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Donnerstag, 21. Juli 2022

Römische Warnung vor Häresie und Schisma

 »Zur Wahrung der Freiheit des Volkes Gottes und der Ausübung des bischöflichen Amtes erscheint es notwendig klarzustellen: Der „Synodale Weg“ in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten.« (HIER)


 

Lassen wir einmal beiseite, dass bereits die Kongregation für die Glaubenslehre, die Kongregation für die Bischöfe und der Päpstliche Rat für die Interpretation der Gesetzestexte – alles gewissermaßen Verlautbarungsorgane des Papstes – in den vergangenen Jahren bereits ziemlich heftige Kritik am suizidalen Weg geübt, bzw. diesen für schlicht ungültig erklärt haben. Und lassen wir auch die schallenden Ohrfeigen der polnischen, nordischen sowie zahlreicher amerikanischer und afrikanischer und weiterer einzelner Bischöfe der Weltkirche beiseite. Auch der gleich zu Beginn eingegangene Brief des Papstes an das pilgernde Volk Gottes hierzulande – der brav lächelnd ignoriert wurde – und die päpstliche Mahnung an Bätzing persönlich, keine zweite Evangelische Kirche aufzumachen, seien mal beiseite gelassen. Das alles zu ignorieren und unbeirrt weiter zu trotten ist schon ein Kunststück für sich.

Aber wie wird man nun mit dieser „Erklärung des Heiligen Stuhls“ umgehen? Wie sieht die mediale Exegese eines so schlimmen Textes aus? Wie wird man es drehen, um unbeirrt weitermachen zu können? (Wichtige Schlagworte in fett.)

Man wird zunächst den letzten Satz hervorheben: 

»Daher ist es wünschenswert, dass die Vorschläge des Weges der Teilkirchen in Deutschland in den synodalen Prozess, auf dem die Universalkirche unterwegs ist, einfließen mögen, um zur gegenseitigen Bereicherung beizutragen und ein Zeugnis der Einheit zu geben, mit welcher der Leib der Kirche seine Treue zu Christus, dem Herrn, bekundet.«

Rom, so sagt man dann, will dass wir unsere tollen Ideen als unseren Beitrag zum weltweiten synodalen Prozess einfließen lassen, und oh guck mal: das wird der Bereicherung des Ganzen dienen! Rom betrachtet also unsere deutschen Anliegen in Wahrheit als Bereicherung! Toll!
Dass dieser letzte Satz wohl eher eine nette Floskel ist, in dem Wissen, dass die deutschen Ideen dann begraben werden, will man sich lieber nicht eingestehen.

 

Daran anschließend wird man  auf den folgenden Halbsatz abheben: 

»Es wäre nicht zulässig, in den Diözesen vor einer auf Ebene der Universalkirche abgestimmten Übereinkunft neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen…«

Das wird man syntaktisch etwas umstellen und sagen: Jaja, wir sollen die angestrebten Änderungen nicht einführen, bevor nicht auf weltkirchlicher Ebene darüber gesprochen wurde. Also will Rom damit nur sagen, dass wir uns ein wenig gedulden sollen, bis auch die Weltkirche unsere Ideen übernimmt, nachdem wir sie zur Bereicherung der ganzen Weltkirche haben einfließen lassen haben.

Was man tunlichst unterschlagen wird, ist der zweite Teil dieses Satzes: 

»… neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen, welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden.«

Dazu wird man nichts zu sagen wissen, außer zu beteuern, dass Rom noch immer nicht „verstanden“ hat, was man hierzulande will. (Das Zitat aus Franziskus‘ Brief wird man genauso ignorieren wie den Brief selbst.) Aber in Wahrheit offenbart dieser Halbsatz, dass man sich in Rom durchaus der Gefahr und des Ernstes bewusst ist. Und genau daran sieht man auch, dass die Rede von der Bereicherung eine nette Floskel ist, denn als Kriterium für diese Bereicherung wird die Förderung der Einheit genannt, die den deutschen Ideen aber gerade (zu Recht) abgesprochen wird.

 

Der unbedarfte Leser merkt es schnell: Die Verlautbarung ist eine deutliche Warnung vor Häresie („neue Ausrichtungen der Lehre und der Moral“) und Schisma („neue Formen der Leitung“).

Die Suizidalen deuten es anders: Weiter geht es, wie gehabt. Ja, sogar bestärkt: Lasst uns die Weltkirche mit unseren tollen Ideen bereichern!

 

Vielleicht irre ich mich auch, vielleicht unterlässt man solche Exegese ganz und tut einfach so, als wäre nichts gewesen... oder, Möglichkeit drei, man echauffiert sich ins Delirium, schreit und trampelt wie ein kleines bockiges Kind und brüllt: „Jetzt erst recht!“

Und da kommt dann doch wieder das Zitat aus Franziskus' Brief ins Spiel, denn auf diesem Weg wird die Kirche in Deutschland „sich schwächen, verderben und sterben“. (Quizfrage: Warum ist ausgerechnet diese heftigste Formulierung des ganzen Briefes in der Verlautbarung wiedergeben? Vermutlich nicht aus Wertschätzung für den suizidalen Weg...)

 

Eine Sache noch: Es steht in der Verlautbarung zwar nichts dazu drin, aber ich finde es doch sehr passend, dass ausgerechnet heute, am Tag der Veröffentlichung dieser krassen Verlautbarung, der Gedenktag des heiligen Kirchenlehrers Laurentius von Brindisi († 1619) ist, dessen Lebenswerk (ähnlich wie bei Petrus Canisius) der Kampf gegen Häresie und Schisma war. Man siehe dazu sein Werk Lutheranismi Hypotyposis, seit 2019 in einer deutschen Übersetzung (auszugsweise) vorliegend: Daniel Otto (Hg.), Des heiligen Kirchenlehrers Laurentius von Brindisi kritische Darstellung des Luthertums.

Der suizidale Weg wird bekanntlich mit dem Thema Missbrauch (und dessen Vertuschung) gerechtfertigt. Soetwas ist nicht neu, schon immer wurde ein Schisma mit angeblichen oder tatsächlichen Missständen gerechtfertigt. Aber Missstände rechtfertigen nie ein Schisma (oder eine Häresie). Laurentius dazu:

»Freilich waren alle Urheber von Schismen – wie in der Geschichte der Kirche und bei den heiligen Vätern nur allzu bekannt ist – gewohnt, Missbräuche der Kirche vorzuschützen, um ihre schändliche Sache als ehrenvoll darzustellen. Core, Dathan und Abiron, die gegen Moses und Aaron einen Aufruhr im Volk und kein geringes Schisma erregt hatten, haben versucht, Hochmut sowie angemaßte Autorität und Herrschaft jener heiligen Führer als Grund vorzuschützen. Aber Gott konnten sie nicht im Geringsten täuschen, noch konnten sie dem Zorn Gottes und seinem allgerechten und von furchterregender Strenge erfüllten Urteil entgehen […].
In der Zeit der Könige Joathan und Achaz von Juda gab es, wie Isaias (vgl. Jes 1,1), Amos (vgl. Am 1,1), Oseas (vgl. Hos 1,1), Michäas (vgl. Mi 1,1) und andere vom Geist Gottes erfüllte Männer weissagten, sehr große Missstände im Volke Gottes. Diese benennt und kritisiert Isaias im Namen Gottes am Anfang seiner Offenbarungen, gleichsam in der Person Gottes: [Es folgen ausführliche Zitate von Jes 1,2-6.9-11.15.21-23]. Diese und viele andere sehr große Missstände stellt Isaias im Volke Gottes fest, und dennoch glaubte weder er noch ein anderer von seinen Propheten zur nämlichen Zeit, solche Missbräuche seien zwingende Gründe für ein Schisma.
Der hl. Cyprian zeigt in seinem Kommentar, den er über die Gefallenen geschrieben hat, dass zu seiner Zeit, vor der decischen Verfolgung, die Lebenskraft der christlichen Disziplin in der Kirche ganz geschwächt und verdorben gewesen war. Und nicht nur das Volk der Christgläubigen, auch die Bischöfe hätten wahrhaft unter kaum geringfügigeren Lastern gelitten, und die heruntergekommenen Sitten der Christen wären zum Anlass der grausamen Verfolgung der Kirche unter Kaiser Decius geworden, gemäß jenem Psalmwort: „Wenn sie mein Gesetz verlassen und nicht nach meinen Rechten wandeln, wenn sie meine Satzungen entheiligen und meine Gebote nicht halten, so werde ich ihre Vergehen mit der Rute heimsuchen, und mit Schlägen ihre Sünden“ (Ps 88,31-33). Und dennoch erregte Cyprian, ein höchst heiliger und gelehrter Mann, ob solcher Missbräuche kein Schisma; sondern Novatian, ein verruchter Priester, war unter dem Vorwand der verdorbenen kirchlichen Disziplin Urheber eines großen Schismas und erschütterte viele in der Kirche.
Und es ist gewiss bemerkenswert, dass wir niemals lesen, ein rechtgläubiger, in Lehre und Heiligkeit bewährter Vater habe wegen irgendwelcher Missbräuche irgendein Schisma im christlichen Volk erregt.« (a.a.O. 241-243)

Dienstag, 26. April 2022

Feinde auch im Inneren der Kirche

»Der Herr hat uns gesagt, daß die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt. [...] Unter dem Neuen, das wir heute in dieser Botschaft entdecken können, ist auch die Tatsache, daß die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von außen kommen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche. Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, daß sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen; daß sie einerseits zu vergeben lernt, aber auch die Notwendigkeit der Gerechtigkeit sieht; denn Vergebung ersetzt die Gerechtigkeit nicht. Mit einem Wort, wir müssen gerade das Wesentliche neu lernen: die Umkehr, das Gebet, die Buße und die göttlichen Tugenden. So antworten wir. Seien wir realistisch darauf gefaßt, daß das Böse immer angreift, von innen und von außen, aber daß auch die Kräfte des Guten immer gegenwärtig sind und daß letztendlich der Herr stärker ist als das Böse.«

Benedikt XVI. am 11. Mai 2010 auf den Flug nach Portugal (HIER nachlesbar).

Donnerstag, 3. Februar 2022

#OutInChurch ist ein schlechter Witz

"Das größte Coming-Out in der Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland"... WOW! 125 an der Zahl! Imposant!

 

Ähäm: die Kirche ist der größte Arbeitgeber in Deutschland und unter den 125 befinden sich, entgegen manch bewusst unklarer Darstellung in vielen (auch kirchlichen) Medien, die von "Mitarbeitenden" sprechen, nicht nur hauptamtlich bei der Kirche Beschäftigte, sondern auch "nur" ehrenamtlich Engagierte und Theologiestudenten.

Von diesen 125 sind 31, also ein Viertel, anonym (auf dem Bild nicht erkennbar und ohne vollen Namen). Ein anonymes Outing im Internet ist überhaupt kein Outing, es ist nur eine anonyme Behauptung im Internet.

Ich kenne drei der Personen auf der Liste persönlich und schon seit Jahren (logischerweise von von verbliebenen nicht-anonymen), und bei zweien davon wusste jeder in deren studentischen, beruflichen und privaten Umfeld, was Sache ist. Auch das qualifiziert nicht als Outing, man nennt es eine Medienkampagne. 

Aus dem selben Grund weiß ich, dass die achso Mutigen in der übergroßen Mehrheit durch ihr "Outing" tatsächlich gar nichts zu befürchten haben.


Außerdem wird diese Aktion insbesondere einen Effekt haben: Die meisten "Normalos" außerhalb der Kirche, mit denen die "geouteten" offenbar wenig zutun haben, betrachten die katholishen Priester ohnehin als einen Haufen von "Homos und Pädos"; da in der Berichterstattung sehr darauf abgehoben wird, dass unter den "Geouteten" auch Priester sind, tut die Aktion nichts weiter, als dieses bescheuerte Vorurteil zu bestätigen (der Pädo-Teil ist durch den Missbrauchsskandal schon abgedeckt). Na schönen Dank!


Zu schlechter Letzt dient diese Aktion ganz bewusst auch dazu, den Mythos zu verstärken, wonach die Kirche Homosexualität an sich als Sünde betrachtet, und nicht etwa nur die homosexuellen Akte (wie jede außerehelich praktizierte Sexualität). Das ganze ist ein durchdachtes Stufenmodell, das über Desinformation und ansteigende Forderungen funktioniert.

Das Ziel ist klar und durchsichtig: Es geht gar nicht darum, dass Homosexuellen der Respekt entgegen gebracht wird, der ihnen als Menschen und als Getauften zukommt (was tatsächlich häufig nicht geschieht und auch einen Verstoß gegen die katholische Moral darstellt!), denn offenkundig haben die "Geouteten", das wird aus allen Wortmeldungen deutlich, keinerlei Interesse, ihr Leben gemäß der kirchlichen Morallehre zu gestalten (vgl. HIER meine Gedanken zum Thema "Keuschheit"). Vielmehr geht es darum, dass praktizierte gleichgeschlechtliche Sexualität nicht mehr als Sünde betrachtet, sondern als legitim anerkannt wird. Der nächste Schritt ist dann (das weiß ich von denen, die ich von den 125 kenne), die gleichgeschlechtlichen Verbindungen ganz offiziell segnen lassen zu können, und schließlich ist das Ziel ihre, wie es heißt, "sakramentale Anerkennung" (was in sich schon sakramententheologischer Unfug der Extraklasse ist).

 

Bischöfe und andere, die sich damit solidarisieren, bemerken das entweder nicht, oder sie nehmen es in Kauf, oder sie unterstützen es selbst bis zum Letzten. Tja.

Mittwoch, 14. April 2021

Kein Nebenschauplatz

Ein Gedankenexperiment:

In seiner Offenbarung an die Menschen sagt Gott kategorisch und ohne Ausnahmen zuzulassen: Wer die Handlung X tut, der ist des Todes würdig, er kann nicht Erbe meines Heils sein.

Bestimmte Kirchenleute sagen: Wir möchten der Handlung X den Segen Gottes zusprechen.

Wie kann man etwas segnen, was Gott definitiv (nach allem, was er uns offenbart hat) nicht segnet, sondern eindeutig verwirft? Macht man Gott damit nicht zum "Diener der Sünde" (Gal 2,17)?


Von den beiden großen evangelischen Theologen Adolf von Harnack (1851-1930, "liberal") und Adolf Schlatter (1852-1938, "konservativ"), wird erzählt, dass Harnack einmal vor Fakultätsangehörigen erklärt habe: "Vom Kollegen Schlatter unterscheidet mich nur die Wunderfrage!" (sprich: ob Wunder real sind, oder nicht), daraufhin habe Schlatter dazwischengerufen: "Nein, die Gottesfrage!"

Also: Wie bei der Frage nach der Realität von Wundern, so geht es auch bei der frage der Segnung homosexueller Akte nicht um etwas Nebensächliches, sondern letztlich um die "Ordnung", die Gott seiner Schöpfung gegeben hat, und es geht um Gottes Gebote. Damit geht es aber um das, was wir von Gott glauben. Glauben wir, dass Gott sich offenbart hat? Dass er klare Weisungen gegeben hat und dass, obwohl im Verlauf der Geschichte seiner Offenbarung einiges davon sich gewandelt hat - wie sich ja auch die Qualität dieser Offenbarung sowie die Adressaten dieser Offenbarung und jener Weisungen geändert haben -, ihre wesentlichen Gehalte zu unserem Heil von Gott erlassen wurde?

 

Oder anders: Glauben wir, dass, was Gott segnet, wahrhaft gesegnet ist? Wenn ja, dann müssen wir aber auch das, was Gott eindeutig verwirft, als verworfen betrachten. Ihm dennoch den Segen Gottes zuzusprechen, ist nichts weniger als eine Lüge, und zwar eine die zugleich Gott der Lüge (oder schlimmerer Dinge) bezichtigt.

Wenn es den Segen Gottes gibt und wenn Gott wahrhaft Person (und nicht bloß eine moralisch gleichgültige "Kraft") ist, dann gibt es für Gott auch die Möglichkeit, etwas nicht zu segnen. Wenn wir uns anmaßen solchem Tun dennoch den "Segen Gottes" zusprechen zu wollen, dann besteht m.E. die ernste Gefahr, dass hier jemand anderes seinen "Zuspruch" gibt, denn Gott ist es sicherlich nicht...

Samstag, 3. April 2021

Cantalamessa über die Spaltungen in der Kirche

Der Prediger des Päpstlichen Hauses, Kardinal Raniero Cantalamessa (wärmstes zur Lektüre empfohlen sei aus seiner Feder "Komm, Schöpfer Geist - Betrachtungen zum Hymnus Veni Creator Spiritus" und "Die Eucharistie unsere Heiligung") in der gestrigen Karfreitagsliturgie des Papstes (eigene Übersetzung):

 

»Die katholische Brüderlichkeit ist verwundet. Christi Obergewand ist in Stücke zerteilt durch die Spaltungen zwischen den Kirchen. Aber nicht weniger schlimm ist, dass jedes dieser Teile erneut in weitere Teile zerteilt wird.

Was ist die häufigste Ursache für Spaltungen unter den Katholiken? Es ist nicht das Dogma, es sind nicht die Sakramente und die Ämter - alles Dinge, die wir dank der Gnade Gottes unversehrt und einmütig bewahren. Es ist die politische Option, wenn sie die religiöse und kirchliche ablöst und für eine Ideologie eintritt, während sie den Wert und die Pflicht des kirchlichen Gehorsams gänzlich vergisst. Dies ist der wahre Grund der Spaltung in bestimmten Teilen der Welt, auch wenn er verschwiegen oder abfällig verneint wird. Dies bedeutet, dass das Reich dieser Welt im eigenen Herzen wichtiger geworden ist, als das Reich Gottes. 

Ich glaube, dass wir alle dazu aufgerufen sind, in dieser Hinsicht eine ernste Gewissenserforschung zu betreiben und uns zu bekehren. Jene [Spaltung] ist schlechthin das Werk desjenigen, dessen Name "diabolos" ist, d.h. der Spalter, der Feind, der das Unkraut sät, wie Jesus ihn im Gleichnis nennt.« (hier)


Donnerstag, 7. Januar 2021

Exkommunikation, neutestamentlich

Es jährte sich in diesen Tagen zum 500. Mal die Exkommunikation Martin Luthers. Wie üblich bei runden Zahlen, wurde auch diesmal wieder die Aufhebung dieser Exkommunikation gefordert. Wer so redet offenbart damit freilich weniger sein ökumenisches Feingefühl sondern v.a., dass er nicht weiß, was eine Exkommunikation ist. Denn tatsächlich ergäbe eine solche Aufhebung wenig Sinn, da eine Exkommunikation mit dem Tod des Exkommunizierten bereits aufgehoben ist. Im Übrigen würde ein "symbolischer" Akt der Exkommunikationsaufhebung eher den Charakter einer gotteslästerlichen Anmaßung tragen, denn das Urteil über die Verstorbenen steht allein Gott zu. Dies für einen Verstorbenen zu tun, der mit seinem Tod dem Gericht Gottes überstellt ist, hieße, sich Gottes Autorität anzumaßen bzw. sich über dieselbe zu stellen.

Heute neigt man ja sehr dazu, der Kirche grundsätzlich jede Berechtigung zur "Bestrafung" oder "Verurteilung" von Menschen etwa aufgrund von Häresie abzusprechen, egal ob die Betreffenden Akteure tot oder lebendig sind. Bestimmt bloß ein Zufall, dass zugleich die Häresien wie die Pilze aus dem Boden schießen, mehr und mehr auch aus bischöflichem Mund.


Jedenfalls: Die Kirche hat sehr wohl das Recht (und sogar die Pflicht) Glieder aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen, die ansonsten mit ihrem Dableiben v.a. zu ihrer Zersetzung beitragen würden. (Nein, "Zersetzung" ist kein Nazisprech [etwa: Wehrkraftzersetzung], das ist Biologie: so genannte "Zersetzer" - fachsprachlich auch Destruenten oder Reduzenten genannt [das Gegenteil sind die Produzenten; beides wesentlich für den natürlichen Stoffkreislauf] - sind solche Organismen, die organische Materialien in anorganische Stoffe zerlegen, hier zählen insbesondere die schon erwähnten sprießenden Pilze dazu.)

 

Zunächst haben wir das Wort Jesu über die brüderliche Zurechtweisung der Sünder: "Sündigt aber dein Bruder, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein." (Mt 18,15) Das Vorgehen ist hier sehr klug beschrieben, denn wenn die Ermahnung unter vier Augen nicht fruchtet, sollen ein oder zwei Zeugen mitgenommen werden (V. 16), fruchtet auch das nicht, soll die ganze Gemeinde nachhelfen. Das setzt natürlich voraus, dass es in der Gemeinde ein ausgeprägtes Bewusstsein von Richtig und Falsch, von gottgefälligem Leben und Sünde gibt. Für uns Heutige stellt das ein erhebliches Problem dar, denn dies ist oft nicht mehr gegeben, auch nicht unter den bestellten Hirten.

Das alles hat übrigens nichts mit Überheblichkeit oder mit dem Thema Macht zu tun, denn wer Ohren hat zu hören, der merkt, dass diese brüderliche Zurechtweisung immer nur momentan ist, und der heute Ermahnende morgen schon der Ermahnte sein kann: "Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit" (Kol 3,16). Das Bewusstsein von Richtig und Falsch bedeutet ja nicht, dass keiner mehr etwas falsch macht, es hat aber zur Folge, dass es auffällt (und zwar in erster Linie als eine Gefahr für den, der falsch liegt)!! Es zeigt sich in dem Wort aus Mt 18 ein hohes Maß an Diskretion und Umsicht, aber zugleich auch ein ungeschönter Realitätssinn, denn wenn alles nichts hilft und der Sünder auch auf die ganze Gemeinde nicht hört, dann muss notwendig das eintreten, was der Sünder selbst durch sein Verhalten faktisch bereits umsetzt: Ausschluss aus der Gemeinde.

Jesus: "Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner." (Mt 18,17)

Die frühen Christen haben diese Worte Jesu beherzigt.

Paulus: "Einen Menschen, der die Gemeinde spalten will, weise ab, wenn er einmal und noch einmal ermahnt ist, und wisse, dass ein solcher ganz verkehrt ist und sündigt und sich selbst damit das Urteil spricht." (Tit 3,10-11)

[Ein kleiner sprachlicher Schlüssel zu diesem Paulus-Zitat, das komischerweise immer recht verharmlosend übersetzt wird: "Ein Mensch, der die Gemeinde spalten will" heißt im Griechischen hairetikon anthropon = ein häretischer Mensch; "abweisen" ist gr. paraitu = zurückweisen, ablehnen, nichts damit zutun haben; "ganz verkehrt" ist gr. ekstrepho = korrupt, pervers, da steckt das Wort strepho drin: das Innere nach Außen kehren; "sich selbst das Urteil sprechen" ist gr. autokatakrisis = Selbstverdammung.  --  Also: "Habe nach der ersten und zweiten Zurechtweisung nichts zu schaffen mit dem häretischen Menschen, und wisse, dass ein solcher korrupt ist und sündigt, durch sich selbst verdammt."]

 

Häretiker und hartnäckige Sünder stellen sich faktisch selbst ins Abseits, sie treten aus der Gemeinschaft der Glaubenden heraus. Leider merkt man das heute nicht mehr so deutlich, weil jenes Abseits so dermaßen überfüllt ist. Aber es ist doch Abseits (auch während der arianischen Krise in der frühen Kirche war das Abseits überfüllt, auch mit Bischöfen [die auch zumeist die Theologen der damaligen Zeit waren]). Die Menge der sich im Abseits Befindlichen spielt keine Rolle.

Jesu Worte und die des Paulus sind klar: Wer sich hartnäckig durch seine Worte (Häresie) oder seine Taten (Sünde) gegen die Gemeinde wendet, soll von den Gemeindemitgliedern als aus dieser ausgeschlossen betrachtet werden, was faktisch aber nur eine Anerkenntnis der bereits vom Betroffenen selbst bewirkten Realität bedeutet. Diese "offizielle" Anerkenntnis des Sachverhalts ("so sei er für dich...") hat insofern seinen Sinn, als dass es so an diesem Faktum keinen Zweifel gibt, auch wenn der Betroffene behauptet, er wolle ja gar nicht aus der Gemeinschaft heraustreten. Denn so ein Gang ins Abseits ist eine objektive Wirklichkeit, die nicht durch Behauptungen oder Beteuerungen wettzumachen ist (es gab ja bereits mehrmalige Ermahnungen samt der Möglichkeit zur Umkehr vor dem Heraustritt!), sondern die eine entsprechend wirksame Handlung zur Behebung des Missstands erfordert: Umkehr auf den Weg Gottes, Rückkehr in die Gemeinschaft.


Wir wissen, dass Paulus eigenhändig Leute aus Gemeinden ausgeschlossen hat. Nachdem er etwa im Kolosserbrief über den "guten Kampf" spricht, den die Christen zu kämpfen haben, kommt er auf die zu sprechen, die diesem Anspruch nicht gerecht werden wollten. Wohlgemerkt: wollten. Es geht nicht um ein "nicht können", oder um ein passives erleiden, sondern um ein nicht wollen, es geht um Leute, die den christlichen Anspruch "von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten" haben (1Tim 1,19). Es geht also um Menschen, die sich selbst durch ihr Wollen und/oder Tun faktisch aus der Gemeinschaft ausgeschlossen haben (auch wenn sie vielleicht anderes behaupten). Vgl. auch dazu Gal 5,19-21. Die Reaktion des Paulus ist so v.a. eine Warnung und eine Deutung dessen, was die hier Gemeinten selbst schon getan haben: "Unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie in Zucht genommen werden und nicht mehr lästern." (V. 20) "Dem Satan übergeben" drückt recht genau das aus, was eine Exkommunikation meint, denn sie beinhaltet v.a. den Ausschluss von den Gnadenmitteln der Kirche (Sakramente), die für den von Paulus beschriebenen Kampf erforderlich sind: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch." (Joh 6,53)

Ein solcher Ausschluss kann von Paulus übrigens auch delegiert werden, sodass er selbst nur "im Geiste" dabei ist: "Wenn ihr im Namen unseres Herrn Jesus versammelt seid und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus bei euch ist, sollt ihr diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben des Fleisches." (1Kor 5,4-5) Das ist interessant, weil es zeigt, welche Autorität Paulus besessen hat ("mit der Kraft unseres Herrn") und dass eine Gemeinde nicht beliebig handeln konnte. Wenn aber schon die ersten Christen nicht immun gegen den Irrtum und die Sünde waren - Paulus: "Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?" (1Kor 5,6); und noch deutlicher: "ihr Wort frisst um sich wie ein Krebs[geschwür]" (2Tim 2,17) -, und sich nur dadurch zu helfen wussten, dass sie die Akteure ausschlossen, welche Arroganz (oder Dämlichkeit? oder Feigheit?) ist das, die uns Heutigen versichert, wir wären jenseits solcher Konflikte und bräuchten folglich auch solche Maßnahmen nicht mehr?


Eine Exkommunikation ist unbarmherzig... im Kopf dessen, der nicht weiß, was eine Exkommunikation ist. Entscheidend für unser Thema ist nämlich, dass ein "offizieller" Ausschluss aus der Gemeinschaft der Glaubenden (zur Erinnerung: das gilt immer nur zu Lebzeiten des Ausgeschlossenen) keine Verdammung ist, sondern genau im Gegenteil dem Heil des Betroffenen dient. Zur von Paulus genannten Übergabe an den Satan "zum Verderben des Fleisches" gehört wesentlich die Erklärung/Ergänzung des Apostels: "auf dass sein Geist gerettet werde am Tage des Herrn" (1Kor 5,5) und, bereits zuvor zitiert, "damit sie in Zucht genommen werden und nicht mehr lästern" (1Tim 1,20). Sprich: Es geht um die Hoffnung, dass der Betroffene sich bekehrt. Paulus macht sehr deutlich, dass seine "Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat", Leute aus der Gemeinschaft auszuschließen, dazu dient "zu erbauen, nicht zu zerstören." (2Kor 13,10) Das Ziel jeder Exkommunikation ist und war schon immer nicht der Ausschluss (den die Betroffenen ja faktisch selbst bewirken) und damit die Zerstörung - sondern die Rückkehr, die Wiederaufnahme, die Versöhnung mit Gott und mit der Kirche. Mit Paulus gesprochen: Jemand wird ausgeschlossen "damit er schamrot werde." (2Thess 3,14) Im Umkehrschluss haben wir dann genau das, was wir heute überall erleben können: Die maßlose Unverschämtheit vieler Theologen und pastoralen Mitarbeiter.

Eine Exkommunikation soll heilen, alles andere ist ein Missverständnis. Zerstören (zersetzen) tun die Sünden und die Häresien, deshalb müssen ihre hartnäckigen Akteure - zum Schutz der anderen und ihnen selbst hoffentlich zu Besserung - ausgeschlossen werden. Die Auferbauung der Kirche und ihre Erhaltung, soweit es an ihren Gliedern und insbesondere ihren Hirten liegt (Paulus wusste sich in dieser Verantwortung), verlangt den Widerstand, verlangt - dank Corona wissen nun auch Nichtbiologen, wovon ich spreche - eine Immunreaktion gegen die Häresie. Die Antikörper sind alle schon da, es braucht keine Impfungen mehr, denn die Häresien von heute sind immer nur die Häresien von gestern mit neuem Etikett. Die Immunosuppression, die gegenwärtig flächendeckend geschieht, ist Teil der Erkrankung und darf nicht als Errungenschaft (der Freiheit oder gar Mündigkeit) verkannt werden.

Dennoch ist eine angemessene Sprache und Haltung, und v.a. viel Zuwendung aus Liebe erforderlich. Ermahnung und Liebe gehören neutestamentlich aufs Engste zusammen (vgl. 1Petr 2,11; Jud 1,3; 1Kor 4,14; 2Kor 2,8; Röm 15,13) und sind von hoher Priorität: "Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit..." (Phil 2,1) Und wenn es nicht anders geht und die Ermahnungen nicht fruchten, dann... ... In der katholischen Kirche in Deutschland kommt es nie so weit, denn hier finden Ermahnungen nur noch in die belanglose oder falsch Richtung statt: wenn nicht ausreichend gegendert, nicht genügend CO₂ eingespart, oder wenn einmal in die richtige Richtung (an Sünder und Häretiker) ermahnt, oder wenn die Lehre der Kirche als Standpunkt vorgebracht wird... 

 

Vor 500 Jahren waren die meisten Bischöfe hierzulande nur untätig oder unfähig, heute machen einige ihrer Nachfahren begeistert mit beim Trubel... Das Thema Exkommunikation könnte bald in höchstem Maße aktuell werden...

 

 

PS. Als kleine ironische Note habe ich hier stets die Lutherübersetzung zitiert, denn die ist nicht nur bei diesem Thema einfach kerniger...

Dienstag, 10. November 2020

Franziskus an die deutschen Katholiken 2

Siehe Teil 1: hier; Teil 3: hier.


Im vergangenen Jahr hat der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald ein Buch von Karl Rahner aus dem 70er Jahren mit einer Einleitung neu herausgebracht: "Strukturwandel der Kirche als Aufgabe und Chance". Trotz mancher hilfreicher Passagen ist das Buch insgesamt so eine Art Wunschliste progressiver Kirchenreformer, die viele theologische Mängel aufweist. Besonders fragwürdig finde ich es, dass der Autor zumeist recht gehoben theologisierend daherkommt, wenn es um Liberalisierungen und Abschaffungen geht, er aber immer dann, wenn er scheinbar die Integrität der katholischen Kirche als solcher zu wahren versucht, in individualistisches, emotionales Lallen verfällt. Beispiel: Nach Rahner dürfte es durchaus auch in Zukunft ein Lehramt geben (wie gnädig) das "Weisungen" gibt, aber, so Rahner weiter, dabei müsse "natürlich alles Kleinkarierte und Gouvernantenhafte vermieden werden". Damit ist aber das Lehramt, trotz aller gegenteiligen Beteuerung, faktisch doch entsorgt: Denn welche Äußerungen des Lehramts dieses Kriterium erfüllen, fällt ganz in das Ermessen des jeweiligen Hörers, dem freilich alles das gerne als kleinkariert und guvernantenhaft erscheint, womit er selbst nicht einverstanden ist. Die Reaktionen etwa auf die jüngste Instruktion aus Rom über die Rolle des Pfarrers in der Pfarrei belegen das hinlänglich.


Papst Franziskus zitiert in seinem Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland dieses Buch nicht, dafür aber ein anderes, das thematisch in die gleiche Sparte fällt, das man hierzulande aber eher ignoriert (und ganz selten mal selektiv instrumentalisiert): In Abschnitt 3 zitiert er den französischen Theologen Yves Congar aus seinem nicht unbedeutenden Werk "Vraie et fausse réforme dans l'Eglise" ("Wahre und Falsche Reform in der Kirche") aus dem Jahr 1950. Es wurde übrigens bisher vermutlich ganz bewusst nicht ins Deutsche übersetzt: Eigentlich bietet es, trotz mancher Mängel und Zeitgebundenheiten, einen essentiellen Schlüssel für das, was Johannes XXIII. mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil beabsichtigte; hätte man es jedoch ins Deutsche übersetzt, hätte man sich eingestehen müssen, dass der von der deutschsprachigen Theologie so heiß geliebten "Geist des Konzils" damit nicht vereinbar ist. Schon die Würzburger Synode besteht den Abgleich mit den von Congar gegebenen Prinzipien nicht. (Franziskus zitiert laut Fußnote aus der italienischen Fassung, was das Zitat in diesem deutschsprachigen Brief zur Übersetzung einer Übersetzung macht...). Angeblich eines der Lieblingsbücher von Papst Johannes XXIII., und auch Papst Franziskus wurde schon in der Vergangenheit nachgesagt, dieses Buch sehr zu schätzen. (Es wird leider auch zuweilen durch selektive Lektüre instrumentalisiert...) Das Zitat ist etwas merkwürdig, da es auf den ersten Blick eigentlich nichts sonderlich wichtiges aussagt, weshalb man sich fragen könnte, warum es überhaupt zitiert wurde. Im Zusammenhang: 

»Die aktuellen Herausforderungen sowie die Antworten, die wir geben, verlangen im Blick auf die Entwicklung eines gesunden aggiornamento "einen langen Reifungsprozess und die Zusammenarbeit eines ganzen Volkes über Jahre hinweg". Dies regt das Entstehen und Fortführen von Prozessen an, die uns als Volk Gottes aufbauen, statt nach unmittelbaren Ergebnissen mit voreiligen und medialen Folgen zu suchen, die flüchtig sind wegen mangelnder Vertiefung und Reifung oder weil sie nicht der Berufung entsprechen, die uns gegeben ist.«


Zunächst finde ich nicht das Zitat an sich interessant, sondern die Tatsache dass der Papst ausgerechnet dieses Buch zitiert. Wie schon in Teil 1 dieser kleinen Serie darf man die Tatsache, dass Franziskus hier ausgerechnet dieses Buch zitiert, durchaus als einen stillen Hinweis betrachten, den ich mal so ausformulieren möchte: Lest mal, was in diesem Buch drinsteht!

Ich selbst habe das Buch nur in einer (um den Abschnitt über die protestantische Reformation gekürzten) englischen Übersetzung vorliegen. Es ist wirklich lesenswert, denn dabei fällt einem auf, was wir hier in Deutschland bei unseren Kirchenreformen und -reförmchen seit Jahrzehnten so alles falsch machen. Ohne ins Detail zu gehen, kann man wohl sagen: Nahezu alles.

 

Und an diesem Punkt finde ich das kurze Zitat von Franziskus nun doch sehr sinnvoll, denn im Grunde ist es eine äußerst knappe Zusammenfassung einiger wesentlicher Punkte aus Congars Buch: Reformen müssen immer in und mit der Gemeinschaft der ganzen Kirche (inkl. Papst) geschehen, und sie dürfen nicht überstürzt werden sondern müssen gewissermaßen organisch wachsen. Congar warnt unermüdlich vor einem Schisma und was er als Ursachen für diese Gefahr ausmacht (100 Seiten des Buches behandeln "Bedingungen für eine authentische Reform ohne Schisma"), trifft leider auf das meiste zu, was hier in Deutschland abläuft. Congar hätte den suizidalen Weg vermutlich als offenkundig schismatische Veranstaltung abgelehnt.


Das rahnersche Buch sollte man getrost vergessen. Wer kann, sollte sich aber mal bei Congar erkundigen, wie Reform geht - und wie nicht. Meine Meinung. Und wohl auch die von Franziskus.

Sonntag, 27. September 2020

Interkommunion

 Vor 14 Monaten habe ich den folgenden Text hier schon einmal gepostet, aus aktuellem Anlass sei er wieder hervorgeholt.

Zur Einordnung ist es hilfreich zu wissen, dass Georg Bätzing, der aktuelle Vorsitzende der BDK, der so sehr auf die Interkommunion pocht, vor vielen Jahren über das mit zentrale im Text vorkommende Thema, "Die Eucharistie als Opfer der Kirche nach Hans Urs von Balthasar", ein Buch geschrieben hat... offenbar hat er die Erkennntisse von vor 36 Jahren inzwischen vollumfänglich verworfen.


Hier kann ein Wort über das schmerzliche Thema der ersehnten und noch immer nicht möglichen Interkommunion zwischen christlichen Gemeinschaften gesagt werden, die in ihrem Glaubensverständnis nicht eins sind. Die Differenzen ballen sich gerade an der Stelle zusammen, wo das Geheimnis der Eucharistie steht, das nach unserem Verständnis das für die Kirche zentrale, sie im letzten begründende und erhaltende ist.  
Viele Laien werden von dieser Rolle der Eucharistie zwar überzeugt sein, aber ohne die Voraussetzungen und Folgen dieser Überzeugung hinreichend zu bedenken. So kann man ihnen die Meinung nicht verübeln, Interkommunion könne eine Brücke über die verbleibenden Differenzen bilden, ja vielleicht durch ihr Gnadenwirken helfen, sie zum Verschwinden zu bringen. Aber weder kann das Sakrament, wenn es auf beiden Seiten verschieden aufgefaßt wird, Einheit herstellen, noch kann es seine Funktion sein, eine Versöhnung (gleichsam magisch?, ex opere operato?) zu erwirken, die nur durch bewußte Tat der Menschen hergestellt werden kann. «Bevor du zum Altar hinzutrittst, geh hin und versöhne dich mit deinem Bruder» (Mt 5, 23 f).  
Wiederum werden viele sagen: «Aber ich bin ja mit ihm schon versöhnt, ich habe nichts gegen ihn, wir beide haben die gleiche Taufe empfangen und sind der Überzeugung, Christus in der Feier des Abendmahls zu begegnen. Ist das nicht das Wesentliche?» Dann wäre alles übrige, was uns noch trennt, unwesentlich und könnte, als praktisch nicht ins Gewicht fallend, übergangen werden. Aber zeigen nicht die zahlreichen ökumenischen Gespräche gerade über die Eucharistie heute: man hat sich theoretisch schon so stark angenähert, daß die Verwandtschaft die Differenz eindeutig überwiegt. Was hindert dann das Kirchenvolk - angesichts der von allen Seiten betonten Dringlichkeit der Einigung - die praktischen Konsequenzen zu ziehen?

 

Das ernsthafte Streben nach Einigung in den ökumenischen Gesprächen darf in keiner Weise geleugnet werden, ebensowenig der Nutzen ihrer objektiven Klärungen. Die Frage bleibt, ob die in der Eucharistiefrage tragenden Momente, die im 16. Jahrhundert als kirchentrennend empfunden Wurden, heute als so harmlos erscheinen können, daß sie zu Nebensächlichkeiten herabsinken. Dieser Momente sind vor allem drei. [...]
1. Jesu Selbstverteilung - «dies ist das für euch vergossene Blut des Bundes...» - ist eindeutig vorwegnehmender Hinweis und Einschluß seines Kreuzes, wie denn Paulus sagt, daß der Empfänger des Sakraments den Tod Christi verkündigt. Das «am Vorabend vor seinem Leiden» eingesetzte Sakrament ändert nach Ostern seinen Charakter nicht; es vermittelt nicht eine beliebige Begegnung mit einem zeitlosen Jesus; eine solche findet ja im ganzen Glaubensleben des Christen statt, bei jedem Gebet, bei jeder christlichen Begegnung mit einem Mitmenschen. Es geht um den bewußten Empfang dessen, der sich für uns (unsere Sünde tragend) in den Tod unserer Gottverlassenheit gegeben hat, der gemäß der Zersplitterung der Sünder sich endlos in ihre Egoismen hinab zersplittert hat - weit über den Orpheusmythos hinaus -, um das Verlorene zurückzuholen. Wissen wir (hüben und drüben), daß wir diesem in unseren Abgrund Preisgegebenen, vor dem Schmutz unserer Füße knienden Herrn begegnen? Beten wir ihn als solchen an?
2. Die katholische Kirche Wird nie davon abgehen können, daß Jesus seine Vollmachten zur Konsekration und zur Absolution schwerer Schuld einem Amt in der Kirche anvertraut hat, wie es zunächst von den «Aposteln» ausgeübt und dann von ihnen ausdrücklich an solche weitergegeben wurde, die es ihrerseits weiterzugeben haben: «Dazu habe ich dich auf Kreta zurückgelassen, damit du das, woran es noch fehlt, in Ordnung bringst und Stadt für Stadt Presbyter einsetzest, wie ich dir aufgetragen habe» (Tit 1,5). Diese Ordnung erscheint schon in den ersten nachapostolischen Schriften (Klemensbrief um 96, Ignatiusbriefe um 115) durchgeführt, und hinter sie - auf mögliche, aber mehr oder Weniger hypothetische Gemeindestrukturen, die sich unter den Augen und mit Billigung der Apostel ausformten - kann die Kirche nicht zurückgehen. Eine volle Kommunion zwischen kirchlichen Gemeinschaften - und die Eucharistie ist der Ausdruck der vollen und nicht einer partiellen Kommunion - setzt die sowohl sichtbar verkörperte Wie geistig bejahte Gemeinschaft im kirchlichen Amt voraus, von dem man nicht (wie gewisse katholische Theologen es tun) sagen kann, es sei in seiner Wesensstruktur durch die Kirche selbst veränderbar. Ist es doch wesentlich und bleibend Geschenk Christi an die Kirche, die kraft dieses Geschenkes sein darf, was sie ist. 
Das ist zentral festzuhalten, und es ist uns weder möglich noch erlaubt, aufgrund von Spekulationen darüber, was Gottes Gnade in Notfällen und gleichsam am Rande zu tun, in welchen Glaubensgemeinschaften der Herr der Kirche sich zu vergegenwärtigen vermag, die normale kirchliche Struktur in ihrer Geltung zu relativieren.
3. Schließlich ist auf das Mysterium hinzublicken, das wir anläßlich der Rolle Marias zu umschreiben versuchten: die sehr geheimnisvolle, aber nicht zu bezweifelnde Hineinnahme der «geschehenlassenden» (und in diesem Sinn auch mitopfernden) Kirche in das Kreuzesgeschehen. Ein «bloßes Gedenkmal» ist die Eucharistie auf keinen Fall, sie enthält sicherlich eine Einbeziehung der Gemeinde in das Todes- (und Auferstehungs-) Geschehen Jesu, wie differenziert und abgestuft dieses Geheimnis auch dargestellt werden muß. [...] 
Die Eucharistie ist im Kern ein zugleich wunderbares und schmerzliches Geheimnis. Es wäre gut, wenn beide Seiten, die nach gemeinsamer Kommunion drängen, sich dessen bewußt blieben, und im Verzicht auf oberflächliche und übereilte Einigungen etwas von dem Schmerz miterlebten, der in der Selbstpreisgabe Jesu um der Einigung willen in diesem Sakrament verborgen enthalten ist.

(aus: Hans Urs von Balthasar, Kleine Fibel für verunsicherte Laien, 76-79)

Donnerstag, 30. Juli 2020

Leitungsvollmacht der Bischöfe

Kluge und nötige Worte von Kardinal Cordes bei CNA Deutsch (HIER):

»Wenn katholische Bischöfe für die Leitung der Pfarrgemeinde auf das Weihesakrament verzichten wollen, propagieren sie nicht nur einen theologischen Irrweg. Sie sägen vielmehr den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen; ja, sie betreiben gleichsam eine Art von Selbstverstümmelung. Sobald Leitungsvollmacht nicht mehr sakramental von Gott her getragen ist, entfällt das Fundament für alle OIKONOME [= Aufbau der Gemeinde] der Kirche und ihre geistliche Autorität. Was fälschlich für die niedere Stufe des priesterlichen ORDO behauptet wird, gilt auch für die höhere Stufe desselben Sakramentes. Demnach würden nicht nur Priester, sondern alle kirchlichen Amtsträger delegitimiert. In wessen Namen sprächen dann Bischöfe – in dem ihres akademischen Titels; in dem des Domkapitels, das sie wählte? Nicht einmal die communio episcoporum [= Gemeinschaft der Bischöfe] deckte ihre Autorität, denn dieser gehören sie zu kraft ihrer Weihe.«

Freitag, 24. Juli 2020

Hirtenamt und Laienwürde

Dass nun nicht wenige Bischöfe den Laien mehr Leitungsverantwortung (vulgo: Macht) in der Kirche geben wollen, erinnert mich sehr an die Zeit der Fürstbischöfe, die keine Weihe empfangen hatten, sondern eigentlich nur weltliche Herrscher waren. Sakramentale Verrichtungen übernahmen die so genannten „Weihbischöfe“, die extra angestellt wurde, weil die eigentlichen „Bischöfe“ mangels Weihe selbst keine Weihen vornehmen konnten. Zu Recht lehnen wir solche Verhältnisse heute ab: Der oberste Hirte eines Bistums muss geweiht sein, wirklich Bischof sein, nicht bloß ein weltlicher Herrscher. Aber warum eigentlich? Man hat damals das Leitungsamt in der Kirche in zwei Bestandteile zerlegt, die zuvor fraglos zusammen gehörten: Sakrament und Regiment (da steckt das Wort „regieren“ drin).

Ein kurzer Abstecher: Das Volk Israel verlangte einst in seiner Ignoranz: „ein König soll über uns herrschen!“ Dies geschah mit der Begründung: „Wir wollen wie alle anderen Völker sein.“ (1 Sam 8,19-20) [Man vergleiche die fast gleichlautende Formulierung beim Götzendienst: „Wir wollen sein wie die Heiden, wie die Völker in den andern Ländern, und Holz und Stein anbeten.“ (Hes 20,32)] In ähnlicher Weise ist die Aufspaltung des Hirtenamts in der Kirche nach dem Vorbild der profanen Welt geschehen: Man wollte das Regiment ohne das lästige Sakrament, oder konkreter: Man wollte Herrschaft (Prestige und Geld) ohne zölibatär leben zu müssen... so wie die weltlichen Herrscher auch. Nochmal anders: Laien wollten Macht in der Kirche.

Seit ältester Zeit gehören in der Kirche Leitung und Heiligung wesentlich zusammen, beides war und ist Merkmal des einen in apostolischer Nachfolge ausgeübten Hirtenamtes, wie es dem Sinn und Existenzgrund der Kirche (Verkündigung des Evangeliums) entspricht. Das Führen der Herde auf die Weide und zur Quelle umfasst stets beides: Leitung und sakramentliche Heiligung. Joseph Ratzinger hat treffend beschrieben, was geschieht, wenn diese Einheit aufgebrochen wird: Es handelt sich um eine unzulässige Trennung jener beiden Vollmachten des Hirtenamtes, „bei der die eine ins Magische, die andere ins Profane abgedrängt wird: Das Sakrament wird nur mehr rituell und nicht als Auftrag zur Leitung der Kirche durch Wort und Liturgie gefaßt; das Leiten umgekehrt wird als ein rein politisch-administratives geschäft gesehen – weil man offenbar die Kirche selbst nur für ein politisches Instrument hält.“ (Demokratie in der Kirche, 31-32) „In Wahrhweit“, so fährt Ratzinger fort, „ist das Vorsteheramt in der Kirche ein unteilbarer Dienst. Die Kirche, der vorzustehen ist, ist ihrem Kern nach Versammlung. Diese Versammlung aber kommt zusammen, um Tod und Auferstehung Jesu Christi zu verkündigen. Das Vorstehen in ihr vollzieht sich daher nicht anders als in der Vollmacht der sakramentalen Verkündigung.“ (Ebd.)

Die Fürstbischöfe mit ihren Weihbischöfen waren ein Bruch mit dieser apostolischen Tradition, ein Schandfleck der Kirchengeschichte. Die so handelnden wollten es bequem, wollten herrschen, ohne lästige sakramentale Vollzüge und die an sie geknüpften Verpflichtungen. Sie wollten die Macht, aber ohne den großen Anspruch der Lebenshingabe im sakramentalen Amt, denn dieser Anspruch ist kein geringer. Mit den Worten von Marianne Schlosser: „Die Ehelosigkeit ist eine sehr konkrete, auch in der Dimension des Verzichtes spürbare, Form der Übereignung an Gott: Ihm wird gegeben das Verlangen, fruchtbar und nicht sinnlos zu leben, und die Sehnsucht, personal geliebt zu sein. Es wird gegeben ‚um des Himmelreiches willen‘, in der glaubenden Gewissheit, dass man niemals Gott etwas gibt, ohne dass ER mehr zurückgibt, in der zuversichtlichen Hoffnung, dass dadurch diejenige Liebe (caritas) wachse, die zum Heil anderer beiträgt, die Liebe des Guten Hirten, der sein Leben für die Seinen einsetzt.“ (hier)
Natürlich schützt die Sakramentalität des Amtes nicht völlig vor dem Missbrauch von Macht und vor falschen Motiven. Aber es besteht doch die begründete Hoffnung, dass das Wirken Gottes und das Gebet der Gläubigen wirksam werden können. Oder, wie es Marianne Schlosser an anderer Stelle ausdrückt: „Die Kirche bindet die Übertragung von Vollmacht und besonderer Verantwortung an Kriterien, auch an eine längere Ausbildung und Prüfung der charakterlichen und religiösen Voraussetzungen eines Kandidaten, um Risiken zu minimieren. Und im Ritus der Weihe kommt das Vertrauen in das Gebet der Gläubigen zum Ausdruck, dass der Heilige Geist nicht untätig bleiben wird. Solange das Leitungsamt (‚munus regiminis‘) – selbst wenn das nur ein fernes Ideal wäre! – dialektisch mit der ‚diakonia Christi‘ (Joh 13,13-16; Lk 22,27) verbunden ist, das heißt: mit der Entäußerung von sich selbst notfalls bis zur Lebenshingabe, gibt es wenigstens Hoffnung, dass sich einige, viele, möglichst alle daran ausrichten – Hoffnung, dass man den Gipfel nicht aus den Augen verliert, selbst wenn man zurückfiele.“ (hier)

Was wir heute erleben, erinnert doch stark an jene finsteren Zeiten der Fürstbischöfe, nur etwas abgewandelt: Die heutigen Bischöfe wollen ebenfalls den Leitungsdienst vom Heiligungsdienst abtrennen, nur wollen sie im Unterschied zu den Fürstbischöfen die Last der Leitungsverantwortung abgeben.
Ich kann zwar keinem unserer Bischöfe ins Herz schauen, ihre Motivationen sind mir fremd, aber es scheint mir nicht so weit hergeholt, auch hier eine gewisse Bequemlichkeit zu vermuten. Das gleiche erleben wir seit Jahrzehnten mit den Pfarrern. Nicht wenige Bischöfe und Pfarrer, so scheint mir, sind froh darüber, nur mehr „Sakramentenonkel“ zu sein und die lästige Verantwortung der schnöden Leitung und Verwaltung abgeben zu können: „Die Leute lassen sich ja eh nichts mehr sagen!“ Damit geben sie auch Verantwortung ab und nehmen so wiederum viele Lasten von ihren Schultern weg.
Damit tun die Verantwortlichen das Gleiche, was die Fürstbischöfe von einst taten: Sie zerteilen das eine Hirtenamt gegen die beständige Überlieferung der Kirche, so als ob Leitung und Heiligung voneinander getrennte Aufgabenbereiche wären. Man kann sie wohl unterscheiden, aber in der Kirche, die sowohl eine sichtbare Institution als auch eine unsichtbare sakramentale Wirklichkeit ist, lassen sie sich nicht trennen.

Dass die gegenwärtigen Strukturen in Deutschland eine solche Trennung erforderlich machen würden (sprich: verteilung auf mehrere Schultern), ist ein Scheinargument, denn diese Strukturen wurden ja bewusst anhand der Prämisse errichtet, dass die Laien immer mehr davon übernehmen sollen. Die Strukturen sind nicht einfach so, wie ein Schicksal, wie ein Umstand, mit dem man sich arrangieren muss… sie wurden von den Verantwortlichen im wachen Zustand so gestaltet, auch auf Druck der Laien die nach Macht strebten. Bestes Beispiel sind Pfarrgemeinderäte, die laut Kirchenrecht eigentlich nur beratende Funktion haben dürften, faktisch hierzulande aber bestimmend sind und dem Pfarrer nur das negative Rech des Einspruchs lassen, ihm also die positive Initiative faktisch aus der Hand genommen haben.

Übrigens zeigt sich dieses gleiche Muster der Zerteilung des Hirtendienstes und der Rückkehr zu überwundenen Fehlentwicklungen der Geschichte auch bei der Argumentation für das Frauenpriestertum. Etwa, wenn mit der großen Bedeutung argumentiert wird, die in der Vergangenheit manche Äbtissinnen hatten. Diese hätten viel Macht und Einfluss besessen und sogar nach ihrem Gutdünken über Priester bestimmt, folglich könne man Frauen nicht von Leitungspositionen, sogar über den Priestern, ausschließen.
Dabei wird freilich das Faktum unterschlagen, dass jene Äbtissinnen mehr Ähnlichkeit mit jenen Fürstbischöfen hatten, als mit Ordensfrauen: Auch für so eine Äbtissin war der Posten eher eine herrschaftliche Einrichtung (Prestige und Geld): Sie waren weltliche Herrscherinnen, lebten nicht im Kloster, legten keine Gelübde ab und verließen den Posten des Öfteren bald wieder um zu heiraten. Auch hier waren Leitungsdienst und Heiligungsdienst (die geistliche Führung der Klostergemeinschaft) zerteilt: Die geistlichen Aufgaben übernahm, analog zu den oben erwähnten Weihbischöfen, die Priorin, die Äbtissin schaute nur gelegentlich mal vorbei. (Mit vielen Äbten war das übrigens genauso.) Ihre „Leitungsposition“ als Äbtissin hatten sie also darum inne, weil sie weltliche Herrscherinnen waren. Oder so: Sie hatten ihre Macht nicht, weil oder trotz dass sie Äbtissinnen (oder: Frauen) waren, sondern sie waren Äbtissinnen, weil sie weltliche, feudale Machthaber waren, ihr Geschlecht spielte dabei keine Rolle. Na, ob das ein gutes Modell für heute ist?

Also: Man möchte Leitungsdienst und Heiligungsdienst trennen, und fällt damit in den gleichen Irrtum, den wir zu Recht verurteilen, nämlich die Zerteilung des apostolischen Hirtenamtes. Rom hat diesen wesentlichen(!) Zusammenhang bezüglich der Pfarrer nun erneut bekräftigt und zugleich die Verantwortung der Laien für die angestrebte pastorale Umkehr betont.


Wo liegen die Gründe?

Vielleicht kommen wir dem Grund für das heutige „Machtstreben“ der Laien durch die Sprache etwas näher: Wenn wir in dieser Debatte von „Verantwortung“ reden, dann meinen wir Leitungsverantwortung, Letztverantwortung. Doch das ist eine extreme Verkürzung. Verantwortung trägt nämlich auch der, der nicht das letzte Wort hat. Man spricht dann ungeschickterweise von „Mitverantwortung“ und wertet das als einen negativen, abwertenden Ausdruck. Das empfinde ich aber als irreführend. Denn auch wenn ich nicht der letzte Entscheider, der Hauptverantwortungsträger bin, so bin ich doch (mit-)verantwortlich für das Ganze. Ich bin verantwortlich durch mein Zeugnis in meinem Lebenswandel und in meinem Wort. Ich bin ggf. verantwortlich im beratenden Wort und im Gehorsam, soweit es eben an mir liegt.
Und da sehe ich den Knackpunkt: Dieses Letzte ist nicht gewollt. Diese Form der Verantwortung (für das eigene Handeln!) ist nicht gewollt. Niemand will gehorsam sein, und zwar nicht bloß was den Pfarrer oder den Bischof betrifft. Letztlich geht der Gehorsam bekanntlich gegen Gott („wer euch hört, hört mich“). Dieser darf bekanntlich nicht mehr als Gebietender verkündet werden, sondern muss stets auf Augenhöhe gehalten werden – die Zehn Gebote sind nur ein Gesprächsangebot. Das Machtstreben der Gläubigen hat seine letzte Motivation, sein letztes Ziel nicht in der Augenhöhe mit Pfarrer und Bischof – das sind nur Äußerlichkeiten –, sondern der Abbau der irdischen Hierarchie soll v.a. strukturell (sichtbar) das widerspiegeln, was ohnehin schon im Gottesverhältnis propagiert und eingeübt wurde.
Letztlich spricht man nicht dem Bischof die Leitungsvollmacht ab, sondern Gott. Alles soll dialogisch, demokratisch sein. Darum müssen Heiligung und Leitung getrennt werden: Die Heilung und Heiligung von Gott möchte man, aber die Gebote nicht unbedingt, nur wenn sie gerade passen. Man ist bequem. Den Anspruch, der mit dem Heilsangebot Gottes einhergeht, den lehnt man ab. Die Bedingung nimmt man eigentlich gar nicht mehr wahr: „Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben“ (Joh 15,10).

Und was machen die Hirten angesichts dieser Bestrebungen? Die meisten Bischöfe (und Pfarrer) haben diesbezüglich schon lange klein beigegeben. Es wird weithin nicht mehr verkündet, sondern möglichst unverbindlich angeboten; nicht mehr ermahnt, sondern nur noch beraten. Nicht wenige Hirten haben sich ein Fell übergezogen, laufen auf allen Vieren und machen freudig „määh“.
Ein Freund hatte mir das neutlich sehr drastisch gesagt: Er befürchtet, dass es nie zu einem „offiziellen“ Schisma kommen wird, sondern dass der Brand unbenannt, knapp unter der Oberfläche und kaum durch Floskeln verschleiert, weiter vor sich hin schwelt, da die Hirten (in Deutschland und in Rom) zu schwach sind. Sie haben weder den Charakter, noch die Intelligenz, und erst recht nicht die Leidenschaft, die einen echten Häretiker/Schismatiker vom Schlag eines Marcion, Arius, Jan Hus oder Martin Luther (vgl. dazu das sehr lehrreiche „Buch der Ketzer“ von Walter Nigg) oder ihre katholischen Kontrahenten auszeichneten. Unsere Bischöfe sind in der Mehrheit lauwarm, theologisch alles andere als versiert und sie haben v.a. Angst um ihr Ansehen (vgl. meine Gedanken dazu hier). Anders ausgedrückt: Ein „offizielle“ Schisma erfordert den Mut zum (falschen) Bekenntnis. Den haben unsere Bischöfe in der Mehrheit jedoch nicht.

Das Traurigste ist, dass es nicht so sein muss. Die Alternative ist nämlich gerade nicht die Widerherstellung fürstbischöflicher absolutistischer Verhältnisse. Wenn die Laien, statt den Anspruch und die Last von Gottes Geboten abzuwerfen, sich ihrer Verantwortung vor Gott bewusst wären, gerade dann würde ein fruchtbares und wahrhaft christliches Verhältnis zwischen Klerikern und Laien im Leben der Kirche entstehen. Man stelle sich allein schon die Entlastung vor, wenn die Zuständigkeiten klar wären… die meisten Sitzungen hätten sich erledigt.

Auch hier bietet die verwendete Sprache Anhaltspunkte: So liegt es durchaus im Interesse der Akteure, dass der Begriff „Laie“ negativ besetzt ist und negativ besetzt bleibt. Die negative Definition „Laien sind die, die nicht geweiht sind“ ist in der aktuellen (jahrzehntealten) Debatte mit voller Absicht von interessierten Kreisen gesetzt worden; sie ließe sich problemlos durch eine positive Bestimmung (etwa: Glieder des königlich-priesterlich-prophetischen Volkes [gr. loas] Gottes, auserwähltes Geschlecht, Erben des Reiches Gottes) ersetzen – aber das wird verhindert, denn die Laien sollen sich als Defizitär und als unterjochte Opfer der „Kleriker“ fühlen. Durch diese sprachliche Festlegung haben sie auch weiterhin stets den Eindruck, in „Kirche“ nichts von Bedeutung tun zu können, solange sie nicht entweder die Leitungsgewalt der Geweihten bekommen, oder selbst geweiht werden (Thema Frauenpriestertum). Wobei mir hier die große Mehrheit der Leute nur Stimmvieh einiger Weniger zu sein scheint, die dabei die Hebel in der Hand haben und z.B. jenes Sprachspiel aufrechterhalten, die allermeisten wissen gar nicht, wovon sie reden.

Es ist eine Lüge, wenn behauptet wird, die Laien seien sich ihrer Würde bewusst geworden und würden eben darum nach Macht in der Kirche streben. Die Laien sind die vorrangigen Träger des Auftrags der Kirche! Dieser Auftrag besteht aber gerade nicht darin, „Kirche“ zu gestalten, sondern der Welt das Evangelium zu verkünden (vgl. Ratzingers Kommentar zum suizidalen Weg, HIER). Die Würde der Laien besteht eben gerade darin, die Mission der Kirche in die Welt hinaus zu tragen. Mit einem militärischen Gleichnis (nicht, dass ich besonders militärafffin wäre, aber von Fußball hab ich noch weniger Ahnung): Die Laien sind die Frontlinie der Mission, die Phalanx des „gehet hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern“. Die römische Instruktion nennt daher alle Getauften „aktive Protagonisten der Evangelisierung“. Die Kleriker sind dabei eher die Sanitäter und Versorgungsoffiziere im Hintergrund und zuweilen auch mal die Artillerie… der eigentliche Nahkampf wird von den Laien geleistet, die in ihrem Alltag in der Welt mit dem Zeugnis ihres Lebens Christus bezeugen. Darin besteht ihre Würde, nicht in „Macht in der Kirche“.
Ich befürchte (wieder: ich kann in niemandes Herz schauen, aber der Verdacht drängt sich mir auf), dass sich unsere Gremien- und Verbandskatholiken darum so sehr auf die ihnen nicht zustehenden Posten in der Kirche konzentrieren, weil sie nicht willens und/oder nicht fähig sind zum Zeugnis nach draußen, wo ein verwässerter Glaube nichts gilt und nur das furchtlose Bekenntnis den Unterschied macht. Sie sind, im vorigen Gleichnis gesprochen, fahnenflüchtig, und versuchen sich jetzt unter die Versorgungsoffiziere und Sanitäter zu mischen, um bloß nicht an die Front zu müssen.

Rekapitulieren wir: Die Hirten wollen mit den Schafen blöken und die Ziegen möchten gerne Gärtner sein. So. Ein. Unsinn.
Die meisten Hirten und (jedenfalls der Lautstärke nach zu urteilen) der Großteil der Herde gleichermaßen, haben nicht den Mut zum Gehorsam gegenüber Gott und zum Bekenntnis gegenüber den Menschen... welchen Wert hat das ganze dann noch? Dann taugen wir wahrhaftig nur noch als eine politisch-ökologische Pazifisten-NGO...

Donnerstag, 23. Juli 2020

Orientierung zur römischen Instruktion

Anmerkungen zur Orientierung, wenn sich nun verschiedentlich Bischöfe ganz offen gegen die am Montag erlassene Instruktion der Kleruskongregation „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ stellen.

Eine kirchenrechtliche Vorbemerkung:

Eine „Instruktion“ ist kirchenrechtlich in c. 34 §1 CIC klar definiert: „Instruktionen, welche die Vorschriften von Gesetzen erklären und Vorgehensweisen entfalten und bestimmen, die bei deren Ausführung zu beachten sind, werden zum Gebrauch derer gegeben, die dafür sorgen müssen, dass die Gesetze zur Ausführung gelangen, und binden sie bei der Ausführung der Gesetze; diese Instruktionen geben innerhalb der Grenzen ihrer Zuständigkeit diejenigen rechtmäßig heraus, die ausführende Gewalt besitzen.“

Daraus wird ersichtlich:
1) Eine Instruktion ist selbst kein Gesetz, sondern sie ist (nur) auf das Gesetz bezogen. Das bedeutet aber, dass eine Instruktion selbst kein neues Recht setzen oder bestehendes Recht ändern kann, sondern sie ist strikt an den Rahmen, den das Gesetz festlegt, gebunden. (Genau darüber beschwert man sich: Dass man von der zuständigen Autorität darauf hingewiesen wird, was ohnehin schon gilt.)
2) Eine Instruktion hat als Adressaten die zuständigen Verwaltungsorgane, in diesem Fall also die bischöflichen Behörden.
3) Diese Adressaten bekommen mit der Instruktion eine Erklärung des Gesetzes und wie es anzuwenden ist.
4) Die Adressaten sind durch eine Instruktion rechtlich gebunden, sie können sich ihr nicht widersetzen oder sie ignorieren.


Die Instruktion enthält rechtlich gesehen nichts Neues, sie ruft nur in Erinnerung, was ohnehin schon gilt und zeigt u.U. auf, dass manche „Interpretationen“ des geltenden Rechts, etwa bezüglich der Frage, wer eine Pfarrgemeinde leiten kann, falsch sind. Das Thema ist indes nicht neu, es gab 2002 schon einmal eine Instruktion der Kleruskongregation zu dieser Frage mit dem unzweideutigen Titel „Der Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde“. Dieses Dokument diente wesentlich dazu, „sowohl die Gefahr der ‚Klerikalisierung‘ der Laien als auch jene der ‚Säkularisierung‘ der geistlichen Amtsträger zu überwinden.“ (Nr. 7) Durch solche Tendenzen geschieht nämlich nicht nur eine Abwertung des sakramentalen Hirtendienstes der Priester, sondern zugleich auch eine herabwürdigung des Dienstes der Laien in der Welt (vgl. ebd.).

Das aktuelle Dokument dient dem selben Ziel, es weitet allerdings die Perspektive, indem es eindringlich über die Aufgaben spricht, die allen Gliedern der Gemeinde zukommen: „Es ist notwendig, dass heute alle Laien einen großzügigen Einsatz für den Dienst an der missionarischen Sendung leisten vor allem durch das Zeugnis des täglichen Lebens, das in den gewohnten Lebensbereichen und auf jeder Verantwortungsebene dem Evangelium entspricht, und besonders durch die Übernahme ihnen entsprechender Verpflichtungen im Dienst an der Pfarrgemeinde.“ (Nr. 86)
Die titelgebende „pastorale Umkehr“ kann nur von allen bewerkstelligt werden, denn ihre Voraussetzung ist die Umkehr (Bekehrung) jedes Einzelnen, sie ist nicht durch Diktat von oben realisierbar. Aber wenn die Strukturen fehlerhaft sind, wenn sie auf einem Fundament aus Irrtum ruhen, dann kann solch eine Umkehr nicht geschehen, darum wird eingeschärft was eh gilt: Die Leitung – und damit also der Hirtendienst – ist an das Sakrament der Weihe gebunden.

[Marginalie: Das Tarurigste für mich ist, dass durch den aktuellen „Machtdiskurs“ v.a. eines erreicht wird: der kirchliche Leitungsdienst wird ganz bewusst zu einer Macht umgedeutet. Aus dem sakramental begründeten Dienst geweihter Amtsträger wird so ein politisches Machtgefüge unterschiedlichster Interessenträger.]

In seiner wesentlichen Aussageabsicht, offenbart sich die aktuelle Instruktion als durchaus mutig und zukunftsorientiert. Das fängt schon damit an, dass das Territorialprinzip zwar nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aber sehr deutlich auf dessen Elastizität hingewiesen wird: „Doch ist insbesondere heute das Gebiet nicht mehr nur ein geografisch abgegrenzter Bereich, sondern der Zusammenhang, in dem jeder sein Leben, das aus Beziehungen, gegenseitiger Hilfe und lange gepflegten Traditionen besteht, lebt. Auf diesem ‚existenziellen Territorium‘ steht die ganze Herausforderung der Kirche auf dem Spiel. Daher erscheint ein pastorales Handeln überholt, das den Handlungsraum ausschließlich auf den Bereich innerhalb der territorialen Grenzen der Pfarrei beschränkt.“ (Nr. 16)

Das Dokument geht sodann hart ins Gericht mit Pfarreien, die sich auf ein ‚weiter wie bisher‘ verlegen: „Wenn die Pfarrei nicht die der Evangelisierung innewohnende spirituelle Dynamik lebt, läuft sie Gefahr, selbstbezogen zu werden und zu verkalken, da sie Erfahrungen vorschlägt, die den Geschmack des Evangeliums und die missionarische Durchschlagskraft bereits verloren haben und vielleicht nur für kleine Gruppen bestimmt sind.“ (Nr. 17)

Meine Vermutung ist ja, dass man sich bei der Behandlung des Dokuments so sehr auf die Frage von Macht und Autorität versteift, weil man die viel drängendere und dramatische Fragestellung, die der Titel des Dokuments ausspricht und die Sinnziel und Existenzgrund des ganzen Dokuments ist, nicht angehen möchte.
Als Authentizitätsmerkmal und als Kriterium für die Unterscheidung (des Wahren vom Falschen, des Fruchtbringenden vom Kahlen) wird nämlich die missionarische Dynamik einer Pfarrei benannt, was den allermeisten Pfarreien insbesondere in Deutschland klar ein Armutszeugnis ausstellt: „Über die Orte und die Gründe der Zugehörigkeit hinaus ist die Pfarrgemeinde der menschliche Kontext, in dem die Evangelisierung der Kirche vonstattengeht, die Sakramente gefeiert werden und die karitative Liebe in einer missionarischen Dynamik erfahrbar wird, die – über die Tatsache hinaus, inneres Element des pastoralen Handelns zu sein – ein Unterscheidungskriterium ihrer Authentizität ist." (Nr. 19)
Mit einem kurzen Wort: „die ‚traditionellen‘ pfarrlichen Strukturen unter missionarischem Gesichtspunkt zu erneuern [...] ist das Herzstück der gewünschten pastoralen Umkehr" (Nr. 20). Dem glaubt man sich nun nicht stellen zu müssen, weil man das Dokument aufgrund einer anderen Frage, die nicht einmal das Ziel des ganzen ist, ablehnt. (Womit man faktisch das geltende Recht der Kirche offen ablehnt.)

Wenn sich nun bischöflich beklagt wird, die kirchlichen Strukturen, wie sie gegenwärtig in Deutschland sind (etwa mit ihren unzähligen Gremien), würden eine Umsetzung der Instruktion erschweren bis unmöglich machen („dann hockt der Priester ja nur noch in Sitzungen“), dann lasse man sich nicht beirren: Der Fehler liegt nicht in dem, was die Instruktion sagt, er liegt in jenen überbordenden Strukturen, die seit Jahrzehnten aufgebaut wurden – bewusst oder unbewusst am kirchlichen Recht vorbei oder über dasselbe hinweg. Insofern stimmt wohl die Klage mancher Bischöfe, die Instruktion werde der „Situation in Deutschland“ nicht gerecht. Aber mehr als zu zeigen, dass die so Redenden nicht über ihren eigenen kleinen Tellerrand hinausblicken können (die Instruktion gilt nämlich für die ganze weltweite Kirche – aus dem selben Grund sind solche Dokumente zuweilen "vage", denn sie müssen ja überall anwendbar sein), erfährt man daraus nicht. „Selbst schuld!“ möchte man den Bischöfen zurufen... der Ressourcen fressende strukturelle Apparat hierzulande ist Marke Eigenbau.

Da der Berichterstattung zufolge inzwischen einige Bischöfe ausdrücklich die aktuelle Instruktion zurückweisen (die Instruktion von 2002 hat man damals einfach klanglos ignoriert) oder ganz offen ankündigen, sie zu ignorieren, wird sich daran wohl nun die Spreu vom Weizen trennen. Vielleicht ist das auch gut so... dann wird die jahrzehntelange Missachtung des kirchlichen Rechts durch nicht wenige Bistümer endlich einmal kontrastreich sichtbar.

Donnerstag, 18. Juli 2019

Interkommunion

Aus aktuellem Anlass.


Hier kann ein Wort über das schmerzliche Thema der ersehnten und noch immer nicht möglichen Interkommunion zwischen christlichen Gemeinschaften gesagt werden, die in ihrem Glaubensverständnis nicht eins sind. Die Differenzen ballen sich gerade an der Stelle zusammen, wo das Geheimnis der Eucharistie steht, das nach unserem Verständnis das für die Kirche zentrale, sie im letzten begründende und erhaltende ist.  
Viele Laien werden von dieser Rolle der Eucharistie zwar überzeugt sein, aber ohne die Voraussetzungen und Folgen dieser Überzeugung hinreichend zu bedenken. So kann man ihnen die Meinung nicht verübeln, Interkommunion könne eine Brücke über die verbleibenden Differenzen bilden, ja vielleicht durch ihr Gnadenwirken helfen, sie zum Verschwinden zu bringen. Aber weder kann das Sakrament, wenn es auf beiden Seiten verschieden aufgefaßt wird, Einheit herstellen, noch kann es seine Funktion sein, eine Versöhnung (gleichsam magisch?, ex opere operato?) zu erwirken, die nur durch bewußte Tat der Menschen hergestellt werden kann. «Bevor du zum Altar hinzutrittst, geh hin und versöhne dich mit deinem Bruder» (Mt 5, 23 f).  
Wiederum werden viele sagen: «Aber ich bin ja mit ihm schon versöhnt, ich habe nichts gegen ihn, wir beide haben die gleiche Taufe empfangen und sind der Überzeugung, Christus in der Feier des Abendmahls zu begegnen. Ist das nicht das Wesentliche?» Dann wäre alles übrige, was uns noch trennt, unwesentlich und könnte, als praktisch nicht ins Gewicht fallend, übergangen werden. Aber zeigen nicht die zahlreichen ökumenischen Gespräche gerade über die Eucharistie heute: man hat sich theoretisch schon so stark angenähert, daß die Verwandtschaft die Differenz eindeutig überwiegt. Was hindert dann das Kirchenvolk - angesichts der von allen Seiten betonten Dringlichkeit der Einigung - die praktischen Konsequenzen zu ziehen?

 

Das ernsthafte Streben nach Einigung in den ökumenischen Gesprächen darf in keiner Weise geleugnet werden, ebensowenig der Nutzen ihrer objektiven Klärungen. Die Frage bleibt, ob die in der Eucharistiefrage tragenden Momente, die im 16. Jahrhundert als kirchentrennend empfunden Wurden, heute als so harmlos erscheinen können, daß sie zu Nebensächlichkeiten herabsinken. Dieser Momente sind vor allem drei. [...]
1. Jesu Selbstverteilung - «dies ist das für euch vergossene Blut des Bundes...» - ist eindeutig vorwegnehmender Hinweis und Einschluß seines Kreuzes, wie denn Paulus sagt, daß der Empfänger des Sakraments den Tod Christi verkündigt. Das «am Vorabend vor seinem Leiden» eingesetzte Sakrament ändert nach Ostern seinen Charakter nicht; es vermittelt nicht eine beliebige Begegnung mit einem zeitlosen Jesus; eine solche findet ja im ganzen Glaubensleben des Christen statt, bei jedem Gebet, bei jeder christlichen Begegnung mit einem Mitmenschen. Es geht um den bewußten Empfang dessen, der sich für uns (unsere Sünde tragend) in den Tod unserer Gottverlassenheit gegeben hat, der gemäß der Zersplitterung der Sünder sich endlos in ihre Egoismen hinab zersplittert hat - weit über den Orpheusmythos hinaus -, um das Verlorene zurückzuholen. Wissen wir (hüben und drüben), daß wir diesem in unseren Abgrund Preisgegebenen, vor dem Schmutz unserer Füße knienden Herrn begegnen? Beten wir ihn als solchen an?
2. Die katholische Kirche Wird nie davon abgehen können, daß Jesus seine Vollmachten zur Konsekration und zur Absolution schwerer Schuld einem Amt in der Kirche anvertraut hat, wie es zunächst von den «Aposteln» ausgeübt und dann von ihnen ausdrücklich an solche weitergegeben wurde, die es ihrerseits weiterzugeben haben: «Dazu habe ich dich auf Kreta zurückgelassen, damit du das, woran es noch fehlt, in Ordnung bringst und Stadt für Stadt Presbyter einsetzest, wie ich dir aufgetragen habe» (Tit 1,5). Diese Ordnung erscheint schon in den ersten nachapostolischen Schriften (Klemensbrief um 96, Ignatiusbriefe um 115) durchgeführt, und hinter sie - auf mögliche, aber mehr oder Weniger hypothetische Gemeindestrukturen, die sich unter den Augen und mit Billigung der Apostel ausformten - kann die Kirche nicht zurückgehen. Eine volle Kommunion zwischen kirchlichen Gemeinschaften - und die Eucharistie ist der Ausdruck der vollen und nicht einer partiellen Kommunion - setzt die sowohl sichtbar verkörperte Wie geistig bejahte Gemeinschaft im kirchlichen Amt voraus, von dem man nicht (wie gewisse katholische Theologen es tun) sagen kann, es sei in seiner Wesensstruktur durch die Kirche selbst veränderbar. Ist es doch wesentlich und bleibend Geschenk Christi an die Kirche, die kraft dieses Geschenkes sein darf, was sie ist. 
Das ist zentral festzuhalten, und es ist uns weder möglich noch erlaubt, aufgrund von Spekulationen darüber, was Gottes Gnade in Notfällen und gleichsam am Rande zu tun, in welchen Glaubensgemeinschaften der Herr der Kirche sich zu vergegenwärtigen vermag, die normale kirchliche Struktur in ihrer Geltung zu relativieren.
3. Schließlich ist auf das Mysterium hinzublicken, das wir anläßlich der Rolle Marias zu umschreiben versuchten: die sehr geheimnisvolle, aber nicht zu bezweifelnde Hineinnahme der «geschehenlassenden» (und in diesem Sinn auch mitopfernden) Kirche in das Kreuzesgeschehen. Ein «bloßes Gedenkmal» ist die Eucharistie auf keinen Fall, sie enthält sicherlich eine Einbeziehung der Gemeinde in das Todes- (und Auferstehungs-) Geschehen Jesu, wie differenziert und abgestuft dieses Geheimnis auch dargestellt werden muß. [...] 
Die Eucharistie ist im Kern ein zugleich wunderbares und schmerzliches Geheimnis. Es wäre gut, wenn beide Seiten, die nach gemeinsamer Kommunion drängen, sich dessen bewußt blieben, und im Verzicht auf oberflächliche und übereilte Einigungen etwas von dem Schmerz miterlebten, der in der Selbstpreisgabe Jesu um der Einigung willen in diesem Sakrament verborgen enthalten ist.

(aus: Hans Urs von Balthasar, Kleine Fibel für verunsicherte Laien)

Sonntag, 25. Mai 2014

Nachwort zur Diözesanversammlung

Gestern ging die zweite Diözesanversammlung in der Erzdiözese Freiburg zuende. Dieses Mal hatte ich keine Zeit, sie zu verfolgen oder mich auch nur im Vorfeld näher damit zu beschäftigen, und ich kenne auch niemanden gut genug, der daran teilgenommen hat, um jetzt schon mit nützlichen Hintergrundinfos aufzuwarten. Vielleicht kommt im Laufe der Woche noch was.
Das Ergebnis ist nicht überraschend: man will den eingeschlagenen schismatischen Kurs mit viel Elan fortsetzen.
»Die „Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg“ (2013) wird weiterentwickelt und um einen Gestaltungsvorschlag für eine Feier ergänzt, in der das Paar und sein Weg gesegnet werden. Der Erzbischof wird gebeten, durch seine Unterschrift der Handreichung eine höhere Verbindlichkeit zu geben und sich für ein Arbeitsrecht ohne automatische Kündigung und Einstellungsverbote für Wiederverheiratete einzusetzen.«

Immerhin scheint man sich der Fragwürdigkeit dieses Kurses bewusst zu sein, da man den Erzbschof "bittet", er möge doch dem unsäglichen Dokument mit seiner Unterschrift "eine höhere Verbindlichkeit" geben. Was natürlich an der Tatsache nichts ändert, dass das Dokument einen eklatanten Rechtsbruch darstellt und mit der katholischen Lehre und Disziplin völlig unvereinbar ist. Dass man sich auf der Versammlung offenbar besonders viel Mühe gab ständig von "Kollegialität" zu reden kann gleichfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass solch ein diözesaner Alleingang das genaue Gegenteil davon ist.
Ansonsten gab es viel Gelaber und Gesülze, die "Empfehlungen" kann man hier (klick) nachlesen. 
(Interessant finde ich, wie unbekümmert man in diesen Empfehlungen vom "Erzbischof" spricht... offenbar fällt die Abnabelung nicht leicht. Um das mal klar zu haben: Freiburg hat gegenwärtig keinen Erzbischof, die Kathedra ist vakant! Was wir haben ist ein so genannter Apostolischer Administrator, dessen Posten zufälligerweise - und nur, weil sich der Papst aufgrund seiner universalen Vollmacht über das örtliche Partikularrecht hinweggesetzt hat [darum: Apostolischer A.] - von dem gleichen Mann ausgefüllt wird, der früher einmal Erzbischof von Freiburg war. Den Job könnte genausogut auch irgendein Priester übernehmen. Es gibt jedenfalls keinen Grund anzunehmen, dass der Nachfolger von EB Zollitsch das Trauerspiel einfach weiterführen wird.)


Was zum Schmunzeln gibts dann aber doch noch: Wie man in diesem Video (klick) am Anfang sehr gut sehen kann, lagen auf den Stehtischen im Tagungszentrum überall Kreisel mit dem Logo der Versammlung aus (s. Bild)... Wie passend! Man dreht sich um sich selbst... Viel Bewegung, aber nichts bewegt sich. Endlich mal eine sinnvolle Verwendung von Kirchensteuermitteln!

Donnerstag, 21. November 2013

Bischofstheater

Es wird wohl ein tragikomischer Winter.

Der Freiburger Ex-Oberhirte gibt sich cool, pfeift auf die Anordnung aus Rom und die Bischöfe von Trier und München pflichten ihm offenbar bei. So weit, so schlimm.
Zum Lachen finde ich es, dass man Rom attestiert, eine Diskussion nicht beenden zu können, man selbst aber derjenige ist, der durch das Schaffen von Fakten jedwedem legitimen Diskurs den Boden entzieht. Denn die Freiburger Handreichung ist eben gerade nicht, wie der Freiburger Ex-Oberhirte gebetsmühlenartig fabuliert, ein "Diskussionsbeitrag", sondern, ich Zitiere aus dem Vorwort der Handreichung, "Sie ist gedacht als eine Orientierung für die pastorale Praxis in den kommenden Jahren." Die Handreichung versteht sich selbst als die praktische Umsetzung von... ja wovon eigentlich? Vom Ergebnis eines "Dialogs" (s. hier) wohl kaum, denn der wird ja angeblich noch geführt (und die Handreichung ist angeblich nur ein Impuls für selbigen)?

Anyway: Das Heiße bei den jüngsten Entwicklungen ist wohl die Sache mit der Vorbildfunktion... Wenn Bischöfe nun tun können, was sie wollen, und einer nach dem anderen einem römischen Einspruch ganz einfach eine Absage erteilen können, dann ist es nur logisch und konsequent, wenn die Priester ihren Bischöfen gegenüber in Zukunft genauso agieren. Zwar ist das ja de facto ohnehin schon so, aber jetzt, durch den expliziten Ungehorsam einzelner Bischöfen gegenüber Rom, ist der priesterliche Ungehorsam gegenüber dem Bischof vollumfänglich legitimiert! (Auch der bischöfliche Ungehorsam ist nicht neu, etwa wenn man an die Weigerung der Bischöfe denkt, die notwendige neue Übersetzung des Messbuches umzusetzen, nur war dieser Ungehorsam bisher nicht derart öffentlich und dermaßen dreist!) Sehr bedenklich... (über die Wirkung auf die Laien macht sich Frischer Wind gerade, hier, Gedanken)
Die letzten beiden Ungehorsamsaufrufe wurden ja inzwischen von den deutschen Bischöfen gewissermaßen ratifiziert (eben die Verweigerung der Messbuchüberarbeitung, s. hier, und die Sache mit dem Kommunionempfang, s. dazu hier). Der nächste Ungehorsamsaufruf kommt bestimmt, und diesmal wird man sich gewiss v.a. auf die nun "ungehorsamen" Bischöfe berufen, statt auf irgendwelche toten oder exkommunizierten Galionsfiguren! (Was wird wohl nächstes Mal Thema sein? Werden dann die ungehorsamen Priester ein Memorandum verfassen, in dem sie erklären, dass sie vorhaben zu heiraten [oder schon geheiratet haben], um so eine Abschaffung des Zölibats zu erzwingen? Man darf gespannt sein.)

Auf den Punkt gebracht: Warum soll denn nun bitteschön irgend ein Priester noch auf seinen Bischof hören, wenn sich doch auch der Bischof von seinem Vorgesertzten nichts mehr sagen lässt?

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll... Das fröhliche Selbstauflösen kann jedenfalls beginnen!


PS. Nur für alle Fälle führe ich mal "schisma" als neues Label ein... man weiß ja nie...

Dienstag, 8. Oktober 2013

Nochmal zu den "Wiederverheirateten"

Natürlich bringt die berüchtigte Handreichung (s. hier) nichts "Neues". Mir ist keine Pfarrei in Freiburg bekannt, in der geschiedene Wiederverheiratete irgendwie am Kommunionempfang gehindert werden.

Das Problem mit der Handreichung ist, dass sie diese inoffizielle Praxis quasi-offiziell sanktioniert. Quasi-offiziell deshalb, weil diese Handreichung keinen Lehramtlichen Anspruch hat und auch nicht haben kann, denn sie vermeidet tunlichst jeden Bezug auf die Lehre der Kirche in dieser Sache. Sie stammt auch nicht vom Bischof, sondern vom Seelsorgeamt. Das ist an sich sehr geschickt, denn auf diese Weise gibt es niemanden, der deswegen so richtig belangt werden könnte. Was soll schon passieren, soll die Kongregation für die Glaubenslehre das "Erzbischöfliche Seelsorgeamt Freiburg" abmahnen? Das Timing der Veröffentlichung ist auch klug gewählt, denn den Bischof gibt es ja schon nicht mehr - obzwar sein Gespenst, mit dem Etikett "Apostolischer Administrator" versehen, noch durch die Räumlichkeiten des Ordinariats streift - der kann nicht mehr belangt werden.
Approps "veröffentlicht": Interessant dürfte sein, dass diese Handreichung eigentlich nicht öffentlich sein sollte, zumindest wurde das so den Pfarrern mitgeteilt... die haben vielleicht Augen gemacht, als sie nach Hause kamen und feststellten, dass man sie bequem (und öffentlich) von der Bistumsseite runterladen kann.

Was die Handreichung v.a. tut, und weswegen gerade BDKJ, Z(d)K und andere vor Freude die Decke eindellen, ist dies: Verwirrung stiften. Denn die Handreichung widerspricht in ihrem quasi-offiziellen Daherkommen der geltenden Lehre der Kirche. Nicht mehr, nicht weniger. Die relevanten Aussagen aus Rom verbieten genau das, was in der Handreichung en detail vorgelegt wird. Nämlich vor allem: das Gewissen und die Befindlichkeit des Einzelnen als letztgültige Instanz bei der Beurteilung der Situation (Kongregation für die Glaubenslehre, über den Kommunionempfang von wiederveriehrateten Geschiedenen, hier, Nr. 7), die "Anerkennung" einer "Zweitehe" durch (quiasi-)liturgische Akte (Familiaris Consortio 84) und natürlich überhaupt die bloße Möglichkeit, "wiederverheiratete Geschiedene" zur Eucharistie zuzulassen (ebd.).

Wer sich müht der Lehre der Kirche zu folgen, muss im Erzbistum Freiburg nun damit fertig werden, dass ihm von quasi-offizieller Seite, zwar nicht vom Bischof, aber immerhin von einem "kirchlichen Amt" und mit der Unterschrift von Domdekan(!) Möhrle, das genaue Gegenteil vorgelegt wird. Jedem unvoreingenommenen Leser fällt auf, dass es keinen Bezug zu authentischen Lehräußerungend er Kirche gibt, das Dokument würde haargenau so ausssehen, würde das Universum an den Bistumsgrenzen aufhören. Zwar wird das Schreiben Johannes Pauls II. "Familiaris Consortio" von 1981 kurz zitiert hinsichtlich der Notwendigkeit einer Unterscheidung der Einzelfälle (eine Unterscheidung, die das Dokument selbst dann aber völlig unbeachtet lässt, siehe Link oben), aber dass genau dieses päpstliche Dokument all das untersagt, was nun vorgeschlagen wird, scheint die Autoren wenig zu kümmern.

Was steckt da für eine Geisteshaltung dahinter? Ich stelle mir gerade vor, wie der Autor der "Handreichung" Familiaris Consortio, Abschnitt 84, ließt. Darin steht u.a. geschrieben: 
- Die Hirten mögen beherzigen, daß sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden.
- Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden [...].
- Die erforderliche Achtung vor dem Sakrament der Ehe [...] verbietet es jedem Geistlichen, aus welchem Grund oder Vorwand auch immer, sei er auch pastoraler Natur, für Geschiedene, die sich wiederverheiraten, irgendwelche liturgischen Handlungen vorzunehmen. 

Der Autor der Handreichung geht nun her, zitiert jenen ersten Teil (weil es sich gut macht, das Lehramt zu Wort kommen zu lassen...), und schreibt dann im restlichen (Groß)Teil seines Opus unbekümmert (und ohne weitere Bezüge zur Lehre der Kirche) darüber, wie man genau das zu tun habe, was der restliche Text von Abschnitt 84 explizit untersagt.
Was geht wohl im Kopf von einem Menschen vor, der soetwas erarbeitet? Und was geht im Kopf des Domdekans vor, dass er das Machwerk unterschreibt?


Wieso macht man es den Gläubigen, die einfach nur katholisch sein wollen, so schwer? Warum stiftet man derart Verwirrung, indem man ohne Rot zu werden unter dem Logo des Erzbistums das Gegenteil dessen propagiert, was gültige und verbindliche Lehre der weltweiten Kirche ist? Das ist einfach nur dumm und dreist...
... aber es bringt gute Schlagzeilen. Wohl bekomms!


PS. Und, ja, es ist auch bemerkenswert und vielsagend, dass mit dieser Handreichung im Grunde genommen dem letztjährigen Ungehorsamsaufruf freiburger Prägung, "Aufbruch 2012" (siehe dazu ausführlich hier), die kirchliche Billigung und amtliche Förderung zugesprochen wurde. Heißt das, in Zukunft genügt eine Unterschriftenaktion, um die "Lehre der Kirche" wunschgemäß zu ändern? Gefährlicher Präzedenzfall!