Mittwoch, 4. Juli 2012

Zuerst der Zölibat

Jean-Baptiste Marie Vianney
Ich bin neulich schon auf das Thema Berufung eingegangen, gerade im Hinblick auf die Diskussionen zum Frauenpriestertum und zum Zölibat, und habe dafür aus dem KKK zitiert, was ich hier nochmal vorweg tun will, weil ich das für überaus wichtig halte:
»Niemand hat ein Recht darauf, das Sakrament der Weihe zu empfangen. Keiner maßt sich dieses Amt selbst an. Man muß dazu von Gott berufen sein [Vgl. Hebr 5,4.]. Wer Anzeichen wahrzunehmen glaubt, daß Gott ihn zum geweihten Dienst beruft, muß seinen Wunsch demütig der Autorität der Kirche unterbreiten, der die Verantwortung und das Recht zukommt, jemanden zum Empfang der Weihen zuzulassen. Wie jede Gnade kann auch dieses Sakrament nur als ein unverdientes Geschenk empfangen werden.« (1578)

Interessant ist aber auch der unmittelbar darauf folgende Abschnitt, in dem es heißt:
»Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat „um des Himnmelreiches willen“ (Mt 19,12) beizubehalten. [...]« (1579)
Hier wird sehr schön ersichtlich, dass der Zölibat keine Verpflichtung ist, die den Priestern (nach der Weihe) auferlegt wird, sondern dass man sich (als Mensch) zuerst zum Zölibat bereit erklärt (man sich also selbst dazu verpflichtet) und man dann von der Kirche gewählt, also berufen wird. Genau darum ist die Redeweise vom Zwangs- oder Pflichtzölibat der Priester total widersinnig. Ich kenne genug Priester und Priesteranwärter, die bei sowas nur den Kopf schütteln... offenbar haben die Autoren solcher Begriffe nicht verstanden, wovon sie reden.

Im Grunde ist es nicht anders als beim Ehesakrament: Vor dem Altar versprechen sich die Partner zwar feierlich die Treue, der Entschluss, und damit die selbst auferlegte Verpflichtung diesem einen Menschen treu zu bleiben, muss aber schon vorher gefällt worden sein. (Freilich, wenn es aus welchen Gründen auch immer nicht zur Weihe bzw. Eheschließung kommt, ist auch die zuvor eingegangene Verpflichtung nicht mehr bindend, da ihr Rahmen, also sozusagen der Raum in dem sie Existiert, nicht mehr gegeben ist.)

Der Zölibat ist, wie die Ehe auch, eine Lebensform, er ist ein Entschluss der den Menschen zutiefst betrifft und wesentlich, geistig wie körperlich, für sein ganzes Leben bestimmt. Wenn die Abschaffung des Zölibats gefordert wird, ganz egal wie hanebüschen die "Argumente" sind, decouvrieren die Akteure solcher Initiativen meist nur ihre eigene Geisteshaltung, die nämlich solche lebensbestimmenden, solche folgenschweren weil endgültigen Entscheidungen nicht anerkennt, nicht haben will. Kein Wunder also, dass allzuoft nur wenige Zeilen getrennt davon auch die Unauflöslichkeit der Ehe infrage gestellt wird.

Die Entscheidung zum zölibatären Leben muss dem Entschluss zum Weg des Priestertums vorangehen, denn aus dem Pool dieser Menschen (es gibt ja auch viele Zölibatäre, die nicht Priester werden wollen!, man denke nur an Laienbrüder in Orden, alle Bewerberinnen für Frauenorden, geweihte Jungfrauen etc. pp.) wählt die Kirche kraft ihrer Autorität die geeigneten Kandidaten aus. Nicht umgekehrt.


universi qui sustinent te
non confundentur

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