Freitag, 7. Februar 2014

Der Glaubenssinn des Gottesvolkes

Bild von Nick Thompson (hier)
Genau wie der Begriff "Gewissen" (siehe dazu hier), so wird auch der Begriff "Glaubenssinn" (sensus fidei) heute nicht nur von Theologäähn, sondern verstärkt auch von Bischöfen allzugern als eine mit neuem Inhalt gefüllte Worthülse missbraucht, um damit einen theologischen wie moralischen Irrweg zu pflastern, der meilenweit von der unbequemen Wahrheit entfernt liegt. Ja, man gewinnt den Eindruck, die Worte werden mehr und mehr synonym gebraucht... was freilich unter Vergegenwärtigung ihrer tatsächlichen Bedeutung schlicht und ergreifend bescheuert ist (vgl. meine früheren Anmerkungen zum Thema, z.B. hier).


»Der sensus fidei ist das Kriterium, an dem gemessen wird, ob eine Wahrheit dem lebendigen Glaubensgut der apostolischen Tradition angehört oder nicht. Er verkörpert auch eine konstruktive Funktion, insofern der Heilige Geist weiterhin zur Kirche spricht und sie in die ganze Wahrheit einführt. Gleichwohl ist es heutzutage ganz besonders wichtig, die Kriterien genau zu bestimmen, die es gestatten, den authentischen sensus fidelium von Verfälschungen desselben zu unterscheiden. In Wirklichkeit ist dieser keineswegs eine Art öffentlicher Meinung der Kirche, und es ist unvorstellbar, daß dieser angeführt werden könnte, um die Lehren des Lehramtes zu bestreiten, da der sensus fidei sich im Gläubigen nur in dem Maß authentisch entfalten kann, in dem dieser voll am Leben der Kirche teilnimmt, und das setzt ein verantwortliches Festhalten an deren Lehramt, am Glaubensgut, voraus.«
(Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache an die Internationale Theologische Kommission am 7. Dezember 2012)

»Wenn Gott uns nicht innerlich erleuchtet, ist unser Christsein oberflächlich. Die Überlieferung der Kirche sagt, dass der Geist der Wahrheit in unserem Herzen wirkt und jenen "Glaubenssinn" ("sensus fidei") hervorbringt, durch den das Gottesvolk, wie das Zweite Vatikanische Konzil bekräftigt, unter der Leitung des Lehramts den übergebenen Glauben unverlierbar festhält, mit rechtem Urteil immer tiefer darin eindringt und ihn im Leben voller anwendet (vgl. GS 12). Versuchen wir, uns zu fragen: Bin ich offen für das Wirken des Heiligen Geistes, bete ich zu ihm, auf dass er mir Licht schenke, mich empfänglicher mache für die Dinge Gottes? Dieses Gebet müssen wir jeden Tag sprechen: "Heiliger Geist, lass mein Herz offen sein für das Wort Gottes, lass mein Herz offen sein für das Gute, lass mein Herz jeden Tag offen sein für die Schönheit Gottes."« 
(Papst Franziskus in der Generalaudienz am 15. Mai 2013)

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