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Mittwoch, 3. Juni 2020

Heiliges Haus

Es folgt ein aktueller Beitrag von katholisch.de mit dem Titel "Kirchengebäude: Versammlungshaus oder heiliger Ort?" (hier) mit meinen kritischen Anmerkungen. Wenig verschleiert steht der Verfasser dem sakralen Charakter katholischer Kirchen kritisch gegenüber, den er als eine Abkehr vom ursprünglich Christlichen auffasst, auf das es sich zurückzubesinnen gelte. Der Verfasser irrt sich jedoch in seiner historischen Grundlegung ganz gewaltig und widerspricht sich dabei auch selbst. Er möchte sich für seine These sogar auf Synagoge und Moschee stützen, was nur solange funktioniert, wie man nicht nachschaut, was Juden und Muslime selbst über ihre "Bethäuser" und über ihr jeweiliges größtes Heiligtum denken.


Dass Christen ihre Gottesdienste in Kirchen feiern, ist nicht selbstverständlich. Die frühen Christen wehrten sich noch dagegen. [Falsch. Die vorkonstantinischen Gottesdiensträume befanden sich zwar innerhalb des Komplexes antiker Wohnhäuser, waren aber oftmals eigens für den Gottesdienst reserviert und entsprechend (zuweilen mit feststehenden Altären) eingerichtet.] Erst ein verändertes Glaubensverständnis sorgte für den Aufschwung der Kirchenbauten – und legte die Grundlage für verschiedene Auffassungen über die Natur eines Kirchengebäudes. [Protestantisches und katholisches Verständnis sind demnach nur „verschiedene Auffassungen“, die auf der selben „Grundlage“ beruhen… dass der Protestantismus nach 1500 Jahren Christentumsgeschichte eine zuvor nie dagewesene „Neuerung“ brachte, wird mit keiner Silbe erwähnt. Der folgende Text lässt deutlich durchblicken, dass der Verfasser das protestantische Verständnis des Kirchengebäudes favorisiert.]

Die spitzen Türme stolzer Kathedralen und Dome recken heute überall auf der Welt Kreuze in die Höhe und prägen damit die Silhouette nicht nur europäischer Städte jeder Größe. Bei den Katholiken sind Kirchen sogar extra für ihren Zweck geweihte Gebäude; in ihnen läuft der Besucher nicht einfach in den Altarraum, der oft auch noch ein paar Stufen erhöht ist – denn das ist der heiligste Ort des Gebäudes. Anders in reformierten Kirchen: Wenn überhaupt steht dort ein bescheidener Tisch im Raum, an dem die Menschen einfach vorbeigehen. [Anders lutherische Kirchen mit durchaus üblichen Altarschranken. Kurios, dass bei diesem ökumenischen Vergleich die Ostkirchen mit ihren zahlreichen uralten Traditionen völlig außen vor bleiben… der Grund ist klar: Dort ist in zahlreichen verschiedenen Ausprägungen ein sehr viel stärkeres Bewusstsein vom Heiligen Bereich erhalten geblieben.] Kirchen werden hier schlicht in Dienst genommen – von Weihe keine Spur. Beide Verständnisse eines Kirchengebäudes sind durch ganz unterschiedliche Entwicklungen in der Geschichte entstanden. [Dass es auch theologisch-inhaltliche Gründe geben könnte, bedenkt der Verfasser an keiner Stelle.]

Ursprünglich gab es bei den Christen keine speziellen Gottesdienstgebäude, man traf sich in Privathäusern. [Stimmt. Und zwar in eigens für den Gottesdienst vorgesehenen und eingerichteten Räumen.] Die Überlieferungen der Paulusbriefe und der Apostelgeschichte zeigen, dass Versammlungen an öffentlichen Treffpunkten die absolute Ausnahme waren. [Vielleicht lag das daran, dass die Christen verfolgt wurden? Oder daran, dass das, was die Christen feierten, von solcher Art war, dass es nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war – etwas „Heiliges“ gar?] Heilige Häuser gab es bei den Christen nicht – damit orientierten sie sich am Judentum. Für Juden gab es auf der ganzen Welt nur ein einziges heiliges Gebäude: den Tempel von Jerusalem. Nur hier durfte geopfert werden, nur hier fanden Kulte statt. [Demnach wäre der gänzliche Verzicht auf ein heiliges Gebäude aber gerade nicht Ausdruck einer Orientierung am Judentum!] Andere Häuser, die sie Synagogen (wörtlich "Versammlung") nannten, waren schlichte Versammlungsstätten der Gemeinden ohne sakrale Funktion [Ganz falsch. Die Synagogen entstanden nach der Zerstörung des ersten Tempels, weil es für das Gebet eines besonderen Ortes bedurfte. Es waren nicht einfach Versammlungen, sondern hier wurde das Gesetz verlesen und gebetet. Versammlungsorte und Begegnungsstätten der Gemeinde wurden sie erst sekundär. Es wurden sogar Elemente des Tempels für die Synagogen übernommen, insbesondere die Bima (etwa: Kanzel) und ein eigener Bereich (Balkon) für Frauen. Übrigens: Auch nichtjüdische Männer müssen in Synagogen (und auf jüdischen Friedhöfen) ihr Haupt bedecken; in manchen Synagogen zieht man sich sogar vor dem Betreten die Schuhe aus. Keine heiligen Stätten?] – das ist bis heute so. Tempel als wortwörtliche "Gotteshäuser", also Wohnhäuser von Gottheiten, gab es im Heidentum. Von diesem Verständnis wollten sich Christen wie Juden absetzen. [Nur ein Stichwort: Schechina. Zu Deutsche etwa: Wohnstatt (von hebr. schachan: wohnen, zelten; vgl. das lat. tabernaculum: Zelt). Im Tempel ist Gott wahrhaft gegenwärtig, deswegen ist es so ein heiliger Ort. Und er ist es bis heute, auch wenn er äußerlich zerstört ist. Der Unterschied zu den Heiden besteht darin, dass es sich hier nicht um einen Lokalgott oder eine mythologische Gottheit unter anderen Göttern handelt, sondern um den einzig wahren Gott.]

Doch die Welt änderte sich: Der große Tempel in Jerusalem wurde 70 n. Chr. von den Römern zerstört, Juden und Christen entwickelten sich auseinander. Außerdem verbürgerlichte sich das Christentum: Lebten die ersten Christen noch in der Erwartung, dass der Erlöser bald wieder auf die Welt kommen würde, verlegte sich der Fokus mit der Zeit mehr und mehr auf das Hier und Jetzt. Ämter und Rituale wurden deshalb immer stärker sakral aufgefasst: Aus dem gemeinschaftlichen (Sättigungs-)Mahl entwickelte sich die Eucharistie [Sehr falsch. Die Wahrheit ist: Die Eucharistie war von Anfang an vom Mahl unterschieden, anfangs jedoch mit einem solchen zeitlich und räumlich verbunden. Die Trennung der beiden aufgrund von Missbräuchen zeichnet sich schon bei Paulus deutlich ab.], der Posten des bisher nur symbolisch als Priester bezeichneten Gemeindevorstehers wandelte sich zu einem Weiheamt. [So „sympolisch“, dass es bei Paulus einen ganzen Kriterienkatalog für ihre Eignung gibt und es das Auflegen der Hände brauchte, um sie in ihr „symbolisches“ Amt einzuführen.] Gleichzeitig wurde aus einer verfolgten Gruppe von Christusanhängern die wachsende Staatsreligion des Römischen Reiches. Das führte zu einer weiteren Sakralisierung des Christentums und dem Bedürfnis nach öffentlichkeitswirksamen Bauten für Gemeinde und Gottesdienst.

Die Christen orientierten sich architektonisch bewusst an einem römischen Profanbau, der Basilika. Hier wurde Markt gehalten und fanden Gerichtsverhandlungen statt. In dieses weltliche Versammlungshaus stellten die Christen nun einen Altar. [Genau falsch herum: „Basilika“ ist ein Bautyp. Als Bautyp sagt er nichts über die Funktion des Gebäudes aus. Die Tatsache, dass ein Altar hineingestellt wurde, gibt die Funktion an: Sakralbau.] Altäre standen bei den Heiden vor den Tempeln [Manchmal. Manchmal auch drinnen.], deren Inneres war nur zur persönlichen Andacht vorgesehen. Im Christentum kommt die Gemeinde um den Ort des Kultes zusammen, heidnische und jüdische, profane und sakrale Vorstellungen finden sich hier also gleichermaßen wieder, wobei das sakrale Verständnis hinter dem Versammlungscharakter merklich zurücktritt. [Nein.]

Die Tendenz zur Sakralisierung [Schlimm!] wurde in den nun folgenden Jahrhunderten immer stärker. In die Kirchen wurden im Mittelalter sogenannte Lettner gebaut, also steinerne Schranken oder Wände, die den Bereich des Klerus von dem der Laien trennten. So manifestierte sich der immer stärker als heilig empfundene Charakter des Gebäudes mit dem Altarraum als geistlichem Zentrum. [Irreführend. Der Lettern wurde nicht zum Zwecke einer Trennung errichtet, sondern er ist eine Weiterentwicklung der frühchristlichen Cancelli (Kanzeln): Er diente dem Vortrag der Lesungen und der Gesänge (Lettner kommt von lat. lectiorum: Lesepult). Die „trennende“ Wirkung ist sekundär und keineswegs für einen Lettner charakteristisch: Ein Lettner ist keine Wand, sondern besteht aus (oft nach beiden Seiten hin offenen) Bögen/Gewölben. Die byzantinische Ikonostase hat eine gewollte trennende (aber auch zusammenführende) Funktion, der Lettner nicht.]

Einen Wendepunkt bildete die Reformation. Johannes Calvin (1509-1564) stand im Rückbezug auf die Bibel und das frühe Christentum für eine radikale Entsakralisierung des Kirchenraums. Er warf die Altäre aus den alten Kirchen, deren Platz am Ende des Raumes blieb demonstrativ leer. Bei Calvin gab es nur noch einfache Tische. [Auf den für das unterschiedliche Raumverständnis entscheidenden Unterschied, nämlich Sinn und Inhalt dessen, was in diesen Räumen geschieht und gefeiert/getan wird, geht der Verfasser überhaupt nicht ein. Die jeweiligen Räume werden unterschiedlich verstanden, weil in ihnen ganz unterschiedliche Dinge geschehen: Im einen Raum geschieht die sakramentale Vergegenwärtigung des Opfers unserer Erlösung, an dem die Gläubigen leibhaftig Anteil erhalten; das andere ist ein Predigtgottesdienst, bei dem die Belehrung und Ermahnung der Gläubigen im Zentrum steht. Aus dem gleichen Grund ist es auch falsch, eine katholische Kirche mit einer Synagoge zu vergleichen, eher müsste man sie mit dem Tempel in Jerusalem vergleichen  (Anwesenheit/Gegenwart Gottes).]  Die Kirchenräume in der Nachfolge von Martin Luther (1483-1546) standen hingegen für eine vermittelnde Position: Der Altar blieb zwar an seinem Ort, eine Sakralität des Raumes als Ganzes gab es allerdings nicht mehr.

Das unterschiedliche Verständnis von Kirchengebäuden [Irreführend. Es geht nicht um das „Verständnis von Kirchengebäuden“, sondern um das Verständnis dessen, was in diesen Gebäuden geschieht!] spiegelte sich auch in deren architektonischer Gestaltung wider: Katholische Bauten lenkten den Blick des Besuchers auch künstlerisch gleich in Richtung des Altars, mit jedem Schritt in seine Richtung wird die Stimmung feierlicher und erfurchtseinflößender. Diesen Effekt vermieden die Protestanten [Weil es nichts Ehrfurchteinflößendes gab, auf das man zuging; anders in einer katholischen Kirche.]: Der die Fallhöhe von Heiligkeit und Weltlichkeit zelebrierende Barock blieb im Calvinismus auf Einzelfälle beschränkt, auch die Lutheraner gingen mit ihm sparsam um, die Kirchen sind schlichte Häuser des Zusammenkommens. [Ich kenne viele Protestenten, die dem widersprechen würden.] Wesentlich beliebter war im Protestantismus der Klassizismus als Bauform – obwohl der sich auf die Formen antiker Tempel bezog, die ein ganz anderes Sakralverständnis hatten.

Die nichtsakrale Grundeinstellung teilen die evangelischen Kirchen bis heute mit den Bauten der anderen abrahamitischen Religionen. Synagogen sollen im orthodoxen Judentum einfache Versammlungshäuser sein, die sich in ihrer Gestaltung nicht von ihrem Umfeld abheben. [Der Verfasser hat offenkundig noch nie eine orthodoxe Synagoge betreten. Es würde ihn gewiss überraschen, dass es auch in Synagogen ein „ewiges Licht“ (hebr. ner tamid) gibt, nahe beim mit kostbaren Stoffen verhängten Thoraschrein, das auf die Tempelmenora verweist und den unsterblichen Glauben Israels symbolisiert. Die im Schrein aufbewahrten Thorarollen, die nicht mit bloßen Händen berührt werden sollen, sind mit kostbaren Stoffen bekleidet, die vor der Lesung geküsst werden. Die Synagoge wird im Judentum ausdrücklich auch als „kleines Heiligtum“ oder „kleiner Tempel“ (hebr. mikdasch me‘at) bezeichnet (vgl. Hesekiel 11,16).] Die prächtigen Synagogen des 19. Jahrhunderts entstehen im assimilierten liberalen Judentum der Städte und orientieren sich in ihrer auf den Effekt setzenden Gestaltung an katholischen Gotteshäusern. Auch Moscheen sind keine Sakralräume [Weshalb auch niemand die Schuhe ausziehen muss, um hineinzugehen…]: Hier können außerhalb des Gebets auch Kinder gestillt oder Tee getrunken werden. [Aus dem Qur‘an, 24. Sure, Verse 16-17: „In den Häusern, deren Errichtung Allah erlaubt hat, damit dort Seines Namens gedacht werde, preisen Ihn des Morgens und des Abends Männer, die weder Handel noch Geschäft abhält von dem Gedenken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Entrichten der Steuer.“ Der heiligste Ort der Muslime ist übrigens, ähnlich dem Judentum, ein Gebäude: Die Ka'ba.]

Doch auch die christlichen Kirchen sind mehr als nur Gottesdienstorte: Da in calvinistischen Gottesdiensten die Orgel nicht erklingen durfte, wurde sie seit dem 16. Jahrhundert außerhalb der Liturgie gespielt, die Kirchen wurden zusätzlich zum Ort für Konzerte. Auch die Bewegung der bürgerlichen Gesangsvereine und Kirchenchöre machte die Gotteshäuser aller Konfessionen auch zu Orten der Musik.

Besonders deutlich wurde die Mehrfachfunktion von Kirchen vor allem im Protestantismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Zum Teil wurden Gemeindezentren gebaut, deren Räume auch für Gottesdienste genutzt werden. Im Katholizismus blieb die Kirche dagegen auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) ein heiliger Ort, der nicht einfach so zum Raum für Feiern oder Gruppenstunden umfunktioniert werden kann. [Was der Verfasser offenbar bedauert.]

Die fortschreitende Säkularisierung stellt an die Kirchengebäude nun wieder neue Fragen: Die großen Kirchen der Vergangenheit werden in den bisherigen Dimensionen nicht mehr gebraucht [… und das soll sich auch nicht ändern…?], neue Raumkonzepte müssen her. Gegen die Doppelnutzung der Protestanten setzen katholische Gemeinden zum Teil die Aufteilung bestehender Räume – das Heilige und das Profane bleiben getrennt.
Als Räume [und mehr nicht!] bleiben Kirchen aber weiterhin gefragt, auch von Menschen außerhalb der Institution Kirche. Beispielsweise in Ostdeutschland engagieren sich auch Konfessionslose in Initiativen zur Rettung historischer Kirchen im ländlichen Raum. Denn von einer pluralen Gesellschaft werden Kirchen heute vielfältig genutzt: Die einen schätzen sie als Raum der Kultur, wieder andere als Ort der persönlichen Einkehr und der Begegnung mit dem Übernatürlichen und Heiligen – auch abseits spezifisch christlicher Frömmigkeitsformen. [Wir lernen: Im Christentum darf es das „Heilige“ (sakrale) in einem Gebäude nicht geben, es stellt eine mittelalterliche Fehlentwicklung dar, gegen die sich die frühe Christen sogar zur Wehr gesetzt haben (diese Behauptung aus dem Einleitungstext hat der Verfasser nicht einmal versucht zu belegen); aber für nichtchristlich-außerkirchliche „persönliche Einkehr“ ist es im Kirchenraum willkommen. Die Anbetung des in seinem Leib und Blut real gegenwärtigen Gottessohnes soll der esoterischen „Begegnung mit dem Übernatürlichen“ weichen.] Besonders auf dem Land sind sie zudem Identifikationsmerkmal und ein Sinnbild für Heimat in einer von Digitalisierung und Globalisierung geprägten Gegenwart. Als Zeichen für Gemeinschaft und Orientierung gelten sie also auch den Kirchenfernen etwas.
Die vom Mitgliederschwund gezeichneten Kirchen werden also auf lange Sicht nicht mehr allein Herren in ihren Häusern sein. Die Allgemeinheit wird Wünsche an die Kirchen und deren Gebäude herantragen. Die spirituelle Dimension wird aber zentral bleiben: Denn auch touristische Besucher schätzen Kirchen, die nicht nur steinerne Museen sind, sondern noch für Gottesdienste genutzt werden. [Die Touristen! Das ist doch mal ein Argument...] Wo Kirchen zunehmend vielzweckige Gebäude werden, könnten sich Gläubige auf ein altes Konzept zurückbesinnen: Die Hauskirche. [Die mit dem eigens für die Feier des Herrenmahls reservierten und eingerichteten Raum?] Schon Luther sah die Trias aus lateinischer, deutscher Messe und dem Hausgottesdienst. Als hyperlokale Gemeinschaft in einer von Individualisierung und einer wachsenden Zahl von Single-Haushalten geprägten Gesellschaft neue Impulse für Gemeinschaft und Spiritualität geben. Auch das 21. Jahrhundert wird Kirchen also neu für sich definieren. [Schade, dass die Christen die Definitionshoheit über ihre eigenen Gebäude an das Jahrhundert, (lat. saeculum, daher das Wort „Säkularisation“: weltlichmachung, der Welt angleichen), abtreten mussten...]



Das ist die Qualität des kirchensteuerfinanzierten katholischen Journalismus. Die Agenda ist klar: weg von allem, was "Heilig" ist, Sakramente spielen keine Rolle mehr, weshalb sie gleich gar nicht erwähnt werden.

Samstag, 27. April 2013

Bankrott

Um für die Diözesanversammlung in Freiburg Platz zu machen, wurde für die dauer von 1,5 Wochen eine komplette Pfarrei evakuiert. Zur Linken kann der geneigte Leser betrachten, mit welchem kunsthistorischen Schmuckstück sich die Vertriebenen dieser Tage konfrontiert sehen. Es ist die Universitätskirche (Jesuitenkirche) in Freiburg. 
Sieht man von dem eher dürftigen und recht lieblos neben dem Tabernakel stehen gelassenen Vortragekreuz ab, gibt es nirgends in dieser Kirch ein Kreuz, weder fest oder als Teil oder Verzierungen anderer Austattungsgegenstände, noch mobil (nicht einmal auf dem Altar während der hl. Messe). In der Sakrtistei gibt es ein Kreuz (ohne Corpus), das wars.
Es ist eine überaus verstörende Kirche, die im Wesentlichen ein Gefühl hervorruft: Unwohlsein. Bei meinem ersten Besuch in dieser Kirche blieb ich nur ca. 2 Minuten, dann überrollte mich die Depression und ich kehrte an die frische Luft zurück. Seit dem stelle ich mir amüsiert vor, wie die monströse "Keule" in der Apsis mit viel Getöse auf den Hackblockaltar herunterkracht... (übrigens ist die gesamte Ausstattung nicht nur hässlich, sondern auch in fast jeder Hinsicht ganz außerordentlich unpraktisch, störend... sowohl für die an der Liturgie beteiligten, wie auch für das gläubige Volk).

Wie um alles in der Welt soll dieser Ort Suchenden Halt geben?
Wie soll hier die Gegenwart Gottes erfahrtbar werden?
Wie soll man sich hier etwa zum Priestertum und der Ganzhingabe an Gott inspirieren lassen?
Wo ist hier Schönheit, Freude, Hoffnung?
Ein weißer Raum, ein Stahlträger an dem eine riesige "Nagelkeule" hängt, ein menschlicher Torso ohne Arme und mit Cartoon-Füßen, ein paar Holzhocker.


Der Beste Kommentar zu diesem schrecklichen Ort erreichte mich vorhin per Mail:
»Die christliche Kunst aller Zeiten kannte unterschiedliche Ausdrucksformen. Doch immer beruhte sie auf jenen Motiven, auf denen die gesamte Schöpfung beruht: auf Harmonie und Schönheit. In ihrer darstellenden Form bemühte sie sich, der Wahrheit des Dargestellten
gerecht zu werden.

[...] 
Wenn der Sinn der christlichen Kunst in der Verherrlichung Gottes und der Heiligen und in der erbauenden Betrachtung der Gläubigen liegt, dann kann man hier in dieser Abwendung von der Schönheit und gottgegebenen Harmonie und Ordnung nur von einer gewaltigen Fehlleistung sprechen. Oder um es ein wenig spitz zu formulieren: ein Kunstwerk, das sich in einer Kirche befindet, muss auch den einfältigsten Menschen noch erfreuen, selbst wenn er nicht fähig ist, die tiefere Symbolik darin zu erkennen...«
(P. M.F.)

Wie passend wäre es gewesen, würde die Diözesanversammlung an diesem Ort tagen. Die Kirche ist farblos, bar jeder Schönheit... und Jesus hat keine Arme. Er ist eigentlich gar kein Mensch, denn er hat kein Gesicht. Es ist auch kein Gott da, denn der alles dominierende babylonisch-senkrechte Stahlträger gehört zum Gipfel menschlicher Zivilisation, menschlichen Machens.
Diese Kirche steht für mich schon sehr lange sinnbildlich für alles das, was in der Kirche (und in der Theologie) falsch läuft. Dieser Tage, da 150 Meter nebenan dem Atheismus gehuldigt wird und Gottes Zorn erfleht zu werden scheint, wird mir das umso schmerzlicher bewusst. Wer die Gestaltung dieser Kirche verbrochen hat, will jene Kirche, die der Leib Christi ist, genauso behandeln... er will sie, so drängt sich der dringende Verdacht auf, euthanasieren.

Freitag, 5. April 2013

Unvollständiger Bildersturm

Es macht mich immer sehr traurig zu betrachten, was die Reformation gerade auch an künstlerischen und architektonischen Schätzen vernichtet hat. Das fängt an bei gräßlich zermeißelten gotischen Sakramentsnischen und geht bis zu der Zerstörung ganzer Gewölbe und Kreuzgänge.

Umso schöner ist es da, wenn man selbst in protestantischen Hochburgen noch katholische Reste ausfindig machen kann. Heute war ich zum ersten Mal seit meinem Katholischwerden im Basler Münster und siehe da: Der wunderbar restaurierte Schlusstein in der Hauptapsis zeigt die Krönung der mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria (s. Bild).
Von unten ist das nicht recht zu erkennen, aber vom (nicht öffentlich zugänglichen und merkwürdigerweise mit alten Bänken vollgestellten) Triphorium aus!

Schön sind auch immer wieder die "versteckten" katholischen Reste, die zuweilen wohl auch aufgrund von Unkenntnis nicht zerstört wurde (z.B. Einhörner, die für die seligste Jungfrau stehen).

Samstag, 21. Januar 2012

Schwarz auf weißem Grund

Es ist schon bemerkenswert, wenn Katholiken, auch in Amt und Würden, sich für ihren Glauben schämen. Oder wie ist es zu erklären, dass nicht mehr die klare Botschaft vom Gottessohn verkündigt wird, sondern seichte (weil flexible) Moral im Vordergrund steht?

Eine Tendenz die sich auch in der Architektur bemerkbar macht. Kommt man dieser Tage in die Augustinerkirche in Würzburg, so findet man eine geradezu berauschende Fülle an Nichts. Die Kirche ist weiß, die Stühle(!) sind schwarz. Alles ist beweglich, nichts steht fest. Die wenigen Farbklekse halten jeder nur denkbaren Interpretation stand, denn es ist nichts Konkretes erkennbar. Und, es mutet wie ein Witz an, der hl. Augustinus ist mit seinem bekanntesten Attribut dargestellt, nämlich mit der Klopapierrolle...

Wollen wir das? 
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das was man als Suchender in einer Kirche sucht das Bleibende ist. Man sucht einen Halt. Den Wandel, die unendliche Summe der Möglichkeiten, die Freiheit die man sich "nehmen" kann (wenn man die monetäre Basis hat)... all das gibt es "draußen" zuhauf.
Oder, wenn man das schon nicht sucht, so sucht man doch wenigstens die Kunst.

Paulus hatte keinen Erfolg bei seinem Streben, weil er jedem die Freiheit ließ, das in seine Ausführungen hinein zu interpretieren, was er oder sie für sinnvoll hält, sondern weil er jedem unmissverständlich klargemacht hat, was Fakt ist ("... dass Jesus der Christus ist"). Er begeisterte die Menschen nicht durch farblosigkeit und höchst künstlerisches "Weglassen" (von Farbe, Form, Inhalt etc.), sondern indem er mit Leidenschaft die Wahrheit verkündete und mit der ihr gebührenden Glorie umkränzte. Christus ist konkret als Mensch erschienen... ebenso konkret muss auch seine Verkündigung sein, sonst ist es wertlos.

"Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten." (1Kor 2,2)


PS.  "Zu den vornehmsten Betätigungen der schöpferischen Veranlagung des
Menschen zählen mit gutem Recht die schönen Künste, insbesondere die religiöse
Kunst und ihre höchste Form, die sakrale Kunst. Vom Wesen her sind sie
ausgerichtet auf die unendliche Schönheit Gottes, die in menschlichen Werken
irgendwie zum Ausdruck kommen soll, und sie sind um so mehr Gott, seinem Lob
und seiner Herrlichkeit geweiht, als ihnen kein anderes Ziel gesetzt ist, als durch ihre
Werke den Sinn der Menschen in heiliger Verehrung auf Gott zu wenden." (SC 122)