Mittwoch, 18. Mai 2022

Das ausgesetzte Lehramt

Jesu heilige Wut im Tempel kommt einem in den Sinn: Der heilige Bischof Nikolaus ohrfeigt den Häretiker Arius.

Über die arianische Krise im 4. christlichen Jahrhundert schrieb John Henry Newman in dem Text "On Consulting the Faithful in Matters of Doctrine":

»[...] there was a temporary suspense of the functions of the "Ecclesia docens." The body of Bishops failed in the confession of the faith. They spoke variously, one against another; there was nothing, after Nicæa, of firm, unvarying, consistent testimony, for nearly sixty years. There were untrustworthy Councils, unfaithful Bishops; there was weakness, fear of consequences, misguidance, delusion, hallucination, endless, hopeless, extending itself into nearly every corner of the Catholic Church. The comparatively few who remained faithful were discredited and driven into exile; the rest were either deceivers or were deceived.«


Das trifft erschreckend genau auf die aktuelle Situation in Deutschland und im Vatikan zu... nur leider fehlt nach jahrzehntelanger Vernachlässigung der Verkündigung ein gläubiges Volk, dass es herumreißen könnte... Damals brach die Krise relativ plötzlich aus, aber im deutschen Sprachraum hat man (vgl. den Frosch im langsam sich erwärmenden Wasser) geschickt über Jahrzehnte (und Generationen) hinweg nach und nach alles verrotten lassen, bis schließlich nichts Tragfähiges mehr da ist...

Hilf, Herr!

Montag, 16. Mai 2022

Vom Kreuz geprägt

»Müssen wir nicht vor allen Sachfragen des Weltdienstes, die vielfältig und kompliziert sind, uns selber fragen, ob wir so, als die neuen Menschen, als die mit Christus Gekreuzigten den anderen und der Welt dienen wollen oder nur als Konkurrenten anderer Gruppen und damit unter deren Wertmaßstäben und Erfolgsrechnungen?

Was der Welt zum Heile dient, was die Kirche wahrhaft trägt, ist das Kreuz des Herrn. Und mit Ihm, in Seiner Gnade sind es jene, die als Jünger Christi sich selbst verleugnen und ihr Kreuz tragen. Sie machen keine Schlagzeilen. Sie erscheinen nicht in den Statistiken. Sie polieren ihr Image nicht im Fernsehen. Sie sind nicht bei den Ordinariaten registriert. Vermutlich schreiben sie auch nicht jene Bücher, von denen es dann in den Besprechungen heißt, daß sie mit atemberaubender Kühnheit alles in Frage stellen und in völliges Neuland vorstoßen. Sie sind auch sicher nicht in den Kreisen geachtet, die bissig und stur ihren gewohnten Stil als das Unantastbare und Heilige verteidigen. Aber Gott kennt sie, und sie sind kostbar in Seinen Augen.

Eigentlich müssen wir von Herzen danach verlangen, zu ihnen zu gehören. Und wenn es nicht so ist? Wenn wir unter unserem Wortgepränge verbergen, daß wir das Kreuz nicht lieben, wie es die Heiligen taten? Dann sollten wir wenigstens nicht stolz darauf sein. Nicht so souveräne Verächter der Frömmigkeit früherer Zeiten. Nicht so überheblich sicher, daß wir jetzt erst das wahre Christentum entdeckt haben.

Und wir sollten um die kostbare Gnade beten, daß unser alter Mensch ein wenig mehr sterbe und der neue Fortschritte mache- wenigstens den nächsten Schritt versuche.« (Alfred Bengsch, Kirche ohne Kreuz?, 74-75)

Freitag, 6. Mai 2022

Das Neue Testament gegen das Neue Testament

In Diskussionen mit „liberalen“ Theologen und theologisch (halb)gebildeten Gläubigen kommt irgendwann der Punkt, an dem von diesen einzelne neutestamentliche Schriften/Autoren gegen andere neutestamentlische Schriften/Autoren in Stellung gebracht werden.

Beispiel Priestertum: Bei Paulus (und in der Apostelgeschichte) finden wir reichhaltige Zeugnisse über die Organisation der ersten christenlichen Gemeinden, aus denen klar hervorgeht, dass es hierarchisch (d.h. von den Aposteln ausgehend) übertragene autoritative Ämter der Leitung und der Lehre gab (siehe meinen längeren Beitrag dazu HIER). In Erwiderung darauf ist dann etwa zu hören: „Ja, aber das ist ja Paulus. Jesus hat das nicht so angerodnet/gewollt. Das widerspricht der Botschaft Jesu, für den ‚alle gleich‘ waren.“ Insbesondere Paulus ist in solchen Diskussionen regelmäßig der große Verfälscher der wahren Botschaft Jesu.


Wenn wir einmal jene Kleinigkeit beiseite lassen, dass auch mindestens ein Evangelist uns von solchen Ämtern berichtet, nämlich der Autor der Apostelgeschichte, aus dessen Feder auch das dritte Evangelium stammt, dann offenbart so eine Haltung doch etwas Grundfalsches: Hier wird offenkundig nach eigenem Gutdünken ausgewählt, welche Schriften des Wortes Gottes authentisch sind, und welche angeblich bereits Jesu „wahre Intention“ verfälschen. Stichwort: Frühkatholizismus. Solches Auswählen nennt man im Griechischen αἱρέομαι – haireomai: ich wähle aus. Davon kommt unser modernes Wort „Häresie“, und es ist schon seit den ersten christlichen Jahrhunderten ein guter Indikator häretischer Gruppen, dass sie Teile der Heiligen Schrift ablehnen (z.B. Markionismus).

Eine Verfälschung von Jesu Botschaft etwa durch den Apostel Paulus zu behaupten ist aber auch aus historischer Sicht wenig sinnvoll. Bekanntlich ging die Verkündigung des Paulus der Abfassung der (meisten) Evangelien um einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus, und ihre Abfasser stammten womöglich aus von Paulus gegründeten Gemeinden, waren eng mit Paulus verbandelt (etwa als Reisegefährten) oder wussten zumindest von ihm und seiner Tätigkeit; in jedem Fall bestand ihre Zielgruppe, für die sie ihre Evangelien schrieben, zumindest teilweise auch aus den von eben jenem Paulus gegründeten (und mit Lehr- und Leitungsämtern versehenen) Gemeinden. Dass nun die Autoren der Evangelien die faktischen Zustände in den Gemeinden – aus denen sie selbst stammten, die sie mitbegründet oder für die sie ihre Evangelien geschrieben haben –, inklusive der von den Aposteln eingesetzten Ämter, nicht in die Evangelien hineingetragen haben, indem sie diese Gemeindeordnungen gar in den Mund Jesu legten (etwa: „Jesus sprach: Es wird Bischöfe und Presbyter und Diakone geben in euren Gemeinden, die euch leiten und lehren...“), spricht zunächst einmal für die Authentizität der Evangelien, die nicht für eine bestimmte Gemeinde oder für die Belehrung anlässlich einer bestimmten Situation in einer solchen geschrieben wurden, sondern etwas Größeres, Allgemeingültiges vermitteln wollten.

Aber es spricht durchaus auch für die Gewissheit der Evangelisten wie auch der Gemeinden, Jesu Auftrag treu zu sein: Sie wussten, dass Jesus diese Ämter, die sie haben, nicht im Einzelnen festgelegt hat, aber sie wussten auch, dass sie dennoch Jesu Willen treu sind. Darum brauchten sie diese konkreten Strukturen, die sie sich – so sind sie überzeugt – unter dem Beistand des Heiligen Geistes zugelegt haben (mit der Einsetzung solcher Amtspersonen ging stets Gebet und Fasten einher!), nicht Jesus unterzuschieben, um sie zu legitimieren. Es ist schließlich auch interessant, dass kein Autor einer neutestamentlichen Schrift irgendwelche Widerworte oder auch bloß Kritik gegen diese weit verbreitete – „sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein“ (Apg 14,23; vgl. Tit 1,5) – Ämter(struktur) äußert. Es gibt Konflikte um diese Ämter, sicher, aber genau deshalb wissen wir, dass die Apostel auf rechtmäßig (d.h. von ihnen direkt oder über Mitarbeiter) eingesetzten Ämtern bestanden haben (siehe meinen verlinkten Beitrag dazu). Das „königliche Priestertum“ aller Christen wird im NT zudem ausnahmslos ganz ohne irgendwelche Hinweise auf Leitung, Macht und „Partizipation“ erörtert (ebenso).

Schließlich, machen wir uns nichts vor: Hätten die Evangelisten in ihren Evangelien irgendetwas geschrieben, was für die konkrete Ämterstruktur in den christlichen Gemeinden relevant ist, wären die Theologen sofort zur Stelle, diese Passagen als nachträgliche Einfügungen zur Rechtfertigung des bereits (von Paulus?) verfälschten Evangeliums zu identifizieren. Oh, halt, das tun sie ja schon längst: Dass Jesus seine(!) Kirche(!) auf dem Felsenfundament (Petrus) gründen wollte, darf natürlich nicht sein... Die Argumentation solcher Theologie ist auch aus diesem Grund nicht wissenschaftlich (vgl. Meine Gedanken dazu hier), denn sie ist im Endeffekt nicht falsifizierbar: Es lässt sich immer ein „theologisches“ Argument herbeibringen, das die getätigte Behauptung „stützt“, nichts anderes ist ja letztlich die Behauptung, Paulus habe das „wahre Evangelium Jesu“ verfälscht. Und so dreht sich das „häretische“ (nach dem eigenen Gusto auswählende) Karussell weiter…


Eine Abwandlung dieses Vorgehens ist diese so oder so ähnlich oft zu hörende Stammtischfloskel: „So sicher/klar/eindeutig ist das mit [hier beliebiges, von der Kirche längst entschiedenes Thema einsetzen] gar nicht, man kann auch ganz anderer Ansicht sein, schließlich haben wir ja auch vier Evangelien, die sich oft deutlich unterscheiden oder sogar widersprechen!“

Hier wird die Tatsache, dass wir im Neuen Testament VIER Evangelien haben als Argument gegen die Existenz EINER (verbindlichen) Wahrheit oder Moral herangezogen. Das ist natürlich auch Unsinn, denn zwar stimmt es, dass wir vier Evangelien haben, die uns also vier Perspektiven auf Jesus ermöglichen. Aber es stimmt nun mal auch, dass sich diese vier Evangelien in allem Wesentlichen nicht widersprechen: Sie alle berichten über die Menschwerdung Gottes, über Jesu Tod und seine Auferstehung zu unserer Erlösung. „Widersprüche“ gibt es nur hinsichtlich der Orte oder Reihenfolge bestimmter Ereignisse, oder auch über manche Details (wie viele Engel waren in Jesu Grab? hat nur einer der mitgekreuzigten Schächer gegen Jesus gelästert, oder beide? ist Judas gestürzt, oder hat er sich erhängt?).

Bei diesem „Argument“ geht es meist noch nicht einmal um konkrete Fragestellungen, nach dem Schema: Weil Jesus nicht in jedem Evangelium Ehescheidung und Wiederheirat in gleicher Weise verbietet (nämlich nicht bei Johannes), ließe sich schlussfolgern, dass Ehescheidung und Wiederheirat also auch durchaus O.K. sein können. So „inhaltlich“ wird das „Argument“ nur äußerst selten gebraucht, denn das setzt eine gewisse Kenntnis der gegeneinander in Stellung gebrachten Schriften voraus. Sondern i.d.R. wird das schnöde Faktum der Mehrzahl der Evangelien – es geht also nur um die Quantität der Bücher, nicht um die Qualität ihres Zeugnisses – als Rechtfertigung der Legitimität einer Vielzahl von „Deutungen“ behauptet – wiederum rein quantitativ betrachten, nicht qualitativ im Hinblick auf deren Authentizität, Richtigkeit oder gar innere Kohärenz: Es gibt mehr als ein Evangelium, also darf es auch mehr als eine Vorstellung darüber geben, wer Jesus war, was er wollte etc. Es spielt dann auch keine Rolle, wenn sich diese Vorstellungen völlig widersprechen und mit allen vier Evangelien nicht in Einklang zu bringen sind. Dass die Evangelien in ihrer Darstellung dieses Jesus und seiner Verkündigung widerspruchsfrei sind und ein einmütiges Zeugnis abgeben, ist unerheblich, und es lässt sich in so einer Unterhaltung auch nicht mal eben beweisen. Die Behauptung ist schnell gemacht, ihre Widerlegung wäre zu aufwendig...


Die christliche Vorgehensweise besteht natürlich seit ältesten Zeiten darin, nicht ein biblisches Zeugnis gegen das andere auszuspielen, sondern das Ganze als authentisches Wort Gottes anzuerkennen. So kann es dann beispielsweise zugleich eine priesterliche Würde aller Getauften, und ein besonderes Priestertum des Dienstes geben, ohne, dass ein Widerspruch bestünde. Unterschiedliche Perspektiven auf das eine und selbe Geheimnis des Glaubens sind dann alle wertvoll, solange sie an der „gesunden Lehre“ festhalten und nicht jeder „nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln“ (2Tim 4,3). Die vier Evangelien haben je eigene Akzente und Perspektiven, aber sie alle geben Zeugnis von der einen Wahrheit, die Jesus Christus ist. Und Paulus (und Petrus und Jakobus und Judas und Johannes...) ebenso.

Mittwoch, 4. Mai 2022

Das christliche Priestertum ist biblisch

Der Exeget Martin Ebner hat vor ein paar Tagen ein Interview gegeben (hier), in dem er behauptet, das Neue Testament kenne kein christliches Priestertum. Wem das bekannt vorkommt: Das gleiche hat er vor zwei Monaten schonmal öffentlichkeitswirksam behauptet (hier), siehe auch seine beiden Beiträge auf feinschwarz.net hier und hier. Natürlich hat beide Male katholisch.de die Story aufgegriffen, denn was könnte "katholischer" sein, als in schöner Regelmäßigkeit das katholische Priestertum öffentlich als evangeliumswidrig hinzustellen… Diese Taktik fördert ganz bestimmt Berufungen zum Priestertum und die allgemeine Festigkeit im Glauben!

Wie für seine Profession üblich, arbeitet Ebner mit einem geschickten Mix aus wahren Aussagen, Halbwahrheiten, Andeutungen, Falschbehauptungen und Auslassungen.

 

Ebner: „Erst ab dem 3. Jh. n. Chr. gibt es Priester in christlichen Gemeinden.“

Ja und nein. Es ist richtig, dass zu Anfang die Bezeichnung „Priester“ (gr. ἱερεύς, hiereus) keine nennenswerte Rolle spielte, das hängt aber v.a. mit dem reichhaltigen Vorhandensein heidnischer „Priester“ zusammen. Wie bei vielen anderen Dingen auch, konnten sich die Christen erst nach und nach bestimmte Begriffe oder Symbole aneignen (z.B. das Symbol des Kreuzes), sei es, dass sie sich vorher erst vergewissern mussten, sei es, dass Missverständnisse (z.B. Vergleiche mit heidnischen Kulten) vermieden werden mussten. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Christen Zeit brauchten, um ihre eigene (Symbol-)Sprache zu finden für das, was sie glauben und leben.

Was Ebner nicht sieht oder sehen will (oder seinen Lesern absichtlich verschweigt), ist, dass zwar der Begriff des „Priesters“ (gr. hiereus) in den ersten zwei Jahrhunderten der Kirche unüblich war und etwa im NT nicht für die Verantwortungsträger in den christlichen Gemeinden auftaucht, aber die Sache selbst gab es durchaus und von Anfang an (s.u.).

 

Ebner fährt fort: „Für christliche Gemeinden sind Priester nicht vorgesehen. Und zwar nicht deshalb, weil es keine gegeben hätte. Nach Apg 6,7 sind auch viele Tempelpriester christusgläubig geworden. Aber sie haben keine Funktion in den Gemeinden. Und zwar aus prinzipiellen Gründen. Denn verschiedene Schriften des Neuen Testaments entwickeln eine Gemeindetheologie, die alles, was zur Zeit Jesu streng an die priesterlichen Opferriten im Tempel gebunden war, in die Hände der Getauften legt.“

Ja und nein. Es stimmt: Für Priester des Alten Bundes(!) gab es keine rituelle Funktion in den christlichen Gemeinden. Aber weiß Ebner nicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen der rituellen Feier des Alten Bundes und der des Neuen Bundes? Die Sensation von Ebners Festsellung hält sich in Grenzen, wenn man nur etwa an Jesu Rede vom neuen Wein in neuen Schläuchen denkt: Es hat sich eben etwas geändert. Ein Priester in Israel ist etwas anderes, als ein Priester im Christentum, so wie ein Priester in einem heidnischen Kult nochmal etwas anderes ist. Vielleicht um genau dieses Missverständnis zu vermeiden, dem Ebner hier seine Leser mutwillig unterwirft, haben die Christen zu Anfang den Begriff „Priester“ (gr. hiereus) für ihre Amtsträger vermieden.

Dass das christliche Priestertum etwas ganz anderes ist, als was vorher oder im Umfeld des Christentums existierte, verdeutlicht schon die simplen Tatsache, dass es nur im Christentum das Sakrament der Priesterweihe gibt. Die christlichen Sakramente haben Vorbilder im Alten Bund (Beschneidung – Taufe, Paschalamm – Eucharistie, Salbung von Priester und Hohepriester – Weihesakrament, Reinigungsbad – Beichte), weswegen etwa Thomas von Aquin und andere Gelehrte durchaus von echten Sakramenten des Alten Bundes sprechen. Thomas sprach der Beschneidung sogar sündenvergebende Kraft zu (bezogen auf die Erbsünde). Ich vermute, dass Ebner Sakramente generell ablehnt, jedenfalls wäre das die logische Konsequenz seiner Position.

Ebners Feststellung darüber, dass „Opferriten im Tempel“ „in die Hände der Getauften“ gelegt wurden ist derweil richtiger Unsinn, denn die Christen haben mit den Opferriten im Tempel einfach nichts zu tun! Die ersten Christen gingen natürlich in den Tempel, schließlich war es nach wie vor Haus Gottes, in dem Gottes Wort verkündet wurde. In Ermangelung eines Neuen Testaments, waren die heiligen Schriften der Juden auch die einzigen heiligen Schriften der ersten Christen, darum konnten sie sich sozusagen für den „Wortgottesdienst“ im Tempel aufhalten (und um zu missionieren). Aber an den Opfern beteiligten sie sich eben gerade nicht, denn sie hatten ihr eigenes Opfermahl zu Feiern, das ihnen Jesus selbst aufgetragen hat. Und das taten sie nicht im Tempel, sondern in ihren Häusern: „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel [...] brachen in ihren Häusern das Brot“ (Apg 2,46). (Man beachte auch: sie brachen täglich das Brot, die Eucharistie ist also nicht nur etwas für die Sonntage; und, anders als das Pessach der Juden, ist das Neue, was der Herr den seinen zu seinem Gedächtnis auftrug, erst recht nicht nur einmal jährlich zu feiern.)

Nein, was „an die priesterlichen Opferriten im Tempel gebunden war“ wurde nicht „in die Hände der Getauften“ gelegt, sondern es betraf die Getauften schlicht nicht!

 

Ebner: „Wer der Eucharistiefeier vorstehen soll, wird im Neuen Testament nirgends problematisiert.“

Ja und nein. Richtig ist, dass diese spezielle Frage nach dem Vorsteher der Eucharistie in den uns überlieferten Texten nicht explizit behandelt wird. Aber damit führt Ebner seine Leser in die Irre: Er greift dieses spezielle Thema heraus, weil er weiß, dass die Ämterfrage zwar zugespitzt auf diese eine spezifische Aufgabe des Vorstehers bei der Eucharistie nicht ausdrücklich behandelt wird, aber die Ämterfrage generell wird sehr wohl gestellt, und es geht dabei um mehr als nur die (zeitweise) Übernahme von Funktionen.

Ich finde es faszinierend, dass Ebner behauptet, es gäbe kein christliches Priestertum, er aber die wesentlichste Aufgabe, die das von ihm Verneinte seit 2000 Jahren erfüllt, nicht über diese Wegwerfformel hinaus thematisiert. Er wischt es beiseite mit „das wurde nicht problematisiert“… Also: Die Eucharistie. Die Tradition sieht genau dort den Ursprung des Priestertums. Jesus sagt schwer betroffen: „Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. […] Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,15.19) Die Kirche hat Jesus beim Wort genommen: Seine Sehnsucht war es, mit diesem auserwählten Kreis von Leuten, seinen Aposteln, dieses besondere Mahl zu halten. Nicht mit den 72 „anderen Jüngern“ (Lk 10,1); nicht mit den zahlreichen „Frauen in seiner Nachfolge“ (Lk 23,55; Mk 15,41), die ihn begleiteten, beherbergten und unterstützten; nicht mit den 5000, die er in Galiläa gespeist hat (Mt 14,21); nicht mit den „Mühseligen und Beladenen“ von der Straße (Mt 11,28). Sondern hier an diesem Punkt wollte er nur mit seinen Aposteln zusammen sein, und nur diesen zwölf offenbart er etwa unverschämtes, nämlich seinen Leib und sein Blut in Brots- und Weingestalt. Und er erteilt ihnen(!) den klaren Auftrag, diesen Kult zu vollziehen zu seinem Gedächtnis.

Ebner kann das christliche Priestertum nur für nicht existent erklären, indem er es am alttestamentlichen Priestertum misst, das natürlich mit dem Neuen Bund in Jesu Blut hinfällig geworden ist. Das Eigene des neutestamentlichen Bundesschlusses (und das faktische Leben in den christlichen Gemeinden) muss Ebner für seine Argumentation ausklammern, im Grunde redet er also am Thema vorbei.

 

Tatsächlich finden wir auch im Neuen Testament eine Fülle von Diensten (Ämtern), die nicht allen, sondern eben nur bestimmten Gemeindegliedern zukommen bzw. übertragen werden. Ausdrücklich heißt es, Jesus(!) „setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer“ (Eph 4,11). Eigentlich simpel: „Es gibt verschiedene Dienste“, sagt Paulus, wie es auch „verschiedene Gnadengaben“ und „verschiedene Kräfte“ gibt (1Kor 12,4-6). Aber es gibt nur einen Gott und Herrn, Jesus Christus!

Wir haben sogar einen recht genauen Bericht davon, wie neue Ämter für den Dienst an der christlichen Gemeinde eingerichtet wurden: In Kapitel 6 der Apostelgeschichte wird das Amt der Diakone geschaffen, die sich „dem Dienst an den Tischen widmen“ sollen: „Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ (Apg 6,2-3). Wir sehen dabei auch, dass solche Ämter rituell übertragen wurden: „Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.“ (V. 6) Ähnlich mit den „Ältesten“: Paulus und Barnabas „setzten für sie [= die neu gewonnenen Jünger] in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn“ (Apg 14,23). An anderer Stelle lesen wir, wie Paulus den Timotheus an die Gnade erinnert, die ihm „durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist“ (2Tim 1,6), und dass dieser selbst „keinem vorschnell die Hände auf[legen]“ (1Tim 5,22) soll. Diese Praxis kommt übrigens, wie die Sakramente überhaupt, nicht von irgendwoher, sondern schließt durchaus an die Tradition des Alten Bundes an: Schon Mose hatte dem Josua die Hände aufgelegt, um ihm seine Vollmacht weiterzugeben (vgl. Num 27,20-23).

 

Zwar hat Ebner mit der Feststellung recht, dass es im NT den Begriff „Priester“ (gr. hiereus) für diese Ämter nicht gibt, aber die simpelste Erwiderung darauf lautet: Na und? Auch den Begriff „Trinität“ finden wir nicht im NT, ist also der Glaube an den dreieinen Gott falsch?

Es steht außer Zweifel, dass bereits im Neuen Testament bestimmte Ämter durch „Handauflegung und Gebet“ an ausgewählte und entsprechend geprüfte Gemeindemitglieder „hierarchisch“ (d.h. von „oben“, von den Aposteln ausgehend) übertragen wurden. Genau das ist in schöner Kontinuität bis heute ein wesentliches Element des Lebens der Kirche. Ebner hat natürlich ein Problem damit, darum unterlässt er es tunlichst, diese Tatsache zu erwähnen oder er entsorgt sie einfach als nicht relevant für die Frage. Neben den schon zitierten Evangelisten, Lehrern, Propheten etc. gab es auch drei Bezeichnungen, insbesondere für die „Leitungsebene“ in den Gemeinden und für diejenigen, die autoritativ lehrten und den Glauben verteidigten, die uns heute nur allzu vertraut sind, wenn sie auch im NT noch nicht die exakt gleiche Bedeutung oder Aufgabenzuweisung haben, wie dies später der Fall war oder wie es heute der Fall ist.

- Diakon (gr. διάkovoς; dt. Diener/Gesandter): „Ebenso müssen Diakone sein: achtbar, nicht doppelzüngig, nicht dem Wein ergeben und nicht gewinnsüchtig; sie sollen mit reinem Gewissen am Geheimnis des Glaubens festhalten. Auch sie soll man vorher prüfen, und nur wenn sie unbescholten sind, sollen sie ihren Dienst ausüben.“ (1Tim 3,8-10)

- Presbyter (gr. πρεσβύτερος; dt. Ältester): „Presbyter, die das Amt des Vorstehers gut versehen, verdienen doppelte Anerkennung, besonders solche, die sich mit ganzer Kraft dem Wort und der Lehre widmen.“ (1Tim 5,17)

- Episkop (gr. ἐπίσκοπος; dt. Aufseher): „Denn der Episkop muss unbescholten sein als Haushalter Gottes, nicht überheblich und jähzornig, kein Trinker, nicht gewalttätig, nicht habgierig, sondern gastfreundlich, das Gute liebend; besonnen, gerecht, fromm und beherrscht, einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, das der Lehre entspricht, damit er in der Lage ist, in der gesunden Lehre zu unterweisen und die Widersprechenden zu überführen.“ (Tit 1,7-9)

Davon leiten sich unsere modernen deutschen Wörter „Diakon“, „Priester“ und „Bischof“ ab. Dass das griechische Wort für „Priester“ (gr. hiereus) in den frühesten christlichen Gemeinden nicht in Gebrauch war, ist unerheblich. Letztlich mag es Zufall sein, dass sich gerade diese drei Begriffe für ein dreigliedriges Amt durchgesetzt haben und wir heute keine Ämter mit der Bezeichnung „Evangelist“ und „Prophet“ mehr haben. Das spielt aber keine Rolle: Es gab von Anfang an solche Leitungs- und Lehrämter, und es gibt sie bis heute. Das ist das Entscheidende, nicht, wie diese Ämter heißen.

 

Es ist inzwischen allgemein üblich, auf die Geschichtlichkeit der Kirche zu pochen, die sich nicht losgelöst von Zeitumständen entwickelt hat und auch weiterhin entwickeln wird. Und das stimmt auch! Interessanterweise provozieren Leute wie Ebner jedoch den Verdacht, dass sie diese Geschichtlichkeit aber dann doch wieder leugnen, weil offenbar etwas heute (oder seit 1800 Jahren) nicht sein darf, was nicht eindeutig und klar bereits im Neuen Testament genau so zu finden ist. Ebner behauptet: Es gibt im NT keine „Priester“ (gr. hiereus), darum darf es sie auch nie geben, und wenn es sie gibt, dann ist das ein Missstand, der gegen das von Jesus gepredigte Evangelium verstößt.

Ebner und andere leugnen nicht die Geschichtlichkeit der Kirche – sie selbst wollen diese Geschichte ja in Richtung Zukunft mitbestimmen! –, aber sie sprechen der faktischen Entwicklung der Kirche und ihrer Ämter jegliche Legitimität ab, weil sie nicht ihren Wünschen gemäß verlaufen ist. Es darf einfach nicht sein, dass alles, was die Kirche heute glaubt und lebt im NT bereits zumindest keimhaft zu finden ist und sich später so entfaltet hat, wie es das eben getan hat. Dann ignoriert man eben die im NT bezeugten Ämter oder erklärt diese Bezeugungen „wissenschaftlich“ für irrelevant. Das hat aber nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun, das ist einfach nur Ideologie. Welche Arroganz daraus spricht, 2000 Jahre Kirchengeschichte an den eigenen billigen Meinungen und drögen Vorlieben zu messen...

Die Implikation dieser Position ist freilich unausweichlich: Die Kirche damit meine ich nicht nur die katholische Kirche: alle alten Kirchen, ob nun ost- und westsyrisch, koptisch, äthiopisch, armenisch, oder byzantinisch, haben das dreigliedrige Priestertum hat sich offenbar 1800 Jahre lang geirrt, und jetzt kommt Herr Ebner (+ Kollegen) und führt sie endlich, nach so vielen Jahrhunderten des Irrtums! – auf den einzig wahren Weg des Evangeliums zurück... Aber eine Kirche, die sich (mindestens) 1800 Jahre lang in etwas so Grundlegendem wie dem Aufbau des Volkes Gottes so völlig geirrt hat, kann nicht „Säule und Fundament der Wahrheit“ (1Tim 3,15) sein. Die Zusage Jesu, der Heilige Geist werde „euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26) ist dann Schall und Rauch; der Kirche könnte man dann grundsätzlich nichts glauben. Auch die von der Kirche von all den zuvor genannten Kirchen uns bis heute überlieferte Heilige Schrift ist dann in Gänze unzuverlässig und alles, was Ebner über das Vorkommen oder Nichtvorkommen von Begriffen im NT redet, ist somit letztlich auch egal. Ebner und seine Gesinnungsgenossen ziehen sich, wie üblich, selbst den Boden unter den Füßen weg und merken es noch nicht mal.

 

Spannende finde ich es, dass sogar der Vergleich mit dem alttestamentlichen Priestertum Ebners These durchaus nicht sonderlich stützt. 

Zunächst: Viel ist die Rede vom „gemeinsamen Priestertum“ aller Getauften Ebner erwähnt das komischerweise nicht –, dass wir, die Christen, „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm“ (1Petr 2,9) sind. Das ist übrigens keine nachkonziliare Neuentdeckung, schon vorher sprach man unter Theologen zuweilen, wenn auch etwas umständlich, vom „Laienpriestertum“. Peinlich für viele, die auf dieses gemeinsame Priestertum pochen, ist indes, dass es biblisch in Jesu Kreuzesopfer begründet ist, weil sich darin Jesus als Hohepriester und Opfer zugleich offenbarte: „sein Blut“ macht uns zu Priestern (vgl. Offb 1,5-6; 5,9-10). Die Kirche ist Leib Christi, des einzigen Hohepriesters, also ist das ganze Volk Gottes „priesterlich“.

Jedenfalls: Was gerne unerwähnt bleibt ist, dass auch schon das Volk des Alten Bundes „ein Königreich von Priestern und [...] ein heiliges Volk“ (Ex 19,6; vgl. 23,22) genannt wurde. Obwohl es also ein „Königreich von Priestern“ war, hatte Israel dennoch „Priester“ in einem engeren, besonderen Sinne. Das gemeinsame Priestertum aller Getauften, das es in analoger Weise auch schon bei den „Beschnittenen“ gab (siehe Thomas: Beschneidung als Sakrament), schließt also in keiner Weise die Existenz eines besonderen Priestertums aus. Im Gegenteil: Ein priesterliches Volk ist geradezu die notwendige Voraussetzung für ein besonderes Priestertum des Dienstes. Weil die Christen ein priesterliches Volk sind, kann es besondere priesterliche Ämter geben, wie dies auch im Alten Bund der Fall war.

Klar kann man nun behaupten „aber im Neuen Bund ist das eben anders“, aber dann muss man das belegen. Die im ganzen NT klar bezeugten Ämter in den frühen christlichen Gemeinden sprechen jedenfalls eindeutig dagegen. Natürlich gibt es Dinge, die im Neuen Bund „anders“ sind, Jesus war stets bereit, etwa die Rückbesinnung auf den „Anfang“ ins Spiel zu bringen, was jedoch regelmäßig nicht eine Entspannung, sondern eine Verschärfung brachte (vgl. Ehebruch und Scheidung); aber nirgends hat Jesus besonderen priesterlichen Ämtern eine Absage erteilt.

Zwischen dem priesterlichen Volk im AT und dem priesterlichen Volk im NT gibt es indes eine bemerkenswerte Verschiebung des „Rasters“, wenn man so will: Während im Alten Bund alle drei Ebenen – Hohepriester, Priester, Volk – rein menschlich sind, gilt mit Christus eine andere Logik: Er, Christus, ist der Hohepriester (vgl. Hebr 9,11), womit das Richtige an Ebners Behauptung in den Blick kommt: Was im Alten Bund nur für Priester galt, gilt nun für das ganze Volk, denn alle Getauften haben Zutritt zum Heiligtum, das Jesus Christus selbst ist. Aber es bleibt dennoch die Möglichkeit eines besonderen priesterlichen Dienstes offen, der für das Volk, das in der Welt lebt, unmittelbarer dem Allerheiligsten dient und es in geistlichen Dingen leitet, wie es ausgerechnet der Apostel Paulus vormacht, der von sich sagt, er würde dem „Evangelium Gottes wie ein Priester“ dienen (Röm 15,16).

Man beachte, dass das Priestertum aller Christen immer in einem eindeutig kultischen Kontext aufkommt; es geht nie um „Gemeindeleitung“, Macht oder Partizipation, sondern um die Verherrlichung Gottes und die Verkündigung des Evangeliums: Die Christen sind Priester, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen [und] damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1Petr 2,5.9) Zur Frage nach (Leitungs)Ämtern in der Kirche sagt das gemeinsame Priestertum also gar nichts aus. Dass es nicht nur faktisch in den ersten christlichen Gemeinden bereits eine sich entwickelnde Ämterstruktur gab, sondern dass Jesus selbst menschliche Hirten gewollt hat für die, die ihm nachfolgen, ist schließlich unbezweifelbar, wie er nach seiner Auferstehung gegenüber Petrus deutlich machte: Weide meine Lämmer! [...] Weide meine Schafe! [...] Weide meine Schafe!(Joh 21,15-17)

 

Für Ebner gab es am Beginn des Christentums kein besonderes Priestertum, alle Christen waren gleich, niemand tat etwas, was nicht auch ein anderer tun konnte. Es gab ihm zufolge folglich auch keine Opfer (denn das hieße, dass jemand es darbringt, und jemand anders nicht), sondern nur ein gemeinschaftliches Mahl. Wohl am schlagkräftigsten lässt sich alles das mit Klemens von Rom widerlegen, der in seinem Brief an die korinthische Gemeinde genau auf diese Themen eingeht... Es gibt indes keinen Grund, anzunehmen, dass irgendetwas daran neu war oder es von der korinthischen oder anderen Gemeinden als unchristlich abgetan wurde, Klemens legt einfach nur dar, was schon zu seiner Zeit allgemein üblich war. Welche Zeit ist das? Nun, wir können Klemens ruhig zu jener frühesten Zeit des Christentums rechnen, sein Brief ist wahrscheinlich älter als manche Schriften des Neuen Testaments (insbesondere die des Johannes). Zum Kontext: In Korinth war damals im Grunde das gleiche passiert, womit ein paar jahrzehnte zuvor bereits Paulus zu kämpfen hatte, nämlich die Infragestellung der heiligen Ordnung der Feier der Eucharistie, und damit zugleich die Ordnung der Dienstämter. Klemens schreibt in den Kapiteln 40, 42 und 44 seines Briefes das Folgende:

»40,1. Da uns also dieses ganz klar ist, und wir weit hinabgedrungen sind in die Tiefen der göttlichen Erkenntnis, müssen wir alles ordnungsgemäß tun, was der Herr an bestimmten Zeiten zu erfüllen angeordnet hat. 2. Er wollte, dass Opfer und Gottesdienst gehalten werde, aber nicht aufs Geratewohl und ohne Ordnung solle es geschehen, sondern zu festgesetzten Zeiten und Stunden. 3. Wo und durch wen er es verrichtet wissen will, hat er nach seinem allerhöchsten Willen selbst bestimmt, damit alles heiligmäßig geschehe und so in Wohlgefallen aufgenommen werde von seinem Willen. 4. Die nun ihre Opfer darbringen zur vorgeschriebenen Zeit, sind wohlgefällig und selig; denn wenn sie den Gesetzen des Herrn nachkommen, sündigen sie nicht. 5. Dem obersten Priester sind nämlich eigene Verrichtungen zugeteilt, auch den Priestern ist ihr eigener Platz angewiesen, und den Leviten obliegen eigene Dienstleistungen; der Laie ist an die Laienvorschriften gebunden.

42,1. Die Apostel haben uns das Evangelium verkündet, (das sie) vom Herrn Jesus Christus (bekommen haben), Jesus Christus aber ist gesandt von Gott. 2. Christus ist also von Gott und die Apostel von Christus (gesandt); beides ist demnach geschehen in aller Ordnung nach dem Willen Gottes. 3. Sie empfingen also ihre Aufträge, wurden durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus mit Gewissheit erfüllt, wurden im Glauben an das Wort Gottes gefestigt, und dann zogen sie voll des Heiligen Geistes hinaus zur Predigt, dass das Reich Gottes nahe sei. 4. Indem sie nun in Ländern und Städten predigten, setzten sie die Erstlingsfrüchte ihrer (Predigt), nach vorhergegangener Prüfung im Geiste, zu Bischöfen und Diakonen der zukünftigen Gläubigen ein. 5. Und dies war nichts Neues; denn schon seit langer Zeit war geschrieben über Bischöfe und Diakone. So nämlich sagt einmal die Schrift: „Ich will einsetzen ihre Bischöfe in Gerechtigkeit und ihre Diakone in Treue“ [Jes 60,17; ungenau zitiert].

44,1. Auch unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass Streit entstehen werde um die Bischofswürde. 2. Aus diesem Grunde setzten sie auch, da sie eine genaue Kenntnis hiervon zum voraus erhalten hatten, die oben Genannten ein und gaben ihnen dazu Auftrag, dass, wenn sie entschlafen wären, andere erprobte Männer ihren Dienst übernähmen.«



Fassen wir zusammen: Ebner leugnet die Legitimität besonderer, mit Autorität und Lehrgewalt versehener Ämter in der christlichen Gemeinde, indem er alle entsprechenden Zeugnisse aus dem NT einfach ignoriert. Das sei kein Thema gewesen, das wurde nicht problematisiert. Die Ämterfrage wurde im NT aber durchaus problematisiert, weswegen Paulus der zerstrittenen Gemeinde in Korinth die rhetorische Frage stellen muss: „Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Machttaten zu wirken?“ (1Kor 12,29) Die Antwort ist natürlich: Nein! Heute haben wir in Deutschland offenbar genau das gleiche Problem erneut (nichts Neues unter der Sonne), und solche dümmlichen Behauptungen wie die von Ebner sind ein wesentlicher Grund dafür.