denn was auch immer in der Vergangenheit gewesen ist, wo auch immer der bisherige Weg langführte: Der Segen dient dazu, mehr auf den Wegen Gottes zu gehen. Ein Segen ist aus genau diesem Grund aber durchaus anspruchsvoll in Richtung Zukunft, und er bringt eine Verpflichtung mit sich bezüglich der Absicht (für diese Zukunft), mit der er empfangen wird.

  • Wenn „Segnen“ bedeutet, jemandem das „gute Wort Gottes“ zukommen zu lassen, dann kann dies immer nur in dem Sinn geschehen, dass das Segnen dazu dient, den Willen Gottes zu erfüllen: Das „Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55,11)

  • Ganz gleich, ob wir Gegenstände, Tiere oder Menschen Segnen: Immer ist der Sinn des Ganzen dies, dass der Wille Gottes durch sie mehr erfüllt wird, dass das Leben von Gottes Geschöpfen gelingt und (mehr) Frucht bringt. Eine sündhafte Handlung kann folglich nicht gesegnet werden „auf dass sie gelinge“, der Versuch wäre nichts weniger als Blasphemie. Umso mehr sollen wir die so handelnden Menschen – Sünder, wie wir alle! – segnen, auf dass sie von ihrem sündigen Tun ablassen und sich auf den Weg Gottes begeben.

  • Hier wird auch einleuchtend, warum die Kirche Gegenstände segnet, nicht aber bestimmte Handlungen von Menschen: Gegenstände sind nicht sündhaft und sie können gar nicht sündigen, nur Menschen können das. Man kann Gegenstände zu sündhaften Zwecken gebrauchen, aber dann sündigt der Gebrauchende, nicht der Gegenstand. Der Spruch „Ihr segnet Kläranlagen, aber nicht Schwule“ ist also in mehrfacher Hinsicht fragwürdig: 1. Segnen wir Schwule durchaus, nur nicht ihre „schwulen“ Handlungen; wie wir jeden Sünder segnen, nicht aber die Sünden, die er begeht. 2. Ist es ziemlich menschenverachtend, homosexuell empfindende Menschen mit unbelebten Gegenständen, erst recht mit Kläranlagen, zu vergleichen. Menschen können sich für oder gegen Gott, für das Gute oder für die Sünde entscheiden; Kläranlagen können dies nicht. Offensichtlich respektiert und schützt die Kirche die Würde dieser Menschen mehr als diejenigen, die solche dümmlichen Vergleiche anstellen.



Um der Natur der Sakramentalien zu entsprechen, ist es deshalb erforderlich, dass, wenn über einige menschliche Beziehungen ein Segen herabgerufen wird, abgesehen von der rechten Absicht derjenigen, die daran teilnehmen, die zu segnende Wirklichkeit objektiv und positiv darauf hingeordnet ist, die Gnade zu empfangen und auszudrücken, und zwar im Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind. Mit dem Wesen der von der Kirche erteilten Segnung ist daher nur vereinbar, was an sich darauf hingeordnet ist, diesen Plänen zu dienen.

  • Aufhorchen ließ mich hier das Wort „vollständig“. Die Pläne Gottes für seine Schöpfung sind durch Christus vollständig offenbar geworden. Dies bedeutet, dass es keine „neuen Erkenntnisse“ geben kann (weder aus Privatoffenbarungen, noch aus den oft herbeifabulierten „Humanwissenschaften“), die an diesem einmal geoffenbarten Willen Gottes etwas ändern können. Sein Wille ist es, dass wir durch Christus gerettet sind, dass wir uns von der Sünde entfernen und ihm zuwenden sollen. Punkt. Die Zehn Gebote sind keine Verhandlungssache. Ebenso wenig die Bergperedigt oder sonstwelche Weisungen, die die Kirche uns authentisch, im Gehorsam gegen den Willen Gottes vorlegt.

  • "Vollständig offenbart" heißt indes nicht, das dieser Plan auch schon vollständig von der Kirche erkannt und verstanden wird. Der Geist, der uns in die ganze Wahrheit einführt (vgl. Joh 16,13) ist ja nach wie vor am Wirken. Gleichwohl kann ein Fortschritt in diesem Verständnis nie dem bisherigen Weg widersprechen; es kann keine echte Einsicht aus dem Geist Gottes geben, die einer früheren Einsicht aus demselben Geist widerspricht. Was einmal als wahr erkannt wurde, bleibt wahr. Dies zu leugnen wäre Relativismus, der die Möglichkeit von Wahrheit ablehnt.

  • Außerdem: Der Segen gilt allem, „was an sich darauf hingeordnet ist“ Gottes Plänen zu dienen. Es geht also nicht um Dinge, von denen wir behaupten, sie würden diesen Plänen dienen, und es geht auch nicht um solche Dinge, deren Hinordnung auf diese Pläne durch menschliches Verhalten pervertiert wurde. Nicht menschlicher Wunsch und seine Einbildungskraft sind also maßgeblich, sondern die Dinge an sich.



Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist.

  • Achtung, wichtig: Was die Kirche über die Unmöglichkeit der Segnungen von Verbindungen zwischen Menschen lehrt, betrifft nur solche Verbindungen „die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe einschließen“ und es betrifft alle Verbidnungen „die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe einschließen“. Also auch alle heterosexuellen Beziehungen und Partnerschaften, auf die dies zutrifft. Die zuvor erwähnte Adelphopoiese, genau wie Segnungen für Familien oder solche zur Verlobung, sind darum unproblematisch. [Nun wird mancher sagen: „Ja, aber die Verlobten sind noch nicht verheiratet und die ‚machen es‘ doch bestimmt schon!“ Das mag sein. Solange sie es nicht an die große Glocke hängen, geht die Kirche jedoch wohlwollend, gütig und barmherzig davon aus, dass sie „es“ nicht „machen“, sondern sich an die Lehre der Kirche halten – oder sich zumindest aufrichtig darum bemühen (im Falle des Scheiterns gibt es die Beichte). Das ist auch nicht soo wirklichkeitsfremd, wie es oft dargestellt wird, ich selbst kenne einige v.a. junge Menschen, die sich daran (ge)halten (haben), einschließlich meine Frau und mich.]

  • Nun hat man der Kirche (wiedermal) eine „Fixierung auf Sexualität“ vorgeworfen. Das ist natürlich Unsinn, denn wo ist hier die Fixierung? Wann hat sich die Kirche denn das letzte Mal über das Thema Sex geäußert? Ist länger her… also gibt es hier keine Fixierung. Da die Kirche aber zu allem, was zum Menschsein gehört, etwas zu sagen hat, kommt ab und an natürlich auch mal Sex zur Sprache, der gehört nämlich zum Menschsein dazu und ist sogar von quasi-sakramentaler Natur (eine sakramental geschlossene Ehe ist erst dann gänzlich unauflöslich, wenn sie „vollzogen“ wurde). Manfred Lütz sagte einmal pointiert „Sex ist ein Sakrament!“… so hoch, so wichtig, ja so heilig(!) schätzt die Kirche Sex(ualität) ein.

  • Nicht unwichtig ist, dass hier davon die Rede ist, dass eine Ehe per Definition „an sich für die Lebensweitergabe offen“ ist. Denn nichts lieben Pharisäer mehr, als Haare zu spalten und darauf hinzuweisen, dass auch in Ehen zwischen Mann und Frau nicht immer Nachwuchs vorhanden ist, ob das denn gleichfalls „ungültige“ Verbindungen seien… Das ist natürlich nur ein Ablenkungsmanöver. Das Entscheidende ist nicht, ob tatsächlich Kinder da sind, wie das „alttestamentlich“ zuweilen der Fall war (Unfruchtbarkeit als Zeichen für das Verfluchtsein von Gott), sondern ob die Verbindung „an sich offen“ für Kinder ist – die ja immer Geschenk Gottes, nie Verdienst, und nicht mit Gewalt (künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft) zu erringen sind.

  • Diese Offenheit, die stets den Menschen als ganzen Betrifft (ein bloßes Gefühl genügt z.B. nicht) kann übrigens auch in heterosexuellen Verbindungen fehlen, weswegen etwa das bewusste Aussschließen von Nachwuchs ein Grund für die Nichtigkeit einer Ehe ist. Bei homosexuellen Paaren ist es so, dass sie, egal wie offen für Nachwuchs sie seelisch (gefühlsmäßig) oder geistig (willensmäßig) auch sein mögen, sie es als „ganze Menschen“ (aus Seele, Geist und Körper) faktisch nicht sind und nicht sein können, denn zwei Männer oder zwei Frauen können keinen Nachwuchs hervorbringen, ganz egal wie sehr sie es wollen, fühlen oder wie gesund und fit sie sind. (Ein bewusstloser Mensch – sozusagen ohne „Geist“ – kann darum auch keine Ehe eingehen.)

  • „Aber was, wenn z.B. die Frau aufgrund einer Erkrankung keine Kinder bekommen kann, dann ‚kann‘ sie doch auch nicht ‚körperlich offen‘ sein?“ Eine Krankheit ändert nichts an der genannten „Offenheit“, schließlich betrachten wir auch Krankheit nicht (mehr) als Hinweis auf eine Verfluchung durch Gott. Eine Erkrankung mit der sexuellen Orientierung eines Menschen zu vergleichen ist indes Unfug, Homosexualität ist keine Krankheit.



Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diese zu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist.

  • Wichtige Unterscheidung: positive Elemente machen den Kontext, in dem sie eingebettet sind, nicht durch ihr bloßes Vorhandensein zu etwas Gutem. Wenn ein Ehebrecher mit seiner Geliebten „Werte“ wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und „Treue“ (haha!) pflegt, bleibt seine Beziehung zu ihr dennoch ein Ehebruch und also eine Sünde. Was immer es an „Positivem“ in dieser Beziehung gibt, ist nicht wegen der (sündhaften) Beziehung da, sondern höchstens trotz dieser. Daher machen sie diesen Ehebruch nicht „gut“, sie „rechtfertigen“ den Ehebruch nicht, er bleibt Sünde und kann niemals von der Kirche (ab)gesegnet werden. Genau betrachtet fördern diese positiven Elemente hier sogar die Sünde, weil sie der sündhaften Beziehung mehr „Haltbarkeit“ verleihen… Es wird also klar: Auch an und für sich Positives wie z.B. „Hilfsbereitschaft“ kann pervertieren und gewissermaßen „im Dienst“ der Sünde stehen. Man kann das auch mit beliebigen anderen Szenarien durchspielen: Ein Missbrauchstäter, der die an sich positiven Elemente „Fürsorge“ oder „Väterlichkeit“ pervertiert; oder das positive Element „kindliches Vertrauen“, das sein Opfer daran hindert, aus dieser schrecklichen Beziehung auszubrechen. Der Punkt ist: Nur weil ein Gefühl, eine Überzeugung, ein Wille oder eine charakterliche Eigenschaft an und für sich positiv ist, bedeutet dies nicht, dass sie auch in jedem Kontext Positives hervorbringt. Das bloße Vorhandensein „positiver Elemente“ hat darum keinerlei Gewicht für die Beurteilung des Kontextes in dem sie vorkommen, wenn dieser Kontext an sich schon sündhaft ist. [Die einzige zu stellende Frage ist also letztlich: Ist praktizierte Homosexualität, wie überhaupt praktizierte Sexualität außerhalb der Ehe, Sünde, oder ist sie es nicht? Bibel und Kirche sagen: ja, sie ist es.]

  • Heilsgeschichtlich gewendet sind „positive Elemente“ wie Freundschaft, Vertrauen, Treue, Dankbarkeit etc. in einer Ehe nicht nur für das Gute, das die Ehe ist, förderlich, sondern sie haben selbst ihren Ursprung aus der Gnade, die dem ehelichen Bund zuteil wird.



Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da „es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“.

  • Manche Kommentatoren meinen, die Kongregation würde hier eine Verwechslung zwischen einer sakramentalen Ehe und einer bloßen Segnung für eine Partnerschaft befürchten, was ein falsches Sakramentsverständnis auf Seiten der Kongregation sei. Antwort: 1. Ja und 2. Nein.

  • Zu 2.: Die Gefahr einer Verwechslung sieht die Kongregation zunächst im Blick auf den zur kirchlichen Trauung gehörigen Brautsegen, nicht im Blick auf das Sakrament. Aber das eine führt zum anderen:

  • Zu 1.: Die Gefahr einer solchen Verwechslung ist zweifelsohne real, denn bei Licht betrachtet wissen die meisten, die sich in unseren Kirchen „trauen“, nicht, was sie dort tun. Papst Franziskus hatte 2016 (in der konkreten Wortwahl wohl eher unüberlegt, der Sache nach aber nicht falsch) drastisch dargelegt: „sie wissen nicht, was sie sagen“, wenn sie sich das Ja-Wort geben. Er schließt daraus: „die große Mehrheit unserer sakramentalen Ehen“ sei daher „ungültig“. Der Papst stellte fest, dass „die Leute nicht wissen, was das Sakrament bedeutet“ (hier). Dass die Erfragung des Konsenses ein sakramentaler Vollzug ist, ist den meisten überhaupt nicht bewusst. Oder überhaupt, was ein Sakrament ist. Mag sein, dass diese Erfragung für nicht wenige Paare nur so eine Art Willenserklärung ist, wie etwa bei der Taufe eines Kindes, wenn der Zelebrant fragt „Was erbitten Sie von der Kirche“ und man mit „die Taufe“ antwortet. Meist besteht das Entscheidende für die Paare darin „den Segen Gottes“ zu erhalten. Das ist für sich genommen auch schön und begrüßenswert, aber zuwenig. Und genau darum besteht die sehr reale Gefahr der Verwechslung mit anderen „Segnungen“. Da ist die Glaubenskongregation sehr hellsichtig und realistisch.

  • Zu glauben, die Menschen, die Adressaten solcher Feiern wären, würden hier die Unterscheidung klar haben, ist ausgesprochen unrealistisch. Von sonstigen Mitfeiernden und Außenstehenden ganz zu schweigen. Faktisch ist der Zustand der religiösen Bildung auf einem absoluten Tiefpunkt. Mir sind z.B. beruflich bedingt Ergebnisse von (nicht veröffentlichten) Umfragen aus österreichischen Diözesen bekannt, aus denen hervorgeht, dass viele der regelmäßigen Gottesdienstbesucher(!) nicht unterscheiden (können) zwischen einer Wort-Gottes-Feier mit Kommunionempfang und einer Eucharistiefeier. [Ich weiß zudem aus direkter Beobachtung, dass auch reichlich Theologen den wesentlichen Unterschied nicht benennen können.] Eine Segensfeier für ein Homosexuelles Paar wäre für die meisten Menschen genausowenig von einer Trauung unterscheidbar, zumal die umgebenden Feierlichkeiten außerhalb des Kirchenraums (und wohl schon die Deko und Gestaltung in demselben) gewiss auch keinen Unterschied deutlich machen würden. Selbst wenn den „Gesegneten“ der Unterschied bewusst und verständlich wäre: Es rechnet wohl niemand ernsthaft damit, dass sie diesen Unterschied dann auch in der Gestaltung der Feierlichkeiten kenntlich machen würden.



Die Erklärung der Unzulässigkeit von Segnungen der Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts ist daher weder eine ungerechte Diskriminierung noch enthält sie die Absicht, eine solche zu sein, sondern ruft die Wahrheit des liturgischen Ritus in Erinnerung und das, was dem Wesen der Sakramentalien zutiefst entspricht, so wie die Kirche sie versteht.

  • Jeder Mensch kann sich zu jeder Zeit den Segen Gottes „holen“, sei es im liturgischen Rahmen etwa am Schluss einer jeden hl. Messe oder im persönlichen oder gemeinschaftlichen Gebet („Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben“); oder einfach indem er Gott darum bittet oder jemand anderen bittet, ihn zu segnen. Nichts und niemand hindert einen Menschen, Gottes Segen zu erhalten, am wenigsten die Kirche. Es gibt nur ein Hindernis zwischen dem Menschen und Gott: Die Sünde des Menschen.

  • Die Kirche segnet alle und sie betet für alle. Als Christen sollen wir auch homosexuell empfindende Menschen segnen. Nicht, weil sie homosexuell sind, sondern weil sie von Gott in diese Welt gestellt sind, von ihm als seine Geschöpfe geliebt und darum schon immer von ihm, Gott, gesegnet. Sündhafte Handlungen von Menschen können wir aber nicht segnen, weil sie nicht von Gott in die Welt gesetzt sind, sondern aus dem freien Willen der Menschen kommen. Zu glauben, alles was Menschen tun, habe ein Recht auf Segen, weil Gott doch alle (Menschen!) segne, ist ein grober Irrtum; man spiele das nur einmal mit anderen freien menschlichen Handlungen wie Mord, Ehebruch oder Diebstahl durch. Menschen können sündigen, d.h. sich von Gott(es Plan) abwenden, daher kann nicht alles, was Menschen tun, gesegnet werden.

  • Die Sünde ist Trennung von Gott und faktisch das Ausschlagen seines Segens.



Die christliche Gemeinschaft und die geistlichen Hirten sind aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen mit Respekt und Takt aufzunehmen; sie werden im Einklang mit der kirchlichen Lehre die am besten geeigneten Wege zu finden wissen, um ihnen das Evangelium in seiner Fülle zu verkünden. Diese Personen mögen gleichzeitig die aufrichtige Nähe der Kirche anerkennen – die für sie betet, sie begleitet, mit ihnen den Weg des christlichen Glaubens teilt – und ihre Lehren mit aufrichtiger Bereitwilligkeit annehmen.

  • Dieser Aufruf gilt eigentlich für alle Menschen. Faktisch kennen die meisten Getauften die (Moral)Lehre der Kirche nicht und sie leben sie folglich auch nicht (und sie können folglich auch nicht über ihren Sinn oder Unsinn urteilen). Die Umfrage im Vorfeld der Familiensynode hat diese weitestgehende Unkenntnis (bei gleichzeitiger blinder Ablehnung des nicht Bekannten) eindrücklich belegt, vgl. meine Anmerkungen dazu hier; in kurz: die Hirten und Theologen haben seit Jahrzehnten (spätestens seit Humanae vitae) ihre Pflicht diesbzeüglich sträflich vernachlässigt und geben „Rom“ die Schuld daran. Die Theologie hat diesen Irrweg befeuert. [Dieses ideologische Spiel geht sogar so weit, dass z.B. einige Bücher von Johannes Paul II., insbesondere „Liebe und Verantwortung“, jahrzehntelang vergriffen waren und ganz bewusst nicht nachgedruckt wurden, auch nicht als dieser große Papst starb und heiliggesprochen wurde (welche Chance, sein schriftliches Erbe gewinnbringend unters Volk zu werfen!… vertan…): der Kösel-Verlag saß auf den Rechten seiner deutschen Übersetzung von 1979 und tat nichts damit. Es musste erst von Josef Spindelböck eine neue Übersetzung aus dem Polnischen erstellt werden, damit dieses wichtige Buch den deutschsprachigen Leser über einen anderen Verlag wieder erreichen konnte. Solche Blockaden seitens der Verlage sind recht effektiv, wenn man bestimmte Positionen und Gedanken kleinhalten will, und es ist die Theologie, die hier Druck auszuüben vermag.]

  • Hierzulande hört man es nicht gern, das es tatsächlich homosexuell empfindende Menschen gibt, die sich bemühen, entsprechend der Lehre der Kirche zu leben. Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es diese Menschen. Besonders hervorzuheben ist hier das seit über 40 Jahren aktive Apostolat „Courage International“, das sich genau dieser Menschen annimmt. Diese homosexuell empfindenden Menschen, die nach der Lehre der Kirche zu leben sich bemühen, die gibt es, und der Prozentsatz könnte u.U. (ist nur eine Mußmaßung meinerseits) sogar dem der Heterosexuellen ähneln, die dies gleichfalls tun wollen.

  • Ich bin mir derweil sicher: Würden die Hirten ihrer Pflicht nachkommen und diese Lehre (zunächst selbst kennen und) unverkürzt verkünden, würden sehr viel mehr Menschen nach ihr leben, denn diese Lehre ist befreiend, erfüllend und einfach schön. Meine Meinung? Die hierzulande durch viel theologische Propaganda und Falschinformation fast schon zum Schimpfwort gewordene „Theologie des Leibes“ ist Mark und Bein einer christlichen Lehre und Lebenspraxis von Liebe und Sexualität für das 21. Jahrhundert. Möge sich Gott der Hirten erbarmen, die seit Jahrzehnten ihre Pflicht so sträflich vernachlässigt haben...



Die Antwort auf das vorgelegte Dubium schließt nicht aus, dass Segnungen einzelnen Personen mit homosexueller Neigung gespendet werden, die den Willen bekunden, in Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes zu leben, wie sie in der kirchlichen Lehre vorgelegt werden; sie erklärt jedoch jede Segnungsform für unzulässig, die dazu neigt, ihre Verbindungen anzuerkennen. In diesem Fall würde die Segnung nämlich die Absicht zum Ausdruck bringen, nicht bestimmte Einzelpersonen dem Schutz und der Hilfe Gottes im oben genannten Sinne anzuvertrauen, sondern einen Entschluss und eine Lebenspraxis zu billigen und zu fördern, die nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden können.

  • Erneut erfahren wir, dass für den Empfang des Segens Gottes der Wille, die Absicht für die Zukunft entscheidend ist. Wenn ich davon ausgehe, dass mir der Segen Kraft für ein anstehendes Werk gibt, dann wäre es schlicht eine Gotteslästerung (eine Sünde gegen den Heiligen Geist [Mt 12,31]?), diese göttliche Kraft für eine Sünde, also die Abkehr von Gott und zum Schaden für mich und andere einzusetzen. Die Argumentation zielt also nicht darauf ab, Gottes Segen oder gar Gott selbst „in Schutz zunehmen“, wie manche meinen. Sondern es geht um den Schutz des Menschen vor noch tieferer Verstrickung in die Sünde durch die Vergötzung oder Fetischisierung des göttlichen Segens für sündige Zwecke.

  • Ein Segen ist immer eine Einladung (oder Aufforderung), auf dem Weg Gottes zu gehen. Er dient nicht unseren Wünschen, sondern dem Willen Gottes für uns.

  • „Gottes Pläne“… wie sehr stört man sich an diesem Begriff! Es wird als kaum zu überbietende Dreistigkeit gesehen, dass „Rom“ meint, die „Pläne Gottes“ zu kennen. Tatsächlich geht es hier nur um das, was ich bereits erwähnte: Die Kirche äußert hier keinen Machtanspruch (oder Wissensvorsprung), sondern sie weist auf ihre eigenen Grenzen hin, dass sie sich nämlich nicht gegen den geoffenbarten Willen Gottes erheben kann (zur Frage, ob praktizierte Homosexualität laut der Bibel Sünde ist, vgl. meine Überlegungen hier). Täte sie es, sie hörte auf, seine Kirche zu sein.



Gleichzeitig erinnert die Kirche daran, dass Gott selbst nicht aufhört, jedes seiner Kinder zu segnen, die in dieser Welt pilgern, denn für ihn „sind wir […] wichtiger als alle Sünden, die wir begehen können“. Aber er segnet nicht die Sünde und er kann sie nicht segnen: Er segnet den sündigen Menschen, damit er erkennt, dass er Teil seines Liebesplans ist, und sich von ihm verändern lässt. Denn er „nimmt uns so, wie wir sind, aber lässt uns nie so, wie wir sind“.

  • Nochmal: Es ist zu unterscheiden zwischen dem Sünder und der Sünde, also zwischen dem Menschen und dem, was er tut. Wenn wir die Unterscheidung zwischen Sünder und Sünde nicht machen, dann müssten wir beides miteinander identifizieren – der Sünder ist die Sünde –, was dann nur zwei ungute Möglichkeiten bereithält: 1) Wir verurteilen jeden Sünder endgültig, ohne Möglichkeit von Umkehr und Vergebung, denn es gibt ja keine Unterscheidung zwischen der Sünde und dem Sünder – das will offenkundig niemand und das ist auch nicht der Weg Gottes. 2) Weil wir den Menschen für absolut gut halten, müssen wir auch alle seine sündhaften Handlungen für gut erklären, also faktisch die Idee der „Sünde“ abschaffen, um nicht – was wir ja nicht wollen – in 1) zu geraten – das scheint es zu sein, was nicht wenige heute gerne hätten, aber auch das ist offenkundig nicht der Weg Gottes. Der Ruf Jesu zur Umkehr (Mt 3,2) ist der Beweis für die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Sünder und Sünde, denn dieser Ruf setzt sowohl die Realität der Sünde voraus, als auch die Möglickeit, sich von ihr abzuwenden.

  • Die Logik Mensch gut = Handlung gut ist für mich eine Ausgeburt des Snobismus. Sowas kann nur jemand denken, der noch nie die Folgen eigener oder fremder Sünden an sich selbst oder an anderen erlebt hat. Hier kommt ins Spiel, was Bernhard Meuser in seinem Buch "Freie Liebe" beschrieben hat: die, die die kirchliche Moral abschaffen wollen, zeichnen z.b. homosexuelle Beziehungen immer nur in den schillernsten Farben. Alles super aufgeklärte und reife, tief gläubige Menschen die ausschließlich respektvoll, achtsam und liebenswürdig miteinander umgehen. Zugleich zeichnen sie Menschen, die an der kirchlichen Moral scheitern, als die Schlimmsten, weil sie es überhaupt versucht haben. In der Realität sind die hier in Frage stehenden Beziehungen meist alles andere als ideal, Monigamie ist eher die Ausnahme, Drogen, Alkohol und Promiskuität sind hier deutlich häufiger anzutreffen. Die traurige Ironie dabei ist freilich, dass es für das Scheitern an der kirchlichen Moral viel Hoffnung gibt, denn insbesondere die Beichte schenkt stets die Möglichkeit des neuen Anfangs, während das Scheitern außerhalb der Kirche sehr schnell in einen bodenlosen Abgrund führt…



Aus diesen Gründen verfügt die Kirche weder über die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts im oben gemeinten Sinne zu segnen, noch kann sie über diese Vollmacht verfügen.

  • Manche Kommentatoren behaupten, es gäbe in diesem Schreiben „dynamische Begrifflichkeitendie eine Weiterentwicklung ermöglichen würden (hier). Der entscheidende Begriff hier (wie auch in Ordinatio sacerdotalis) ist jedoch, wie schon erläutert, der der Vollmacht, und der ist nicht dynamisch.

  • Was ich oben zur Vollmacht ausgeführt habe, wird hier am Ende des Dokuments noch überboten: Nicht nur hat die Kirche die Vollmacht nicht, sie kann diese Vollmacht überhaupt nicht haben; Die Kirche darf nicht nur solche Verbindungen nicht segnen, sie kann es gar nicht dürfen. Mehr Absolutheit und weniger „Dynamik“ geht nicht.

  • Die Kritiker werden nun erwidern: Dann nehmen wir uns eben diese Vollmacht, wir bevollmächtigen uns selbst. Und damit sind wir wieder bei Jesus: bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich.“ (Mt 11,12) Nichts Neues unter der Sonne (vgl. Pred 1,9).



Papst Franziskus wurde in der dem unterzeichnenden Sekretär dieser Kongregation gewährten Audienz über das vorliegende Responsum ad dubium samt der Erläuternden Note informiert und hat ihre Veröffentlichung gutgeheißen.

  • Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald meint, mit dieser Wortmeldung aus Rom seien drei der synodalen Themen faktisch abgewickelt (hier): 1) den Zölibat habe Papst Franziskus nach der Amazonassynode bekräftigt (z.B. hier); 2) das Frauenpriestertum könne man sowieso vergessen (vgl. die entsprechende Stellungnahme der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2018, hier, worin die Lehre von Ordinatio sacerdotalis nochmals bestätigt wurde); 3) und nun sei auch die Frage nach der Segnung homosexueller Partnerschaften vom Tisch.Ganz Unrecht hat der Dogmatiker nicht, er vergisst allerdings die Instruktion der Kleruskongregation vom Juni 2020 („Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde“, hier), die klargestellt hat, dass Laien nicht Pfarrer sein können; damit ist auch das vierte Thema des suizidalen Weges eigentlich erledigt. Was dem Dogmatiker auch entgangen zu sein scheint (was man in Deutschland aber generell einfach nicht wahrnehmen wollte), ist, dass das hier nun behandelte Thema eigentlich bereits 2016 durch Amoris Laetitia Nr. 251 (hier) entschieden wurde, worauf sich das hier behandelte Schreiben ja auch maßgeblich stützt, da „es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“.

  • Alle vier „Themen“ des synodalen Weges haben bereits ihre Absage vom Papst erhalten… Und nun?



Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 22. Februar 2021, dem Fest der Kathedra Petri.

  • Des Öfteren wird so getan, als ob dieses Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen etwas Neues wäre. Das ist es natürlich nicht, denn die Kirche hat solche Segnungen nie gutgeheißen, auch schon vor dem 22. Februar 2021. Ausdrückliche „Verbote“ gibt es erst aus jüngerer Zeit, einfach weil es erst in jüngerer Zeit Forderungen und Versuche gibt, solche Segnungen durchzuführen. Das Responsum aus Rom bestätigt und bekräftigt jedoch nur, was vorher schon galt, insofern ist jede Empörung seitens kirchlicher Würdenträger oder aus der Theologenschaft entweder nur ein Schauspiel für die Medien, oder die sich so Äußernden hatten bislang wirklich keine Ahnung, was ihre Kirche lehrt. Ein gutes Beispiel bietet aktuell der in solchen Fragen des Öfteren sich äußernde Bischof Johan Bonny aus Antwerpen, der nach dieser Weisung aus Rom, medial gut platziert, sich nun für seine Kirche „schämt“ (hier). [Ich hatte mich vor einigen Jahren schonmal mit dem Wirrwar des Denkens dieses Bischofs befasst (hier).] Dass die Kirche Segnungen für gleichgeschlechtliche Verbindungen für unzulässig hält und sie auch vor diesem Responsum schon (auf lokaler Ebene) verboten wurden, lässt sich sogar ohne Rückgriff auf den Katechismus oder den Blick ins ferne „Rom“ belegen: Im Jahr 2018 hat der Freiburger Erzbischof Stephan Burger im Anschluss an jene aus Amoris laetitia zitierte Stelle (Nr. 251) für sein Bistum bereits die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausdrücklich untersagt, ebenso Bischof Fürst von Rotteburg-Sturrgart (hier). Ein Jahr zuvor tat Bischof Genn in Münster das Gleiche (hier). Also: Die aktuelle „römische“ Weisung ist nichts Neues.