Donnerstag, 9. Mai 2013

Segen für die Welt


»Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben« (Lk 24,51)

In der orthodoxen Bildtradition, wird der gen Himmel entrückte Herr, entsprechend des Berichts im Lukasevangelium, mit einem Segensgestus dargestellt.

Der Segen, eine Sakramentalie, ist inniger Bestandteil des Lebens eines jeden Christen. Nicht nur in der schon fast abgedroschenen Formel, er solle "ein Segen sein" für die Welt, sondern auch ganz konkret im Segenspenden.
Wir sollen segnen. Die Brautleute einander, Eltern ihre Kindern...
Der Segen ist ein erstklassiger Widerspruch gegen die Privatisierung von Religion, gegen das Einsperren des Heiligen in der Kirche. Das Leben des Christen soll dieses Christsein wiederspiegel, soll die Welt um sich verchristlichen.
Das Segnen bewirkt ähnlich wie die Sakramente am Menschen eine Weihe (im weiteren Sinn), eine "Gottesweihe". Es hilft dabei, eine entsprechende Gesinnung zu entwickeln und danach zu wirken: Segen für die Welt.
Der Segen ist immer Weitergabe von göttlicher Gnade, er ist nie eigenes Tun, nie ein Geben aus Eigenem. Der Segen macht Christus, den Erhobenen, gegenwärtig, denn Er ist es, der durch uns segnet. Jeden, Spender und Emfänger, trifft der Segen nach seinem Vermögen. Segnen geschieht immer mit oder in dem Namen Gottes. Und dieser Name ist (wirk)mächtig! Segnen geschieht im Zeichen des Kreuzes, jenes Folterinstruments, das zum Thron Gottes wurde.

Bei all den Diskussionen um neue (überflüssige) Ämter für Frauen und beim Blick auf das gierige und blinde Verlangen Einiger nach eine sakramentalen Weihe, von der sie allem Anschein nach nicht einmal wissen, worum es geht, täte es bitter Not, die Würde des Christen wieder zu entdecken, die sich nicht in ehrenamtlicher Tätigkeit erschöpft, die aber genausowenig durch "Ämter" ausgefüllt werden kann. Die Berufung des Christen ist seine "intime" Beziehung zu Gott und die Anteilnahme am dreifachen Amt Christi, das er tagtäglich zu verwirklichen hat. Das Geschenk einander segnen zu können ist, neben dem Beten für einander, vielleicht die größte Gabe, mit der wir Menschen einander helfen können uns und die ganze Schöpfung zu Gott hinzuwenden.

Christus segnet uns, damit wir diesen Segen weitertragen. Christus segnet uns; auch so erfüllt sich das Wort: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

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