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| Der Richter auf dem Regenbogen |
Ich lege hier nicht meine eigene Meinung dar, sondern den Standpunkt der Bibel (und damit des kirchlichen Lehramtes). Vgl. auch meine Ausführungen über das Be-urteilen von Sünde: hier.
Eine Vorbemerkung: Um gleich mal dem völlig falschen Eindruck zu wehren, Christen hegten speziell gegen homosexuell empfindende Menschen einen Groll, sei darauf hingewiesen, dass nach katholischem Verständnis das Ausleben der menschlichen Sexualität seinen einzigen legitimen Ort in der unauflöslichen Gemeinschaft der Ehe hat. Eine Ehe wiederum kann nach katholischem Verständnis (und darin zu unterscheiden von dem, was etwa manche Staaten unter dem Begriff "Ehe" verstehen) nur zwischen einem Mann und einer Frau gültig geschlossen werden. Folglich ist jeder vor- und außereheliche Geschlechtsverkehr als schwere Sünde zu betrachten, gleichgültig ob die Handelnden nun homo- oder heterosexuell empfinden. Dass Sex nur in die Ehe gehört, darf im Übrigen durchaus als ein Grundpfeiler der ganzen katholischen Sexualmoral betrachtet werden.
Immer gilt: Als Christen sind wir dazu gerufen, jeden Menschen, auch den Sünder (wir sind ja selber welche), zu achten, anzunehmen und zu lieben. Aber die Sünde sollen wir bekämpfen (auch unsere eigene); nie können wir Sünde einfach akzeptieren oder sogar gutheißen. Es gilt also immer zwischen den Menschen und ihren (sündhaften) Handlungen zu unterscheiden. Grundsätzlich verlangt aber der "Kampf gegen die Sünde" von uns Widerstand "bis aufs Blut" (Hebr 12,4).
»Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfaßtheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.« (KKK 2358)
Oft wird gesagt, Jesus habe nichts zum Thema Homosexualität gesagt, darum dürfe die Kirche sie auch nicht verurteilen. Und es stimmt: Jesus hat nie das Wort "Homosexualität" gebraucht. Und er hat auch nie die mit diesem Wort bezeichnete Handlung explizit benannt. Aber dieser Hinweis auf das Vorkommen oder Nichtvorkommen von Begriffen im Munde Jesu hat keinerlei argumentative Kraft, denn ebensowenig hat Jesus Vergewaltigung, Pädophilie, Sodomie, Prostitution, Abtreibung, Umweltzerstörung oder Sklavenhandel explizit erwähnt; trotzdem halten wir diese Dinge für sündhaft.
Ironischerweise vertreten die Leute, die damit argumentieren, dass Jesus dazu ja nichts gesagt habe, sehr oft auch vehement die Ansicht, die Kirche müsse endlich Scheidung und Wiederheirat anerkennen... ... Jesus: "Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet." (Mk 10,11f.; vgl. auch Mt 5,32; 19,9; Lk 16,18; 1.Kor 7,10f.)
Auch wird gesagt, dass das Verbot von Homosexualität alttestamentlich sei, und wir würden doch heute auch niemanden mehr steinigen. Das ist insofern falsch, weil bereits im Alten Testament die jeweiligen Gesetze und Vorschriften unterschiedliches Gewicht hatten und sie in verschiedenen Kontexten und auf verschiedene Personen(gruppen) Anwendung fanden - also nicht alle Vorschriften gleich-wertig waren. Und im Neuen Testament finden wir, autoritativ durch Jesus selbst und seine Apostel, eine "Umwertung" des Gesetzes. Jesus führt die Vielzahl der alttestamentlichen Ge- und Verbote auf ihren vom Schöpfer gesetzten Kern zurück ("der Sabbat ist für den Menschen da", "am Anfang war das nicht so"), was in Teilen einer Abschaffung gleichkommt, in anderem eine Milderung oder aber auch eine Verschärfung des bisher Geltenden bedeutet. Laxismus kann man Jesus jedenfalls nicht vorwerfen.
Es gilt zu unterscheiden und besonders in den Blick zu nehmen, was denn nun eigentlich für Christen gilt und was nicht. Aber der Reihe nach.
Jesus sagt in Mt 5,17, dass er nicht gekommen sei, das (jüdische) Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen. Er kannte dieses Gesetz (die Thora), nach dem auch er und seine Familie lebten (vgl. Lk 2), auswendig und hat immer wieder ganz selbstverständlich darauf Bezug genommen und es oft auch interpretierend kommentiert. Für uns stellen sich hier zwei Fragen: Was sagt dieses Gesetz zu homosexueller Praxis? Und: Inwiefern sind diese Aussagen auch für Nichtjuden relevant?
Im Buch Leviticus (Drittes Buch Mose) finden wir fast ausschließlich Stellen, an denen es in der Einleitung von Gesetzesvorschriften heißt: "Sage Aaron und seinen Söhnen [= den Priestern]..." oder "Sage den Söhnen Israels..." (z.B. Speisegesetze). Folglich sind die so eingeleiteten Gesetze in erster Linie relevant für Juden. Es gibt lediglich vier Stellen, an denen diese Formulierung auffällig anders lautet, nämlich: "Sage den Söhnen Israels und den Fremden die in eurer Mitte wohnen...". Diese Gesetze, es sind Verbote, betreffen also auch die Nichtjuden. Diese sind:
1. Götzenopfer (Lev 17,8f.; 20,2)
2. Blut trinken (Lev 17,10.12)
3. Ersticktes essen (Lev 17,13)
4. Unzucht (Lev 18)
Unzüchtiges Verhalten wird in Lev 18 näher spezifiziert: Jegliche Form von Inzest, Ehebruch, der Beischlaf von Männern mit Männern sowie sexueller Verkehr mit Tieren. Sex von Männern mit Männern wird dabei explizit als Gräuel bezeichnet, eine Kategorie, die ansonsten vor allem für die Bewertung von Götzen(dienst) Verwendung findet (siehe dazu z.B. 2.Kön 23,13 und Hes 8), also für Verstöße gegen das allem anderen zugrundeliegende 1. Gebot des Dekalogs.
In der heidnischen Umwelt Israels - zur Zeit der Gesetzgebung (etwa in Ägypten oder Kanaan) wie auch zur Zeit Jesu (in der ganzen griechisch geprägten Welt des Mittelmeeres) - war ausgelebte Homosexualität eine verbreitete und gesellschaftlich akzeptierte Erscheinung. Die Juden machten dabei jedoch nicht mit, denn dem Gesetz Gottes zufolge handelt es sich hierbei um Praktiken, die die Menschen und auch das ganze Land, in dem sie leben, unrein machen (vgl. Lev 18,28), also um besonders schwerwiegende Vergehen die nicht gebunden sind an eine bestimmte Zeit oder Personen(gruppe).
Das Neue Testament bringt nun einige Änderungen für den Umgang mit dem Gesetz. Die Rezeption dieser hier relevanten und zuvor genannten Gesetze ist es, die uns jetzt interessiert. Und genau da finden wir eine erstaunliche Beständigkeit im Zeugnis der Schift vor:
A) Jesus, der mit dem Gesetz bestens vertraut war, nennt ausdrücklich die Unzucht (und wir haben keinen Grund, anzunehmen, dass er darunter etwas anderes versteht als das, was das jüdische Gesetz darunter versteht) und verurteilt sie als etwas, das aus dem Herzen des Menschen kommt und ihn unrein macht: "Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft." (Mk 7,21-22)
B) Paulus, der große Lehrer der göttlichen Liebe (vgl. 1.Kor 13), greift dies in seinem Brief an die Römer auf (Röm 1,24ff.) und behandelt auch explizit gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr mit harten Worten: Männer wie Frauen haben "den natürlichen Verkehr [...] verlassen [und] sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt". "Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge" weil sie es "nach ihrem eigenen Urteil nicht nötig hatten, Gott anzuerkennen" und "empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst."
C) Exakt jene vier Bereiche, die auch für die "Fremden in Israel" verboten waren (Götzenopfer, Blut und Ersticktes, Unzucht [mit allem, was dazugehört]), werden - darin im Sinne des Gesetzgebers völlig folgerichtig - auch vom Apostelkonzil (Apg 15) für die nichtjüdischen Nachfolger Jesu als einzige verbindliche Gebote des in Leviticus gegebenen Gesetzes benannt: "Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig." (Apg 15, 28f.) Was früher für alle, auch die Nichtjuden, galt, gilt weiterhin für alle.
D) Nach Offb 21,8 wird nichts Unreines in das neue, ewige Jerusalem, die Stadt Gottes hineinkommen: "Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner - ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein. Dies ist der zweite Tod." Und noch knapper: "nichts Unreines wird hineinkommen und keiner, der Gräuel [!] tut" (Offb 21,27)
Den neutestamentlichen Befund zusammenfassend, ergibt sich folgendes Bild:
a) Das von Gott den Juden (und den Fremden) gegebene Gesetz verbietet aufs Schärfste die Unzucht und darin auch expressis verbis das Ausleben gleichgeschlechtlicher Sexualität.
b) Jesus hat dieses Verbot bestätigt.
c) Die frühe Kirche hat dies einmütig und "im Heiligen Geist" ebenfalls bestätigt.
d) Die prophetische Beschreibung des Gerichtes Gottes in der Offenbarung des Johannes bestätigt schließlich die Folgenschwere des Gräuels der Unzucht.Anzumerken ist hierbei noch, dass die frühen Christen sehr bald auch von den verbliebenen Speisegeboten Abschied genommen haben, was aber durchaus auf der Linie von Jesu Verkündigung liegt, wie uns der Evangelist Markus ausdrücklich nach einer wörtlichen Rede Jesu in einer redaktionellen Anmerkung mitteilt: "Merkt ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? ... Damit erklärte er [Jesus] alle Speisen für rein." (Mk 7,17f.)
Manchmal wird behauptet, das Thema sei unbedeutend, weil es im Gesetz selten explizit behandelt wird (nur Lev 18). Das stimmt aber nicht. Zuweilen wird auch gegenteilig behauptet, es gäbe in der Heiligen Schrift geradezu eine Obsession mit diesem Thema. Auch das stimmt nicht: Die Bibel behandelt einfach alles was den Menschen betrifft in gebührender und ungeschönter Weise (der KKK behandelt das Thema übrigens nur in 3 von insgesamt ca. 3000 Nummern - auch hier keine Obsession).
Dieser biblische Befund mag uns erschrecken. Wir müssen uns aber immer fragen, wie ernst wir das Wort Gottes nehmen. Die ganze Heilige Schrift ist hier eindeutig. Es gibt in der gesamten Bibel keine Andeutungen, die eine andere Schlussfolgerung nahelegen als diese, dass ausgelebte Homosexualität eine schwere Sünde ist. Es gibt keine Abmilderung und keine Relativierung. Wir wissen, dass Jesus gerade bei den Themen Ehe und Sexualität die Vorschriften des Alten Testaments nie abgeschwächt, sondern oft genug sogar noch (und zwar im Sinne des Schöpfers und Gesetzgebers) verschärft hat. Als die Juden Jesus fragten "Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben und zu entlassen?" Antwortet Jesus, das Zugeständnis des Mose aufhebend und auf die Schöpfungsordnung verweisend: "Er spricht zu ihnen: Mose hat wegen eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. Ich sage euch aber, dass, wer immer seine Frau entlässt, außer wegen Hurerei, und eine andere heiratet, Ehebruch begeht; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch." (Mt 19,7-9)
Diese herausgehobene Stellung der Sexualität ist naheliegend, wenn man bedenkt, dass der Mensch auf diese Zweisamkeit hin geschaffen wurde ("als Mann und Frau schif er sie... sie werden ein Fleisch sein") und das "erste Gebot" Gottes an den Menschen auch hier angesiedelt ist ("seid fruchtbar und mehret euch"). Sie betrifft den Menschen so existentiell wie kein anderer Bereich des Lebens - positiv wie negativ. Unsere Sexualität ist ein wesentlicher Teil unseres Weges zur Heiligkeit, zum Leben bei Gott. Jenes berüchtigte Kapitel 18 in Levitikus ist denn auch nicht nur eine Schilderung einer schweren Sünde ("Gräuel"), die es zu unterlassen gilt, es ist v.a. eine Verheißung des Lebens, dem nämlich das Verbot einzig dient. Die Unterweisung beginnt wiefolgt:
»Ich bin der HERR, euer Gott.
Nach der Weise des Landes Ägypten, in dem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht tun; und nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht tun; und in ihren Ordnungen sollt ihr nicht leben.
Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben.
Ich bin der HERR, euer Gott.
Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben.
Ich bin der HERR.« (Lev 18,2-5; vgl. Lev 19,2)
Die Kirche wusste sich immer an diese biblischen Vorgaben gebunden. Von einer veränderten Lebenswirklichkeit kann nicht die Rede sein, denn, wie gesagt, war Homosexualität in der Welt, in der das Christentum entstand, übliche Praxis (zusammen mit Gladiatorenkämpfen, Kreuzigungen und Sklaverei...). Was heute anders ist, ist die Einstellung mancher Hirten und vieler die sich Christen nennen, zum Wort Gottes... inwiefern es noch gilt und was das für Folgen hat für unser moralisches Urteilsvermögen. Ich werde letztere Frage in einem kommenden Beitrag vertiefen (hier).
»Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen [wie alle anderen Menschen auch]. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft –, durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.« (KKK 2359)
PS. Was das nunmehr in den USA eingeführte so genannte "Menschenrecht" auf gleichgeschlechtliche Ehen betrifft, nur eine kurze Notiz: Als Katholiken leben wir schon seit Langem in einer Umwelt, in der es viele Lebensverhältnisse gibt, die - staatlicherseits oder von der veröffentlichten Meinung - als "Ehe" betrachtet werden, von denen wir aber wissen, dass sie keine sind. (Oder wie sollte man das sonst bewerten, dass Zweit- und Drittehen inzwischen völlig "normal" sind?) Schon heute müssen Katholiken ihren Begriff von Ehe samantisch von dem der Mehrheit der Gesellschaft abgrenzen. Insofern wird die in absehbarer Zeit auch hierzulande kommende "Homo-Ehe" wenig Neues bringen. Und wer mit dieser Entwickklung nicht schon seit geraumer Zeit gerechnet hat, der lebt wohl in einem Schneckenhaus... natürlich musste das kommen und natürlich wird das auch bei uns bald aktuell. Eine Ablehnung seitens des Staates ist heute nicht mehr haltbar. Machen wir uns nichts vor: Gesetzesentwürfe zu Geschwisterehe (in Zeiten von ubiquitärer Verhütung und Abtreibung fällt der biologische Grund für ein Inzestverbot faktisch weg) und Vielehe ("wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen") sind auch schon in vielen Schubladen auf stand-by.
Früher wollten die jungen Wilden die Ehe abschaffen, heute fordern sie "für alle" die Ehe. Freilich ist das Ergebnis dieser jeweiligen Bestrebungen das Gleiche: Eine faktische Egalisierung ist nur eben ein viel effizienterer Weg zu ihrer Zerstörung als die Agitation gegen sie... damit lässt sich Mehrheit (freilich nicht: Wahrheit) herstellen...
Alles was Menschen an "Gesetzen" machen, kann auch von Menschen wieder rückgängig gemacht werden. Auch die Legalität der Abtreibung wurde in den USA einst höchstrichterlich beschlossen, aber inzwischen hat der Lebensschutz dort die Chance, der neue Mainstream zu werden!












