Posts mit dem Label maria werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label maria werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 24. Februar 2022

Gottesmutter von Potschajiw, bitte für uns!

Die Gottesmutter von Potschajiw ist eine spätbyzantinische Ikone (Typus Eleusa, die Mitleidende, Erbarmende) aus dem Mariä-Entschlafens-Kloster (das zweitgrößte Kloster der Ukraine, gehört zum Moskauer Patriarchat[!]) in Potschajiw, eine Stadt am Rande der Karpaten im Westen der Ukraine, die zuweilen als das "ukrainische Lourdes" bezeichnet wird.

Das erste Wunder, eine Erscheinung Mariens in einer Flamme, soll in Potschajiw im Jahr 1193 geschehen sein, es ist noch heute im Stadtwappen abgebildet. Am Ort der Erscheinung sei eine Quelle entsprungen, die noch heute fließt. Weitere Wunder, insbesondere in Zusammenhang mit der Ikone der Muttergottes, sollen v.a. im 16. Jahrhundert geschehen sein.

Die Ikone wird von Katholiken wie auch Orthodoxen gleichermaßen verehrt (im 18. Jahrhundert entstandte Papst Klemens XIV zwei Kronen für die Ikone, eine für Maria, eine für das Jesuskind, womit er die Wundertätigkeit der Ikone anerkannte); sie ist besonders für die ukrainisch-griechisch katholischen Christen von großer Bedeutung.

Gottesmutter von Potschajiw, bitte für uns!

Freitag, 15. August 2014

in den Himmeln

O welch herrliches Licht strahlst du hernieder,
Kind, dem Königsgeschlecht Davids entsprossen,
Die erhaben du thronst, Jungfrau Maria,
Über Dunkel und Dunst hoch in den Himmeln.


Du hast, Mutter, dem Herrn englischer Heerschar
Mit jungfräulicher Scham, Keusche, die Stätte
Deiner heiligen Brust freundlich bereitet:
Und im Fleische ward Gott, Christus geboren,


Dem Anbetung und Preis bringen die Welten,
Dem die Knie sich hier demütig beugen,
Von dem unser Gebet, hilfst du uns bitten,
Fleht um Schwinden der Nacht, freuden des Lichtes.


Vater strahlenden Lichts, dieses vergönne
Mit dem eigenen Sohn, Heiligem Geiste,
Der im Glanze mit dir lebt in den Himmeln
Und beherrschend erhält alle Welten.


(Der Hymnus "O quam glorifica luce" des Hucbaldus de Sancto Amando - † 930 -,
der als "Erfinder des Mittelalters auf dem Gebiet der Musik" gilt;
Übersetzung von Friedrich Wolters)

Montag, 24. Juni 2013

... berufen, Apostel zu sein


»Da sind die beglückend emporgewachsenen Hoffnungen des Priesterberufs, der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Priester, die in großer Zahl - und doch niemals genug! - im reiche Gottes wirken, da die jungen Männer in den Seminarien, in den Ordenshäusern; da sind schließlich - warum auch nicht? sind nicht auch sie Christen? nicht auch sie berufen, Apostel zu sein? - die Studierenden auf den katholischen Universitäten; da sind die Hoffnungen all der anderen aufsteigenden Kräfte eines künftigen, noch nicht absehbaren Laienapostolates. Eines Apostolates, das sich ausbreitet, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Hemmnisse, bis hinein in die Völker, die unter Verfolgungen zu leiden haben; dort opfert es und hört nicht auf zu opfern und ist so ein Schauspiel voller Trost, das zu Worten der Bewunderung und der Freude hinreißt. "Licht zur Erleuchtung der Heiden" (Lk 2,32), Herrlichkeit des auserwählten Volkes.«

Diese Prophetischen Worte, diese Hochschätzung und Betonung der Sendung der Laien, die nicht minder berufen sind, "Apostel zu sein" und "zu opfern", stammen vom seligen Papst Johannes XXIII (Geistliches Tagebuch, S. 388).

Interessant ist auch, woran er dies festmacht: Am Rosenkranzgebet.
Der Papst geht aus vom vierten Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes "... den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast." Die Opferbewegung Mariens sieht Johannes in der Kirche fortgesetzt, natürlich ist hier v.a. die Eucharistie gemeint . Aber er geht darüber hinaus und bezieht alle Gläubigen in diese Bewegung Mariens mit ein; alle Glieder der Kirche sollen Zeichen der Hoffnung sein, Trost spenden und zur Freude hinreißen.

Für Papst Johannes ist der Rosenkranz hierzu der Schlüssel. Ich kann ihn darin gut verstehen...

Montag, 8. April 2013

Maria und der Engel

»Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.«
 

(Aus dem Evangelium vom Tag)

Es findet sich in dieser Szene eine Spannung, die nicht wirklich aufzulösen ist: Einerseits kommt der Engel, Bote Gottes, Stimme Gottes, zu Maria und löst zu Recht Schrecken aus (wobei das griechische Wort an dieser Stelle, diatarassomai, eigentlich nur soviel wie "verwirren" bedeutet). Der Himmel Bricht ein und das Ewige tritt hervor. In vielen modernen Darstellungen dieser Szene, wird das Übergewicht des Göttlichen daher sehr betont, Maria scheint oft erdrückt, von dem Ereignis überwältigt. Das ist die eine Perspektive.

Zugleich aber geschieht hier kein autoritativer Akt, kein Befehl Gottes an sein Geschöpf. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die "alten" Darstellungen zeigen daher sehr oft den Engel merkbar "unter" Maria. Die Stimme Gottes in der Person des Engels scheint hier oft regelrecht als Bittsteller bei Maria. Hier erfährt man die Größe Gottes gerade in dieser Demut und in dem Respekt vor der Freiheit des Menschen. Denn Gott drängt sich eben nicht auf; der Engel bäumt sich nicht in aller Herrlichkeit vor der kleinen "Magd" auf. Zugleich stellt diese Darstellung der verdemütigten Haltung des Engels doch auch ein Bekenntnis zur Gottheit Jesu dar: Wenn das Kind, das Maria empfangen soll, wirklich Gott ist, dann ist Maria in einzigartiger Weise Tempel und Ort der Gegenwart Gottes. Wie befremdlich würde da eine herrscherische, dominierende Engelsgestalt wirken!



Gänzlich schön bist du, Maria,
Und kein Urmakel ist an dir.
Du bist der Ruhm Jerusalems,
Du bist die Freude Israels,
Du bist die Ehrenträgerin unseres Volkes,
Du bist der Sünder Anwältin.
O Maria!
Weiseste der Jungfraun all,
Gütigste der Jungfraun all,
Bitte für uns.
Bitte für uns bei unserm Herrn Jesum Christum!

(Antiphon, 9. Jhd.)

Sonntag, 7. April 2013

wahrhaftig und gegenwärtig

Mein Herr Jesus Christus!
Aus Liebe zu den Menschen bist du Tag und Nacht in diesem Sakramente gegenwärtig. Du erwartest, rufst und nimmst voll Erbarmen und Liebe alle auf, die Dich hier besuchen.

Ich glaube, daß Du im Sakramente des Altars gegenwärtig bist. Ich bete Dich an im Abgrunde meines Nichts; ich danke Dir für alle Gnaden, die Du mir erwiesen hast, besonders dafür, daß Du Dich selbst mir in diesem Sakramente geschenkt, daß Du mir Deine heiligste Mutter Maria als Fürsprecherin gegeben und daß Du mich gerufen hast, Dich in dieser Kirche zu besuchen.

So grüße ich denn heute Dein liebevolles Herz. In dreifacher Absicht möchte ich es tun: Erstens will ich Dir Dank sagen für dieses große Gnadengeschenk; zweitens will ich alle Unbilden wieder gutmachen, die Dir von Deinen Feinden in diesem Sakramente zugefügt werden; drittens will ich durch diesen Besuch Dich an all den Orten der Erde anbeten, wo Du in diesem heiligen Sakramente wenig verehrt wirst und ganz verlassen bist.
 
Mein Jesus, ich liebe Dich aus ganzem Herzen. Es schmerzt mich, daß ich Deine unendliche Güte bisher so oft beleidigt habe. Mit Deiner Gnade nehme ich mir vor, Dich in Zukunft nie mehr zu beleidigen. Für jetzt aber schenke ich mich Dir ganz, so elend ich auch bin. Ich entsage meinem Eigenwillen, meinen Neigungen, meinen Wünschen, allem, was mein ist, und übergebe es Dir. Verfüge von heute an über mich und alles, was mir gehört, so wie es Dir gefällt! Ich suche und verlange nichts andres als Deine heilige Liebe, die Beharrlichkeit bis ans Ende und die vollkommene Erfüllung Deines Willens.

Ich empfehle Dir die Seelen im Fegfeuer, besonders die, die das heiligste Sakrament und Maria, die seligste Jungfrau, am innigsten verehrt haben. Ich empfehle Dir auch alle armen Sünder. Endlich, mein geliebter Heiland, vereinige ich alle meine Gebete mit den Gebeten Deines liebevollen Herzens und so vereinigt opfere ich sie Deinem ewigen Vater auf und bitte ihn in Deinem Namen, er möge sie aus Liebe zu Dir annehmen und erhören.
 
(Alfons Maria von Liguori; aus dem Gebetsschatz von Weigl)

Freitag, 5. April 2013

Unvollständiger Bildersturm

Es macht mich immer sehr traurig zu betrachten, was die Reformation gerade auch an künstlerischen und architektonischen Schätzen vernichtet hat. Das fängt an bei gräßlich zermeißelten gotischen Sakramentsnischen und geht bis zu der Zerstörung ganzer Gewölbe und Kreuzgänge.

Umso schöner ist es da, wenn man selbst in protestantischen Hochburgen noch katholische Reste ausfindig machen kann. Heute war ich zum ersten Mal seit meinem Katholischwerden im Basler Münster und siehe da: Der wunderbar restaurierte Schlusstein in der Hauptapsis zeigt die Krönung der mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria (s. Bild).
Von unten ist das nicht recht zu erkennen, aber vom (nicht öffentlich zugänglichen und merkwürdigerweise mit alten Bänken vollgestellten) Triphorium aus!

Schön sind auch immer wieder die "versteckten" katholischen Reste, die zuweilen wohl auch aufgrund von Unkenntnis nicht zerstört wurde (z.B. Einhörner, die für die seligste Jungfrau stehen).

Dienstag, 1. Januar 2013

Mater Dei


Ave Maria gratia plena Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus
et benedictus Fructus ventris tui Iesus.
Sancta Maria mater Dei
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Ein Gedanke: Da fehlt was

Es hat seine Zeit gebraucht, doch vor ein paar Jahren kam ich auf den Trichter: Wo etwas in großer Auffälligkeit fehlt, muss es einen Grund dafür geben.
Zwei Beispiele:

Im jüdisch-christlichen Denken wurde den Toten immer mit Ehrfurcht begegnet. Das Grab Davids war noch zur Zeit der Apostel wohlbekannt (Apg 2,29), das Grab Johannes des Täufers war ebenso bekannt und geehrt. Von frühester Zeit an, gerade unter der Verfolgung, pilgerten die Christen zu den Gräbern der Apostel und errichteten Altäre und Kirchen, verwahrten Reliquien gedachten ihres Todestages.
Warum findet sich in 2000 Jahren Christentum nichts dergleichen bezüglich Maria, der Gottesgebärerin? Vielleicht, weil es kein Grab, keine Überreste, keinen Todestag (im engeren Sinne) gab?

Ambrosius von Mailand schreibt ausgiebig über die Gegenwart Christi in den gewandelten Gaben der Eucharistie. Augustinus, Schüler des Ambrosius, behandelt dies in den uns überkommenen Schriften nur dezent (aber deutlich!), und konzentriert sich eher auf die ekklesiologischen Zusammenhänge. Wenn nun aber Augustinus, wie von Protestanten gerne behauptet, die Realpräsenz nicht gelehrt (geglaubt) haben sollte, warum gibt es kein Zeugnis etwa gegen seinen Lehrer Ambrosius, der diese Realpräsenz so ausgiebig behandelt? Wäre Ambrosius der Sonderling mit seiner Lehre, müsste es doch überall Widerspruch geben... es wäre doch ein Skandal, wenn da irgend so ein Kerl behauptet, "da sei Jesus drin"!

Mittwoch, 22. August 2012

Königin auf Knien

St. Wolfgang im Salzkammergut
Ich habe diese Darstellung an einem Altar von Michael Pacher († 1498) immer besonders geschätzt, weil sie Maria nicht dem Betrachter geöffnet zur Verehrung zwischen Gott Vater und Gott Sohn drapiert, sondern weil Maria ganz in der Anbetung und in der Demut vor Gott kniet. Das zeigt für meinen Geschmack die Essenz dieses Festes viel klarer auf.

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das die Kirche heute ließt: die zu verschiedenen Tageszeiten angeheuerten Arbeiter bekommen alle den gleichen Lohn, zeigt uns etwas, das auch auf das heutige Fest hinweist.
Maria hat die Krone nicht um ihrer Selbst Willen oder als Ausweis ihrer Verdienste, sondern als Ausweis der großen Gnade Gottes, als Beleg für seine große Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Dass sie Königin ist, kommt ja einzig daher, weil sie den König der Könige (1Tim 6,15) geboren und begleitet hat. Die Krone der Gerechtigkeit, wie sie Paulus ersehnt (2Tim 4,8), erhalten alle die ans Ziel gelangen, egal, wann sie sich auf den Weg begeben haben. Die Krone Mariens ist dafür ein herrlicher Vorbote, ein Bild das unseren "Siegeseifer" stärken kann, auf dass wir den lauf vollenden (4,7).
Die anbetende Haltung ist das was Gott gebührt, auch von der Königin des Himmels.

Mittwoch, 15. August 2012

Himmelkönigin

Ave Regina caelorum,
 
ave Domina angelorum,
 
salve radix, salve porta,
 
ex qua mundo lux est orta.
 
Gaude, Virgo gloriosa,
 
super omnes speciosa;
 
vale, o valde decora,
 
et pro nobis Christum exora.

Kinder Gottes

Ein "Grundsatz" mittelalterlichen Denkens über die Kunst lautet: "per visibilia ad invisibilia" (zu Deutsch: durch das Sichtbare zum Unsichtbaren). Er besagt z.B., dass Kunst der Versuch sein soll, Unsichtbare (für uns nicht er-fassbare) Aspekte der Wirklichkeit dadurch fassbarer zu machen, dass man sie in einer sichbaren Form, quasi als Analogie, darstellt. Das betrifft zu allererst natürlich alles was Göttlich ist, aber eine besonders faszinierende Darstellungsweise einer unsichtbaren Wirklichkeit interessiert uns jetzt: In der Ikonenmalerei der Ostkirche, aber auch im Westen, wird zuweilen die (unsichtbare) Seele eines Menschen dargestellt.

Zu sehen ist der Tod Mariens. Jesus hält hier, wie es scheint, ein Kind im Arm, in der selben Weise, wie es Maria stets mit dem Jesuskind in zahllosen Darstellungen tut. Wenn man aber genau hinsieht, erkennt man, dass diese kleine, ganz in weiß gekleidete Gestalt weiblich ist. Es ist die Seele Mariens, die hier in der Analogie eines kleinen Menschen dargestellt ist, wie es für die Darstellung dieses Festes in der Ostkirche üblich ist.
Was bedeutet das?
In der Bibel lesen wir: "Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren; und jeder, der den liebt, der geboren hat, liebt den, der aus ihm geboren ist" (1Joh 5,1) Und überhaupt redet Jesus immer wieder von einer "neuen Geburt" die uns durch die Taufe wiederfährt: "Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen." (Joh 3,5) Sich zu Christus bekehren und die Taufe zu empfangen kommt einer neuen Geburt gleich. Petrus sagt über den "Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus", dass dieser uns "in seinem großen Erbarmen neu geboren" hat (1Pet 1,3). (Soviel zu dem Vorwuf, Gott würde in der Bibel immer als Mann dargestellt...)
Daraus folgt: "Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi" (Röm 8,17).

Wir sollen also Kinder Gottes sein. Diese Gotteskindschaft zeigt sich besonders an vier Merkmalen:
1) Im Beten: Wir sollen uns nicht selbst erhöhen, viele Worte machen und Gott zeigen, wie toll wir sind. Wir sollen einfach (in aller Einfachheit!) beten. 
2) Im Staunen: Die Meisten Menschen haben es verlernt, der Schöpfung auf Augenhöhe zu begegnen, sie einfach nur bewundern zu können und zu Staunen über all die Wunder direkt vor ihren Augen. Es geht im Christentum nicht um ein "Niederfallen" vor der Schöpfung: die Sterne am Himmel wie die Tiere der Erde sind auch nur Geschöpfe und der Mensch soll die Schöpfung bewahren und treu verwalten: er ist nicht ihr Knecht und sie beherbergt keine knechtenden Götter. Aber auch zur Herablassung und Ausnutzung der Schöpfung haben wir weder das Recht noch die Berufung. Vielmehr sollen wir, die wir gleichermaßen Geschöpfe sind, der Schöpfung auf Augenhöhe begegnen und uns an ihr freuen. Wir sollen staunen über sie, wie ein Kind! Sollen in ihr die Handschrift Gottes erkennen. 
3) Im Danken: Wenn wir von Gott etwas geschenk bekommen (Gnade!) sollen wir nicht darüber nachdenken, wie wir es Gott vergelten könnten oder rechnen, was wir ihm nun schulden. Wie ein Kind sollen wir einfach nur das Geschenk annehmen und uns darüber freuen. Dankbar sein, aber nicht berechnend, wie es die Erwachsenen zumeist tun. 
4) In der Hoffnung: Trotz Enttäuschungen und Rückschlägen sollen wir nicht aufhören zu hoffen. Trotz des Unmuts und trotz des Unverständnisses, das wir Gott oft entgegen bringen ("Warum lässt du das zu?!") sollen wir, wie ein Kind, stets wieder auf ihn vertrauen und auf ihn hoffen. Nicht nachtragend, Verbissen oder alles Missliebige protokollierend.

Wir sollen Kinder Gottes sein, denn wir dürfen ihn Abba ("lieber Vater"; wörtlich: Väterchen) nennen!
Unsere Seele soll die eines Kindes sein, und das wird sie nur, wenn sie ganz durchdrungen ist von der Gnade und vom Geist Gottes. In einem lateinischen Messbuch aus dem siebten Jahrhundert findet sich die wundervolle Zeile: "Die Mutter Gnade gebiehrt uns zu einer neuen Kindheit."

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, oder auch einfach Dormitio, Entschlafung, erinnert uns an die Fürsorge Gottes, an seine Liebe zu uns, seinen Kindern. An Maria zeigt sich diese Liebe zu uns ganz authentisch, denn Gott liebt keinen Menschen weniger, als er Maria liebt. "Denn Gott hat Großes an mir getan..."

Samstag, 21. Juli 2012

Die Schönheit Mariens

Voll der Gnade
Heute haben wir der "Mutter der schönen Liebe" gedacht. Die Schönheit als wichtiges Thema, sodass wir die Lesung aus dem Hohenlied hatten: "Du bist wunderbar schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir." (Hld 4,7)

Es ist ein wenig wie das Fest der Unbefleckten Empfängnis in klein, heißt es doch in der Bulle zur Verkündigung des Dogmas, Maria sei tota pulchra et perfecta, gänzlich schön und vollkommen (DH 2800), was dann ja auch in der ersten Antiphon vom 8. Dezember nachklingt: "Ganz schön bist du, Jungfrau Maria, vor dem Makel der Urschuld hat Gott dich bewahrt."

Mittwoch, 11. Juli 2012

Müller und die Jungfrau Maria

Pro Spe Salutis setzt sich kritisch mit den Aussagen des neuen Präfekten der Glaubenskongregation zur Jungfräulichkeit Mariens während der Geburt (virginitas in partu) auseinander (Lektüre zum Verständnis dieses meines Beitrags erforderlich!). Dazu ein paar Anmerkungen.

Es ist an sich sehr gut auf den Punkt gebracht. Allein, ich halte Müllers Aussagen dennoch für legitim. 
Ich will die beiden Teile der Aussaage Müllers, wie ich sie sehe, getrennt behandeln, darum hier erst den Anfang und den Schluss des von Pro Spe Salutis zitierten:
»Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwas die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen) [...].
[...] Der Inhalt der Glaubensaussage bezieht sich also nicht auf physiologisch und empirisch verifizierbare somatische Details.«

Schmaus betont, die Geburt sei "ohne Verletzung der leiblichen Unversehrtheit" (107) geschehen, und dies sei Glaubenssatz. Dem Widerspreche ich nicht.
Schauen wir uns etwas um. Ludwig Ott schreibt: "Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche." (245) Und Schmaus stimmt dem, wie ich meine, zu, wenn er Toledo zitiert und dieser Lehräußerung "größte Bedeutung" zuspricht (108f.). Dort heißt es: "Diese Jungfrauengeburt kann weder von der Vernunft erfasst, noch an einem Beispiel gezeigt werden" (nec ratione colligitur, nec exemplo monstratur; DH 533).

Insofern ist die Aussage Müllers m.E. völlig korrekt: Es geht nicht darum, physiologisch zu explizieren, was geschah oder nicht geschah. Ja, es ist tatsächlich nicht möglich, es gibt "kein Beispiel" dafür, d.h. unsere gängigen Kategorien (wie sie von Müller in der Klammer exemplifiziert wurden) sind nicht anwendbar. Nochmal Ott: "Die Art und Weise ihres Gebärens hatte darum den Charakter des Außerordentlichen an sich." (Ebd.)

Der zweite Teil der Aussage, die Pro Spe Salutis zitiert hat (erste eckige Klammer):
»... sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde "verletzt" worden war.«

Er hat einen größeren Abschnitt ausgelassen, aus dem ich einen Satz zitieren will, der den Inhalt des ganzen Abschnittes ganz gut zusammenfasst:
»Die Geburt beschränkt sich für die Mutter nicht lediglich auf einen biologischen Vorgang.«

Ich finde diese Unterscheidung sehr wichtig wenn es um die Beurteilung von Müllers These geht. Müller versucht hier m.E. einer Engführung der Frage nach der jungfräulichen Mutterschaft Mariens zuvorzukommen. Es geht eben nicht bloß um ein physiologisches Phänomen - welches wir, s.o., ohnehin nicht erfassen können! Müller bestreitet nirgends den physiologischen Aspekt der jungfräulichen Geburt.  Er will aber zeigen, dass die physiologischen Deteils und überhaupt alle unsere Kategorien, unser Wissen (unsere "Beispiele") uns bei der Ergründung oder Betrachtung des Geheimnisses(!) keine Hilfe sind. Und damit stimmt auch Schmaus überein. Ott sowieso. (Zu Pohle kann ich nichts sagen, da ich den nicht da hab.)
Ich bin dankbar, dass Müller dieser Seite der Medaille größere Aufmerksamkeit widmet, in anderen Dogmatiken geht das zu gerne unter oder wird tatsächlich grenzwertig behandelt.

Es scheint mir doch etwas haarspalterisch, hier eine Unterlassung oder gar eine Vermischung getrennter Glaubensaussagen zu vermuten, zumal er jene andere Glaubensaussage später noch separat, und dann anthropologisch-gnadentheologisch, behandelt (S. 503ff.).
Die von Müller gebrauchte Formel von der "heilenden und erlösenden Gnade" klingt auf den ersten Blick tatsächlich nach der unbefleckten Empfängnis. Aber wieso auch nicht? Beides ist Frucht der einen Gnade die Maria zuteil geworden ist. Zwei Privilegien, aber eine Gnade und ein Erlöser. Ich sehe nicht, wo darin das Problem liegen soll.

Scheeben drückte einst die umfassende Wirkung des einen Geistes für die gewaltige Bedeutung der Jungfrau und Mutter besonders schön aus:
»Vor allem ist das [Bild des Heiligen Geistes] die Jungfrau der Jungfrauen, die zugleich durch die Kraft desselben Heiligen Geistes in übernatürlicher Weise Mutter geworden, und die, wie er zwischen dem Vater und seinem Sohne in der Gottheit, durch ihn und mit ihm das Liebesband zwischen dem Vater und seinem menschgewordenen Sohne ist.« (Mysterien 160)

pfff... zu so später Stunde zwischen lauter Dogmatiken rumzusitzen is komisch... gute Nacht ;)


Literatur:
Gerhard Ludwig Müller, Katholische Dogmatik, Freiburg 2005.
Michael Schmaus, Katholische Dogmatik Bd. 5, München 1955.
Ludwig Ott, Grundriss der katholischen Dogmatik, Freiburg 1961.
Matthias Joseph Scheeben, Die Mysterien des Christentums, Freiburg 1951.

Samstag, 16. Juni 2012

Herz

»Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat (Mk 2,27)

Für Israel sah es so aus, als sei das Sabbatgebot das höchste Gebot... so sehr, dass die Pharisäer sich selbst und das ganze Land so absolut diesem Gebot unterwarfen, dass es nichts gab, was darüber stand, selbst das Leben eines Menschen nicht (theoretisch...). Es lag hier also eine falsche Interpretation des Sabbatgebots vor, ein Irrweg, der von Jesus angeprangert wurde und dessen Gegenentwurf Jesu Dreifachgebot der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe (Lk 10,27).

Es wird häufig, von dieser Stelle ausgehend, die Zulassung zivilrechtlich geschiedener und ebenso Wiederverheirateter zur Kommunion mit dem Stichwort "Barmherzigkeit" gefordert. Auf die Politisierung und zuweilen sinnwidrige Umdeutung der Sprache in dieser Causa habe ich schon hingewiesen (iterum).
Es ist eigentlich sattsam bekannt: "Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet." (Mk 10,10-12)
Nun, hier liegt aber ein anderes Problem vor, als in der Diskussion um das Sabbatgebot.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der Evangelist uns explizit sagt, dass Jesus diese Weisung an seine Jünger richtet und nicht etwa öffentlich das grassierende Ungemach im Judentum anprangert. Jesus spricht hier nur zu seinen Jünger, was er sagt soll ganz klar für die Christen gelten.

»Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.« (Mk 10,2-9)

 Hier nun liegt der Hase im Pfeffer:
1) Jesu Kritik am Sabbatgebot wie es die Pharisäer lehrten bezog sich auf eine falsche Interpretation eines tatsächlich sehr wichtigen Gebots das aus der Schöpfungsordnung selbst hervorgeht (die Ruhe am 7. Tag). Und damit entsteht auch eine Harmonie zum Dreifachgebot der Liebe, das gleichfalls in der Schöpfungsordnung begründet ist.
2) Die Infragestellung der jüdischen Scheidungspraxis ist etwas ganz anderes: Hier handelt es sich ja gewissermaßen um ein "Kompromissgebot" (vgl. 5Mo 241ff): "weil ihr so hartherzig seid". Jesus greift nun radikal durch, indem er den eigentlichen Wert der Ehe und damit das "richtige" Gebot, welches auf der Schöpfungsordnung gründet, zum Vorschein bringt. Mit aller Radikalität, die es mit sich bringt. Aber eben gerade dadurch im Einklang mit dem schon genannten Dreifachgebot der Liebe.

Wenn Jesus Hand an das Gesetz legt, tut er dies im Sinne einer Rückführung auf den Ursprung, im Sinne der Schöpfungsordnung und damit im unbedingten Sinne des Schöpfers.

Es ist ein Unding, hier von "Barmherzigkeit" zu reden. Im Grunde wäre die Anerkennung einer Scheidung oder die Folgenlosigkeit von kontinuierlichem Ehebruch (denn das sind die Alternativen) ein Widerspruch zu dem konkreten Gebot Jesu und ebenfalls wieder nur ein Zugeständnis an menschliche Hartherzigkeit. Was hat das mit Barmherzigkeit zutun? Bedeutet Barmherzigkeit das belassen der Hartherzigkeit? Oder ist erstere nicht doch auf die Umkehr, auf den Wandel aus?
Das Kompromissgebot des Mose ist aufgehoben. Das Nachgeben gegenüber einem harten Herzen ist keine Barmherzigkeit, es ist nur traurig... und es dient gewiss nicht dem Heil der Seelen, wie es die freiburger Memorandisten behaupten.

Wie gut, dass heute Herz Mariä dran war... vllt. sollten wir uns mehr an ihrem Herz orientieren, statt das verstockte Herz von Ottonormalverbraucher zum Maßstab zu machen... Ein hartes Herz kann nichts aufnehmen, bewegen und bewahren (vgl. Lk 2,51)...

GL 160,2 drückt es schön aus: "Bekehrt euch alle, denn das Reich ist nahe; in rechter Buße wandelt eure Herzen. Seid neue Menschen, die dem Herrn gefallen."

Samstag, 26. Mai 2012

Maria mit dem Kind

Andrea Mantegna († 1506) - Maria mit dem Kind (Gemäldegalerie Berlin)

O amor, dormi,
Iesule mi.

O agne concupite,
O vita, stella vitae,
O planta corde nata,
O gemma delicata,
O amor, dormi,
Iesule mi.

O numen, o puelle,
O nate plene melle
O fons beatitatis,
Aurora claritatis,
O amor, dormi,
Iesula mi.


(aus: "Dormi Iesu", ein Wiegenlied der Jungfrau aus dem 16. Jahrhundert, unbekannter Autor)
Eigentlich zu schön zum übersetzen... (von Richard Zoozmann:) 


O schlafe, mein
Lieb Jesulein!

O Lamm, Ziel heißen Strebens
O Leben, Stern des Lebens
O Blümlein, herzentsprossen,
O Demant, glanzumflossen,
O schlafe, mein
Lieb Jesulein!

O Gottheit, o du Knabe,
O honigsüße Gabe
O du glückselge Quelle,
Du Morgenrot voll helle,
O schlafe, mein
Lieb Jesulein! 

Freitag, 30. März 2012

Mutter der Kirche

Quis non possit contristari?
Heute ist Schmerzensfreitag, heute gedenken wir der sieben Schmerzen Mariens, wir gedenken der Stabat Mater.
Das ist auch ein bedeutender Tag für die ganze Kirche insofern, weil Maria gerade am Apex ihres (Mit-)Leidens der Kirche zur Mutter gegeben wurde (Joh 19,27). Was für eine Mutter ist das? Und was für Kinder hat sie da?

Ich muss heute auch besonders an die gegenwärtige Lage der Kirche denken: an die schändlichen Taten ihrer Glieder in der jüngeren Vergangenheit, aber auch an das anstehende Jahr des Glaubens und die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung. Die Kirche leidet, sie ist krank. Sei es in Form von Fundamentalismus (links wie rechts!), in der Farb- und Profillosigkeit (man könnte es auch Feigheit nennen) vieler in Amt und Würden oder ohne dergleichen, in ihrer Verwelt(bild)lichung oder in der schlimmsten Sünde, den Mühlstein verdient hätte.

Ich bin nicht unbedingt das, was man "marianisch" nennen würde. Aber Maria ist definitiv keine bloße Zierde der christlichen Geisteswelt und ihre Schmerzen tragen mehr Frucht, als bloß eine schöne Vertonung der heutigen Sequenz etwa durch Giovanni Pergolesi.
Leo Scheffczyk drückte was ich denke einmal so aus: "Es kann nicht anders sein, als dass in der Gewissheit der mütterlichen Fürbitte Marias der Auftrag zur Evangelisierung an innerer Kraft, an Hoffnung, an Hingabe, an gnadenhaftem Optimismus, aber auch an Realismus und Leidensfähigkeit gewinnt."

Johannes Damascenus pries die selige Jungfrau in einer Predigt als "Segen für die Welt, eine Heiligung des Alls" und er empfahl sie als "Erquickung für die Matten, Tröstung für die Trauernden, Heilung für die Kranken, ein Hafen für die Gefährdeten, Verzeihung für die Sünder, linderndes Labsal für die Bedrückten, schnelle Hilfe für die Bittenden." Das war vor dreizehn Jahrhunderten. Entteuscht wurde diese "Verheißung" bis heute nicht.

Montag, 26. März 2012

Die erste Christin

ecce porta, ex qua mundo lux est orta
Heute, an diesem Herrenfest, feiert die Kirche auch die (geistliche) Geburt der ersten Christin. Maria wird gemeinhin dem Alten Bund zugeordnet.
Sie lebte in einem jüdischen Kosmos, in einer von der Tora bestimmten Lebens- und Geisteswelt. In ihrem Glauben aber, mit ihrer Zuversicht, mit der sie sich der Ankündigung des Engels öffnete, vollzog sie den Übergang zum neuen Bund. Mehr als es je vor ihr oder nach ihr einem Menschen zugemutet werden konnte, legte sie sich ganz, mit Leib und Seele, in die Hände Gottes, damit der Schöpfer aus ihr geboren werden konnte. Hier irren die meisten modernen Erben Luthers: Maria ist eben nicht bloß ein "Inkubator" für den Gottmenschen, sondern in jeder Hinsicht seine Mutter.

"Mit diesem Glauben geht Maria aus dem Alten Bund in das Neue Testament hinüber: Indem sie Mutter wird, wird sie Christin." (Guardini)

Sonntag, 25. März 2012

Gottes Zärtlichkeit

Heute ist Verkündigung des HErrn. Ok, zugegeben, weil Sonntag ist, wird das Fest erst morgen gefeiert. Macht nichts.
Für mich war dieses Fest schon immer das vielleicht faszinierendste.
Besonders hat es mir immer der Respekt angetan, mit dem Gott sich vermittels des Engels, zu Maria begibt und wie "im Verborgenen" die Menschwerdung passiert.

Aber das grandiose ist freilich das fiat Mariens.
Maria gibt sich dem hin, sie glaubt: "Sie glaubt nicht nur mit ihrer religiösen Innerlichkeit, neben welcher ihr übriges Leben den allgemeinen Gesetzen folgte, sondern empfängt in diesem Glauben die Form ihres menschlich-weiblichen Daseins." (Guardini)

Es ist dieser selbe Glaube, diese Form des Daseins, die es ihr ermöglicht, nicht nur das unfassbare Anzunehmen und die Theotokos zu werden (tu quae genuisti tuum sanctum Genitorem), sondern bis zum Letzten, bis unters Kreuz mit diesem leidenden und sterbenden Gott zu sein, ganz auf diesen hin und für diesen da zu sein. Sie versteht, was das heißt: "darum bin ich in diese Stunde gekommen" (Joh 12,20), denn sie war dabei, mehr noch: Sie war der Ort, sie war die Voraussetzung, dass Er in diese Stunde, in diese Welt gekommen ist. Und sie war dabei, als er sie verlassen zu haben schien.
Es ergibt Sinn, dass heute der erste Passionssonntag ist. Wie Christus in die Welt gekommen ist, jene Stunde zu erleiden und zu sterben, so ist Maria seine Mutter geworden, um ihn bis in jene Stunde zu begleiten und uns ein Exempel darin zu sein. Die christliche Botschaft ist nicht eine romantische Weihnachtsszene, sondern es ist sein Sterben für uns. Die Zärtlichkeit, mit der Gott Maria bedachte, bewahrte sie dennoch nicht vor dem Erlebnis der Passion.
Beides gehört dazu. Beides ist Teil nicht nur unseres Lebens, sondern unserer Berufung.