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Sonntag, 30. November 2014

Hirtenbrief von Erzbischof Stephan

»Mit unserer Taufe wurde uns Christus in unser eigenes Herz hineingelegt, in jeder hl. Kommunion empfangen wir den, der uns von Herzen liebt, der sein eigenes Herz für uns am Kreuz hat öffnen lassen. Er nimmt in unserem Herzen Wohnung, so wie wir in seinem Herzen Eingang gefunden haben und in seinem Herzen wohnen dürfen.

Je mehr wir aus dieser inneren Christus-Verbundenheit leben, desto mehr wird unser Leben und Handeln auf andere ausstrahlen. Unser Christsein endet nicht nach dem Gottesdienst, sondern beginnt in neuer Weise an der Kirchentür: Wenn wir hinausgehen in unsere Familien, an den Arbeitsplatz oder in den Freundeskreis. Überall dort will Gottes Liebe durch uns aufstrahlen. Das hat ganz konkrete Auswirkungen auf unser Miteinander in den Räten, Gruppen und Kreisen. Durch den Glauben an Jesus Christus wird der Mitmensch zur Schwester, zum Bruder. Durch Jesus Christus empfange ich die Kraft, dass ich liebe, wo man hasst, dass ich verzeihe, wo man beleidigt, dass ich verbinde, wo Streit ist, dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, dass ich Licht anzünde, wo die Finsternis regiert, dass ich Hoffnung bringe, wo der Kummer wohnt.


Wo immer es uns gelingt, dass unser Miteinander menschlicher, gerechter und friedlicher wird, kann Jesus Christus mit und durch uns sein Wirken in dieser Welt fortsetzen. Dort wird seine Erlösungstat sichtbar und erfahrbar. Erlösung, das ist kein Wort fürs Museum, sondern ein Wort, das in unseren Alltag übersetzt werden will: Gott will uns erlösen. Er will uns lösen und frei machen von allem, was uns abhängig werden lässt, was unser Leben einengt und kleinkariert macht. Entscheidend ist, dass wir uns allein an der göttlichen Liebe orientieren.« (Quelle)


Vergleicht man dieses (übrigens ingesamt deutlich kürzere) Hirtenwort mit dem, was Robert Zollitsch etwa in seinen letzten beiden Hirtenbriefen geschrieben hat (hier und hier), gehen einem die Augen auf. Hier schreibt nicht ein Funktionär am Schreibtisch über Strukturen, sondern ein Hirte aus dem Glauben über den Glauben. Schön!

Dienstag, 4. November 2014

In Freiburg nichts Neues

Vor etwas mehr als 5 Monaten wurde dem Erzbistum Freiburg ein neuer Bischof geschenkt.
Und seit Stephan Burger im Amt ist, ist es hier erstaunlich ruhig. Keine Skandale, keine Ungehorsamsaufrufe, keine offiziösen Alleingänge gegen die Weltkirche... nicht mal mit dem Zwischenbericht der römischen Synode gerechtfertigte und medial herumposaunte Rechtsbrüche sind zu verzeichnen. (Jedoch mag Letzteres daran liegen, dass bereits alles posaunt wurde, was nur zu posaunen geht... vgl. z.B. das hier aus dem Jahr 2012.)

Ich bin ganz froh darum, einmal vermelden zu dürfen, dass es nichts zu vermelden gibt aus dem badischen Bistum.
Der Bischof äußert sich nicht zu "heißen Themen", sondern tut, was einem Bischof gut ansteht: Er lernt sein Bistum kennen (und lässt sich kennenlernen) indem er eine Gemeinde nach der anderen besucht. Hier ein Patrozinium, dort ein Jubiläum, dort eine Wallfahrt, oder einfach so... Recht so!

Montag, 30. Juni 2014

Der neue Erzbischof

Der neue Metropolit der oberrheinischen Kirchenprovinz, der Freiburger Erzbischof Stephan Burger, ist seit gestern im Amt. Ich freu mich. 
RIESIG!

Es stimmt ausgesprochen hoffnungsvoll, wenn er in seiner Ansprache direkt nach der Weihezeremonie u.a. sagt:
»Das Volk mit den Hirten, die Hirten mit dem Volk, beide sind und bleiben aufeinander verwiesen – oder soll ich besser sagen, beide bleiben im Dialog? Dieser Dialog wird dann gelingen, wenn er seine Inhalte aus der Hinordnung auf Christus bezieht und sich nicht mit rein menschlichen Vorstellungen und Erwartungen begnügt.
[...]
Manches mag vielleicht auch nicht verstanden werden, was ich tun werde – dass ich ggf. Entscheidungen werde treffen müssen, bei denen ich mich allein vor Gott, vor der Kirche und meinem Gewissen gegenüber verantwortlich sehe.« (hier, ganz unten, kann die Ansprache als PDF bezogen werden)

Das liegt auf einer Linie mit dem, wie ich ihn bisher kenne und erlebt habe. Es werden einige krasse Unterschiede zu seinen beiden Vorgängern ersichtlich. Am deutlichsten:
1) Er betont die Bezogenheit zwischen Hirten und Volk, wie es seine Vorgänger nicht taten. Es gibt also offenbar nicht einfach nur "Gleiche"... man mag das als Absage an den berühmten "Dialog auf Augenhöhe" lesen. Die in Freiburg (rhetorische wie strukturelle) fleißig geübte Gleichmacherei, die dem hierarchischem Wesen der Kirche widerspricht (de fide!) scheint ihm jedenfalls nicht zu liegen.

2) Menschliche Erwartungen in die Schranken zu weisen, hätten sich seine beiden Vorgänger nie getraut. Nie haben sie es unterlassen, die "Erwartungen der Menschen" als Maßstab ihres Handelns zu betrachten. Ich kann mir gut vorstellen, wie einigen im Publikum (und im Chorgestühl...) der Ar*** auf Grundeis ging, bei der Ansprache.

3) Entscheidungen, die vor der Kirche zu verantworten sind, sind mir aus diesem meinem Erzbistum bisher nicht bekannt, seit ich katholisch bin... man genügte sich stets blendend darin, der Weltkirche den Stinkefinger zu zeigen (die berüchtigte "Handreichung", ein Ergebnis der "menschlichen Erwartungen" der Diözesanversammlung 2013, ist nur der Tusch am Ende der Aufführung, die nun hoffentlich vorbei ist).
4) Eine so "richtige" und schlicht sinnvolle Bestimmung des Nomens "Dialog" ist mir während des ganzen von EB em. Zollisch geschaffenen Dialogprozess nicht begegnet (siehe 1).


Kleiner Theologenwitz am Rande: Stephan Burger war zuvor Offizial... also oberster Kirchenrechtler der Diözese... Wie lautet die Abkürzung seines Wahlspruchs? ... ... Ich glaube nicht, dass das Zufall ist. ;)


Samstag, 28. Juni 2014

Neue Zeit

Es stehen interessante Zeiten vor der Tür.

Aus den Ergebnissen der vatikanischen Volksbefragung stellt der Vatikan als ein Ergebnis (s. hier) fest: 
»Eine erhebliche Zahl von Bischofskonferenzen stellt fest, dass da, wo die Lehre der Kirche in ihrer eigenen menschlichen und christlichen Schönheit in Tiefe weitergegeben wird, sie auch von einem Großteil der Gläubigen mit Freude angenommen wird.«

Und der ZK-Alois interpretiert das (hier) so: 
»Es wird deutlich ausgesprochen, dass viele Christen - auch da, wo die Lehre der Kirche über Ehe und Familie bekannt ist - Schwierigkeiten haben, sie anzunehmen«
Gemach. Der hat sich längst selbst überlebt.

Dann ist da jener neue Passauer Bischof, der SCHONWIEDER die Lehre der Kirche verteidigt und den Änderungswünschen gegen die kirchliche Morallehre über das zusammenleben der Menschen eine Absage erteilt (hier).

Morgen wird wenige Meter von hier auch in Freiburg ein neuer Bischof seine Kathedra besteigen. Ich kenne ihn persönlich und habe ihn mehrmals als Zelebranten am Altar erlebt. Ich weiß, dass ich seinem Wahlspruch "Christus in den Herzen" sehr beipflichten muss.
Sowohl der Apostel Paulus als auch Petrus sprechen wiederholt davon, Christus im Herzen zu tragen. 
Für Paulus ist es der "Christus im Herzen", der uns überhaupt Glauben lässt und uns die ganze Tragweite dieses Glaubens ermessen lässt:
»Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt« (Eph 3,17-19)

Wenn der Apostel Petrus vom "Christus im Herzen" spricht, dann meint er weniger die Erkenntnis nach Innen, sondern die Ausstrahlung nach Außen und er mahnt in aller Eindringlichkeit: »haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!« Noch im selben Vers führt er aus, was es konkret bedeutet, Christus im Herzen zu heiligen: 
»Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt« (1Petr 3,15)

Das ist es wahrlich, das Stefan Oster in Passau bereits eifrig tut, und ich habe nicht den leisesten Zweifel, dass auch der Freiburger Stephan (mit ph!), der seine "Burgen", ein Bild für das himmlische Jerusalem!, im Wappen trägt, genau dies auch tun wird.
Es wird eine spannende Zeit! Beten wir für das Anbrechen eines neuen Tages in dieser sonst so lauen und bequemen Kirche in deutschen Landen!

Freitag, 30. Mai 2014

Es ist Stephan Burger!

Stephan Burger ist mit dem heutigen Datum designierter Erzbischof von Freiburg und damit Metropolit Der Oberrheinischen Kirchenprovinz (mein Senf dazu: hier).
Deo gratias!
Ich geh jetz feiern.

Die Weihe findet am 29. Juni, am Fest Peter und Paul, um 14 Uhr im Freiburger Münster statt.


Christus in cordibus - Christus in den Herzen

Donnerstag, 29. Mai 2014

Der neue Erzbischof von Freiburg?

Wenn es stimmt, was die "Bild" berichtet (s. hier), dass Stephan Burger, bisher Offizial in Freiburg, der neue Erzbischof wird, dann stehen uns interessante Zeiten bevor. 

Meine spontane Reaktion: WOW! Krass! WTF?
Jeder den ich kenne, hatte Stephan Burger genau aus dem Grund nicht als möglichen Kandidaten gesehen, weil er als "konservativ" gilt. Als ich ihn vor einigen Monaten mal in einer lockeren Runde als "geeignet" erwähnte, wurde ich dafür ausgelacht: "nie und nimmer wählen die den".
Alle sind sich darin einig, dass er ein sehr guter Priester ist, der eine innige Verbundenheit mit der Kirche pflegt... man sagt ihm sogar eine Affinität zur gregorianischen Messe nach (angeblich wurde ihm nach dem Erscheinen von Summorum Pontifikum vom früheren Bischof explizit untersagt, im usus antiquior zu zelebrieren). Letzteres ist leicht zu glauben, wenn man weiß, wie er die hl. Messe zelebriert (nämlich so, wie es sein soll!).

Aber nach dieser anfänglichen Euphorie mache ich mir doch auch Sorgen... Es wird großes diplomatisches Geschick brauchen, die zerrissene Diözese wieder zu flicken. Das spreche ich ihm keineswegs ab, habe aber bedenken, ob er sich in der neuen Aufgabe selbst treu bleiben kann. Dann müsste er nämlich postwendend die berüchtigte Handreichung zurückziehen. Das würde dann aber zu ganz gewaltigen Krawallen führen, weil damit das liebste Kind seines Vorgängers, der Dialogprozess, ganz gehörig in die Schranken gewiesen werden würde, denn dessen wichtigstes und greifbarstes Ergebnis im Erzbistum Freiburg ist ja gerade diese Handreichung. Mancher meint schon, dann käme es zum Schisma.

Ich hatte mich bereits schwer gewundert, als Stephan Burger letztes Jahr zum Domkapitular ernannt wurde... "setzt Erzbischof Zollitsch auf seine alten Tage doch noch einen Akzent in eine brauchbaren 'katholische' Richtung?"...  jetzt wundere ich mich erst recht... DIESES Domkapitel wählt ausgerechnet IHN? Wer stand denn da sonst noch auf der Dreierliste, die aus Rom zurückkam? Die Bischöfe Tebartz-van Elst und Mixa? hmm...

Ist das nun eine Morgendämmerung?

Mittwoch, 28. Mai 2014

Zur Lage in Freiburg

Wie über den katholisch-theologischen Buschfunk in Freiburg zu vernehmen ist, hat das Domkapitel gestern (oder vorgestern?) den Nachfolger von EB Zollitsch gewählt. Das Wahlergebnis wird aber wohl erst am Freitag bekanntgegeben werden, weil sich der dies zu verkündigen habende Apostolische Administrator gegenwärtig noch in Regensburg beim Katholikentag aufhält.

Die Dreierliste kam bekanntlich bereits vor Ostern aus Rom zurück und vermutlich wurde mit der Wahl bewusst gewartet, bis die Diözesanversammlung rum war (s. hier; bislang war noch nicht zu vernehmen, ob der ex-Bischof der "Bitte" der Diözesanversammlung nachgekommen ist, der "Handreichung" mit seiner Unterschrift "mehr [*hust*] Verbindlichkeit" zu geben).

Ich bin optimistisch gestimmt und tippe auf Klaus Krämer, den Präsidenten von missio in Aachen und Nationaldirektor für die Päpstlichen Missionswerke in Deutschland. Es spricht einiges für ihn als "vernünftige" Wahl: Karriere machte er unter Walter Kasper in Rottenburg-Stuttgart, dessen Sekretär er auch war, wurde der jüngste Domkapitular, hat sich aber bald nach dem Einzug von Bischof Fürst anders orientiert und ist sodann nach Aachen gegangen. Man munkelt, sein Ausscheiden aus dem Domkapitel habe mit der Liberalität unter Bischof Fürst zutun.  Krämer hat viele gute Kontakte nach Freiburg, da er hier und in Tübingen studierte und von 1997 bis 2000 auch in Freiburg (über Thomas von Aquin) promoviert hat. Habilitiert wurde er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar, wo er auch Dogmatik und Missionswissenschaft doziert. Vor bzw. parallel zu seiner theologischen und priesterlichen Laufbahn hat Krämer übrigens bereits ein Jurastudium abgeschlossen. Er ist ein eher unbekanntes Gesicht, mischt sich nicht in schwelende Debatten ein, kennt aber die, die sich daran beteiligen. Konkret heißt das: Er unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Vertretern auf beiden Seiten jenes ideologischen Grabens, der sich während (und wegen?) der Regierung der letzten beiden Erzbischöfe aufgetan hat. Die Diözese ist inzwischen dermaßen zerrissen, dass ein Brückenbauer dringend nötig ist, damit es keinen unheilbaren Bruch gibt. Klaus Krämer ist jung, charismatisch, gut im Organisieren und er kann gut mit Medien umgehen (heute gewiss ein nicht unwichtiges kriterium!). Dem Vernehmen nach, gilt er auch Konservativen als "gut katholisch". 2003 wurde er zum Monsignore ernannt, 2005 Päpstlicher Ehrenprälat. 
Schließlich ist wohl auch wichtig: Krämer kommt "von Außen"! Denn das Ordinariat hier in Freiburg ist innerlich ziemlich verfault und der ganze Laden muss dringend mal ausgemistet werden... siehe die Handreichung des Seelsorgeamtes und die verschiedenen klerikalen Ungehorsamsaufrufe (beides mit Unterstützung aus dem Domkapitel!).

Am Freitag wissen wir's. Spannend!

Sonntag, 25. Mai 2014

Nachwort zur Diözesanversammlung

Gestern ging die zweite Diözesanversammlung in der Erzdiözese Freiburg zuende. Dieses Mal hatte ich keine Zeit, sie zu verfolgen oder mich auch nur im Vorfeld näher damit zu beschäftigen, und ich kenne auch niemanden gut genug, der daran teilgenommen hat, um jetzt schon mit nützlichen Hintergrundinfos aufzuwarten. Vielleicht kommt im Laufe der Woche noch was.
Das Ergebnis ist nicht überraschend: man will den eingeschlagenen schismatischen Kurs mit viel Elan fortsetzen.
»Die „Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg“ (2013) wird weiterentwickelt und um einen Gestaltungsvorschlag für eine Feier ergänzt, in der das Paar und sein Weg gesegnet werden. Der Erzbischof wird gebeten, durch seine Unterschrift der Handreichung eine höhere Verbindlichkeit zu geben und sich für ein Arbeitsrecht ohne automatische Kündigung und Einstellungsverbote für Wiederverheiratete einzusetzen.«

Immerhin scheint man sich der Fragwürdigkeit dieses Kurses bewusst zu sein, da man den Erzbschof "bittet", er möge doch dem unsäglichen Dokument mit seiner Unterschrift "eine höhere Verbindlichkeit" geben. Was natürlich an der Tatsache nichts ändert, dass das Dokument einen eklatanten Rechtsbruch darstellt und mit der katholischen Lehre und Disziplin völlig unvereinbar ist. Dass man sich auf der Versammlung offenbar besonders viel Mühe gab ständig von "Kollegialität" zu reden kann gleichfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass solch ein diözesaner Alleingang das genaue Gegenteil davon ist.
Ansonsten gab es viel Gelaber und Gesülze, die "Empfehlungen" kann man hier (klick) nachlesen. 
(Interessant finde ich, wie unbekümmert man in diesen Empfehlungen vom "Erzbischof" spricht... offenbar fällt die Abnabelung nicht leicht. Um das mal klar zu haben: Freiburg hat gegenwärtig keinen Erzbischof, die Kathedra ist vakant! Was wir haben ist ein so genannter Apostolischer Administrator, dessen Posten zufälligerweise - und nur, weil sich der Papst aufgrund seiner universalen Vollmacht über das örtliche Partikularrecht hinweggesetzt hat [darum: Apostolischer A.] - von dem gleichen Mann ausgefüllt wird, der früher einmal Erzbischof von Freiburg war. Den Job könnte genausogut auch irgendein Priester übernehmen. Es gibt jedenfalls keinen Grund anzunehmen, dass der Nachfolger von EB Zollitsch das Trauerspiel einfach weiterführen wird.)


Was zum Schmunzeln gibts dann aber doch noch: Wie man in diesem Video (klick) am Anfang sehr gut sehen kann, lagen auf den Stehtischen im Tagungszentrum überall Kreisel mit dem Logo der Versammlung aus (s. Bild)... Wie passend! Man dreht sich um sich selbst... Viel Bewegung, aber nichts bewegt sich. Endlich mal eine sinnvolle Verwendung von Kirchensteuermitteln!

Dienstag, 13. Mai 2014

latente Kirchenspaltung

Wäre ich noch auf meinem Weg zur Taufe, ich müsste mich in diesen Tagen ernsthaft fragen, ob es in Deutschland nicht inzwischen mindestens zwei, eher mehrere, "katholische Kirchen" gibt... und welcher ich eigentlich angehören möchte.

Während der Bischof von Münster ganz klar sagt, dass zivil wiederverheiratet Geschiedene die Kommunion nicht empfangen können, ist genau diese Praxis im Erzbistum Freiburg ganz offiziell erlaubt, mit Formvorschlägen für Segensfeiern und allem, was dazu gehört.
Hier geht es nicht um irgendeine disziplinarische Angelegenheit, sondern um den Glaubensschatz der Kirche, näherhin um die Bedeutung von Eucharistie und Ehesakrament!

Ich würde auf den Gedanken kommen, mir "meine Kirche" aussuchen zu können/müssen: Gehe ich nach Münster, oder bleibe ich in Freiburg? Je nach Lebenssituation könnte so mancher Gläubige auf die Idee kommen, sich sein Bistum entsprechend des dort jeweils Praktizierten auszusuchen... offenbar gibt es da ja beachtliche Differenzen in dem, was die jeweiligen Hirten und Glaubenshüter so hüten...

An Bischof Genn geht mein Dank für seinen Mut, die Wahrheit zu sagen. Aber es wirft doch Fragen auf, warum ein Bischof, der einfach nur die Wahrheit sagt, so "heraus ragt"...

Das betrifft natürlich auch andere Themen... etwa Lebensschutz: In manchen Bistümern werden die Gläubigen in ihrem Einsatz für das Leben unterstütz, in anderen wird ihr Engagement unter Strafandrohung verboten.
In manchen Bistümern wird offen, abgenickt vom Ordinariat, gerne auch zu offiziellen Anlässen im Priesterseminar vor Ort, für Frauenordination geworben, in anderen wird derlei chronische geistige Umnachtung klar abgewiesen.
usw. usf.

Da kann man als einfacher Gläubiger eigentlich seine Zuflucht nur noch jenseits der Berge suchen...
Ich will meinen rechtmäßig bestellten Hirten aber nicht umgehen! Ich will ihm auch nicht misstrauen müssen oder bei jeder Äußerung nur auf die Abweichungen von der "gesunden Lehre" und Disziplin warten, weil ich schon so daran gewöhnt bin, dass soetwas kommt (Breitseiten gegen Rom, Verunglimpfungen kirchlicher Lehren, Missachtung liturgischer Normen etc. pp.). Ich möchte meinem Bischof vertrauen können und mich nicht an andere Bischöfe oder den Papst wenden müssen, wenn ich einfach nur wissen will, "wie es ist"! Gott sei Dank gibt es den Papst; aber der unmittelbare Bezugspunkt für jeden Katholiken sollte eigentlich sein Bischof sein! (Mit dem Pfarrer ists das gleiche Problem, aber darum gehts hier ja grad nich.) Nochmal (vgl. hier): Ich möchte einen Bischof, dem ich vorbehaltlos vertrauen kann in dem was er sagt und tut. Ich habe es satt, mich (Internet sei Dank) nach Bamberg, Eichstätt, Köln, Salzburg, New York oder Rom wenden zu müssen, wenn ich Rat und Hilfe von offizieller Seite suche!

Ob der in zweiter Zivilehe Lebende katholische Kirchensteuerzahler in Münster wohl mit Neid nach Freiburg blickt und für sein eigenes Bistum das Ressentiment schürt? Spielt er vielleicht gar mit dem Gedanken an eine "Konversion" per Umzug? 
cuius regio, eius religio?

Donnerstag, 8. Mai 2014

liebliche Abtreibung?

Abtreibung als freudiges Ereignis... auf Video aufgenommen... Mir ist bei der Lektüre gestern Abend kotzübel geworden (das Video habe ich nicht gesehen). 

»I knew the cameras were in the room during the procedure, but I forgot about them almost immediately. I was focused on staying positive and feeling the love from everyone in the room. I am so lucky that I knew everyone involved, and I was so supported. I remember breathing and humming through it like I was giving birth. I know that sounds weird, but to me, this was as birth-like as it could be. It will always be a special memory for me. I still have my sonogram, and if my apartment were to catch fire, it would be the first thing I'd grab.
[...]  
There were hateful responses [...].
Still, every time I watch the video, I love it. I love how positive it is.
[...]
I didn’t feel bad. I do feel a little irresponsible and embarrassed about not using birth control. I mean, Emily, wake up! What are you doing? I was going against the advice I give to patients all the time. So I had them put an IUD in after the abortion. I was able to learn and move forward. And I am grateful that I can share my story and inspire other women to stop the guilt.« (Quelle)


Satan ist fleißig! 

Achja: Ausgerechnet gestern wurde auch öffentlich, dass mein Erzbistum die Aktion 1000plus verboten hat. Die Stellungnahme von Pro Femina ist hier (klick; pdf) einzusehen. Aus der Stellungnahme wird ersichtlich, dass das EB Freiburg sich nicht die Mühe gemacht hat, irgendetwas über die Aktion in Erfahrung zu bringen... oder auch nur mal mit ihr in Kontakt zu treten (und das in einer Diözese, die sich gern als Vorreiter in Sachen "Dialog" betrachtet)... "typisch Freiburg", muss ich da leider sagen: Wenn es nicht offiziell kanalisiert und mit viel Papierkram abläuft, existiert es nicht. bzw. darf es nicht existieren.
Lesetip: hier, bei Peter.

Oremus!

Mittwoch, 15. Januar 2014

BDKJ und der Bildungsplan

War ja klar (von hier)... wie üblich in Freiburg.
»Der BDKJ in der Erzdiözese Freiburg unterstützt die Initiative der Landesregierung, die Akzeptanz sexueller Vielfalt im Bildungsplan 2015 zu fördern.« 

Auch nett: 
»Es sei wichtig, dass ein Raum geschaffen wird, indem Schülerinnen und Schüler ohne Vorbehalte über die ganze Vielfalt der möglichen Lebensentwürfe informiert würden. So könnten sie lernen, ihren eigenen Weg zu finden und die Präferenzen anderer wertzuschätzen.«

"Lebensentwürfe", "Präferenzen"...
Kann mal bitte jemand diesen ganzen Verein einmauern oder vergraben? 

Nachtrag: Der Diözesanrat in Freiburg macht offenbar auch mit (s. hier). Na, wenn die sich mal nicht abgesprochen haben!

Sonntag, 5. Januar 2014

Erzbischof Robert

Vielleicht eine Fortsetzung von hier.

Vorhin sah ich bei einem Spaziergang den Apostolischen Administrator Bischof Robert Zollitsch zum ersten mal seit dem Ende seines Amtes als 
Erzbischof von Freiburg in "privat", als er wohl gleichfalls spazieren ging.

Nicht groß an Gestalt, aber kerzengerade mit kleinen flinken Schritten dahergehend, wirkt er einerseits überraschend fidel, erscheint zugleich aber körperlich älter, als er ist. Zugleich scheint es ihm offenbar gesundheitlich besser zu gehen, als noch vor einem Jahr.

Er ist nicht verbittert, wie so manche leitende Persönlichkeit in Limburg (s. hier), und wirkt auch nie so. Immer wenn ich ihn gesehen habe oder ihm begegnet bin, wirkte er sehr beschäftigt, manchmal auch befremdend gleichgültig.

Er trägt meist eine recht evidente Maske die alle lieb hat, kann aber auch durchaus mal wütend sein. Bei aller Nettigkeit und dem offenkundigen Bestreben, niergends anzuecken, kann er auch (äußerst selten) mal ungehalten und deutlichen Wortes sein. Übrigens wirkt er im normeln Gespräch ganz anders (und bei weitem angenehmer!) als etwa auf der Kanzel oder am Rednerpult... er redet dann auch ganz anders, was Stimmlage, Geschwindigkeit, Satzfluss angeht... sehr faszinierend.
Was ich vermisse ist ein christliches (zumal katholisches) Profil, da bei aller political correctness es bei offiziellen Angelegenheiten nur äußerst selten passiert, dass man anhand des Gesagten überhaupt merkt, dass man es mit einem katholischen Bischof zutun hat und nicht etwa mit einem Politiker, Schöngeist oder Nachrichtenmoderator.

Ich freue mich, dass es ihm gesundheitlich wieder besser geht (hinter vorgehaltener Hand legten ihm hier in Freiburg so manche schon seit Jahren einen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen nahe) und habe ihn auch weiterhin als "meinen Bischof" im Gebet, auch wenn er es juristisch gesehen nicht mehr ist. Ich bin aber doch froh, dass jetzt mal ein Generationenwechsel ansteht.
Wie jeder regelmäßige Leser dieses Blogs weiß, bin ich nicht stolz auf EB Zollitsch und fühle mich des öfteren richtiggehend verarscht, weil ich mich im Blick auf die Weltkirche von ihm allein gelassen fühle, aber die ungehorsamen Priester regelrecht von ihm belohnt werden (ganz zu schweigen davon, dass deren "Forderungen" in schöner Regelmäßigkeit von seiner Exzellenz amtlich umgesetzt werden...).

In diesen Tagen wird mir neu bewusst, wie schwierig das Verhältnis zum eigenen teilkirchlichen Hirten sein kann... Die Theologie macht es einem auch nicht gerade einfacher, wenn einem sämtliche Rechtsbeugungen und -brüche, alle Ungereimtheiten und Fragwürdigkeiten, alle Oberflächlichkeit und alle gleichermaßen politisch korrekten wie dogmatisch/moralisch fragwürdigen Ausweichaktionen ständig ins Auge springen. 
Neulich habe ich auch einen unserer emeritierten Weihbischöfe erleben dürfen und war danach alles andere als gestärkt (ob es daran lag, dass er, trotz zahlreicher junger Leute in der Kirche, sich in seiner Predigt teils implizit, teils aber sogar explizit, nur an die Graumelierten gewandt hat?). 
Ich fühle mich nicht geleitet und behütet, sondern gehätschelt und geknebelt.

Es ist schon gut, dass sich die Diözesen nicht selbst ihre Hirten geben (s. hier). Ein Volk hat immer die Politiker, die es verdient. Wenn aber ein Bischof sein Bistum spirituell runterwirtschaftet, braucht es eine Intervention von Außen. Bequemlichkeit ist immer auch Anzeichen eines mangelnden Gottesbezugs, denn wir sind immer nur Pilger auf Erden. Ein Bischof muss seine Herde auf die Weide führen, nicht die Inneneinrichtung des Stalls designen.
Dass gerade mein EB seit Jahren mantraartig vom "Aufbruch" spricht (s. hier), hatte von Anfang an einen bitteren Beigeschmack, hat sich zunehmend aber zu einem orwellschen Alptraum entwickelt.


Aus dem Messbuch (zur Wahl eines Papstes oder eines Bischofs):

Ewiger Gott, du bist der Hirt,
der seine Herde beschützt
und durch die Zeiten führt.
Gib der Kirche von Freiburg einen Bischof,
dessen heiliges Leben dir gefällt
und dessen Hirtensorge deinem Volk
den rechten Weg weist.


PS. Das hier beschriebene sind rein persönliche Eindrücke, wie ich den EB in den letzten Jahren erlebt und mich dabei gefühlt habe. Es ist kein Urteil, keine Wertung und keine "gültige" Deutung angezielt.

Donnerstag, 21. November 2013

Bischofstheater

Es wird wohl ein tragikomischer Winter.

Der Freiburger Ex-Oberhirte gibt sich cool, pfeift auf die Anordnung aus Rom und die Bischöfe von Trier und München pflichten ihm offenbar bei. So weit, so schlimm.
Zum Lachen finde ich es, dass man Rom attestiert, eine Diskussion nicht beenden zu können, man selbst aber derjenige ist, der durch das Schaffen von Fakten jedwedem legitimen Diskurs den Boden entzieht. Denn die Freiburger Handreichung ist eben gerade nicht, wie der Freiburger Ex-Oberhirte gebetsmühlenartig fabuliert, ein "Diskussionsbeitrag", sondern, ich Zitiere aus dem Vorwort der Handreichung, "Sie ist gedacht als eine Orientierung für die pastorale Praxis in den kommenden Jahren." Die Handreichung versteht sich selbst als die praktische Umsetzung von... ja wovon eigentlich? Vom Ergebnis eines "Dialogs" (s. hier) wohl kaum, denn der wird ja angeblich noch geführt (und die Handreichung ist angeblich nur ein Impuls für selbigen)?

Anyway: Das Heiße bei den jüngsten Entwicklungen ist wohl die Sache mit der Vorbildfunktion... Wenn Bischöfe nun tun können, was sie wollen, und einer nach dem anderen einem römischen Einspruch ganz einfach eine Absage erteilen können, dann ist es nur logisch und konsequent, wenn die Priester ihren Bischöfen gegenüber in Zukunft genauso agieren. Zwar ist das ja de facto ohnehin schon so, aber jetzt, durch den expliziten Ungehorsam einzelner Bischöfen gegenüber Rom, ist der priesterliche Ungehorsam gegenüber dem Bischof vollumfänglich legitimiert! (Auch der bischöfliche Ungehorsam ist nicht neu, etwa wenn man an die Weigerung der Bischöfe denkt, die notwendige neue Übersetzung des Messbuches umzusetzen, nur war dieser Ungehorsam bisher nicht derart öffentlich und dermaßen dreist!) Sehr bedenklich... (über die Wirkung auf die Laien macht sich Frischer Wind gerade, hier, Gedanken)
Die letzten beiden Ungehorsamsaufrufe wurden ja inzwischen von den deutschen Bischöfen gewissermaßen ratifiziert (eben die Verweigerung der Messbuchüberarbeitung, s. hier, und die Sache mit dem Kommunionempfang, s. dazu hier). Der nächste Ungehorsamsaufruf kommt bestimmt, und diesmal wird man sich gewiss v.a. auf die nun "ungehorsamen" Bischöfe berufen, statt auf irgendwelche toten oder exkommunizierten Galionsfiguren! (Was wird wohl nächstes Mal Thema sein? Werden dann die ungehorsamen Priester ein Memorandum verfassen, in dem sie erklären, dass sie vorhaben zu heiraten [oder schon geheiratet haben], um so eine Abschaffung des Zölibats zu erzwingen? Man darf gespannt sein.)

Auf den Punkt gebracht: Warum soll denn nun bitteschön irgend ein Priester noch auf seinen Bischof hören, wenn sich doch auch der Bischof von seinem Vorgesertzten nichts mehr sagen lässt?

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll... Das fröhliche Selbstauflösen kann jedenfalls beginnen!


PS. Nur für alle Fälle führe ich mal "schisma" als neues Label ein... man weiß ja nie...

Dienstag, 19. November 2013

Der päpstliche Fragebogen

Meinungselite in Freiburg
Schon vor einigen Tagen bekam ich den berüchtigten Fragebogen samt vatikanischem und diözesanem Begleitschreiben von offiziell zugeschickt. Und ich kann nicht anders, als mich zu wundern. Besonders diesen Satz aus dem Begleitschreiben der Erzdiözese Freiburg finde ich beachtenswert: 
»[Bei der Befragung] stehen speziell bei uns in Deutschland die Fragen 3,4,6 und 9 im Fokus der Gemeinden und Diözesen. Die anderen Fragen werden seitens der Deutschen Bischofskonferenz beantwortet.«

Welche Fragen sind es damnach also, die nicht "im Fokus" stehen sollen, die "bei uns in Deutschland" nicht auf Pfarreiebene beantwortet werden sollen bzw. deren Beantwortung durch den Einzelnen dann wohmöglich rausgefiltert werden soll? Ach, nur so Nebensächliches wie die Frage nach Kenntnis und Verwirklichung von Heiliger Schrift und Lehre der Kirche im Bezug auf solch Nebensächliches wie Ehe, Familie und Sexualität (also z.B. nach Familiaris consortio und Humanae vitae).
Über die Kenntnis und die Annahme der kirchlichen Lehre möchte man offensichtlich nicht hören, was "die Basis" zu sagen hat, das machen "die da Oben" unter sich aus... Ob das damit zusammenhängt, dass "die das Oben" die "Basis" jahrzehntelang über eben jene kirchliche (und biblische) Lehre im Unklaren gelassen und zuweilen auch ohne rot zu werden belogen haben (s. Freiburger Handreichung)? Oder is das nur ein Zufall?

Die Sprüche auf den Schildern jener älteren Herrschaften (eine "Demo" gegenüber vom Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg im jahre 2010) sind ein schlagender Beweis dafür, dass die Träger keine Ahnung von der kirchlichen Lehre oder jener der Bibel haben. Das ist die Generation der Religionslehrer und sonstiger für die kirchliche (Aus)Bildung Verantwortlichen! Hier in Freiburg (und anderswo) ist das der unangefochtene und überall reich vertretene Mainstream.

Wer die kirchliche Lehre von Ehe und Sexualität kennt und nach ihr leben will, wer auch nur mal Familiaris consortio, Humanae vitae u.a.m. aufmerksam und wohlwollend gelesen hat, gehört hierzulande automatisch zu einer "Diaspora innerhalb der Kirche" und muss darauf gefasst sein, von der kirchlichen Obrigkeit nicht nur ignoriert, sondern auch regelmäßig vor den Kopf gestoßen zu werden. Wenn wir kirchliche Unterstützung suchen, dann finden wir diese anderswo, nämlich weltkirchlich (z.B. was der Päpstliche Rat für die Familie herausgibt, was aber zumeist nicht von der DBK verlegt wird!), beim Salzburger Referat für Ehe und Familie oder auf den Homepages US-amerikanischer Diözesen. In deutschen Landen herrscht weitestgehend Ebbe. Peinlich. Aber verständlich, dass man diesbezügliche Rückmeldungen an "Rom" besonders energisch kontrollieren will.
Das ist jedenfalls die Realität, und genau das will man schön für sich behalten. Ich schicke meinen ausgefüllten Fragebogen jedenfalls nicht "an Abteilung I, Pastoral", sondern samt kleinem Begleitbrief direkt nach Rom, und ich werde auch diese Knebelung nicht unerwähnt lassen.

Montag, 7. Oktober 2013

"Wiederverheiratete" im EB Freiburg...

Das Folgende soll ein erster Eindruck sein, für mehr als einen kursorischen Blick in das behandelte Dokument (und v.a. auf die Frage des Sakramentenempfangs) fehlt mir die Zeit.

»In der Folge einer verantwortlich getroffenen Gewissensentscheidung kann in der konkreten Situation aber auch die Möglichkeit gegeben sein, die Sakramente der Taufe, der Heiligen Kommunion, der Firmung, der Versöhnung und der Krankensalbung zu empfangen, insofern die erforderliche konkrete Glaubensdisposition vorhanden ist. Die Gemeinde und demzufolge auch die Kirche als Ganze werden so als Gemeinschaft erlebt, in der Versöhnung mit der Lebensgeschichte möglich ist und sich auch konkret vollzieht.«

So die "Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg", die heute vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt veröffentlicht wurde (s. hier).
Natürlich unterlässt man es geflissentlich, zu erklären, was eine "verantwortlich getroffenen Gewissensentscheidung" denn nun wohl sei (Kardinal Meisner erklärt dazu hier einige sehr wichtige Dinge), man erklärt aber, wie diese zustande kommen soll, nämlich, in nuce, durch "drüber reden": 
»Ein seelsorglicher und theologisch fundierter Gesprächsprozess der Partner bzw. eines der Partner mit dem Pfarrer zielt darauf hin, dass das Paar bzw. einer der Partner für sich eine verantwortete wirkliche Gewissensentscheidung treffen kann. Diese vor Gott, im Glauben an Ihn und im gemeinsamen Gespräch entwickelte geistliche Überzeugung gilt es, sowohl vom Pfarrer als auch von der Gemeinde zu respektieren.«

Recht geschickt, wird die bloße Nennung der rechtlichen Tatsachen unterlassen und stattdessen werden völlig unterschiedliche Situationen in der Textkomposition vermengt und verzahnt. Es geht von vornherein um »Paare, die sich aufgrund einer wohlüberlegten Entscheidung für eine verlässliche und personale Lebensgemeinschaft und damit für eine zweite standesamtliche Trauung entscheiden oder entschieden haben.« Die Möglichkeit einer Feststellung der Ungültigkeit der "ersten Ehe"  wird bloß als eine Möglichkeit nach dem Eingehen einer "zweiten standesamtlichen Trauung" erwogen, so als sei der Fall einer Nichtigkeit der "ersten" Ehe das Gleiche, wie ihr Fortbestehen und hätte demnach auch die gleichen Konsequenzen. Die Möglichkeit des dauerhaften Fortbestehens der "ersten Ehe" und die theologischen Konsequenzen daraus werden nicht erwähnt.
Natürlich hat man keine Texte des Lehramts, auf die man sich stützen könnte, man gefällt sich aber darin, den Freiburger Moraltheologen Schockenhoff zu zitieren, der, Überraschung!, schon seit langem kein Problem darin sieht, alles und jeden zur hl. Kommunion zuzulassen.
Irritierend wirkt denn auch dieser Passus, der dem oben zitierten vorausgeht:
»In besonderer Weise ist es angezeigt, die geistliche Entscheidung, am Leben der Kirche vielfältig teilzuhaben und bewusst auf den Empfang der Sakramente zu verzichten, zu respektieren und pastoral zu begleiten.«

Im Falle einer bestehenden (gültigen) Ehe bei gleichzeitiger Unterhaltung einer zweiten eheählichen Beziehung, ist diese Option wohl kaum v.a. eine geistliche Entscheidung, die es durch die Gemeinde zu respekltieren gilt, sondern eine Pflicht, die es durch die Betroffenen anzunehmen gilt! Natürlich ist es wichtig, dass eine Gemeinde niemanden verurteilt, der so entscheidet, aber hier wird es so dargestellt, als stünde so eine "Entscheidung" jedem frei, ungeachtet der kirchlichen Gesetze.

Bemerkenswert ist auch das angestrebte "Ziel" des Sakramentenempfangs solcher, die dies eigentlich nicht dürfen:
»Die Gemeinde und demzufolge auch die Kirche als Ganze werden so als Gemeinschaft erlebt, in der Versöhnung mit der Lebensgeschichte möglich ist und sich auch konkret vollzieht. Dies wird nicht nur von den Betroffenen positiv und stärkend erlebt, sondern hilft der ganzen Gemeinde, das barmherzige Handeln Jesu Christi am eigenen Leib zu erfahren. Alle Vorläufigkeit und Brüchigkeit menschlichen Daseins und Handelns wird auf diese Weise schon erleuchtet vom Licht der Gnade Gottes.«

Es ist erschreckend, wie hier das Handeln Gottes, seine Barmherzigkeit und seine Gnade so exklusiv am Empfang von Sakramenten festgemacht wird, ohne dass die Voraussetzungen für dieses Empfangen bedacht oder auch nur erwähnt werden. Es geht nur noch um das "erleben" und "erfahren", letztlich also um ein "gutes Gefühl" bei allen Beteiligten, nicht um Gebote Gottes (die niergendwo Erwähnung finden) oder Ähnliches. Alles wird auf die menschlichen Bedürfnisse runtergekocht, die Sakramente dienen diesen Bedürfnissen. Die zweite zivilrechtliche Ehe wird entsprechend als ein "Wagnis" eines "neuen Lebensprojekts" bezeichnet, das Heil der Seele oder die Gottgefälligkeit des Lebens haben dabei keinen Platz.
Gleich zu Beginn der Handreichung wird denn auch klargestellt, dass "das sakramentale Verständnis der Ehe" dem "Wunsch" Vieler nach einer lebenslangen Bindung entspreche. Wohl gemerkt: Nicht die Tatsache, dass die Ehe ein Sakrament (i.e. wirkmächtiges Zeichen der Gnade und Gegenwart Gottes) ist, bildet hier die argumentative Grundlage, sondern der menschliche "Wunsch", dem - zufällig? - das in der katholischen Kirche bewahret "sakramentale Verständnis" entspricht. Genausogut könnte in einem Parteiprogramm stehen, dass jenem Wunsch die von der Partei vertretene Politik entspricht... Dazu passt sehr gut, dass die Unauflöslichkeit der Ehe nur ein einziges Mal - und dann überaus beiläufig ("z.B.") in Klammern mit anderen Wesensmerkmalen der Ehe - genannt wird, wobei im Kontext freilich die Sakramentalität verschwiegen wird.


Natürlich ist die Thematik unendlich komplex. Ich habe hier des öfteren auch durchaus eine Lanze für mehr "Barmherzigkeit" gebrochen, wobei ich darunter etwas gänzlich anderes verstehe, als etwaige Memorandisten und Ungehorsamsaufrufer (wobei ich den Vorteil habe, mich auf Bibel und Katechismus stützen zu können, wärend jene nur ihr eigenes Gutdünken vorweisen können).
Diese Handreichung zeigt aber v.a. Eines: Im Erzbistum Freiburg gibt man einen Scheiss auf das, was die Kirche will, lehrt und tut, man prescht einfach wie wild voran, schafft Fakten, probiert vielleicht auch einfach nur aus, wie weit man gehen kann, bevor wieder ein Brief aus Rom kommt. Dass der Papst nun höchstselbst sich mit diesem Thema auf der kommenden Synode befassen will, kümmert trotz aller Lippenbekenntnisse niemanden: Man macht einfach trotzdem was man will. Die Geduld (eine Tugend!) wird dabei eher beiläufig auch noch abgeschafft.


PS. Passt wie Ar*** auf Eimer: katholisch.de titelt (hier) "Mehr Rechte für Wiederverheiratete"... man zeige mir die Stelle im Katechismus wo es heißt, dass es ein (dann einklagbares) Recht auf Sakramentenempfang gibt.

Montag, 23. September 2013

Das Vermächtnis des Erzbischofs

Ich muss mich mal eben etwas auskotzen... das wird etwas harsch.

Dass mein ehemaliger Bischof nun als Apostolischer Administrator seiner früheren Diözese eingesetzt ist aber den Vorsitz der DBK ihrer Satzung zuwider bis zum Ende seiner Amtsperiode ausübt, ist ein ziemlich klares Zeichen, dass man ihn von Seiten des Vatikans schnell weg haben will ohne Aufsehen zu erregen. So ist sichergestellt und ihm klargemacht, dass er im Frühjahr seinen Abschied nimmt. Wäre es anders, hätte man ihn auch genausogut als Erzbischof bis zum Frühjahr belassen können.

Ich habe mich hier ja schon des öfteren über meinen Ex-Bischof aufgeregt und ich bin sehr froh, ihn los zu sein. Meine Enttäuschung hat im Grunde genommen schon vor drei Jahren Talsohle erreicht, als er den Dialogprozess aus der Taufe hob. Engelbert Recktenwald brachte es (hier; überaus lesenswert!) mit Bischof Kamphaus auf diese Worte:
»Der Maßnahmenkatalog, den der Erzbischof vorschlägt, scheint mir die Fortsetzung des Weges in die innerkirchliche Lähmung zu sein, den die Kirche Deutschlands seit über vierzig Jahren angetreten hat und den beispielsweise Bischof Kamphaus vor fünfzehn Jahren kritisierte, als er das Kirchenvolksbegehren mit den Worten ablehnte: “Wieder mal stehen innerkirchliche Fragen an erster Stelle. Und das ist schlecht. Es dreht sich alles um die Kirche. Die Kirche dreht sich um sich selbst. (...) Wir sind auf dem besten Wege, eine Beamtenkirche zu werden, eine Funktionärskirche, die sich überall anpaßt, es allen recht machen will und niemanden verletzen will, niemandem weh tut, aber am Ende auch niemanden mehr heilt. Eine solche Kirche brauchts eigentlich nicht."*«

Es fällt mir schwer, eine irgendwie positive Laudatio auf den nun seeehr laaangsam scheidenden Erzbischof zu denken, weil ich leider auch aus nächster Nähe mitbekomme, was er alles getan und was er nicht getan hat. 
Er beraumt eine Diözesanversammlung an, die vor Ignoranz und Selbszentrierung nur so trieft, und zugleich lässt er dummdreiste Kleriker und Professoren locker-flockig einen Ungehorsamsaufruf nach dem anderen proklamieren. Professoren, die auf Anti-Papst-Veranstaltungen vor dem Besuch des Pontifex als Referenten teilnehmen (und die zwei Jahre später an der Diözesanversammlung den Atheismus predigen *hust*); Priester, die gegen das Kirchenrecht verstoßen, andere zum Ungehorsam aufrufen und sich dann als Ritter der Barmherzigkeit medial feiern lassen (z.B. hier und hier). In meiner Diözese ist die Lage sogar dergestalt richtig lächerlich, dass es keinderlei Rechtssicherheit, etwa auf Pfarreiebene, gibt: Hier kann ein Pfarrgemeinderat (der laut Kirchenrecht eine den Pfarrer beratende Funktion hat!) ohne mit der Wimper zu zucken gegen Pfarrer und Ordinariat "Beschlüsse" fassen, und nichts passiert... im Ordi guckt man nur perplex und nimmt es hin (konkret geht es um ein Obdach für die hiesigen Summorum Pontificum-Leute: der Pfarrgemeinderat einer Gemeinde, die das Ordinariat ausgewählt hatte, will in einer ihrer Filialkirchen offenbar lieber gar keine hl. Messen, als dort die "alte" Messe zuzulassen). 
Und beim letzten Ungehorsamsaufruf waren sogar ein paar hochrangige Funktionäre bei der Verabschiedung des ziemlich dümmlichen Papiers dabei (siehe hier). Folgen? Nix. Nicht einmal eine harmlose Ermahnung gab es.

Was Robert Zollitsch tat hat Lähmung und dauernde Nabelschau zur Folge. Was er unterlassen hat wird Zersetzung zur Folge haben. Aus guter Quelle weiß ich, dass etwa beim jüngsten Meilenstein des Dialogprozesses, das Forum über Liturgie in Stuttgart, wieder viel (nichtliturgische!) Politik betrieben wurde (so wurde z.B. die Sexualmoral der Kirche vom ZK-Chef Glück recht ausschweifend beharckt...) und alles in allem ein riesiges Bildungsloch in der "Deutschen Kirche" (von der dort häufiger die Rede war) klafft... die Menschen die sich dort über "Liturgie" austauschten, haben in der Mehrheit keine Ahnung, was Liturgie ist. Das hindert den ehemaligen Erzbischof freilich nicht, ganz stolz auf dieses Getue zu sein.
Ich hoffe sehr, dass es möglich ist, den größten Schaden abzuwenden... Nochmal Engelbert Recktenwald:
»Der Ausstoß von Diskussionspapieren hat noch keinen Heiligen hervorgebracht.«


Aktuell noch dies: Es wundert mich nicht übermäßig, dass ausgerechnet jetzt, da in Limburg ein Versöhnungsprozess anläuft, Robert Zollitsch nochmal einen kräftigen Hieb in die Kerbe haut, die die Medien in den letzten Monaten so emsig geschlagen haben (siehe hier). Das teure Diözesanzentrum in Limburg schade der ganzen Kirche in Deutschland. Das passt irgendwie, dass er sich so von den Medien "inspiriren" lässt. Zumal er selbst sagt, dass erst noch ermittelt werden muss, WARUM es eigentlich so teuer wurde... er weiß also selber nicht, ob es vielleicht unvermeidbar war?
Ich meine, dass die Initiativen von Ex-Erzbischof Robert und sein Nichthandeln an entscheidenden Punkten der Kirche in Deutschland sehr viel mehr geschadet haben als die Ausgaben für ein Begegnungszentrum in Limburg!


* Weiß jemand, wann/wo genau Kamphaus das gesagt hat?

Dienstag, 17. September 2013

Freiburg ohne Bischof (Update!)

Bild: dpa
Die Kathedra des Erzbistums Freiburg ist seit heute vakant. Der Papst hat den Rücktrit von Erzbischof Robert Zollitsch angenommen. Zollitsch wurde als Apostolischer Administrator bis zum Frühjahr 2014 eingesetzt und vertritt sich also erstmal selbst. 
Durchaus hinterfragbar: Der Papst hat sich über die Statuten der Deutschen Bischofskonferenz hinweggesetzt, indem er Zollitsch als Vorsitzenden der DBK bis zum Auslaufen dieser Amtsperiode im März 2014 belässt. Soviel zur Autonomie der Teilkirchen...


Update (30.09.13): Wie ich heute erfahren hab, hat der Papst sich sogar zweimal direkt und einmal indirekt über das partikulare Recht hinweggesetzt: Einmal, wie erwähnt, indem er Zollitsch den DBK-Vorsitz ließ. Aber der Papst hat sich auch dahingehend nicht an die hiesige Ordnung gehalten, als es normalerweise das Domkapitel ist, das in Freiburg die Bischofsvertretung während der Sedisvakanz wählt, er nun aber von sich aus bestimmt hat, dass Zollitsch sich selbst vertreten soll. Indirekt hat sich der Papst auch noch eingemischt, da ein Administrator eigentlich nichts wichtiges in der Diözese, die er administriert, ändern darf. Zollitsch darf aber de facto Sachen ändern und auch nach Belieben Neues anstoßen (z.B. noch mehr Dialogprozesse), nämlich weil er Vorsitzender der DBK bleibt.

Ich hoffe ja, dass sich Papa Francesco noch mehr einmischt... aber ob das Z(d)K dann auch noch jubeln wird?

Freitag, 9. August 2013

welche Geisteshaltung?

Die Warnung von EB Zollitsch vor der AfD mag kirchenrechtlich fragwürdig sein, oder auch nicht. Soll er doch seine Meinung sagen! Sie mag der AfD viele weitere Stimmen bescheren, oder auch nicht. Ich kann die AfD nicht ernst nehmen, und meinen EB in derlei Angelegenheiten spätestens jetzt auch nicht mehr.

Wiedermal besticht für mich besonders all das, was fehlt: Der EB warnt nämlich nicht vor Parteien die sich z.B. Abtreibung, Zersetzung eines jeden Ideals von Ehe und Familie, Beschränkung der Religionsfreiheit und andere durchaus mit dem katholischen Selbstverständnis unvereinbare Dinge aufs Panier geschrieben haben. (Vgl. auch hier das erzbischöfliche Schweigen bzgl. des moralischen Bankrotts bei der EKD.)
Nein: Das Geld ists! Der Euro muss bleiben! Wenns ums Geld geht, dann soll eine Partei an der 5%-Hürde scheitern! Dann muss erzbischöflich "gewarnt" werden!!
Bin ich der Einzige, der das irgendwie komisch findet?

Bei der Festmesse anlässlich seines 75. Geburtstags vorhin im Freiburger Münster waren übrigens u.a. auch die Kardinäle Wölki und Kasper, der apostolische Nuntius Jean-Claude Périsset und Erzbischof Georg Gänswein Konzelebranten. Die Predigt von Kardinal Kasper, die im Wesentlichen eine Laudatio auf das Geburtstagskind war, kam mir etwas wunschträumerisch vor... wenn es nur so wäre!


Nachtrag: Übrigens sitzt das Geld beim EB selbst recht Locker... anlässlich des Geburtstags wurde das Freiburger Konzerthaus gemietet und Frank Elstner als Moderator des dortigenm Festaktes angeheuert. War all das wirklich notwendig?

Samstag, 22. Juni 2013

Die Relevanz der Bischöfe

Nun war ich ja schon am Beginn meines katholischen Weges Ratzinger- bzw. Papstfan und habe mir daher auch immer wieder seine öffentlichen Auftritte und die darin enthaltenen Predigten und Katechesen nicht entgehen lassen. Jede Woche gab und gibt es auch beim Nachfolger mindestens zwei Gelegenheiten dazu.

Immer wenn ich von manchen Theologen und Möchtegernkirchenvertretern höre, die Bischöfe sollten mehr Eigenverantwortung erhalten und weniger vom Papst abhängen, komme ich nicht umhin, mich zu wundern. 
Zunächstmal, weil immer so getan wird, als dürften die Bischöfe nicht einmal den Mund aufmachen, ohne vorher in Rom um Erlaubnis zu fragen. Was nicht stimmt. Zum anderen, und das ist hier das Thema, sehe ich ehrlich gesagt nicht, womit das gerechtfertigt wäre.

Mein Bischof z.B., Eminenz Dr. Robert Zollitsch. Von dem bekommt man nur sehr selten etwas mit. Etwa 50 Wochen im Jahr lebt es sich in der Erzdiözese ganz prächtig, ohne dass der EB irgend eine Rolle spielt. Ich sehe ihn häufiger morgens, wenn er gerade aus seinem Haus kommt, als (auch vermittels Medien) in seiner Funktion als Bischof. Und wenn das dann doch mal passiert, hat er wiederum nur sehr selten etwas sinnvolles zu sagen (in sieben Jahren habe ich exakt zwei sinnvolle und aufrüttelnde Predigten von ihm gehört... können tut er es also... theoretisch). Den Papst im fernen Rom sehe, höre und lese ich jede Woche und ich nehme jedes Mal etwas mit im Herzen und im Kopf. Soll das etwa so sein?

Was ich sagen will: Wenn die Bischöfe mehr zu sagen haben wollen, dann müssen sie erst mal anfangen etwas brauchbares zu sagen! Bevor man anfängt, die von Gott gestiftete hierarchische Verfasstheit der Kirche (die auch Papst Franziskus bisher seinen Hörern sehr deutlich eingeschärft hat) zu zerpflücken um den Bischöfen vermeintlich mehr Relevanz und Einsatzfähigkeit zu verleihen, sollten die werten Herren Bischöfe gefälligst anfangen, sich relevant zu machen und Einsatz zu zeigen! Eine gähnend langweilige, lasche, nichtssagende und allen irgendwie genehme Rede alle paar Wochen reicht nicht! Ein Auftreten ohne Ecken und Kanten das sich an nahezu jede Meinung anschmiegt verdient gar keine Relevanz. Das Hasten von Gremium zu Gremium, von Sitzung zu Sitzung und das Dialogisieren, wo es nichts zu dialogisieren gibt, ist eben nur sehr bedingt ein Einsatz für die Menschen. Und Interviews, die die katholische Identität beharrlich verschweigen (hier), gehen gar nicht.
Wenn die Bischöfe wollen, dass ihre jeweilige Ortskirche sie als Hirten überhaupt wahr- und dementsprechend ernstnimmt, dann sollen sie bitteschön auch als Hirten handeln! Allein schon die beständige Sichtbarkeit des Hirten kann eine Herde beisammen halten.

Bischöfe sollen ermahnen und ermutigen, sie sollen sich einmischen, unbequem und v.a. DA sein. Sie sollen lehrend und fürsorglich auftreten und nicht nur von Gremium zu Gremium tänzeln (deren Vermehrung mein EB infolge der Diözesanversammlung fleißig zu betreiben scheint)... und Kunstwettbewerbe veranstalten. Ein Bischof soll Widerständen standhalten und die Herde stärken; sie verteidigen gegen die Wölfe von Außen und die schäflich umgarnten Karnivoren im Innern.
Die Ausrede, es sei ja die Abhängigkeit von Rom, welche die Bischöfe erst zu den violetten Verwaltungsbeamten die sie sind werden ließ, halte ich für Nonsens, da es genug Beweise für das Gegenteil gibt (also Bischöfe, die offenkundig keine reinen Verwaltungsbeamten sind). Der Wohlstandsstruktursumpf gerade in Deutschland ist das Problem.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier in Freiburg, sollte einmal ein absolutistisches Regime an die Macht kommen, sich die Gläubigen mit ihrem Bischof im Dom verschanzen würden um ihn vor der Deportation zu schützen... die meisten würden ihn vermutlich gar nicht auf der Straße erkennen und sein Fehlen wenn überhaupt erst an Fronleichnam bemerken... Wobei es bei der gänzlichen Unauffälligkeit des gegenwärtigen Bischofs vermutlich erst gar nicht zu solch einer Deportation käme...
Das "Aufrüttelndste", was ich im Verlauf der letzten Jahre von meinem Bischof mitbekommen habe war, dass er die neuen Pastoral- und Seelsorgeeinheitspläne jedesmal über Bord geworfen hat, just nachdem wir in monatelangem Ringen auf Pfarreiebene und zwischen den Pfarreien endlich damit zurande gekommen waren. So kann man natürlich auch die Ehrenamtlichen beschäftigen... und bürokratisch verheizen.
Ist das Hirtensorge?

Wenn die Hirten sich ihrer Herde zeigen und so beweisen würden, dass sie eine Daseinsberechtigung jenseits der Bürokrartie haben, dann werden wir ja sehen, wie nötig und v.a. berechtigt eine Reform der gesamtkirchlichen Verfassung wirklich ist. Eine gewisse Dezentralisierung wäre sicherlich nicht einfachhin schlecht... wenn nur, ja wenn nur der örtliche Hirte sich auch wirklich als ein solcher erweisen würde! Aber leider beweisen gerade auch die deutschsprachigen Bischöfe, wie nötig der Primat Roms ist... andernfalls ginge es bei uns vermutlich genauso drunter und drüber wie in der EKD... ein befreundeter evangelischer Theologe spricht mir zuweilen seinen Neid aus, weil wir Katholiken so ein überaus sinnvolles ständiges Korrektiv, einen beständigen Mahner und Ermutiger (d.i. Papst) haben, der den Protestanten schlicht fehlt.


Übrigens: Auch vor über 1600 Jahren hatte es ein Bischof nicht leicht...
»Du darfst dich nicht darüber wundern, daß du unter Prüfungen und Hindernissen den Thron übernehmen mußt. Mit allem Großen sind Heimsuchungen und Prüfungen verbunden. Es ist naturgemäß, daß geringfügige Dinge sich mit leichter Mühe, Großes dagegen mit vieler Anstrengung erreichen läßt. Du hast das Wort gehört: „Unter vielen Trübsalen müssen wir in das Himmelreich eingehen.” (Apg 14,21) Auch du sollst sagen: „Durch Feuer und Wasser sind wir gegangen; aber du hast uns zur Ruhe geführt.” (Ps 65,12) Wie wunderbar: „Am Abend herrscht Wehklagen, am Morgen Jubel.” (Ps 29,6) [...] Lehre Gott, den Vater, Gott, den Sohn, Gott den Heiligen Geist in drei Personen und in der einen Majestät und Herrlichkeit anbeten! Suche das Verlorene, stärke das Schwache, erhalte das Starke (vgl. Ez 34,4)! [...] Von den höheren Führern sollst du eine noch bessere Waffenrüstung erhalten, welche dich befähigt, „die feurigen Geschoße des Bösen zu löschen” (Eph 6,16) und dem Herrn ein vollkommenes Volk, ein heiliges Geschlecht, ein königliches Priestertum (1 Petr 2,9) vorzuführen in Christus Jesus, unserm Herrn, dem die Ehre sei in alle Ewigkeit! Amen.«
(Aus der Rede von Gregor von Nazianz, siehe Bild, an den Bischof Eulalius zu dessen Bischofsweihe)

Freitag, 21. Juni 2013

Ein absurder Aufbruch


Die Quellen der kirchlichen Lehre (und also des Glaubens dieser Kirche und ihrer Glieder) sind die Bibel und die Tradition. Bei der Tradition kann man drei Teile Unterscheiden: 1. Die Lehre der Kirchenschriftsteller, besodners der Kirchenväter und Kirchenlehrer, 2. die Lehrtradition, v.a. in Form von Konzilien, päpstlichen Schreiben oder Katechismen, und schließlich 3. die Liturgie.

Die Liturgie ist eine Quelle der Lehre der Kirche. Sie ist zwar keine Offenbarungsquelle, aber sie ist doch hinreichend insofern, als man, theoretisch, allein anhand der Gesamtheit der approbierten liturgischen Texte (Gebete, Präfationen, Anrufungen, Segensformeln, Hymnen, Antiphonen etc.), ohne Katechismen oder sonstetwas zu konsultieren, die gesamte Glaubenslehre erfahren könnte.
Die Kirche betet, was sie glaubt und sie glaubt, was sie betet.

Das Zentralmassiv dieser liturgischen Texte war und ist das Messbuch der römisch katholischen Kirche. Weshalb sich ja auch Bonifatius, der Apostel der Deutschen, sehr darum bemühte, ein römisches Messbuch mit auf seine Mission zu nehmen, und warum Karl der Große mittels des römischen Missales nicht wenig zur Vereinigung des Abendlandes beitrug. (Leider enthält das aktuelle deutsche Messbuch zahlreiche gravierende Fehler [z.B. dies], weshalb schon seit Jahrzehnten an einer Neuübersetzung gearbeitet wurde, welche inzwischen abgeschlossen und von Rom abgesegnet ist.)

Der Text des aktuellen Freiburger Ungehorsamsaufrufs (s. hier) - der, obzwar er sich nicht so nennt, mit seiner "Befürchtung einer Spaltung" jedoch wenig subtil genau mit dieser Spaltung unverwunden droht - dieser Text offenbart in ungeahnter Freizügigkeit etwas Erstaunliches: Die Existenz einer eigenen Religionsgemeinschaft mitten in der Körperschaft des öffentlichen Rechts "Katholische Kirche in Deutschland".

Eine andere Erklärung will mir nicht einfallen, wenn die Unterzeichner des Aufrufs fabulieren, dass sie "hin­ter [den Textformulierungen] nur schwer ste­hen kön­nen", und sie vollmundig bekunden: "Wir kön­nen nur das glaub­wür­dig wei­ter­ge­ben, was wir selbst glauben."
Das heißt doch aber nichts anderes als: Das was im Messbuch der römisch katholischen Kirche (im Original!) steht, das glauben wir nicht.
Oder irre ich mich?

Liebe Aufbrüchler: Wenn ihr nicht glaubt, was die Kirche glaubt, dann seid so ehrlich und haut endlich ab! Niemand zwingt euch, dieser Kirche anzugehören.

Das Ganze ist, wiedermal, ein lächerliches Schauspiel. Hier geht es nicht um Wahrheit oder Redlichkeit. Es geht nur um das Brüllen an sich. Es ist der neue Konservativismus, der sich an das "Erreichte" klammert mit aller Macht und der kein Iota aufzugeben gewillt ist von der schönen Bausatz-Wunderwelt, die man sich geschaffen hat. Dass man überhaupt so sehr auf dieser einen speziellen Übersetzung des Messbuches beharren kann, zeigt so einiges:
Es offenbart einen bemerkenswerten Provinzialismus, der sich in einem Nischenglauben äußert, der nur im Geltungsbereich dieser Übersetzung anzuztreffen ist. Und es offenbart die Unzulänglichkeit dieser Übersetzung, da sie offenbar einen solchen Nischenglauben ermöglicht, und also die Notwendigkeit einer Korrektur, sprich: die Einführung der neuen Übersetzung.

Die Unterzeichner stellen sich selbst ins Abseits der Weltkirche. Diese schreitet ohne sie weiter.
Und die Dreistigkeit und Hinterlist trieft aus jeder Pore. Der den Text des Aufrufs abschließende "Vorschlag" der Einführung einer "Studienausgabe" ist ziemlich plumpe Augenwischerei: Seit Jahren zögern die deutschen Bischöfe die Implementierung des neuen Messbuches hinaus. Nun ist es endlich approbiert und fertig, und vermodert schön weiter in irgend einer Schublade. (Nicht einmal die Herausgabe eines Überklebsels "für viele" bringt man fertig, obwohl es vor einigen Jahren völlig problemlos möglich war, alle "Brüder" und "Söhne" in altehrwürdigen Liedern im Gotteslob zu überkleben, um auch ja nicht diskriminierend zu erscheinen... Kulturzensur ist nichts Neues.)
Jetzt eine Studienausgabe zu verlangen und einen "offenen Dialog" führen zu wollen bedeutet nichts anderes als: Das ganze Hickhack der letzten Jahrzehnte nochmal von Vorne zu beginnen. Es kann eigentlich nur die eine Agenda dahinter stehen: Verzögerung.
Direkt ins Gefängnis, nicht über Los.
Dass man keinen Dialog will, sondern an der bestehenden, nicht selten verfälschten Übersetzung festhalten will und v.a. das Wesen der Eucharistie (weiterhin) beharrlich leugnen will ("Opfersprache"), stellt der Text ja ohnehin offen heraus. Diese Leute haben m.E. den Boden des katholischen Glaubens verlassen.


Ich kann es nur als Realsatire werten, dass man sich zwar mit "Ein notwendiger Aufbruch" übertitelt, man sich dann aber die Verhinderung eines Fortschreitens (das gerade die ganze Weltkirche vollzieht!) zum Ziel setzt. Brecht auf, indem ihr bleibt, wo ihr seid!


Nachtrag (29.06.):
Inzwischen sind es 146 Unterzeichner. Scheint nicht viel mehr zu werden. Der Trend im Vergleich mit den vorherigen Initiativen ist merklich rückläufig (beim Memorandum waren es ca. 300, beim Ungehorsamsaufruf vom letzten Jahr um die 200). Zu beachten sind auch die vielen emeritierten und pensionierten Unterzeichner...

Zum Staunen kann es demgegenüber verführen, wenn man bemerkt, dass fast ein Fünftel der Unterzeichner ständige Diakone sind. Warum Staunen? Naja: Mit welchem Recht unterzeichnen die denn eigentlich diese Erklärung? Man kann die Diakone hierbei eigentlich nur als Stimmvieh klassifizieren.

In der Erklärung heißt es: "Für uns Pries­ter und Dia­kone wird es besonders schwie­rig, wenn wir Text­for­mu­lie­run­gen benut­zen sol­len, hin­ter denen wir nur schwer ste­hen kön­nen..." Nun zeige man mir bitte diese Texte, die der Diakon aus dem Messbuch zu sprechen hat und hinter denen er nicht stehen kann! Abgesehen von "Geheimnis des Glaubens", "Der Friede sei mit euch" und "Gehet hin in Frieden" gibt es da nämlich nichts... Der Diakon hat nämlich mit dem Messbuch nichts zu tun!
Noch deutlicher kann man Heuchelei (oder Dummheit?) gar nicht in Worte fassen...


Ich bin jedenfalls gespannt, was der Erzbischof jetzt macht... im grunde ist die Aktion ja bereits dadurch quasi abgesegnet, dass an dem Treffen, aus dem dieses Papier hervorging, die Dom­ka­pi­tu­lare Peter Kohl und Andreas Möhrle sowie der Pressesprecher des Erzbistums, Robert Eberle, anwesend waren (womit man sich auch durchaus brüstet).