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Mittwoch, 20. Juli 2022

Abgesang an das "Zeugnis des Lebens"

Nach und nach streichen die Bistümer nun den Aspekt der Lebensführung aus dem Anforderungskatalog für Religionslehrer (Lebensführung kein Kriterium mehr für Religionslehrer in Hildesheim).

Das ist einerseits natürlich ein Skandal, andererseits aber auch irgendwie skurril.

Evangelisierung, Verkündigung des Evangeliums läuft über das Zeugnis: Ich gebe Zeugnis von Christus. Dieses Zeugnis ist schon immer ein zweigeteiltes, es besteht aus einem "Zeugnis des Wortes" und einem "Zeugnis des Lebens". Seit Jahrzehnten wird in Deutschland das Zeugnis des Lebens so sehr überbetont, dass das Zeugnis des Wortes nicht selten ganz ausfällt. "Wir wollen die Menschen nicht mit Worten belehren, sondern ihnen das Evangelium vorleben", heißt es salbungsvoll. Dagegen das Vaticanum II in seinem Dekret über das Laienapostolat, nachdem die Bedeutung Lebenszeugnisses sehr betont wurde: "Dennoch besteht dieses Apostolat nicht nur im Zeugnis des Lebens. Ein wahrer Apostel sucht nach Gelegenheiten, Christus auch mit seinem Wort zu verkünden, sei es den Nichtgläubigen, um sie zum Glauben zu führen, sei es den Gläubigen, um sie zu unterweisen, zu stärken und sie zu einem einsatzfreudigen Leben zu erwecken" (Nr. 6)

Was heißt es nun aber für das Doppelzeugnis aus Wort und Leben, bei dem schon lange das Wort vernachlässigt wurde, wenn die Lebensführung plötzlich irrelevant wird? Man darf wohl bezweifel, dass man sich nun ganz auf das Zeugnis des Wortes konzentrieren wird...

Ich verbleibe mit KKK 2044: „Damit die Heilsbotschaft vor den Menschen ihre Wahrheits- und Ausstrahlungskraft zeigen kann, muss sie durch das Lebenszeugnis der Christen beglaubigt werden.“

Samstag, 26. Oktober 2019

Gefährliche eucharistische Anbetung

Vor ein paar Tagen hat ein Artikel auf katholisch.de für Furore gesorgt (HIER), weil darin die eucharistische Anbetung auf Recht merkwürdige Weise herabgesetzt und suspekt gemacht wurde. (Es wurde u.a. ein für mich nicht nachvollziehbarer Zahlenvergleich mit irgend so einer dubiosen politischen Organisation bemüht, die sich als "katholische Jugend" tarnt.) Und nebenbei wurde dadurch die Werbetrommel für den "Adoratio"-Kongress gerührt. (Ich würde gerne selber teilnehmen, kann aber leider nicht.)

Mich hat jener Artikel schockiert, aber nicht sonderlich überrascht. Die Theologie in Deutschland und auch die Reflektionsprozesse in den deutschen Kirchenbehörden sind seit ein paar Jahren (ausgelöst durch das Phänomen "Nightfever") damit beschäftigt, nicht selten missgünstig auf die eucharistische Anbetung zu blicken.
Solche Reaktionen kommen zu einem Gutteil daher, dass alle gebräuchlichen religions-soziologischen Modelle, mit denen man hier wie dort arbeitet und die quasi die "Offenbarungsquelle" für das die Pastoral bestimmende "Lehramt" sind, diesen Trend weder vorhergesagt haben noch irgendwie erklären können. Man ist also zunächst einmal schlicht ratlos und weiß nicht, was man davon halten oder wie man damit umgehen soll. Darum wurde Nightfever in der Theologie und in vielen Diözesen auch so lange ignoriert, bis es nicht mehr zu ignorieren war.

Ein anderer Grund für die abweisende Reaktion auf ein Erblühen der eucharistischen Anbetung liegt wohl darin begründet, dass diese fundamental im Widerspruch zu dem steht, was im Kern des theologischen Mainstreams seit Jahren nicht mehr wie früher nur festgestellt, sondern aktiv betrieben wird: die Entsakralisierung. (Vgl. auch meinen Beitrag "Über die Angst vor bekehrten Christen".) Es gibt eine inzwischen tief sitzende Abneigung gegen das Heilige, was u.a. daran liegt, dass es nicht demokratisch einzuebnen ist und nicht dem "Machen" unterworfen werden kann. Wenn es das Heilige, das Sakrale gibt, dann ist hier etwas nicht "auf Augenhöhe" und damit inkompatibel mit der herrschenden Ideologie. Die Folgen dieser Abneigung werden augenfällig in mancher Kirchenarchitektur, aber mehr noch in pastoralen Programmen deutscher Diözesen und natürlich in der sich selbst "theologisch" nennenden Literatur.
Die eucharistische Anbetung - oder allgemeiner: die unmittelbare Begegnung mit dem Heiligen - passt nicht in das, was den Verantwortlichen in Theologie und Bistumsverwaltung wichtig ist: sie widerspricht dem Konsens zwischen Theologie und Pastoral, sie widerspricht den Prognosen und Planungen, und sie widerspricht v.a. der aktiv angestrebten Umgestaltung des gläubigen Bewusstseins (weg von Dingen wie Geheimnis, Sünde, Heiligkeit, Wahrheit etc.). (Randnotiz: In Freiburg, Regensburg und Paderborn wurde in den vergangenen Jahren [2008, 2009 {aktualisiert 2016} und 2017] jeweils eine recht umfangreiche Broschüre zum Thema eucharistische Anbetung herausgegeben, jedoch scheinen das eher isolierte Phänomene zu sei, die schon in den bischöflichen Behörden selbst zumeist belächelt oder ignoriert werden.)

Es ist immer erheiternd, wenn man Theologen und Kirchenfunktionäre über das "Hören auf den Heiligen Geist" reden hört. Aber wehe, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, das auch noch unzweifelhaft katholisch ist. Im Zweifel ignoriert man es dann einfach, packt es in die Schublade "zu Überwindendes" und schreitet mit dem religions-soziologisch abgesicherten pastoralen Programm unbeirrt voran.


Der Theologe Gregor Maria Hoff aus Salzburg hat angesichts der Missbrauchskrise den Begriff der "Sakralisierungsfalle" geprägt, den ich zwar nicht für glücklich gewählt, aber zumindest für einigermaßen nützlich zur Beschreibung eines Sachverhalts halte: Es geht um die Gefahr, dass ein Priester bzw. seine Autorität/Macht zu sehr (durch sich selbst oder von anderen) überhöht, geradezu engelgleich stilisiert wird, was dann leider den Tätern zugute kommt, sei es psychologisch für sie selbst, sei es, weil dadurch die Vertuschung begünstigt wird. Der Begriff "Sakralisierungsfalle" rückt leider (ob beabsichtigt oder nicht) das Sakrale und den (echten) Klerikalismus in eine enge gedankliche Nähe. Inzwischen ist auch wahrzunehmen, wie das gedankliche Umfeld dieses Begriffs auf andere Aspekte der Kirche angewendet wird, namentlich etwa die eucharistische Anbetung.
Theologen wie Kirchenbeamte können heute ganz selbstverständlich davon sprechen, dass eucharistische Anbetung irgendwie "problematisch" sei. Dies wird dann z.B. damit begründet, dass hier die "Gefahr der Sakralisierung", d.h. der geistlichen Überhöhung bestünde. Konkret ist damit etwa gemeint: Die durch die Aussetzung des Allerheiligsten notwendig eintretende "Unterscheidung zwischen sakral und profan" würde die Eucharistie aus dem "kommunikativen Zusammenhang der Liturgie" herausreißen. (Das in den "..." sind übrigens Zitate, ich denke mir das nicht aus.)
Mit Letzterem ist gemeint, dass in der Liturgie der Kirche Kommunikation zwischen Mensch und Mensch stattfinde, was bei der eucharistischen Anbetung nicht der Fall sei (= Problem). Auf den Gedanken, dass die eucharistische Anbetung vielleicht der "kommunikative Zusammenhang" par excellence sein könnte, weil hier der Einzelne Christ unmittelbar geistig und leiblich vor den geistig und leiblich anwesenden Gott kommt um mit diesem ins Gespräch zu treten, kommt man dabei natürlich nicht. Die vertikale Dimension (das Heilige!) ist allzuoft gar nicht mehr im Bewusstsein jener Theologen und Kirchenbeamten. 

Man muss sich das einmal vor Augen führen: Da wenden sich (v.a. junge) Leute mit Überzeugung und Sehnsucht dem zu, was/den wir Katholiken als Zentrum, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens wie des Lebens der ganzen Kirche bekennen. Aber nicht wenige Theologen und Bistumsbeamten (oder katholisch.de-Autoren) sehen darin nicht etwa einen Anlass zu Freude und Dank, sondern zunächst einmal etwas "Problematisches", ja sogar eine "Gefahr"...

Ich glaube, die eucharistische Anbetung ist tatsächlich eine Gefahr: Eine Gefahr für alles, was nicht der heil(ig)enden Botschaft des Evangeliums entspricht.

Montag, 24. Juni 2013

... berufen, Apostel zu sein


»Da sind die beglückend emporgewachsenen Hoffnungen des Priesterberufs, der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Priester, die in großer Zahl - und doch niemals genug! - im reiche Gottes wirken, da die jungen Männer in den Seminarien, in den Ordenshäusern; da sind schließlich - warum auch nicht? sind nicht auch sie Christen? nicht auch sie berufen, Apostel zu sein? - die Studierenden auf den katholischen Universitäten; da sind die Hoffnungen all der anderen aufsteigenden Kräfte eines künftigen, noch nicht absehbaren Laienapostolates. Eines Apostolates, das sich ausbreitet, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Hemmnisse, bis hinein in die Völker, die unter Verfolgungen zu leiden haben; dort opfert es und hört nicht auf zu opfern und ist so ein Schauspiel voller Trost, das zu Worten der Bewunderung und der Freude hinreißt. "Licht zur Erleuchtung der Heiden" (Lk 2,32), Herrlichkeit des auserwählten Volkes.«

Diese Prophetischen Worte, diese Hochschätzung und Betonung der Sendung der Laien, die nicht minder berufen sind, "Apostel zu sein" und "zu opfern", stammen vom seligen Papst Johannes XXIII (Geistliches Tagebuch, S. 388).

Interessant ist auch, woran er dies festmacht: Am Rosenkranzgebet.
Der Papst geht aus vom vierten Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes "... den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast." Die Opferbewegung Mariens sieht Johannes in der Kirche fortgesetzt, natürlich ist hier v.a. die Eucharistie gemeint . Aber er geht darüber hinaus und bezieht alle Gläubigen in diese Bewegung Mariens mit ein; alle Glieder der Kirche sollen Zeichen der Hoffnung sein, Trost spenden und zur Freude hinreißen.

Für Papst Johannes ist der Rosenkranz hierzu der Schlüssel. Ich kann ihn darin gut verstehen...

Samstag, 10. November 2012

Eine neue Evangelisierung!

Eine Messerscharfe Analyse und die Antwort der Kirchenväter (aus einer Ansprache an die Synode; in zwei Teilen):

Freitag, 24. August 2012

Kirchen-, Glaubens-, oder Verkündigungskrise?

Ein lesenswerter Artikel über die "Krise" im Bistum Hildesheim in der FA.

Ein, zwei Sachen stören mich dann doch:
»99 Prozent können mit der katholischen Messe nichts anfangen, weil sie es nicht verstehen, weil ihnen die Uhrzeit nicht passt, weil es ihnen zu langweilig ist oder weil es sie nicht berührt.«

Es lässt sich wohl auf den erste Punkt runterkürzen.
Hmm... sie verstehen es nicht... Steht der Lehrer vor der neuen Klasse, und alles was er tut, ist zu klagen, dass die Schüler "es" nicht verstünden...

Ich finde es zudem sehr befremdlich, wenn hier davon gesprochen wird, "die Kirche" müsse "neue Formen" wagen. Heißt das, sie soll ihre "alten Formen" aufgeben (weil sie ja niemand "versteht")? Ich halte es zudem für völlig falsch, derartiges von oben her zu verordnen oder gar planen zu wollen... Das beste Beispiel ist Nightfever: Von "unten" kommend, ist es eine Gottesdienstform die junge Leute anzieht und begeistert. Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste daran: Es ersetzt nichts. Es klingt ein wenig sehr danach, als wollten Herr Hennecke und Frau Reus, mit bischöflichem Segen, die Hl. Messe mit einem Lobpreiskonzert oder -abend ersetzen... was recht befremdlich ist, denn ein Lobpreisabend ist ein Lobpreisabend und eine Hl. Messe ist eine Hl. Messe... beides besuche ich reichlich, aber nur eines davon beinhaltet sakramentales Geschehen.

"Weil sie es nicht verstehen"?

»Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.« (1Kor 2,14)

»Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?« (Röm 10,14)

Entweder ist die Eucharistiue Teil unseres Glaubens, oder sie ist es nicht. Wenn sie es ist, dann kann und darf ich mich mit dem Nichtverstehen nicht abfinden und dann darf ich die Hl. Messe nicht ersetzen. "Neue Formen" können immer nur ein Zusatz, ein schönes Geplenkel sein, das stets au die "Teilnahme am eucharistischen Opfer", die "Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (vgl. SC 11) ausgerichtet bleibt oder dorthin führt. Dass die Eucharistie der Erklärung bedarf ist kein modernes Phänomen. Die Kirche ist kein Ramschladen der sein Lager räumen muss, sondern sie ist Hüterin des sakralen -- Bewahrerin der leibhaftigen Gegenwart Gottes.

Samstag, 21. Juli 2012

Sprache

Alexander Kissler zerlegt das verbandskatholische Beamtendeutsch und stellt ihm die ehrliche und wahre Sprache des Papstes gegenüber. Wunderbar! 


Montag, 21. Mai 2012

Youcat-TV


Die erste Sendung von Youcat-TV: Noch viel zu wenig Views aber sehr gelungen, wie ich finde. Angucken!

Freitag, 30. März 2012

Mutter der Kirche

Quis non possit contristari?
Heute ist Schmerzensfreitag, heute gedenken wir der sieben Schmerzen Mariens, wir gedenken der Stabat Mater.
Das ist auch ein bedeutender Tag für die ganze Kirche insofern, weil Maria gerade am Apex ihres (Mit-)Leidens der Kirche zur Mutter gegeben wurde (Joh 19,27). Was für eine Mutter ist das? Und was für Kinder hat sie da?

Ich muss heute auch besonders an die gegenwärtige Lage der Kirche denken: an die schändlichen Taten ihrer Glieder in der jüngeren Vergangenheit, aber auch an das anstehende Jahr des Glaubens und die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung. Die Kirche leidet, sie ist krank. Sei es in Form von Fundamentalismus (links wie rechts!), in der Farb- und Profillosigkeit (man könnte es auch Feigheit nennen) vieler in Amt und Würden oder ohne dergleichen, in ihrer Verwelt(bild)lichung oder in der schlimmsten Sünde, den Mühlstein verdient hätte.

Ich bin nicht unbedingt das, was man "marianisch" nennen würde. Aber Maria ist definitiv keine bloße Zierde der christlichen Geisteswelt und ihre Schmerzen tragen mehr Frucht, als bloß eine schöne Vertonung der heutigen Sequenz etwa durch Giovanni Pergolesi.
Leo Scheffczyk drückte was ich denke einmal so aus: "Es kann nicht anders sein, als dass in der Gewissheit der mütterlichen Fürbitte Marias der Auftrag zur Evangelisierung an innerer Kraft, an Hoffnung, an Hingabe, an gnadenhaftem Optimismus, aber auch an Realismus und Leidensfähigkeit gewinnt."

Johannes Damascenus pries die selige Jungfrau in einer Predigt als "Segen für die Welt, eine Heiligung des Alls" und er empfahl sie als "Erquickung für die Matten, Tröstung für die Trauernden, Heilung für die Kranken, ein Hafen für die Gefährdeten, Verzeihung für die Sünder, linderndes Labsal für die Bedrückten, schnelle Hilfe für die Bittenden." Das war vor dreizehn Jahrhunderten. Entteuscht wurde diese "Verheißung" bis heute nicht.

Montag, 13. Februar 2012

Nightfever in der Neuen Welt


Nightfever hat endlich den Sprung über den Teich geschafft! Nachdem bereits am 4. Februar das erste Nightfever jenseits des europäischen Festlandes in London stattfand, hat es nun letzten Freitag sengensreich in Canada begonnen. Danke an D., dass er, nach verdienten Jahren in Deutschland, Nightfever in die "Neue Welt" mitgenommen hat!

So kann Neuevangelisierung aussehen!