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Dienstag, 2. März 2021

Bekenntnis zur Liebe

Das Bewegendste und Schönste, was ich seit sehr langer zeit gehört/gelesen habe. 



»[…] Rechtgläubigkeit wird mit Einengung und Bevormundung assoziiert, Liebe mit Befreiung davon. Auf der einen Seite haben wir demnach den engstirnigen Fundamentalisten, auf der anderen Seite den menschenfreundlichen Seelsorger, hier den lieblosen Pharisäer, dem der wahre Glaube wichtig ist, dort den modernen Barmherzigkeitsprediger, dem die Menschen wichtiger sind. Er nimmt es deshalb mit den Dogmen nicht so genau. Das ist ein Ausweis seiner Menschenliebe. Liebe als Gegeninstanz zum Glauben, Wahrheit als Einschränkung der Freiheit: Diese Konstruktion hat sich in den Köpfen vieler Zeitgenossen festgesetzt.

[…]

“Missionarische Liebe” und “ungetrübte Reinheit der Lehre”: Beides gehört zusammen. Beides bedingt einander. Wir sehen es beim heiligen Paulus. Auf der einen Seite schreibt er: “Die Liebe Christi drängt uns!” (2 Kor 5,14). Und auf der anderen Seite besteht er kompromisslos auf der Reinheit der Lehre: “Doch wenn selbst wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten, als wir euch verkündet haben, so sei er verflucht!” (Gal 1,8).

Dabei will ich gar nicht leugnen, dass es Pharisäertum und engstirnige Rechthaberei gibt - übrigens nicht nur bei den sog. Konservativen, sondern in allen Lagern. Und ja, man kann auch mit der Rechtgläubigkeit Schindluder und geistlichen Missbrauch treiben, so dass das Beharren auf ihr nicht aus Liebe kommt, sondern dem eigenen Ego dient. […]

Warum bin ich Priester geworden und warum verkünde ich das Evangelium? Weil ich Christus liebe. Und warum liebe ich ihn? Weil er mir so viel verziehen hat. Wenn ich den Menschen den Glauben verkünde, dann nicht, weil ich mich für etwas Besseres halte oder weil ich sie bevormunden will, sondern weil ich ihnen dasselbe Glück gönne. Es besteht darin, die Liebe Christi kennenzulernen. Nur in dieser Liebe ist das Heil zu finden. Ich selber bin jemand, der ganz und gar auf diese Liebe angewiesen ist. Ich bin der verlorene Sohn, der gesündigt hat und wieder reuevoll zurückkehrt. Ich will so viele Menschen wie möglich mitnehmen auf diese Rückreise zum Vaterherzen Gottes. Ich predige, was ich lebe. Wenn Christus sagt: “Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder” (Mt 9, 13), geht mir das Herz auf. Jetzt verstehe ich, warum er mich gerufen hat! Dieses Glück will ich mit möglichst vielen Menschen teilen. Ich will ihnen zurufen: “Habt keine Angst, euch dem Herrn zuzuwenden! Ihr könnt die Güte seines Herzens nicht überschätzen. Glaubt an Seine Güte! Glaubt an Seine Liebe!” Wer Ihn sieht, sieht den Vater. Das Vaterherz Gottes wird in Seiner Liebe sichtbar.

Und warum ist die Reinheit der Lehre so wichtig? Weil alles darauf ankommt, das Ziel der Reise zu kennen. Es ist die Liebe des Herrn. […] Ich habe es erlebt, wie man mir “in missione canonica”, also in kirchlichem Namen, weismachen wollte, dass es diese Liebe gar nicht gibt. Christus sei ein Mensch wie du und ich gewesen: Er kannte mich nicht, er starb nicht für mich, er liebte mich nicht. Natürlich sei er von einer allgemeinen Menschenliebe erfüllt gewesen, er war ein großes Vorbild, ein Wohltäter: Aber mich hat er nicht geliebt, weil er mich gar nicht kannte. Jesus war nicht der menschgewordene Gott, sondern ein jüdischer Wanderprediger. Er wusste nicht, dass er uns durch seinen Tod erlösen sollte. Das seien alles nachösterliche Konstruktionen. Und deshalb lag es außerhalb seines Horizonts, eine Kirche zu gründen, deshalb gibt es kein von ihm gestiftetes Priestertum, deshalb haben die Sakramente keine göttliche Kraft, deshalb gibt es in der Beichte keine sakramentale Sündenvergebung und in der Eucharistie keinen wahren Leib des Herrn. Deshalb können Priester heiraten, Frauen Priester werden, Kirchenstrukturen geändert, Bastionen geschleift und Dogmen aufgegeben werden. Das alles lernte ich im katholischen Religionsunterricht vor über vierzig Jahren, und das alles begegnet mir bis heute auf Schritt und Tritt. Durch die Irrlehren werden die Menschen von der realen Liebe Christi abgeschnitten. Man reicht den Gläubigen Steine statt Brot. Das ist kein Zeichen von Liebe, sondern ein Verbrechen an den Seelen. Deshalb hat Paulus, wie oben zitiert, das Anathema über die Irrlehrer ausgerufen (Gal 1,8). Deshalb gehören Liebe und Glaube, missionarische Liebe zu den Seelen und Reinheit der Lehre untrennbar zusammen. Eine gute Mutter achtet darauf, dass sie ihren Kindern keine vergifteten Speisen reicht. Dasselbe tut die Kirche, wenn sie auf die Reinheit der Lehre achtet. Je weniger die Mutter darauf achtet, um so mehr ist dies ein Zeichen von Gleichgültigkeit gegenüber ihren Kindern, von erschreckendem Liebesmangel.

“Credidimus Caritati”- Was für ein schöner Wahlspruch aus 1 Joh 4,16! Wir glauben nicht an uns selbst und nicht an unsere eigene Unfehlbarkeit, sondern an die Liebe Christi. Wir gehören nicht zu den Theologen, die immer alles besser wissen als die Kirche. Wir glauben daran, dass Christi Liebe selber Vorsorge getroffen hat, die Seelen durch alle Generationen hindurch zu erreichen, nämlich dadurch, dass Er seine Kirche gründete und mit der nötigen Vollmacht ausstattete, damit sie ihre Mission erfüllen kann: die Kunde von Seiner Liebe unverfälscht durch die Zeiten zu tragen. Das Lehramt ist eine Erfindung seiner Liebe.

“Wir haben an die Liebe geglaubt.” Diese Wahrheit macht das Herz weit und erfüllt es mit Dankbarkeit, Freude und Begeisterung. Im Laufe meines Lebens bin ich vielen Menschen begegnet, die die Wahrheit der Liebe Gottes entdecken durften und denen es genau so ergeht. Darunter sind viele Konvertiten. Sie entwickeln ein besonderes Bewusstsein für unsere Dankesschuld gegenüber der Kirche. Der Kirche verdanken wir die immer neue Gegenwart der göttlichen Liebe in den Sakramenten, ihrem Lehramt die unverfälschte Kunde davon. Doch während wir uns von der Kirche beschenken lassen, wollen die Reformer umgekehrt die Kirche mit ihren Verbesserungsvorschlägen beglücken und sind dann beleidigt, wenn die Kirche sie nicht annimmt. Empfangene Liebe erzeugt Dankbarkeit, verhinderter Eigenwille Frustration. Seit 60 Jahren folgt Aufbruch auf Aufbruch: dem Aufbruch des Konzils der Aufbrauch der Würzburger Synode, der Aufbruch des Mannheimer Dialogprozesses, der Aufbruch des Synodalen Wegs... Die bemühte Aufbruchsrhetorik verkleistert nur die wachsende Frustration über den Ungehorsam der Kirche gegenüber den eigenen Reformwünschen. Vor 2000 Jahren ist Gott aufgebrochen, um uns in seinem Sohn seine Liebe zu schenken und jene Reform einzuleiten, auf die allein es ankommt: unsere Bekehrung, Heiligung und Rettung. Ich danke meinem Erlöser, dass er mir verzeiht, dass ich bin, wie ich bin. Der Modernist verzeiht der Kirche nicht, dass sie ist, wie sie ist. Ich bin übervoll von Freude, dass Jesus mich gerettet hat; der Modernist ist frustriert, dass die Kirche sich nicht von ihm retten lässt. Der Synodale Weg sei jetzt die letzte Chance für die Kirche, heißt es schon. Keine Sorge: Die Kirche wird auch diesen letzten Rettungsversuch überleben.

Frustration ist das Gegenteil von Begeisterung. Sie macht blind für die Wahrnehmung der wahren Sachverhalte: Aus der Treue des Lehramts, z.B. gegenüber der tradierten Wahrheit der Unmöglichkeit des Frauenpriestertums, wird in ihren Augen die uneinsichtige Sturheit einiger alter Männer in Rom. Die Modernisten wollen sich nicht belehren lassen und beschweren sich über die Unbelehrbarkeit des Lehramts. Sie erkennen nicht mehr die Liebe darin.

Ja, ich lege Wert auf die “Reinheit der Lehre”, ich bin “lehramtstreu”. Der Dienst des Lehramts ist ein Dienst der Liebe: göttliche Wahrheit statt menschlicher Meinung, Brot statt Steinen - auch wenn es anscheinend Menschen gibt, denen die Steine besser schmecken als das Brot. Schon Paulus warnte Timotheus vor Lehren, die den Ohren schmeicheln. Mein Gehorsam gegenüber dem Lehramt ist die Bedingung dafür, dass auch meine Verkündigung ein Dienst der Liebe ist. Dabei bleibe ich, daran halte ich fest, egal, was für ein schlechtes Beispiel mir von Theologen und kirchlichen Hirten gegeben wird. Ich bin es leid, mir solche Vorwürfe anhören zu müssen wie: der Glaube sei mir wichtiger als die Liebe, die Wahrheit wichtiger als die Freiheit, der Buchstabe wichtiger als der Geist. Das Gegenteil ist der Fall: Um der Liebe willen ist mir die Wahrheit so wichtig. Ich möchte die Menschen mit der göttlichen Liebe anstecken, nicht mit menschlichen Reformvorstellungen. Die Menschen haben ein striktes Recht darauf, aus meinem Mund den befreienden, frohmachenden Glauben der Kirche zu erfahren und nicht meine Privatmeinungen. Dieses Recht achte ich: weil ich die Menschen liebe.«


(P. Engelbert Recktenwald, im Vatican-Magazin Januar 2020, hier zum nachhören)

Sonntag, 20. September 2015

Gebet von Sünde und Gewissen

Herr Jesus Christus, Du bist verborgen im Sakrament Deines Todes, durch den Du die Sünden der Welt gebüßt und uns den Frieden des Herzens gebracht hast. Ich knie vor Dir nieder und bete Dich an. Die alten Christen haben Dich in diesem Sakrament genannt: Arznei der Unsterblichkeit, Gegengift gegen das Sterbenmüssen. So oft schon habe ich Dich als das Brot des Lebens in mich aufgenommen, und man hat mir dabei gesagt: Der Leib Unseres Herrn Jesus Christus bewahre Deine Seele zum ewigen Leben. Siehe, da bin ich nun vor Dir und ich bin ein Sünder. Ein noch leiblich lebender Mensch, in dessen innerste Gewissensmitte schon einmal, ja vielleicht schon oft, der ewige Tod eingebrochen ist. Auch dann, wenn Du mich, der ich innerlich tot war, wieder lebendig gemacht hast durch das unbegreifliche Sakrament Deiner Versöhnung, auch wenn die heilige Gnade wieder in mir lebt, muß ich es täglich erfahren: Noch steht der seeliche Tod vor der Tür meines Herzens. Noch lebe ich in meinem zur Sünde hingierenden Fleisch. Noch dräut jener Feind, dessen Werke aufzulösen Du zu uns gekommen bist im Advent deiner Menschwerdung, den Du hinausgeworfen hast in der ohnmacht Deines Kreuzestodes. Noch ist das Geheimnis der Bosheit am Wirken. Ich spüre es in den Versuchungen meines Leibes, in den Zweifeln meines Geistes. O heilbringende Opfergabe, noch dräut der Krieg des Feindes. Ich habe den Kampf gegen Fleisch und Blut, gegen Welt und Satan noch nicht endgültig bestanden. Noch ist für mich Niederlage möglich, Seelentod, ewige Hölle.
Aber ich weiß es im Glauben, ich bekenne es vor dem Sakrament Deines Blutes: Du hast mich erlöst. Du hast meinem Herzen Deine Liebe wiedergeschenkt im Blut Deines durchbohrten Menschenherzens. Du hast die tödliche sieche Menschheit angehaucht und ihr Menschen gesandt, zu denen Du sprachst: "Empfanget den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen" (Joh. 20,22). Seitdem ist es wahr geworden: "Du sendest Deinen Geist und alles wird neu, und Du wirst umgestalten das Antlitz der Erde" (Ps. 103,30). 
Bilde darum auch das Antlitz meines Herzens um. Gib mir den christlichen Geist der lauteren und schönen Gewissensklarheit. Gib mir die von Deiner Gnade geschenkte und von Deinem Gesetz gelenkte Freiheit des Christenmenschen. Gib mir Deine eigene Ehrfurcht vor der Majestät des Gewissens in mir und in den anderen. Laß mich in den Entscheidungen meines Herzens nie das Wort Gottes überhören, Dein Wort, Du im Sakrament so stummes und unüberhörbares Wort Gottes.
Laß mich Deinen Willen erkennen, Deinen Willen für mich, Deinen Willen gerade jetzt und hier in diesem Augenblick meines Lebens. Ich weiß, Herr, daß ich immer wieder Deinen Willen umzubiegen suche nach meiner Laune. Mein Herz kennt die tausend Kunststücke der Dialektik des sündiogen Menschen, solange mit meinem Gewissen zu handeln und zu feilschen, bis es nachgibt und nur noch das befiehlt, was ich will und gerne tue. Von den vorentschiedenen Leitbildern meines Lebens befreie mich. Erleuchte mich. Gib mir den Mut, mit unerwarteten Forderungen von Dir zu rechnen, den Mut, mir von Dir etwas zutrauen zu lassen, wozu meine Kräfte nicht auszureichen scheinen, den Mut, an Deine Kraft in meiner Schwachheit zu glauben und nach Deinem Willen zu fragen. Gib mir die Nüchternheit des wahren und ehrlichen Knechtes, der weiß, daß in Deinem Dienst eine kleine Tat mehr wiegt, als ein großes Gefühl und tausend hochgemute Vorsätze. Du kannst über mich verfügen, wie es dir gefällt, o Herr. Du kannst die Wunder Deiner überströmenden Gnade auch in der mittelmäßigen Gewöhnlichkeit des Lebens von jedermann bergen, Deinen Schatz in irdenen Gefäßen. Aber laß diese Wahrheit mir nicht zum Vorwand werden, hinter dem mein Herz seine Feigheit, Trägheit und Mittelmäßigkeit versteckt. Solches ist nie Dein Wille. Zeige mir Deinen Willen. Gib mir Kraft, als guter und getreuer Knecht Deinen Willen zu sehen und allezeit zu erfüllen.
Gib mir Deinen Segen und laß in meinem Herzen etwas aufbrennen von jenem Frieden, den die Welt nicht kennt, von jener unsäglichen Freude der Erlösten, denen die Sünden vergeben sind und deren Gewissen in lauterer Klarheit vor Gott steht. Ich möchte mit dem bekehrten Augustinus beten: "Nicht mit zweifelsschwangerem Herzen, nein, mit sicherem Gewissen liebe ich Dich, o Herr, Du hast mein Herz durchbohrt mit Deinem Wort" (Bekenntnisse 10,6). Selbst wenn meine Sünden röter wären als Scharlach, so bitte ich Dich doch: Sei meinem Gewissen die Unruhe, ohne die es keinen Frieden gibt. "Spät habe ich Dich geliebt, o Du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich Dich geliebt. Aber Du hast gerufen und meine Taubheit gespalten. Du hast geblitzt und gestrahlt und meine Blindheit in die Flucht geschlagen. Du hast geduftet, und ich habe den Hauch eingeatmet und lechze nun nach Dir. Du hast mich angerührt, nun bin ich entbrannt in Sehnsucht nach Deinem Frieden" (Bekenntnisse 10,27).
Laß mich in Deiner erlösenden Gnade ein fröhlicher Mensch sein, erfüllt von der Freude, die da ist die schönste Gabe Deines heiligen Evangeliums.
Amen.

(Hugo Rahner)

Dienstag, 8. September 2015

Die Horizontalität der Debatte

Ich beobachte mit Unbehagen eine höchst bedenkliche Horizontalität der meisten Debatten um die kirchliche Lehre auch und gerade innerhalb der Kirche (vgl. dazu meinen Beitrag "Dürftige Theologie - 12 - Horizontalisierung"). 
Wir alle stehen in der Gefahr, uns an vielen Stellen nur noch mit den politischen "Implikationen", vermeintliche hintergründigen "Intentionen" und oberflächlischen "Wirkungen" zu beschäftigen, ohne den wirklichen Sinn etwa eines Jubeljahres der Barmherzigkeit zu erkennen und das eigentliche Ziel allen kirchlichen Tuns zu beachten: Das ewige Heil der Seelen.

Papst Franziskus sagt beispielsweise - so auch vor wenigen Tagen wieder zu den Priestern (hier) -:  "Bitte seid große Vergeber" und er meint damit ausdrücklich das Wirken des Priesters im Beichtstuhl. Es geht hier also nicht um ein billiges "Vergeben" mit dem Slogan "Ist schon gut. Weitermachen!", gar um das Gutheißen irgendwelcher Handlungen, sondern um das Treten vor das ehrfurchtgebietende Antzlitz Gottes, des Arztes unserer Seelen und des Richters über Heil und Unheil, um ihn "mit zerknirschtem Herzen und reumütigem Sinn" um Verzeihung für die von uns begangenen Sünden zu bitten (die pastorale Einführung für die Feier der Buße hält denn auch völlig zu Recht daran fest, den Beichtvater als Arzt und als Richter zu identifizieren).
Nicht wenige Zeitgenossen, auch innerhalb der Kirche, wollen hier aber heraushören, der Papst würde die Schwere der Sünde herunterspielen oder sie gar gutheißen. Ich erlebe solche Deutungen von Franziskus' immer wiederkehrenden Rufen zur Versöhnung sogar unter Theologiestudenten. Dabei ist das Gegenteil wahr.

Das wurde mir kürzlich wieder besonders krass vor Augen geführt, als ein Kommentator auf diesem Blog auf die Erleichterung des Zugangs zum Sakrament der Beichte (zum Zwecke des Erwerbs des Jubiläumsablasses) im Falle der Beteiligung an einer Abtereibung während des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit durch Papst Franziskus, mit der "Deutung" reagierte, der Papst wolle hier "Signale" senden, gar noch solche "gegen militante Lebensschützer". (Man lese hier im Kommentarbereich, gleich der erste Kommentar.)

Aus meiner letzten Antwort auf diese Thesen des Kommentators:
»Es ist sehr bedauerlich, dass deine Perspektive so eisern horizontal ist. Du siehst scheinbar ausschließlich die "politische Botschaft", die der Papst angeblich senden will, übersiehst aber völlig das große Ganze, das eigentlich direkt vor Augen ist (den Wald vor lauter Bäumen...): Dass es bei diesen Äußerungen des Papstes einzig um die Versöhnung der verwundeten Seele mit Gott im Sakrament der Beichte geht.
Es geht somit um nichts weniger als um den wahren Kern des christlichen Glaubens: "Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung." (2Kor 5,19)

Franziskus hat es in seinem Pontifikat immer unermüdlich gepredigt und ist immer, das "Protokoll" brechend, mit gutem Beispiel voran gegangen: Lasst euch versöhnen in der Beichte! Ich erinnere mich noch an die Bilder, wie ihn sein Zeremoniar den Beistuhl zeigt, den er besetzen soll, und Franziskus lässt ihn links liegen, läuft einfach geradeaus weiter, am Kameramann vorbei, auf die andere Seite des Ganges und geht selber erstmal beichten.
Ich habe das Gefühl, als sei dir diese ganze sakramentale Dimension der Versöhnung, die unzweifelhaft im Zentrum der Verkündigung dieses Papstes steht, völlig egal... es geht dir nur um die Politik, um das "Senden" von "Botschaften". Deine Ausführungen könnten 1 zu 1 von irgendeinem Reporter stammen, der überhaupt keinen Bezug zum Glauben der Kirche hat, und der, so völlig "außen" stehend, versucht, die "Signale" zu deuten, die "das Oberhaupt der katholishen Kirche" an die Welt "sendet". Wo er doch in Wahrheit nur die Katholiken(!) zum Empfang des Bußsakramentes ermutigen will.«

Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte es dazu kommen, dass Menschen, auch Katholiken, den Ruf zur Versöhnung (der immer ein Weg der Umkehr und der Lebensänderung ist) mit einer Verharmlosung der Schuld oder gar, wie es in den Medien ablesbar ist und wie ich es auch in Gesprächen erlebt habe, einem Freibrief zur Sünde verwechseln? Den Fehlschluss könnte man vielleicht so formulieren: "Wenn es mir vergeben werden kann, dann darf ich es also guten Gewissens tun" (wobei das mit dem Sakrament der Beichte dabei allerdings ausgeblendet wird). Irgendetwas ist ganz gehörig kaputt im moralischen und geistlichen Empfinden auch vieler Katholiken. (Vgl. meinen Beritrag über das moralische "Be-Urteilen".)

Wenn das ewige Heil der Seelen aus dem Blick gerät und nurmehr politische Botschaften und die möglichst vorteilhafte Positionierung innerhalb aktueller gesellschaftlicher Debatten von Belang sind, die nur das (vorgebliche) irdische Glück der Menschen betreffen (das erlebe ich leider auch immer häufiger bei nicht wenigen deutschen Bischöfen); wenn die Warnung vor der Sünde als Diskriminierung und zugleich der Ruf zur Versöhnung (der immer auch eine Warnung vor der Sünde beinhaltet!) als Duldung oder gar Anerkennung von Sünde missverstanden wird; wenn der Ruf "geht zur Beichte!" als ein "ach, regt euch nicht auf, so schlimm ist das doch nicht" aufgefasst wird - dann leben wir ganz sicher nicht in einer Welt, in der sich der Wille Gottes im Handeln der Menschen zeigt. Dann ist diese Welt, und die Akteure in ihr, weit, weit Weg von den Wegen Gottes.
[Kategorien wie "irdisches Glück" und "Zufriedenheit", sind denn auch der Maßstab, nach dem immer mehr Katholiken die Kirche beurteilen und wie nicht wenige Bischöfe sie sehen wollen, weswegen sie dann Marketing-Strategen zu Rate ziehen, die auf der Grundlage entsprechender Zufriedenheitsstudien "Verbesserungen" herbeiführen sollen... Wenn die Kirche zur NGO wird.]

Die traurige Ironie bei alledem ist, dass wir es hier mit exakt der gleichen Situation zutun haben, mit der auch Jesus Christus konfrontiert war (nichts Neues unter der Sonne...): Auch seine ständigen Rufe zu Umkehr und Versöhnung mit Gott wollte die Mehrheit seiner Zuhörer nur in Kategorien "politischer Botschaften" und "Signale" verstehen, weswegen sie ihn, als er diesen gesellschaftlich-politischen Erwartungen nicht gerecht wurde (Israel von der römischen Besatzung zu befreien), loswerden wollten. Der Ruf zur Umkehr war für die Menschen damals so unerträglich wie er es für uns Heutige auch ist. Da tut es gut, solche Rufe nur in gesellschaftspolitischen Kategorien aufzufassen... das ist einfach, weil es dann nur um Meinungen, Standpunkte und  Debatten geht. Mit mir und meiner Lebensweise hat das dann im Grunde nichts zutun, also muss ich da auch nichts ändern, geschweigedenn, zur Beichte gehen. Die Horizontalität schützt vor einer Infragestellung der eigenen Bequemlichkeit. Den wenigen Hirten, die unbeirrt weiter zur Umkehr rufen, der prominenteste unter ihnen ist derzeit Papst Franziskus, wird es am Ende wohl nicht anders ergehen, als es Jesus erging. Wenn dann der Papst, wie zu erwarten ist, nicht die hohen Erwartungen der "Welt" (!) an ihn erfüllt, werden sie ihn medial kreuzigen, wartets nur ab!

Man muss sich nur mal die Berichte über die Synode auch in katholischen Medien ansehen: Es wird dort nicht nach dem Willen Gottes gefragt, sondern nach den Erwartungen der Menschen. Unentwegt begegnen einem Stimmen, die irgendetwas "von der Kirche" fordern, überall werden "Erwartungen an die Synode" formuliert. Immer geht es um ein fast schon störrisches "Ich will!". Nur äußerst selten wagt es jemand, die Frage in den Raum zu werfen "Was will eigentlich Gott?". Denn Gott ist nurnoch der Alibigeber, der uns ja "Freiheit" und ein "Gewissen" gegeben habe und der deswegen alles toll zu finden hat, was wir "frei" und "gewissenhaft" tun wollen. Aber das ist ein Hirngespinst, weil so eine Einstellung in der ganzen Heilsgeschichte kein Vorbild hat: Nie war das, was die Menschen in der Mehrheit wollten identisch mit dem Willen Gottes. Deswegen bedurfte es immer der Rufe zur Umkehr zu Gott, von denen die Bibel voll ist.
Es ist eine grenzenlose Arroganz (war es zu allen Zeiten), dass wir meinen, es nicht mehr nötig zu haben umzukehren - ausgerechnet heute, da wir merken, dass wir noch nie in der Geschichte den Menschen so effizient töten und ausbeuten konnten, wie es heute getan ist, sei es im Krieg oder im Mutterleib. Wir leben wahrlich in einer "Kultur des Todes", und der Ruf danach, die vorfindliche "Lebenswirklichkeit" als Maßstab für die Wahrheit zu nehmen, ist einfach nur ekelerregend zynisch.

Es ist traurig, weil die, die nach "Änderungen in der Kirche" rufen, die ihren Wünschen entsprechen, nichts mehr von Gott erwarten. Sie erwarten alles vom Menschen, vom irdischen Leben, wollen hier alles Glück und alle Freiheit. Der Leser möge es selbst mal testen: Alles, was derzeit öffentlich an "Forderungen" gebracht wird, funktioniert auch ganz ohne Gott. Man kann "Gott" herausnehmen, ohne jedwede inhaltliche Beeinträchtigung. Die ganzen Reformpläne, Aufrufe, Arbeitspapiere und Beschlüsse haben Gott nur noch marginal, als Alibi drin (wenn überhaupt), nie als entscheidenden Faktor, gar als bestimmendes Merkmal, als Ursprung oder als Ziel des Handelns. Ob nun Ungehorsmsaufrufe, Dialogprozesse oder dergleichen mehr, sie alle zeichnen sich durch einen intrinsischen Atheismus aus.
Die wahren "Reformen", zumal die Reformgestalten in der Kirchengeschichte, erkannte man immer an ihrer Heiligkeit und ihrer unbedingten Ausrichtung auf Gott und seine Wahrheit. Immer auch im Dienst am Menschen, ja, aber seiner von Gott geschenkten Berufung gemäß, nicht seinen eigenen Wünschen!

»So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!« (2Kor 5,20)


Mir scheint der ganze Trubel, als schauten wir in ein dunkles Dickicht, auf bedeutungslose Baumstümpfe, und als seien wir unfähig, nach oben zu blicken und den Wald zu erkennen, das Licht zu sehen und die Verheißung, die an uns erging: "Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus!" (Offb 12,10)

Mittwoch, 2. September 2015

Jubiläum der Barmherzigkeit - Ablass

Das "Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit", das Papst Franziskus ausgerufen hat, stellt viele Katholiken sicher vor mittel- bis sehr große Schwierigkeiten. Denn worum es dabei geht ist nicht ein billiges "wir fühlen uns alle gut" und "Gott wirds schon richten", sondern es ist v.a. ein Ruf zu "echter Umkehr" und zur sakramentalen Versöhnung mit der Kirche und mit Gott. Der aktuelle päpstliche Brief an den Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung (hier) macht dies recht deutlich. Er behandelt den Jubiläumsablass und die v.a. logistisch (und für manche auch rechtlich) vereinfachten Bedingungen, diesen zu erlangen.

Und da fängt es schon an: Was ist überhaupt ein Ablass? "Ablass ist der Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott, für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist" (Handbuch der Ablässe, Ablass-Normen, 1). Es geht also um den Erlass zeitlicher Sündenstrafen, die hinsichtlich ihrer Schuld bereits durch das Sakrament der Beichte vergeben sind. Was sind "zeitliche Sündenstrafen"? Das sind, vereinfacht gesagt, die Leiden der "armen Seelen" (der Verstorbenen) im Purgatorium (vulgo "Fegefeuer"). Also jener Aspekt unseres katholischen Glaubens, der heute von den meisten Theologen offen bestritten/geleugnet, von den meisten Pfarrern ignoriert und von den meisten Gläubigen oft genug nicht einmal mehr (als Glaubensinhalt) gewusst und bestenfalls einschlussweise geglaubt wird.
Und dabei ist er so wertvoll! V.a. in der Sorge um die Verstorbenen, ist der Ablass von unschätzbarem Wert.

Wann haben Sie, lieber Leser, das letzte Mal einen Ablass erworben? Wissen Sie überhaupt, wie das geht? Der Kenner weiß: Einen Ablass gibt es nur in Verbindung mit dem Sakrament der Beichte (und anderen Bedingungen, die der Papst auch nennt). Ja, richtig gelesen, jenes Sakrament, das laut Statistik, viele (bis zu 9 von 10) hauptamtliche Mitarbeiter der kath. Kirche in Deutschland seltener empfangen, als dies das Kirchengebot vorschreibt. Jenes Sakrament, das mit Abstand am meisten mit "Konservativismus", "Rigorismus", "Rückständigkeit" etc. in Verbindung gebracht wird...

Die den Brief beschließenden Regelungen bzgl. Piusbruderschaft (meine Gedanken zu diesem bemerkenswerten Schritt: hier) und Abtreibung (zu den Verwirrungen diesbezüglich, ob der Papst nun Abtreibung erlaubt habe: hier) dienen einzig diesem Ziel: Dass alle hier Betroffenen, die zur Umkehr bereit sind, ungehindert den Jubiläumsablass erlangen können. [Dass mancher Zeitgenosse sich dazu hinreißen lässt, hier ein taktisches Manöver zur meinungspolitischen Einflussnahme zu sehen (siehe den letzten Link, der erste Leserkommentar), macht mich Schmunzeln, denn nichts liegt diesem Schreiben des Papstes ferner - das offenkundig nur, ich wiederhole mich, die Regelungen für den Erwerb des Ablasses und den in einigen Fällen erleichterten Zugang zur Beichte zum Erwerb dieses Ablasses zum Inhalt hat. Man beachte auch die Ausführungen des Papstes bezüglich der Strafgefangenen, die keine Möglichkeit haben, eine ordentliche Heilige Pforte zu durchschreiten.]

Es geht nicht um ein Wohlgefühl, sondern um Taten die dem eigenen Heil und dem der anderen dienen. Die auch zuweilen sehr unbequem und heute überhaupt nicht (kirchen-)politisch korrekt sind. Nochmal Franziskus:
»Es ist mein Wunsch, dass die Kirche in dieser Zeit des Jubiläums den in den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit enthaltenen Reichtum wiederentdecken möge.«

Zu den geistlichen Werken der Barmherzigkeit gehören auch diese: Für die Verstorbenen beten (der Ablass für einen Verstorbenen ist hier gewissermaßen das non-plus-ultra!), die Unwissenden lehren (was ich mit diesem Blog versuche) und die Sünder zurechtweisen (was heute allzugern mit der Berufung auf das Gewissen regelrecht als Diffamierung bekämpft wird, vgl. meine Ausfürungen dazu hier).

Alles in Allem kann man wohl konstatieren: Wären nicht diese zwei heiklen bzw. für Uninformierte sensationellen Passagen darin, würde niemand diesen Brief beachten... denn er regelt ja eigentlich nur einige rechtliche Formalitäten bezüglich des (wie mit jedem, so auch) mit diesem Jubiläum verbundenen Ablasses. Ein Thema, das, mal ehrlich, selbst unter den Katholiken hierzulande kaum jemanden interessiert. Man wird dieses Jubeljahr sicherlich mit vielen wohlfeilen Phrasen pflastern und am Ende doch nur "billige Barmherzigkeit" predigen... ich hege Zweifel, ob die Beichtzahlen merkbar ansteigen werden. Immerhin ein Gutes hat die ganze Aufregung um die Sache mit der Abtreibung und den Piussen (siehe die Links dazu weiter oben): Dieser Brief hat ungeahnt viel Aufmerksamkeit bekommen, und vielleicht lässt sich ja der eine oder andere Leser berühren, diese Aspekte des katholischen Glaubens - sakramentale Versöhnung, Ablass - wieder ernster zu nehmen.
Ich für meinen Teil danke dem heiligen Vater, dass er sich bemüht, an alle zu denken, so dass niemand, der auf den Weg der Gebote Gottes umkehren und den Jubiläumsablass gewinnen will, durch äußere Umstände daran gehindert ist. Und ich werde in diesem Jubeljahr auch einen solchen Ablass erlangen.

Beichte bei den Piusbrüdern

Da Papst Franziskus anlässlich des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit nicht nur allen befugten Priestern die Lösung der "Fessel der Exkommunikation" und die Lossprechung von der Sünde der Abtreibung gewährt hat (s. hier), sondern auch den Priestern der Priesterbruderschaft Pius' X. die Spendung dieses Sakraments gewährt, sei ein Wort dazu verloren.
Der Punkt, den ich machen will, ist dieser: Oft ist zu hören, bei den Piusbrüdern würden die sakramente "unerlaubt aber gültig" gespendet. Das Stimmt... leider nicht für alle Sakramente. Entgegen anderslautender Meinungen, sind die Beichten bei den Piussen nicht nur unerlaubt, sondern höchst wahrscheinlich auch ungültig.

Der Papst schreibt:
»Bewegt von der Notwendigkeit, dem Wohl dieser Gläubigen zu entsprechen, bestimme ich in der Zwischenzeit in eigener Verfügung, dass diejenigen, die während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. empfangen, gültig und erlaubt die Lossprechung von ihren Sünden erlangen.«

Es hat einen Grund, weshalb der CIC 21 Kanones benötigt, um die Voraussetzungen des Beichtvaters zum Beichtehören darzulegen, während für den Pönitenten 5 Kanones ausreichen. Bereits kanon 966 §1 CIC macht es überaus klar: "Zur gültigen Absolution [validam absolutionem] von Sünden ist erforderlich, dass der Spender außer der Weihegewalt die Befugnis besitzt, sie gegenüber den Gläubigen, denen er die Absolution erteilt, auszuüben."

Eine solche Befugnis kann laut c. 969 §1 nur der Ortsordinarius (Ortsbischof, dessen Vertreter oder rechtlich Gleichgestellte, vgl. c. 134 CIC) erteilen. Einen solchen haben die Piusse nicht. Denn sie haben zwar Bischöfe, aber keine Diözesen; sie haben Priester, aber keine Pfarreien (gleichgültig, ob sie selber irgendwelche Strukturen so nennen: es sind keine) - sie haben in der Gegend rumstehende Kirchen und Kapellen, aber nirgendwo eine Ortskirche... und keine Ordinarien (der Wortteil "ordo" impliziert bereits die Rechtmäßigkeit). Das ist der Grund dafür, und das wird in diesem "barmherzigen" Schreiben des Papstes evident, warum der Papst es ihnen überhaupt für dieses eine Jahr zugestehen kann!

Das Bemerkenswerte dabei ist, dass der Papst denen, die bei der Bruderschaft die Sakramente empfangen wollen, nicht ermahnt, dies bei den rechmäßigen (in voller Einheit mit Rom stehenden) Spendern zu tun, sondern er ihnen die Möglichkeit ausdrücklich zugesteht, dies bei den Piusbrüdern zu tun. Das ist nicht weniger als phänomenal, denn es bedeutet faktisch eine liebevolle Anerkennung alles Guten, das die Piusbrüder tun - Franziskus spricht vom "guten Glauben und der guten sakramentalen Praxis dieser Gläubigen" -, und es lässt, zumindest für einen Moment, die moralische und rechtliche Unhaltbarkeit der faktischen Trennung außer acht. Am kirchenpolitischen linken Rand müsste man darüber eigentlich entsetzt sein.


PS. Für alle Hobby-Theologen: Nein, das "supplet ecclesia" trifft hier nicht. Man lese dazu die sehr klaren Ausführungen von Jimmy Akin: hier. In kurz: die Kirche ersetzt nur bei ihren eigenen Leuten etwaige fehlende Leitungsgewalt, nicht bei denen, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen, seien es orthodoxe Priester oder Priester der Piusbruderschaft.

Freitag, 17. Oktober 2014

Reue ohne Umkehr


»Wie schwer eine Sünde auch immer sein mag, wenn der Sünder mit dem festen Vorsatz sich zu bessern umkehrt, wird er barmherzig aufgenommen und losgesprochen. Aber Lossprechung ohne Umkehr – was ist das anderes als Barmherzigkeit „light“, also Laxismus? Genau das aber, „Lossprechung ohne Umkehr“, ist die innere Logik des Lösungsvorschlags von Kardinal Kasper.[*] Denn sein Weg zur Wiederzulassung der Betroffenen zu den Sakramenten durch die Zulassung zur und Absolution in der Beichte spricht nur von der Reue, aber nicht von der Wandlung, der Umkehr. Letzteres würde das – wie auch immer geartete - Ablassen vom eingeschlagenen Weg einer ungültigen „Zweitehe“ bedeuten. Wenn aber zwar Reue, aber keine Umkehr, dann auch keine Lossprechung, alles andere kann wohl nur verstanden werden als Missbrauch oder Umdeutung des Sakramentes der Buße.  
Es ist ja wohl auch unsinnig zu sagen: „Ich bereue den Bruch meiner sakramentalen unauflöslichen Ehe und das Eingehen meiner zweiten ‚Ehe‘“, zugleich aber einen bewussten Willensakt zu setzen: „Ich will den damit eingeschlagenen Weg der Abkehr vom legitimen Ehepartner in der neuen „Ehe“ fortsetzen.“ Was man „will“, kann man nicht zugleich glaubwürdig bereuen. Was würde auch ein „neuer Lebenspartner“ zu dem Bekenntnis sagen: „Ich bereue, Dich geheiratet zu haben“? Die solches tun, suchen im Grunde nicht Barmherzigkeit, sondern sie wollen die Rechtfertigung ihres Tuns durch die Änderung der dem entgegenstehenden Norm. Die Kirche sagt: „Der Vergebung muss die Änderung des Lebens, die Umkehr vorausgehen“, während im anderen Fall „Vergebung ohne Änderung des Lebens“ angezielt wird. Das aber dreht die Struktur der Beichte um 180 Grad. Die zivile Zweitehe wäre keine Sünde mehr - logischerweise würde damit die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe aufgegeben. Denn Reue und Umkehr kann in diesem Fall nur bedeuten, zur ersten Ehe zurückzukehren; niemand kann ernsthaft sagen „Ich bereue, aber ich will in dem Zustand bleiben, den die Tat hervorgerufen hat, die ich bereue“.
Wenn Barmherzigkeit etwas anderes bedeuten würde als die liebevolle Zuwendung und Antwort auf die Umkehr, dann wäre Ehebruch (denn so nennt Christus selbst die neue Verbindung) die einzige Sünde, die ohne Reue und Umkehr vergeben werden könnte. Barmherzigkeit kann in keiner Weise eine angeblich „barmherzige“ Rechtfertigung einer offenkundigen Ungerechtigkeit bedeuten. Denn dann wäre sie eine Täuschung des Menschen, die es ihm erlauben würde, in der Sünde zu verharren. Eine Kommunionzulassung auf dieser Basis wäre das Symbol für eine solche „Rechtfertigung“. Bekanntlich gehört gemäß einer langen Tradition der Kirche die Belehrung von Unwissenden und Irrenden zu den Werken der Barmherzigkeit.
[*] Vgl. S. 65 f. Die Argumentation des Autors erscheint zuweilen in sich widersprüchlich. So sagt er z. B. an anderer Stelle auch, dass „die Barmherzigkeit Gottes…nicht von der Umkehr dispensiert“ (S. 65). Oder: „Deshalb kann unsere Position nicht die einer liberalen Anpassung an den Status quo sein“ (S. 11). Aber wenn er z. B. die Tür der „wilden Lösungen“ (i.e. der willkürlichen Zulassung zur Kommunion) „in vielen Gemeinden längst sperrangelweit offenstehen“ sieht und er dem begegnen will, indem „man eine verantwortliche offizielle Tür öffnet“ (so in der „Tagespost“ vom 15. 4. 2014 in seiner Entgegnung auf unsere Besprechung seines Buches ebd. vom 11. 3.), dann ist das doch genau die Anpassung an den Status quo. - Oder wenn er auf der einen Seite für die Lösung der behandelten Fragen „eine Kasuistik nicht möglich und nicht wünschenswert“ hält (S. 92), auf der anderen Seite aber dann ein Vorgehen vorschlägt, das einen klassischen Fall von Kasuistik darstellt (S. 65f). Vgl. auch seine dies bestätigende Aussage, dass er „Einzelfallentscheidungen … zu bedenken gegeben habe“ (in seinem Interview „Nicht mit dem Papst selbst gesprochen“, in: „Die Tagespost“ vom 1. 3. 2014, S. 5).«

(Norbert und Renate Martin, "Dulden, was an sich unmöglich ist" - Kritische Anfragen an Walter Kaspers Buch "Das Evangelium von der Familie", Forum Katholische Theologie 2014,3, 186-201, 193-4. Hier als PDF verfügbar: KLICK)

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Barmherzigkeit und Wahrheit

Nachdem ich gestern bereits (hier) aus dem Apostolisches Schreiben Reconciliatio et Paenitentia zitiert habe, hier noch ein Nachschlag dazu:



»Ich erachte es als meine Pflicht, hier wenigstens kurz auf einen pastoralen Fall einzugehen, den die Synode, soweit es ihr möglich war, erörtert und auch in den Schlußvorlagen berücksichtigt hat. Ich meine gewisse, heute nicht seltene Situationen, in denen sich Christen befinden, die weiterhin am sakramentalen Leben teilnehmen möchten, aber daran gehindert sind durch ihre persönliche Situation, die in Widerspruch zu ihren vor Gott und der Kirche freiwillig übernommenen Verpflichtungen steht. Diese Situationen erscheinen als besonders schwierig und fast unentwirrbar.

Im Verlauf der Synode haben eine Reihe von Wortmeldungen, welche die allgemeine Ansicht der Väter hierzu zum Ausdruck brachten, hervorgehoben, daß es angesichts dieser Fälle zwei Grundsätze gibt, die zusammen gelten, gleich wichtig sind und sich gegenseitig bedingen. 
Der erste ist der Grundsatz des Mitgefühls und der Barmherzigkeit, nach welchem die Kirche, die in der Geschichte die Gegenwart und das Werk Christi fortsetzt, der nicht den Tod des Sünders, sondern dessen Bekehrung und Leben will, darauf bedacht ist, das geknickte Rohr nicht zu brechen oder den glimmenden Docht nicht zu löschen. Sie ist vielmehr immer darum bemüht, soweit es ihr möglich ist, dem Sünder den Weg der Rückkehr zu Gott und zur Versöhnung mit ihm zu weisen
Der andere ist der Grundsatz der Wahrheit und Folgerichtigkeit, aufgrund dessen die Kirche es nicht duldet, gut zu nennen, was böse ist, und böse, was gut ist. Die Kirche, welche sich auf diese beiden sich ergänzenden Grundsätze stützt, kann ihre Söhne und Töchter, die sich in jener schmerzlichen Lage befinden, nur dazu einladen, sich auf anderen Wegen der Barmherzigkeit Gottes zu nähern, jedoch nicht auf dem Weg der Sakramente der Buße und der Eucharistie, solange sie die erforderlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt haben.
Zu diesem Problem, das auch unser Herz als Hirten schwer bedrückt, habe ich mich verpflichtet gefühlt, im Apostolischen Schreiben Familiaris Consortio ein deutliches Wort zu sagen, was den Fall der wiederverheirateten Geschiedenen betrifft [FC 84] oder allgemein jener Christen, die unrechtmäßig zusammenleben. [...]
Für alle diejenigen, die gegenwärtig die objektiven Bedingungen nicht erfüllen, die vom Bußsakrament gefordert sind, können die Beweise der mütterlichen Güte von seiten der Kirche, die Übung anderer Formen der Frömmigkeit als die der Sakramente, das aufrichtige Bemühen um Verbundenheit mit dem Herrn, die Teilnahme an der heiligen Messe, die häufige Erneuerung von möglichst vollkommenen Akten des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Reue den Weg bereiten zur vollen Versöhnung in einer Stunde, die nur der göttlichen Vorsehung bekannt ist.«


(hl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben im Anschluss an die Bischofssynode:
"Reconciliatio et Paenitentia" vom 2. Dezember 1984, Nr. 34; klick.)

Samstag, 24. Mai 2014

Dürftige Theologie - 11 - Lebensänderung


Bitte die Einführung (hier) beachten!

»Meine persönliche Erfahrung ist, die Begegnung mit Christus, die wirklich möglich ist, verändert ein Leben und verändert die Perspektiven und damit auch die Grundüberzeugungen. Bei den Debatten, die wir zum Beispiel über Sexualmoral haben, bleibt dieser Aspekt realer Lebensveränderungen aber meist außen vor. Und ohne diesen Aspekt geht es eigentlich immer nur um den Vergleich von Normen, und darum, ob irgendetwas zeitgemäß ist oder nicht. Aber es geht nicht mehr um die eigentliche Frage, ob nicht so etwas wie echte Bekehrung auch den Blick verändern kann und wird - auf alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens, einschließlich der Sexualität.« (Quelle)
So der neue Passauer Bischof Stefan Oster in einem Interview im Vorfeld seiner Weihe.

Was in all den Debatten heute fehlt, ist das Bewusstsein um das Wesentliche: Die immer wieder notwendige Umkehr zu Gott.

Hat ein Priester Probleme mit dem Zölibat, muss dieser abgeschafft werden.
Begeht jemand Ehebruch, soll die Kirche es gutheißenn.
Hat man vorehelischen Sex, soll die Kirche ihr placet gebenn.
Bastelt man sich ein eigenes Hochgebet, muss das doch "ok" sein.
Zelebriert man eine "hl. Messe" ohne Priester, soll die Kirche dieses "Laienengagement" anerkennen.
usw. usf.
...
Nicht mehr das Gebot ist Maßstab des Handelns, sondern das eigene Handeln wird zum Maßstab des Gebotes 2.0 erhoben. 

Egal worum es geht, in all den Debatten die heutzutage schwelen ist der Tenor klar: Man tut etwas, das gegen die Regeln Gottes und seiner Kirche verstößt und verlangt entsprechende Änderungen dieser Regeln, damit man sich wohl bei dem fühlen kann, was man tut. Nie, wirklich niemals, wird dabei auch nur in Erwägung gezogen, dass man sich im Unrecht befinden könnte, auf dem Holzweg, im Abseits. Folgerichtig kommt denn der Gedanke an eine Umkehr auch nicht auf... also jene für einen Christern eigentlich wesensmäßige Bewegung, ohne die er alles mögliche sein kann, bloß kein Christ.
Dass Gottes Gebot normatiov gilt und man sein Leben danach auszurichten hat, dementsprechend also an seinem eigenen Tun und Lassen hin und wieder eine Kurskorrektur vornehmen muss, das geriet völlig aus dem Blick.

Als Johannes Hartl heute den Link zu jenem Interview auf facebook teilte, schrieb er dazu: "So mutig ist, was er schon vorab sagt:"... und Johannes hat recht! Die Möglichkeit oder gar Notwendigkeit einer Änderung des eigenen Tuns anzusprechen, bedarf heutzutage Mut! Leider mehr als man denkt...

Zwar bemüht man in Theologenkreisen für die Forderung nach der "Kirche" als Erfüllungsgehilfin der eigenen Wünsche gerne auch biblische Bilder, aber dabei kann man dann immer wieder jenes interessante Phänomen beobachten, das ich vorzugsweise als eine "Blindheit auf dem rechten Auge" bezeichne, weil komischerweise immer wieder einschlägige Halbverse aus der Bibel zitiert werden, aber nicht der Rest vom Vers (wir lesen ja von Links nach Rechts...) bzw. was darauf folgt. Etwa wenn Jesus aus Joh 8,11 zitiert wird mit "Auch ich verurteile dich nicht.", aber der Schluss des Verses "Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!" unterschlagen wird. Oder wenn die Rede davon ist, den "verlorenen Schafen" nachzugehen, und man es tunlichst vermeidet zu erwähnen, dass der Sinn dieses Nachgehens einzig darin besteht, das verlorene Schaf wieder heim zu holen und eben gerade nicht darin, es auf seinem (Irr)Weg zu begleiten oder gar dazu zu ermutigen (vgl. hier)!

Kardinal Kasper scheint der Meinung zu sein, ein Ehebrecher könne zur Beichte gehen und danach einfach genau so weitermachen wie vorher. Und er nennt dies "Versöhnung" (vgl. hier). Finde den Fehler.
Versöhnung setzt immer auch Umkehr voraus!
Barmherzeighkeit bedeutet nicht, jemanden wie gehabt gewähren zu lassen! Hier ist vielmehr eine Hilfe zur Änderung intendiert.

Das liebste Brechmittel vieler Moraltheologen in diesen Tagen ist die Phrase von der "Versöhnung mit der eigenen Lebensgeschichte". Das hat nichts mit Versöhnung zutun, weil das Bezeichnete ein bloß intrinsischer Prozess ist, er dringt überhaupt nicht nach außen, erst recht nicht in Richtung Gottes oder seiner Kirche. Diese Phrase bedeutet im grunde nicht viel mehr als "sich mit dem abfinden/anfreunden, wie es ist", und ist somit das genaue Gegenteil von dem, was eigentlich die Pflicht jedes Christen ist.
Das Ziel des Christen ist die ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel. Dieses Ziel erreicht man nicht durch nichtstun, durch Zufriedenheit mit dem, was man tut oder wie man ist. Der Weg zu Gott verlangt Anstregung, Verzicht, Demut, Metanoia.

Schaut man sich die seit Jahrzehnten übliche Verkündigung an, oder tut man sich eine ganz normale Vorlesung der Moraltheologie an, ist man versucht zu glauben, es sei inzwischen fast unmöglich, überhaupt noch zu sündigen oder gar der Verdammnis anheim zu fallen. Kein Wunder, dass niemand mehr beichten geht. Alles lässt sich irgendwie rechtfertigen und umbiegen und am Ende verzeiht Gott sowieso alles, no questions asked.
Es herrscht offenbar nicht nur ein gewisser "Protestantismus" vor, bei dem "allein der Glaube" zur Seligkeit genügt, und die Werke egal sind. Es ist ein mutierter Protestantismus, dem man huldigt, denn es gilt: "sola opinio fidei", also "nur die Meinung des Glaubens": Ich bin der Meinung, dass ich glaube, also bin ich erlöst. Ob ich wirklich (den Glauben der Kirche) glaube, ist egal... und meine Werke sowieso.

Jesus sagt: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Mk 8,34)
In den letzten Monaten habe ich mehrmals aus bischöflichem Mund gehört, dieser "harte Weg" sei nur etwas für einige wenige "Heroen", nicht aber für "die Masse" der Christen. Daher könne man dies oder jenes (z.B. Enthaltsamkeit in einer zweiten zivilen Verbindung in Treue zum sakramental angetrauten Partner und dem Gebot des Herrn) nicht von allen verlangen. Nichts könnte falscher sein! Der Weg der Heiligkeit ist für jeden der einzige Weg! Ob es immer gelingt ist eine andere Frage, aber die Forderung ergeht an jeden und das Bemühen darum bleibt niemandem erspart.
Diesmal scheint die Blindheit auf dem linken Auge zu liegen, denn eingeleitet wird jenes Jesuswort so: "Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte:..." Offenbar richtet er sich nicht nur an die "Auserwählten", seine Jünger (vgl. Mt 16,24).

Walter Kasper betont in seinem "Evangelium von der Familie" sehr stark, dass es nicht sein könne, dass es eine Ausweglose Situation gebe, so unmöglich es auch ist, diese Situation zu "akzeptieren" (vgl. hier)... aber was der Kardinal zu legitimieren sucht, wenn er den Kommunionempfang (unter welchen Bedingungen auch immer, vgl. hier) erlauben will, ist letztlich ein bequemer Weg raus (der aber nicht wirklich raus führt)! Aber Kasper irrt (oder schweigt absichtlich), denn: Einen Ausweg gibt es auch in dem von ihm behandelten Extremfall bereits! Wenn nämlich die in ziviler Zweitehe Lebenden "wie Bruder und Schwester" zusammenleben, also nicht mit einander sexuell verkehren, begeghen sie nach geltendem Recht keinen Ehebruch und sind folglich auch nicht von den Sakramenten ausgeschlossen. (Gerade die Situation einer "Zweitehe" ist nunmal eine solche, in die man sich selbst begiebt, für die man selbst verantwortlich ist, niemand heiratet aus Versehen ein zweites Mal. Unser Problem ist, dass seit Jahrzehnten den Leuten, etwa in der Ehevorbereitung, nicht deutlich genug vermittelt wurde, was die Konsequenzen solcher Handlungen sind. Gerade deshalb muss an der Disziplin festgehalten werden, denn ein Defizit der Verkündiger darf nicht zur Auflösung der zu verkündigenden Inhalte führen, sondern diese müssen eben wieder neu eingeschärft werden! Auch das ist unbequem.)
Das ist nicht leicht, gewiss... eine Zumutung gar für heutige Ohren und Gemüter. Aber es ist ein Ausweg und er steht jedem offen! Und wenn man den nicht wählt, dann bleibt einem eben nur noch jener andere nicht minder schwere Weg des Verzichts auf die Kommunion...

Die unbequeme Wahrheit ist, dass es nicht immer möglich ist, einen bequemen Ausweg aus einer Situation zu finden. Manchmal manövrieren wir Menschen uns in eine Situation, aus der nur ein wahrhaftiger "Kreuzweg" herausführt. Das mag uns nicht gefallern, ist aber nun einmal so. Es ist nie leicht, etwas zu ändern, am schwersten ist es, sich selbst zu ändern. Aber ohne geht es nicht!

»Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.« (Röm 12,1-2)

Die christliche Hoffnung richtet sich letztlich auf das Jenseits. Auch diese Perspektive fehlt in den Debatten völlig.  Es ist uns nicht vergönnt, hier auf Erden alle Bequemlichkeit und Sorglosigkeit zu haben (wäre dem so, gäbe es keinerlei Notwendigkeit für irgendwelche "Opfer" im paulinischen Sinn). Letztlich gilt Jesu Verheißung aber auch genau jenen, die in einer solch schwerwiegenden und schwierigen Lage sind, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt.
»Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden... Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein...« (Mt 5,4; Offb 21,4)

Mittwoch, 7. Mai 2014

Dürftige Theologie - 8 - Geht es um die Beichte?

Bitte die Einführung (hier) beachten!

Im Folgenden geht es nicht speziell um Kardinal Kaspers Thesen, obgleich er sich als mustergültiges Phänomen offenbart hat, seit ich den ersten Teil dieses Beitrags schrieb.

Aus Kardinal Kaspers Leserbrief in der Tagespost vom 15. April als Antwort auf den kritischen Artikel des Ehepaares Martin vom 12. April daselbst:
»Vollends entlarvend finde ich den letzten Einwand [der Martins], dass sich diejenigen, welche sich nach einer Scheidung redlich und treu an die Weisung der Kirche gehalten haben, sich als Dummköpfe vorkommen, würde ein Wiederverheirateter von der Kirche "vom Ehebruch faktisch freigesprochen." Ganz abgesehen davon dass die Absolution nicht vom Ehebruch, sondern von der Schuld des Ehebruchs freispricht, würde sich ein solcher "Dummkopf" in der Tat wirklich dumm in die Rolle des brav im Hause gebliebenen älteren Sohnes im Gleichnis Jesu begeben, der dem barmherzigen Vater Vorwürfe macht, weil er dem verlorenen Sohn Barmherzigkeit zuteil werden lässt (Lk 15,11–32). Wer so argumentieren würde, hat von Gottes Barmherzigkeit noch gar nichts verstanden.« (zitiert von hier, ich habe den Brief noch nicht komplett vorliegen. Er lässt sich aber durch die Reaktionen auf den Blogs ganz gut zusammenstückeln... ohne Gewähr)

Ehm... say what?! Ok, also jetzt redet sich Kardinal Kasper um Kopf und Kragen... si tacuisses...

Was der Kardinal hier tut ist eine ziemliche Verdrehung und Verwirrung des Sachverhaltes.
Das Gleichnis Jesu funktioniert ja nur dann, wenn der "verlorene Sohn" wiedergefunden wird, d.h. wenn er sich von seinem falschen Lebenswandel abwendet und auf den guten Weg zurückkehrt.
Wenn aber ein in zweiter ziviler Ehe lebender Mensch zur Beichte geht mit der Überzeugung, danach seine zweite Zivilehe weiter zu leben wie vor der Beichte, dann wendet er sich von gar nichts ab. Oder irre ich mich?

Wenn ich einem Freund in schöner Regelmäßigkeit jeden Tag eine Socke klaue (natürlich jedesmal von einem anderen Paar), dies in der Beichte bekenne aber zugleich weiß, dass ich einfach weitermachen WILL mit dem Klau, welchen Effekt hat dann das Sakrament der Versöhnung?

Zum "erfolgreichen" Empfang des Sakramentes der Versöhnung gehören: Gewissenserforschung, Reue über das Getane, der Vorsatz, d.h. der Wille, die begangene Sünde in Zukunft nicht mehr zu begehen (ob mir das gelingt steht auf einem anderen Blatt), das Bekenntnis dieser Sünde und die Erfüllung der mir auferlegten Buße. Genau genommen ist der Vorsatz ein Bestandteil der Reue, aber dazu gleich mehr.
Gehen wir das doch mal für den Sockenklau exemplarisch durch (wir gehen hier davon aus, dass ich nicht unter einer Erkrankung leide, die mich dazu treibt, die Socken zu klauen, sondern dass ich es willentlich tue):
Gewissenserforschung: Hier kann ich zu der Erkennnis gelangen, dass das Sockenklaune falsch ist, ich muss es also beichten.
Reue/Vorsatz: Existiert nicht. Ich finds doof, aber ich finds auch irgendwie spaßig! Ich habe den ausdrücklichen Willen, auch nach der Beichte die Socken meines Freundes zu stibitzen. Zur Reue gehören aber notwendig zwei Komponenten, von denen eine der Vorsatz ist. Mit den Worten des KKK: "Die Rückkehr zu Gott, die Bekehrung und Reue genannt wird, besteht im Schmerz und im Abscheu vor den begangenen Sünden sowie im festen Vorsatz, zukünftig nicht mehr zu sündigen. Die Bekehrung erstreckt sich also auf die Vergangenheit und auf die Zukunft; sie wird von der Hoffnung auf die göttliche Barmherzigkeit genährt." (Nr. 1490)
Bekenntnis: Ich bekenne den Sockenklau, den ich irgendwie ja auch doof finde.
Buße: Ich bete den vom Beichtvater auferlegten Rosenkranz.

Ja, schön, Pech: Es kommt keine Sakrament zustande, denn der Vorsatz ist konstitutiv. Dumm gelaufen.

Kasper gibt ja offenbar zu, dass hier Ehebruch im Spiel ist. Der Ehebruch besteht darin, dass hier etwa ein Mann mit einer Frau sexuell verkehrt, die nicht seine ihm sakramental angetraute Ehefrau ist. Das ist ein recht simples Faktum das sich für den Pönitenten bei seiner Gewissenserforschung sehr schnell und sicher feststellen lässt. Das ist die Definition von Ehebruch: "Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet" (Mk 10, 11–12)
Aber es scheint, als glaube der Kardinal, trotz gegenteiliger Beteuerung, die Beichte würde vom Ehebruchverbot dispensieren, denn es muss hierbei der Eindruck entstehen, der Wille zur Fortsetzung des Ehebruches nach der Beichte habe keinerlei Relevanz für das Zustandekommen des Sakramentes. Aber das ist Falsch! Der Wille zur Umkehr ist absolut notwendig (ob dem Wille auch die Taten folgen ist ein separates Thema und diese Separiertheit ist der Grund, weshalb wir meistens die selben Sünden immer wieder zur Beichte tragen).


Erst in den letzten Tagen entdeckte ich, dass der Kardinal während meiner Abwesenheit noch sehr viel tiefer in fragwürdige Gewässer geschippert ist... Kasper redet sich nämlich noch mehr um Kopf und Kragen. Also nochmal... Einige Tage später... Zitat Kasper vom 22. April, seinen Vortrag vor dem Konsistorium verteidigend:
»Es geht im Vortrag [im Unterschied zu früheren "Vorstößen"] nicht mehr um die Zulassung zur Kommunion, sondern um die Zulassung zum Sakrament der Buße und damit zur Absolution. Die Buße setzt voraus, dass Schuld gegeben und bereut wird, aber ebenso dass Gott dem, der umkehrt, barmherzig ist und die Schuld vergibt.« (von hier)

Aha. Buße also. In seinem Vortrag geht es v.a. um die Kommunion! Wie man leicht (hier) nachlesen kann, betrachtet der Kardinal in seinem Vortrag die Teilnahme an der Kommunion als "Planke des Heils" (zur Abstrusität dieser Idee, siehe Link) und genau diese Planke steht im Zentrum seines Interesses, nicht die Buße.

Aber nehmen wir den Kardinal mal beim Wort, tun wir mal so, als stünde im Zentrum seines Vortrags die Ermöglichung des Zugangs zum Sakrament der Buße und, wie der Kardinal extra betont, zur Absolution. 
Das ist so absurd, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll...


Es ist eine theologische Binsenweisheit, dass nur dann überhaupt eine Absolution zustande kommt, wenn der Pönitent den festen Vorsatz hat, die begangene, bereute und gebeichtete Sünde nicht wieder zu begehen. Kardinal Kasper tut nun so, als wäre jeder, der in "irregulären" Umständen lebt, vom Sakrament der Beichte ausgeschlossen... das stimmt aber einfach nicht! Im Englischen gibt es den schönen Ausdruck "red herring" (Reucherhering, im Deutschen würde man sprichwörtlich wohl von einer Nebelkerze reden), gemeint ist ein Ablenkungsmanöver, ein Verwirrspiel um das eigentliche Thema nicht beackern zu müssen. 
Fakt ist: Diejeneigen sind vom Bußsakrament ausgeschlossen, die nicht bereuen und nicht den Vorsatz zur Umkehr fassen (genau genommen, ist dieser Vorsatz in der Reue inbegriffen, sonst ist es keine Reue). Das trifft nicht nur auf Ehebrecher zu, sondern auf jeden Sünder und jede Sünde und es liegt übrigens im Interesse der Pönitenten, denn eine Beichte ohne Vorsatz zur Umkehr ist letztlich ein Sakramentsmissbrauch und wiederum eine schwere Sünde... ganz zu schweigen davon, dass keine Absolution zustande kommt.

Was will Kasper eigentlich? Er spricht zwar von Reue, aber was soll bereut werden? Und glaubt er, dass es Reue ohne Umkehr geben kann? Offensichtlich verlangt er ja keine Lebensänderung, sondern der ganze Sinn und Zweck seines Gedankens ist es ja, die zweite Verbindung zu sanktionieren!
Was ich nicht recht in meinem Kopf bekomme ist, wie es der Kardinal fertig bringt, jemanden zur Beichte schicken zu wollen, ohne eine Änderung von dessen Verhalten auch nur als Möglichkeit ins Auge zu fassen... Er glaubt doch wohl nicht im ernst an einen Automatismus, dass jeder, der den Beichstuhl betritt, automatisch absolviert wird? Oder geht es ihm etwa nur um das "gute Gefühl" bei den Betroffenen?

Was sollen denn die Betroffenen dann bitteschön überhaupt beichten? Immer wieder ist zu hören, dass es dabei um die "Schuld aus der 'ersten' Ehe" geht. WTF? Darum geht es doch überhaupt nicht! Mir hängt dieses Gelaber, auch an der Uni, inzwischen tierich zum Halse raus. Die Schuld aus der früheren Verbindung ist doch nicht der Grund für den Sakramentenausschluss! Wenn dem so wäre, müssten viele, die "nur" zivil geschieden aber nicht neu verehelicht sind, auch von der Kommunion ausgeschlossen sein... aber, wie es Papst Franziskus so prägnant ausdrückte: Geschiedenen können zur Kommunion gehen, wiederverheiratete Geschiedene können dies nicht. Der Unterschied zwischen diesen beiden Fällen, der von vielen Barmherzigkeitsaposteln unter den Teppich gekehrt wird, ist in etwa der zwischen 0 und 1... 

Kleiner Exkurs: Wie verdreht und verwaschen das alles ist, und warum es so wahnsinnig anstrengend ist, sich damit zu beschäftigen, wird vielleicht ganz gut an einem kleinen Satz in Kaspers Vortrag deutlich. Er spricht davon, dass "wiederverheiratet geschiedene Christen, die disponiert sind" von den Sakramenten ausgeschlossen seien (im Buch S. 61f.). Das ist eine schön abstruse Formulierung, denn von den Sakramenten ausgeschlossen sind gerade diejenigen, die eben nicht (in rechter Weise) disponiert sind diese Sakramente zu empfangen (z.B. "wiederverheiratet geschiedene Christen")... Wer wirklich (in rechter Weise) disponiert ist, ist auch nicht ausgeschlossen (außer er ist Deutscher und zahlt keine Kirchensteuer...). Das ist fast schon tautologisch! (Der Einzige Fall von "wiederverheiratet geschiedenen Christen, die disponiert sind" liegt dann vor, wenn diese Christen mit ihren Partner wie Bruder und Schwester zusammenleben.) Kasper bringt es fertig, hier einen Widerspruch herbeizuzaubern, den aufzulösen er sich in aller Ritterlichkeit anschickt...
Es ist eine reine Konstruktion, von der Kasper in seiner Argumentation ausgeht.

Dieses Beispiel, die irrige Fokussierung auf das Bußsakrament, ist nicht die einzige Irreführung in dieser Diskussion, aber es erschreckt doch sehr, dass Kardinal Kasper sie so prominent vertritt und sich nicht einmal scheut, seine eigenen Worte (den Vortrag) dafür völlig zu verdrehen.
Dazu passt es denn auch, wenn er beteuert: 
»Im Vortrag kommt es mir nicht auf historische Fragen an, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann«.
Es mag ihm nicht "darauf ankommen", aber warum dann all der Trubel, alle irgendwie scheinbar nützlichen Fitzel aus der Väterzeit zusammenzuschustern zu einem historischen "Argument" für das von ihm Vorgeschlagene (siehe dazu hier)? Seine ganze Argumentation zielt doch auf die schon erwähnte "Planke des Heils", die er fälschlich in der Eucharistie erblickt und eben gerade nicht in der Buße, und damit auf ein nur von der Historie her zu fassendes Konzept (vgl. hier).

Als blanken Hohn empfinde ich es, wenn Kasper seine Verteidigung mit dem Satz schließt
»Für eine bloße Phantomdiskussion ist das Problem zu ernst!«

ER ist doch derjenige, der hier Phantomdiskussionen führt und plötzlich über Beichte reden will! Eine ganz und gar erstaunliche kognitive Verrenkung... Respekt!

Montag, 5. Mai 2014

Unsichtbare Sünde

Man wirft den Katholiken oft vor, sie würden mit ihrem "Beichtsakrament" den Menschen Schuldgefühle für ihr Tun, v.a. für ihr Sexleben eintrichtern.
Ich muss über diesen Vorwurf immer sehr schmunzeln, denn tatsächlich sind solcherlei Sünden die bei weitem "harmlosesten" Sünden, deren ausschweifende Besprechung durchaus unsinnig ist.

Wenn ich Unzucht treibe, indem ich z.B. mit einer verheirateten Frau schlafe (nicht, dass ich das täte, aber nur mal hypothetisch), dann ist bei meiner Gewissenserforschung im Vorfeld der Beichte die Tatsache meines Begehens einer Sünde überaus unproblematisch, schnell und zweifelsfrei erkennbar. Derartige "leibliche" Sünden sind eigentlich, vom theoretischen Standpunkt aus besehen, nicht der Rede Wert, sie sind geradezu harmlos, weil sie sehr klar und unzweifelhaft zu benennen sind. Sie haben eine benennbare Wirkung in der Welt, sie betreffen im wahrsten Sinne andere Menschen körperlich. Entweder ich begehe Unzucht oder nicht. Ich befinde mich darüber, immer vorausgesetzt, dass ich die Gebote kenne, nicht im Zweifel. Ob ich Unzucht begangen habe oder nicht, lässt sich leicht herausfinden. Ich kann mich auch nicht selbst betrügen, denn ich erinnere mich ja an die Tat, ich verkoste sie wohmöglich sogar noch lange Zeit danach. Und auch andere erinnern sich.

Nein, die wirklich gefährlichen Sünden sind die geistigen Sünden. 
Die tatsächlich schlimmen und auch echt zermürbenden Sünden sind unsichtbar. Und sie können von einer endlosen Menge von Faktoren verschleiert sein... es kann Wahrnehmungsstörungen geben, Fehlleistungen des Gedächtnisses, Schönreden, Wunschdenken, Verdrängen, Ablenkung... Natürlich kann vieles davon auch auf obige leibliche Sünden zutreffen, aber im geistigen Bereich wirken sich diese Anfälligkeiten sehr viel leichter und schneller aus, denn während in obigem Beispiel die Wirklichkeit nur so ist, wie sie nunmal gesetzt wurde (etwas Getanes kann nicht ungetan werden), kann sich mein Geisteszustand durchaus radikal verändern... ohne mein Zutun oder mit ihm.

Die geistigen Sünden behalten wir in ihrer Mehrheit gepflegt für uns, sie dringen nicht nach außen. Wir maskieren und verstecken sie gern. Auch vor unseren besten Freunden oder unserem Partner. Die leiblichen Sünden sind für andere Sichtbar, sie betreffen oft andere direkt. Sie können uns demnach auch von anderen immer wieder ins Bewusstsein gebracht werden (etwa von denen, die durch mein Handeln in Mitleidenschaft gezogen wurden). Die geistigen Sünden, die, die wir zumeist ganz für uns behalten, wie z.B. unsere Arroganz, unsere misanthropen Gedanken, unsere Gleichgültigkeit und Egozentrik, an die kann uns niemand erinnern, weil wir sie vor allen verbergen. Und unsere Fähigkeit zur Täuschung ist wohl bei niemandem jemals so effektiv, wie bei uns selbst: Wir können uns selbst für einfühlsam und menschlich halten und auch so anderen gegenüber auftreten, und in Wahrheit egozentrische Unmenschen sein.

Ich erlebe es häufig, dass beim Gespräch über das Thema "Beichte" der Schwerpunkt sehr auf den Tatsünden liegt und auch von Beichtvätern höre ich das oft, dass viele Pönitenten oft einfach aufzählen, was sie alles falsch gemacht haben. Aber das sind Peanuts. Die schlimmsten Heucheleien, die heimtückischsten Sünden, die gewieftesten Falschheiten und abgründigsten Bosheiten spielen sich in unserem Kopf ab. Hier ist Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit bei weitem am schwersten. Zu leicht ist hier der Selbstbetrug, zu anfällig sind wir hier, für die Verwirrungen durch all das, was uns von Gott fernhält.

Die sexuelle Sünde? Ach Gottchen... im Handumdrehen abgehakt! Aber der Stolz auf diese Sünde? Ihre achso plausible Rechtfertigung? Das Liebäugeln mit ihr?...

Montag, 28. April 2014

Neuanfang

»Gott machts nichts ungeschehen, aber er macht einen neuen Anfang!«
(P. S.T.)


(Dass Gott nichts von dem, was wir tun einfach "löscht", sondern es "getan" bleibt, ist einerseits erschreckend, andererseits aber auch sehr ermutigend, versichert es uns doch unserer Würde und unserer Freiheit innerhalb Seiner Schöpfung. Es zeigt, dass Gott uns als Seine Geschöpfe wirklich liebt, weil Er uns und unser noch so beschränktes Mitwirken an Seiner guten Schöpfung annimmt. Gott ist nicht der ewig erhabene, unnahbare Allah des Islam, sondern Er ist am Größten in Seiner selbst gewählten Niedrigkeit, in der Er Sich sogar dem Geschöpf und seinen Taten ausliefert, um es zu Sich zu führen in einer neuen Schöpfung.)