Mittwoch, 24. März 2021

Homosexualität und Kontrazeption

Ein kleiner Hinweis, weil das in der Diskussion wenig gesehen wird: Die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Sexualität hängt nicht unwesentlich mit der Akzeptanz künstlicher Empfängisverhütung zusammen.

Ein zentraler Punkt, der ausgelebte gleichgeschlechtlicher Sexualität aus biblisch-katholischer Perspektive als sündhaft qualifiziert, ist die solchen Akten grundsätzlich innewohnende Unmöglichkeit der Fortpflanzung, die als Kernaspekt des Geschlechtsaktes angesehen wird. Das exakt gleiche Kriterium erfordert nun aber auch die Ablehnung künstlicher Empfängnisverhütung.

Andersherum bedeutet dies: Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Sexualität als legitim folgt notwendig aus einer Anerkennung künstlicher Empfängnisverhütung. Wer Humanae vitae ablehnt, der wird konsequenterweise auch die römische Absage von Segnungen gleichgeschlechtlicher Verbindungen ablehnen; wer HV annimmt, muss auch Letzteres annehmen. Sehr anschaulich hat diesen wichtigen Zusammenhang der frühere anglikanische Primas Rowan Williams in einer bedeutenden, im anglikanischen Raum bis heute vielfach beachteten, Ansprache im Jahr 1989 mit dem Titel "The Body’s Grace" (z.B. hier zu finden) ins Wort gebracht:

»In fact, of course, in a church which accepts the legitimacy of contraception, the absolute condemnation of same-sex relations of intimacy must rely either on an abstract fundamentalist deployment of a number of very ambiguous texts, or on a problematic and non-scriptural theory about natural complementarity, applied narrowly and crudely to physical differentiation without regard to psychological structures.«

Zu Deutsch: Wenn künstliche Empfängnisverhütung kirchlicherseits akzeptiert ist, dann muss man auch gleichgeschlechtliche Sexualität akzeptieren; alles andere wäre inkonsequent und heuschlerich.

Wie gut, dass die katholische Kirche die künstliche Empfängnisverhütung genauso als sündhaft ablehnt, wie sie dies mit gleichgeschlechtlicher Sexualität tut. Diese letztere Ablehnung ist also durchaus konsequent. Die Wut, die sich heute über Rom ergießt, ist die selbe, sie sich 1968 ergossen hat... Eigentlich reden wir in beiden Fällen über ein und das selbe Thema, nur die Akteure sind heute andere.


Übrigens kann man den durchschalgenden evangelisierenden "Erfolg" der alles und jeden segnenden Anglikaner statistisch nachweisen, wie z.B. hier mit Daten aus dem Jahr 2019: 

»The report, published by the National Centre for Social Research, on Thursday of last week, found that only 12 per cent of respondents would describe themselves as “belonging to the Church of England [or the Church in Wales and Scottish Episcopal Church]”. This figure is down from 14 per cent last year, 22 per cent in 2008, and 40 per cent in 1983, when the survey was first run.
Among 18- to 24-year-olds, just one per cent said that they belonged to the Church...«

 

Die Anhänger der britischen Staatsreligion sind in ihrem eigenen Staat (und anderswo) faktisch eine sehr schnell aussterbende Gruppe... Aber zum Glück "diskriminieren" sie während ihres Aussterbens niemanden, und sie stellen es jedem frei, sich als gesunder Mensch mit technischen Mitteln in einen für sie krankhaften Zustand zu versetzen, nämlich den der Unfruchtbarkeit... juhu?



ceterum censeo: Paul VI. hatte recht (KLICKMICH).

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