Samstag, 29. Februar 2020

"ideeller Verlust"

Auf katholisch.de findet sich heute eine (KNA) Meldung über Hosteindiebstahl (hier). Abgesehen von dem materiellen Schaden spricht die Meldung von einem "ideellen" Verlust, der entstanden sei.

"Ideell" meint laut Duden etwas "die Idee betreffend, auf ihr beruhend, von ihr bestimmt".
Es ist ein interessantes Symptom unseres innerkirchlichen Verrottungsprozesses, dass selbst von offiziellen katholischen Medien der Diebstahl des sakramentalen Leibes unseres Herrn Jesus Christus fernab der Kategorie des Sakrilegs, ja generell fernab von allem Sakralen nurmehr als ein Vergehen an etwas Ideellem wahrgenommen werden kann... Bei der weltlichen Presse würde ich diese Sprache erwarten, sie wäre entschuldigt durch Unkenntnis. Aber hier?

Die echte Sorge um das Heil
Seit der Frühzeit des Christentums haben immer wieder Menschen lieber Schmerzen und Tod erlitten, als diesem allheiligsten Sakrament etwas zustoßen zu lassen. Ich bezweifle, dass irgendjemand den Tod riskieren würde, um einen "ideellen Verlust" abzuwenden.
Wenn die Eucharistie nur von ideellem Wert ist, ist sie wertlos... und ihre Anbetung ist Götzendienst.

Samstag, 22. Februar 2020

Petrus der Versager

Petrus ist ein armer Kerl. Immer bekommt er was auf den Deckel, immer macht er was falsch. Bei keinem anderen Menschen im Neuen Testament wird sein Scheitern, sein Unglaube, sein Irrtum, so oft und so penibel geschildert.

»Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?« (Mt 14,29-31)
 
»Und Petrus antwortete und sprach zu Jesus: Rabbi, hier ist für uns gut sein; wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Er wusste aber nicht, was er redete; denn sie waren verstört.« (Mk 9,5-6) 

»Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.« (Mt 16,21-23)

»Petrus aber saß draußen im Hof. [...] Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst.[...]  Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht. [...] Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.« (Mt 26,69-75) 

»Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er hatte sich ins Unrecht gesetzt. Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Und mit ihm heuchelten auch die andern Juden, sodass selbst Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln.« (Gal 2,11-13)
 

Petrus ist vermutlich der fehlbarste Mensch im Neuen Testament. Und trotzdem ist er der "Erste" unter den Jüngern, der für die anderen spricht, trotzdem baut der Herr auf ihn Seine Kirche, trotzdem übergibt er ihm die Schlüssel zum Himmelreich, trotzdem befiehlt er ihm vor allen anderen, seine Schafe zu weiden. Ein fehlbarer (theologisch wenig versierter, rhetorisch ungeschickter und nicht gerade feinfühliger) Papst ist also nichts Ungewöhnliches... es müsste eigentlich der Normalfall sein, nur waren wir im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert mit einer außerordentlichen Fülle an wundervollen Päpsten gesegnet. 

Das Fest der Kathedra Petri kann vielleicht helfen, von der Person des jeweils auf diesem Stuhl Platz Nehmenden etwas Abstand zu gewinnen. Auch JPII und BXVI waren nicht über jeden Fehler und jede Nachlässigkeit erhaben.

Freitag, 14. Februar 2020

Katholischer Valentinstag

in Santra Prassede in Rom
Neben den Heiligen Patronen Europas, Kyrill und Methodius, ehrt die Kirche heute auch den heiligen Priester Valentin, jenen römischen Märtyrer des 3. Jahrhunderts, der wegen seiner hingebungsvollen Sorge für christliche Paare und deren vom Kaiser verbotenen Eheschließung nach christlichem Brauch in Rom am heutigen Tag enthauptet wurde. Wie romantisch...

Nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls heute geehrten Heiligen Bischof Valentin von Terni, der etwa zur selben Zeit in Rom enthauptet wurde, aber aus anderen Gründen.

Donnerstag, 13. Februar 2020

Bedeutung des sakramentalen Priestertums

Nun ist also das Nachsynodale Apostolische Schreiben zur Amazonassynode mit dem spanischen(!) Titel "Querida Amazonia" erschienen. Die schlimmsten Befürchtungen vieler haben sich nicht erfüllt, dafür wurden die Hoffnungen vieler anderen enttäuscht.
Bedauerlich ist, dass in der Weltpresse (katholisch.de bringt eine Hilfreiche Presseschau HIER) beinahe flächendeckend nur die Reizthemen behandelt werden und die eigentliche Botschaft des Papstes untergeht. Ganz ehrlich: Hätte der Papst die Hoffnungen etwa der Mehrheit der Mitglieder des suizidalen Weges erfüllt, dann würde sein eigentliches Anliegen noch weniger Beachtung finden. Würde der Zölibat gelockert oder das Sakrament der Weihe in Frage gestellt, würde das Dokument ausschließlich als das Dokument in die Geschichte eingehen, das eben dies getan hat, nichts anderes wäre mehr interessant. So aber hat der Papst nur wiederholt, was vor ihm schon galt - laaangweilig -, man kann sich also getrost dem Rest des Dokuments zuwenden.

Dennoch will ich mich hier auch kurz der Frage des Weihesakraments zuwenden. Franziskus führt bemerkenswerter Weise exakt die selben "Begründung" an, die auch Marianne Schlosser in so schöner Weise dargelegt hat (siehe Text am Schluss): "Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters." (QA 101) Der Papst spricht von einem "Dialog zwischen Bräutigam und Braut, der sich in der Anbetung vollzieht und die Gemeinschaft heiligt", weswegen es in keiner Weise zufällig oder beliebig ist, dass der geweihte Zelebrant der Eucharistiefeier ein Mann ist. Daran wird auch der Grundirrtum eines Bischofs Bode sehr schön deutlich: Dieser *hust* Würdenträger der Kirche hat offenbar noch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass Christus sich selbst als Bräutigam seiner Gemeinde bezeichnet hat (vgl. Mt 9,15). An dieser Stelle kann man sich getrost fragen, ob Bischof Bode - als Priester, der er ist - eventuell in einer Identitätskrise steckt...

Es ist aufschlussreich, dass Franziskus, in Übereinstimmung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die drei Stufen des Weihesakraments als Einheit versteht: Es gibt nur ein Weihesakrament in drei Stufen. Und so ergibt es sich, dass es nicht nur eine Unmöglichkeit der Priesterweihe der Frau gibt, sondern dass eine Zulassung zu den "heiligen Weihen" (QA 100) ausgeschlossen ist. Denen, die meinen, Frauen könnten nur eine gewichtige Rolle in der Kirche spielen, wenn sie auch geweiht werden könnten - die Weihe sei geradezu eine "Anerkennung" ihrer Leistungen oder ein "Recht" (im Sinne der Gleichberechtigung) -, bescheinigt der Papst einen "Reduktionismus". Erst kürzlich fand ich in einer Kirche einen Aushang zu einem regelmäßig in der Kirche stattfindenden Gebetstreffen "für eine geschlechtergerechte Kirche" und die kfd reagierte auf das Papstschreiben mit dem Hinweis "ihr Einsatz für eine lebendige Kirche" solle doch "mit einer Weihe anerkannt werden" (siehe HIER), so als wäre das Sakrament der Weihe eine Belohnung (irgendwie muss ich dabei die ganze Zeit an einen zu dressierenden Hund denken, der zur Belohnung ein Leckerli bekommt...).

Bei der Beschreibung dessen, "was dem Priester in besonderer Weise zukommt, was nicht delegierbar ist", führt der Papst sehr eindrücklich aus:
"Die Antwort liegt im heiligen Sakrament der Weihe begründet, das ihn Christus, dem Priester, gleichgestaltet. Und die erste Schlussfolgerung ist, dass dieser ausschließliche Charakter, der in den heiligen Weihen empfangen wird, ihn allein befähigt, der Eucharistie vorzustehen. Das ist sein spezifischer, vorrangiger und nicht delegierbarer Auftrag. [...] Wenn gesagt wird, dass der Priester 'Christus das Haupt' darstellt, dann bedeutet das vor allem, dass Christus die Quelle der Gnade ist: Er ist das Haupt der Kirche, denn er hat »die Kraft, allen Gliedern der Kirche Gnade einzuflößen«.
Der Priester ist Zeichen dieses Hauptes, das die Gnade vor allem im Feiern der Eucharistie ausgießt, die Quelle und Höhepunkt allen christlichen Lebens ist. Darin besteht seine große Amtsgewalt, die nur im Weihesakrament empfangen werden kann. Deshalb kann nur er sagen: 'Das ist mein Leib'. Auch andere Worte kann nur er sprechen: 'Ich spreche dich los von deinen Sünden'. Denn die sakramentale Vergebung steht im Dienst einer würdigen Eucharistiefeier. Diese beiden Sakramente bilden die Mitte seiner exklusiven Identität." (QA 87-88)

Damit ist Wesentliches zum Sakrament der Weihe ausgesagt, das immer wieder in Erinnerung gerufen werden muss, auch wenn es eigentlich selbstverständlich ist. Besonders die Erinnerung an den Zusammenhang von Eucharistie und Beichte ist sehr zu begrüßen.
Schließlich ist es auch schön zu sehen, dass die marianische Perspektive genau hier ins Spiel kommt:
"Denn der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria. Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben. Auf diese Weise bleiben wir nicht bei einem funktionalen Ansatz stehen, sondern treten ein in die innere Struktur der Kirche." (QA 101)

Bleibt abzuwarten, was nun aus dem suizidalen Weg wird. Ich vermute jetzt einfach mal ins Blaue hinein, dass Kardinal Marx vor wenigen Tagen nicht zufällig seinen Verzicht auf den Vorsitz der DBK bekannt gegeben hat, denn mit Querida Amazonia ist ein guter Teil von dem, wofür er den suizidale Weg gestartet hat, hinfällig und damit er selbst auch in Frage gestellt.
Auch dürfte es interessant sein zu sehen, wie nun der aktuelle Hyper-Papalismus in sein Gegenteil umschlägt...


Der entscheidende Passus in den Ausführungen von Prof. Schlosser (der ganze Text ist HIER):
Warum aber kann dieses Sakrament der Repräsentanz nicht einer Frau übertragen werden?
Zu einem Sakrament gehört die Einsetzung durch Christus, d.h. die Verknüpfung eines sichtbaren Gegenstands oder Vollzugs mit einer neuen Bedeutung und einer von Christus selbst verbürgten Wirkung. Er hätte es prinzipiell auch anders anordnen können, hätte auf die Sendung der Apostel ganz verzichten können, oder hätte alles (und nicht nur vieles) der späteren Entwicklung in der Glaubensgemeinschaft überlassen können. Wenn aber etwas ein „Zeichen“ sein soll, dann muss es auf den bezeichneten Gehalt bestmöglich hinweisen (Signifikanz). Öl oder Wein haben eine andere Signifikanz als Wasser. Bei „Hochzeitsmahl“ denken wir an etwas anderes als an eine Geburtstagsparty, und wenn sie noch so rauschend gefeiert würde. Dieser Aspekt ist nicht Spielerei mit Bildern, sondern relevant, weil die Sakramente per definitionem „wahrnehmbare Zeichen“ für eine unsichtbare Wirklichkeit sind.
Und da scheint mir sehr einleuchtend, dass eine Frau kein signifikantes Zeichen für den Bräutigam der Kirche ist. Wie umgekehrt ein Mann kein signifikantes Zeichen für die Braut Kirche ist. So erhalten Ordensfrauen oft einen Ring am Tag der Profess, bei Mönchen ist das unüblich – obwohl beide die bräutliche Liebe zu Christus leben, sind sie in unterschiedlicher Weise sichtbares Zeichen
dafür.
Die Plausibilität des Arguments beruht dabei nicht nur auf einem natürlichen Vorverständnis – ebenso wenig wie die Sakramente einfach die religiöse Variante natürlicher Riten sind –, sondern auf der Verbindung zwischen Schöpfungswirklichkeit und geschichtlicher Offenbarung Gottes; man könnte auch sagen: die Wirklichkeit der Schöpfung und ihrer Symbolik wird zur Mitteilung der Erlösung verwendet. Christus „interpretiert“ die Schöpfung, wenn er die Sakramente einsetzt. Die in der Hl. Schrift als dem Niederschlag der Selbstmitteilung Gottes verwendeten Symbole sind daher nicht einfach „Bilder“, die man beliebig ersetzen könnte. Sie sind vielmehr der Weg, wie das unergründliche, göttliche Geheimnis der Liebe Christi uns nahegebracht wird. Dass das Verhältnis zwischen Jahwe und seinem geliebten Volk als Ehebund umschrieben wird, dass die Evangelien Jesus als „Bräutigam“ bezeichnen, Paulus von der Braut Kirche (vgl. 2 Kor 11,2; Eph 5) spricht, die ihr Leben dem Bräutigam verdankt, oder dass die eschatologische Erfüllung, die Freude ohne Ende, deren sakramentales Vorausbild die Eucharistiefeier ist, einem Hochzeitsmahl gleicht (z.B. Apok 22), ist nicht beliebige Bildsprache, sondern bringt zum Ausdruck, dass die Menschheit, ja der einzelne Mensch von Gottes Liebe umworben wird. Nicht umgekehrt.

Montag, 10. Februar 2020

Prophet, Priester und König

Der Dortmunder "Theologe" Thomas Ruster darf auf katholisch.de Werbung für sein neues Buch machen (HIER).

Ruster schlägt vor, das Priesteramt zu zerstückeln: Ausgehend von der vom Zweiten Vatikanischen Konzil stark gemachten (aber durchaus nicht erfundenen) Dreiheit des Amtes Christi als Prophet, Priester und König, an dem alle Getauften und ebenso die Priester in besonderer Weise Anteil erhalten, glaubt er, hier die Möglichkeit vorgezeichnet zu sehen, Priester zu weihen, die nur je eines dieser Ämter ausüben. Geschlecht egal. Auf einen Zeitraum von drei Jahren und auf das Gebiet eines Bistums beschränkt.
Mit anderen Worten: Thomas Ruster möchte ganz unverhohlen das Sakrament der Weihe durch drei verschiedene Beauftragungen von Laien ersetzen. Natürlich behauptet er, das Sakrament beizubehalten (der Bischof soll es tun!), so wie er auch einfach behauptet, seinem Vorschlag stünde nichts im Wege... Selten so einen Stuss gelesen.
Mich interessiert eher weniger, dass er faktisch etwas abschaffen will, was zum Kern des katholischen Glaubens gehört - das tun viele "Theologen" schon zum Frühstück -, mich interessiert hier nur seine Prämisse: Nämlich, dass man jene "drei Ämter" Christi von einander trennen kann. (Beim durchblättern des Buches hatte ich nicht den Eindruck, dass er, seine eigene Logik anwendend, in Zukunft auch drei verschiedene Taufen spenden möchte... dem Christen an sich gesteht er also zu, alle drei Ämter Christi mittels der Taufe zugleich anvertraut zu bekommen... Priester sollen/können/dürfen dies aber nicht.) Sein Vorschlag wird bestimmt begeistert aufgenommen, löst er doch, wie er selbst begeistert verkündet, scheinbar alle Probleme des Priestertums, die gegenwärtig etwa beim suizidalen Weg Thema sind...

Ums kurz zu machen: Natürlich ist das Mumpitz.
Das "Neue" am "Neuen Bund" ist ja gerade dies, dass einer gekommen ist, der, im Unterschied zum "Alten Bund" (s. Bild), alle drei "Ämter" in sich vereinigt, und der denen, die ihm nachfolgen, an diesen Anteil gibt. Prophet, Priester und König sind im neuen Bund nicht teilbar, so wenig wie Jesus Christus zerteilbar ist. Alles andere wäre ein Rückfall in eine Zeit vor der Inkarnation des Gottessohnes. Da mir gerade aber nicht nach großem Geschreibsel ist, lasse ich nun einfach noch Johannes Paul II. sprechen:

»Das II. Vatikanische Konzil hat die Auffassung vom Priestertum vertieft und es im Zusammenhang seiner Lehraussagen als Ausdruck der inneren Kräfte und "Dynamismen" dargestellt, durch die sich die Sendung des ganzen Volkes Gottes in der Kirche ausformt und entfaltet. Hier gilt es vor allem, die Konstitution Lumen gentium zu beachten und ihre entsprechenden Abschnitte aufmerksam nachzulesen. Die Sendung des Volkes Gottes vollzieht sich durch die Teilnahme an dem Amt und der Sendung Christi selber, die bekanntlich eine dreifache Dimension aufweisen: Sendung und Amt des Propheten, Priesters und Königs. Wer die Konzilstexte aufmerksam studiert, weiß, daß man eigentlich nur von einer dreifachen Dimension des Amtes und der Sendung Christi sprechen darf statt von drei verschiedenen Funktionen. Diese sind nämlich zuinnerst miteinander verbunden, sie erklären, bedingen und verdeutlichen sich gegenseitig. Folglich entspringt auch unsere Teilnahme an der Sendung und dem Amt Christi aus dieser dreifach gegliederten Einheit. Als Christen, als Glieder des Volkes Gottes und später dann als Priester, die in die hierarchische Ordnung der Kirche eingefügt sind, verdanken wir unseren Ursprung der Gesamtwirklichkeit der Sendung und des Amtes unseres Meisters, der zugleich Prophet, Priester und König ist. Für ihn sollen wir in der Kirche und vor der Welt besondere Zeugen sein.«
(aus: Papst Johannes Paul II., Schreiben zum Gründonnerstag 1979 "Novo incipiente", an alle Priester der Kirche über den priesterlichen Dienst; HIER nachzulesen)

Donnerstag, 6. Februar 2020

Der Synodale Weg als Ort der Entscheidung

Der Suizidale Weg von DBK und ZDK hat zumindest dieses Positive, dass dadurch endlich die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Endlich erfahren wir, wo die große Mehrheit derer, die in der katholischen Kirche auf deutschem Boden das Sagen haben, stehen. Nicht, dass der Sachverhalt an sich neu wäre, aber nun bekommen wir und die ganze katholische Welt es in Bild und Ton und schwarz auf weiß, dass offenbar eine große Mehrheit selbst der deutschen Bischöfe kein Interesse daran haben, an der Lehre der Kirche festzuhalten. Sie ist zur Verfügungsmasse degradiert - oberstes Kriterium ist jetzt der aktuelle Zeitgeschmack.

Die Mitglieder des suizidalen Weges, die sich gegen die Lehre der Kirche aussprechen, zeigen damit - entgegen dem, was uns unablässig über die Medien eingeredet wird -  durchaus keinen besonderen Mut. Sie wissen sich im Einklang mit der Mehrheit ihrer Zuhörer und mit der sie umgebenden Welt und Gesellschaft. Ein Bischof der sagt, dass homosexuelle Handlungen gut und richtig sind, erntet Applaus, nicht Verfolgung - und zwar an erster Stelle von den Menschen außerhalb der Kirche. Das allein müsste ihm eigentlich schon zu denken geben... Ich gehe davon aus, dass auch ein Bischof der so etwas behauptet, glaubt, aus Liebe zu jenen Menschen zu sprechen. Faktisch leistet er ihnen aber keinen Liebesdienst, denn er liefert sie der Sünde aus. Auf Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ist aber verlass: Das Gericht wird einen solchen Bischof schwerer treffen als die, die er als Hirte in die Irre geführt hat.
Verfolgung trifft vielmehr den, der die Wahrheit der auf der Offenbarung gründenden Lehre der Kirche bezeugt (vgl. bzgl. Homosexualität meine Gedanken HIER). Dafür einzustehen, das bedeutet Mut! Denn die Angriffe und der Hass der Welt sind ihm sicher. Es ist ein Akt der Liebe, einen Menschen auf die Sünde hinzuweisen und vor ihr zu warnen - in dem Wissen, morgen vielleicht schon der Gewarnte zu sein.

Wer auf der Suche nach Gott ist sucht Wahrheit, nicht Meinungen. Wer sich anschickt Christ zu werden, weiß instinktiv, dass der Geist Gottes nicht mit dem Geist der Welt verwechselt werden kann. Der Geist offenbart den Geist (vgl. Röm 8,16; 1 Kor 2,10-13). Anziehend ist die Kirche nur, wenn sie auch zugleich anstößig ist, das weiß jeder Bekehrte. Genau an diesen gibt es aber - das weiß ich aus reichlich unmittelbarer Erfahrung - in den kirchlichen Strukturen (je verantwortlicher, desto schlimmer) einen eklatanten Mangel.

Neben diesem eher oberflächlich-soziologischen Kriterium für die Anziehungskraft und Glaubwürdigkeit der Kirche gibt es aber noch ein tiefer gehendes theologisches Kriterium, nämlich die Treue der Kirche zu Gott, dem Menschen und sich selbst. Was ich meine: Die meisten Mitglieder des suizidalen Weges sind offenbar der Ansicht, dass die Kirche in Sachen Sexualität (und damit: Ehe) und in Sachen Priestertum (nämlich: Hierarchie, Zölibat, Männern vorbehalten) seit ihrer Grundlegung vor 2000 Jahren etwas dem Menschen und der Kirche unangemessenes (ließ: falsches) gelehrt hat. Das Wesen des Menschen (Geschöpf nach dem Willen Gottes) hat sich in den letzten 2000 Jahren nicht geändert, und das Wesen der Kirche (Leib Christi, vom Heiligen Geist beseelt) kann sich nicht ändern, so wenig sich das Wesen Jesu ändern kann. Demnach hätte sich die Kirche hinsichtlich eines Grundpfeilers des Menschseins ("als Mann und Frau schuf er sie") und hinsichtlich eines Grundpfeiler der Kirche ("wir sind Botschafter an Christi statt", sagt Paulus von sich selbst) seit 2000 Jahren geirrt. Folglich wäre die Kirche nicht Leib Christi und ganz sicher nicht vom Heiligen Geist beseelt, sondern sie wäre eine menschenfeindliche und dem Willen Gottes in eklatanter Weise zuwider handelnde Räuberbande, die 2000 Jahre lang die Hälfte der Menschen ungerecht diskriminiert (weil vom Priestertum ausgeschlossen) hat und die zugleich allen Menschen eine ungerechte, ja geradezu gotteslästerliche Last auferlegt hat ("Sex gehört in die Ehe"). Dieser Vorwurf träfe dann übrigens nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die zahlreichen orthodoxen und altorientalischen Kirchen, also alle christlichen Strömungen, die ihre Lehre und Praxis auf die Entstehungszeit des Christentums zurückführen können.
Der suizidale Weg hat das gleiche Problem, das jede Häresie hat: Die Häretiker müssen nämlich irgendwie plausibel machen, warum sich die Kirche in den (nunmehr 2000) Jahren vor der jetzt endlich in ihnen verkörperten Erleuchtung geirrt haben kann, und warum ausgerechnet sie, nach so langer Zeit, die Wahrheit erkannt haben und nun endlich Gottes Wille in der Welt geschehen kann. Was nicht widerspruchsfrei geht. In jedem Fall ist es ein selbstmörderisches Unterfangen.

Ohne Zweifel wird der suizidale Weg die katholische Kirche in deutschen Landen schwer schädigen. Das verzweifelte Ringen um gesellschaftliche Relevanz (vgl. meine Gedanken dazu HIER), das Mühen der "Hirten" um die Anerkennung der Masse wird kurzfristig Erfolg haben, doch dieser Erfolg wird genauso schnell verpuffen, wie er entstanden ist, und sich ins Gegenteil kehren. Die Anglikaner haben es uns vorgemacht: Alle Forderungen der Zeit haben sie erfüllt, mit dem Resultat, dass sich 2018 nur noch 2% der jungen Generation mit ihrer Kirche identifizierten (siehe HIER). So sehr wünschte sich das Establishment der Kirche von England Relevanz in der sie umgebenden Gesellschaft, dass es inzwischen überhaupt keines mehr hat. Die katholische Kirche in den Niederlanden ist ein anderes Beispiel, die EKD ist auch bald auf dem Level angekommen.
Relevanz hat nur, was ein eigenes Profil, eine eigene Gestalt, Form und Inhalt hat, ansonsten verschwindet es im allgemeinen Hintergrundrauschen.


Wo immer Glieder der Kirche versuchen, dem Urteil zu entgehen, das ihren Herrn getroffen hat ("Kreuzige ihn!"), gehen sie in die Irre: "Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen." Nur wenn sie das Schicksal ihres Herrn teilt, kann sie der Welt die Liebe Gottes mitteilen, denn nur so wird die Gesinnung der Menschen offenbar und sie können sich für oder gegen Gott entscheiden: 
"Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. 
Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt." (1 Petr 2,6-8)

Der suizidale Weg ist ein solcher Ort der Entscheidung (gr. krisis). Und genau hierin sehe ich auch einen Grund zur Hoffnung: Wie immer in Zeiten der Anfechtung und der Verirrung, gibt es auch das Licht. Es gibt das mutige Zeugnis für die Wahrheit. Ich denke etwa an das großartige Zeugnis von Marianne Schlosser (HIER), als sie sich mit einem offenen Brief zum Thema des Frauenpriestertums vom unüberwindlich voreingenommenen suizidalen Weg distanzierte. Ich habe noch selten einen Text gelesen, der auf so berührende Weise hohe Theologie und echte Frömmigkeit verbindet. Man denke auch an die bewegenden Worte der Bischöfe Oster (HIER), Voderholzer (HIER) und (leider weniger) anderer.

Bedrängnis, Irrtum und Verheißung gehören untrennbar zusammen: 
"Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln; und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden. 
Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle treu deinen Dienst!
[...]
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen." (2 Tim 4,3-5.8)