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Sonntag, 18. Juli 2021

Traditionis custodes

zu Deutsch: "Wächter des Verrats"?

Buch Jeremia 23,1-6:

Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn.
Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn.
Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Ich bringe sie zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren.
Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verlorengehen - Spruch des Herrn.
Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land.
In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.

Freitag, 1. Juni 2012

Zweckmäßigkeit

Heute konnte ich mich wieder prächtig über unseren Aushilfsmesner aufregen... der Mann ist ein lebender Zufallsgenerator!
Wo das Altarmikro liegt, wo die Hosteinschalge sich auf der Kredenz befindet (zuweilen auch AUF dem Kelch...) bzw. ob es überhaupt eine gibt, ob Kollekte gemacht wird, wo das Messbuch für die Oration aufgeschlagen ist, wieviele Kerzen am Altar oder bei der Maria brennen, welche Farbe das Kelchvelum hat und wie es auf/über dem Kelch liegt, ob die Beleuchtung im Hauptschiff und/oder im Chor an ist, wieviel Wasser im Kännchen ist, welche Albe für den jeweiligen Zelebranten bereitliegt, ob der Schlüssel im Tabernakel steckt... alles scheint von ihm vor jeder Heiligen Messe ohne jede Gesetzmäßigkeit pro hac vice festgelegt zu werden. Und als ihm dann heute während der Messe einfiel, dass die Hostienschale fehlte, rannte er einfach während des Tagesgebetes quer durch den Altarraum in die Sakristei um sie zu holen (anstatt z.B. bis zur Predigt zu warten oder einen anderen, passenderen Momant abzuwarten). Offensichtlich herrscht auch ein Mangel an jeglichem liturgischen Taktgefühl. Wenn ich ministriere kann ich das meiste noch vor der Messe in Ordnung bringen, aber wenn ich, wie heute, nicht ministriere (z.B. aus Zeitmangel), kann ich nur hilflos zugucken... (es spielt übrigens keine Rolle, ob man ihm sagt oder gar zeigt, wie er was zu machen hat... er weiß es besser).

Nun mag mancher meinen "Ach komm, reg dich nicht auf, das ist doch nebensächlich." Stimmt, es sind alles Nebensachen, denn die Hauptsache ist der HErr, der gegenwärtig wird. 
Aber. 
Aber: Es gibt in der Liturgie, auch wenn man sie natürlich nicht verzwecken sollte, dennoch einen "zweckmäßigen Hintergrund" auf dem sie ruht. Jene Nebensachen dienen ja einzig der Hauptsache und sind darum also noch lange nicht unwichtig. Es dient ja gerade der reibungslosen und andächtigen Liturgie, also ihrem würdigen Vollzug, wenn alles dafür Benötigte ordentlich hergerichtet (und v.a. auch DA ist). Natürlich braucht eine schöne Messe auch Raum für den Heiligen Geist (der z.B. die Ministranten in-spiriert); aber nichts desto trotz bedarf es einer gewissen Ordnung. Sei es, damit es keine Verzögerungen und Umständlichkeiten gibt, sei es, dass der liturgische Ablauf nicht unnötig durch sinnloses oder zumindest vermeidbares Rumgerenne beeinträchtigt wird.
Mag ja sein, dass es eine Nebensächtlichkeit ist, aber es zehrt doch an der Würde der Liturgie und am eigenen inneren Mitvollzug, wenn wegen der Vergesslichkeit des Mesners die Kollekte während des Hochgebets gehalten wird, oder das Tagesgebet von Schrittgeräuschen im Altarraum begleitet wird (ganz davon abgesehen, dass dem Übeltäter das Gebet und die Liturgie an sich folglich recht egal zu sein scheinen).

Der Job des Mesners bedarf einiger spezifischer Eigenschaften... die vielleicht wichtigste davon ist die Pedanterie... es gibt einfach unzählige Kleinigkeiten, zumal in einer großen Kirche wie die, in der ich beheimatet bin, die zu beachten sind und die getan werden müssen... und da kann man sich nicht auf den Zufall verlassen. Das sind einfach Dinge die, freilich immer entsprechend den Erfordernissen der jeweiligen Messe (Fest, Ritusform, umgebende liturgische Vollzüge und Sakramentalien etc.) getan sein müssen. Wer damit nicht klarkommt, wer es schlichtweg nicht sieht, wenn da was fehlt oder dort etwas falsch ist, der ist für den Job schlicht ungeeignet. Basta.
Diese Aushilfe ist übrigens nicht "neu" im Geschäft, der macht das bei uns schon seit über 15 Jahren... (ich für meinen Teil habe das "Mesnern" schon mehrfach komplett übernehmen müssen... ich wusste schon beim zweiten Mal wie der Hase läuft und kannte mich nach einem Jahr als Ministrant blind in der Sakristei aus)... aber weil wir niemand anderes für den Job finden... alle Bewerber kamen mit der Komplexität der Aufgaben nicht zurecht (unser Mesner ist zugleich noch Hausmeister der Kirche und der angeschlossenen Pfarreiräume samt Kloster) und sind nach wenigen Tagen geflüchtet.

Hoffentlich ist unser eigentlicher Mesner bald aus dem Urlaub zurück... der ist genau so ein Pedant wie ich ;)

Donnerstag, 29. März 2012

Angst vor der Schönheit

supplices te rogamus
Vorab: Ich habe nichts gegen die "neue" Messe (wenn sie so gefeiert wird, wie es vorgeschrieben ist!). Sie hat einige merkliche Vorteile (for starters: mehr Schrifttexte in den Lesungen).

Hautnah erlebe ich gegenwärtig in meiner Heimatpfarrei die unbeschreibliche Angst und Feindschaft, die in den oberen Rängen der Diözese gegenüber der Messe in ihrer außerordentlichen Form besteht. Nicht nur darf(!) die regelmäßig stattfindende Messe in der außerordentlichen Form nicht im Pfarrblatt erscheinen, es ist sogar ausdrücklich von Oben (oben = höher als Dekanatsebene) untersagt worden, auch bloß in irgendeiner Weise diese Messe bekannt zu machen (etwa durch Mundpropaganda). Sie darf nur "unter Ausschluss der Öffentlichkeit" stattfinden. Der Vikar sieht sich regelrecht in die Mangel genommen. (*hust* CIC can. 837 §2 *hust*)

Es ist überaus aufschlussreich zu sehen, dass die Messe in der "alten" Form bei manchen (gottlob nicht allen) Kirchenoberen überhaupt nicht als irgendwie wertvoll oder auch bloß als ein geduldetes Kuriosum im katholischen Kosmos gilt, sondern es regelrechte Angst ist, die bei diesem Thema aufkocht.
Offenbar fühlen sich einige Alt-68'er nicht nur auf den Slips getreten, sondern regelrecht bedroht von der Idee, einige ihrer Schäfchen könnten etwas tun, was sie offenbar ausschließlich als einen "Schritt hinter das Konzil zurück" zu verstehen in der Lage sind.
Diese Angst bezieht sich zu einem nicht kleinen Teil auf die lateinische Sprache, zu einem anderen auf die Zelebrationsrichtung, aber sicherlich auf das ganze Messbuch an und für sich.
Sehr bemerkenswert, geht doch das Messbuch in seinen Rubriken nach wie vor von einer Zelebration versus dominum (z.B. bei der Einladung zum Gabengebet: "Der Priester steht, der Gemeinde zugewandt,...") und der CIC von Latein als der eigentlichen Liturgiesprache ("Eucharistica celebratio peragatur lingua latina..."; c 928) aus.
Es mag ja sein, dass manchem das Latein ein Hindernis zum Mitvollzug ist und der Rücken des Priesters nicht immer ganz so schön rüberkommt (bei vielen modernen Gewändern wenig überraschend). Aber wieso um alles in der Welt kann man diese (viele Jahrhunderte alten!) Schätze nicht für sich bestehen lassen? Katholisch = Allumfassend? Aber es herrscht Angst. Ein marx'sches Wort abwandelnd: Ein Gespenst geht um - das Gespenst der "alten Messe"? Jedenfalls: Echte Emotion, tief empfundene Bedrohung.
(Hoffentlich bemerken diese Leute nie, dass es in der katholischen Kirche zahlreiche verschiedenen Riten  gibt und unter diesen nur die "Römer" je auf die Idee kamen, allgemeines Vernakular und die generelle Zelebration vis-à-vis einzuführen... sie bekämen wohl den Schock ihres Lebens!)

Zugleich gibt es dann dieses Phänomen, das ich mal "Schwärmen für das Exotische" nennen will:  Die gleichen Leute, die alles tun, um die Feier der Messe in der außerordentlichen Form in ihrem eigenen Dunstkreis gedeckelt zu halten, betonen im ökumenischen Gespräch freudig die "reichen Schätze" anderer christlicher Traditionen. Da wird selbst eine (den Altarbereich völlig verdeckende) Ikonostase zum "hohen Kulturgut", während ein römisch-katholischer Priester, der auch nur für einen Moment mit dem Rücken zum Volk steht, als unerträgliches Ärgernis empfunden wird.

Aber ich bin trotz allem hoffnungsvoll, denn ich merke immer mehr, dass die junge Generation sich wieder besinnt, ja, eine Sehnsucht hat, nach dem, was schön und wertvoll ist.


Hatte man unmittelbar nach dem Ende des II. Vaticanums annehmen können, das Verlangen nach dem Usus von 1962 beschränke sich auf die ältere Generation, die damit aufgewachsen war, so hat sich inzwischen gezeigt, daß junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden.
 [...]
Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben.
(Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe anlässlich der Publikation des Motu proprio über die Liturgie in ihrer Gestalt vor der 1970 durchgeführten Reform [7. Juli 2007])

Donnerstag, 10. November 2011

"Heilige" Messe

Das Pfarrer kommt zwei Minuten vor Beginn der Messe endlich in die Sakrtistei. Der genervte Messner hilft bei der Einkleidung, die Ministranten reißen Witze.
Der Lektor stolpert herein, bekommt gesagt, was er lesen soll und ab.
"Unsere Hilfe ist im Namen des HErrn..."


Huhn oder Ei: Ist dieses alltägliche Szenario der Grund für die Geringachtung dessen, was eigentlich "Quelle" und "Höhepunkt" alles kirchlichen Tuns ist (SC 10), oder ist es nur ein Symptom?
Ich weiß es ehrlich nicht!

Sollte man nicht meinen, so eine heilige Messe müsste adäquat vorbereitet sein? Ist es zuviel verlangt, dass ein Lektor wenigstens einmal das vorher lesen und bedenken sollte, was er hernach verkündigen soll? Ist es vorstellbar, dass er beim ihm zugetragenen Akt, der vormals nicht grundlos einem Weiheamt vorbehalten war, in prima vista wirklich voll bei der Sache ist und weiß was er da vorträgt? Wenn man sich einschlägige Literatur (pastorale Leitlinien etc.) so anschaut, bekommt man den Eindruck, dass es entscheidender für einen Lektor ist, dass er Augenkontakt mit seinen Zuhörern sucht, als dass er selber begreift, was er ließt.

Was den Zelebranten anlangt... Ist es vorstellbar, dass er, gerade noch schnaubend in die Sakristei gestürzt, nachdem er sich von Schreibtisch und Kugelschreiber losgerissen, sogleich in der rechten innerer Haltung am Altar steht? (<schwerm> Stufengebet... hach... </schwerm>)

Natürlich kann man niemandem ins Herz schauen. Aber ein gemeinsames Gebet von Priester und MInistranten zur "Bereitung" auf die Messe ist doch nicht zuviel verlangt... oder? Wenigstens ein Moment der Ruhe und Besinnung muss doch immer drin sein!