Samstag, 31. August 2013

in nur fünfzig Jahren...


Ich bin mir nicht sicher, was ich von dieser Art Volksnähe halten soll... Immerhin ist er der Papst!

Freitag, 30. August 2013

Seid klug!

Das Gleichnis in der heutigen Lesung, was meist als Gleichnis "von den törichten Jungfrauen" bezichnet wird, wie auch das morgige, von den anvertrauten Talenten, gehört zu den Skandal- sowie zu den Gerichtsgleichnissen.
 Es sind Gerichtsgleichnisse, weil es beide Male darum geht, was der Einzelne beim Gericht zu bieten hat. Es sind Skandalgleichnisse (wie auch das vom "ungerechten" oder vielmehr klugen Verwalter; s. hier), weil das Erzählte für unsere Ohren unerhört klingt und ungerechtes oder gar verbrecherisches Verhalten regelrecht gelobt wird: Einmal kommt der Bräutigam selbst offenbar zu spät und sperrt dann die eine Hälfte der jungen Frauen, die er selbst bestellt hat, sein Ehrengeleit zu bilden, aus, schickt sie mitten in der Nacht weg und behauptet gar, sie nicht einmal zu kennen - ein Flegel (so Klaus Berger). Zum anderen gibt der Herr, der die Talente verteilte, selbst zu, ein Herr zu sein der erntet, wo er nicht gesät hat. Ihm reicht es nicht, dass der Knecht immerhin das Geld aufbewahrt (und nicht etwa verschleudert!) hat; er will Zinsen, er will Wucher - ein vorbildicher Kapitalist.
In beiden Fällen ist die Botschaft erschreckend: Wer wenig am Gericht vorzuweisen hat, sei es zu wenig Öl in der Lampe und darum eine Verzögerung (dass sie zu spät kamen, wird nicht gesagt!), sei es, das Anvertraute "nur" bewahrt und nicht vermehrt zu haben, der wird gnadenlos ausgesperrt und hinausgeworfen. Wer wenig hat, dem wird auch noch dieses Wenige genommen werden.

Wie ist das vereinbar mit dem allgütigen, allgnädigen, bedingungslos verzeihenden, mit dem "lieben" Gott der sich gerade denen zuwendet, die wenig haben, die arm und Sünder sind und fern von Ihm?
Gott will immer mehr. Er fordert viel.
Der barmherzige Gott ist damit nicht aufgehoben, er weiß, von wem er was fordert. Der Herr gibt den Knechten je nach ihren Fähigkeiten und alle Frauen hätten die Gelegenheit gehabt, genug Öl dabei zu haben. Gott ist kein Kapitalist und kein Flegel, aber dennoch ist das Christentum keine Kuschelreligion. Man kann, man darf sich nicht zurücklehnen und genügsam aufs Polstermöbel fläzen. Man darf sich erst recht nicht einreden, "Gott wirds schon verzeihen". Gott findet eben nicht jeden Lebensentwurf gleichermaßen gut, bloß weil der Mensch das so möchte. Für ihn ist nicht jedes Tun (etwa dies, das Guthaben zu vergraben) gleich gut, weil wir glauen, das richtige zu tun. So eine Selbstgerechtigkeit kann ernsthafte Konsequenzen haben.
Damit ist nicht gemeint, dass Ruhe und Erholung ausgeschlossen sind. Im Gleichnis mit den jungen Frauen schlafen alle, auch die klugen. Aber diese Ruhe ist nur dann berechtigt, nur dann "sinnvoll", wenn vorgesorgt wurde. Hätten die törichten Frauen nicht geschlafen, hätten sie die Zeit nutzen können, noch Öl zu besorgen.
Zugleich ist es auch oft nicht einfach zu wissen, was Gott eigentlich will... die Knechte die die Talente erheilten, bekamen keine konkrete Handlungsanweisung. Aber alle drei wussten, wie ihr Herr tickt: "ich wusste, dass du ein strenger Mann bist"! Gott paroli zu bieten, seine Gebote als "ungerecht" oder "zeitbedingt" und darum "überholt" zu betrachten, kann sehr gut dazu führen, am Ende gesagt zu bekommen: "Ich kenne euch nicht"...

Das Christsein ist eine unerhörte Herausforderung.

Donnerstag, 29. August 2013

Jesus über Johannes

»Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. Seit den Tagen Johannes' des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich. Denn bis hin zu Johannes haben alle Propheten und das Gesetz (über diese Dinge) geweissagt. Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat, der höre! Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und anderen Kindern zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte (Hochzeitslieder) gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.«

(Mt 11,9b-19)

Mittwoch, 28. August 2013

Limburger antikirchliches Gezeter

Was da grad in Limburg abgeht ekelt mich an.
Ich habe keine Ahnung, ob Bischof Franz-Peter was falsch gemacht hat oder nicht. Ich weiß nicht, wie berechtigt die Vorwürfe sind. Und es ist mir auch herzlich egal. Auch die mediale Hatz ist mir ziemlich wurst (der Kreuzknape bietet hier einen guten Überblick)... daran soll sich ergötzen wer will, mir ist das zu blöd und zu grell, die Manipulation ist ja nichtmal subtil!

Eines ist mir aber klar zuwider: Was da von manchen Klerikern (klick) gespielt wird ist ein ganz widerlicher Schauprozess, dessen Opfer letztlich die Gemeinschaft der Gläubigen ist. Es ist unerträglich, wenn Priester die Hl. Messe missbrauchen, um gegen den Bischof zu wettern und auch noch Applaus ernten. Ich frage mich, ob bzw. wie dort bei der Feier der Eucharistie noch gebetet werden konnte "In Gemeinschaft mit... unserem Bischof..."?

Im Anschluss an Bruder Paulus Terwitte (hier): Das ganze ist ein Prozess im Konjunktiv. Der Bischof habe dies oder jenes getan, dies oder jenes soll passiert sein. Nichts genaues weiß man nicht, aber das reicht offenbar für manche Priester aus, um den eigenen Bischof im Allerheiligsten zu lünchen. Vom Bruch ihres Versprechens, dass sie bei ihrer Weihe gegeben haben, ganz zu schweigen... aber das ist ja im deutschen Klerus eh inzwischen Salongfähig geworden. Schrecklich!
Ich habe das Gefühl, diese Leute sehen in ihrem Bischof nichts weiter als was sie in einem Oberbürgermeister oder Minister sehen... Wenn die Gerüchte köcheln, ereifert man sich, sie weiter am Köcheln zu halten um selbst Präsenz zu zeigen und, wenn einem der Betroffene besonders ungelegen ist, zu nutzen für eine Kampange. Und die Hl. Messe erscheint gerade gut genug als Forum für Politikerbashing.
Die hier agierenden Priester sollten sich schämen!

SPON zitiert einen Beteiligten: "Loyalität gebührt dem Evangelium und nicht Bischöfen oder sonstigen Amtsträgern." 
Aha. Soso.
"Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen" (Hebr 13,17).  
Das Zweite Vatikanische Konzil über "Gehorsam": klick.

Natürlich: Ich nehme hier auf diesem Blog zwar auch zuweilen meinen Bischof aufs Korn, aber 1. bin ich kein Priester, 2. tue ich es als Privatmensch und nehme dafür nicht meinen (nicht existenten) Einfluss zuhilfe, 3. tue ich es nicht in oder vor der Kirche oder gar während einer Hl. Messe, 4. fordere ich nicht die Entfernung des Bischofs (ich warte auf die amtliche bzw. biologische Lösung) und 5. stütze ich mich nicht auf irgendwelche medialen Konjunktive, sondern kritisiere durchaus konkrete Äußerungen, die ich nicht selten aus nächter Nähe mitbekomme (etwa in Hirtenbriefen, an Diözesanversammlungen, Interviews etc.).

So kann man freilich auch eine Diözese zugrunde richten. Ich frage mich bei soetwas immer, welches Kirchenbild wohl dahinter steht... In diesem Fall wendet sich wohl dieses ganze Getue im Kern gegen die hierarchische ("verkommene") Struktur der Kirche (siehe dazu: hier) und damit letztlich gegen die Kirche selbst.
Ist das die Charmeoffensive, die Priesterberufungen wecken soll? "Werde Priester, dann darfst du ungestraft deinen Bischof nieder machen!"?

Dienstag, 27. August 2013

Augustinus an die Ehemänner

»Wenn ihr also, Brüder, den Herrn sagen hört: "Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein", dann sollt ihr nicht bloß an gute Bischöfe und Kleriker denken. Auch ihr sollt in eurer Weise Christus dienen durch ein gutes Leben, durch Spendung von Almosen, durch Verkündigung seines Namens und seiner Lehre, wo ihr könnt, damit auch jeder Familienvater auf diesen Namen hin erkenne, daß er seiner Familie väterliche Liebe schulde. Um Christi und des ewigen Lebens willen warne, belehre, ermahne, tadle er all die Seinigen; er erweise Wohlwollen, übe Zucht: so wird er in seinem Hause ein kirchliches und gewissermaßen bischöfliches Amt erfüllen, indem er Christus dient, um ewig bei ihm zu sein. Denn auch jene höchste Dienstleistung des Leidens haben viele aus eurer Zahl vollzogen; viele, die nicht Bischöfe oder Kleriker waren, Jünglinge und Jungfrauen, Alte und Junge, viele Ehemänner und Ehefrauen, viele Hausväter und Hausmütter haben im Dienste Christi sogar ihr Leben im Zeugentode für ihn dahingegeben und von dem sie ehrenden Vater die herrlichsten Kronen empfangen.« 

(Augustinus, Betrachtungen zum Johannesevangelium 51,13)

US Kardinäle kritisieren den Papst?

Ende letzter Woche gab katholisches.info wiedermal einen kleinen Aufreger zum Besten. Dort heißt es (klick):
»aus den USA kommt nun erste direkte und erstaunlich harte Kritik an Papst Franziskus. Ausdruck fand sie in Interviews des Erzbischofs von New York und Vorsitzenden der amerikanischen Bischofskonferenz Timothy Kardinal Dolan und des Erzbischofs von Philadelphia, Charles Chaput. Kardinal Dolan spricht von einem „Mangel an Manager- und Führungsqualität“, Kardinal Chaput von einer gewissen Unzufriedenheit über die Wahl von Kardinal Bergoglio zum Papst in glaubenstreuen Kirchenkreisen.«

Witzig. Was seine Eminenz wirklich gesagt hat (hier nachzulesen):
»We also wanted someone with good managerial skills and leadership skills, and so far that hasn't been as obvious. It's a little bit of a surprise that he hasn't played his hand on that front yet. However, I think that's part of his strategy. He knows that the things we talked about a moment ago are more important because, in many ways, impression is reality. Having created this extraordinarily appealing impression -- which, by the way, is very genuine -- that he's a man of simplicity, holiness and simplicity will make it easier to do other things down the line. I think that was his first goal, and he's done it.
I would expect that after the summer lull, we'll see some more signs of management changes.«

Von der von katholisches.info behaupteten Kritik des New Yorker Kardinals steht da nix...
Zu dem was Eminenz Chaput aus Philadelphia sagte (siehe hier): 
»I would think that by virtue of his office, he'll be required to make decisions that won't be pleasing to everybody. This is already true of the right wing of the church. They generally have not been really happy about his election, from what I've been able to read and to understand. He'll have to care for them, too, so it will be interesting to see how all this works out in the long run.«

Auch das ist keine Kritik am Papst, sondern bloß eine Feststellung (was im Grunde auch bei katholisches.info schon stand... was sie nicht hindert, es als "Kritik am Papst" zu verkaufen). Eine gewisse Ironie ist es, dass gerade katholsiches.info der beste Beweis dafür ist, dass diese Feststellung leider häufig der Realität entspricht. Darüberhinaus beweist dieselbe Seite auch, mit welch haarsträubenden Methoden daran gearbeitet wird, damit genau diese Unzufriedenheit bleibt und gedeiht (z.B. hier, hier und hier)!

Die tägliche Hl. Messe... auch ohne Volk!

Vor einigen Tagen erschien ein Schreiben der Kongregation für den Klerus über die tägliche Feier der hl. Messe. Ich hatte das Thema vor eineinhalb Jahren (hier) mal angesprochen. Nun gibt es also auch aus Rom entsprechende Impulse: "Die tägliche Feier der Heiligen Messe auch in Abwesenheit von Gläubigen" (hier zu finden). Es sei im ganzem zitiert, weil es so ein wertvoller Text ist:


Wir wissen sehr wohl, dass es in letzter Zeit immer wieder Priester gibt, die das so genannte „Messe-Fasten“ einhalten, das darin besteht, werktags, ab und zu, manchmal sogar jede Woche, die heilige Messe nicht zu zelebrieren, sie somit auch den Gläubigen vorenthaltend. In manchen Fällen ist der Priester der Ansicht, vor allem wenn er nicht auch direkt mit Seelsorge beauftragt ist, dass das tägliche Feiern der Messe nicht notwendig sei, wenn er sie nicht für eine Gemeinschaft zelebrieren kann. Und dann gibt es auch diejenigen, die der Ansicht sind, dass auch sie, in der Zeit ihrer wohlverdienten Ferien, das Recht haben „nicht zu arbeiten“; deshalb unterbrechen sie das tägliche Zelebrieren der Eucharistie. Was soll man nun davon halten? Fassen wir die Antwort in zwei Punkten zusammen: die Lehren des Magisteriums einerseits und einige theologisch-spirituelle Betrachtungen andererseits.


1. Das Lehramt

Zweifelsohne finden wir in den Lehramts-Dokumenten keine Weisungen hinsichtlich einer zwingenden Pflicht des Priesters, täglich die heilige Messe zu zelebrieren; es ist jedoch ebenso offensichtlich, dass ihm dies nicht nur empfohlen, sondern auch nahegelegt wird. Lassen Sie mich einige Beispiele nennen. Der Kodex des Kanonischen Rechts von 1983 verweist, im Rahmen eines Kanons über die Pflicht der Priester des Strebens nach Heiligkeit, auf Folgendes: «Die Priester sind nachhaltig eingeladen, täglich das eucharistische Opfer darzubringen » (Kan. 276, § 2 n. 2). Auf die tägliche Feier der Eucharistie müssen sie bereits in der Zeit ihrer Ausbildung vorbereitet werden: «Die Feier der Eucharistie hat der Mittelpunkt des ganzen Seminarlebens zu sein, so dass die Alumnen täglich an der Liebe Christi Anteil haben und die geistliche Kraft für ihre apostolische Arbeit und für ihr geistliches Leben vor allem aus dieser reichen Quelle schöpfen.» (Kan. 246 § 1).

Auf diesen letzten Kanon Bezug nehmend, unterstreicht Johannes Paul II. Folgendes: «Es ist daher angemessen, dass die Seminaristen jeden Tag an der Eucharistiefeier teilnehmen, auf dass sie, im weiteren Verlauf des Lebens, die tägliche Feier der Eucharistie als Grundregel ihres Priesterlebens verinnerlichen. Ihre Ausbildung wird sie auch dazu führen, die Feier der Eucharistie als den grundlegendsten Moment ihres Tages zu erachten.» (vgl. Angelus, 01.07.1990, n. 3; kursiv von uns).

Im nachsynodalen Apostolischen Schreiben Sacramentum Caritatis von 2007, hat Benedikt XVI. vor allem daran erinnert, dass «Bischöfe, Priester und Diakone – jeder seinem Grad entsprechend – die Zelebration als ihre Hauptpflicht betrachten müssen.» (Nr. 39). Daraus hat der Heilige Vater die logische Folgerung gezogen:
   
    «Die priesterliche Spiritualität ist von ihrem inneren Wesen her eucharistisch. [...]Den Priestern empfehle ich deshalb „die tägliche Feier der heiligen Messe, auch wenn keine Gläubigen teilnehmen” (Propositio 38 Bischofssynode). Diese Empfehlung steht zunächst in Einklang mit dem objektiv unendlichen Wert jeder Eucharistiefeier und hat überdies seinen Beweggrund in ihrer einzigartigen geistlichen Wirkkraft, denn wenn die heilige Messe mit Aufmerksamkeit und Glauben erlebt wird, ist sie formend im tiefsten Sinn des Wortes, da sie die Gleichgestaltung mit Christus fördert und den Priester in seiner Berufung stärkt.» (Nr. 80)

 Als Nachfolger dieser und weiterer Lehren besagt das Direktorium für Dienst und Leben der Priester, - 2013 von der Kongregation für den Klerus neu herausgegeben - unter Nr. 50, bezüglich der „Mittel für das spirituelle Leben“ der Priester: « Daher ist es für den Priester notwendig, sein Gebetsleben dermaßen zu gestalten, dass es folgendes umfasst: die tägliche Eucharistiefeier mit geeigneter Vorbereitung und anschließender Danksagung».
Diese und weitere Lehren des neueren Magisteriums wurzeln selbstverständlich in den Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das unter Nr.13 des Dekrets Presbyterorum Ordinis  besagt:

«Im Mysterium des eucharistischen Opfers, dessen Darbringung die vornehmliche Aufgabe des Priesters ist, wird beständig das Werk unserer Erlösung vollzogen; darum wird seine tägliche Feier dringend empfohlen; sie ist auch dann, wenn keine Gläubigen dabei sein können, ein Akt Christi und der Kirche».

2. Die wichtigsten Gründe

Allein der Verweis auf diese Weisungen des Lehramtes sollte ausreichen um alle Priester zur täglichen Feier der heiligen Messe zu veranlassen, unabhängig davon ob Gläubige anwesend sind oder nicht. So kurz gefasst wie möglich möchten wir jedoch auch die wichtigsten theologisch-spirituellen Gründe darlegen, die diesbezüglich den Weisungen der Kirche zugrunde liegen. In knappen Verweisen sei Folgendes gesagt.

a) Privilegiertes Instrument zur Heiligkeit des Priesters. Die heilige Messe ist „Quelle und Krönung“ des ganzen priesterlichen Lebens: aus ihr schöpft der Priester die übernatürliche Kraft und nährt den Geist des Glaubens desjenigen, der ihn braucht um sich Christus gleichgestalten zu können und um ihm würdig zu dienen. Wie die Manna, die während der Flucht aus Ägypten jeden Tag gesammelt werden musste, so muss auch der Priester jeden Tag an der Quelle der Gnade trinken, dem Opfer auf dem Golgatha, das sich in jeder heiligen Messe sakramental erneuert. Diese tägliche Feier zu unterlassen - außer im Falle tatsächlicher Unmöglichkeit - bedeutet, sich der wichtigsten Nahrung zu entziehen, die zur eigenen Heiligung und für den apostolischen Dienst in der Kirche erforderlich ist. Es bedeutet auch, das Risiko einer Art spirituellen Pelagianismus zu laufen, der eher auf die Kraft des Menschen setzt als auf die Gnade des Herrn.

b) Wichtigste Pflicht des Priesters, seine Identität kennzeichnend. Es ist ja vor allem die Feier der Eucharistie, die den Priester als solchen kennzeichnet; dies bestätigt sich durch die Tatsache, dass dieser Kirchendienst, dass die Eucharistie als solche, in Christi Handeln während des Letzten Abendmahls gründet. Die heilige Messe zu feiern ist nicht die einzige Aufgabe des Priesters, aber es ist die wichtigste. Daran erinnert ja gerade auch Presbyterorum Ordinis: im Darbringen der Eucharistie „üben die Priester ihre bedeutendste Funktion aus.“ Diese Lehre wird 1992 von Johannes Paul II. in Pastores Dabo Vobis aufgegriffen: «In ihrer Berufung zum Dienst am Heiligen sind die Priester also vor allem Diener beim Messopfer» (Nr. 48).

c) Vollkommenste Handlung pastoraler Liebe. Es gibt keine bedeutenderes Handeln in Nächstenliebe, das der Priester zu Gunsten der Gläubigen ausführen könnte, das größer wäre oder mehr Bedeutung hätte als die heilige Messe. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert mit folgenden Worten daran: «Mit der Eucharistie stehen die übrigen Sakramente im Zusammenhang; auf die Eucharistie sind sie hingeordnet; das gilt auch für die anderen kirchlichen Dienste und für die Apostolatswerke. Die Heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle, Christus selbst, [...]. Darum zeigt sich die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt aller Evangelisation» (Presbyterorum Ordinis, Nr. 5).

d) Seelenamt für Verstorbene. Die pastorale Liebe, die im allgemeinen nur die gläubigen viatores zu erreichen vermag, geht in der heiligen Messe über die Grenzen von Zeit und Raum hinaus. In persona Christi zelebrierend, erfüllt der Priester eine Aufgabe, die über die Wirkungsdimension der menschlichen Geste hinausgeht, die ja auf ihre Zeit, ihren Raum und auf die Geschichte ihrer Auswirkung beschränkt ist. Er geht über die Grenzen des menschlich Erreichbaren hinaus. Dies gilt insbesondere für den Wert des Verdienstes Christi, der sich in der heiligen Messe erneut dem Vater hingibt, sich für uns und für Viele opfernd. Zu den „Vielen“ für die sich Christus einmalig auf dem Kreuz geopfert hat und für die er sich auf dem Golgatha der Altäre unserer Kirchen opfert, gehören auch die verstorbenen Gläubigen, die danach streben in die göttliche Ewigkeit einzugehen. Seit jeher betet die Kirche während der Liturgie auch für sie, wie das Erwähnen der Verstorbenen in den eucharistischen Gebeten beweist. «Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehre gehalten und für sie Fürbitten und insbesondere das eucharistische Opfer dargebracht, damit sie geläutert werden und zur beseligenden Gottesschau gelangen können.» (Katechismus der Katholischen Kirche, n. 1032).
 
Der letzte, zusammenfassende Satz (im italienischen Original, hier) fehlt in der oben verlinkten deutschen Übersetzung, er sei noch nachgereicht:
Welcher Akt der pastoralen Liebe ist daher die tägliche Feier der Heiligen Messe auch in Fällen, in denen die Gläubigen nicht dabei sind!

Montag, 26. August 2013

Der "rechte Zeitgeist"?


»Laut Schneider versucht die evangelische Kirche, sich „auf der Höhe unserer Zeit dem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen, denn er ist der ‚rechte Zeitgeist‘,“ wie es der Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) formuliere« (idea).

Ich muss Herrn Präses Schneider hier mal einen Rüffel geben, für seine ziemlich hinterlistige und überdies recht ungeschickte Verzweckung eines so großes Denkers und eines so großen Christen wie Dietrich Bonhoeffer. Macht sich zwar gut, so einen Namen zu nennen. Aber als Anwalt taugt Bonhoeffer hier nicht. Er welzt sich wohl eher im Grab. 

Zunächstmal stammt das hier von Schneider missbrauchte Motto nicht von Bonhoeffer, sondern es ist das Motto eines theologischen Lehrbuchs, das Bonhoeffers Urgroßvater verfasste (Karl August von Hase: "Kirchengeschichte"; wurde während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer wieder neu aufgelegt). Im Original und im Ganzen lautet es: "Alles hat seine Zeit, der Herr der Zeit ist Gott, der Zeiten Wendepunkt Christus. Der rechte Zeitgeist der heilige Geist."
Dieser Spruch kann nun ganz gewiss nicht so gewendet und verdreht werden, wie es Schneider hier tut. Auf der "Höhe unserer Zeit" ist eine Öffnung für den "rechten Zeitgeist" sicherlich löblich, aber jener Zeitgeist, den Bonhoeffer (etwa in einer Predigt über Röm 12,11*) meint, wenn er dieses Motto gebraucht, ist die Zeit, die Stunde "die Gott mit Eurem Volk, mit Euch selbst haben will". Und weiter: "seid Menschen der heiligen Gegenwart, die nie wiederkehrt, wie jener barmherzige Samariter Mensch der Gegenwart war, auf dass ihr Menschen der Ewigkeit werdet." Immer gilt dabei, "daß wir in der Zeit, aus ihrer Vergänglichkeit heraus immer wieder die Augen wenden auf die Zeit die am Ende der Zeit kommt." (Nachzulesen in: Dietrich Bonhoeffer Werke, Band 10, 516f.)

Wovon Bonhoeffer hier spricht ist gerade nicht ein schauen auf den Zeitgeist der Welt, sondern ist der Geist Christi, der, unwandelbar und ewig, uns in dieser Zeit aus dieser Zeit nach Jenseits verweist. Unser Hier und Jetzt ist das Jetzt des Samaritaners, der seine Pflicht vor Gott und den Menschen tut. Dieser Samaritaner war nun aber eines genau nicht: Auf der Höhe seiner Zeit! Denn Feindschaft und Verachtung waren in jener Zeit das typische im Verhältnis zwischen Juden und Samaritanern. Gerade nicht "auf der Höhe unserer Zeit" wirkt der Heilige Geist, sondern gegen diese Höhe, die allzuoft ein tiefer Schlund, ein Abgrund sondergleichen ist. Bonhoeffer wusste das besser als wir alle, die Spätgeborenen.
Wenn Herr Schneider seine "Kirche" dem Wirken des Geistes öffnen will, sollte er sich erstmal fragen, was dieser Geist, was Gott!, will. Der Verweis auf die Zeit "am Ende der Zeit" stößt uns auf den Willen Gottes und also auf die Schöpfungsordnung (an der auch Bonhoeffer nicht rüttelt). Die "Orientierungshilfe" der EKD missachtet genau diese.
Es geht um das Heil der Seelen!

Schämen sie sich Herr Schneider, für so einen Missbrauch theologischer Gedanken höchster Güte!


* Eher nur für die Theologen unter meinen Lesern interessant:  Bonhoeffer übersetzt hier gegen das handelsübliche griechische NT und Luther mit Karl Barth, bei dem der letzte Abschnitt des Verses lautet: "dienet der Zeit". Barth optiert für einen frühen Fehler beim Abschreiben und hat gute Argumente für solch eine Rekonstruktion/Übersetzung, zumal es hier im griechischem Text faktisch an zwei Buchstaben hängt: κύριος und καιρός.
Es geht Bonhoeffer in der Predigt um die Frage, inwiefern sich der Christ der zeitlichen Güter bedienen kann oder soll, um selig zu werden, inwiefern ein Christ "modern" sein kann oder nicht.

Sonntag, 25. August 2013

Keine wirkliche Gemeinschaft


»Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.« (Lk 13,22-24)
Überaus aufschlussreich ist bei dieser Perikope der griechische Text. Was hier mit "bemühen" wiedergegeben ist, hat im Griechischen den Wortstamm agon, was soviel wie Kampf bedeutet, übertragen auch den sportlichen Wettkampf. Hier kommt sofort Paulus in den Sinn: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.« (2Tim 4,7)
Es geht nicht nur um ein "Bemühen", sondern regelrecht um einen Kampf. Ein Kampf auch gegen die eigene Bequemlichkeit und eine falsche Sicherheit. Von agon ist auch das griechische agonia abgeleitet, was Angst bedeutet, wir haben es auch im Deutschen: Agonie, was präzise den Todeskampf bezeichnet und uns auf den höchsten und wertvollsten agon verweist: Der Kreuzestod Jesu.

Die Perikope geht weiter:
»Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!« (V. 25-27)
An dieser Stelle ist wieder einmal die Einheitsübersetzung mangelhaft, denn wörtlich heißt es: "Wir aßen vor dir und tranken". Es ist also gerade keine Gemeinschaft mit dem Herrn zustande gekommen, sondern das Mahl ist gewissermaßen vor den Augen des Gastgebers geschehen, ohne diesen zu berücksichtigen. Und auf den Straßen hat er gelehrt... was fehlt? Dies: Sie haben sich nicht belehren lassen! Sie haben nur mitbekommen und zugeschaut, wie der Herr auf ihren Straßen lehrte, aber sie haben sich nicht berüren lassen, sie haben nicht reagiert.
Was hier ausgedrückt ist, müssen sich gerade auch Katholiken immer wieder vor Augen führen: Ist die Feier der Eucharistie nurmehr ein Geschehen vor Gott, oder mit Ihm? Lassen wir uns wirklich auf die Gemeinschaft mit Ihm ein, oder befriedigen wir nur unseren eigenen Hunger und Durst, ohne seiner zu gedenken ("tut dies zu meinem Gedächtnis")? Und lassen wir die Lehre, die Schrift!, wirklich an uns heran, oder registrieren wir nurmehr, dass das Evangelium vorgelesen wird?
Hier trifft genau das, was der Papst (hier) mit dem "pelagianischen Entwurf" benennt, also die Idee mancher katholischer Kreise, anhand von Praktiken oder aufgrund der Verwobenheit in einem Konstrukt aus Doktrin und Disziplin das Heil zu erlangen. Aber selbst diejenigen, die sich in Gemeinschaft mit dem Herrn wähnen, weil sie z.B. an einer hl. Messe teilnehmen oder die Bibel lesen, sind darum noch lange nicht in seiner Gemeinschaft. Es hilft nichts, zu essen und zu trinken, zu hören und zu schauen, wenn nicht auch etwas daraus entsteht, etwas gewandelt und verwandelt wird. Und wenn es uns denn in den Himmel verschlägt, werden wir ziemlich überrascht sein, wen wir da so alles antreffen werden... und wen nicht...
»Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.« (V. 28-30)


PS. Zur engen Pforte, siehe hier.

Samstag, 24. August 2013

Frage: Würzburger Synode

Ich habe den Eindruck, dass die Würzburger Synode, die immerhin über 1200 Seiten Buch hervorgebracht hat (2012 neu aufgelegt), überhaupt keine Rolle (mehr) spielt und niergends (etwa in kirchlichen Rundschreiben) beachtet wird. Kann es sein, dass man sich im Großen und Ganzen, von einigen Aufbrüchlern mal abgesehen, so sehr für das Gros der Ergebnisse dieses Treffens schämt, dass man es lieber unerwähnt lässt, in der Hoffnung, es zu vergessen?
Ich mein, dass z.B. die Texte über den Religionsunterricht die Grundsteinlegung einer beispiellosen religiösen Un- und Missbildung der deutschen Katholiken bedeutete, ist kaum zu leugnen; dass die Forderung nach der Zulassung der Frau zum Weiheamt dogmaticher wie historischer Nonsens und eine Totgeburt war, müsste inzwischen auch klar sein. Vieles mehr in diesen Dokumenten ist entweder schon längst obsolet oder war von Anfang an trivial oder einfach nur unnütz.
Die Synode war eine Ausgeburt der nachkonziliaren Euphorie und der damals nahezu allgemeinen Trash-Mentalität im Blick auf die Kirche und ihre wahren Schätze (engl. to trash something: etwas wegwerfen, to talk trash: Blödsinn reden).

...
Oder ist es einfach nur die Faulheit, die die Leute davon abhält den Papierberg (mehr Text als alle ökumenischen Konzilien zusammen) nach brauchbaren Satzfetzen zu durchstöbern?
Geht das nur mir so?