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Donnerstag, 29. Dezember 2022

Jesus und Paulus

Verschiedentlich habe ich mich hier schon darüber ausgelassen, wie der theologische Mainstream versucht, einen Keil zwischen Jesus und Paulus zu treiben (z.B. hier) um je nach gusto etwas als (Ver)Fälschung oder als angeblich authentisch hinzustellen. Je nachdem, was gerade erforderlich ist. Sehr pointiert drückt dieses Mainstream-Ansinnen ein 2021 erschienener Buchtitel aus: "Jesus oder Paulus. Der Ursprung des Christentums im Konflikt" (muss man nicht lesen).

Ich möchte an einem kleinen, aber doch großen Beispiel zeigen, warum man solche kruden Thesen gelassen ignorieren und wie man sie, wenn nötig, auch gepflegt zerlegen kann.

 

Beispiel: Reich Gottes

Es ist allgemein anerkannt, dass im Zentrum der Verkündigung Jesu das Reich bzw. die Herrschaft Gottes steht. Über hundert Mal spricht Jesus in den Evangelien davon, und zwar als von einem kommenden, wie auch als von einem schon gegenwärtigen Reich. Und Paulus? 14 mal, und dabei fast ausschließlich als vom Kommenden. Dagegen spricht Jesus nicht sonderlich häufig vom Geist Gottes bzw. vom Heiligen Geist, etwa ein dutzend Mal. Und Paulus? Der spricht über hundert Mal vom Geist! Also genau verkehrt...

Hat also Paulus Jesu Botschaft vom Reich Gottes ersetzt durch seine Rede vom Geist, die bei Jesus eine (scheinbar) geringe Rolle spielte? War Paulus Jesu zentrale Botschaft egal, und er hat sie durch seine eigene ersetzt? Genau das (mehr oder weniger klar ins Wort gebracht) bringt man jedenfalls Theologiestudenten gerne bei.


Die Wahrheit ist dabei erstaunlich simpel: Sowohl für Jesus, als auch für Paulus, ist der Geist Gottes bereits Teil des Reiches Gottes, das wir als seine Söhne erben sollen bzw. er ist Teil der Herrschaft Gottes, denn Gott herrscht in und durch seinen Geist. Der Geist ist es, der das Reich, das einmal in Fülle offenbar werden soll, heute schon gegenwärtig macht. Die Spannung des "schon und noch nicht" löst sich genau im Wirken des Geistes in Klarheit auf.

Jesus: "Wenn ich aber im Geist Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen." (Mt 12,28)

Paulus: "Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott." (Gal 4,6-7)

 

Für Paulus ist das Reich bzw. die Herrschaft Gottes bereits hier, weil und insofern uns der Heilige Geist geschenkt ist (vgl. 1Kor 6,9-11!). Dass Paulus mehr vom Geist als vom Reich spricht, ergibt sich daraus, dass er nach Pfingsten lebt und spricht: Der Geist ist schon gekommen, den Jesus verheißen hat.

Der gern behauptete Gegensatz existiert nicht. Paulus verkündet, genau wie Jesus, das Reich Gottes. Nur benutzt Paulus diesen Ausdruck seltener, weil er stattdessen an die konkret gelebte Erfahrung des Geistes im Leben der Christen anknüpfen kann. Im Übrigen ist letztlich Jesus selbst die Herrschaft Gottes in Person (er ist mächtig, er gebietet, vergibt, wird richten, ist Herr), daher ist es wenig verwunderlich, dass Paulus anders darüber spricht als Jesus es tat: Für den Apostel ist Gottes Reich da, wo Jesus ist (und, im und durch den Geist, angenommen wird).

Montag, 5. September 2022

Verkündigung als Irreführung

Bischof Bätzing hat am vergangenen Sonntag in Essen zur Feier der Ludgerustracht gepredigt… und bewiesen, dass er entweder die Menschen böswillig in den Unglauben führen möchte, oder, dass er keine Ahnung vom Katholizismus hat. Sogar sein eigenes, nachlesbares theologhischen Fachwissen scheint er über Bord geworfen zu haben. Schlimm, wirklich schlimm.

Er sagte u.a.:


Dass die Grabstätten von Heiligen so bedeutsam wurden, dass man sogar Reliquienübertragungen quer durch Europa vollzog, hängt mit der familienbezogenen religiösen Einstellung der germanischen Bevölkerung zusammen. Dort bezog man sich auf einen Stammvater der Sippe – und der wurde nun im wahrsten Sinne des Wortes durch den Bezug zu einem christlichen Heiligen neu gesetzt.

Einmal davon abgesehen, dass es soetwas wie einen Heiligenkult und insbesondere Reliquienverehrung auch weit jenseits des Christentums gab und gibt (etwa im Buddhiusmus schon im 5. Jhd. v. Chr., im Konfuzianismus im 2. Jhd. v. Chr., ebenso im Islam bis heute), dies also schwerlich auf germanische Eigenheiten zurückzuführen ist, ist das von Bätzing dargelegte natürlich grundfalsch.

Im Christentum gab es Jahrhunderte vor den ersten Versuchen der Germanenmission schon einen ausgeprägten und auch theologisch reflektierten Heiligenkult inklusive Reliquienverehrung; das früheste uns in aller Deutlichkeit bezeugte Beispiel für einen ausgesprochenen Kult um einen Heiligen/Märtyrer und seine Reliquien ist Polykarp von Smyrna (gest. ca. 155), der seit ältester Zeit als Schüler des Apostels Johannes gilt, und auch da gewinnt man nicht den Eindruck, dass dies etwas Neues oder Unübliches war.

Dass die Verehrung gerade der Grabstätten der Heiligen nicht „mit der familienbezogenen religiösen Einstellung der germanischen Bevölkerung zusamme[hängt]“, sondern wohl eher biblische Wurzeln hat (Propheten- und Patriarchengräber!), kommt Bätzing offenbar nicht in den Sinn. Er dreht den Spieß einfach um und tut so, als wäre unsere christliche Heiligenverehrung ein heidnisches (germanisches) Relikt, das die Christen übernommen haben. In der Wirklichkeit ist es andersherum: Die Germanen hatten einen leichteren Zugang zum Christentum, weil sie Elemente ihrer eigenen Kuktur darin (in von heidnischen Vorstellungen gereinigter Form) wiederfanden.

Schon biblisch ist die Verehrung heiliger Gräber reichlich bezeugt. Als Jesus den Pharisäern zurief „Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten“ (Mt 23,29), da tadelte er nicht diese Praxis, sondern die Heuschelei die daraus entsteht, dass sie die Propheten und Gerechten zwar äußerlich ehren, sie in ihrem Tun aber verraten. Auch die Kraft solcher Gräber ist bezeugt: So hatte etwa das Grab des Elischa die Kraft, Tote zum Leben zu erwecken (vgl. 2Kön 13,20-21). Und ebenfalls biblisch ist auch schon die Verlegung von bedeutenden Gräbern („Reliquienübertragung“) bezeugt (etwa Rahels Grab: 1Sam 10,2).

Germanische Eigenheiten?


Der Glaube der Germanen war kriegerisch. Ähnlich wie bereits im Römischen Reich war man durchaus bereit, einem siegreichen Gott Folge zu leisten. So wurde das Kreuz mehr und mehr zum Siegeszeichen und Christus zum Sieger; die „Torheit des Kreuzes“, zu der sich der Apostel Paulus bekannte, trat sehr in den Hintergrund.

Soso, das Kreuz als ruhmwürdiges Siegszeichen und Christus als Sieger ist also nicht paulinisch? Redet er von dem Apostel Paulus, der immer wieder von dem Sieg und dem Siegespreis redet, den wir durch Christus errungen haben (Röm 8,37; 1Kor 9,24; 15,54.57; Phil 3,14; Kol 2,18)? Jener Paulus, der sich „allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen“ möchte (Gal 6,14), und der die, die nicht glauben, als „Feinde des Kreuzes Christi“ (Phil 3,18) bezeichnet?

Bätzing versteht offenbar nicht, dass Paulus mit der „Torheit des Kreuzes“ den Vorwurf der Ungläubigen benennt: „Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit“ (1Kor 1,23), und dass er dem entgegen setzt: „für die Berufenen aber, Juden wie Griechen: Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (V. 24) Insbesondere die Nennung der „Kraft“ ist hier aufschlussreich, denn sie weist in die gleiche von Paulus so geliebte „sportliche“ Bildsprache ([Wett]Kampf, Lauf etc.), wie die Rede vom „Sieg“. Nochmal: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen[!], Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“ (1Kor 1,18)

Achja, Jesus: „Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33) Insbesondere der Erste Johannesbrief und die Offenbarung des Johannes sind natürlich voll von „Siegesrhetorik“ darüber, was Jesus getan hat und wer er ist.

Germanische Eigenheiten?


Im Folgenden beklagt Bätzing dann noch, dass der Charakter der Eucharistie als Opfer „stärker in den Vordergrund“ getreten sei als die Danksagung, womit er nur, ganz vorne auf dem deutsch-theologischen Mainstream reitend, seinen eigenen Unmut über die faktische Entfaltung des Durchdringens der Offenbarung im Laufe der Kirchengeschichte zum Besten gibt – er selbst wünscht sich offenbar etwas anderes, aber zum Glück beten wir nicht „Bätzings Wille geschehe“. Und er kontrastiert seine romantisierte Vorstellung einer güldenen Anfangszeit, in der jeder einzelne Mensch ausschließlich aufgrund „persönlicher Umkehr“ zum Glauben kam, mit den offenbar schä(n)dlichen Einflüssen der Germanen, die seiner Ansicht nach erst eine Annahme des Glaubens als „Familienclan“ ermöglicht, und folglich „Zwangstaufen“ befördert hätten. *Hust* Apg 16,14-15 *hust*… offenbar wurden auch vorher schon ganze „Häuser“, sprich: Familien (und damit ist biblisch nicht die Kleinfamilie im schnuckligen Einfamilienhaus gemeint!) getauft.

Nach diesem Stakkato von falschen und irreführenden Aussagen fragt der Bischof doch allen Ernstes:

Liebe Geschwister im Glauben, hilft uns ein solcher Exkurs in die Lebens- und Glaubenswelt des hl. Liudger mit all ihren Herausforderungen?

Die Antwort muss wohl lauten: Nein. Kein Stück. Es sei denn, die Intention ist es, sich möglichst schnell vom katholischen Glauben und Leben zu verabschieden.

Im Übrigen muss man wohl hoffen, dass im Publikum nicht allzu viele „Geschwister im Glauben“ saßen, jedenfalls, wenn man es am sich hier ausdrückenden Glauben des Herrn Bätzing misst.

 

Alles Treiben um den suizidalen Weg und die Abschaffung von Priestertum, Hierarchie und kirchlicher Sexualmoral einmal beiseite gelassen, zeigt diese Predigt: Dieser „Bischof“ stärkt nicht die ihm anvertraute Herde, er belebt nicht die Freude am Glauben oder die Verehrung Gottes und seiner Heiligen, sondern er sät nur Falschheiten, Zweifel und Unglaube. Er übernimmt die dümmlichen und schlicht uninformierten (ignoranten) Vorurteile einer antichristlichen Welt und „verkündet“ sie als Wahrheiten von der Kanzel. Letztlich entmündigt er die Menschen, weil er sie offenbar für dumm verkauft und in die Irre führt.

Wie kann so jemand Bischof werden - und bleiben?

Montag, 29. November 2021

suizidale Exegese

Die Alttestamentlerin und geschäftsführende Direktorin des Katholischen Bibelwerks e.V., die auch am Forum IV des Synodalen Wegs mitarbeitet ("Leben in gelingenden Beziehungen"), Katrin Brockmöller, hat einen Beitrag für "Bibel und Kirche" (eine vierteljährliche theologische Fachzeitschrift) geschrieben, in dem sie den Grundlagentext des Forums IV des suizidalen Weges bespricht. Dieser Text ist natürlich auch auf katholisch.de erschienen (hier), denn er ist eine nützliche Irreführung über Motive und Vorgehen des suizidalen Weges.

Es lassen sich daraus manche Tricks der heutigen Theologie ersehen, die dabei helfen, alles Gewünschte "theologisch" zu untermauern. Ein paar Beispiele dazu.

 

Brockmöller schreibt: 

»Sowohl das Ideal der heterosexuellen Ehe, ihre Ausschließlichkeit, die Kontrolle der Fruchtbarkeit und vieles andere wird oft mit einem Verweis Gen 1,27 begründet: "Gott schuf den Menschen als Mann und Frau." Schon ein genauer Blick in den Text zeigt aber, dass hier Adjektive stehen ("männlich" und "weiblich"), die eher einen Raum öffnen als eine singuläre Idee von Mannsein und Frausein zu setzen

Hier findet ein klassischer verschleierter gedanklicher Sprung statt. Frausein und Mannsein bzw. Weiblichsein und Männlichsein stehen für den biblischen Text fest. Dies wird aufzulösen versucht, indem urplötzlich von "Ideen" bezüglich Frausein und Mannsein gesprochen wird. Das ist zunächst zwar nicht falsch, denn nicht alle Männer und nicht alle Frauen sind gleich. Damit aber die Polarität der Geschlechter zu untergraben ist schlicht unehrlich. Die (etwa geschichtlich) unterschiedlichen Ideen oder Ideale von Frausein und Mannsein fußen ja gerade darauf, dass es Frauen und Männer in ihrer Unterschiedlichkeit gibt.

Im Übrigen wird hier die Wahrheit der von Gender-Mainstreaming betriebenen Auflösung der Geschlechter (unter dem Deckmäntelchen von "Vielfalt") verschleiert, denn es wird der Eindruck erweckt, als ginge es dabei nur um unterschiedliche Ideen von Mann- und Frausein.


Sie schreibt weiter: 

»Zudem handelt es sich bei Gen 1,27 nicht um philosophische oder normative Aussagen, sondern um Poesie. Daraus lassen sich beim besten Willen keine Normen ableiten.«

Grober Unfug. Es wird völlig aus dem Nichts eine wechselseitige Ausschließlichkeit von Poesie und Normen/Philosophie behauptet: Weil es ein poetischer Text ist, kann er keine normativen Aussagen enthalten. Vielleicht noch offensichtlicher absurd ist die Unterstellung, ein poetischer Text könne nicht philosophisch sein. Hat die Frau noch nie etwas von Ovid oder Seneca, von Thomas von Aquin, Goethe oder Herder gehört (um nur einige wenige Namen zu nennen, die mir spontan in den Sinn kommen)?

Gerade die Bibel ist aber doch übervoll mit belehrender, und dadurch immer wieder auch Normen aufstellender Poesie! Nur mal die ersten Beiden Verse des Psalmes 1 zur Illustration: "Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt." Wird hier nicht die Norm aufgestellt, dass man nicht auf Frevler und Spötter, sondern auf Gott hören soll? Man spricht hier auch von "Lehrgedichten", die sich überall in unterschiedlichen Formen in der ganzen Bibel finden. Eine ähnliche Schöpfungsdichtung, die durchaus normativ und auch philosophisch randvoll ist, ist z.B. Joh 1: "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott..."


Weiter:

»Gen 1 beschreibt, wie etwas Neues sich entwickelt, wie ein Lebenshaus entsteht, in dem Unterschiede sichtbar werden und Raum für dazwischen entsteht: Die Gegensatzpaare "Licht und Finsternis", "Himmel und Erde", "Trockenes Land und Meer", "männlich und weiblich" werden benannt. Dazwischen gibt es auch Dämmerung, Feuchtgebiete, geschlechtliche Vielfalt, ...«

Bezeichnend, dass ihr zu "Himmel und Erde" kein Zwischending eingefallen ist, schade. Natürlich ist das billige Begriffsklopperei, denn nur weil es Wörter für Dinge gibt, sind diese noch nicht real oder gar normativ. Die "Vielfalt der Geschlechter" wird hier behauptet, aber nicht belegt.

Im übrigen dürfte die Frau nicht unerwähnt lassen, dass den Autoren dieses Textes Feuchtgebiete und Dämmerung bekannt waren, dass ihnen aber ebenso klar bewusst war, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Neben dem Offenbarungscharakter dieses Textes ("Normen", man könnte auch sagen: Wahrheiten) widerspricht ihrer These also auch die Intention der Schreiber der heiligen Texte.

Interessant finde ich, wie routiniert hier im ersten Satz Gottes Wirk-lichkeit entsorgt wird: Neues "entwickelt sich", "entsteht" oder "wird sichtbar"... Alles scheinbar von sich aus. Keine Absicht, kein Wille, kein Handelnder, in einem Wort: Kein Schöpfer. Natürlich, sie darf diese Dinge nicht erwähnen, denn was Gottes Absicht und Wille ist, ist ja explizit nicht das, was sie will und beabsichtigt. Die Frau schafft es, in ihrer Zusammenfassung einer Erzählung, deren entscheidender Sinn darin besteht, eben jenen Gott als souverän Handelnden und Wollenden über allen Naturerscheinungen zu präsentieren (z.B. gegen die Verehrung der Gestirne als Götter: sie sind nur "Lampen", die Gott an den Himmel gesteckt hat), diesen handelnden Gott restlos zu eliminieren. Respekt. Gen 1 will vielmehr sagen: Ob Gestirne oder Menschen, sie sind nicht aus sich selbst, sie machen sich nicht selbst und sie haben keine Macht; alles kommt von Gott und ist nach seinem Willen und Entschluss ("lasst uns Menschen machen") geordnet.


Und nochmal weiter: 

»So ist aktuell im Text zwar sehr deutlich bereits benannt, dass die Institution Ehe in der Antike eine klare Schutzfunktion für Kinder hat und daher sozial und theologisch so nachdrücklich gestützt wurde. Heute ist dieser Schutz über andere Systeme möglich, so dass Kinder gut ins Leben begleitet werden können, sollte eine Ehe zerbrechen (vgl. A.3.2.).«

Es wird so dargestellt, als sei jene soziale Schutzfunktion von Kindern (und Frauen) der objektiv feststehende, klare, unzweifelhafte und auch der einzige Grund, warum es in der Bibel die Ehe gibt. Das ist für die Autorin so völlig klar, dass es nur benannt zu werden braucht, es muss nicht nachweisen werden. Und hier liegt der Fehler, denn tatsächlich hat das noch niemand nachgewiesen. Damit ist dies aber keine objektive Tatsache, sondern es ist eine Behauptung. Mehr nicht.

Verwandt, in diesem speziellen Text aber nicht erwähnt, ist die ebenso beliebte Behauptung, das Verbot gleichgeschlechtlicher Partnerschaften diene dem demographischen Wachstum des Volkes: Möglichst viele Kinder sollen geboren werden, damit man ein "großes Volk" wird; da aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aber keine Kinder hervorgehen können, sind die verboten.

In beiden Fällen wird ein modernes soziologisches Denken verabsolutiert und den biblischen Texten ganz einfach untergeschoben. Zugleich wird Gott dabei ganz herausgenommen: Dass es die Ehe gibt, hat nichts mehr mit Gott zu tun, kommt v.a. nicht von ihm, ist nicht sein Wille, sondern ist rein soziologisch zu erklären. Das ist alttestamentlich schon eine äußerst steile Behauptung, die spätestens mit dem Neuen Testament geradezu absurd geworden ist, denn die Ehe ist DAS Abbild der Liebe Gottes zu den Menschen in Jesus Christus: "Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche." (Eph 5,31-32)


Frau Brockmöller verweist mit dem suizidalen Text selbst auch auf den guten, ja "sehr guten" Anfang und die durch den "Sündenfall" (dort in Anführungszeichen gesetzt) eingetretene Zerrüttung zwischen den Menschen. Ich bekomme aber den starken Eindruck dass sie hierbei etwas verdreht: Für sie scheint die heutzutage propagierte "Vielfalt der Geschlechter" zu jenem paradiesischen Urzustand zu gehören, während die abgelehnte "singuläre Idee" der Zweigeschlechtlichkeit als eine Folge jener Zerrüttung dargestellt wird. Das sagt sie so explizit natürlich nicht, die Blöße gibt sie sich nicht, aber sie spricht ausdrücklich davon, dass es ursprünglich (nach Gen 1) "Freiraum" für "Vielfalt" gegeben habe und dann "Abwertungen" (z.B. von homosexuellen Beziehungen) in die Welt kamen.

Dadurch wird das biblische Zeugnis richtiggehend verdreht. Dagegen sei, etwas plakativ, gesagt: Wäre die zweigeschlechtliche Ehe als Norm eine Folge des Sündenfalls, dann wäre ihre Dekretierung ("als Mann und Frau schuf er sie" bzw. die Erschaffung der Frau aus dem Mann) NACH dem Sündenfall erzählt worden, denn vorher bedurfte es keiner "Schutzmaßnahmen" etwa für die Kinder und die Frauen (oder für das Wachstum des Volkes). Für die biblischen Erzählungen und die dahinter liegende Intention gehören offenbar die Zweigeschlechtlichkeit und die Ehe zum anfänglich geschaffenen Paradieseszustand, d.h. auch zum "natürlichen" Zustand des Menschen (darum ist gleichgeschlechtlicher Verkehr auch "widernatürlich": Röm 1,26). Alles dem Widersprechende ist Folge des Sündenfalls. Das ist im Alten Testament schon sehr deutlich: Gott hat die Menschen als Frau und Mann für einander geschaffen; es ist die Sünde, das Abwenden von Gott und seinem Willen, was zur Zerrüttung führt. Auch Jesus verweist schließlich auf den schöpfungsgemäßen "Anfang" für seine Ehemoral. (Vgl. hier meine Gedanken zum Thema Keuschheit)

Letztlich zeigt sich, dass dieser Umgang mit den Texten immer gleich funktioniert: Man beginnt mit einer Überzeugung und stülpt sie dem Text über. Dabei ist es ganz egal, was der Text selber hergibt: Wenn möglich, werden Textfetzen wunschgemäß umgedeutet, wo das nicht geht, wird er durch ein modernes Konzept schlicht ersetzt. Hier also: Den einen oder anderen Vers der biblischen Schöpfungserzählungen glaubt man, der eigenen Überzeugung dienstbar machen zu können ("männlich und weiblich schuf er sie"), und alles was nicht dienstbar gemacht werden kann (z.B. dass Gott Mann und Frau für- und aufeinander hin geschaffen hat), das ersetzt man durch die Behauptung, dass Ehe nur ein (natürlich rein menschliches) soziales Konstrukt zum Schutz von Kindern und Frauen ist. Wenn man Textfetzen (oder auch bloß Anspielungen auf solche) dienstbar machen zu können glaubt, ist es wichtig, den Kontext zu verschleiern: Wenn man z.B. mit Rückgriff auf die zweite Schöpfungserzählung von "Ergänzung, Hilfe" spricht, ist es wichtig, es bei diesen allgemeinen Begriffen zu belassen und nicht zu erwähnen, dass die Frau als "Hilfe und Ergänzung" des Mannes von Gott geschaffen wurde (und andersherum). So bleiben "Hilfe und Ergänzung", erweitert um "Vielfalt" und "wechselseitiger Freude aneinander", als abstrakte "Ideen" frei verfügbar für alles, was man damit stützen möchte. Und fertig ist die Auseinandersetzung mit dem Bibeltext (als Stück antiker Literatur, nicht als Offenbarung), woraufhin man stolz behaupten zu können meint, "das Hören auf die Schrift als Grundlage aller Pastoral" zu betrachten (so der suizidale Text). Was für eine Farce.

"... welche Wahrheit kann von der Lüge kommen?" (Sir 34,4)

Freitag, 8. Oktober 2021

Irenäus von Lyon, Kirchenlehrer

Papst Franziskus hat angekündigt, dem Kirchenvater Irenäus von Lyon den Titel eines Kirchenlehrers zu verleihen. Das ist sehr zu begrüßen. Irenäus war, ohne jede Übertreibung, der wichtigste christliche Denker des 2. Jahrhunderts und er ist der beste Beleg dafür, dass so ziemlich alles, was Katholiken heute glauben, auch schon damals geglaubt wurde. Er wird (vielleicht genau darum) heute kaum noch wahrgenommen. Ich war froh, ihn schon vor meinem Theologiestudium kennengelernt zu haben. Irenäus beschreibt an einer Stelle sehr schön das Treiben der Mehrheit unserer heutigen Theologen und Kirchenfunktionäre in Deutschland, etwa auf dem suizidalen Weg, das in 1840 Jahren offenbar keinen merklichen argumentativen Fortschritt gemacht hat:

»Widerlegt man nämlich die Häretiker aus den Schriften, dann erheben sie gegen eben diese Schriften die Anklage, dass sie nicht zuverlässig seien, keine Autorität besäßen, auf verschiedene Weise verstanden werden könnten, und dass aus ihnen die Wahrheit zu finden nur die imstande seien, die die Tradition verstünden. Diese sei nämlich nicht niedergeschrieben, sondern werde durch die lebendige Stimme überliefert, weswegen auch Paulus sage: „Weisheit reden wir unter den Vollkommenen, aber nicht die Weisheit dieser Welt“ (1Kor 2,6). Unter dieser Weisheit versteht jeder von ihnen natürlich das von ihm erfundene System, so dass nach Ihnen die Wahrheit bald bei Valentinus, bald bei Markion, bald bei Cerinth ist. Später war sie natürlich bei Basilides oder bei einem seiner Widersacher, der auch nichts Rechtes vorbringen konnte. Denn verdreht sind sie alle, und trotzdem schämen sie sich nicht, sich selbst als die Richtschnur der Wahrheit hinzustellen.
 

Berufen wir uns aber ihnen gegenüber auf die apostolische Tradition, die durch die Nachfolge der Priester [ließ: Bischöfe] in der Kirche bewahrt wird, dann verwerfen sie wieder die Tradition, nennen sich klüger als Priester und Apostel und sagen, sie hätten allein die Wahrheit gefunden. Die Apostel hätten den Worten des Heilandes noch allerlei aus dem Gesetz beigemischt; und nicht bloß die Apostel, sondern auch der Herr habe seine Aussprüche teils vom Demiurgen, teils aus dem Ort der Mitte, teils von dem Allerhöchsten [d.h. aus unzuverlässigen, widersprüchlichen Quellen]. Sie aber wüssten klar, rein und schlicht das darin verborgene Geheimnis – fürwahr, eine ganz unverschämte Gotteslästerung! So stehen sie also weder auf dem Boden der Schrift, noch der Tradition.« (Gegen die Häresien III,2,1-2)

Samstag, 13. Juli 2013

historisch-kritische Modularisierung

Kommende Woche stehen an meiner Fakultät wieder die Modulprüfungen an. Ich beobachte das fasziniert von außen. 
Einige Zeit lang musste ich auch modularisiert studieren, konnte mich aber da noch herausretten. Es ist tatsächlich beachtlich, wie destruktiv die Modularisierung wirkt.

Klar gab es auch vorher schon viel Ungutes und einen merklichen Verfall. Mit der Einführung einer völlig ad absurdum geführten historisch-kritischen Methode für die Beackerung v.a. des Neuen Testaments in die katholische Theologie geschah nach dem letzten Konzil eine Art Dammbruch. Alle Fakultäten ließen sich von der so genannten "kritischen Exegese" bezirzen und heute bildet fast überall eine Exegese, die den Evangelien grundsätzlich ihre Authentizität abspricht, das Fundament der akademischen Theologie. Wer das nicht mitmacht, sieht sich dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit ausgesetzt. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Heulen wäre, mit welcher Mühe und welcher Energie dabei wüst-dreiste (und meist schlicht unchristliche) Unterstellungen zur Grundlage von Vermutungen gemacht werden, die dann als Grundlage fadenscheiniger Konstruktionen dienen, die wiederum die Grundlage von unbewiesenen Hypothesen bilden, die dann aber wie automatisch als angeblich evidenten und "zweifelsfreien" Dogmen gelten. 
Realsatire pur: Die Dogman über die Rom wacht, hält man für ein störendes Korsett, aber die eigenen Dogman werden mit allen Mitteln verteidigt und Abweichler und Andersdenkende im Hauruck-Verfahren mit Exkummunikation bestraft (sprich ihre Bücher werden nicht rezipiert, oft gar nicht erst angeschafft).

Die Modularisierung auch des Theologiestudiums hat nun diesem Trend seine endgültige Weihe gegeben, denn jetzt haben die Studenten gar nicht mehr die Möglichkeit, anders zu denken oder gar im Eigenstudium zu forschen. Sie sind völlig damit beschäftigt, das ganze Semester über zu Büffeln um das Gefressene dann am Semesterende aufs Papier zu speien (Fachterminus: Bulimie). 
Klar findet sich, wie gesagt, auch in den nichtmodularisierten Studiengängen (die gerade auslaufen) viel Ignoranz und Verblendung. Die Modularisierung des Studiums - die ich im Grundstudium bei den Naturwissenschaften als druchaus sinnvoll erlebt habe, die für die Geisteswissenschaften m.E. aber 1. unsinnig und 2. völlig kontraproduktiv ist -, sie zementiert dieses Ungemacht und lässt ein Ausbrechen eigentlich nicht mehr zu.
Der Modularisierte Student, zumal der angehende Theologe, beschäftigt sich in seinem universitären Alltag nicht mit dem Gegenstand seines Fachs, sondern mit der anstehenden Prüfung. Was muss ich wissen? Reichen die Punkte? Die Frage "Was muss ich lesen?" hat keine Zielrichtung auf den Inhalt, sondern bezieht sich auf den Workload, auf das, was der Student eben zu lesen hat. Die Seitenzahl ist das vorrangige Kriterium. Der Inhalt entspricht dem, was der Prof eben für die Prüfung haben will. Und um diesen Workload zu bewältigen, ist es kaum möglich, sich ein eigenes Bild zu machen, in die Materie einzutauchen oder gar andere Wege als die für die Prüfung geforderten zu beschreiten.

Das fürt dann dazu, dass Studenten, die durchaus schon einige Jahre an der Fakultät zubringen, einen angucken wie ein Auto, wenn man ihnen darlegt, wieso, nur mal als Beispiel, die synoptischen Evangelien vielleicht doch nicht nach 70 entstanden sind. Es ist gar kein Diskurs darüber möglich, weil es sofort als völlig absurd deklariert wird, weil es im Widerspruch zu allem steht, was ihnen in ihrem Studium begegnet ist. Die Diskursfähigkeit ist bist zur Nichtexistenz verkümmert, weil andere Ansichten als schier unvorstellbar, auf alle Fälle aber pauschal als "un-" oder "vorwissenschaftlich" erscheinen, einfach weil sie die oben genannten Dogmen nicht teilen.

Marius Reiser hat diese und andere Folgen bereits 2009 in einem Interview zielsicher und nicht eben wenig prophetisch dargelegt. Hier anzusehen.

Wer sich für eine Kritik der historisch-kritischen Exegese interessiert (und wer die Zeit zum Lesen hat), dem seien folgende Bücher empfohlen (denn Klaus Berger ist mit seiner Polemik leider wenig hilfreich): 

- Karl Jaroš, Das Neue Testamrnt und seine Autoren (UTB 3087), Wien 2008.
- Hans-Joachim Schulz, Die apostolische Herkunft der Evangelien (QD 145), Freiburg 1993.
- Marius Reiser, Bibelkritik und Auslegung der Heiligen Schrift (WUNT 217), Tübingen 2011. 

Sonntag, 23. Juni 2013

Paulus und die Frauen

Paulus wird ja bekanntlich alle Nase lang Frauenfeindlichkeit unterstellt. So mancher Neutestamentler schwingt gern diese Keule, um die Bedeutung und die Sympathie des "Spätberufenen" zu minimieren.

Eine zentrale Textstelle dafür ist ein zugegebenermaßen schwieriger Text aus dem Ersten Brief an die Korinther. Der Text ist in der gegenwärtigen Leseordnung fein säuberlich ausgespart worden. Ob er im alten Messbuch auftaucht, konnte ich noch nicht klären. Es geht um die Anweisungen des Paulus zum Verhalten der Frauen beim Gottesdienst (1Kor 11,1-16). Dieses "eigentliche Thema" lasse ich mal unberücksichtigt und kümmere mich nur um die erklärenden Einschübe.

»3 Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi. [...]
7 Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes.
8 Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann.
9 Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.« 

Diese Passage kann als hauptverantwortlich dafür gelten, dass in der Geschichte des Christentums die Frau lange Zeit "entwertet" wurde. Aber natürlich nicht nur dort, auch die säkulare Philosophie beherrscht dieses Spielchen; ein prominenter Vertreter ist hier sicherlich Arthur Schopenhauer.
Es ist eine Steile These, die Paulus hier bringt: Der Mann ist Abbild Gottes, die Frau "nur" Abbild des Mannes. Daraus zogen schon die Kirchenväter den Schluss, dass die Frau nicht Abbild Gottes ist (trotz der klaren Aussage in Genesis 1: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau nach seinem Bilde). Man sah darin fast so etwas wie einen wesensmäßigen Unterschied zwischen Mann und Frau. Bis ins 20. Jahrhundert wurde so auch hauptsächlich die Unmöglichkeit einer sakramentalen Weihe von Frauen begründet (auf der Grundlage von Thomas).

Ich fühle mich nun genötigt, Paulus wiedermal in Schutz zu nehmen. Ein Versuch. Dass damit nicht alles geklärt sein wird, ist mir klar.

Verse 3 und 7. Steigen wir direkt ein mit der brisantesten Frage, nämlich wer hier Abbild Gottes ist und wer (angeblich) nicht. 
Zu sagen, Paulus behaupte, die Frau sei nicht Abbild Gottes, nur der Mann, scheint mir doch sehr oberflächlich und irrwitzig zu sein. Für Paulus ist die Beziehung Gottes zu seiner Schöpfung offenbar hierarchisch und mehrfach gestuft aufgebaut. In "absteigender" Linie wird das mit dem "(Ab)Bild von" oder "(Ab)Glanz von" angezeigt (im Griechischen steht hier doxa, was die Vulgata mit "gloria" wiedergibt), in "aufsteigender" Betrachtung mit  "Haupt von" (im Griechischen ist das kephale, Kopf). 
Ganz oben Steht für Paulus Gott (der Vater), der, von "unten" besehen, "das Haupt Christi" ist; in absteigender Sicht ist Christus dementsprechend "Bild des unsichtbaren Gottes" (Kol 1,15). Der Sohn, Christus, ist wiederum, so Paulus von "unten" in der aufsteigenden Perspektive, das "Haupt des Mannes" und der Mann dann folglich, von "noch weiter unten" betrachtet, das "Haupt der Frau". Von "oben" her betrachtet gilt dies umgekehrt in der Abfolge der "(Ab)Bilder".
Daraus kann man nun aber keineswegs schließen, dass die Fau nicht Christus zum Haupt hätte oder nicht sein Abbild sei, bloß weil Paulus in der Textkomposition noch je den Mann quasi dazwischengeschaltet hat.
Wollte sich die Frau beschweren: der Mann habe Christus zum Haupt, sie aber "nur" den Mann, oder: sie sei nur Abbild des Mannes und nicht etwas Bild Christi, so wäre das in etwa so, als würde sich der Mann beschweren, dass Gott Vater nur dem Sohn als Haupt gegeben ist, nicht aber ihm. Und als sei folglich er, der Mann, "nur" Abbild Christi, nicht aber auch Abbild Gottes des Vaters. Solch eine Beschwerde wäre aber Nonsens.

Die Lösung ist, dass diese angedeuteten "Stufen" offensichtlich nicht regelmäßig verlaufen. Zwischen Gott und Mensch, Vater/Sohn und Mann/Frau besteht ein Bruch, ein Abgrund geradezu. Zugleich besteht jeweils auf der menschlichen wie auf der göttlichen Seite dieses Abgrundes eine deutliche Verschrenkung der auf den ersten Blick scheinbar so schroff unterschiedenen "Stufen". Denn natürlich hat auch der Mann Gott Vater zum Haupt (wenn auch anders geartet, als Christus) und die Frau hat natürlich auch Christus zum Haupt.
Alle Menschen, Mann und Frau, sind nach der Lehre des Paulus gleichermaßen Abbild Gottes. Gottebenbildlichkeit bedeutet für Paulus immer Christusebenbildlichkeit. So kann Paulus sagen: "Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein" (Röm 8,29). Paulus glaubt sicherlich nicht, dass nur Männer von Gott erkannt wurden.
Wie eng diese Verschrenkung der scheinbar getrennten "Stufen" auf der Seite des Menschen sind, sagt Paulus in der selben Textstelle, in Vers 11 auch sehr deutlich: "Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau." (1Kor 11,11)


Was die Verse 8 und 9 betrifft, so darf hier gleichfalls keine wesensmäßige Hierarchisierung und damit eine Abwertung der Frau herausgelesen werden, da diese Verse lediglich die Chronologie von Genesis 2 wiedergeben. Schließlich weiß auch ein Paulus, dass alle Menschen, auch die Männer, von Frauen geboren werden, also der Mann durchaus "von der Frau stammt". Und er sagt dies auch ausdrücklich und löst damit diesen kurzen Nachvollzug der Chronologie von Genesis 2 abrupt auf, wenn es in Vers 12 der selben Textstelle heißt: "Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott." (1Kor 11,12)

"Bild" bzw. "Abglanz des Mannes" (Vers 7) kann übrigens problemlos auch im Lichte dieser Chronologie gedacht werden. Und eben nicht so, als seien Frauen irgendwie weiter von Gott entfernt als Männer...
In Genesis 2 wird erzählt, dass Gott dem Menschen die Tiere zuführt, weil er nicht will, dass der Mensch alleine ist. Aber unter den Tieren findet er kein Gegenüber, nichts, was ihm "entspricht", kein Abbild. Gott schafft also, aus der Seite des Menschen, die Frau: Sie "entspricht" ihm, sie ist sein "Bild", sie ist Mensch wie er: "Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch." Der Mann erkennt sich in der Frau als Mensch und vice versa.
Eine Hierarchisierung kann man aus dem zweiten Schöpfungsbericht zwar herauslesen, man muss es aber nicht. Und tatsächlich wurde das in der jüdischen Tradition auch unterschiedlich getan. Paulus greift diesen Bericht auf, ohne damit eine Wertung zu verknüpfen. An anderer Stelle wird jedoch evident, dass Paulus gerade nicht "diskriminiert". Eine solche "Diskriminierung" würde seinem Denken ja auch völlig zuwiderlaufen (wie wir das auch heute in der zweiten Lesung hörten): »Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid "einer" in Christus Jesus.« (Gal 3,26-28)


Wie ist aber nun diese "Unter-" oder vielleicht besser "Nachordnung" der Frau zu erklären? Was sagt sie aus? Auch das ist weniger dramatisch, als es zunächst scheint.
Paulus erweist sich hier als Kind seiner Zeit und seiner jüdischen Kultur. Und er gerät dadurch keineswegs in Konflikt mit der Botschaft Jesu, dessen "Fraunfreundlichkeit" allzuoft deftig überzeichnet wird. Jesus hat ja keineswegs die bestehenden Geschlechterrollen abgeschafft (wer das anders sieht, möge mir die ensprechende Schriftstelle Zeigen). Jesus war außerordentlich offen und herzlich zu Frauen und gerade auch zu den notleidenden und "Unreinen". Er war gewiss auch von zahlreichen, wir wir heute sagen würden, "emanzipierten" Frauen umgeben, die ihm nachfolgten oder ihn (z.B. finanziell) unterstützen (vgl. Lk 8,1-3). Er hat dadurch so mache Konventionen gebrochen. Aber die damals übliche Stellung der Frau zum Mann zog er nicht in Zweifel. Das kann man beispielsweise andeutungsweise an dem sehen, was ich neulich im Zusammenhang mit der Frage nach der Ehescheidung erwähnte (hier): Eine Frau aus der Ehe zu entlassen heißt, so Jesus, sie dem Ehebruch auszuliefern: "Wer seine Frau aus der Ehe entläßt, liefert sie dem Ehebruch aus." (Mt 5,32) Denn um (etwa finanziell) überleben zu können, muss sie sich einen neuen Mann suchen. Dass die Dinge in der damaligen Gesellschaft derart geordnet sind, kritisiert Jesus nicht.
Dies gesagt, können wir das Urteil des Paulus in dieser Hinsicht nicht plump als "unchristlich" abtun, sondern müssen vielmehr sehen, dass das Christentum in dieser Hinsicht keine Revolution gebracht hat. Jesus war ein Jude unter Juden und Paulus nicht minder: "Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz" (Phil 3,5). (Wesentliche Merkmale, die den Juden zum Juden machen: 1. Von einer jüdischen Mutter geboren. Check. 2. Unter dem Gesetz erzogen [v.a.: beschnitten]. Check. Paulus war Jude durch und durch. Jesus auch.)
Auf diesem, von seinem jüdischen Herkommen aus besehen selbstverständlichen Standpunkt, breitet nun Paulus in 1Kor 11 seine Ansichten (!) über das Verhalten der Frauen beim Gottesdienst aus. Und er verkündet hier übrigens auch schwerlich ein göttliches Gebot oder dergleichen... es hat eher was mit (jüdischer!) Gewohnheit und "gutem Ton" zu tun, was dadurch offensichtlich wird, dass er in seiner "Argumentation" dazu kommt zu sagen: "Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt..." (1Kor 11,13). Paulus schließt denn auch seine Erläuterungen ganz locker ab, wenn er schreibt: "Ist aber jemand unter euch, der Lust hat, darüber zu streiten, so soll er wissen, dass wir diese Gewohnheit nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht" (Vers 16).

Was uns aber die Ausführungen des Paulus mit ihren "Nachordnungen" dennoch lehren können ist dies: Der Gehorsam gegen Gott in Christus gilt absolut: "Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt." (Eph 1,22) Und dieser Gehorsam gilt auch im irdischen und alltäglichen Bereich: Da wo uns Gott will, wo er uns hinstellt. Sei es im priesterlichen Amt oder in der Ehe und der Familie. Der Gehorsam gegen Gott MUSS sich im konkreten Gehorsam gegenüber den Menschen äußern, wo wir diesen Menschen, und diese Menschen uns, zur Hilfe, zum Dienst, zur Liebe anvertraut sind. Das betrifft in besonderer Weise die Eheleute - und zwar alle beide! "Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau." (1Kor 7,3-4)

Paulus führt das in Eph 5,21-25 breit aus: 
»21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.
22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus);
23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.
24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat«.

Der Schlüssel zum Verständnis ist hier der erste Satz: "Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Oder, wie Luther und die Elberferlder Bibel es übersetzen: "Ordnet euch einander unter". Paulus geht natürlich von einer Unterordung der Frau unter den Mann aus, wie es in seiner Zeit allgemein üblich war, aber er bringt insofern eine großartige Neuerung, als er eine Reziprozität einführt, die in seiner Umwelt sonst unbekannt ist. Diese Wechselseitigkeit, die letztlich auch den Mann zur "Unterordnung" unter die Frau verpflichtet, ergibt sich aus der Liebe, die alle Glieder des Leibes Christi für einander pflegen müssen: "Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt." (Röm 13,8) 
Dass er diesen Aspekt in jenen Ausführungen über das Verhalten im Gottesdienst nicht benennt, mag schlicht daran liegen, dass dieses Verhältnis von Frau und Mann, wie schon gesgat, nicht Thema seiner Ausführungen ist; ihm geht es dort um das konkrete Geschehen beim Gottesdienst, nicht um den anthropologischen Unterbau. Anders, in der eben angeführten Stelle aus dem Epheserbrief.


Dass dieser schwierige Text nicht (mehr?) in der Perikopenordnung der römischen Messe auftaucht, ist auffällig. Es drückt sich darin aber wohmöglich eine gewisse Scham darüber aus, dass dieser Text jahrhundertelang dazu missbraucht wurde, der Frau regelrecht ihre Gottebenbildlichkeit abzusprechen; von ihrer Unterdrückung durch den Mann ganz zu schweigen.

Sonntag, 12. Mai 2013

Moderne antijüdische Exegese

Exegeten bei der Arbeit
»Natürlich wäre es ein Leichtes gewesen zu sagen: Geboren in Bethlehem, aber aufgewachsen in Nazereth. - Doch warum hält man so fest an der Beseitigung der Würde Bethlehems? Es ist offenkundig: Man will Jesus herausnehmen aus der messianischen Erwartung der Juden. Man stößt sich ganz gewaltig daran, dass Jesus der Messias des jüdischen Volkes gewesen sein soll. Man möchte ihn für einen bedeutenden Menschen halten, nur nicht für den bedeutendsten jüdischen Menschen. Deshalb darf es keine biblische Verheißung für Bethlehem geben. Jesus wird entjudifiziert.« (Klaus Berger, Die Bibelfälscher)

Den latente Antijudaismus, den Berger auch noch andernorts in seinem Buch erwähnt, habe ich in NT-Vorlesungen schon häufiger "gespührt" (ich konnte dieses mein Gefühl nur nie so klar in Worte fassen). Zwar ist man einerseits immer total stolz, dass man ja heute die geistige Größe besitzt, Jesus als Juden zu erkennen, und man verwendet löblicherweise auch nicht wenig Zeit auf die Behandlung der neutestamentlischen Zeitgeschichte, zugleich tut man aber alles, um Jesu (jüdische) Messianität zu bestreiten. Man meint, man täte dem Judentum einen Gefallen, indem man Jesu Bedeutung für dieses kleinredet.
Es ist dann natürlich eine interessante Frage: Ist das gut oder schlecht?
Ist es Judenfeindlich, wenn man behauptet, Jesus sei (zu allererst) der Messias der Juden?
Die Diskussion um die Karfreitagsfürbitte der überlieferten Messe kommt hier in den Sinn.

Ich persönlich halte es eher mit Berger: Jesus muss der Messias Israels sein, sonst ist er niemandes Messias, "denn das Heil kommt von den Juden" (Joh 4,22).

Nun kann man sagen, das sei ja voll antijüdisch, weil man den Juden die christliche Religion zu oktroyieren sucht. Eine Behauptung, die ein gewisses Bildungsdefizit offenbart, denn 1. ist Jesus der eine und einzige Erlöser ausnahmslos aller Menschen, und wem das nicht passt, der kann sich schwerlich "Christ" nennen; und 2. wendet man sich mit der Ablehung der Messianität Jesu, auch und zuerst für die Juden, im Grunde sehr krass gegen das jüdische Volk, denn man spricht diesem damit zugleich seine Heilsbedeutung und seine göttliche Erwählung ab. Nein, sagt man, das Heil, das kommt nicht von den Juden... für manche vielleicht, aber dann auch nur son bisschen...
Das ist gar kein geistiger Spagat, es ist ganz einfach: Das Volk Israel ist das auserwählte Volk Gottes. Mit diesem Volk will Gott sich der Welt offenbaren und er hat es ausgiebig getan - endgültig und im höchsten Maße in dem Juden Jesus aus Nazereth. Das ist der Grund auf dem das Christentum ruht. Das zu bekämpfen heißt nicht anderes, als das Christentum zu bekämpfen... und das Judentum gleich mit.
Dem aufklärerisch-stolzen Verkünden "Jesus war Jude" folgt dann sogleich implizit "... aber das spielt überhaupt keine Rolle. Eigentlich wäre es uns viel lieber, er wäre keiner."

Man gewinnt den Eindruck, viele Exegeten verhalten sich gegenüber der Wahrheit ganz genau so, wie die (siehe die heutige Lesung), die Stephanus, nachdem er rief "Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen", zum Schweigen bringen (töten) wollten: "Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los" (Apg 7,56-57).

Donnerstag, 9. Mai 2013

Die Bibelfälscher

Ich bin ziemlich enttäuscht von Klaus Bergers neuestem Buch "Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden". 
Inhaltlich ist es natürlich ganz toll. So ein Verriss der handelsüblichen Bibelexegese und eine Bloßstellung ihrer dümmlichen Dogmen tut gut. Der (angehende) Theologe dankt!

Was ich aber doch sehr bemängeln muss ist die Tatsache, die Berger selbst nicht müde wird zu betonen, dass nämlich das Buch eine einzige Polemik ist und keine wissenschaftliche Behandlung des Themas darstellt.
Polemik schön und gut, das Buch kommt bei den "Konservativen" sicher gut an und man kann sich, wenn man es nicht eh schon aus eigener Erfahung kennt, ganz wunderbar an dem darin beschriebenen alltäglichen Wahn echauffieren. Aber leider wird genau diese Tatsache unausweichlich zur Folge haben, dass man diesen Aufschrei in der Fachwelt nicht ernstnehmen wird, ja: nicht ernstnehmen kann. Die Zeit der "wissenschaftlichen Polemik" ist nämlich schon lange vorbei.
Da mag der Inhalt noch so richtig und wichtig sein und Berger auch so schon kaum in der Fachwelt rezipiert, eine solche (zuweilen sehr harsche) Polemik macht es ungemein einfach, sie zu missachten und bietet zugleich eine gigantische Angriffsfläsche für eine das eigentliche Anliegen desavouierende Kritik.

Überhaupt scheint es mir, dass das Buch ziemlich hastig und vielleicht übereilt zusammengezimmert wurde (Wiederholungen, Pünktchenpünktchen, Themensprünge etc.). Eine geruhsame und wissenschaftlich ausgereifte Auseinandersetzung hätte eher die Chance gehabt, rezipiert zu werden. So aber wird es wohl leider als "konservatives" Nischenbuch verbleiben. Zu hoffen ist, dass sich einer seiner Kollegen davon anregen lässt, den Aufruf zur Katharsis an die "biblische Wissenschaft" in einer dieser Wissenschaft verständlichen (und also rezipierbaren) Sprache und Form anzugehen.

Die Lektüre lohnt sich v.a. für den Nichttheologen, wenn man wissen will, wie (schlimm) es steht und wie es anders sein könnte (wenn...). Aber eine Wirkung sollte man von dem Buch nicht erwarten.

Schade.

Freitag, 25. Januar 2013

Saul, Saul...

»Ich stürzte zu Boden und hörte eine Stimme zu mir sagen: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?
Ich antwortete: Wer bist du, Herr? Er sagte zu mir: Ich bin Jesus, der Nazoräer, den du verfolgst.« (Apg 22,7-8)

Kaum eine Figur des Neuen Testaments ist in der heutigen Exegese unbeliebter. Dieser schreckliche Paulus mit seiner Frauen- und Leibfeindlichkeit, seiner doktrinären und arroganten Verschandelung dessen, was Jesus "wirklich" wollte.
Der Lügenhafte, der Machtgierige... Dieser Paulus zwingt natürlich sehr dazu, die Erzählung seiner Bekehrung zu verwerfen. Unhistorisch, aus Kalkül erfunden. Legitimation um jeden Preis!

Soweit die Geisteshaltung, wie man sie in der neutestamentlichen "Wissenschaft" nicht selten antrifft.
Dabei ist der Bericht, den Paulus (bzw. Lukas) uns überliefert bei unvoreingenommener Betrachtung das genaue Gegenteil! Paulus erscheint hier als der Schwache (Blinde!), Irrende. Und Paulus enthält sich völlig jeder Ausmalung oder Beschreibung der Erscheinung: "ein helles Licht" ist alles was er zu schreiben vermag. Hier tritt kein mythischer göttlicher Heroe auf und gebiert auch nicht einen solchen. Hier kommt der Unfassliche und beruft die "Missgeburt" (1Kor 15).
Auch was uns über das Gespräch berichtet wird ist so schlicht und menschlich, wie die ganze Rede Jesu, die uns aus den Evangelien bekannt ist. Eine Erfindung, Stilisierung gar des Paulus, ist nicht erkennbar.
Außerdem bekommt Paulus hier keinen Exklusivvertrag mit Jesus... er empfängt seine Weisung nicht "allein von Gott höchstselbst", er hat kein magisches Rotes Telefon zu Gott. Vielmehr wird er angewiesen, nach Damaskus zu gehen und dort mit der Gemeinde in Kontakt zu kommen... Paulus ist nicht der alleinige Sachwalter Jesu, sondern muss sich in die bestehende Gemeinde der Christen einfügen.

Dieser ganze Bericht ist schwerlich die Legitimation eines Despoten. Dass er schließlich besondere Verantwortung und Sendung bekommt und in charismatischem Überschwang auch Fehltritte passieren, ist Gottes Ratschluss.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Seriöses Fernsehen

Die Aufregung um eine ZDF Sendung, die alle Bundesbürger, natürlich ganz seriös, über die "Fakten" von Weihnachten belehren wollte (wie jedes Jahr!), finde ich ehrlich gesagt ziemlich müßig und überzogen. 

Was erwartet man denn anderes? 

Da die Mehrheit der Exegeten ihre Hypothesen und Prämissen ("Es gibt keine Wunder" etc.) in Büchern und Vorlesungen als Fakten verkaufen, muss der öffentlich rechtliche Rundfunk das natürlich auch tun. Es bleibt dem ZDF garnichts anderes übrig, selbst wenn da jemand etwas anderes gewollt hätte... Wäre etwas anderes verkauft worden als diese "Fakten", dann könnten wir jetzt den Aufschrei der "Fachwelt" bestaunen und der Sender würde sich peinlich berührt womöglich sogar noch zu einer "Richtigstellung" durchringen...

Selbst wenn man nur (und das ist nun wirklich Fakt!) erwähnt hätte, dass es sich bei alledem nur um Hypothesen handelt (etwa die Nichtgeburt in Betlehem), und dass die Sache mit "es gab keine Jungfrauengeburt" in Wirklichkeit eine Prämisse, und nicht etwas Ergebnis irgendwelchen Wissenschaftstreibens ist, hätte das ZDF in der öffentlichen Wahrnehmung (vermittels der medialen Replik der "Fachgelehrten") seine Seriösität preisgegeben.

Wir wissen doch längst, nicht erst seit Weltbild, dass alles andere nurmehr unter "Märchen" abgeheftet werden darf... Das kann man bemängeln und man darf sich empören, aber es ändert nichts.
Der Rundfunk kann nicht anders, als sich an das zu halten, was gängig ist. Die veröffentlichte Meinung erhält sich selbst am Leben. Es geht dabei nicht um Einschaltquoten, sondern um den Mainstream an und für sich, sei es nun der "wissenschaftliche" oder der mediale.

Alles was "droben" ist, alles was nicht kausal oder irgendwie "anstößig" oder fordernd erscheint, was mit Gottes Wirk-lichkeit zutun hat, wird ausgeblendet... wer dem nicht nachkommt geriet in die Märchen- oder Fundieecke und das kann sich ein Sender wie das ZDF nicht leisten.
Den Gläubigen bleibt das Gebet und die Gewissheit...


»Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. « (1Joh 1,1f)

Wenn überhaupt, dann ist ein positives Zeugnis gefordert. Aufregung und Widerspruch gegen den Mainstream wird schwerlich etwas nützen.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Theologische Tricks

Die "Theologie" in der Stanza della Segnatura
Ich habe mich ja nun schon öfter über das (Un)Wesen der heutigen Theologie geäußert (siehe Label)... 
Vorhin fiel mir ein besonders schönes Beispiel in die Hände, an dem man einen guten Teil des heutigen Theologietreibens sehr gut veranschaulichen kann.
Es ist ein kleines Büchlein des (früher in Tübingen ansässigen) Theologen Meinrad Limbeck (braucht man nicht zu kennen): "Abschied vom Opfertod. Das Christentum neu denken". Der Titel ist Programm, denn der Autor erfindet hierin im Wesentlichen ein ganz eigenes Gebilde und er hat die Dreistigkeit, dieses als "Christentum" zu bezeichnen.

Besonders deutlich wird seine Methode bei seiner Behandlung des letzten Abendmahles einsichtig: Er behauptet (natürlich im Einklang mit der "neutestamentlichen Wissenschaft"), dass dies Berichte der Evangelien freilich nicht protokollarisch die wahren Ereignisse schildern, sondern es sich vielmehr um nachösterliche Erzählungen handelt, die, und jetzt kommts, natürlich keine wirklichen Ereignisse oder Worte Jesu behandeln, sondern nur kultätiologisch zu verstehen sind. Auf Deutsch: Die frühchristliche Gemeinde wollte die Texte, die sie im Gottesdienst verwendet, dadurch legitimieren (d.h. mit Jesus in Verbindung bringen), dass sie sie ihm (in den Evangelien) in den Mund legte. Und natürlich kann auch nicht der Versuch fehlen, zu rekonstruieren, was Jesus "wirklich" gesagt und getan hat.

Das Teil ist überaus amüsant zu lesen. Die Suggestionsversuche des Autors kommen allerdings etwas plump daher.
Der Autor stellt hier eine falsche Alternative in den Raum: Entweder protokollarischer Bericht oder nachösterliche Erfindung. Natürlich behaupten die Evangelien nie, ein Protokoll zu sein, sondern jedem ist klar, dass sie nach Ostern geschrieben wurden. Warum das dann aber zwangsläufig erdichtet und erfunden sein muss, wird nich gesagt. Das ist nämlich das Postulat, dass das so ist! (Denn jeder weiß natürlich, dass alle Biographien oder Berichte, die erst nach dem Ableben einer Person über diese Person verfasst werden, natürlich nur Erfundenes beinhalten. *hüstel*)

Interessant ist auch, dass der Autor nie fragt, woher denn eigentlich die Texte kommen, die die frühchristliche Gemeinde in ihrem Gottesdienst verwendet. Von Jesus können sie anscheinend nicht kommen, denn dem wurde das ja nur im nachhinein angedichtet, um ihre Verwendung zu legitimieren... oder so... Also wurden die Texte von irgendwem erfunden... in allen christlichen Gemeinden gleichzeitig... und danach Jesus in den Mund gelegt... von unterschiedlichen Autoren in unterschiedlichen Erdteilen in unterschiedlichen Jahrzehnten immer und immer wieder...
Den anderen Ansatz, dass die frühchristliche Gemeinde diese Texte benutzte WEIL sie von Jesus (bezeugt durch die Apostel) stammten, lässt er stillschweigend unter den Tisch fallen. Es sei eben Konsens der Fachgelehrten, dass es ansdersrum sei (egal, wie unlogisch oder hanebüschen es ist).
Die wundervolle Ironie bei alledem ist, wie so oft, dass hier den biblischen Autoren große Erfindungsgabe (und Unredlichkeit) vorgeworfen wird, die Gedankengänge des Autors aber sehr viel mehr dieser Kategorie angehören.


Um auf den Punkt zu kommen: Mit dieser Methode, die heute en vogue ist, lässt sich wunderschön das ganze Christentum dekonstruieren... man kritisiert nicht mehr Glaubensaussagen, die nicht wortwörtlich in der Bibel stehen (vgl. Mariendogmen etc.) - das wäre ja auch zu leicht -, sondern man deklariert die biblischen Glaubensaussagen als nachträgliche Erfindungen... Man postuliert also einen "wahren Glauben", der gewissermaßen "vor-biblisch" ist, im Zeugnis der Bibel aber bereits verfälscht daherkommt. Die Folge ist, dass man nun völlig frei ist alles und jedes zu behaupten, was dieser "wahre Glaube" sei, denn man ist nicht mehr an die oftmals lästigen Aussagen der Bibel gebunden. Und dabei kommen dann die unzähligen mal mehr mal weniger bescheuerten Jesusse raus, die man heute bestaunen kann. Das ist vielleicht einer der wichtigsten Tricks, die heute breite Anwendung finden beim Selbstmord der christlichen Theologie.
(Ganz neu ist das natürlich nicht: alle bedeutenden Häresien in der Geschichte haben diese Methode verwendet... Neu ist nur, dass unsere Bischöfe dem Treiben untätig zusehen.)

Donnerstag, 22. November 2012

Notiz: Der Papst und die Exegese

Der Papst sagt der modernen Exegese seine (hoch gebildete) Meinung.
Es ist ja in der Exegese inzwischen nurnoch von wenigen vertreten, dass Jesus tatsächlich in Betlehem geboren ist. Die Mehrheit der heutigen Theologen ist der Meinung, er sei in Nazareth geboren (schließlich heißt er ja auch "Jesus von Nazereth"!!!).
Nun war das ja besonders spannend: Was wird der Papst sagen?

Dieser bringt mich einfach nur zum Schmunzeln. Denn er hält der Exegese den Spiegel vor, indem er darauf hinweist, dass es keine historischen Quellen für eine Geburt Jesu in Nazereth gibt. Alle Quellen die wir über die Kindheit Jesu haben, behaupten eine Geburt in Betlehem. Mehr nicht. Alles andere sind Konstrukte, Hypothesen. Wenn nun also Theologen den Schleier der Geschichte zwanghaft zu lichten versuchen und alles Mögliche und Unmögliche in die historischen Begebenheiten um Jesus von Nazereth hineininterpretieren, dann sollten sie doch mal innehalten und sich wundern.
Der Papst löst das Problem damit natürlich nicht (er führt das auch noch weiter aus), aber er fragt nach der Plausibilität gängiger Meinungen! Und vielleicht kommt ja doch mal jemand auf den Gedanken, dass manches Vergangene nunmal hinter einem undurchdringlichen Schleier verborgen ist und wir uns zur Abwechslung vielleicht auch mal auf die Zeugen verlassen sollten, die, vor dem Vorhang stehend, uns Kunde bringen...

Danke, Heiliger Vater! :)

Freitag, 16. November 2012

Misstrauen statt Verkündigung

In der modernen Exegese, wie sie an handelsüblichen theologischen Fakultäten betrieben wird, kann man stets eine faszinierende Beobachtungen machen.

Den biblischen Texten unterstellt man grundsätzlich außerordentlich unzuverlässig/falsch zu sein. Das ist gewissermaßen die Prämisse dieser Exegese. Wenn also, um nur ein Beispiel zu nennen, bei den Synoptikern nur ein einziger Besuch Jesu in Jerusalem erzählt wird, bei Johannes aber mehrere, dann wird erklärt, dass nur bestenfalls eine Version die Richtige sein könne, nämlich entwedert die Synoptische oder die Johannäische.
Dass es freilich nicht sehr weit hergeholt wäre anzunehmen, dass die Synoptiker einfach nicht jede Reise Jesu beschrieben haben und sich auf seinen letzten Aufenthalt in Jerusalem als Kulminationspunkt beschränkten (es wird ja nirgends behauptet, dass dies der Erste und Einzige Besuch dort gewesen ist), versteht sich von selbst. Daraus ergibt sich dann die Hypothese, die den Evangelisten unterstellt, zwei sich widersprechende Geschichten zu erzählen: Johannes würde Jesus als Judäer schildern und die Synoptiker als Galiläer... Doofe Evangelisten, bekommen nichmal seine Herkunft richtig zusammen! Natürlich ließt man nirgends, dass diese Hypothese schon allein dadurch fragwürdig ist, dass Jesu Familie in Galiläa (in Kana) zu einer Hochzeit eingeladen ist... nein: dieser "kurze Aufenthalt" in Galiläa dient als Beleg dafür, dass Jesus eigentlich aus Judäa stammte. Und so geht es weiter. Man hangelt sich entlang und was nicht zur Grundhypothese ("die Berichte sind falsch") passt, wird passend gemacht.

Die ganze Angelegenheit mit der Datierung der synoptischen Evangelien auf "nach 70" beruht einzig und allein auf der Gerichtsrede Jesu in Mk 13, bei der von der Zerstörung Jerusalems berichtet wird.. folglich muss es nach der Zerstörung Jerusalems entstanden sein... dass aber diese Gerichtsrede zugleich mit der Zerstörung Jerusalems auch das Weltende schildert und es sich darum als Bericht eines vergangenen Ereignisses nicht so ganz eignet, wird selten erwähnt.

Dieses grundsätzliche Misstrauen gegenüber den Evangelien führt dazu, dass die Exegese jeder Spur von Verkündigung und Bekenntnis fehlt. Dass die Heidin in Mk 7 Jesus "Sohn Davids" nennt wird zum Anlass genommen, die Authentizität des Berichts infrage zu stellen, anstatt zu fragen, was das zu bedeuten hätte, wenn es doch authentisch sein sollte.

Exegese, Bibelkritik, ist heute in den meisten Fällen nurnoch "Kritik" im übelsten Sinn: nicht mehr eine "Besprechung", wie das noch Kant verstand, sondern eine Beanstandung. Es bringt für die Verkündigung nichts. Ich habe, von ein paar abzählbaren Sinnsprüchen und Faktenfetzen abgesehn, in den vergangenen Jahren nicht eine NT-Vorlesung gehört, in der auch nur irgendetwas gesagt wurde, das der Verkündigung dienen könnte. Es wird so viel über den "historischen Jesus" gelabert, als gäbe es nichts anderes. Und lachhaft ist das allein schon darum, weil man stets bemüht ist die Zeugnisse, die die Evangelien über diesen Jesus liefern, zu dekonstruieren. Man sucht also nach etwas, tut aber zugleich alles um die Wege es zu finden zu versperren.

Das ist alles nichts Neues... es gab immer schon "Theologen" die allerlei häretisches, blödes, falsches über Jesus lehrten. Viele iher Gegner verehren wir heute als Heilige und Kirchenväter.

Wie schön ist es da, dass es noch glaubwürdige "Kritiker" der Evangelien gibt. Zu nennen sind hier etwa Klaus Berger, Carsten-Peter Thiede oder auch Peter Stuhlmacher. Aber die kommen freilich nicht so groß raus, denn nur wer "provoziert", wer kühne Thesen vertritt die das "Bisherige" (scheinbar) ins Wanken bringen, der macht sich einen Namen. Exegese ist über weite Strecken so ein verfaultes Fach. Bäh! Und leider nehmen andere Fachbereiche das nur zu gern auf... müssen sie zu einem gewissen Grad ja auch!

Dagegen ein Bekenntnis von Hermann-Josef Vogt (*1932), Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie an der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen: 
»Der Gottlogos ist wahrhaftig Fleisch geworden; er, der in der Gottesgestalt war, hat Knechtsgestalt angenommen; er, der reich war, ist unseretwegen arm geworden; der Herr der Herrlichkeit wurde gekreuzigt; er ist wahrhaftig Gott und wahrhaftig Mensch, vollständig in der Gottheit und vollständig in der Menschheit! Das heißt: er hat eine menschliche Natur, er hat einen menschlichen Willen, er hat ein menschliches Erkenntnisvermögen, er erkennt und denkt und will und handelt zwar göttlich, aber auch menschlich, so wie wir.« (aus: Brandmüller [Hg.] 1995)

Das wollt' ich nur mal sagen. :)

Dienstag, 31. Juli 2012

Menschlicher Jesus

»Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.« (Mt 14,41f)

Das heutige Evangelium muss einige schon jetzt ziemlich zum Zähneknirschen reizen... Das Lied von der Verharmlosung Jesu und seiner Botschaft, des so genannte "Kuscheljesus" ist allbekannt. Was mich schon vor meiner Bekehrung am meisten angeödet hat war die schiere Unmenschlichkeit, mit der Jesus zuweilen gezeichnet wurde... das war einfach nicht glaubhaft! Erst recht nicht, wenn man diesen Kuscheljesus mal mit demjenigen vergleicht, von dem die Evangelien erzählen.
In meiner Ferienlektüre begegnete mir eine sehr schöne Passage zur Vielgestaltigkeit Jesu... das zeigt sehr schön, dass er wirklich Mensch war. Der Kuscheljesus ist nicht menschlich, er ist tatsächlich bloß ein Kuscheltier.

»Die Evangelisten zeichnen Christus zutiefst menschlich. In Seinen Augen sahen sie Tränen, sie sahen, wie Er trauert, sich wundert, sich freut, Kinder herzt, sich an Blumen ergötzt. Seine Rede atmet Nachsicht gegenüber den Schwächen der Menschen, doch in Seinen Forderungen gab Er niemals nach. Er kann mit zärtlicher Güte reden, kann streng sein und sogar heftig. Mitunter blitzt in Seinen Worten bitterer Spott auf ("Ihr blinden Führer, die ihr die Mücken aussiebt, das Kamel aber verschluckt!"). Gewöhnlich sanftmütig und geduldig, ist Jesus schonungslos gegenüber Heuchlern; Er vertreibt Händler aus dem Tempel, brandmarkt Herodes Antipas und Pharisäer, doch zuweilen erfasst Ihn heiliger Zorn. Dennoch ist Er innerlich nicht zerrissen. Jesus bleibt immer Er Selbst. Von einigen tragischen Momenten abgesehen, verlässt Ihn die Klarheit des Geistes nicht. Mitten im Leben stehend, befindet Er sich zugleich in einer anderen Welt, in Einigkeit mit dem Vater. Nahestehende sahen in Ihm einen Menschen, Der nur eines wünscht -- "den Willen Dessen zu tun, Der mich gesandt hat."« (Alexander Men, Der Menschensohn, 77f)

Freitag, 27. Januar 2012

Was WisiKi wirklich denkt...

... kann man in sehr prägnanter Form (2 Seiten) in einem zwar schon etwas älteren, aber dennoch aktuellen Stellungnahme von Norbert Scholl (Prof. em. Dr. theol.!) bezüglich Ubicumque et semper nachlesen. Das war jenes Motu proprio, mit dem der Papst 2010 den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung errichtet hat.

Die Intention von Herrn Scholl ist es, nach eigenen Worten, einige Auffälligkeiten zu benennen, die "die gesamte Denkweise des Papstes und der von ihm eingeschlagenen restaurativen Ausrichtung der römisch-katholischen Kirche kennzeichne[n]".
Und diese Stellungnahme von Herrn Scholl ist wirklich erstaunlich. Man könnte jeden einzelnen Absatz wunderschön zerpflücken und in seiner grenzdebilen Absurdität bloßstellen.

Aber das kann jeder für sich tun wenn er dies mag. Mich interessiert hier nur ein Punkt den der Autor macht, nämlich dieser:
Der Papst nimmt von den Ergebnissen der historisch-kritischen Erforschung der Schrift keine Kenntnis. Er schreibt ganz unbekümmert, Jesus Christus habe „den Aposteln am Tag Seiner Himmelfahrt zum Vater den Auftrag“ zur Evangelisation gegeben und beruft sich auf Mt 28,19-20. Jeder und jede Theologiestudierende weiß heute, dass es sich bei dieser Stelle nicht um ein ursprüngliches Wort Jesu handelt, sondern um eine Übernahme aus der liturgischen Tradition der Gemeinden zur Zeit der Abfassung des Matthäusevangeliums.

Ich lass das jetz mal so stehn... als Theologiestudierender (der sich irgendwie angesprochen fühlt), bin ich sprachlos.