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Sonntag, 25. Mai 2014

Nachwort zur Diözesanversammlung

Gestern ging die zweite Diözesanversammlung in der Erzdiözese Freiburg zuende. Dieses Mal hatte ich keine Zeit, sie zu verfolgen oder mich auch nur im Vorfeld näher damit zu beschäftigen, und ich kenne auch niemanden gut genug, der daran teilgenommen hat, um jetzt schon mit nützlichen Hintergrundinfos aufzuwarten. Vielleicht kommt im Laufe der Woche noch was.
Das Ergebnis ist nicht überraschend: man will den eingeschlagenen schismatischen Kurs mit viel Elan fortsetzen.
»Die „Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg“ (2013) wird weiterentwickelt und um einen Gestaltungsvorschlag für eine Feier ergänzt, in der das Paar und sein Weg gesegnet werden. Der Erzbischof wird gebeten, durch seine Unterschrift der Handreichung eine höhere Verbindlichkeit zu geben und sich für ein Arbeitsrecht ohne automatische Kündigung und Einstellungsverbote für Wiederverheiratete einzusetzen.«

Immerhin scheint man sich der Fragwürdigkeit dieses Kurses bewusst zu sein, da man den Erzbschof "bittet", er möge doch dem unsäglichen Dokument mit seiner Unterschrift "eine höhere Verbindlichkeit" geben. Was natürlich an der Tatsache nichts ändert, dass das Dokument einen eklatanten Rechtsbruch darstellt und mit der katholischen Lehre und Disziplin völlig unvereinbar ist. Dass man sich auf der Versammlung offenbar besonders viel Mühe gab ständig von "Kollegialität" zu reden kann gleichfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass solch ein diözesaner Alleingang das genaue Gegenteil davon ist.
Ansonsten gab es viel Gelaber und Gesülze, die "Empfehlungen" kann man hier (klick) nachlesen. 
(Interessant finde ich, wie unbekümmert man in diesen Empfehlungen vom "Erzbischof" spricht... offenbar fällt die Abnabelung nicht leicht. Um das mal klar zu haben: Freiburg hat gegenwärtig keinen Erzbischof, die Kathedra ist vakant! Was wir haben ist ein so genannter Apostolischer Administrator, dessen Posten zufälligerweise - und nur, weil sich der Papst aufgrund seiner universalen Vollmacht über das örtliche Partikularrecht hinweggesetzt hat [darum: Apostolischer A.] - von dem gleichen Mann ausgefüllt wird, der früher einmal Erzbischof von Freiburg war. Den Job könnte genausogut auch irgendein Priester übernehmen. Es gibt jedenfalls keinen Grund anzunehmen, dass der Nachfolger von EB Zollitsch das Trauerspiel einfach weiterführen wird.)


Was zum Schmunzeln gibts dann aber doch noch: Wie man in diesem Video (klick) am Anfang sehr gut sehen kann, lagen auf den Stehtischen im Tagungszentrum überall Kreisel mit dem Logo der Versammlung aus (s. Bild)... Wie passend! Man dreht sich um sich selbst... Viel Bewegung, aber nichts bewegt sich. Endlich mal eine sinnvolle Verwendung von Kirchensteuermitteln!

Montag, 20. Mai 2013

Geistesgegenwart

Der "Geist der Wahrheit", der uns "in die volle Wahrheit führen" wird, ist es, der die Kirche zur "Säule" und zum "Fundament der Wahrheit" macht. So kann die Kirche nicht aus der Wahrheit herausfallen, ohne aufzuhören Kirche zu sein, was aber nicht passieren kann, denn die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.
Immer ist die Kirche Leib Christi, Christus ist immer in ihr gegenwärtig und der Geist erhält sie in der Wahrheit.  Das kann man Tradition nennen.
In der Kirche gibt es, so gesehen, kein Vorher und Nachher im Bezug auf die Wahrheit. Es kann nicht sein, dass die Wahrheit von "einer Kirche" erst erkannt oder "freigelegt" werden müsste.

Eine jede Häresie funktioniert anders. Diese haben solchen zeitlichen Charakter.
Vor fast einem Jahr habe ich hier zuletzt Möhler zitiert (hier). Wird mal wieder Zeit: 

»Die katholische Kirche weiß insofern von keiner Vergangenheit, in welcher die christliche Religion gegeben worden; Vergangenheit und Zukunft verlieren hier ihre Bedeutung und lösen sich in eine immerwährende Gegenwart auf: Christus ist immer da, sein Geist belebt die Kirche immer, und ebenso wird sein Ausdruck, das Wort, in der ganzen Weite der Kirche für und für ausgesprochen und vernommen. Im Gegensatz die Häresie, von welcher jede Art erst meint, das Christentum sei nirgends vorhanden, sie sei berufen, es erst aufzufinden.« (Johann Adam Möhler, Die Einheit der Kirche, in den Nachträgen aus den Manuskripten)

Wie ein Prophetenwort von vor nunmehr fast 190 Jahren (1825!) mutet da, mit Blick auf vielfaltige aktuelle und weniger aktuelle (nachkonziliare) Phänomene, das Folgende an:
»In dem Christentum gibt es keine Epoche als [nur die] eine; mit der Erscheinung Christi und der Herabkunft des Hl. Geistes ist sie gegeben, und alles übrige ist nur Periode, ist nur Ablauf und Entwicklung. Indem aber der kirchliche Egoist berufen zu sein glaubt, Epoche zu machen, so kann seine Erscheinung auch nur mit Entzweiung der Brüder, Trennung der Vergangenheit und Zukunft und Zerstörung des Gegebenen begleitet sein.« (ebd.)

Heute ist Pfingstmontag... Wir feiern den Geburtstag der Kirche, das Einsetzen jener "immerwährenden Gegenwart". Und noch immer hallt die für mein Empfinden in mehr als einer Hinsicht "geistleere" Diözesanversammlung nach. (Nach Berichten von Teilnehmern ist es wohl so, dass an der Versammlung nicht nur ehren- und hauptamtliche "Spitzenfunktionäre" der Diözese teilgenommen haben, wie ich bisher annahm, sondern wohl auch reichlich Leute, die kaum mehr ein Interesse an der Kirche oder ihrer Liturgie haben... Zur Veranschaulichung, ein Beispiel das mir zu Ohren kam: Eine Frau, die die Kirche der Pfarrei, aus der sie kam, nach eigenem Bekunden noch nie betreten hat und die auf eine Smalltalkfrage nach der Innenausstattung ziemlich verächtlich und desinteressiert antwortete.)
Ich kann beim besten Willen wenig mehr darin sehen, als eine Versammlung "kirchlicher Egosisten" die in der Mehrzahl zufällig die gleichen (stupiden) Ideen haben. Die wenigen Ausnahmen unter den "Mitgliedern" der Versammlung stechen dadurch umso mehr heraus. Da mag ein gewisser deutscher Kardinal völlig recht haben, wenn er hinter vorgehaltener Hand meint, der Freiburger EB spinne doch. Die Frage ist: wohin soll das führen? Die Freiburger Ungehorsamspriester werden sich demnächst treffen und "beraten"...  

Veni, Creator Spiritus, mentes tuorum visita!

Samstag, 11. Mai 2013

Kleine Nachlese zur Diözesanversammlung

Die erschreckenden Ansichten des Referenten Striet habe ich ja schon gewürdigt (v.a. hier). Und auch die Ergebnisse und die erzbischöflische Stellungnahme kam hier schon vor (siehe Label). Einige weitere Anmerkungen und Beobachtungen hinter den Kulissen mögen hier nachgeliefert sein.
Die Homepage der Diözesanversammlung bietet nach wie vor kaum Informationen... die konkreten Ergebnisse (in aufgearbeiteter Form) sind nur für Mitglieder der Versammlung zugänglich. Man hält sich nach wie vor sehr bedeckt (vgl. meinen früheren Beitrag dazu).  In den spärlichen Videobeiträgen kann man ein paar Einblicke in die "Psyche" der Versammlung gewinnen... da wird dann z.B. die Kirche als "einer von vielen Anbietern auf dem Markt" definiert und die wichtigste Frage lautet dementsprechend: "was ist denn Nachfrage, was wollen die Leute?".


(Oft glänzen essentielle Begriffe und die entsprechenden Inhalte ja gerade durch Abwesenheit. Natürlich kann nicht jede Rede immer eine vollständige orthodoxe Dogmatik beherbergen, aber es gibt gewisse Kontexte, in denen dass Fehlen bestimmter Dinge, v.a. wenn es Zentralaspekte sind, einfach nur beschämend ist... etwa wenn ein Text der in das Mysterium der Eucharistie einführen soll, den Begriff des Opfers gänzlich auslässt. Das ist in etwa so, als wolle man einem Kind erklären, was es mit einer Hochzeit auf sich hat und so etwas wie "Frau"/"Braut"/"Partnerin" völlig unerwähnt lassen.)

Wenig verwunderlich ist, dass im Eröffnungsreferat von Prof. Peter Walter, das eine Beschreibung der Kirche und ihres Seins in der Welt zwischen Orts- und Universalkirche zum Thema hatte, so etwas wie "Gehorsam" nicht vorkam. "Papst" und "Bischof" übrigens auch nicht wirklich.
Auch der alle anderen überragende biblische Zentralbegriff für das Gemeindeleben der Christen: "Liebe" kommt in solch einem Kontext überhaupt nicht vor. Eigentlich erscheint er nur zweimal: wenn gesagt wird, dass wir "in der gelebten Liebe Zeugnis ablegen für die Zuwendung Gottes zu den Menschen" und einmal im abschließenden Bibelzitat als Charakterisierung des Heiligen Geistes.
Und schließlich erscheint auch die wohl wichtigste Identitätsbezeichnung der Gemeinde in der Bibel nicht, von der Pius XII. sagte, dass "nichts Vornehmeres und Vorzüglicheres, nichts Göttlicheres gefunden werden" könne (Mystici corporis): "Leib Christi".

Eine merkwürdige dogmatische Verschränkung vollbringt Prof. Walter, wenn er schreibt: 
»Das Konzil greift jedoch nicht nur beim Gemeinsamen Priestertum auf reformatorisches Gedankengut zurück, sondern auch mit der Rede vom dreifachen Amt Jesu Christi, das neben dem Priesteramt auch sein Propheten- und Hirtenamt umfasst. [...] Alle Getauften haben, wenn auch auf unterschiedliche Weise, an diesen Ämtern Christi Anteil. Alle sind zur Verkündigung und zum Zeugnis und damit zur Teilhabe am prophetischen Amt Christi berufen, alle sind zur Lebenshingabe und zur Mitwirkung an der Liturgie und damit zum priesterlichen Amt Christi berufen und alle sind zum Dienst berufen, in dem sich das königliche Amt dessen verwirklicht, der nicht herrschen wollte, sondern dienen.«


Es ist auch eine dezente Lüge, zu behaupten, das Konzil habe mit der Erwähnung des gemeinsamen Priestertums "reformatorisches Gedankengut" aufgenommen. Als Dogmatiker muss er den Unterschied kennen zwischen "gemeinsamem Priestertum" (katholisch) und "allgemeinem Priestertum" (protestantisch), wenn er ihn nicht kennt, sollte er Nachhilfe in Anspruch nehmen.
Sehr fragwürdig finde ich auch die Tendenz, den Unterschied zwischen Klerikern und Laien zu vertuschen. Die bloße Formulierung "auf unterschiedliche Weise" kann leicht dazu verleiten, hier bloß disziplinarische Faktoren zu vermuten. Eine kurze Erwähnung des (zum Glauben der Kirche gehörenden!) wesenhaften Unterschieds zwischen Kleriker und Laien (nicht bloß dem Grade, und erst recht nicht bloß der "Weise" nach!) wäre so schwer nicht gewesen, zumal das Publikum die handverlesene Crème de la Crème der Diözese war, mit hohem Theologenanteil. Dem entspricht es dann auch, wenn er sein Referat nur minimal verschleiert mit der Forderung nach dem Frauenpriestertum abrundet.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn der Redner den "übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes [Gottes]", den das Konzil auf "ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten" bezieht (LG 12), einfach so auf die Diözesanversammlung anwendet... ob ihm das Wörtchen "ganz" sowie die von mir zitierte zweite Hälfte des Satzes entgangen sind?
Genau wie Prof. Striet in seinem Referat, wurde auch hier das Thema nicht wirklich behandelt... eher wurde mehr oder weniger subtil Politik betrieben und Parolen geprägt.


Ein ganz anderes Thema ist jene Sache die der Erzbischof bis in sein Abschlussstatement hinein nie müde wurde zu betonen: Der so genannte "geistliche Prozess". Es war ihm ja stets ein großes Anliegen, dass diese Versammlung und der ganze Dialogprozess ein "geistlicher Prozess" sein soll.
Die Gebetszeiten des Stundengebets, das die Versammelten jeden Tag beteten, wurden offenbar von nicht wenigen Teilnehmern als lästiges Pflichtprogramm angesehen, sodass regelrecht Druck auf den EB ausgeübt wurde, das Ganze zu beschleunigen. Nicht öffentlich bekannt geworden ist, dass beispielsweise bei den großen Horen extrem geschludert wurde. Ganze Pslamen, Cantica und sonstige Texte aus der zu verrichtenden Stundenliturgie wurden einfach spontan (und wie man hört, zuweilen sogar vom Erzbischof persönlich) gestrichen, das ganze Prozedere stets enorm beschleunigt. Und, man höre und staune, einige Teilnehmer der Versammlung beschwerten sich sogar ausdrücklich darüber, dass, zeitgleich mit der Versammlung, im hiesigen Priesterseminar rund um die Uhr eucharistische Anbetung gehalten wurde... das könne man doch nicht machen! Man fühlte sich offenbar davon belästigt, dass in 500 Metern Entfernung gebetet wurde... [Kaum eine Randnotiz ist es wert, zu erwähnen, dass trotz der Anwesenheit zahlreicher Priester und Ordensleute, die komplette Stundenliturgie (was davon noch übrig war...) im Sitzen verrichtet wurde.]

Die Rede vom "geistlichen Prozess" ist also zu einem nicht kleinen Teil eine Farce. 

Am Samstag (die Versammlung ging von Donnerstag bis Sonntag) wurde im Rahmen der Anbetung im Seminar auch ein außerplanmäßiges Nightfever ebenda organisiert (normalerweise findet es in genau der Kirche statt, in der die Versammlung tagte). Ein paar wenige Teilnehmer der Versammlung (Erkennbar an gewissen Requisiten) waren dort, andere haben sich tatsächlich nicht entblödet, die Einladenden auf der Straße regelrecht auszulachen (ich gehörte zu den ausgelachten). Und natürlich gab es auch während der Diözesanversammlung verbalen Protest dagegen, dass dieses Nightfever (also: Menschen einladen zur Anbetung Gottes) überhaupt stattfindet.
(Dass die Fürbitten während der Versammlung zum größten Teil nach dem Schema "Mein Wille geschehe" gehalten waren, habe ich schon erwähnt.)


Ein positives Wort zum Schluss:

»Daraus ergibt sich, dass jene in einem großen und gefährlichen Irrtum befangen sind, die sich nach Willkür eine verborgene und ganz unsichtbare Kirche ausdenken; genau wie jene, die in ihr irgendeine menschliche Anstalt sehen wollen mit einer Art äußerer Disziplin und einem äußeren Kultus, aber ohne immerwährende Vermittlung göttlicher Gnaden, ohne jene Zeichen, die täglich offenkundig dartun, dass die Kirche ihr Leben aus Gott empfängt.
Die Kirche kann nämlich nicht eins ohne das andere sein; das wäre ebenso widersinnig wie die Behauptung, der Mensch sei nur Leib oder nur Seele. Die Vereinigung und Zusammengehörigkeit dieser zwei Bestandteile ist zum Wesen der wahren Kirche ebenso notwendig, wie etwa die innige Vereinigung von Seele und Leib für die menschliche Natur. Die Kirche ist nicht etwas Lebloses, sondern der mit übernatürlichem Leben ausgestattete Leib Christi. Christus, ihr Haupt und Vorbild, wäre auch nicht vollständig, wollten wir in ihm nur die sichtbare menschliche Natur erblicken, wie ein Photius und ein Nestorius, oder nur die unsichtbare göttliche Natur, wie die Monophysiten. Er ist vielmehr ein Wesen aus beiden und in beiden Naturen, der sichtbaren wie der unsichtbaren. So ist auch sein mystischer Leib nur deshalb die wahre Kirche, weil ihre sichtbaren Bestandteile Kraft und Leben empfangen aus den übernatürlichen Gnaden und jenen übrigen Gaben, aus denen ihr eigentümliches Wesen und ihre Natur hervorgeht.« (Aus der Enzyklika "Satis cognitum" von Leo XIII., 1896)



PS. Keine Sorge: In der Zeit der Versammlung wurde der Herr aus dem Tabernakel im Hochaltar evakuiert... zu Denken gibt es mir aber noch, dass das Podest für die Redner genau vor einem der Beichtstühle (verdeckt von dem großen Logo der Veranstaltung) stand... ;)

Montag, 29. April 2013

Diakonat der Macht

eine priesterliche Frau: Maria Magdalena
Ich habe mich hier schon mehrmals recht ausführlich mit der Frage des "Frauenpriestertums" befasst (siehe Label) und ich habe überhaupt keine Hemmungen, auch die Frage von Diakoninnen und Diakonissen unter diesem Stichwort zu summieren.

Denn am Ende geht es nur darum.
Wie Manfred Hauke hier sehr schön herausstellt, würde die Schaffung eines nichtsakramentalen Amtes, das man dann etwa Diakonisse nennt, letztlich nur als Diskriminierung empfunden werden. Es wäre dann noch sehr viel weniger einsichtig, warum man Frauen nicht "auch" zu Priesterinnen und Bischöfinnen weiht. Dass dabei ein Kategorienfehler vorliegt, weil ja auch die "Diakonisse" nicht sakramental geweiht wäre, interssiert dabei keine Sau: Wenn wir Anfangen Ämter zu erfinden, wird niemand mehr Verständnis dafür aufbringen können/wollen, dass wir die Zugangsbedingungen zu bestimmten Ämtern nicht nach Belieben festlegen können.
Kein Mensch bei Verstand würde sich allen ernstes mit so einem "neuen Amt für Frauen" zufrieden geben, man wird es automatisch nur als "Schritt in die richtige Richtung" auffassen. Diese Wahrnehmung wird nicht zu vermeiden sein. Zugzwang entsteht, man schielt zu den Anglikanern und phantasiert sich schon den gleichen Weg einschlagend.

Und genau das steckt m.E. auch hinter diesem Getue um das "neue Amt". Wer ein nichtsakramentales Diakonenamt für Frauen fordert, will genau dies erreichen. Fakten schaffen, die Diskussion verkomplizieren, das Wesen des Weiheamtes schwächen und das Lehramt der Kirche in unüberwindbare Begründungsnot manövrieren. Und ehe man sichs versieht, haben wir anglikanische Verhältnisse.


Zwar lebe ich immer nach dem Grundsatz, nirgendwo Böswilligkeit zu unterstellen, wo Dummheit als Erklärung ausreicht, aber dass in dieser Gremienkirche gelogen wird, und dass gerade die Fachleute das "Volk" belügen um ihre Agenda zu drücken (gerade unter Theologen sehr beliebt...), ist ja nicht erst seit den jüngsten Äußerungen des "Gesocks" beim Z(d)K bekannt. Die Theologen, die das "Recht" der Frauen auf eine Weiheamt fordern WISSEN sehr genau, dass es kein Recht auf den Empfang des Weihesakramentes geben kann - für niemanden. Aber anders können sie in ihrem Treiben nicht überleben.
Mir wäre es lieber, diese Leute würden einfach ganz offen reden und freimütig erklären, dass sie an der Macht, die die Bischöfe de facto in der Kirche haben, beteiligt werden wollen, zu gleichen Teilen. Um nichts anderes geht es. Nicht um die Kirche, die Sakramente, das Heil der Seelen oder die liebevolle Hingabe an Christus... denn für dies alles und noch viel mehr haben Frauen eine große Bandbreite an Möglichkeiten und Berufungen offenstehen... Die Heiligen bilden wie in einem Orchester diese Vielfalt und Vielstimmigkeit exemplarisch und kunterbunt ab!
»Nicht die Amtsträger sind die grossen Gestalten der Kirche, sondern die Heiligen.« (Hauke)

Wer in aller Demut und Hingabe Gott in seiner Kirche dienen will, der kann so eine Forderung gar nicht stellen, da jener Dienst eben nur in der Kirche und also im Gehorsam gegen sie geschehen kann. Wer demütig ist, kann nicht nach einem Amt verlangen. Wer demütig ist, der klagt nicht seine "Rechte" ein, v.a. dann nicht, wenn sie nicht existieren.
Katharina von Siena, der die Kirche heute gedenkt und die von gewissen kirchensteuergepolsterten Laiengrüppchen mit hauptsächlich weiblicher Besetzung zur Schutzpatronin ihrer karrieristischen und neo-klerikalen Agenda missbraucht wird, hat genau das gelebt und vorgemacht. Nur darum konnte sie Papst, Königen und Kardinälen die Stirn bieten: Weil sie sich in aller Demut nicht nur der Kirche, sondern auch den Menschen, gerade auch den Kranken, völlig anheimgegeben hat. In dieser Hingabe, in dieser Demut die nichts für sich will, nichts fordert, hat sich ihr Selbstbewusstsein gebildet und ihr Eifer für die Kirche, der sie dazu Trieb, gegen die Missstände in ihr mit scharfer Zunge vorzugehen.

Die Funktionäre, möchtegern Frauenrechtlerinnen und machtgeilen Idioten (wie gesagt: Dummheit, statt Böswilligkeit) sehen das nicht. Es kommt nicht im Entferntesten in ihr Blickfeld. Es geht nur um Strukturen, um Macht und Institution. Daher ist es wenig verwunderlich, dass solch existentielle Fragen wie etwa die Neuevangelisierung an der gestern beendigten Diözesanversammlung keine Rolle spielten. Nichtmal ein Schatten einer Ahnung einer Andeutung auch nur in die grobe Richtung dessen, was Neuevangelisierung genannt werden kann. (Neuevangelisierung besteht nämlich nicht darin, dass man es "drinnen" so gemütlich herrichtet, dass jeder es toll finden kann; Neuevangelisierung geht auschließlich dadurch, dass man hinaus geht zu den Menschen!) 
Neue Räte, Gremien und Ämter wurden von den Versammlungsteilnehmern gefordert. Man will es sich eben im eigenen Beamtenapparat so bequem wie möglich machen (bedeutet: möglichst viel Beschäftigung mit sich selbst) und dementsprechend dann halt auch eine Frauenquote für die Führungsetage einführen. Darum geht es bei dieser ewigen "Diskussion" um "neue Ämter für Frauen"... aber es sind ja nicht einmal Diskussionen, es ist nur das bockige Kind das schreit und brüllt, weil es will will will... Macht will das Kind, stark will es sein! Sogar stärker als Papa und Mama zusammen!

Die "Anregung" eines Diakonats der Frau, sakramental oder nicht, ist eine Lüge, weil es immer nur eine "Etappe" ist (und sein kann)... leider lassen sich sogar manche gutmeinende Bischöfe von dieser Lüge einlullen, als wäre es das, was letztlich gewollt wird. Ist es nicht. Es ist nur eine Farce.

Puh... das is jetz schon der zweite Auskotzeintrag in kurzer Folge... das geht aber gewiss vorbei, wenn über die Diözesanversammlungseuphorie Gras gewachsen ist... which will happen much sooner than you think!

Sonntag, 28. April 2013

It's insane!


Ich lebe in einer Diözese, in der Kirchenfunktionäre auf allen Ebenen den lieben langen Tag nichts anderes zu tun scheinen, als ihre eigene Kirche zu marginalisieren und sich und alle für die sie Verantwortung tragen (s. Bild) nach Kräften zu verdummen.
Theologen die den Atheismus predigen, sind fast schon zum Gewohnheitsmäßigen geworden. Was Augustinus noch als die Essenz der Sünde erkannt hatte und was man noch am positivsten als Zorn Gottes identifizieren kann, nämlich die curvatio in se ipsum, das Gekrümmtsein in sich selbst, wird jetzt zum Ideal, zum Ziel allen Strebens, zur obersten Agenda von "Kirche" erklärt. Applaus! Applaus!

Der Bischof nimmt derweil Anlauf zur Gründung seiner eigenen, alles tolerierenden Zeitgeistkirche. Auch hier wieder die selbe Verdummung: Toleranz und Liebe wird fälschlicherweise für die Taten der Menschen gefordert. Jeder ist halt so, wie er ist und soll so sein. Niemand darf etwas Besseres sein wollen oder zu Höherem streben, Gott bewahre!
So wie jeder ist oder gerade sein will, so will das auch Gott.
Es ist ein kleiner, schmiegsamer Taschengott. Er passt bequem in die Hosentasche und man kann ihn überall mit hinnehmen und jederzeit streicheln. Es ist ein braver Gott. Er will dich, genau so wie du gerade bist und nicht anders. Es spielt keine Rolle was du tust, hauptsache du tust es und lässt dich von niemandem davon abhalten oder dir etwas anderes erzählen! Du bist blöd!
Martin Buber übersetzt in seiner Bibelübersetzung das alttestamentliche Wort für Götze etymologisch korrekt mit "Gottnichts". Die Gottnichtse sind ein boomender Markt, Katholiken sind Stammkunden!

Das Z(d)K beschäftigt sich (mittels viel Geld und Lebenszeit) indes mit Scheinproblemen... Man "diskutiert" mit Gleichgesinnten zum 1000sten Mal über den selben Scheiss. Belügt sich selbst, um die Realität nicht wahrnehmen zu müssen, lacht über billige Witze. Der eigene Phantomschmerz ist eben oft gerade der schlimmste! Und irgendwie muss man sich ja schließlich eine Daseinsberechtigung verschaffen, und sei es, dass man diese in kindisch-bockiger "Kirchenkritik", die frappierende Ähnlichkeiten mit früh-adoleszenter Masturbation aufweist, zu gründen sucht.

It's insane!!
Die Räte und Gremien zerfleischen den Leib, von dem sie selbst ein Teil sind. Die Hand sägt den Arm ab oder reißt die Eingeweide aus dem Leib und nennt diese Tätigkeit in seliger Selbstzufriedenheit und erhobenen Hauptes ein "Streben nach Freiheit".

Es fällt mir so verdammt schwer, für diese Leute zu beten... Bibel hilft!

»[Ich] gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.« (Eph 1,16-23)

Der Bischof spricht


Ein bisschen O-Ton der Stellungnahme des EB zum Abschluss der Diözesanversammlung (chronologisch): 

"Ich nehme auch ihre Fragen und Sorgen ernst."

"Wir wollen agieren und nicht nur reagieren."

"Ich bin beeindruckt von der Ernsthaftigkeit unserer Beratungen."

"... dass nicht alles Wünschbare auch umgehend umgesetzt werden kann."

"Ich verstehe die Empfehlungen und die darin ausgesprochenen Ansichten als Zeichen ihres Interesses."

"... Schatztruhe [die Ergebnisse der Versammlung] ... nicht vergraben."

"Ich stehe dafür ein, das die Themen auf dem Tisch und damit präsent bleiben."

"... fiel mir auf, wie viele neue Stellen, Räte und Komissionen vorgeschlagen wurden."

"Manches muss differenzierter betrachtet werden und zusammengeführt werden."

"Ich werde mich einsetzen für eine weitere Vertiefung des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen."

"Neue kirchliche Dienstämter... etwa ein spezifisches Diakonat für Frauen. *Applaus*"

"... ist die Situation von homosexuell Empfindenden ANDERS als die Situation von wiederverheirateten Geschiedenen."

"... dass wir die betroffenen Frauen und Männer ernst nehmen. *Applaus*"

"... werde ich ein Beratungsgremium einrichten, in das AUCH unsere Ergebnisse einfließen werden."

"... erleben die Menschen eine FREIE Liturgie."

"... es liegt mir insgesamt sehr an einer geistlichen Vertiefung unseres Lebens."

"Jesus Christus" (Minute 20)

"... die Planung einer Zusammenkunft im kommenden Jahr."

"Ihr Engagement und ihr Einsatz erfüllen mich mit hohem Respekt und großem Dank."

*Laudatio*

"Wir haben Vieles aufgenommen das in unserer Erzdiözese weiterzugeben sich lohnt."

Samstag, 27. April 2013

Die Ergebnisse der Diözesanversammlung

Zur Einordnung etwas vorweg: Der ganze Sinn der Diözesanversammlung (hier) besteht darin, dass die versammelten 300 Vertreter aus der Erzdiözese (die natürlich sehr bedacht handverlesen sind!) am Ende mit "Empfehlungen" aufwarten sollen, auf die dann der Erzbischof "irgendwie" reagiert. Die Versammlung hat also keine gesetzgeberische Gewalt oder dergleichen. Allerdings ist unschwer ersichtlich, dass seine Exzellenz dadurch in ganz enormen Zugzwang gerät, denn wenn er schon "Demokratie" zulässt, wäre er der konkurrenzlose Buhmann, würde er am Ende nicht auch brav gehorchen!

Das Positive gleich vorgweg: Es gibt absolut rein gar nichts Überraschendes zu vermelden! Die drei Ausschnitte an der Seite (roter Punkt rechts bedeutet Zustimmung) zeigen mal nur die "brisantesten" Ergebnisse, nämlich jeweils für: "Zugang zu den Ämtern" (auf Deutsch: Frauenpriestertum und Abschaffung des Zölibats), "breite Diskussion über die Mitwirkung der Frauen" (auf Deutsch: Frauenweihe jetzt! Scheiss auf den Papst!!) und "uneingeschränkte Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten".
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Teilnehmer der Versammlung u.a. (es gab ja noch andere Themen...) mit überwältigender Mehrheit Frauen weihen, den Zölibat abschaffen und Ehebruch folgenlos machen wollen.
Prosit!

Ich habe das starke Gefühl, dass EB Zollitsch sich inzwischen wünscht, er hätte diesen Zirkus nie angeleiert. Morgen wird er dann zu den "Empfehlungen" Stellung nehmen und gewiss auch alle Beteiligten über den grünen Klee loben für ihr Engagement.

Marginalie: Zum fremdschämen fand ich es, dass bei der Präsentation der Ergebnisse - nota bene: es ging da also nur um die Präsentation des bereits "Erreichten"! -  vor und nach den einzelen (elf) Gruppen jedesmal ein Lied (qualvoll schief) gesungen wurde... "Atme in uns Heiliger Geist..." 


Faceplam-Momente gab es aber noch zuhauf... Der Live-Stream hatte heute was von Stand-up Comedy. Vor allem was Sprache anbelangt, glaubt man sich mit einer Herde von völligen Amateuren und Stuhlwärmern konfrontiert: Da wird z.B. eine "Klarheit der Sprache" gefordert, weil das Wort "Laie" in Welt und Kirche nicht das gleiche bedeutet, was als verwirrend empfunden wird. Oder es wird "Klarheit" gefordert etwa bezüglich der Regelung des Predigens von Laien in der Eucharistiefeier (diese Klarheit besteht: es ist nicht erlaubt!). Es ist echt zum Heulen!

Bankrott

Um für die Diözesanversammlung in Freiburg Platz zu machen, wurde für die dauer von 1,5 Wochen eine komplette Pfarrei evakuiert. Zur Linken kann der geneigte Leser betrachten, mit welchem kunsthistorischen Schmuckstück sich die Vertriebenen dieser Tage konfrontiert sehen. Es ist die Universitätskirche (Jesuitenkirche) in Freiburg. 
Sieht man von dem eher dürftigen und recht lieblos neben dem Tabernakel stehen gelassenen Vortragekreuz ab, gibt es nirgends in dieser Kirch ein Kreuz, weder fest oder als Teil oder Verzierungen anderer Austattungsgegenstände, noch mobil (nicht einmal auf dem Altar während der hl. Messe). In der Sakrtistei gibt es ein Kreuz (ohne Corpus), das wars.
Es ist eine überaus verstörende Kirche, die im Wesentlichen ein Gefühl hervorruft: Unwohlsein. Bei meinem ersten Besuch in dieser Kirche blieb ich nur ca. 2 Minuten, dann überrollte mich die Depression und ich kehrte an die frische Luft zurück. Seit dem stelle ich mir amüsiert vor, wie die monströse "Keule" in der Apsis mit viel Getöse auf den Hackblockaltar herunterkracht... (übrigens ist die gesamte Ausstattung nicht nur hässlich, sondern auch in fast jeder Hinsicht ganz außerordentlich unpraktisch, störend... sowohl für die an der Liturgie beteiligten, wie auch für das gläubige Volk).

Wie um alles in der Welt soll dieser Ort Suchenden Halt geben?
Wie soll hier die Gegenwart Gottes erfahrtbar werden?
Wie soll man sich hier etwa zum Priestertum und der Ganzhingabe an Gott inspirieren lassen?
Wo ist hier Schönheit, Freude, Hoffnung?
Ein weißer Raum, ein Stahlträger an dem eine riesige "Nagelkeule" hängt, ein menschlicher Torso ohne Arme und mit Cartoon-Füßen, ein paar Holzhocker.


Der Beste Kommentar zu diesem schrecklichen Ort erreichte mich vorhin per Mail:
»Die christliche Kunst aller Zeiten kannte unterschiedliche Ausdrucksformen. Doch immer beruhte sie auf jenen Motiven, auf denen die gesamte Schöpfung beruht: auf Harmonie und Schönheit. In ihrer darstellenden Form bemühte sie sich, der Wahrheit des Dargestellten
gerecht zu werden.

[...] 
Wenn der Sinn der christlichen Kunst in der Verherrlichung Gottes und der Heiligen und in der erbauenden Betrachtung der Gläubigen liegt, dann kann man hier in dieser Abwendung von der Schönheit und gottgegebenen Harmonie und Ordnung nur von einer gewaltigen Fehlleistung sprechen. Oder um es ein wenig spitz zu formulieren: ein Kunstwerk, das sich in einer Kirche befindet, muss auch den einfältigsten Menschen noch erfreuen, selbst wenn er nicht fähig ist, die tiefere Symbolik darin zu erkennen...«
(P. M.F.)

Wie passend wäre es gewesen, würde die Diözesanversammlung an diesem Ort tagen. Die Kirche ist farblos, bar jeder Schönheit... und Jesus hat keine Arme. Er ist eigentlich gar kein Mensch, denn er hat kein Gesicht. Es ist auch kein Gott da, denn der alles dominierende babylonisch-senkrechte Stahlträger gehört zum Gipfel menschlicher Zivilisation, menschlichen Machens.
Diese Kirche steht für mich schon sehr lange sinnbildlich für alles das, was in der Kirche (und in der Theologie) falsch läuft. Dieser Tage, da 150 Meter nebenan dem Atheismus gehuldigt wird und Gottes Zorn erfleht zu werden scheint, wird mir das umso schmerzlicher bewusst. Wer die Gestaltung dieser Kirche verbrochen hat, will jene Kirche, die der Leib Christi ist, genauso behandeln... er will sie, so drängt sich der dringende Verdacht auf, euthanasieren.

Freitag, 26. April 2013

Versammlung der Verunglückten II

»Es gibt nichts, über das hinaus Größeres für den Menschen zu denken und zu ersehnen wäre als das Recht auf Freiheit.« 

Das Impulsreferat von Prof. Striet zur Eröffnung der Diözesanversammlung in Freiburg gipfelte in diesem Satz. Und diese "Freiheit" ist es auch, die bei der anschließenden Sammlung der Eindrücke aus den Impulsen fast ausschließlich (positiv) zur Sprache kam.
Dieser Satz lässt sich mit einem Attribut akkurat  beschreiben: atheistisch.

In der Live-Übertragen konnte man vernehmen, wie er dahinter noch ein schüchternes, halblautes und syntaktisch völlig falsches "... und Gott" anfügte, offenbar ist ihm beim Vortragen des Satzes dann doch noch aufgefallen, was für einen theologischen Stuss er da von sich gegeben hat (im online abrufbaren Manuskript fehlt diese Hinzufügung)... 
(Für die Nichttheologen: "Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann" (id, quo nihil maius cogitari potest) ist ein Satz des Kirchenlehrers Anselm von Canterbury, den Striet hier paraphrasiert und fast schon in sein Gegenteil verkehrt (denn mit "Freiheit" meint er de facto "Autonomie"!)... denn Gott ist für Bernhard das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann!)

Gottes Zorn

In Anlehnung an die bei der Diözesanversammlung als Grundstein gelegte Forderung nach der einklagbaren Anerkennung der "absoluten Freiheit des Einzelnen".

 

»Gottes Zorn besteht nicht in einem sinnlosen Schnauben, sondern in der Preisgabe des Menschen an sich selber, in der Autonomie des Geistes, der Seele und der Sinne des Menschen, in diesem seinem Überlassensein an die ἐπιθυμίαι (Begierden) des Herzens und die πάθη ἀτιμίας (entehrende Laster).«
(Erik Peterson, in seinem Kommentar zu Röm 1,26)

»Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit führen zur Gefangennahme und zum Verlust des λόγος, das wird uns ja experimentell jeden Tag vor Augen geführt. Man wundert sich, wie dumm die Menschen werden, aber die menschliche Dummheit gehört auch zu den Wirkungen des Zornes Gottes. Natürlich meinen wir mit Dummheit nicht das Fehlen von Intelligenz, sondern das Fehlen des λόγος. Wenn die Menschen den Antichristen anbeten werden, wird die menschliche Dummheit höchstes apokalyptisches Ausmaß erreicht haben.« 
(ders., zu Röm 1,18)

Donnerstag, 25. April 2013

Kampf der Begriffe

Nicht erst seit de Propagandakriegen des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass Begriffe sehr wichtig sind, um einer Agenda oder Ideologie zum Durchbruch zu verhelfen.
Das ist auf der einen Seite recht harmlos und manchmal eher witzig bis peinlich (etwa, wenn ein Begriff mit so hoher Frequenz gebraucht wird, dass man nur noch ein Rauschen vernimmt). So ein Beispiel ist der bemerkenswert unbiblische Begriff "Aufbruch", dessen inflationärer Gebrauch in deutschen katholischen Landen in der letzten Zeit unüberhörbar war (und den ich selbst auch als Label verwende, mal positiv, mal negativ gewendet). Soweit die harmlose Variante.

Viel gefährlicher ist demgegenüber die Prägung von Begriffen nicht nur in der Weise, dass ein ansonsten gebräuchlicher und sinnerfüllter Begriff mit neuen, den ursprünglichen Sinn oft vernebelnden und pervertierenden Inhalten gefüllt wird, sondern auch dahingehend, dass diese nun neu befüllten und dadurch auch emotional aufgeladenen Begriffe als Kampfbegriffe regelrecht besetzt und damit in Anspruch genommen werden.
Wichtigstes Beispiel der neueren Zeit war der Begriff der "Barmherzigkeit", über dessen Missbrauch ich mich hier eingehender ausgelassen habe (Lektüre sehr empfohlen!). Ein anderes beliebtes Beispiel ist der Begriff der "befreienden Sexualmoral" (vgl. hier).
Durch solcherlei Besetzung von Begriffen kann man eigentlich medial nur gewinnen, denn man hebt sich selbst als moralisch hochstehend hervor (man ist für Befreiung und Barmherzigkeit!) und kann gleichzeitig sicher sein, dass jeder der gegen die eigene Agenda oder Ideologie Widerstand leistet oder auch nur dagegen zu argumentieren versucht, medial als von niedrigerer Moral dastehen wird, denn dieser erscheint notwendig als der, der, nolens volens, dann gegen "Befreiung" und "Barmherzigkeit" ist. Weshalb es auch so wenig Widerspruch gibt, denn wer möchte schon gern als unmoralisch gelten.

Das neueste und vielleicht folgenreichste Beispiel dieser Masche ist der Gebrauch des Begriffs "Freiheit" bei der Eröffnung der Diözesanversammlung 2013 im Erzbistum Freiburg. Prof. Magnus Striet forderte in seinem Eröffnungsreferat von der Kirche nichts weniger als die Anerkennung der uneingeschränkten Freiheit jedes Menschen in der Kirche, zu glauben und zu leben was und wie es ihm beliebt.
Das Problem ist, dass hier in aller Stille ein Freiheitsbegriff aus dem säkularen Raum übernommen wurde, der mit der immer wieder beschworenen Freiheit eines Christen nichts zu tun hat. Es handelt sich um einen rein weltlichen Begriff von Freiheit der die Selbstbestimmung des Individuums frei von autoritären äußeren (z.B. staatlichen) Zwängen für seine Lebensgestaltung und seinem Denken betrifft. Man könnte auch von Autonomie reden (der Mensch als letzter Maßstab), oder von Relativismus.

Dieser Begriff ist aber mit dem christlichen Freiheitsbegriff schlechterdings unvereinbar, da der Christ sich ja gerade dadurch auszeichnet, dass er eine Autorität über sich anerkennt, welcher er unbedingten Gehosam zu leisten hat. Daher entsteht ja z.B. auch ein Zentralaspekt christlicher Weltdeutung genau aus dem Nichtgehorchen dieser Autorität gegenüber: Sünde. (Auch dieser Begriff wurde im erwähnten Referat gleich mal in Beschlag genommen.)

Zweierlei Aspekte der Freiheit lassen sich für den Christen ganz basal bestimmen:
1) Frei nach KKK 144 ist die Freiheit eines Christen dasjenige, wodurch er seinen Glaubensgehorsam aktualisiert und realisiert. (Weswegen auch niemand gezwungen wird, katholisch zu werden... oder zu bleiben *wink*.)

2) Zum anderen ist Freiheit das, was aus diesem Glaubensgehorsam erwächst und was Paulus die "herrliche Freiheit der Kinder Gottes" nennt (Röm 8,21). Diese ist aber gerade nicht jener säkulare Begriff von Freiheit, da, wie es Paulus schon insinuiert, Kind Gottes sein eben auch und gerade bedeutet, Gott (dem Vater) gehorsam zu sein. Das mag der Grund sein, warum sowohl in etwaigen Memoranden wie auch an der Diözesanversammlung immer wieder, wenn auch mit neuem Sinn befüllt, lutherisches Vokabular Verwendung findet ("ecclesia semper reformanda"; das Zweite Vaticanum sprach übrigens von der "ecclesia semper purificanda"! siehe dazu: hier): "Freiheit eines Christen(menschen)", anstatt Paulus zu zitieren.


Wohin diese unreflektierte und plakativ gebrauchte Begriffsbesetzung führt ist absehbar. Man wird "Freiheit" fordern und damit meinen, dass man sich an nichts gebunden wissen will, was dem eigenen Momentanbefinden (v.a. aber dem gesellschaftlichen Mainstream) widerspricht.
Die Freiheit die uns Jesus verheißen hat ist eine andere. Es ist eine Freiheit die uns dazu befähigt, uns sogar dahin führen zu lassen, wohin wir nicht wollen (Joh 21,18). Es ist gerade nicht das eigene Wollen und Begehren, das die Freiheit des Christen ausmacht. Der heutigen Tags in der Diözesanversammlung in den Reflektionen bei Weitem am häufigsten rezipierte Begriff ließt sich zwar genauso: "Freiheit", doch beinhaltet er das genaue Gegenteil dazu, nämlich den Primat der eigenen Wünsche und Vorstellungen, der unangefochten über der Kirche und ihrer Hierarchie situiert werden soll.
Es ist dies aber jene Kirche, der es zukommt "die in den zeitlichen Dingen zu befolgenden sittlichen Grundsätze zu lehren und authentisch zu interpretieren" (AA 24) und die das "göttliche Gesetz im Licht des Evangeliums authentisch auslegt" (GS 50), denn sie ist "die Säule und das Fundament der Wahrheit" (1Tim 3,15).

Es scheint mir, dass sich die Dialogprozessler und Diözesanversammler mit dieser Marschrichtung selbst in einen Käfig begeben, der weder dem Wesen der Kirche Christi, noch der Bestimmung des Menschen in ihr entspricht. Es werden Erwartungen und Träumereien forciert, die notwendig in Enttäuschung und Frust resultieren, sobald ersichtlich wird, dass die in der Gesamtansicht völlig unbedeutende katholische Kirche in Deutschland nichts zuwege bringen kann. Wieviel das ganze Trara kostet, will ich gar nicht wissen...
Ich verhöhne hier natürlich nicht die Teilnehmer dieser Versammlung, denn einige davon kenne und schätze ich sehr. Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass die wenigen "vernünftigen" Stimmen nicht zu Wort kommen und sich erst recht nicht durchsetzen können werden, denn sie sind ja der Begriffsbesetzung wegen diejenigen, die dann als unmoralisch dastehen und die sich im Falle eines Einspruchs vor der geballten Macht von 300 Delegierten (plus Veranstalter, plus "Sachverständige", plus "Medien") rechtfertigen müssen für ihre Position, obgleich diese durch Bibel, KKK und CIC gestützt ist. Denn gewirkt hat die Propaganda (siehe Memorandum etc.) schon lange!