Aus der Lesehore:
»Mir werden nichts nützen die Enden der Erde noch die Königreiche dieser
Welt. Für mich ist es besser, durch den Tod zu Christus Jesus zu kommen,
als König zu sein über die Grenzen der Erde. Ihn suche ich, der für uns
gestorben ist; ihn will ich, der unseretwegen auferstanden ist. Mir
steht die Geburt bevor. Verzeihet mir, Brüder; hindert mich nicht,
das Leben zu gewinnen, wollet nicht meinen Tod, gönnet mich, da ich
Gottes eigen sein will, nicht der Welt und täuschet mich nicht mit
Irdischem; lasset mich reines Licht empfangen. Wenn ich dort angelangt
bin, werde ich ein Mensch sein. Gönnet mir, ein Nachahmer zu sein des
Leidens meines Gottes. Wenn ihn jemand in sich hat, so bedenke er, was ich will, und leide mit mir, da er meine Bedrängnis kennt.«
(Ignatius von Antiochien, Brief an die Römer, Kap. 6)
Kardinal Lehmann hält »ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinnvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist«. Ich kenne freilich nicht den Kontext des Gesagten, aber wenn der genannte Kontext soweit stimmt, muss ich mich doch sehr wundern.
Wie kann er nur, der er doch über eine außerordentliche theologische und zeitgeschichtliche Bildung verfügt, mit Verlaub, so einen Stuss verlauten lassen?
Es IST "von unten gewachsen"! "Von oben" wurde lediglich die Möglichkeit der Feier der "alten Messe" (und damit jenes "Nebeneinander") freigegeben, also ermöglicht. Das eigentliche Geschehen kommt aber von der "Basis", von Laien und Priestern, die diese Messe feiern möchten! Die Bischöfe halten sich, mit wenigen Ausnahmen, in aller Regel schön bedeckt.
Es sind die Liturgiereform und das de facto Verbot der "alten Messe" in den Jahren nach dem letzten Konzil, die "nicht von unten gewachsen", sondern "von oben" dekretiert wurden!
PS. Wenn die Gerüchte stimmen, ist unser Heiliger Vater exakt der gegenteiligen Ansicht...
Ich bin selbst nicht auf dem Kongress, aber es gelangten heute bereits, u.a. aus gewissen diözesanen Einrichtungen, einige wenig erfreuliche Neuigkeiten vom Kongress an mein Freiburger Ohr.
Von völligem Chaos bei der Organisation und einem einsamen Herrn in vielen Kirchen ist dabei die Rede. Und es soll wohl mit den Referenten und Themen bei den Katechesen des morgigen Tages nicht viel besser aussehen.
Sodass ich mich frage, ob Eminenz Meisner nicht doch etwas zu optimistisch gewesen ist...
Weiß da jemand unter meinen geschätzten Lesern mehr?
Der Freiburger EB Zollitsch erklärt anläßlich des eucharistischen Kongresses im Interview, was es mit der Eucharistie auf sich hat.
Und obwohl der Interviewer eine Steilvorlage bietet, schafft es EB Zollitsch nicht, über ein protestantisches Wischiwaschi hinaus, wenn er sagt:
»Die kirchliche Lehre über die Eucharistie sagt uns, dass Christus hier
und heute gegenwärtig mitten unter uns ist; dass die Welt, in der wir
leben, und zwar auch die materielle Welt – eben Brot und Wein –, nicht
gottlos ist. Der Eucharistische Kongress will uns diese Gegenwart
Christi erfahrbar machen und uns ermutigen, aus dieser Erfahrung heraus
die Welt, in der wir leben, zum Guten zu verändern. Die Wandlung in der
Eucharistiefeier will ihre Fortsetzung finden in unserem eigenen Leben
und Zusammenleben.«
Ich hätte mir gewünscht, der Interviewer hätte direkt daran anschließend gefragt, was es denn dann sei, was das katholische Eucharistieverständnis vom protestantischen Abendmahl unterscheidet. Deutlich später kommt dann auch diese Frage, aber EB Zollitsch bleibt sich treu und redet lieber über etwas anderes:
»Das eigentliche Problem, das einer generellen Eucharistiegemeinschaft
entgegensteht, ist das unterschiedliche Kirchenverständnis und damit
verbunden das unterschiedliche Amtsverständnis.«
Soso... das Kirchenverständnis und das Amtsverständnis sind schuld.
Dass es auch dort Unterschiede gibt und es hier einen geradezu existentiellen Zusammenhang gibt, ist klar, aber v.a. stört mich an dieser Antwort des EB, dass sie die Tatsachen ins genaue Gegenteil verdreht: Es klingt bei ihm so, als würde das Amt über die Eucharistie verfügen und die Kirche sie irgendwie determinieren. Aber die katholische Kirche hat nicht wegen ihres Amts- und Kirchenverständnisses ein anderes Eucharistieverständnis, sondern wegen ihres Eucharistieverständnisses hat sie ein anderes Amts- und Kirchenverständnis!
Das Amt dient der Eucharistie und die Eucharistie formt die Kirche. Nicht andersrum!
Ecclesia de eucharistia dazu:
»Das priesterliche Dienstamt ist unersetzlich, um die
eucharistische Konsekration gültig an das Kreuzesopfer und an das Letzte
Abendmahl zu binden.« (29)
»Unsere Vereinigung mit Christus [in der Eucharistie], die Geschenk
und Gnade für jeden einzelnen ist, bewirkt, daß wir in ihm auch zur Einheit
seines Leibes, zur Kirche, zusammengefügt werden.« (23)
(Im Grunde kann man ja beides sagen: "Die Eucharistie wirkt die Kirche" und "Die Kirche wirkt die Eucharistie". Soweit, so gut. Nur verbirgt sich hinter Letzterem eben letztlich primär das Amt.)
An anderer Stelle, ich weiß nicht wo, wurde die Eucharistie päpstlicherseits als Existenzgrund des Weiheamtes beschrieben. Wo die Priorität (und damit, in der Logik der Antwort des EB, die Schuld) liegt, ist also klar: Beim Wesen der Eucharistie.
Schade... und wieder eine Chance verpasst, Farbe zu bekennen. Wer soll uns bitteschön noch ernstnehmen?
Erkenntnis nach der weltweit anberaumten Anbetung vorhin: Wir haben eine total süße Maus in unserer Kirche. Noch etwas verwirrt, der kleine Racker, aber vllt. lebt er sich ja noch ein...
Ach, und die Anbetung war auch schön... geradezu "eucharistisch". :)
Ein schon seit vor meiner Bekehrung wichtiger Freund ist evangelischer systematischer Theologe und bei ihm im Büro finden sich mehr Bücher von katholioschen Autoren (Ratzinger, v. Balthasar, Bouyer, G. Lohfink, Pesch, Congar etc.), als bei so manchem katholischen Prof *hüstel*... ER beklagt sich regelmäßig über die mangelnde Lehramtstreue und den Anti-Rom-Kurs vieler katholischer Theologen, noch bevor ich dazu komme!
Zuweilen scheint mir, dass die Theologen unterschiedlicher Denominationen, wenn sie "richtig" Theologie betreiben, sehr viel von einander halten und lernen... es ist bezeichnend, dass sich gerade die, die in ihren "Kirchen" als die "Konservativen" gelten, häufig auf hohem Niveau mit ihren getrennten Brüdern verständigen können und erstaunliches bewerkstelligen. Es braucht also gar nicht so sehr die Weischspühler-Theologie und die Aufgabe des Eigenen.
Ich lerne das immer mehr (allerdings nicht an der Uni...): Eine wirklich fruchtbringende konfessionsübergreifende Theologie braucht überzeugende und gut biblische Lehre die keine Abstriche an der eigenen Identität macht. Dann, und nur dann, geschieht ein wirklicher Austausch. Alles andere ist nur Gleichmacherei. Was heutzutage z.B. von offizeillen Internetportalen an "katholischer" Lehre vermittelt wird, lässt sogar Luthers Erben erschaudern!
Wenn heute von Ökumene die Rede ist, handelt es sich meistens nur um marktschreierischen Populismus der weder eine theologische, noch eine moralische Basis hat. Wie gut tut es da, unter "anständigen" Theologen so viel Gutes zu erfahren!
»Die kfd-Bundesvorsitzende hob hervor, die sakramentale Weihe wäre eine
Bestätigung und Anerkennung der Begabungen und Fähigkeiten der berufenen
Frauen.« (hier)
Der is gut! Sakramentale Weihe als Anerkennung der Kirche gegenüber jemandem. Haha. Echt super lustig!
Ehm... oh... das soll gar kein Witz sein? Die meinen das ernst? Hmm... oje... arme Kirche. Sie haben mein aufrichtiges Beileid, Frau Opladen!
Ist so ein Leben, naja, mit Ihrer Kondition, ich meine, mit diesem gravierenden Bildungsdefizit, eigentlich sehr schwierig für Sie?
Ne, also echt... sorry... mehr als Häme fällt mir dazu nich ein.
Josef Bordat, heute:
»... der Schluss von der Überzeugung, Homosexualität sei in den Augen der
Bibel Sünde, der Homosexuelle aber von Gott geliebt und von den Menschen
entsprechend zu behandeln, auf Angst oder gar Hass gegenüber
Homosexuellen („Homophobie“) für einen gläubigen Menschen nicht
unmittelbar nachzuvollziehen...« (hier)
Marc, vor gut einer Woche:
»We want a label to be subsumed into. And thus Meier, in claiming the
label “gay,” says “I want the world to know the truth about who I am,”
because personal identity has been wonderfully reduced, and we can say —
without fear of contradiction — that who I am is gay, or who I am as straight.
This reduction is the primary reason Meier makes the tired, required
leap from what the Church says — that homosexuality is disordered — to
what he claims the Church says — “LGBT youth are hearing that they
are disordered.” Our culture defines individuals by their genital
urges, and thus any rejection of a sexual behavior is immediately heard
as a rejection of the individual. If who you are is a homosexual, then
there is no distinction between being told “homosexuality is disordered”
and “you are disordered.” While blurring this distinction and allowing
ourselves to exist as walking erections certainly allows for easy,
sure-fire, and oh-so-safe criticism of the Catholic Church, how small it
renders the human person! What a piece of work becomes man, how lacking
in depth, how easily negated, how boring and how bored!« (hier; überaus lesenswert!)
»Berger: „Wir sind in der Universitätstheologie an einem Punkt
angekommen, wo eine grundlegende Reformation nötig ist.“ Nach seiner
Einschätzung könnte es zu einer Trendwende kommen, wenn sich die
Mehrheitsverhältnisse im Deutschen Bundestag ändern und die
Staatskirchenverträge aufgelöst werden. Dies könnte auch das Ende der
theologischen Fakultäten an den Universitäten bedeuten. Berger:
„Vielleicht wacht die Theologie dann aus ihrer total abgesicherten Welt
auf.“« (hier)
Das wäre wohl die Lösung mit Keule... hoffen wir mal, dass es auch anders geht.
Überlegungen eines Laien.
Der Zölibat ist eine von den Kirchen (lateinische wie östliche) hoch geachtete Lebensform die ihre Wurzeln durchaus in der Bibel hat. Doch in den letzten 50 Jahren wurde allerhand unternommen, um diese Lebensform zu zerstören. Das ist nicht neu, das wurde vor 200 Jahren schon aktiv und höchst politisch betrieben (s. hier). Neu ist heute die Vielfalt der Zerstörer.
Dass es zahlreiche Übergriffe von Zölibatären auf Minderjährige gibt, ist klar. Dass nach seriösen Schätzungen mindestens 1/3 des deutschen Weltklerus sein Versprechen bricht und im Konkubinat lebt, ist weniger bekannt, aber leider auch kaum verwunderlich. Andernorts, v.a. in Südamerika, sieht es nicht besser aus.
Was die "Gesellschaft" so am Zölibat stört ist nicht unbedingt der Verzicht auf Sex. Da mag ein Freiburger Moraltheologe Schockenhoff noch so sehr der Ansicht sein, ein zölibatär lebender Priester leide "Hunger" (über die Gerüchte, den Lebenswandel des besagten Moraltheologen betreffend, der übrigens Priester ist, schweige ich lieber).
Es ist auch nicht bloß die eschatologische Zeichenhaftigkeit des Zölibats, die Anstoß erregt (jemand, der alles auf eine Karte, Gott, setzt und nichts für sich im Irdischen beansprucht). Ich wage zu behaupten, dass hinter dem medialen Hass auf den Zölibat letztlich doch auch eine verständliche Motivation steckt.
Der Grund, warum gerade die Kleriker beim Thema Missbrauch und auch beim Bruch des Zölibatsgelübdes besonders an den Pranger gestellt werden, ist hausgemacht: Weil für den Klerus ein weit höher angesetzter moralischer Maßstab geltend gemacht wird. Zugleich unterlässt man es, die realen Abgründe zu sehen und zu benennen. Nach den Ursachen zu fragen fällt daher ebenso flach. Die Ursache ist erwiesenermaßen ja nicht der Zölibat. Der Grund, warum jemand an seinem Lebensentwurf scheitert (was immer dieser sei), kann ja schwerlich dieser Lebensentwurf selbst sein. Ein jeder Lebensentwurf ist etwas Abstraktes. Es sind immer Menschen, die ihn ausfüllen und beleben. Und es sind die Menschen die scheitern. Warum scheitern sie?
Was ich meine: Offenkundig gibt es eine große Zahl von Klerikern, die an ihrer Zölibatsverpflichtung scheitern. Mal verbrecherisch und abscheulich in Form sexueller Übergriffe, mal durch das (hetero- oder homosexuelle) Konkubinat. Woran liegts?
Nun ist es leicht zu sagen, hier fehle es eben an der nötigen Stärke, am nötigen Willen, an Integrität.
Das Problem ist sehr komplex, aber ich vermute stark, eine Hauptursache, die ziemlich nah an den Ursprung des Ungemachs reicht, liegt schlicht und ergreifend in der (Aus)Bildung der Kleriker begründet.
Funfact: Stand in den beiden ersten Ausgaben des LThK (1930-38 und 1957-68) noch als erster Satz im Artikel "Zölibat", dass dieser eine "(Standes)Pflicht" der katholischen Priesters sei, so ist in der aktuellen Ausgabe nurmehr von einer "Lebensform" die Rede. Die Pflicht fehlt. Der Stand sowieso. Offenbar beurteilt also die Theologie den Zölibat heute anders als noch zu Zeiten des letzten Konzils.
Allbekannt ist sicherlich, dass in den Jahren nach dem letzten Konzil an nicht wenigen Priesterseminaren den Studenten erzählt wurde, der Zölibat werde in absehbarer Zeit "fallen". Diese Falschinformation ist für einen nicht kleinen Teil der späteren Laiisierungen verantwortlich gewesen, als die so Instruierten merkten, dass sich nichts ändern wird.
Generell habe ich den Eindruck, auch aus eigenen Erfahrungen, dass während der Priesterausbildung an vielen Orten der Zölibat nur ein Randthema darstellt. Man geniert sich und begegnet Unsicherheit und Zweifel, gar offener Infragestellung des Zölibats auf Seiten der Studenten, mit Ratlosigkeit und Schweigen... und Letzteres begegnet zuweilen sogar als "Rat" an die Betroffenen!
Die Ironie ist, dass, nun da das LThK die Rede von der "Pflicht" zum Zölibat eliminiert hat, der Zölibat in den Seminaren fast ausschließlich nur unter genau diesem Gesichtspunkt der "Pflicht", und zwar einer lästigen und bedrückenden solchen, betrachtet wird. Der Zölibat wird heute nicht mehr vom Einzelnen "angenommen", sondern er wird dem Einzelnen (von der pösenpösen Kirche) "angetan".
Wie wenig an den Seminaren über den Zölibat geredet wird, mag man auch daran ersehen, dass die meisten ständigen Diakone nicht wissen(!), dass sie gleichfalls zum Zölibat verpflichtet sind. Sie bekommen einen Dispens für die Dauer ihrer schon vor der Weihe geschlossenen Ehe, sie sind nicht von der Zölibatspflicht befreit! Das ist der Grund, warum Diakone nach dem Tod der Gemahlin nicht neu heiraten dürfen: Mit der Weihe sind sie, wie alle römisch katholischen Kleriker, zum Zölibat verpflichtet (CIC c. 277 §1).
Hierin liegt nun m.E. ein nicht kleiner Teil des Problems: Den Leuten wird der Sinn und das Wesen des Zölibats nicht erklärt. Ihnen wird der Wert, die Würde und die Schönheit dieser Lebensform nicht vermittelt. Und das Problem ist exponentiell gewachsen, denn die heutigen Ausbilder sind ihrerseits ja bereits durch diesen "Drill der Ignoranz" gegangen... sie wissen oft genug selber nicht, was es mit dem Zölibat auf sich hat! Wer sollte es den angehenden Priestern also beibringen?
Bei einem Priester, der so eine Ausbildung durchlaufen hat, wundert es mich nicht übermäßig, wenn er übergriffig oder seinem Versprechen untreu wird. Wie sollte sich auch jemand ganz bewusst und von ganzem Herzen einer Lebensform verschreiben, deren Sinn er nicht kennt? "Warum tu ich mir das überhaut an?" mögen sich viele gefragt haben, bevor sie zur Tat schritten.
Man wird aber auf absehbare Zeit nichts daran ändern. Man wird weiter das hohe Ideal hochhalten und den schönen Schein wahren. Mit der Folge, dass man es auch nicht kurieren können wird. Solange man das Geschwür nicht als existierend anerkennt, wird man es nicht behandeln können.
Und wenn man weiterhin ein Ideal hochhält, das zwar an sich richtig und wichtig ist, dem man jedoch systematisch jede Substanz entzogen hat, wird man weiter die Häme über den bigotten Klerus ertragen müssen, was wiederum eben diesen Klerus belastet und ins Wanken bringt.
Die Wahrheit ist zu benennen:
Ja, wir habens verbockt! Unsere Kleriker werden reihenweise ihrem Gelübde untreu, weil wir ihnen beigebracht haben, das sei so schlimm nicht. Und sie werden übergriffig, weil wir oft genug ihre Sorgen und Nöte nicht hören wollten. Ein nicht unwesentlicher Teil unseres Klerus' ist innerlich verfault und bigott bis zum Erbrechen, und WIR sind daran schuld. Wir haben den Zölibat zu einer zu (er)tragenden Last umgestaltet und nurmehr pro forma als "Charisma" etikettiert. Ihr habt Recht, wenn ihr uns selbstherrlich und heuchelrisch nennt, denn wir nehmen die Krankheit nicht ernst.
Aber hört auch dies: dass wir uns durch unser Tun auch an der Kirche und ihrem Leben vergangen haben. Wir haben dieses wunderbare "Zeichen des neuen Lebens" (KKK 1579) verachtet, es mutwillig und gleichgültig behandelt. Wir haben den Kandidaten den Umfang dessen verschwiegen, worauf sie sich einlassen und ihnen statt der Freude über diese "besondere Gabe Gottes" (c. 277) von schauerlichen Fesseln gepredigt. Wir haben aus der "Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen" die Verheißung andauernden Hungerns und Dürstens gemacht. Wir sind darum Schuld daran, dass so viele Priester "am Zölibat scheitern". Nicht "die Gesellschaft", nicht "die Medien". WIR!
Es muss also etwas geschehen... Es braucht eine Radikalkur, um diesen nach wie vor in den Seminaren und an den Fakultäten wuchernden Krebs zu besiegen. Andernfalls wird der Verfall nur noch schlimmer werden und der Zölibat wird mehr und mehr genau das sein, was heute schon medial durchaus nicht immer zu Unrecht am Pranger steht: Nurmehr eine Fassade, hinter der sich alles mögliche tummelt... nur keine sakramentalen Christusrepräsentanten. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis sich die Kirche beugen muss und diese Fassade dann auch noch einreißt. Und sie täte in dem Fall gut daran!
Aber so weit muss es ja nicht kommen...
Gebet für den Zölibat.