Mittwoch, 14. April 2021

Kein Nebenschauplatz

Ein Gedankenexperiment:

In seiner Offenbarung an die Menschen sagt Gott kategorisch und ohne Ausnahmen zuzulassen: Wer die Handlung X tut, der ist des Todes würdig, er kann nicht Erbe meines Heils sein.

Bestimmte Kirchenleute sagen: Wir möchten der Handlung X den Segen Gottes zusprechen.

Wie kann man etwas segnen, was Gott definitiv (nach allem, was er uns offenbart hat) nicht segnet, sondern eindeutig verwirft? Macht man Gott damit nicht zum "Diener der Sünde" (Gal 2,17)?


Von den beiden großen evangelischen Theologen Adolf von Harnack (1851-1930, "liberal") und Adolf Schlatter (1852-1938, "konservativ"), wird erzählt, dass Harnack einmal vor Fakultätsangehörigen erklärt habe: "Vom Kollegen Schlatter unterscheidet mich nur die Wunderfrage!" (sprich: ob Wunder real sind, oder nicht), daraufhin habe Schlatter dazwischengerufen: "Nein, die Gottesfrage!"

Also: Wie bei der Frage nach der Realität von Wundern, so geht es auch bei der frage der Segnung homosexueller Akte nicht um etwas Nebensächliches, sondern letztlich um die "Ordnung", die Gott seiner Schöpfung gegeben hat, und es geht um Gottes Gebote. Damit geht es aber um das, was wir von Gott glauben. Glauben wir, dass Gott sich offenbart hat? Dass er klare Weisungen gegeben hat und dass, obwohl im Verlauf der Geschichte seiner Offenbarung einiges davon sich gewandelt hat - wie sich ja auch die Qualität dieser Offenbarung sowie die Adressaten dieser Offenbarung und jener Weisungen geändert haben -, ihre wesentlichen Gehalte zu unserem Heil von Gott erlassen wurde?

 

Oder anders: Glauben wir, dass, was Gott segnet, wahrhaft gesegnet ist? Wenn ja, dann müssen wir aber auch das, was Gott eindeutig verwirft, als verworfen betrachten. Ihm dennoch den Segen Gottes zuzusprechen, ist nichts weniger als eine Lüge, und zwar eine die zugleich Gott der Lüge (oder schlimmerer Dinge) bezichtigt.

Wenn es den Segen Gottes gibt und wenn Gott wahrhaft Person (und nicht bloß eine moralisch gleichgültige "Kraft") ist, dann gibt es für Gott auch die Möglichkeit, etwas nicht zu segnen. Wenn wir uns anmaßen solchem Tun dennoch den "Segen Gottes" zusprechen zu wollen, dann besteht m.E. die ernste Gefahr, dass hier jemand anderes seinen "Zuspruch" gibt, denn Gott ist es sicherlich nicht...

Donnerstag, 8. April 2021

Zum Tod von Hans Küng

R.I.P.



Der Vorsitzende der DBK sagte: „In seinem Wirken als Priester und Wissenschaftler war es Hans Küng ein Anliegen, die Botschaft des Evangeliums verstehbar zu machen und ihr einen Sitz im Leben der Gläubigen zu geben.“ Und er dankte ihm „für sein jahrelanges Engagement als katholischer Theologe in der Vermittlung des Evangeliums“ (hier).

Mal davon abgesehen, dass Hans Küng seit 1979 keine Lehrberechtigung als „katholischer Theologe“ mehr hatte und das Evangelium bestimmt auch ohne die Vermittlung von H. Küng „verstehbar“ ist, seien ein paar Worte über diesen großen Denker verloren, den ich, ganz ehrlich, so gar nicht leiden kann, schon weil zu seinen Grundgedanken die Aufhebung der Transzendenz zählt: Gott ist für ihn nicht ein Gegenüber zur Welt (und so ihr Schöpfer und schließlich Richter), sondern er ist in der Welt, wie Küng in seinem Buch zur „Menschwerdung“ von 1970 ausführt: „Gegen alle biblizistische Berufung auf den biblischen Gott und alle traditionalistische Berufung auf den traditionell-christlichen Gott muss es bleiben bei der nachkopernikanisch-neuzeitlichen Einsicht: Gott in der Welt, Transzendenz in der Immanenz, Jenseitigkeit in der Diesseitigkeit.“ Aber dennoch sei kurz jenen beiden Punkten nachgegangen: War er „katholisch“ und ging es ihm um das „Evangelium“? (Dass ein Bischof Bätzing sich so sehr an Küng anschmiegt, lässt jedenfalls für die Richtung, in die selbiger Bischof die Katholiken in Deutschland zu manövrieren gedenkt, nichts Gutes ahnen.)


War Küng „katholisch“?

Küngs Abfall von der Kirche kam endgültig mit seinem Buch „Unfehlbar?“ (ebenfalls 1970), das ironischerweise auch seinen vielleicht prominentesten Irrtum (methodisch wie inhaltlich) darstellt: Küng bestreitet die Unfehlbarkeit der Kirche insgesamt sowie des obersten Lehramtes im Besonderen, indem er auf Dogmen verweist, die seiner Ansicht nach falsch sind; dieser Selbstwiderspruch zeige ihm zufolge, dass es diese Unfehlbarkeit nicht geben könne. Und zwar dient ihm als Beweis für „falsche Dogmen“ ausgerechnet die Enzyklika Humanae Vitae. Die darin enthaltene Lehre sei ein Dogma und sie sei offenkundig falsch. Nur leider unterlässt es Küng, zu zeigen, warum HV seiner Ansicht nach falsch sein soll, er setzt deren Falschheit einfach als etwas Selbstverständliches voraus (siehe dagegen die beiden Sammelbände von Janet E. Smith „Why Humanae Vitae Was Right“ [1993] und „Why Humanae Vitae Is Still Right“ [2018]). Selbst ein Karl Rahner ließ an Küngs These zur Unfehlbarkeit kein gutes Haar und wies nach, dass Küng im Grunde die ganze kirchliche Lehtradition mindestens der letzten 500 Jahre ablehnt und sich somit auch jeder Grundlage eines innerkatholischen Dialogs beraubt hat (in dem Sammelband „Zum Problem Unfehlbarkeit“). Alles Bemühen um Verständigung und Frieden zwischen Konfessionen und Relgionen ist am Ende eine Lüge, wenn es auf Kosten der Wahrheit geht.


Ging es Küng um das Evangelium?

Hans Küng ging es immer um die Menschen, um Frieden und Gerechtigkeit… alles überaus löblich, und er gilt zurecht als einer der einflussreichsten Denker der letzten Jahrzehnte. Aber Küng ging es nicht um „die Botschaft des Evangeliums“. Ihm ging es bestenfalls um seine verkorkste Version dieser Botschaft, und die ist eines sicher nicht: katholisch. Jedenfalls stellt er in seinem Bestseller „Christ sein“ (1974) unübersehbar zur schau, dass es ihm gänzlich egal ist, was die Kirche lehrt, er ist v.a. sich selbst und seinen mal mehr, mal weniger diffusen Ideen treu. (Wiederum Karl Rahner bemerkte übrigens zu dem Buch, dass Küng darin gedanklich die letzten paar Jahrhunderte wohl verschlafen hat...). Für ihn ist Jesus einmalig, unersetzbar, eintzigartig als Vorbild für uns Heutige. Jesus, so Küng an anderer Stelle, ging es sowieso eigentlich nicht um „Religion“... und wäre es ihm um eine solche gegangen, dann jedenfalls eine „priesterlose“. Viel mehr als ein Vorbild ist dieser Jesus dann doch nicht… „Sprecher“ Gottes, sein „Sachwalter“ hat er ihn genannt. Hans Küng kann Jesus sogar als „Gottes Wort, Wille, Sohn“ bezeichnen, jedoch meint Küng damit die Funktion die Jesus in seinem Leben, Reden und Tun ausgeführt hat, nicht ihn selbst als Person. Auf die unausweichlich klare Frage, ob Jesus Christus in dem Sinne Gott ist, dass ihm auch (göttliche) Anbetung im strengen Sinne gebührt – der Lackmustest für eine authentische Christologie, denn wäre Christus weniger als Gott, wäre seine Anbetung Götzendienst –, weiß Hans Küng nichts zu antworten. Für ihn gibt es eigentlich keine Heilsgeschichte, es gibt nur eine Aufklärungsgeschichte, denn „Heil“ würde „Unheil“ (Sünde) voraussetzen und sogar die Möglichkeit des Verlorengehens – das darf nach Küng aber nicht sein, gleichwohl es in der Predigt Jesu breiten Raum einnimmt.



Ein Wort zu seinem literarischen Nachlass: Ich kenne zahlreiche Personen, die anhand von Büchern aus der Feder Joseph Ratzingers (wieder) zur Kirche gefunden haben. Ob das seine „Einführung“ ist, seine ersten beiden Interviewbücher mit Peter Seewald, seine Jesus-Trilogie oder seine Meditationen. Ratzinger weiß das Christliche authentisch darzustellen, Faszination und Neugierde zu wecken. Hans Küng begeistert niemanden für Jesus, seine Schriften führen nur weg von ihm, mehr als ein Gutmenschentum findet man bei ihm nicht. Ermutigend für mich ist es daher, dass das Interesse an Küngs Büchern bereits sehr deutlich geschwunden ist. Am Ende ist es doch immer wieder nur das Selbe. Seine „Sämtlichen Werke“, die der Herder-Verlag in 24 Bänden herausgibt, sind, wie ich aus internen Quellen weiß, mit eine der am schlechtesten laufenden Reihen, die der Verlag aktuell zu bieten hat (mit Abstand am besten laufen übrigens die Gesammelten Werke Ratzingers!). Was der Verlag da an Exemplaren absetzt, reicht gerade mal um die wissenschaftlichen Bibliotheken zu bestücken, die diese Bände brauchen, darüber hinaus kauft kaum jemand diese Bücher (sie sind überdies auch als Objekte von eher minderwertiger Qualität, aber das nur am Rande).


In seinem Werk „Damit die Welt glaube“ (1962) zitierte Hans Küng einmal den überaus bedeutenden Kirchenschriftsteller Origenes (gest. 254) mit diesen Worten:

»Ich möchte ein Mann der Kirche sein und nicht nach irgendeinem Gründer einer Häresie, sondern nach Christi Namen benannt werden und diesen Namen tragen, der auf Erden benedeit ist. Und es ist mein Begehren so der Tat als dem Geiste nach ein Christ genannt zu werden. Wenn ich, der ich deine rechte Hand zu sein scheine, der ich den Priesternamen trage und das Wort Gottes zu verkünden habe, etwa gegen die kirchliche Lehre und die Regel des Evangeliums verstieße, so dass ich dir, Kirche, zum Ärgernis würde, so möge mich die gesamte Kirche in einhelligem Beschluss, mich, ihre Rechte, abhauen und von sich werfen.«

Hätte er sich dies zu Herzen genommen, wäre er vermutlich einer der wichtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts und für die ganze Kirche sicherlich bedeutsam geworden... Die Kirche hat ihren Part erfüllt (und sie müsste es noch viel häufiger tun).

Franziskus an die deutschen Katholiken 3

Siehe Teil 1 und Teil 2 dieser kleinen Serie: hier und hier.

 

Anbetung ist, noch vor Lobpreiskonzerten und eucharistischer Anbetung, ein Grundzug christlicher Lebensgestaltung, der Reife und Übung im geistlichen Leben erfordert. Im Kern geht es gleichermaßen um Staunen und Gehorsam, in einem Wort: Unterwerfung unter den Thron Gottes – nicht wir bestimmen, sondern der Herr. Ist dies nicht gegeben, dann fällt der Mensch ins Gegenteil, nämlich indem er sich selbst, menschliche Erkenntnis oder irgendwelche anderen Götzen anbetet - selbst wenn er behauptet, dies nicht zu tun. Am Hochfest der Erscheinung des Herrn dieses Jahres hat Papst Franziskus das schön ins Wort gebracht:

»Die Anbetung erfordert eine gewisse geistliche Reife, man gelangt an dieses Ziel nach einer inneren, manchmal langen Reise. Die Haltung der Anbetung entsteht nicht einfach so in uns. Ja, der Mensch braucht Anbetung, aber er läuft dabei Gefahr, dass sie auf das Falsche gerichtet ist. Wenn er nämlich nicht Gott anbetet, wird er Götzen anbeten – es gibt keinen Mittelweg: entweder Gott oder die Götzen; oder um es mit den Worten eines französischen Schriftstellers zu sagen: „Wer Gott nicht anbetet, betet den Teufel an“ (Léon Bloy) –, und so wird er statt zu einem Gläubigen zu einem Götzendiener. Das ist so: entweder – oder.« (hier)


Der Papst will mit seinem Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" aus dem Jahr 2019 (hier) das in den Fokus rücken, was man hierzulande seit einem halben Jahrhundert zu ignorieren trachtet, und was man erst in den letzten paar Jahren zögerlich, oft auch nur dem Begriff nach (aber dann ohne Inhalt), anzunehmen beginnt: Evangelisierung. Wir sollen unsere bürokratischen Lasten und ideologischen Scharmützel zugunsten der Freiheit des Evangeliums loswerden um frei zu sein, „frei zur Evangelisierung und zum Zeugnis“ (Nr. 12). Franziskus bringt diese prioritäre Ausrichtung des christlichen Tuns ausdrücklich (siehe Fußnote 43) in Verbindung mit dem, was Romano Guardini vor vielen Jahren als „Anbetung“ beschrieb.

Wie schon in den letzten beiden Teilen dieser Miniserie, meine ich, dass der Papst sehr bewusst eine kleine Auswahl vorzüglicher katholischer Literatur in seine Fußnoten gesetzt hat, um uns Orientierung zu bieten. Also schauen wir doch mal bei Guardini rein um genauer zu sehen, was uns Papst Franziskus sagen will. Wie schon bei den anderen Texten, auf die Franziskus uns in seinem Brief hinweist, so spricht auch Guardini hier sehr deutlich einige Dinge an, die passgenau auf aktuelle Reformbestrebungen in Deutschland anwendbar sind, weil dort genau der falsche Weg gegangen wird. Guardini (Hervorhebungen von mir):

»[D]er Mensch, der Gott anbetet, kann nie vollständig aus der Ordnung kommen. Wer – seiner innersten Gesinnung nach und auch, sobald es dafür zeit ist, wirklich, im lebendigen Akt – Gott anbetet, ist in der Wahrheit behütet. Er mag noch so vieles falsch machen; noch so sehr erschüttert werden und ratlos sein – im Letzten sind die Richtungen und Ordnungen seines Lebens sicher.

Wir tun gut, uns das ganz klar zu machen und danach zu handeln wirklich zu handeln; die Anbetung wirklich zu üben. Das ist kein Vorsatz unter anderen, so wie man etwa sagt: „ich will mein Wort halten“, oder „ich will meine Arbeit richtig tun“. Hier geht es um die Mitte und das Maß des Daseins. Davon, ob in unserem Leben die Anbetung ist, hängt irgendwie alles ab. So oft wir anbeten, geschieht etwas; in uns selbst und um uns her. Die Dinge werden richtig. Wir kommen in die Wahrheit. Der Blick schärft sich. So manches, was uns bedrückte, löst sich. Wir unterscheiden besser zwischen Wichtig und Unwichtig, zwischen Zweck und Mittel, Ziel und Weg. Wir sehen klarer, was gut und was böse ist. Die Verschleierungen, die das tägliche Leben bewirkt, die Verschiebungen und Verfälschungen der Maßstäbe werden wenigstens in etwa zurechtgerückt.

Es ist gesagt worden, wir müßten die Anbetung üben. Das ist wichtig. Nicht warten, bis es uns dazu drängt und sie mit Selbstverständlichkeit aus der Stunde hervorgeht. Das wird selten genug der Fall sein und, wenn wir uns darauf beschränken, immer seltener. Auch die religiösen Dinge müssen geübt werden, wenn sie gedeihen sollen. Gott verlangt die Anbetung, und unsere Seele braucht sie; so müssen wir sie als Pflicht und Dienst vollbringen.

Wenn möglich, wollen wir dazu niederknien. Das Knien ist die Anbetung des Leibes. Darin vollziehen wir die Haltung jener Gestalten mit, in denen sich die Anbetung der Erde ausdrückte, der vierundzwanzig Ältesten... Dann still werden; die Unrast des Körpers und der Seele weg tun; ruhig werden mit unserem ganzen Wesen. Im Augen blick der Anbetung sind wir nur für Gott da, für nichts sonst. Dieses Hinaustreten aus der Bedrängnis des Sorgens und Begehrens, des Wollens und Fürchtens ist selbst schon Anbetung und wirkt innere Wahrheit... Und nun sich sagen: „Gott ist hier. Ich bin vor ihm. So vor ihm, wie die Gestalten der Vision vor dem Throne. Ich sehe ihn nicht, denn alles ist ja noch irdisch und steht in der Verschlossenheit der Zeit; im Glauben weiß ich aber, daß er da ist. Er ist Gott, und ich bin Mensch. Er hat mich geschaffen. Ich bin durch ihn geworden, und in ihm habe ich mein Bestehen ...“ Und nun braucht wohl nicht weitergeschrieben zu werden. Nun muß der, den es angeht, Gott ins Angesicht schauen, seinem Gott, und ihm sagen, was sein Herz aus der Wahrheit des inneren Gegenüberstehens ihm ein gibt.

Dann wird er erfahren, wie groß die Wahrheit der Anbetung, und wie wohltätig sie ist. So manches, was ihn ängstigt, fällt ab. So manche Sorge wird gegenstandslos. Sein Wünschen und Fürchten ordnet sich. Er wird zuversichtlich und kräftig für das, was das Leben von ihm verlangt. Er fühlt sich im Innersten geborgen, und die Mitte seines Wesens gewinnt festen Stand in Gottes Wahrheit. Von da aus tritt er dann wieder in sein Leben hinaus, fähig, in den Erprobungen, die es ihm auferlegt, zu bestehen.

Die Anbetung Gottes mitten in der Verschlossenheit der Zeit hat eine besondere Schönheit. Sie eilt der kommenden Offenheit voraus. Wo immer ein Mensch anbetet, dringt die neue Schöpfung durch. Ist es nicht wunderbar, das zu vermögen? Und ist nicht auch das wunderbar, sich sagen zu dürfen, daß man Gott die Ehre gibt, während er sich selbst in den Schein der Schwachheit bescheidet? Daß man ihm der um der Wahrheit willen es auf sich nimmt, vom Willen des Menschen entehrt zu werden, die Treue hält und bekennt, auch jetzt sei er „würdig, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht“? Es ist vielleicht das Größte, was der Mensch empfinden kann, zu wissen, daß er, der Vergängliche und in der irdischen Wirrnis Verfangene, dem sich bescheidenden Gott gibt, was ihm gebührt. Daß er diesem Gott in seinem Herzen den Thron auf richtet und so für seinen Teil die Dinge richtigstellt.« (Guardini, Glaubenserkenntnis, Würzburg 1949, 14-16)


Welcher Kontrast zum suizidalen Weg, wo das Credo zu lauten scheint: „Dialogprozesse, Diskussionen und Abstimmungen sind geistliche Prozesse“ (vgl. hier). Das Gegenteil der Anbetung Gottes ist die Anbetung der Götzen, hier heißen sie Dialogprozess, Diskussion und Abstimmung.

Samstag, 3. April 2021

Cantalamessa über die Spaltungen in der Kirche

Der Prediger des Päpstlichen Hauses, Kardinal Raniero Cantalamessa (wärmstes zur Lektüre empfohlen sei aus seiner Feder "Komm, Schöpfer Geist - Betrachtungen zum Hymnus Veni Creator Spiritus" und "Die Eucharistie unsere Heiligung") in der gestrigen Karfreitagsliturgie des Papstes (eigene Übersetzung):

 

»Die katholische Brüderlichkeit ist verwundet. Christi Obergewand ist in Stücke zerteilt durch die Spaltungen zwischen den Kirchen. Aber nicht weniger schlimm ist, dass jedes dieser Teile erneut in weitere Teile zerteilt wird.

Was ist die häufigste Ursache für Spaltungen unter den Katholiken? Es ist nicht das Dogma, es sind nicht die Sakramente und die Ämter - alles Dinge, die wir dank der Gnade Gottes unversehrt und einmütig bewahren. Es ist die politische Option, wenn sie die religiöse und kirchliche ablöst und für eine Ideologie eintritt, während sie den Wert und die Pflicht des kirchlichen Gehorsams gänzlich vergisst. Dies ist der wahre Grund der Spaltung in bestimmten Teilen der Welt, auch wenn er verschwiegen oder abfällig verneint wird. Dies bedeutet, dass das Reich dieser Welt im eigenen Herzen wichtiger geworden ist, als das Reich Gottes. 

Ich glaube, dass wir alle dazu aufgerufen sind, in dieser Hinsicht eine ernste Gewissenserforschung zu betreiben und uns zu bekehren. Jene [Spaltung] ist schlechthin das Werk desjenigen, dessen Name "diabolos" ist, d.h. der Spalter, der Feind, der das Unkraut sät, wie Jesus ihn im Gleichnis nennt.« (hier)


Donnerstag, 1. April 2021

Vinzenz von Paul über die ernste Gefahr für die Hirten

Missbrauchende, vertuschende und Irrlehren fördernde oder duldende Priester und Bischöfe aufgepasst! Aus den geistlichen Unterweisungen des hl. Vinzenz von Paul (Nr. 1065):

»Aber, mein Heiland, wenn ein guter Priester Großartiges wirken kann, welchen Schaden macht er, sobald er auf Abwege gerät!
Wer weiß, ob nicht alle Unordnungen, die wir auf der Welt sehen, den Priestem zugeschrieben werden müssen. Dies könnte einigen zum Anstoß gereichen, aber der Gegenstand erfordert es, dass ich durch die Größe des Übels die Wichtigkeit der Heilung aufzeige. Schon viele Konferenzen wurden über diese Frage gehalten und sie ist erschöpfend behandelt worden, um die Quellen so vielen Unheiles aufzudecken. Das Ergebnis aber war, dass die Kirche keine schlimmeren Feinde hat als die Priester. Von ihnen gingen die Häresien aus; Zeugen davon sind die beiden Häupter des Protestantismus, Luther und Calvin, die Priester waren. Durch die Schuld der Priester haben die Protestanten die Oberhand gewonnen, herrscht das Laster und hat die Unwissenheit im armen Volk ihren Thron errichtet. Das geschah infolge ihrer eigenen Ungeordnetheit, und weil sie sich nicht mit allen ihren Kräften, wie es ihre Pflicht gewesen wäre, diesen drei Sturzbächen entgegensetzten, von denen die Erde überflutet wurde.
Sicherlich, mein Herr, haben die Priester unserer Zeit allen Grund, Gottes Urteil zu fürchten; denn außer ihren eigenen Sünden werden sie Gott auch über die des Volkes Rechenschaft ablegen müssen, denn sie haben sich nicht bemüht seiner verletzten Gerechtigkeit für sie Genugtuung zu leisten, so wie sie dazu verpflichtet sind. Was noch schlimmer ist: Gott wird ihnen die Bestrafung der Völker anrechnen, die er über diese kommen lässt; denn sie rühren keinen Finger, um sich den Geißeln, welche die Kirche heimsuchen, entgegenzusetzen: der Pest, dem Krieg, dem Hunger und den Irrlehren, die von allen Seiten die Kirche bedrängen. Sagen wir noch mehr, mein Herr: Der schlechte Lebenswandel der Geistlichen ist schuld an dem ganzen Chaos, wodurch die heilige Braut des Erlösers so tief bedrückt und so stark entstellt wurde, dass sie kaum zu erkennen ist.
Was würden heute diese alten Väter über uns sagen, die sie in ihrer ersten Schönheit gesehen haben, wenn sie die Frevel und Schändungen erblickten, wie wir sie in ihr sehen, sie, die gemeint haben, dass die Zahl der Priester, die gerettet werden, sehr klein wäre, obwohl sie damals in ihrem größten Eifer waren.«

Montag, 29. März 2021

Entmündigte Theologen

Das aktuelle Aufbäumen zahlreicher Theologen gegen die römische Feststellung der immer schon geltenden Lehre bezüglich der Segnung nichtehelicher Verbindungen hat mich einmal mehr zu einem Gedanken zurückgeführt, der mich spätestens seit der Zeit meiner Diplomprüfungen in selbigem Fach immer wieder mal behelligt.

Die Theologen hierzulande, auch die „anständigen“, nicht nur der breite liberale Mainstream, sind bis auf wenige Ausnahmen in erschütternder Weise unfrei. Ich meine jene Freiheit der Kinder Gottes, von der Paulus in Paarung mit der Herrlichkeit spricht (vgl. Röm 8,21), und die zugleich jene Freiheit ist, wegen der wir „umkehren und wie die Kinder werden“ sollen (vgl. Mt 18,3). Gemeint ist die Freiheit des Bekenntnisses zu dem einen wahren Gott in drei Personen, der sich offenbart hat, der uns erlöst hat, der uns in seiner Kirche – insbesondere in den Sakramenten – leiblich, geistig und seelisch nahe ist. Ohne jetzt herablassend klingen zu wollen: Sie tun mir Leid.

Vor kurzem las ich in der Einführung zu einem Sammelband eines namhaften amerikanischen Theologen (den man hierzulande natürlich nicht kennt, weil man sich i.d.R. mit deutschsprachiger Literatur begnügt) das mit völliger Selbstverständlichkeit dargelegte Zeugnis, dass er seine (Jahrzehnte umfassende) theologische Arbeit als einen Teil seines Weges der Jüngerschaft betrachtet und als einen Weg, zu immer größerer Klarheit im Glauben zu gelangen. Von einer winzigen Anzahl abgesehen, kenne ich im deutschen Sprachraum niemanden in dem Fachbereich, der sein Wirken auch nur annähernd so zu charakterisieren in der Lage wäre – schon gar nicht öffentlich.

Soetwas tut man nicht. Das steht einem Theologen nicht gut an, denn das ist nicht „wissenschaftlich“. Nein, Theologie muss „wissenschaftlich“ sein (fatal, dass wir sprachlich nicht so schön wie im Englischen zwischen science und humanities unterscheiden können!), daher darf sie keinen freimütigen Bekenntnischarakter haben – noch nicht mal im Vorwort. Das ist keine Selbstzensur, es ist geradezu eine organisch vorgegebene Notwendigkeit, dass dies nicht geht.

Den Grund für diese Unfreiheit – die übrigens das genaue Gegenteil christlicher (erlöster) Gelassenheit ist – vermute ich in der seit Jahrzehnten alles Theologietreiben durchsäuernden Indeologisierung. In dem krankhaften Bestreben sich „wissenschaftlich“ zu geben, hat man die eigene wissenschaftliche Grundlage (= die Wahrheit der biblischen Offenbarung, wie sie vom authentischen Lehramt verbindlich vorgelegt wird, vgl. Dei verbum 10) aufgegeben, mit dem Ergebnis, dass nur noch Ideologie in Reinform übrig geblieben ist, deren Fachvertreter sich nun vorrangig mit anderen (gesellschaftlich relevanten) Wissensgebieten (stets ideologisch voreingenommen) beschäftigen müssen, um noch zumindest das Gefühl einer Daseinsberechtigung zu erzeugen. Soziologie, Psychologie, Marketing, Politik...

Vor allem aber dies schmerzt: Von einer lebendigen und heilig(end)en Liebe zu Jesus Christus und seiner Kirche ist weit und breit nichts zu spüren – überhaupt nichts.

Und selbst diejenigen, die ich als „anständige“ Theologen bezeichnet habe, betreiben zwar tatsächlich Theologie mit der ihr zukommenden wissenschaftlichen Grundlage (darum sind sie keine Häretiker), aber selbst diese Theologen gelangen nur in seltenen Ausnahmefällen zu jener Gelassenheit und Freiheit, dass sie sich freimütig zu dem, was sie beschreiben, erklären und verteidigen, bekennen können. Und noch seltener geschieht dies in einer Sprache, die inspiriert und wiederum andere zum Bekenntnis ermutigt.

Natürlich ist das religiöse und gesellschaftliche Umfeld hierzulande ein ganz anderes als in den USA, wo es sehr viel mehr Fluktuationen im religiösen Leben gibt und die US-amerikanische Zivilreligion das religiöse Bekenntnis konstant im öffentlichen Raum präsent hält. Nichts desto trotz halte ich diese Freimütigkeit, die begeistert, für genuin christlich und nötig. Andernfalls wird die Theologie nur noch bedeutungs- und v.a. fruchtloser, als sie es ohnehin schon längst ist (was aber die Herren und Damen Theologen zumeist noch nicht bemerkt haben, weil sie zu sehr mit sich selbst befasst sind).

Das gleiche Phänomen gibt es auch bei den Bischöfen zu beobachten. Bei denen ist es nochmal deutlicher, dass die übergroße Mehrheit unserer Hirten alles Mögliche sind (Bürokraten, Technokraten, Politiker etc.), aber sie sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Zeugen für Christus. Alle salbungsvolle Rede dieser Welt kann nicht das kürzeste Bekenntnis (Jesus Christus ist der Herr!) ersetzen.

So durch ihr eigenes Tun der christlichen Freiheit beraubt, sind sie wahrhaft entmündigte Christen, sie sind faktisch nicht zum Bekenntnis in der Lage, ihr Berufsethos (wie sie es verstehen) steht dem im Wege.

Sehr schade.

Donnerstag, 25. März 2021

Pflichten eines Bischofs

Da wir aktuell beobachten müssen, wie Bischöfe sich ganz offen gegen Rom positionieren und ihren Ungehorsam medial verbreiten, seien hier einige Stellen aus dem "Direktorium für den Hirtendienst der Bischöfe" (2004) wiedergegeben (mit in der aktuellen Lage relevanten Hervorhebungen von mir):


»Im Bewusstsein seiner Verantwortung für die Einheit der Kirche und unter Berücksichtigung der Tatsache, mit welcher Leichtigkeit heute jede Erklärung breiten Kreisen der öffentlichen Meinung bekannt wird, soll sich der Bischof davor hüten, Gesichtspunkte der Lehre des authentischen Lehramtes oder der Ordnung der Kirche in Frage zu stellen, um weder der Autorität der Kirche noch seiner eigenen Autorität Schaden zuzufügen« (13).

 

»Als Konsequenz seiner Bischofsweihe, der hierarchischen Gemeinschaft und seiner Zugehörigkeit zum Bischofskollegium sowie als Zeichen der Einheit mit Jesus Christus soll der Bischof der Gemeinschaft der Liebe und des Gehorsams mit dem Papst höchste Rechnung tragen und diese von Herzen fördern, indem er sich dessen Absichten, Initiativen, Freuden und Sorgen zu eigen macht und indem er auch in den Gläubigen die selben kindlichen Gefühle fördert.

Der Bischof soll getreu die Anordnungen des Heiligen Stuhls sowie der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie ausführen, die dem Papst bei seiner Sendung des Dienstes an den Teilkirchen und ihren Hirten helfen. Er soll zudem dafür sorgen, dass die Dokumente des Heiligen Stuhls zeitnah den Priestern oder, je nachdem, dem gesamten Volk Gottes zur Kenntnis gelangen, wobei er in geeigneter Weise deren Gehalt erläutern soll, um ihn so für alle verständlich zu machen.« (14)


»Christus, der „gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8), und dessen Speise es war, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34), steht dem Bischof beständig vor Augen als das höchste Vorbild jenes Gehorsams, der die Ursache unserer Rechtfertigung war (vgl. Röm 5,19).

Indem er sich Christus gleichförmig macht, leistet der Bischof einen hervorragenden Dienst für die Einheit und die Gemeinschaft der Kirche, und mit seinem Verhalten zeigt er, dass in der Kirche gerechterweise niemand den anderen befehlen kann, wenn er sich nicht zuvor anbietet als Vorbild des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes und der Autorität der Kirche.« (43)


»Im Bewusstsein, dass er in der Teilkirche der Leiter des gesamten Dienstes am Wort Gottes ist, und dass er das Amt eines Boten des Glaubens, des authentischen Lehrers und des Zeugen der göttlichen und katholischen Wahrheit empfangen hat, muss der Bischof seine intellektuelle Bildung vertiefen durch persönliches Studium und durch ein ernsthaftes Bemühen, sich über die kulturellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Tatsächlich muss es der Bischof nämlich verstehen, die Strömungen des Denkens sowie die anthropologischen und wissenschaftlichen Richtungen unserer Zeit aufzunehmen und zu bewerten, um sie unterscheiden zu können und um auf die neuen Fragestellungen, die aus der Gesellschaft erwachsen, im Licht des Wortes Gottes und in Treue zur Lehre und zur Ordnung der Kirche antworten zu können.

Die theologische Fortbildung ist für den Bischof notwendig, um den unauslotbaren Reichtum des geoffenbarten Geheimnisses vertiefen und bewahren, um die Glaubensüberlieferung getreu darlegen zu können und um zu den Theologen eine Beziehung der respektvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit pflegen zu können. […] Eine theologische Kenntnis auf der Höhe der Zeit wird es dem Bischof auch erlauben, darüber zu wachen, dass die verschiedenen theologischen Vorschläge, die vorgetragen werden, mit dem Inhalt der Überlieferung übereinstimmen, und alle Widersprüche und Abweichungen von der gesunden Lehre zurückzuweisen.« (52)


Der Bischof »darf […] keine Einschränkung seiner apostolischen Freiheit für die öffentliche Verkündigung des Evangeliums sowie der moralischen und religiösen Grundsätze, auch in gesellschaftlichen Fragen, erlauben. So wie er bereit ist, das Engagement und den wirklichen sozialen Fortschritt zu loben, so soll er anderseits auch bereit sein, jede öffentliche Beleidigung des göttlichen Gesetzes und der menschlichen Würde zu verurteilen«. (117)


»Es ist auch Aufgabe des Bischofs, immer und überall die moralischen Grundsätze der gesellschaftlichen Ordnung zu verkünden, und so die authentische Befreiung des Menschen anzukündigen, die durch die Menschwerdung des Wortes in die Welt gebracht wurde. Wenn es die Rechte der menschlichen Person oder das Heil der Seelen erfordern, ist es seine Pflicht, ein in der Offenbarung begründetes Urteil über die konkrete Wirklichkeit des menschlichen Lebens abzugeben: Insbesondere, was den Wert des Lebens anbelangt, die Bedeutung der Freiheit, die Einheit und die Beständigkeit der Familie, die Erzeugung und die Erziehung der Kinder, […].

Der Bischof soll es nicht unterlassen, seinen Gläubigen die Lehren und die Hinweise zu übermitteln, die er vom Heiligen Stuhl empfängt.« (120)

 

Die Bischöfe, die diesen Aufgaben nicht nachkommen, insbesondere diejenigen, die gerade das genaue Gegenteil davon tun, indem sie gegen die Lehre der Kirche wettern und ihre Änderung ("Weiterentwicklung") verlangen, sollten sich dringend eine Auszeit zur Besinnung nehmen, oder den Papst schleunigst um Entpflichtung bitten. Sie sind, bei allem gebotenen Respekt, für das ihnen übertragene Amt nicht hinnehmbar.

Mittwoch, 24. März 2021

Homosexualität und Kontrazeption

Ein kleiner Hinweis, weil das in der Diskussion wenig gesehen wird: Die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Sexualität hängt nicht unwesentlich mit der Akzeptanz künstlicher Empfängisverhütung zusammen.

Ein zentraler Punkt, der ausgelebte gleichgeschlechtlicher Sexualität aus biblisch-katholischer Perspektive als sündhaft qualifiziert, ist die solchen Akten grundsätzlich innewohnende Unmöglichkeit der Fortpflanzung, die als Kernaspekt des Geschlechtsaktes angesehen wird. Das exakt gleiche Kriterium erfordert nun aber auch die Ablehnung künstlicher Empfängnisverhütung.

Andersherum bedeutet dies: Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Sexualität als legitim folgt notwendig aus einer Anerkennung künstlicher Empfängnisverhütung. Wer Humanae vitae ablehnt, der wird konsequenterweise auch die römische Absage von Segnungen gleichgeschlechtlicher Verbindungen ablehnen; wer HV annimmt, muss auch Letzteres annehmen. Sehr anschaulich hat diesen wichtigen Zusammenhang der frühere anglikanische Primas Rowan Williams in einer bedeutenden, im anglikanischen Raum bis heute vielfach beachteten, Ansprache im Jahr 1989 mit dem Titel "The Body’s Grace" (z.B. hier zu finden) ins Wort gebracht:

»In fact, of course, in a church which accepts the legitimacy of contraception, the absolute condemnation of same-sex relations of intimacy must rely either on an abstract fundamentalist deployment of a number of very ambiguous texts, or on a problematic and non-scriptural theory about natural complementarity, applied narrowly and crudely to physical differentiation without regard to psychological structures.«

Zu Deutsch: Wenn künstliche Empfängnisverhütung kirchlicherseits akzeptiert ist, dann muss man auch gleichgeschlechtliche Sexualität akzeptieren; alles andere wäre inkonsequent und heuschlerich.

Wie gut, dass die katholische Kirche die künstliche Empfängnisverhütung genauso als sündhaft ablehnt, wie sie dies mit gleichgeschlechtlicher Sexualität tut. Diese letztere Ablehnung ist also durchaus konsequent. Die Wut, die sich heute über Rom ergießt, ist die selbe, sie sich 1968 ergossen hat... Eigentlich reden wir in beiden Fällen über ein und das selbe Thema, nur die Akteure sind heute andere.


Übrigens kann man den durchschalgenden evangelisierenden "Erfolg" der alles und jeden segnenden Anglikaner statistisch nachweisen, wie z.B. hier mit Daten aus dem Jahr 2019: 

»The report, published by the National Centre for Social Research, on Thursday of last week, found that only 12 per cent of respondents would describe themselves as “belonging to the Church of England [or the Church in Wales and Scottish Episcopal Church]”. This figure is down from 14 per cent last year, 22 per cent in 2008, and 40 per cent in 1983, when the survey was first run.
Among 18- to 24-year-olds, just one per cent said that they belonged to the Church...«

 

Die Anhänger der britischen Staatsreligion sind in ihrem eigenen Staat (und anderswo) faktisch eine sehr schnell aussterbende Gruppe... Aber zum Glück "diskriminieren" sie während ihres Aussterbens niemanden, und sie stellen es jedem frei, sich als gesunder Mensch mit technischen Mitteln in einen für sie krankhaften Zustand zu versetzen, nämlich den der Unfruchtbarkeit... juhu?



ceterum censeo: Paul VI. hatte recht (KLICKMICH).