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Montag, 26. Juni 2023

Erzbischof Johannes Dyba über den Fortschritt

'Konservativ' genannt zu werden, war einem früher eher peinlich. Nach dem Schicksal, das die sogenannten 'Fortschrittlichen' in den letzten Zeiten erfahren mussten, ist es nicht mehr ganz so unangenehm. Auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technik haben sich die Grenzen und Gefahren des 'Fortschritts ja überdeutlich gezeigt. Aber auch auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet haben Strömungen wie Marxismus und Sozialismus in all ihren Formen, die ja lange Jahre den Fortschritt geradezu zu verkörpern behaupteten, uns an den Rand des Abgrunds geführt. Am Abgrund aber ist nun wirklich jeder weitere Fortschritt tödlich.

Es zeigt sich immer deutlicher, daß man den Fortschritt nicht so naiv wie bisher als etwas Wünschenswertes begrüßen darf, ohne zu prüfen, wovon er eigentlich 'fort'schreitet und zu welchem Ziel er hinschreitet. Ein Beispiel mag das veranschaulichen. Wenn demnächst, wie bei der jetzigen Entwicklung mit Sicherheit zu erwarten ist, der bereits gefundenen sanften Babytötungspille die sanfte Einschläferungspille für Oma und Opa folgt, dann ist das rein pharmazeutisch gesehen zwar ein Fortschritt, menschlich gesehen aber ein Rückschritt in die Ära steinzeitlicher Nomaden, die beim Weiterziehen ihre hilflosen Alten im Schnee zurückließen, weil sie für den Stamm eine für unzumutbar gehaltene Belastung darstellten.

Auch dem verlorenen Sohn" erschien der Aufbruch aus dem Vaterhaus mit prall gefüllten Beuteln sicher als ein Fortschritt. Später musste er dann einsehen, dass der wahre Fortschritt in der Rückkehr zum Vater bestand.

Damit sind wir bei der Frage des Fortschritts in Christentum und Kirche. Was hier neuerdings an Fortschritten verlangt und an 'Fortschrittlichem' angepriesen wird, muss ebenso kritisch geprüft werden. Wenn sich dann – wie im Fall Drewermann – herausstellt, dass die Preisgabe elementarer Bestandteile des katholischen Glaubens, ja sogar von Teilen des Credo ('Empfangen vom Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau') als besonders fortschrittlich gilt, dann liegt, wie Reinhard Löw richtig bemerkt hat, die Konsequenz nahe, dass der fortschrittlichste Christ der ist, der sich bemüht, das Christentum und damit die Kirche überhaupt abzuschaffen.

Demgegenüber muss auffallen, dass die Predigt Jesu, ebenso wie die seines Vorläufers Johannes mit einem klaren 'Kehrt um!' beginnt. Schon den Propheten des Alten Bundes war aufgefallen, dass Fortschritte" im politischen, kriegerischen, vor allem aber wirtschaftlichen Bereich die Tendenz hatten, das Volk Gottes vom Herrn zu entfernen. Immer wieder rufen sie daher das Volk 'zurück' zum Herrn, was schon damals – wie das Schicksal so vieler Propheten zeigt – keine angenehme oder dankbare Aufgabe war.

Da das Ziel des Christseins in der Nachfolge Christi liegt, sind die fortschrittlichsten Christen die Heiligen. Daran muss sich jeder messen lassen und das muss begreifen, wer in der Kirche von Fortschritt reden will: Nur wenn ich auf Gott zugehe, ist jeder Schritt ein echter Fortschritt, entferne ich mich aber von Gott und seinen Geboten, dann habe ich allen Fortschritt hinter mir gelassen. So wünsche ich allen Gläubigen in diesem Jahre einen wirklichen Fortschritt: dass sie am Ende des Jahres Gott einen Schritt näher gekommen sein mögen - nicht nur im Ablauf der Zeit, sondern auch in ihrem ganzen Sein und Leben.
 
 
(aus: Klein/Sinderhauf, "Unverschämt katholisch", 223-224)

Freitag, 14. Oktober 2022

Akrobatik mit dem Wort Gottes

Auf kath.ch war dieser Tage eine Story, die sehr schön illustriert, wie man das Wort Gottes auf geradezu akrobatische Weise verdrehen muss, um bestimmte Anliegen zu "stützen". Die Überschrift: "LGBTQ-Gottesdienst in Biel: Jesus ist Vorbild für queere Menschen" (hier).


Besonders krass fand ich bei dieser Gelegenheit das Motto des ganzen, das nämlich ein Bibelzitat ist, aus dem Evangelium vom vergangenen Sonntag (Lk 17,11-19): "Geht, zeigt euch!"(V. 14)

Im Kontext ist interessant: Die Kranken nähern sich Jesus in tiefster Ehrfurcht und Vorsicht, nicht nur, weil sie Aussätzige waren, sondern auch, weil sie offensichtlich Jesu Autorität und Vollmacht erkannten, sonst würden sie ja nicht gezielt an ihn herantreten: "Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!" (VV. 12-13)

Jesus tut scheinbar nichts weiter, als sie zu den Priestern zu schicken. Der Sinn ist ein mehrfacher: Eine Heilung von Aussatz musste laut dem Gesetz von den Priestern bestätigt werden, die Geheilten mussten ein Opfer zum Dank darbringen (Lev 14,1-32), und zugleich zeigte Jesus durch diese Aufforderung, dass er das Gesetz befolgt.

Der Evangelist, der uns diese Episode berichtet, hebt nun besonders auf den einen Geheilten ab, der zu Jesus zurückkehrt, und sich bedankt, der nämlich ein Samaritaner war, mit dem die Juden also nichts zu tun haben wollten, der den Juden - ob gesund oder krank - als Ausgestoßener galt.


Frage: Wie lässt sich das im Evangelium Berichtete mit einem LGBTQ-Gottesdienst unter dem Motto "Geht, zeigt euch!" vereinbaren?

Die Situation ist vertrackt, denn die Prämisse des Gottesdienstes ist ja gerade, dass queere Menschen angeblich (von der Kirche) "abgelehnt" werden, wie die Juden auch Samaritaner und Aussätzige, also erst recht aussätzige Samaritaner abgelehnt haben. Die Parallele ist sehr offensichtlich und böte sich an. Aber mit diesen Kranken/Geheilten sollen sich die Gottesdienstteilnehmer gerade NICHT identifizieren, denn eine "Heilung" darf ja für sie nicht in Frage kommen (aus dem Artikel: "Konversionstherapien können Menschen aus der LGBT-Communitiy unglaublich schaden"). Also, Problem: Die Evangelienperikope eignet sich eigentlich gar nicht für das, was der Gottesdienst "bringen" soll.

Wie schaffen es also die Veranstalter trotzdem, den Bibeltext nutzbar zu machen? Klar: Das Wort Gottes wird hier akrobatisch verdreht. Das "Geht, zeigt euch!" ist jetzt nicht mehr Jesu Antwort auf von schwerem Leid Befreite, die in tiefer Ehrfurcht den Herrn um Erbarmen (Heilung) angefleht haben, sondern es soll stattdessen besagen: "Seid stolz auf eure sexuelle Orientierung, versteckt euch nicht, zeigt euch den Menschen so, wie ihr seid; das Letzte, was ihr braucht, ist eine 'Heilung'!"

Wenn also nicht die Geheilten die Identifikationsfiguren für die Gottesdienstteilnehmer sind, wer dann? Im Titel des Beitrags auf kath.ch steht es schon: "Jesus ist Vorbild für queere Menschen".

In einer wahrlich kühnen Verdrehung des Bibeltextes wird nämlich der Ruf Jesu an die Aussätzigen/Geheilten umgedreht, und als eine Art Lebensmotto Jesu ausgegeben: "Er ist hinaus gegangen und hat sich gezeigt. Er hat gesagt, wer er ist und wofür er steht." (kath.ch)

Queere Menschen sind wie Jesus. Jesus ist wie die queeren Menschen.

Das hat natürlich mit dem Jesus, der uns in den Evangelien begegnet, nichts zu tun. Dieser Jesus in den Evangelien hat nicht sein Menschsein oder gar seine sexuelle Orientierung ins Rampenlicht gestellt und angepriesen, er hat keine ihm eigene, menschliche Agenda verkündet "für die er steht", sondern er verwies stets auf den Vater, von dem er kommt, und ohne den er nichts ist: "Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott." (Lk 18,19) Jesus sagt genau das Gegenteil von dem, was die Botschaft jenes Gottesdienstes sein sollte: "Wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis nicht wahr; ein anderer ist es, der über mich Zeugnis ablegt, und ich weiß: Das Zeugnis, das er über mich ablegt, ist wahr." (Joh 5,31-32) Und: "Denn ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll." (Joh 12,49)


Diese Verdrehung von Jesu Selbstverständnis als ganz vom Vater kommend hin zu einem bornierten "Ich!" wird natürlich auch dadurch nicht besser, dass Jesu Verkündigung verglichen wird mit dem Stolz auf etwas, was die Bibel einhellig (AT und NT) als Gräuel, der vom Reich Gottes ausschließt, verurteilt (vgl. hier). Denn natürlich geht es nicht um die Menschen an sich, die die Kirche ja keineswegs ausschließt, sondern eben um das wofür sie "stehen", um das, was sie wollen: Anerkennung, ja sogar Wertschätzung ihrer ("queeren") Handlungen. Diese Anerkennung zu Fordern wird mit der Verkündigung Jesu verglichen!

Und natürlich geht es im Letzten wie immer um das Selbe: "Wir setzen uns für eine Kirche ein, die alle so akzeptiert, wie sie sind"... ob sie das auch über pädophile Priester und Völkermörder sagen würden, weiß ich nicht. Aber natürlich bleibt das alte Problem: So eine Kirche wäre nicht die Kirche Jesu, denn der hat an keiner Stelle zu irgendwem gesagt "Ich akzeptiere dich so, wie du bist"... Nein, Jesus hat stets zur Umkehr aufgerufen, zu einer Veränderung der Gesinnung, des Handelns, des Lebens. Auch wer scheinbar sündenlos lebte, weil er alle Gebote penibel befolgte, bekam von Jesus kein "Toll, bleib so!" zu hören, sondern: "Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen" (Mt 19,21).


Am Ende müssen wir uns wohl grundsätzlich die Frage stellen: Wenn ein Anliegen (egal was), das wir als Christen vertreten, eine solche Verdrehung und Verfälschung des Wortes Gottes und der darin bezeugten Identität Jesu erfordert, um es überhaupt noch irgendwie mit der Bibel zu "stützen", kann es dann richtig sein? Kann dieses Anliegen echt und wahr sein, dem Willen Gottes entsprechen?

Montag, 3. Oktober 2022

Das Fragen nach dem Zölibat

»Ist das heute im Klerus - unverhohlen oder im geheimen - umsichgreifende Verlangen nach der Ehe ein Zeichen des Glaubens, jenes Glaubens, der konkret und ernsthaft, als "Ärgernis" und in "Torheit" das wirkliche Leben an die Hoffnung des Glaubens wagt? Oder ist es ein Symptom der Glaubensschwäche, eines Glaubens, der auf jeden Fall denkt: "Was man hat, das hat man"? Ist es ein Glaube, den man zwar noch als ideologischen Überbau und Zusatz - und das aus Tradition - hinnimmt, der aber ja sich nicht anmaßen darf, das Leben selbst radikal umzubauen und von Grund auf zu revolutionieren, jenes Leben, so wie es auch ohne die Hoffnung des Glaubens sonst geführt wird?«


So fragte Karl Rahner 1967 (Der Zölibat des Weltpriesters im heutigen Gespräch. Ein offener Brief, in: Geist und Leben; wieder abgedruckt in "Knechte Christi"). Ich habe (wie Rahner damals) keinen Grund zu der Annahme, die Infragestellung des Zölibats geschähe aus einem tiefen Glauben heraus. Dort wo sie geschieht, ist der Bankrott des Glaubens und der Glaubenspraxis das stets gleichbleibende Charakteristikum. Später hat Rahner seine Meinung, wie in vielen Bereichen, geändert, aber 1967 war er noch emphatisch und klar: 

»Ich wünsche und erwarte nicht, daß die Kirche für unsere abendländischen Räume ihr "Zölibatsgesetz" ändert [...] ich hoffe, daß die Kirche den heiligen Mut behält, Priestern auch im Weltklerus den Zölibat zuzumuten.«


In den Diskussionen über die immer gleichen Themen "in Kirche" ist es wichtig, die eigene Wahrnehmung zu schulen. Ein wichtiger Punkt ist die Formulierung von Fragen: Wie wird der in Diskussion stehende Gegenstand befragt? Eine schöne Lektion dazu erteilte bereits vor bald 200 Jahren Johann Adam Möhler im Blick auf die auch damals schwelende Diskussion um die Abschaffung des Zölibats der katholischen Kleriker. Möhler (Vom Geist des Zölibats, Paderborn 1992, 76):

»Der allgemeinste und überall wiederkehrende Einwurf gegen den Zölibat der katholischen Priester wird aus ihm als einem Zwangsgebot abgeleitet, das die härteste Beschränkung der persönlichen Freiheit verhänge. Daher wird gewöhnlich die für unauflöslich gehaltene Frage gestellt: Wie kann sich die Kirche berechtigt glauben, so viele Männer, einen ganzen Stand zu zwingen, der Ehe zu entsagen? Göttliche und menschliche Rechte streiten gegen sie. Vor allem leugne ich [d.i. Möhler], daß die Frage die rechte Fassung hat und verlange, daß sie vielmehr in dieser Form aufgeworfen werde: Hat die Kirche das Recht, nur jenen die priesterliche Weihe zu erteilen, deren Geist mit der höchsten religiösen Weihe schon gesalbt ist, in denen sich die reinste und schönste Blüte gottseligen Lebens entfaltet, die ganz und ungeteilt dem Herrn leben, wie der Apostel sich ausdrückt, oder die, wenn wir es in einem Worte mit demselben Apostel bezeichnen wollen, die Gabe der Jungfräulichkeit erhalten haben?«


Die erste Frageform ist für Christen eigentlich unzulässig, weil sie losgelöst von dem gestellt ist, was Christen glauben: Kein Bezug zu Christus, zur Liturgie, zur Hoffnung auf das ewige Leben etc... nichts. Rein soziologisch, psychologisch, weltlich. Und das müsste eigentlich klar sein: Eine Anfrage an eine spezifische christliche Lebensweise ohne Bezug zum christlichen Glauben beantworten zu wollen/sollen, ist Unsinn.

Nein, die Frage ist nur aus dem Glauben zu beantworten, aber dafür muss sie erst einmal anders gestellt werden! Genau auf dieser Linie fragte Rahner (an selber Stelle, 1967): 

»Warum soll die lateinische Kirche nicht bloß jenen ihr Amtspriestertum geben dürfen, die ihr sagen, sie hätten diese Berufung zum Zölibat vernommen? [...] Warum sollte die Kirche also nicht auch in Zukunft Priester gerade aus denen wählen, die sich mit Gottes Gnade trotz ihrer Schwachheit, in der sich Gottes Gnade mächtig erweist, zum Zölibat entschließen und als solche die Weihe empfangen? Die bergende Kraft, aus der heraus der Zölibat gelebt werden kann und muß, und das "Motiv", das für die Kirche selbst für dieses "Gesetz" im Vordergrund steht, müssen nicht identisch sein, obwohl beides nicht getrennt werden darf. Und so meine ich: Die Kirche tut recht daran, wenn sie auch den Zölibat will, damit wir nicht zu Beamten eines rituellen Betriebs degenerieren, sondern durch unser Leben bezeugen, wovon wir reden und was wir kultisch verrichten.«


Die Art und Weise des Fragens offenbart also allzu oft schon, wo der Fragende steht (im Glauben oder außerhalb davon) und was er als Antwort hören möchte. Natürlich kann es sein, dass eine tendenziös klingende Frage auch einfach darauf zurückzuführen ist, dass der Fragende schlicht so uninformiert und unreflektiert in der Sache ist, dass er nicht weiß, wie er danach zu fragen hat. Allerdings haben wir heutzutage (?) das Problem, dass gerade die Uninformierten die lautesten Meinungen zu haben pflegen, also gibt es hier eine großflächige Überschneidung.

Ob die Frage nun bewusst tendenziös ist - also die Absicht des Fragenden offenlegend - oder auf Uninformiertheit beruht, die ernsthaft nach Antworten sucht, in beiden Fällen kann es hilfreich sein, aus der gläubigen Perspektive die Frage neu zu formulieren, denn andernfalls wird der Blick meist unüberwindbar verstellt. Wenn das Gegenüber darauf besteht, die Frage nach dem priesterlichen Zölibat unter Absehung vom christlichen Glauben zu beantworten, würde ich von einem Antwortversuch abraten und im Gegenzug darauf hinweisen, dass die priesterliche Berufung unter solcher Absehung nicht existiert, und sich die Frage darum erübrigt. Wie die Antwort, so muss auch die Frage im christlichen Kontext gestellt werden können, denn - wie so oft - losgelöst davon ist es "Torheit".


PS. In jenem Brief von 1967 formuliert Rahner auch eine herrlich klare, fast vulgäre Absage an den nach wie vor grassierenden, pseudo-wissenschaftlichen Umgang mit der Heiligen Schrift zur Unterfütterung selbst der schrägsten theologischen Ergüsse (Rahner selbst entging weitestgehend dieser Versuchung, weil er die Schrift in späteren Jahren einfach weiträumig ignorierte, sein "Grundkurs des Glaubens" etwa, kommt fast gänzlich ohne die Bibel aus): 

»Ihr jungen Leute ruft heute energisch nach der Schrift. Schön und gut. Es ist wunderbar, daß das Wort der Schrift Euch heute mehr gilt als ein Satz aus einem staubigen Schulbuch der Scholastiker, als die säuerliche Rede eines dürren und menschlich unterernährten Aszeten oder sogar mehr als eine päpstliche Enzyklika. Aber kann ich nicht mehr lesen oder können es manche junge Geistlichen nicht mehr? Im Neuen Testament ist der Verzicht auf die Ehe bezeugt als echte, hohe und heilige Möglichkeit des christlichen Daseins. Gewiß nur für solche, die es fassen können. Aber man muß es auch fassen wollen; es ist nicht für die Eunuchen gesagt, was da steht. Aber schon kommen die dreimal Gescheiten, die das kritische Instrumentarium der modernen Exegese handhaben zu können glauben: "Das ist zeitbedingt!" "Das ist Dualismus!" "Das hat der wirkliche Jesus selber nicht gesagt!" Man ruft nach "Formgeschichte" usf. und möchte die "Rejudaisierung" oder "Hellenisierung" Jesu ausmerzen. Solche Leute nehmen die Schrift nur dann ernst, wenn es ihnen paßt; andernfalls ist ihnen die Schrift wie eine Wachsnase, die sie nach jeder Richtung drehen können. Selbst wenn man einkalkuliert, daß auch in der Schrift in diesem Fall das eigentlich "Gemeinte" unter bestimmten Vorstellungsmodellen, in geschichtlich und soziologisch bedingten Situationen, unter nie ganz reflex verarbeiteten Voraussetzungen ergriffen wird, die nicht mehr einfach die unseren heute sind, - was beweist das gegen die Ehelosigkeit "um des Himmelreiches willen", die die Schrift eben doch "meint"? Selbst wenn ein gewisser "Dualismus" den latenten Hintergrund gebildet hätte, steckt nicht auch in ihm eine Menschheitserfahrung, die nur Oberflächliche billig ganz beiseite schieben? Ist das Gemeinte selbst von diesem "Dualismus" abhängig, weil dieser die Situation war, in der das Gemeinte (von dem ich noch schreiben muß) zuerst deutlich ergriffen werden konnte (aber eben um gehalten werden zu können)? Nein, es bleibt dabei: Die Schrift weiß als Gottes Wort mitten im Menschenwort, daß der Zölibat eine echte Möglichkeit des christlichen Daseinsvollzugs ist.«

Dienstag, 8. März 2022

Bätzing verdreht Henri de Lubac

In seiner Predigt zur Eröffnung der Vollversammlung der DBK am 7. März 2022 hat der Vortsitzende der DBK ausgerechnet Henri de Lubac zitiert, um seine kruden Ideen über die Kirche Ausdruck zu geben. Er führte aus:

»Die Kirche Jesu Christi ist „katholisch“. Und das meint weit mehr als „römisch-katholisch“ in seiner konkreten Gestalt. Katholizität, so hat es der französische Jesuit Henri de Lubac (1896–1991) durch beharrliche Studien herausgearbeitet, ist ein Zielbild, geschichtlich stets eine Herausforderung und niemals Besitzstand, den es zu verteidigen gilt. „Der Katholizismus [...] ist die Form, die die Menschheit annehmen soll“, schreibt de Lubac, „um endlich sie selbst zu werden. Er ist die einzige Wirklichkeit, die, um zu sein, es nicht nötig hat, sich entgegenzusetzen, also alles andere als eine ‚geschlossene Gesellschaft‘“ (Henri de Lubac, Glauben aus der Liebe [„Catholicisme“, 1938 erschienen]. Übertragen und eingeleitet von Hans Urs von Balthasar, Einsiedeln-Freiburg 1992, 263: Weiter spricht er davon, den Katholizismus zeichne eine Unduldsamkeit seiner Grundsätze und zugleich eine unendlich umfassende Geschmeidigkeit aus). Katholisch, das ist gelebte Verbundenheit, nicht konfessionelle Enge, nicht Abschottung und Identität durch Grenzziehungen. [...] Katholizität meint Verbundenheit. Um dieses Zielbild zu verwirklichen, müssen wir wohl noch etliche Barrieren überwinden, Durchbrüche wagen und bisher gültige Denkweisen verändern – und zuallererst demütig bekennen, wie sehr wir uns in der Kirche an unseren eigenen Geschwistern schuldig gemacht haben; wie sehr wir deren Leben belastet und ihnen die Verbundenheit verwehrt haben.«


Bätzing möchte mit allen Menschen "verbunden" sein, und meint damit v.a., dass die Kirche alles, was diese Menschen tun, etwa in ihren Betten, akzeptieren soll.

Damit verkehrt er die Aussage von de Lubac in ihr genaues Gegenteil. Ja, de Lubac sagt: »Die Kirche ist überall zu Hause, und jeder soll sich in der Kirche zuhause fühlen können« (ebd.), aber er wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass dies bedeuten könnte, dass sich die Kirche entsprechend an alles anpassen müsse, am wenigsten in Sachen der Moral. De Lubac stellt vielmehr klar, dass die Kirche "ohne jede Naivität" auf die Menschen zugeht, d.h. sie nimmt nicht einfach alles an, sondern sie unterscheidet, sucht das "Gute" und das "Wahre" und meidet zugleich den Irrtum (ebd. 264-265) [gemäß der Mahnung des Paulus: »Prüft alles und behaltet das Gute!« (1Thess 5,21) Immer Eingedenk des darauffolgenden Verses: »Meidet das Böse in jeder Gestalt!« Vgl. ebd. 254-256]. Die sichtbare Katholizität, die sich in der Vielfalt zeigt, die sie beherbergt, ist so letztlich Ausdruck ihres inneren Reichtums.

Kurioserweise nennt de Lubac sodann etwas beim Namen, was Bätzing eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste, denn er, Bätzing, tut genau das, was du Lubac hier verwirft, bis in die Wortwahl ("verbinden") hinein: 

»So wenig die Methode der Kirche naiv ist, so wenig ist sie synkretistisch. Künstlich erzeugt und häufig das Werk von Verwaltungsinstanzen und Gelehrten, setzt der Synkretismus einen niedergehenden Glauben voraus. Er ist eine Beleidigung des lebendigen Gottes. Im Geistigen ist er unfruchtbar wie die Politik und die Philosophie, der er entstammt. Er erniedrigt und verflacht alle Elemente, die er verbindet [...].«

Genau da sind wir: Die Kirche (in Deutschland!) ist im Niedergang begriffen und Bätzing möchte durch Verwaltungsinstanzen und mit gelehrten Redelsführern (suizidaler Weg) das Ruder herumreißen, indem er einen Synkretismus fabriziert, der allerlei wesentliche Elemente des Katholischen erniedrigt und verflacht (z.B. das Priestertum und eben die Moral).

Die Kirche kann Heimat für alle Menschen sein, weil sie die Fülle der Gnade und der Wahrheit Gottes ihr eigen weiß. Als Christen glauben wir, dass einer der Weg, die Wahrheit und das Leben für alle Menschen ist. Dass die Kirche "katholisch" ist bedeutet gerade nicht, dass sie allen Menschen angepasst werden kann oder gar soll, sondern im Gegenteil, dass alle Menschen sich ihr anschließen können auch in ihrer Strenge und Klarheit. De Lubac weiter (durchaus kämpferisch):

»Endlich kann hier auch nicht von "Liberalismus" die Rede sein, von Willfährigkeit gegenüber dem Irrtum oder vom Schalwerden des evangelischen Salzes. Wie das Christentum in der ganzen Strenge seiner Forderungen vorgetragen werden muss, so muss man es auch in seiner ganzen Reinheit hervortreten lassen. Es wäre sträflich, die sanfte Strenge des Evangeliums zu verschleiern; aber nicht weniger, es mit überflüssigem Ballast zu beschweren; dies hat schon das erste Konzil verkündet. Und wenn es auch ausgemacht ist, dass das Bekehrungswerk in seinem Wesen nicht darin besteht, die übernatürliche Wahrheit zu adaptieren, sie auf das menschliche Maß herabzudrücken, sondern umgekehrt den Menschen ihr anzupassen und ihn zum Maß dieser Wahrheit, die ihn beherrscht und ihn richtet, zu erheben, so müssen gerade wir, ihre Diener, uns vor nichts so sehr hüten als vor einer lästerlichen Verwechslung unserer Geschmäcker, unserer Gewohnheiten, unserer Vorurteile, unserer Leidenschaften, unserer Beschränktheiten und Schwächen mit der göttlichen Religion, von der wir noch so wenig durchdrungen sind. Wir sollen die Seelen für Gott, nicht für uns gewinnen, und ihnen. Gott schenken, statt uns selbst ihnen aufdrängen. Wenn man dies für Liberalismus hält, so ist es jedenfalls kein anderer als der der Liebe. Da mihi amantem et scit quid dicam.

Das große Beispiel des hl. Paulus ist am geeignetsten, vor jeder hier möglichen Verwechslung im voraus zu sichern. Keiner schämte sich weniger als Paulus, das Ärgernis des Kreuzes zur Schau zu tragen, und keiner fürchtete mehr als er, dessen Kraft abzustumpfen. Keiner hat vorbehaltloser als er die Notwendigkeit verkündet, mit dem Irrtum und der Sünde zu brechen und sich selbst zu sterben, um ein neues Leben in Christus zu leben: "Fegt aus den alten Sauerteig und seid ein neuer Teig." Aber Paulus weigert sich, auf die Forderungen der judaisierenden Christen einzugehen. Er erhebt sich sogar gegen jene, die seine Kühnheit einschüchtert. Geschieht es einzig deshalb, "um, wie er selbst sagt, dem Evangelium kein Hindernis zu schaffen" oder "für Christus eine große Menge" Heiden zu gewinnen? Diese Absicht erklärte sein Verhalten nicht ganz. Was den Apostel bestimmt, ist nicht vor allem das Interesse der Propaganda: es ist die Logik seines Glaubens. Seine Gegner werfen ihm vor, dass er aus politischer Klugheit das Joch des Herrn erleichtert, indem er das Gesetz aufgibt. Nein, erwidert er, nicht damit die Menschen mich gut aufnehmen, handle ich so, sondern um mich Gott verdient zu machen. Wenn ich das "Evangelium Gottes" predige, will ich es nicht "nach Menschen weise" verkünden. Weit davon entfernt, die Lehre aus Opportunitätsrücksichten zu kompromittieren, verteidigt Paulus vielmehr ihren wahren Charakter gegen die unklugen Zugeständnisse Petri. Er weigert sich, das Evangelium andern zuliebe zu ändern, weil er damit Christus untreu würde (1Kor 1,17; 5,7; 9,12 und 19-22; Gal 1,10-11; 2,11-24).

Der Geist, der den Apostel leitet, ist derselbe, der noch heute die Kirche lenkt, und der durch die Stimme der letzten Päpste spricht [gemeint sind Pius IX. bis Pius XI.]. Der Weg, auf den er uns verpflichtet, ist der einzig sichere. Ihm folgen ist weder Naivität noch Synkretismus noch Liberalismus, sondern einfach Katholizismus.« (ebd. 265-267)

Bätzing sollte nochmal genau nachlesen und sich dann schämen! Ich kann bloß hoffen, dass sein bischöflicher Mitbruder aus Regensburg, der ein ausgewiesener Experte für Henri de Lubac ist, ihn auf seine Verirrung (und die Irreführung seiner Zuhörer) hinweist.

Dienstag, 22. Februar 2022

Unterscheidung der Geister

»Der im Glauben Unmündige, so lehrt uns der Apostel Paulus, ist daran zu erkennen, dass er "nach dem Fleische" urteilt, das heißt: nach rein irdischen, nur diesseitigen Maßstäben, Leitbildern, Interessen. Aber so ist niemals zu erfassen, was von Gott kommt (vgl. 1Kor. 2,12-16). [...] Und es ist - christlich beurteilt - naiv zu meinen, die Hinweise der Heiligen Schrift seien überholt, dass der Satan sich in der Gestalt eines Lichtengels zeigen kann, die Werke Christi dagegen auf den Bösen Geist zurückgeführt werden (vgl. 2Kor 11, 13; Mk 3,22). Man kann durchaus als wahre Erfüllung des Christentums schildern, was dem Geiste Christi widerstreitet. Man kann als Intention des Konzils hinstellen, was die Kirche zerstört. Umgekehrt kann man das wahrhaft Kirchliche als schädlich darstellen, aber auch leicht jedes eigene Konzept mit dem falschen Glanz der Unfehlbarkeit umgeben.«


Kardinal Bengsch, Glaube und Kritik, 101f.

Donnerstag, 3. Februar 2022

#OutInChurch ist ein schlechter Witz

"Das größte Coming-Out in der Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland"... WOW! 125 an der Zahl! Imposant!

 

Ähäm: die Kirche ist der größte Arbeitgeber in Deutschland und unter den 125 befinden sich, entgegen manch bewusst unklarer Darstellung in vielen (auch kirchlichen) Medien, die von "Mitarbeitenden" sprechen, nicht nur hauptamtlich bei der Kirche Beschäftigte, sondern auch "nur" ehrenamtlich Engagierte und Theologiestudenten.

Von diesen 125 sind 31, also ein Viertel, anonym (auf dem Bild nicht erkennbar und ohne vollen Namen). Ein anonymes Outing im Internet ist überhaupt kein Outing, es ist nur eine anonyme Behauptung im Internet.

Ich kenne drei der Personen auf der Liste persönlich und schon seit Jahren (logischerweise von von verbliebenen nicht-anonymen), und bei zweien davon wusste jeder in deren studentischen, beruflichen und privaten Umfeld, was Sache ist. Auch das qualifiziert nicht als Outing, man nennt es eine Medienkampagne. 

Aus dem selben Grund weiß ich, dass die achso Mutigen in der übergroßen Mehrheit durch ihr "Outing" tatsächlich gar nichts zu befürchten haben.


Außerdem wird diese Aktion insbesondere einen Effekt haben: Die meisten "Normalos" außerhalb der Kirche, mit denen die "geouteten" offenbar wenig zutun haben, betrachten die katholishen Priester ohnehin als einen Haufen von "Homos und Pädos"; da in der Berichterstattung sehr darauf abgehoben wird, dass unter den "Geouteten" auch Priester sind, tut die Aktion nichts weiter, als dieses bescheuerte Vorurteil zu bestätigen (der Pädo-Teil ist durch den Missbrauchsskandal schon abgedeckt). Na schönen Dank!


Zu schlechter Letzt dient diese Aktion ganz bewusst auch dazu, den Mythos zu verstärken, wonach die Kirche Homosexualität an sich als Sünde betrachtet, und nicht etwa nur die homosexuellen Akte (wie jede außerehelich praktizierte Sexualität). Das ganze ist ein durchdachtes Stufenmodell, das über Desinformation und ansteigende Forderungen funktioniert.

Das Ziel ist klar und durchsichtig: Es geht gar nicht darum, dass Homosexuellen der Respekt entgegen gebracht wird, der ihnen als Menschen und als Getauften zukommt (was tatsächlich häufig nicht geschieht und auch einen Verstoß gegen die katholische Moral darstellt!), denn offenkundig haben die "Geouteten", das wird aus allen Wortmeldungen deutlich, keinerlei Interesse, ihr Leben gemäß der kirchlichen Morallehre zu gestalten (vgl. HIER meine Gedanken zum Thema "Keuschheit"). Vielmehr geht es darum, dass praktizierte gleichgeschlechtliche Sexualität nicht mehr als Sünde betrachtet, sondern als legitim anerkannt wird. Der nächste Schritt ist dann (das weiß ich von denen, die ich von den 125 kenne), die gleichgeschlechtlichen Verbindungen ganz offiziell segnen lassen zu können, und schließlich ist das Ziel ihre, wie es heißt, "sakramentale Anerkennung" (was in sich schon sakramententheologischer Unfug der Extraklasse ist).

 

Bischöfe und andere, die sich damit solidarisieren, bemerken das entweder nicht, oder sie nehmen es in Kauf, oder sie unterstützen es selbst bis zum Letzten. Tja.

Freitag, 26. November 2021

Bonhoeffer: Von der Dummheit

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.

Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.

Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen zu wissen, was „das Volk“ eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch dies tröstliche für sich, daß sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

 

(Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, 17-20) 


"Zerstampfst du den Toren auch mit dem Stößel, im Mörser zwischen den Körnern, seine Torheit weicht nicht von ihm." (Spr 27,22)

 

Dienstag, 26. Oktober 2021

Hierarchie der Wahrheiten


Im Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus, Unitatis redintegratio (UR), taucht der Begriff „Hierarchie der Wahrheiten“ auf (UR 11). Dieser Begriff hat seit dem eine erstaunliche Karriere hingelegt, denn er ist in die Alltagssprache vieler Kirchenleute und Theologen übergangen, auch weit jenseits des Themas Ökumene.

Leider wird der Begriff meistens falsch bzw. missbräuchlich verwendet. Und zwar auf die Weise, dass damit ausgesagt werden soll, dass es „wichtige“ und „weniger wichtige“, und sogar „unwichtige“ Glaubensinhalte gäbe, wobei man sich insbesondere bei der Verkündigung (Katechese, Predigt, mediale Auftritte) auf die wichtigen konzentrieren solle. Welcher hierarchische Rang einer einzelnen Glaubenswahrheit zukommt, liegt derweil meist im Ermessen des Einzelnen, aber recht beliebt ist es, nur das als „wichtig“ zu deklarieren, was im Glaubensbekenntnis steht, wobei aber diese Regel sogleich wieder gebrochen wird, denn die Jungfrauengeburt gehört diesen Verkündern zufolge sicherlich nicht zur „wichtigen“ Kategorie, und auch die Dreifaltigkeit Gottes wird zuweilen nicht in den oberen hierarchischen Rängen positioniert, da sie unverständlich sei. Mein Eindruck ist, dass meist nach dem religionsphilosophischen Modell verfahren wird: Was die meisten Menschen glauben, das ist in dieser Hierarchie ganz oben und darauf müssen wir uns in Verkündigung konzentrieren; je spezifischer es wird, desto niedriger ist der „Rang“ und desto eher kann man es, platt gesagt, weglassen. Daraus ließen sich grob fünf Ränge ableiten:

1. Was allen Menschen gemein ist

2. Was allen Religionen gemein ist

3. Was den monotheistischen Religionen gemein ist

4. Was den christlichen Konfessionen gemein ist

5. Was spezifisch katholisch [und orthodox] ist

Was wir hier haben ist eine Hierarchie, genauer: Was man in der Fachsprache „Schachtelungshierarchie“ (engl. nesting hierarchy) nennt. Hierbei sind die jeweiligen Kategorien ähnlich einer Matrjoschka ineinander verschachtelt: die „katholische Schachtel“ befindet sich zusammen mit anderen in der „christlichen Schachtel“, diese befindet sich wiederum mit anderen zusammen in der „monotheistischen Schachtel“, diese befindet sich wiederum mit anderen zusammen in der „religiösen Schachtel“ und diese befindet sich wiederum mit anderen zusammen in der „meschlichen Schachtel“. In dieser Hierarchie ist folglich das Wichtigste alles, worüber sich alle Menschen einigen können usw.; am unwichtigsten ist das, was die eigene Kirche ausmacht.


Ursprünglich im Kontext des Themas Ökumene eingeführt, hat der Begriff der „Hierarchie der Wahrheiten“ doch überragende Bedeutung. Aber sein falscher Gebrauch hat gerade für die Ökumene verheerende Folgen.

Sinn jener religionsphilosophischen Unterteilung in wichtig und unwichtig ist es, im ökumenischen und interreligiösen Austausch eine möglichst große Nähe herzustellen und nicht mit „Eigenem“ den anderen auf Distanz zu halten. Das klingt zunächst gut, führt aber auch dazu, dass man etwa als katholischer Gesprächspartner von seinem Gegenüber am Ende des Tages nicht ernst genommen wird, denn man gibt dadurch seine eigene Identität preis.

Mal ehrlich: Was glauben die so Vorgehenden eigentlich, wie vertrauenerweckend der andere auf einen wirkt und wie ernstgenommen man sich fühlt, wenn man feststellen muss, dass der Gesprächspartner nicht mal sich selbst, seinen eigenen Glauben, ernst nimmt? Oder andersherum: Wenn ich meinen eigenen Glauben nicht ernst nehme, d.h. ihn nicht unverkürzt annehme, bejahe und bekenne, dann kann ich nicht erwarten, dass mein Gegenüber mir abnimmt, dass ich ihn und seinen Glauben ernst nehme.

Durch so einen Mangel an Ernsthaftigkeit der geglaubten Wahrheit gegenüber kann auch kein Vertrauen entstehen, denn jeder ernsthafte Dialog löst sich in Luft auf, er wird ersetzt durch eine (politische/ideologische) Verhandlung. Das ist genau das, was den Großteil unserer gegenwärtigen „offiziellen“ ökumenischen Gespräche auszeichnet: Es sind Verhandlungen um Begriffe, nicht Gespräche über den Glauben. Die Ergebnisse sind dann dementsprechend auch Verträge und Vereinbarungen, aber keine Nähe, keine Gemeinschaft. Ein gutes Beispiel ist jenes schreckliche (weil unehrliche, und damit unchristliche, außerdem häretische und in hohem Maße manipulative) Dokument „Gemeinsam am Tisch des Herrn, mit dem ich mich HIER und HIER näher befasst habe. Ich sprach damals von einer Papierökumene, Karl-Heinz Menke nennt es Tintenfischökumenik, bei der alles Anstößige hinter einem Tintenschleier verschwindet.


Mit derHierarchie der Wahrheiten“, wie sie das letzte Konzil benannte hat, hat dieses Einteilen in „wichtig“ und „unwichtig“ nichts, aber auch gar nichts zu tun. Wie fern ein Zurückstellen von Glaubenswahrheiten um des ökumenischen Friedens oder scheinbarer (begrifflich ausgefeilter und vertraglich festgehaltener) Übereinkünfte willen jenem Begriff des Zweiten Vatikanischen Konzils ist, kann dieser Satz aus dem selben Abschnitt (drei Sätze vorher) gut veranschaulichen:

Die gesamte Lehre muss klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökumenischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird.“ (UR 11)

Was es mit dem Begriff „Hierarchie der Wahrheiten“ tatsächlich auf sich hat, erklärt das Konzil eigentlich unmissverständlich, aber es gibt einen Grund, warum stets nur dieser Begriff zitiert wird und nicht der Satz, in dem er steht, oder gar dessen Kontext. Dort heißt es (satzweise):

[1)] Zugleich muss aber der katholische Glaube tiefer und richtiger ausgedrückt werden auf eine Weise und in einer Sprache, die auch von den getrennten Brüdern wirklich verstanden werden kann.

[2)] Darüber hinaus müssen beim ökumenischen Dialog die katholischen Theologen, wenn sie in Treue zur Lehre der Kirche in gemeinsamer Forschungsarbeit mit den getrennten Brüdern die göttlichen Geheimnisse zu ergründen suchen, mit Wahrheitsliebe, mit Liebe und Demut vorgehen.

[3)] Beim Vergleich der Lehren miteinander soll man nicht vergessen, dass es eine Rangordnung oder ‚Hierarchieder Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens.

[4)] So wird der Weg bereitet werden, auf dem alle in diesem brüderlichen Wettbewerb zur tieferen Erkenntnis und deutlicheren Darstellung der unerforschlichen Reichtümer Christi angeregt werden.“ (UR 11)

1) Es fällt auf, dass es hier überhaupt nicht um Glaubensinhalte (oder Glaubenswahrheiten) geht, sondern um die Sprache und das Sprechen: Wie drücken wir uns aus? Drücken wir uns so aus, dass man uns versteht? Drücken wir uns bzw. den Glauben „tief“ und „richtig“, ja sogar „tiefer“ und „richtiger“ aus? Der lateinische Text klingt hier noch schärfer als die übliche deutsche Übersetzung: „fides catholica et profundius et rectius explicanda est“ – „der katholische Glaube ist sowohl tiefer als auch richtiger darzulegen“ [und zwar] auf eine Weise und in einer Sprache, die von den getrennten Brüdern wirklich verstanden werden kann.

2) Hier geht es noch immer nicht um einzelne Glaubensinhalte, sondern um Haltungen: Als erstes um die „Treue zur Lehre der Kirche“ und sodann um Wahrheitsliebe, Liebe, Demut. Zu gemeinsamer Forschungsarbeit“, d.h. konfessionsübergreifend, wird ermutigt, Gegenstand sind die „göttlichen Geheimnisse“, die aber nicht nach „wichtig“ oder „unwichtig“ sortiert werden, sondern einfach gegeben sind.

3) Hier haben wir endlich den Begriff der „Hierarchie der Wahrheiten“. Es fällt auf, dass die genannten Wahrheiten „innerhalb der katholischen Lehre“ verortet werden, es geht also gewissermaßen um alles „was katholisch ist“. Vor allem von Bedeutung ist jedoch, die nähere Bestimmung, was mit diesem Begriff ausgesagt ist: Auch hier ist nirgends die Rede von „wichtigen“ und „weniger wichtigen“ oder „unwichtigen“ Wahrheiten. Vielmehr ergibt sich die Verschiedenheit der Wahrheiten, die als Rangfolge oder Hierarchie bezeichnet wird, aus der „Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens“. Dies ist durchaus konkret aufzufassen: Es ist keine generelle Rangordnung gegeben, sondern jede Glaubenswahrheit hat ihren spezifischen Zusammenhang mit dem Fundament. (Welches offenkundig Christus ist.)

4) „Wettbewerb“ ist hier eine missverständliche Übersetzung. Es ist hier wohl nicht gemeint, wer wen besser überzeugen kann oder wer am Ende als „Sieger“ hervorgeht, sondern es ist eher ein geistlicher Wettkampf gegen die eigene Schwäche gemeint, der „Sieg“ ist jenes tiefere, richtigere Verstehen, die Mittel in diesem Kampf sind jene Treue, Wahrheitsliebe und Demut.


Doch der Schaden geht weit über ökumenische Gespräche hinaus.

Der Begriff „Hierarchie der Wahrheiten“ wurde, weil er so „neu“ klingt dankbar angenommen, nachdem er seines Textzusammenhangs entledigt wurde, umgedeutet und für die Demontage des Glaubens gebraucht. Man meinte, hier endlich einen Anpack zu haben, um das Wichtige vom Unwichtigen zu scheiden und unnötigen Ballast abzuwerfen (ein breiter Konsens unter Theologen unmittelbar nach dem letzten Konzil war es z.B., dass man die Existenz von Engeln entsorgen müsse, die in dieser Hierarchie ganz weit unten stünde). Das war natürlich von Anfang an nur ideologisch motiviertes Wunschdenken, schon allein weil, wie bereits dargelegt, der selbe Passus des Konzilstextes klar macht, dass „die gesamte Lehre klar vorgelegt werden“ muss.

Auch wenn der Begriff „Hierarchie der Wahrheiten“ als solcher „neu“ ist, so ist doch das, was er bezeichnet, so neu nicht. Das Erste(!) Vatikanische Konzil sprach in ähnlicher Weise in der Konstitution Dei filius vom „nexus mysteriorum inter se“ (vgl. DH 3016), also von der „Vernetzung“ der Geheimnisse des Glaubens untereinander, die sich so gegenseitig erhellen und erschließen. Auch der Begriff der Analogie des Glaubens“ (lat. analogia fidei) ist hier gefallen und meint im Grunde das Gleiche (vgl. KKK 114). Die Rede von der „Hierarchie“ oder „Rangordnung“ scheint mir indes für die gemeinte Sache durchaus passend, denn es besteht in diesem Nexus faktisch eine Hierarchie (wörtlich: heilige Ordnung), da gewisse Glaubenswahrheiten auf dem Fundament anderer Glaubenswahrheiten ruhen oder, andersherum, durch diese gewissermaßen „von oben“ erhellt, erschlossen werden. Das Bild vom Netz(werk) ist hier eng verwandt mit dem des lebendigen Körpers: Nach Thomas von Aquin (STh II-II, q. 1, a. 6) heißen die einzelnen Glaubenswahrheiten „[Glaubens]Artikel“ (lat. articulus: Glied), weil sie Teil eines organischen, als „Leib“ gedachten Ganzen sind und entsprechend zusammen gehören.

Ein Beispiel: Die Glaubenswahrheit der Aufnahme Mariens in den Himmel ist nicht verständlich, ohne die Glaubenswahrheit ihrer besonderen Begnadung, und diese wiederum ist ohne die Glaubenswahrheit der Erlösung in und durch Christus nicht einsichtig. Marias Begnadung steht so gesehen in der Hierarchie an höherer Stelle als ihre Aufnahme in den Himmel, und die Erlösung durch Christus an höchster Stelle; aber alle drei sind und bleiben wahr und verpflichtend zu glauben, keine ist unwichtig“ oder kann entfallen. Das ist es, was Hierarchie der Wahrheiten meint, nichts anderes.
Auf klug könnte man sagen: „Hierarchie der Wahrheiten“ ist ein hermeneutischer oder didaktischer Begriff, kein dogmatischer. Die „Hierarchie“ dient dem „richtigeren und tieferen“ Verständnis (vgl. UR 11) der einzelnen Wahrheiten des Glaubens im Gesamt des Glaubens, sie rührt nicht an deren Wahrheitsgehalt.

Dass die Wahrheiten des Glaubens in einer Rangordnung stehen, war immer schon im Bewusstsein der Kirche präsent, was etwa daran klar wird, dass in den wichtigsten historischen Glaubensbekenntnissen nicht alle Feinheiten des katholischen Glaubens eingeflossen sind, sondern nur seine zentralsten oder grundlegendsten Elemente. Dadurch wurde aber nie die Wahrheit und Verbindlichkeit von all dem abgelehnt, was nicht in diese aufgenommen wurde (z.B. taucht in diesen die bischöfliche Amtsstruktur der Kirche nicht auf, obwohl sie für die Bischöfe, die diese Bekenntnisse verfassten und approbierten, gewiss wichtig und verbindlich war).

Leider hat schon sehr bald, noch während des Konzils, jenes falsche Verständnis des Begriffs oftmals die Oberhand gewonnen, weswegen bereits das „Allgemeine Katechetische Direktorium“ von 1971 (das nie offiziell ins Deutsche übersetzt wurde, weil man meinte, Katechese eigentlich nicht mehr nötig zu haben) betonte:

„Diese Hierarchie bedeutet nicht, dass einige Wahrheiten weniger als andere zum Glauben gehören, sondern dass manche Wahrheiten auf anderen grundlegenderen aufbauen und von ihnen her Licht erhalten.“ (Nr. 43)

 

Die missbräuchliche Verwendung des Begriffs funktioniert indes nur, solange die so Sprechenden nicht darüber nachdenken, was sie da eigentlich sagen. Denn der Begriff „Hierarchie der Wahrheiten“ kann gar keine Wertung über die Verbindlichkeit oder Relevanz des zu Verkündigenden bezeichnen, weil eine Wahrheit nunmal eine Wahrheit bleibt, auch wenn sie zusammen mit anderen in einer „Hierarchie“ angeordnet wird. So, wie er faktisch verwendet wird, müsste der Begriff eigentlich „Hierarchie der Wahrheitsgrade“ oder „Hierarchie der Verbindlichkeiten“ heißen, dann würden der Begriff und seine Deutung zusammenpassen. (Eine Ironie dieses falschen Denkens ist, dass man damit die so genannten „Gewissheitsgrade“, die sich früher in der neuscholastischen Dogmatik großer Beliebtheit erfreuten, und die man heute nur zu gerne als unsinnig verlacht, in einer verdummten Variante wieder aufleben lässt, ohne es zu merken.) Nun heißt der Begriff aber „Hierarchie der Wahrheiten“: Die Wahrheiten bleiben Wahrheiten, sie büßen ihre wesentliche Eigenschaft des Wahrseins durch die wie auch immer vorgenommene Anordnung in der Hierarchie nicht ein; sie müssen folglich in ihrer Gesamtheit anerkannt, bejaht und bekannt werden, denn die bzw. eine Wahrheit (wir könnten auch sagen: Realität) zu leugnen ist immer ein Fehler, das wissen auch die so Sprechenden.

Die falsche Verwendung des Begriffs findet dann z.B. in dem (immer schon von unzähligen Theologen geäußerten) Vorwurf gegen den Katechismus der katholischen Kirche Ausdruck, dieser würde jene Hierarchie nicht gebührend berücksichtigen, weil dort alles einfach als „wahr“ hingestellt, und nicht nach „Wahrheitsgraden“ unterschieden würde (siehe HIER ganz unten). Diese Kritik ist Unsinn, weil „Hierarchie der Wahrheiten“ eben nichts am Wahrsein der Wahrheiten ändert. In Wirklichkeit ist der Katechismus, wie jedes gute Glaubensbuch, konsequent nach dem Prinzip der Hierarchie der Wahrheiten strukturiert, da er die Zusammenhänge der einzelnen Wahrheiten mit dem Fundament des Glaubens darlegt und verdeutlicht. Die einzelnen Wahrheiten werden dabei jeweils als wahr dargestellt, weil es eben Wahrheiten sind und bleiben. Daher heißt es auch in jenem „Allgemeinen Katechetischen Direktorium“ von 1971: „In der Heilsbotschaft besteht eine gewisse Hierarchie der Wahrheiten, die die Kirche immer anerkannt hat, wenn sie Glaubensbekenntnisse und -kompendien verfaßte.“ (Nr. 43)


Ich spare mir hier eine Auflistung aller Stellen, an denen die Päpste und ihre Dikasterien die korrekte Bedeutung des Begriffs der „Hierarchie der Wahrheiten“ immer wieder aufs neue eingeschärft haben, und beschränke mich nur auf die vermutlich aktuellste von diesen. Papst Franziskus schreibt in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium:

„Alle offenbarten Wahrheiten entspringen aus derselben göttlichen Quelle und werden mit ein und demselben Glauben geglaubt, doch einige von ihnen sind wichtiger, um unmittelbarer das Eigentliche des Evangeliums auszudrücken. […] Man darf die Vollständigkeit der Botschaft des Evangeliums nicht verstümmeln. Außerdem versteht man jede Wahrheit besser, wenn man sie in Beziehung zu der harmonischen Ganzheit der christlichen Botschaft setzt, und in diesem Zusammenhang haben alle Wahrheiten ihre Bedeutung und erhellen sich gegenseitig.“ (Nr. 36-39)
Weiter heißt es dort:
„Das Evangelium lädt vor allem dazu ein, dem Gott zu antworten, der uns liebt und uns rettet – ihm zu antworten, indem man ihn in den anderen erkennt und aus sich selbst herausgeht, um das Wohl aller zu suchen. Diese Einladung darf unter keinen Umständen verdunkelt werden! Alle Tugenden stehen im Dienst dieser Antwort der Liebe. Wenn diese Einladung nicht stark und anziehend leuchtet, riskiert das moralische Gebäude der Kirche, ein Kartenhaus zu werden, und das ist unsere schlimmste Gefahr. Denn dann wird es nicht eigentlich das Evangelium sein, was verkündet wird, sondern einige lehrmäßige oder moralische Schwerpunkte, die aus bestimmten theologischen Optionen hervorgehen. Die Botschaft läuft Gefahr, ihre Frische zu verlieren und nicht mehr ‚den Duft des Evangeliums‘ zu haben.“ (Nr. 39)

Genau das ist seit Jahrzehnten leider in großem Umfang zu beobachten, nicht nur im ökumenischen Dialog, sondern in allen Bereichen des kirchlichen Lebens ähnelt das Ganze mehr und mehr einem Kartenhaus. Wen wunderts, dass nun mittels suizidalem Weg dasselbe zum Einsturz gebracht werden soll...es wurde ja jahrzehntelang sturmreif geschossen...

Samstag, 18. September 2021

absterbende Volkskirche

Viele Verantwortliche „in Kirche“ gehen heutzutage den Weg des geringsten Widerstandes, wenn es um die Verkündigung des Glaubens und der Moral geht; den Weg, der jede Anstößigkeit vermeidet: Man ist, insbesondere dort, wo man sich durchaus auch als „Dienstleister“ sieht, bemüht, „anschlussfähig an die Erfahrung der Menschen“ zu sein, „jedem etwas zu bieten“ und „alle mitzunehmen“. In kurz: Man möchte gerne die Volkskirche (oder einen Anschein davon) aufrecht erhalten. Dieses vorgehen geschieht nicht selten in guter Absicht, und man will es auch im Evangelium begründet sehen: Sollen wir denn nicht allen Menschen Jesus verkünden? Müssen wir es denn nicht allen Menschen ermöglichen, das Evangelium anzunehmen?

Ja, diese Möglichkeit sollen wir allen ohne Ausnahme eröffnen. Aber was heißt das?

Wir sollen Jesus allen Menschen verkünden, das ist richtig: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ (Mk 16,15; vgl. Kol 1,23) Alle Menschen sollen Gottes Heil schauen (vgl. Lk 3,6; vgl. Offb 3,15). Aber: Nirgends im Evangelium steht, dass alle, denen es verkündet wird und die es sehen, es auch annehmen werden. Es besteht ein gewaltiger Unterschied, ob wir allen Menschen die Möglichkeit geben, das Evangelium anzunehmen (indem wir es verkünden), oder ob wir das Evangelium allen Menschen annehmbar machen (indem wir es verwässern).

Eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu ist das Sämannsgleichnis:

„Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.“ (Mt 13,3-8)

Es ist bezeichnend, dass gerade dieses Gleichnis in aller Ausführlichkeit von Jesus selbst erläutert wird, so dass kein Zweifel über seine Bedeutung besteht: Der Same ist das Wort der Verkündigung, das längst nicht überall, wo es ausgestreut (verkündet) wird, Frucht zu bringen vermag. Also: Was Jesus verkündet fällt nicht überall auf fruchtbaren Boden, es scheint sogar eher nur der kleinere Teil zu sein, der letztlich Frucht bringt, meistens trifft es auf taube Ohren. Für uns Heutige ist das schwer vorstellbar: Wir glauben gern, dass doch jeder halbwegs vernünftige Mensch Jesus toll finden müsste. Seine Botschaft – meinen wir damit eigentlich auch seinen ständigen Ruf zur radikalen Umkehr, oder doch eher ausschließlich den zur dienstbereiten Mitmenschlichkeit? – müsste doch von jedem anerkannt und bejaht werden können…

Aber genau das war offenkundig nicht der Fall, die Menschen nahmen ihn nicht auf (vgl. Joh 1,11), lehnten ihn ab, nahmen Anstoß, hassten und verfolgten ihn sogar bis zum Tod. Dabei ist es zu billig, hier einfach die „bösen“ Menschen zu beschuldigen. Es sind ganz normale Menschen, die an ihm wegen seines Anspruchs Anstoß nehmen (vgl. Mt 13,57), und sogar seinen eigenen Jüngern prophezeite er mit Blick auf sein Leiden: „Ihr werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen“ (26,31). Jesu Worte und Taten kommen nicht bei jedem noch so wohlwollenden Hörer an; bei den meisten Zuhörern stieß Jesus früher oder später auf Ablehnung, am Kreuz, am Ziel und Höhepunkt seines Heilsweges, war er dann fast ganz allein.

Für uns stellt sich die Frage: Warum sollten wir Heutigen mehr Erfolg in der Verkündigung erwarten, als es Jesus selbst beschieden war? Sind wir bessere Verkünder als er? Sind wir bessere Zeugen der Liebe Gottes, als die Liebe Gottes in Person? Wenn es nicht aufgeht, ist laut Gleichnis nicht das Saatgut (d.i. die Botschaft) schuld, sondern der unfruchtbare Boden (oder die Doofheit des Sämanns, weil er das Saatgut auf die Felsen wirft…).

Die Bibel ernst nehmend, müssen wir realistischerweise anerkennen, dass es auch „Säue“ gibt, vor die wir die „Perlen des Heiligen“ nicht werfen sollen, damit sie nicht zertreten werden (vgl. Mt 7,6), dass es nicht selten vorkommt, dass Jesu Jünger aus einer Stadt abziehen müssen und von ihren Sandalen den Staub „zum Zeugnis gegen sie“ abschütteln (vgl. Lk 9.5), und dass selbst „viele seiner Jünger“ sich wegen der „harten Worte“ Jesu zurückziehen und nicht mehr mit ihm umhergehen“ (Joh 6,66). Insbesondere in letzterem Fall, in der großen Eucharistierede im Johannesevangelium, offenbart Jesus in unübertrefflicher Deutlichkeit seinen Zuhörern etwas, was sie erschüttern musste: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag“ (Joh 6,54) Ergebnis: Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? [...] Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher.“ (VV. 60-61.66) Jesus ging ihnen nicht nach und rief: „Halt, wartet, ich habe es nicht so gemeint, ich meinte es doch bloß symbolisch!“, sondern er blieb beim verstörenden Realismus seiner Aussage und fragte seine Apostel: „Wollt auch ihr weggehen?“ (V. 67) Dieser Weggang von „vielen“ seiner Jünger wird umso erschütternder, wenn man bedenkt, was die Konsequenz für die Weggehenden sein könnte: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.(Joh 6,53) Der Clou: Jesus hat das „Brot vom Himmel“ seinen Zuhörern von einst durchaus pädagogisch klug anhand ihrer eigenen Lebens- und Gedankenwelt zu erklären versucht, nämlich ausgehend von einem Vergleich mit dem Manna in der Wüste (Joh 6,48-51) – und trotzdem kehrten sich viele ab und akzeptierten es nicht. Pädagogische Klugheit scheint also auch nicht das Allheilmittel zu sein.

Den Fall von Johannes 6 würde man in der heutigen Pastoral als unerhörten Skandal sehen: Jesus geht seinen Zuhörern nicht nach, er lässt sie ziehen und bleibt bei seinem Wort, das nicht bei jedem Anklang fand. Wir lernen: Noch nie war das Evangelium zeitgemäß, den Zuhörern angemessen, allgemein verständlich oder mehrheitsfähig. Die Realität ist, dass Jesus für die Verkündigung des Evangeliums v.a. Ablehnung erfuhr und letztlich auch verfolgt wurde, ebenso die Apostel. Manchmal wird versucht, den Grund für diese Verfolgung ausschließlich in politischen Motiven zu suchen, nicht in der verkündeten Botschaft. Aber das ist Unsinn: „Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz  muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat.“ (Joh 19,7)

Hier kann der Prophet Ezechiel ein stimmiges Vorbild für uns sein: Gott sendet ihn zum Volk Israel, bekräftigt aber eigens, dass er sich nicht um den Erfolg oder Misserfolg seiner Predigt kümmern soll: „Zu ihnen sende ich dich. Du sollst zu ihnen sagen: So spricht Gott, der Herr. Sie aber: Mögen sie hören oder lassen – denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit –, sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war.“ (Ez 2,4-5; vgl. V. 7; 3,11) Der Auftrag der Kirche, wie der der Propheten und Jesu selbst und seiner Apostel, war und ist es nicht, „gut anzukommen“, sondern das Wort zu säen. Jesus sagte doch: „Wenn man euch nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, geht weg aus jenem Haus oder aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen!“ (Mt 10,14) Er sagte nicht, was man heute zu gerne denkt: „Wenn man euch nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann sagt ihnen andere Worte, sie hören wollen!“ Ob das Wort auf guten Boden fällt, wächst und Frucht bringt, haben wir nicht in der Hand, wir können höchstens für die Qualität des Samens sorgen, also um die Authentizität und Integrität des verkündeten Evangeliums. Das Wachsenlassen ist Gottes Sache (vgl. 1Kor 3,5-9). Aus dieser Demut – in dem Wissen, dass wir die zu verkündigende Botschaft nie allen annehmbar machen können – erwächst dann womöglich ganz von selbst ein Selbstbewusstsein, das der gesellschaftlichen Realität die Stirn bietet und trotzdem verkündet, wie Ezechiel (vgl. Ez 3,7-9).

Damit ist nicht jedem gedankenlosen Verkündigungsirrsinn (z.B. Obstkiste in der Fußgängerzone) Tür und Tor geöffnet, denn natürlich gilt es, auf Identität, Situation und Fassungsvermögen der Zuhörer Rücksicht zu nehmen. Paulus ist das beste Beispiel, wenn er an die Korinther schreibt: „Vor euch, Brüder und Schwestern, konnte ich aber nicht wie vor Geisterfüllten reden; ihr wart noch irdisch eingestellt, unmündige Kinder in Christus. Milch gab ich euch zu trinken statt fester Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen. (1Kor 3,1-2) Der springende Punkt ist aber gerade der, dass dieser Status überwunden werden soll. Der gleiche Paulus schreibt nämlich auch, er „bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt.“ (Phil 1,9) Und noch deutlicher:

„Daher hören wir [] nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlichen Einsicht erfüllt werdet. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. [] Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in [seinem Sohn] wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen“ (Kol 1,9-10.19-20).



Abstriche an Glaubensinhalten und an der Moral zu machen, ist ein Symptom einer absterbenden Volkskirche. Nur jemand, der selbst aus der Volkskirche stammt, könnte auf die Idee kommen, den Glauben nach eigenem Ermessen umzumodeln (oder jemand, der das ohnehin vorhat und extra dafür der Körperschaft öffentlichen Rechts "Katholische Kirche in Deutschland" beitritt  auch solche gibt es). Die Akteure der Glaubenszersetzung, auch die Theologen, kommen allesamt aus der Volkskirche: Viele Bischöfe die von der „Relevanz der Kirche in der Gesellschaft“ reden, trauern dem Ansehen nach, das ihr Amt in Zeiten der Volkskirche genossen hat, manch andere Funktionäre sehnen sich nicht minder nach den Pfründen, die ihre Position früher einmal mit sich brachte und die Theologenschaft möchte einfach möglichst vielen was zu sagen haben, sie brauchen ein Publikum (darum reden sie über alles mögliche, nur nicht über den Glauben).

Diese Zersetzung ist

1. der Versuch, die Flächendeckung der Volkskirche möglichst zu erhalten, was logischerweise nur dadurch bewerkstelligt werden kann, dass man Glaube und Kirche einer möglichst großen Zahl von Menschen zumutbar, annehmbar, bekömmlich macht. Sprich: indem man Glaube und Moral den Wünschen der Menschen anpasst. Im Idealfall lässt man „demokratisch“ (d.h. durch handverlesene Repräsentanten) darüber abstimmen.

2. eine Reaktion auf (auch zu Recht) beklemmend empfundene Eigenheiten des Volkskirchentums, deren man sich entledigen will. Weil die Volkskirche (die man aber, siehe 1., komischerweise zu erhalten versucht) problematische Begleiterscheinungen hatte, muss man alles mögliche ändern, von dem man meint, dass es für die Probleme verantwortlich war. Dafür eignen sich besonders all die Dinge, zu denen man selbst eh keinen echten Bezug hat.

Der Form wird so Priorität vor den Inhalten gegeben. Was den Handelnden nicht in den Sinn kommt ist, dass die Probleme der Volkskirche in ihrer Sozialform (eben: Volkskirche) begründet sind, nicht in Glaube und Moral, denn ihr Festhalten an jener Form bei gleichzeitiger Ablehnung dieser Inhalte übertönt alles. Umso bedenklicher, dass es im Grunde diese Sozialform ist, die man erhalten möchte, indem man den Glauben abspeckt. Wie man es auch dreht und wendet, das Vorgehen ist in jeder Hinsicht ganz falsch.



Der natürliche Zustand des Christen ist nicht die Volkskirche, sondern die Verfolgung. Jesu Verheißung lautete bekanntlich nicht: „Selig seid ihr, wenn alle um euch herum nominell Christen sind…“ sondern: „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. […] wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Mt 5,11; 10,39) Freilich: Wir sollen die Verfolgung nicht suchen oder provozieren. Paulus: „Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!“ (Röm 12,18) Aber dieses „soweit möglich“ betrifft genau die Lehre des Glaubens und das aus ihr resultierende moralische Leben, das zu bezeugen Standhaftigkeit gegen Widerstände verlangt: „Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben“ (2Thess 2,15).