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Sonntag, 24. Dezember 2023

Weihnachten in der kath. Kirche 2023


 Trotz allem: 

Puer natus est nobis,
et filius datus est nobis
cuius imperium super humerum eius
et vocabitur nomen eius, magni consilii angelus.

Sonntag, 30. Mai 2021

Symbolum Athanasianum

John Henry Newman schätzte das aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammende sog. „Athanasianische Glaubensbekenntnis“ über alles, weil es die Essenz des christlichen Glaubens in unübertrefflicher Klarheit und Eindeutigkeit formuliert... früher wurde es am Sonntag Trinitatis im Stundengebet gebetet, heute ist es fast völlig in Vergessenheit geraten (auch der KKK erwähnt es nur einmal eher beiläufig).


Wer er immer selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben fest halten.
Wer diesen nicht in seinem ganzen Umfange und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig zugrunde gehen.

Es ist aber katholischer Glaube, dass wir einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit anbeten.
Ohne Vermengung der Personen und ohne Trennung der Wesenheit.
Denn verschieden ist die Person des Vaters, die des Sohnes und die des Heiligen Geistes.
Aber nur eine Gottheit ist im Vater und im Sohne und im Heiligen Geiste, gleich ist Ihre Herrlichkeit, gleich ewig Ihre Majestät.
Wie der Vater, so der Sohn, so der Heilige Geist.
Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist.
Unermesslich ist der Vater, unermesslich der Sohn, unermesslich der Heilige Geist.
Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Ewige, sondern nur ein Ewiger.
Wie auch nicht drei Unerschaffene und nicht drei Unermessliche, sondern ein Unerschaffener und ein Unermesslicher.
In gleicher Weise ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger.
Ebenso ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott.
Und doch sind es nicht drei Götter, sondern es ist nur ein Gott.
Ebenso ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr.
Und doch sind es nicht drei Herren, sondern nur ein Herr.
Denn wie wir nach Vorschrift der christlichen Lehre jede Person einzeln für sich als Gott und Herrn bekennen, so verbietet uns anderseits der katholische Glaube, drei Götter oder Herren anzunehmen.

Der Vater ist von niemand gemacht, auch nicht geschaffen, auch nicht gezeugt.
Der Sohn ist vom Vater nicht gemacht, nicht geschaffen, sondern gezeugt.
Der Heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht gezeugt, sondern hervor gehend.
Es ist also ein Vater, nicht drei Väter; ein Sohn, nicht drei Söhne; ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister.
Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind sich gleich ewig und voll kommen gleich.
So ist in allem, wie schon vorhin gesagt, die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit anzubeten.

Wer daher selig werden will, muss in dieser Weise an die heiligste Dreifaltigkeit glauben. Zum ewigen Heile ist es weiterhin notwendig, dass man auch an die Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus aufrichtig glaube.

Der wahre Glaube fordert also, dass wir glauben und bekennen: dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch zugleich ist.
Gott ist Er, weil Er aus der Wesenheit des Vaters von Ewigkeit her gezeugt, und Mensch ist Er, weil Er aus dem Leibe der Mutter in der Zeit geboren ist.
Vollkommener Gott und vollkommener Mensch, der aus einer vernünftigen Seele und einem menschlichen Leibe besteht.
Er ist dem Vater gleich der Gottheit nach, Er ist geringer als der Vater der Menschheit nach.
Obgleich Er Gott und Mensch zugleich ist, so sind doch nicht zwei, sondern nur ein Christus.
Einer aber, nicht als ob die Gottheit in Fleisch verwandelt wäre, sondern weil Gott die Menschheit angenommen hat.
Einer ganz und gar, nicht durch Vermischung der Wesenheit, sondern durch Einheit der Person.
Denn wie die vernünftige Seele und das Fleisch nur einen Menschen ausmachen, so ist auch Gott und Mensch nur ein Christus.

Um unseres Heiles willen hat Er gelitten, ist zur Hölle abgestiegen und am dritten Tage wieder von den Toten auferstanden;
Er ist in den Himmel auf gefahren, sitzet zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Bei Seiner Ankunft werden alle Menschen auferstehen mit ihren Leibern und Rechenschaft ablegen über ihre eigenen Handlungen.
Und die, welche Gutes getan, werden hingehen zum ewigen Leben; die aber Böses getan, werden eingehen ins ewige Feuer.

Das ist der katholische Glaube; wer diesen nicht getreulich und fest bekennt, kann nicht selig werden.


[entnommen aus der deutschen Ausgabe des Breviarium Romanum von P. Morant, 1965]


Hat nicht speziell mit dem Athanasianum zutun: Etwas skurril fand ich es heute in der Predigt (fremder Prediger) als gegen Ende wie aus dem Nichts gegen die seit dem Mittelalter oft anzutreffende Darstellung des Gnadenstuhles (s. Bild) geschossen wurde (die Predigt war insgesamt eher flach und wenig erbaulich). Diese Darstellung sei kalt und starr und nicht einladend. Diese Bemerkung trug zum Thema der Predigt nichts bei und war im Grunde überflüssig.

Zunächst muss man wissen, dass unter „Gnadenstuhl“ eine ganze Palette an Nuancen zu finden ist. Wesentlich ist, dass Gott Vater seinen Sohn (mit oder ohne Kreuz) hält und (meist) der Heilige Geist in Gestalt der Taube bei ihnen ist. Eng verwandt ist die Darstellung der Taufe Jesu mit der Hand Gottes im Himmel, die den Geist als Taube auf Jesus herabsendet. Es gibt sogar Varianten als „Pietà“, wo Jesus im Schoß des sitzenden Vaters liegt, was, mittelalterlicher Mystik entsprechend, die Trauer des Vaters besonders stark ausdrückt (manchmal hat der Vater auch die gleichen Wundmale, das ist aber theologisch eher fragwürdig). Der Prediger hatte wohl eine frontale Darstellung mit Kreuz im Sinn. Trotzdem ist seine Äußerung fragwürdig: Mag ja sein, dass in seinem Kunstempfinden eine bestimmte Variante des Gnadenstuhls keine besonders einladende oder schöne oder sinnvolle Darstellung ist, aber so eine persönliche, pauschale, hingeworfene, und zudem wenig erleuchtete „Kunstkritik“ gehört nicht in eine Predigt. Aber sei's drum...

Dabei hätte so ein Verweis auf diese Darstellungsweise der Trinität an diesem Trinitatis-Sonntag eine Steilvorlage für eine nicht nur biblische, sondern auch liturgische Predigt geboten: Der „Gnadenstuhl“ ist nämlich untrennbar vom Römischen Kanon (1. Hochgebet), dem er bis heute (nur nicht im deutschen, völlig schmucklosen Messbuch) oft vorangestellt ist: "Dich, gütiger Vater, bitten wir durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus…" Im Grunde ist diese Darstellungsweise eine Verbildlichung dieses Hochgebets, insbesondere der drei auf die Wandlung folgenden Gebete:

Darum, gütiger Vater, feiern wir, deine Diener und dein heiliges Volk, das Gedächtnis deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine Auferstehung von den Toten und seine glorreiche Himmelfahrt. …“
Blicke versöhnt und gütig darauf nieder und nimm sie an…“
Wir bitten dich, allmächtiger Gott: Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit…“

Der Vater empfängt seinen Sohn, nachdem „alles vollbracht“ war (vgl. Joh 19,28-30), zurück, und er gibt ihn zugleich, reicht ihn uns dar zur Speise im Sakrament.

Die früheste Darstellung in Verbindung mit der Bezeichnung „Gnadenstuhl“ zeigt Gottvater, wie er den Gekreuzigten hält, und zwar über dem „Deckel“ der Bundeslade, denn der (neuzeitliche) Begriff „Gnadenstuhl“ stammt aus der Lutherübersetzung von Hebr 4,16; das gleiche griechische Wort meint in Hebr 9,5 den „Deckel“ der Bundeslade (vgl. Ex 37,6: Sühneplatte) und bezeichnet somit aus alttestamentlichem Blickwinkel nichts weniger als den Ort der Offenbarung Gottes. (Genau wie das Athanasianische Credo, das sich auch unter den lutherischen Bekenntnisschriften findet, ist also auch die Gnadenstuhl-Darstellung ausgesprochen ökumenisch.) Wiederum das gleiche Wort gebraucht Paulus in Röm 3,25 („Sühnopfer“) und er beschreibt damit wunderschön, was wir in einer solchen Darstellung sehen:

»Ihn hat Gott aufgerichtet als Sühnemal - wirksam durch Glauben - in seinem Blut, zum Erweis seiner Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit der Geduld Gottes, begangen wurden; ja zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen: Er selbst ist gerecht und macht den gerecht, der aus Glauben an Jesus lebt.«

Nicht starr und kalt ist diese Darstellung, die es immerhin seit über 700 Jahren gibt, sondern ausgesprochen warm, denn sie stellt das Heilsmysterium selbst dar, das Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist für uns vollbracht haben und vollbringen. Es ist hoch dynamisch: Der Sohn hat uns erlöst, der Vater empfängt ihn und gib ihn zugleich, der Geist wirkt und beschirmt das Heilsgeschehen mit seinen sprichwörtlichen Flügeln. Das Athanasianische Glaubensbekenntnis macht passend dazu überdeutlich, dass und wie wir diesen einen Gott in drei Personen anbeten...

Sonntag, 15. Mai 2016

Die Frau als Abbild des Geistes

Heute vor 45 Jahren starb Ida Friederike Görres.

»Und den Heiligen Geist, wer spiegelt Ihn? Neben den eigentlichen Geistträgern und -spendern wie Propheten, Denker, Dichter, vor allem die Frauen: in beiden Ebenen: die Mütter und Herrinnen den Herrn und Lebendigmacher; die "begeisternde" geliebte, die die Welt schöner macht, den Geist, der die Welt "schmückt".
In einem Ehekommentar fand ich neulich den grandiosen Gedanken aus dem Genesis-Kommentar von Cornelius a Lapide: "Gott wollte in der Erschaffung von Adam und Eva seine ewige Zeugung und Hauchung nachbilden. Wie Er nämlich von Ewigkeit her den Sohn zeugt und aus dem Sohn den Heiligen geist haucht, so hat er in der Zeit Adam nach Seinem Bild geschaffen, ihn gleichsam als Seinen Sohn gezeugt und aus ihm schuf Er Eva, damit sie die Liebe Adams sei, wie der Heilige Geist die Liebe Gottes ist."
Das leuchtet mir viel stärker ein als die übliche trinitarische Deutung der Familie! Schon weil ja die Ein-Kind-Ehe keineswegs Urbild der Familie ist.
Baadersche Gedanken weiterspinnend, könnte man noch sagen: Eva ist demnach die irdische Darstellung der Gnade, - die "Gehilfing", Beistand - Trösterin - "ihm zur Seite" - übrigens lauter Umschreibungen für den Paraclet!! zugleich gratia, charis, die Sichtbarkeit der Huld. Durch den Fall hat sie diesen Charakter weitgehend verloren, ist zum Ausdruck der Hilfsbedürftigkeit (nicht Hilflosigkeit!) geworden. Darum ist erst Maria wieder gratia plena. Also wäre es der Ur-Auftrag der Frau, die Sichtbarkeit der Gnade zu sein? Im Frauendienst wird es übrigens deutlich, daß die Menschen sich manchmal dessen bewußt waren. Es ist schon ein höchst aufregendes Phänomen - sozusagen eine "Epiphanie" der Frau, mitten in einer Welt, der sie praktisch als besseres Haustier, in der Reflexion als das Symbol der Niedrigkeit, Dienstbarkeit, des Fleisches, der Verführung - Eva plus, Schlange Frau, Welt - galt. Man kann sagen, was man will über die zweifellos vorhandenen Exzesse und Depravierungen des praktischen Minnedienstes, der zum Society-Sport geworden war. Aber die Dichter - wie bezeichnend, daß es Dichter waren, die ihn aufbrachen! - haben eben doch eine echte Inspiration gehabt.
Die "Dame" des Minnesangs aktiviert den Mann zum Helden - ohne selber an seiner Mühsal teilzunehmen - wieder ein Kennzeichen der "Gnade"! - nur dadurch, daß sie "da" ist, "vor seinem Angesicht"; aus dem Aufblick zu ihr empfängt er Kraft und Führung: die Weise, wie die "Gehilfin von oben", die Sophia, wirkt.«

(I.F. Görres, aus einer Meditation zu Pfingsten)

Dienstag, 29. September 2015

.


Heiliger Erzengel Gabriel,
du starker Held Gottes,
steh mir in meiner Bedrängnis bei,
wie du einst in den Kampf zogst
gegen die Bedränger Israels.

Wie du dem Propheten Daniel
den Willen Gottes offenbart hast,
und die Zeichen zu deuten halfst,
so hilf jetzt auch mir,
dass ich die Zeichen erkenne
und den Willen Gottes tue,
auf dass ich Ihm gefalle.

Wie du die Geburt des Vorläufers
dem Zacharias verkündet,
und der heiligsten Jungfrau Maria
die Menschwerdung unseres Herrn
Jesus Christus
kundgetan hast,
so erleuchte auch mich,
dass ich immer mehr
zu dem Menschen werde,
den Gott in mir erdacht hat
und den Er jetzt schon in mir liebt.

Amen.

Montag, 14. September 2015

Vexilla Regis

Des Königs Fahnen ziehen voran,
es erglänzt das Geheimnis des Kreuzes,
da der Schöpfer des Fleisches
im Fleische ans Kreuz geheftet wurde.


Den Leib mit Nägeln durchbohrt,
Hände und Füße ausgestreckt,
wurde um der Erlösung willen
hier das Opfer hingeschlachtet.


Der überdies verwundet wurde
Durch die grauseme Spitze der Lanze;
Um uns von Vergehen reinzuwaschen,
floss Wasser und Blut.


Erfüllt hat sich, was David
in glaubwürdigem Liede gesungen,
indem er den Völkern verkündigte:
vom Holze herab herrscht Gott.


O herrlicher und ausgezeichneter Baum,
geziert mit dem Purpur des Königs,
auserwählt, mit würdigem Stamme
so heilige Glieder zu berühren.


Glückseliger, an dessen Ästen
Der Lösepreis der Welt hing;
Zur Waage des Leibes ist er geworden,
und er entriss die Beute der Hölle.


Wohlgeruch verströmst du aus deiner Rinde,
du übertriffst den Geschmack des Nektars,
erfreut, fruchtbare Frucht zu tragen,
spendest du Beifall diesem edlen Triumph.


Sei gegrüßt, Altar, sei gegrüßt, Opfer,
aus dem Ruhm des Leidens,
in dem das Leben den Tod ertrug
und durch den Tod das Leben wieder gewann.


Sei gegrüßt, o Kreuz, einzige Hoffnung,
in dieser Zeit des Leidens
vermehre den Frommen die Gnade
und Sündern tilge die Vergehen.


Dich, Gott, höchste Dreifaltigkeit,
soll loben jeglicher Geist
und die du durch das Geheimnis des Kreuzes
rettest, herrsche in alle Ewigkeit.


(Venatius Fortunatus, + um 600)

Freitag, 15. August 2014

in den Himmeln

O welch herrliches Licht strahlst du hernieder,
Kind, dem Königsgeschlecht Davids entsprossen,
Die erhaben du thronst, Jungfrau Maria,
Über Dunkel und Dunst hoch in den Himmeln.


Du hast, Mutter, dem Herrn englischer Heerschar
Mit jungfräulicher Scham, Keusche, die Stätte
Deiner heiligen Brust freundlich bereitet:
Und im Fleische ward Gott, Christus geboren,


Dem Anbetung und Preis bringen die Welten,
Dem die Knie sich hier demütig beugen,
Von dem unser Gebet, hilfst du uns bitten,
Fleht um Schwinden der Nacht, freuden des Lichtes.


Vater strahlenden Lichts, dieses vergönne
Mit dem eigenen Sohn, Heiligem Geiste,
Der im Glanze mit dir lebt in den Himmeln
Und beherrschend erhält alle Welten.


(Der Hymnus "O quam glorifica luce" des Hucbaldus de Sancto Amando - † 930 -,
der als "Erfinder des Mittelalters auf dem Gebiet der Musik" gilt;
Übersetzung von Friedrich Wolters)

Donnerstag, 19. Juni 2014

Nur Gnade


O fasse Mut; er ist dir nah!
Du hast sein Fleisch, sein heilig Blut
Genossen ja.
O meine arme Seele, fasse Mut;
Er ist ja dein, er ward dein Fleisch und Blut.


Nicht, wie ich sollte, reich und warm
Kam freilich ich zu deinem Mahl:
Ich war ein arm
Zerlumpter Gast; doch zitterte die Qual
In mir des Sehnens; Tränen sonder Zahl


Hab' ich vergossen in der Angst,
Die dennoch Freudeschauer war.
Sprich, warum bangst
Du vor der Arzenei so süß und klar,
Die Leben dir und Frieden bietet dar?


Wohl ist es furchtbar, seinen Gott
Zu einen mit dem sünd'gen Leib;
Es klingt wie Spott.
O Herr, ich bin ein schwach und wirres Weib,
Und stärker als die Seele ist der Leib!


So hab' ich schuldbeladen dir
In meiner Sünde mich vereint;
Doch riefst du mir
So laut wie Einem, der um Leben weint;
So ist es Gnade, was von oben scheint.


Und hast du des Verstandes Fluch
Zu meiner Prüfung mir gestellt:
Er ist ein Trug.
Doch hast du selber ja, du Herr der Welt,
Hast selber den Verführer mir gesellt.


Drum trau ich, daß du dessen nicht
Vergessen wirst an jenem Tag,
Daß dein Gericht
Mir sprechen wird: Den Irren seh' ich nach;
Dein Herz war willig, nur dein Kopf war schwach.


(Annette von Droste-Hülshoff, Das geistliche Jahr, Fronleichnam)

Sonntag, 8. Juni 2014

interreligiöses Pfingsten


Pfingsten ist mehr als ein christliches Wunder. Als Christen glauben wir, dass der Geist weht wo er will, und wir glauben, dass er überall dort wehen will, wo Menschen Gott suchen.

Man vergleicht gerne den Heiligen Geist mit dem Wind, und die Menschen mit einem Segelschiff. Ich finde diesen Vergleich sehr viel treffender, als den Geist etwa mit der Schwerkraft zu vergkleichen. Beides sind zwar Naturkräfte, aber während die Schwerkraft immer gleich wirkt, ja es unmöglich ist, sich gegen sie abzuschirmen (man kann ihr nur mit großem Aufwand widerstehen), bedarf das Segelschiff auch einiger Eigenschaften, um den Wind nutzen zu können. Zwar bewirken der bloße Luftwiderstand und die Reibung ein irgendwie geartetes Fortkommen, aber das ist eher ziellos und wenig hilfreich. Es braucht bestimmte Techniken und seemännisches Können, um den Wind "einzufangen" und nutzen zu können. So ist es auch mit dem Geist: Wenn man sich ihm nicht öffnet, sich auf eine gewisse Weise für ihn bereitet, dann verpufft er in seiner wesentlichen fruchtbaren Wirkung. Gott schenkt uns seine Gnade, aber er oktryiert sie nicht.

Das Treffen im Vatikan zwischen religiösen und staatlichen Führern des Nahen Ostens, scheint mir eine Gelegenheit gewesen zu sein, bei der die Segel geöffnet wurden. Jeder für sich, auf seine Weise. Aber doch in einer gewissen Gemeinschaft, nämlich als Kinder Abrahams und Geschöpfe des einen Schöpfers.
Als Christen dürfen wir darauf Vertrauen, dass der dreieine Gott auch in denen wirkt, die ihn nur unvollständig erkennen.
Es war ein schöner Anlass... hoffnungsvoll für den Frieden! Wie es an dem Treffen mit einem Zitat ausgedrückt wurde: Wer in Jerusalem Frieden schaffen kann, der kann in der ganzen Welt Frieden schaffen.
Orate fratres!

Freitag, 6. Juni 2014

Zeitenwende

In Zeiten, in denen die kirchensteuerfinanzierte "katholische" Jugendarbeit ihre Anstrengungen primär darauf fokussiert, sich von der katholischen Kirche möglichst weit abzusetzen (die Forderung der KjG nach frei zugänglicher Abtreibung ist nur Symptom, siehe hier) ist es schwer vorstellbar, dass es auch anders geht.

Der neue Bischof von Passau, Stefan Oster, hat viel Erfahrung und viel Erfolg in der Jugendarbeit vorzuweisen. Allerdings nicht im Bereich von BDKJ und KjG.
Und ausgerechnet dieser nunmehrige Bischof erdreistet sich jetzt (man höre hier), am Katholikentag die katholische Sexualmoral nicht nur zu verteidigen und zu empfehlen (inklusive "kein Sex vor der Ehe"), sondern sie sogar zum Kriterium der Glaubwürdigkeit zu machen.
Dieser selbe Bischof stellt auch fest, dass es keine Priesterweihe für Frauen geben kann.
Dieser selbe Bischof provoziert schließlich auch noch, indem er den Zölibat regelrecht als einen solchen Stein des Anstoßes charakterisiert, an dem sich unser christliches Gottesbild messen lässt.
 
"Hat er denn gar nichts aus seiner Jugendarbeit gelernt?" hört man die BDKJ'ler und KjG'ler rufen...
Oder eben gerade doch?
Wäre ich Kirchenfunktionär, würde ich spätestens jetzt ins Grübeln kommen.

Gestern war das Fest des "Apostels der Deutschen", Bonifatius. Die liturgischen Texte des Tages haben alle eine recht deutliche Richtung, die frappierend an die Baumfällaktion des Heiligen erinnert... Da ist wieder und wieder von Umkehr die Rede, davon, den eigenen Lebenswandel zu ändern und gegen den Strom zu schwimmen.
Was Stefan Oster mit seinen Äußerungen getan hat ist nichts weiter als die konsequente Weiterführung des bonifazischen Erbes: Er haut die heiligen Eichen der Welt um. Sex für alle, immer, mit jedem, auf jede Weise, ohne Konsequenzen - das ist eine solche Eiche.

Seit Jahrzehnten ist ein großer Teil des Kirchenapparates damit beschäftigt, die Eichen dieser Welt zu düngen, zu pflegen und zu schützen... Es tut verdammt gut zu sehen und zu hören, dass nun wieder die Äxte gezückt werden... Es wird höchste Zeit!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Bleibend in den Sakramenten

»Er hörte auf, leibhaftig unter uns zu weilen, da er zur Rechten des Vaters bleiben wollte, bis die Zeiten vorübergegangen wären, die Gott im voraus für die Mehrung der Kinder der Kirche festgesetzt hatte, bis er in demselben Fleische, in dem er aufgefahren war, wieder kommen würde, um Gericht zu zu halten über die Lebenden und die Toten. Was also an unserem Erlöser sichtbar war, ist übergegangen in die Sakramente. Damit unser Glaube verdienstlicher und fester würde, ist an die Stelle der "sinnlichen Wahrnehmung" die "Lehre" getreten, deren gewichtigem Worte die von himmlischen Strahlen erleuchteten Herzen der Gläubigen folgen sollen!« (Leo der Große, Sermo 74 über die Himmelfahrt Christi)


Oder, mit einem Wort von Thomas von Aquin: Die Sakramente sind Reliquien der Menschwerdung.

Montag, 17. März 2014

Happy Purim!

Gestern und heute feiern die Juden das Fest Purim bzw. Schuschan-Purim (siehe unten). Purim wird am 14. Adar begangen, dieses Jahr entsprach das dem 16. März.

Das passt irgendwie, hat doch die Kirche in ihrer Liturgie vergangenen Donnerstag das Gebet der Ester (Est 14,1.3-5.12-14) gelesen.

Aber immer der Reihe nach: Purim ist kein Fest, das in der Tora verankert ist. Wie Chanukka (siehe hier), ist auch dieses Fest erst nach dem babylonischen Exil entstanden. Und es geht genau auf jene Episode zurück, aus der die Kirche letzte Woche eine Schlüsselstelle gelesen hat: Wir befinden uns in der babylonischen Gefangenschaft. Weil der am Königshof in Dienst stehende Jude Mordechai sich nicht vor ihm beugen wollte, beschloß der Hofbeamte Haman alle Juden töten zu lassen. Aber die Königin Ester (eine Adoptivtochter Mordechais, die, als Jüdin!, auf Umwegen die Frau des babylonischen Königs Ahasveros wurde, nachdem dieser seine erste Frau verjagte) beschwor den König, der sie über alles liebte, es nicht zuzulassen und gibt sich vor ihm als Jüdin zu erkennen. Daraufhin wird Haman erhängt und die Juden erhalten das Recht, sich gegen die Anhänger und Helfer Hamans zu wehren (was sie auch tun, indem sie die umbringen, die sie umbriungen wollten). Diese Gelegenheit markiert den einzigen Fall, bei dem sich die Juden in der Dispora selbst retteten. Ein Grund zu feiern!

Das Fest ist sowas wie der jüdische Karneval, nur dass das Fasten vor der Ausgelassenheit steht (weil Ester zusammen mit den Juden fastete, bevor sie beim König vorstellig wurde). Nach dem Fasten geht es bunt her: Die Kinder kommen in bunten Kostümen (z.B. sind die Mädchen gern als Prinzessin verkleidet, die Buben als Könige und Sultane) zum Gottesdienst in die Synagoge (soviel zum Thema Karnevals-Messen!). Am Abend wird die Ester-Rolle vorgelesen und jedesmal wenn der Name Haman ertönt, verwandelt sich die Synagoge in einen regelrechten Hexenkessel: Die Kinder machen Lärm mit Rasseln und Klappern, ein riesen Spaß!, die Erwachsenen stampfen auf den Boden und schlagen auf die Tische. Haman ist das Sinnbild aller Feinde der Juden und wird entsprechend verachtet.
Es wird viel getrunken an diesem Tag: Der Talmud sagt, man solle soviel trinken, dass man "Verflucht sei Haman" nicht mehr von "Gesegnet sei Mordechai" unterscheiden kann.
Es wird auch viel geköstigt, v.a. Süßes. Bekannt sind die Haman-Taschen (siehe Bild): kleine dreieckige Hefeteigtaschen mit Nüssen, Mohn und Marmelade gefüllt.

Der Name Purim stammt übrigens daher, dass der babylonische König am Beginn des Jahres immer das Los (hebr. pur) zu werfen pflegte, um etwas über das neue Jahr zu erfahren; das Los fiel auf den 13. Adar, was der Tag des Genozids an den Juden werden sollte. Der Genozid trat nicht ein, also wird am 14. Adar, dem Tag danach, gefeiert was das Zeug hält.

Warum ich oben meinte, dass das Fest auch heute (am 17. März), am 15. Adar gefeiert wird (und dann Schuschan-Purim heißt): Weil die damalige persische Hauptstadt Susa (hebr. Schuschan) eine Stadtmauer besaß, wird das Fest in einer Stadt, die seit der Zeit Josuas eine feste Stadtmauer besitzt, einen Tag später gefeiert, was aber heute nur auf Jerusalem zutrifft... und aus irgend einem Grund feiert man wohl auch in Prag Purim am 15. Adar.

Happy Purim! ;)
 

Das Gebet der Ester wie es die Leseordnung der Kirche aufweist:
In jenen Tagen wurde die Königin Ester von Todesangst ergriffen und suchte Zuflucht beim Herrn, und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels:
Herr, unser König, du bist der Einzige. Hilf mir! Denn ich bin allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir.

Von Kindheit an habe ich in meiner Familie und meinem Stamm gehört, dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast; du hast dir unsere Väter aus allen ihren Vorfahren als deinen ewigen Erbbesitz ausgesucht und hast an ihnen gehandelt, wie du es versprochen hattest.
Denk an uns, Herr! Offenbare dich in der Zeit unserer Not, und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte!
Leg mir in Gegenwart des Löwen die passenden Worte in den Mund, und stimm sein Herz um, damit er unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet.
Uns aber rette mit deiner Hand! Hilf mir, denn ich bin allein und habe niemand außer dir, o Herr!

Sonntag, 12. Januar 2014

Theophanie gegen den Tod


»Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.« (Mt 3,16-17)
Das Fest der Taufe Jesu ist im orthodoxen Verständnis die eigentliche Epiphanie bzw. Theophanie, weil hier Jesus als Sohn Gottes, als Messias offenbar wird.
Ebenfalls in der orthodoxen Tradition, wird der Jordan, in dem Jesus getauft wird, üblicherweise (fast) schwarz dargestellt, denn obgleich hier Gott selbst unter uns offenbar wird, geschieht dies doch in genau der Niedrigkeit und Bedrückung, in der wir, denen Er sich zugesellt, stehen. Weswegen Johannes bekanntermaßen in Ihm das Lamm Gottes erblickt, Jesaja paraphrasierend:
»Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen.« (Jes 53,7-8)

In der Taufe kündigt sich Sein Geschick an,  der schwarze Jordan zeigt uns den Schlund des Todes. So sind denn auch "wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden" (Röm 6,3).
So stoßen also am heutigen Fest die Extreme aneinander: Die Offenbarung des herrlichen Gottes, der seinen Geist sendet und seinen Sohn bezeugt (vgl. die Lesung von Gestern, 1. Joh 5,9: "denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt für seinen Sohn"), aber dieser Sohn kommt in unser Ungemach.
Es ist darum auch nicht verwunderlich, wenn der direkt an die heutige Perikope anschließende Satz lautet: "Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden." (Mt 4,1). Der Geist, den Gott sandte, ist nicht dazu da, alles bequem und herrschaftlich zu gestalten. Im Gegenteil: Es ist dieser Geist, der Ihn Seinen Weg, Seiner Sendung folgend, führt, und dieser Weg muss Ihn ganz hinab, ganz zu den Verlorenen, zu uns, führen.

Gott kommt ganz zu uns, er begegnet unserem Tod mit seiner Gnade. Eine Theophanie, eine Herabkunft Gottes in unser Tränental. Und Er holt uns da heraus. So mag es denn Gott gefallen, wenn es schließlich für uns heißt: Kaum sind wir auf Ihn getauft und aus dem Tal des Todes gestiegen, da öffnet sich der Himmel für uns, sodass wir Gott in der Vollendung sehen können.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Taufe und Beschneidung

»Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.« (Gal 4,4-7)

»Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.« (Lk 2,21)

Ich habe letztes Jahr am 3. Januar das leider von der Liturgiereform vernichtete Fest des Namens Jesu behandelt und seine Verflochtenheit mit dem Fest der Beschneidung des Herrn, das, gleichfalls der Liturgiereform zum Opfer gefallen, heute am 1. Januar gefeiert wurde (mehr dazu: hier).

Die Beschneidung ist das Zeichen des Bundes zwischen Gott und Abraham.
»Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation. Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen« (1Mo 17,9-12).

Die Beschneidung ist nicht nur Bundeszeichen, sondern sie ist der Bund selbst, sie ist die Bundeshandlung. Weswegen Gott sagen kann, dass ein Mann der nicht beschnitten ist, den Bund bricht (1Mo 17,14). [Übrigens ist die Tatsache, dass Abrahams erster Sohn Ismael 13 Jahre alt war, als er beschnitten wurdem (1Mo 17,24-25), der Grund, warum junge Muslime mit 13 beschnitten werden und nicht, wie die Juden, bereits als Säuglinge.]
Die Beschneidung ist jedoch weit mehr als ein physicher Akt. Bereits im Buch Deuteronomium ist ausführlich von der "Beschneidung des Herzens" die Rede, was den eigentlichen, tieferen Sinn dieser Bundeshandlung zeigt: 
»Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein.« (5Mo 10,16)
»Der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden. Dann wirst du den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele lieben können, damit du Leben hast.« (5Mo 30,6)

Es wird immer gesagt, das christliche Equivalent zur jüdischen Beschneidung sei die Taufe. Das ist richtig, aber oberflächlich.
Zunächst eine Frage: Wenn Männer dadurch in das jüdische Volk aufgenommen werden (also konvertieren) können, indem sie sich beschneiden lassen, wie werden denn dann Frauen zu Juden, da sie doch nicht beschnitten werden? Die Lösung: Durch ein Tauchbad, nicht unähnlich der Taufe. Die Taufe steht also von daher bereits in einer engeren Verknüpfung mit der Beschneidung, als dies zunächst scheinen mag.

Wenige Verse vor der heute aus dem Galaterbrief gelesenen Perikope finden wir jenes berühmte Bild, das für das Verständnis der Taufe von so großem Wert ist:
»Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.« (Gal 3,27)

Noch einmal Gal 4,6 (s.o.):
»Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater.«

Die Parallelen zu den biblischen Aussagen über die Beschneidung sind ziemlich offensichtlich. Was bedeuten sie?
Die Taufe bedeutet für uns Christen in dem hier behandelten Zusammenhang zweierlei: Zum einen, dass wir Christus "als Gewand angelegt" haben. Und sie bedeutet weiters dass wir den Geist Christi in unsere Herzen eingegeossen bekommen haben (Johannes sagt bei Mk 1,8: "Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.").
Wenn wir nun aber als physisch Unbeschnittene den (beschnittenen) Juden Jesus anlegen, d.h. sein "Äußeres" (und also auch seine Identität als Jude, bezeugt im Bundeszeichen der Beschneidung) um uns legen, dann sind wir in einem gewissen Sinn nach der Taufe Beschnittene. 
Und mit dem Geist, der in unsere Herzen gesendet ist, erfahren wir die tiefere Dimension der Beschneidung: die Besch(n)eidung des Herzens.
 
Wir kommen ohne das Judesein Jesu nicht aus. Der "Oktavtag von Weihnachten" ist mehr als nur der Abschluss eines großen christlichen Festes, er markiert in besonderer Weise die Identität des Messias. Von einer jüdischen Frau geboren, deren Hochfest wir heute feiern, ist er wahrer Gott und wahrer Mensch. Ganz bei uns und ganz bei Gott, der einzige Mittler, das ewige Worte des Bundes an uns. Sein Geist belebt uns und hält uns in der Treue zu ihm.
Wir sind Gottes Eigentum und legitime Miterben seines Bundes den er mir Abraham geschlossen und in Christus endgültig gefestigt und besiegelt hat. 

Halleluja, Christus ist geboren!

Sonntag, 29. Dezember 2013

Fluchtpunkt


Nicht Ägypten ist der Fluchtpunkt der Flucht.
Das Kind wird gerettet für härtere Tage.
Fluchtpunkt der Flucht ist das Kreuz.

(Kurt Marti)

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Der Herr der Töpfe und Pfannen


Herr der Töpfe und Pfannen,
ich habe keine Zeit,
eine Heilige zu sein
und Dir zum Wohlgefallen
in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren
in der Morgendämmerung
und im stürmischen Horizont.

Mache mich zu einer Heiligen,
indem ich Mahlzeiten zubereite
und Teller wasche.
Nimm an meine rauen Hände,
weil sie für Dich
rau geworden sind.

Kannst Du meinen Spüllappen
als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie
hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen
und ach, so abscheulich!

Hörst Du, lieber Herr,
die Musik, die ich meine?
Die Stunde des Gebetes ist vorbei,
bis ich mein Geschirr
vom Abendessen gespült habe,
und dann bin ich sehr müde.

Wenn mein Herz noch am Morgen
bei der Arbeit gesungen hat,
ist es am Abend schon längst
vor mir zu Bett gegangen.
Schenke mir, Herr,
Dein unermüdliches Herz,
dass es in mir arbeite statt des meinen.

Mein Morgengebet
habe ich in die Nacht gesprochen
zur Ehre Deines Namens.
Ich habe es im voraus gebetet
für die Arbeit des morgigen Tages,
die genau dieselbe sein wird
wie heute.

Herr der Töpfe und Pfannen,
bitte darf ich Dir
anstatt gewonnener Seelen
die Ermüdung anbieten,
die mich ankommt
beim Anblick von Kaffeesatz
und angebrannten Gemüsetöpfen?

Erinnere mich an alles,
was ich leicht vergesse;
nicht nur um Treppen zu sparen,
sondern, dass mein
vollendet gedeckter Tisch
ein Gebet werde.

Obgleich ich Martha-Hände habe,
hab' ich doch ein Maria-Gemüt,
und wenn ich die schwarzen Schuhe putze,
versuche ich, Herr,
Deine Sandalen zu finden.
Ich denke daran,
wie sie auf Erden gewandelt sind,
wenn ich den Boden schrubbe.

Herr, nimm meine Betrachtung an,
weil ich keine Zeit habe für mehr.
Herr, mache Dein Aschenbrödel
zu einer himmlischen Prinzessin;
erwärme die ganze Küche
mit Deiner Liebe
und erleuchte sie mit Deinem Frieden.

Vergib mir, dass ich mich absorge,
und hilf mir, dass mein Murren aufhört.
Herr, der Du das Frühstück am See
bereitest hast, vergib der Welt,
die da sagt: "Was kann denn
aus Nazareth Gutes kommen?"

(Gedicht: Teresa von Avila zugeschrieben; Bild: Francisco de Zurbarán)

Zurbarán, 1664 gestorben, war fast ein Zeitgenosse Teresas von Avila. Während sich die Niederländer jener Zeit darauf spezialisierten Blumen zu malen, malten die Spanier Küchenutensilien... eine das Alltägliche nicht verachtende Aufmerksamkeit scheint hier ein gemeinsamer Nenner zu sein.
Das Kind, das wir dieser Tage in der Krippe erblicken, in nicht mehr zu überbietender Banalität und "Erdnähe" also, mag ein Wink sein auf den Ort, wo wir Gott nicht nur nicht vergessen, sondern getrost auch suchen sollen. Der Futtertrog im Stall ist nicht nur ärmlich, er ist v.a. irdisch. Gott tritt ganz in diese Welt... das Mindeste, was wir tun können, ist, ihn nicht bloß im geistlich Verklärten und ungemein bodenlos Überhöhten, sondern zu allererst in eben dieser Welt zu suchen, in all ihrer Stupidität und scheinbaren Gottesferne.
Gott wird Mensch um uns zu erlösen. Um Ihm anzugehören müssen wir also selbst erstmal Menschen sein, bevor wir Erlöste sein können! 

Dienstag, 24. Dezember 2013

Iubilate deo omnes


Puer natus est nobis,
et filius datus est nobis,
cuius imperium super humerium eius
et vocabitur nomen eius,
magni consilium angelus.
Cantate Domino canticum novum,
quia mirabilia fecit.
Viderunt omnes fines terræ
salutare dei nostri,
Iubilate deo omnes.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Gotteszeit

Allen meinen Lesern wünsche ich ein frohes und gesegnetes neues Kirchenjahr!
Silvester ist was für Anfänger. ;)


»Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.« (Mt 24,42)

Wie gut, dass wir wissen, dass der Herr wiederkommt. Andernfalls müssten wir wohl verzweifeln ob der nie endenden Banalität des ewig Gleichen, ewig Weltlichen. Terminkalender nach Terminkalender würde gefüllt werden. Käme er dann, hätten wir wohl keine Zeit für ihn... Stell dir vor, es kommt der Herr, und keiner geht hin. Es wäre bloße Menschenzeit, mit nichts anderem angefüllt als mit Menschlichem. Doch wir wissen: Es kommt der Tag, an dem das alles aufhört, alles gebrochen, alles geheilt wird. Das ist das Gericht.
Wie gut, dass wir nicht wissen, wann er kommt. Andernfalls brächten wir unsere Zeit unter Wert durch. Man stelle sich vor, wir wüssten die verbliebene Zeit... ist sie lang, so würden wir uns auf die faule Haut legen, "dafür ist auch morgen noch Zeit" ... ist sie kurz, verfielen wir wohl alle in den reinsten Egosismus, noch schnell alles zu tun um unsere eigene Haut zu retten. Aber die Zeit soll Gotteszeit sein, von Gott erfüllt, auf Gott hin gerichtet.

Was oft als "Drohbotschaft" erscheint, ist in Wahrheit die Ermöglichung nicht nur von Freiheit, sondern auch von Liebe.