Samstag, 1. Februar 2014

David, der Gerechte

»Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.« (2Sam 12,13)

In diesen Tagen ließt die Kirche die Königserzählungen der Samuelbücher, diese Woche natürlich die Geschichte des Königs David.

Saul wurde Israels erster König, aber er fiel in Ungehorsam vor Gott. Mehr noch: In seiner Sünde wandte sich Saul von Gott ab. Er wurd zunehmend ungeduldig (1Sam 13,13), jähzornig (1Sam 18,11), gehässig (1Sam 22,18) und fasst unüberlegte, fast wahnhaft Entschlüsse, die beinahe seine Freunde das Leben kosteten (1Sam 14,19.24). Er war schließlich geradezu trotzig gegen Gott, weswegen Samuel ihn auch aburteilt: »Denn Trotz ist ebenso eine Sünde wie die Zauberei, Widerspenstigkeit ist ebenso schlimm wie Frevel und Götzendienst. Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, verwirft er dich als König.« (1Sam 15,23) Am Ende seines Lebens sucht er nicht Gott um Rat und Beistand (oder gar Vergebung) auf, sondern geht zur Totenbeschwörerin von En Dor (1Sam 28), eine Tat, die so weit vom Gesetz Gottes weg ist, wie das nur irgendwie geht.

David, Sauls Nachfolger, ist nicht weniger ein Sünder als Saul. Gestern und Heute hörten wir die Geschichte, wie er Betseba begehrte.  Hier liegen gleich drei schwere Sünden vor: 1. Begeht er Ehebruch, 2. ermordet er den Mann der Batseba, den Feldherren Urija und 3. begeht er noch eine nicht zu vernachlässigende Sünde gegen Gott: In der Vorstellung des alten Israel war Krieg ein heiliger Dienst (weil Gott mitkämpfte!), weshalb die Kämpfenden (und ihre Frauen) sexuell enthaltsam sein sollten. Indem David mit der Frau des Urija verkehrt, während ihr Mann in der Schlacht kämpft, bricht er dieses Reinheitsgebot und er zeigt auch seine eigene Abgehobenheit: Er, der König!, kämpft ja selber nicht mit, und meint sich daher auch an diese Vorschrift nicht halten zu müssen.

Saul und David, beide waren schlimme Sünder, beide haben so schändliches Getan, dass der Ottonormal-Katholik im Beichtstuhl im Vergleich dazu wohl nur Lappalien vorzubrigen weiß. Wir bemerken aber einen gewaltigen Unterschied zwischen diesen beiden Königen in der Art, wie sie die Nachwelt erinnert: 
Der eine ist immer weiter in seine Sündhaftigkeit versunken und wurde am Ende vernichtet. 
Der andere ist der Archetyp eines großen, guten und edlen Königs. Er ist der, aus dessen Samen der Messias erstehen soll (aus der Erblinie, die aus der Vereinigung Davids mit Batseba, also durch den Ehebruch entstand!), ja der Messias ist selbst "die Wurzel und der Stamm Davids" (Offb 22,16); aus der "Stadt Davids" wird der Retter kommen (Lk 2,11); er ist der Typos der ewigen Königsherrschaft Christi (Lk 1,32). Dichter der meisten Psalmen ist David, dessen Lieder jeder Israelit, jeder gläubige Jude bis heute auswendig können soll und die auch die Kirche Christi unablässig betet. David wird als heiliger verehrt (sein Gedenktag ist der 29. Oktober).
Oder ganz einfach: David betet nachdem er gesündigt hat (s.u.), Saul tut dies nicht.

Der Unterschied besteht darin, dass David Gott nicht aus seiner Sünde herausgehalten hat. David wurde nicht trotzig, er verharrte nicht in der Sünde, er drehte sich nicht ständig um sie und verkrümmte sich nicht in sie hinein. Sie war für ihn nicht unauslöschlich, nicht gleichbedeutend mit Verdammnis (auch wenn diese verdient wäre). Stattdessen bekannte er seine Schuld vor Gott und vertraute ganz auf die rettende Macht, auf die Barmherzigkeit und Liebe Gottes.
David ist darum ein großer König und ein wirklich heiliger Mann, nicht, weil er so toll und ohne Sünde war. Nicht, weil er nie Böses, ja Abgründiges getan hätte. Er ist und bleibt groß, weil er bei all dem Bösen nicht stehen blieb. Er wandte sich zu Gott, bekannte und vertraute darauf, dass Gott ihn retten wird, und dass er trotz aller Sünde geliebt und gewollt ist. David fand Vergebung, er fand Heilung!

Der Pslam, den die Kirche gestern und heute in der Messe gesungen hat, der Psalm 51, ist der Tradition zufolge von David genau in dieser Situation der Hinwendung zu Gott gebetet worden (ein sehr gutes Beispiel, warum man den Psalm im Proprium der Messe niemals durch irgendein blödes Lied ersetzen sollte!). Der Sünder, der König, der Vertrauende betet:


Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab,
und mach mich rein von meiner Sünde!

Denn ich erkenne meine bösen Taten,
meine Sünde steht mir immer vor Augen.
Gegen dich allein habe ich gesündigt,
ich habe getan, was dir mißfällt.

So behältst du recht mit deinem Urteil,
rein stehst du da als Richter.
Denn ich bin in Schuld geboren;
in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.

Sättige mich mit Entzücken und Freude!
Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.
Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden,
tilge all meine Frevel!
  
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!

Mach mich wieder froh mit deinem Heil;
mit einem willigen Geist rüste mich aus!
Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege,
und die Sünder kehren um zu dir.

Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles,
dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.
Herr, öffne mir die Lippen,
und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.

 

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