Sonntag, 8. Juli 2012

Evolution an Schulen

Der Predigtgärtner hat ewas gepostet, was ich nicht unkommentiert lassen kann.

Lieber Predigtgärtner: Der Grund, warum der Schöpfergott nicht im naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen vorkommt (und vorkommen darf) ist schnell erklärt: Weil die Naturwissenschaft per definition naturalistisch ist. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit natürlichen Phänomenen und ihren (ebenso natürlichen) Ursachen. Und genau das sollen die Schüler lernen. (Gilt übrigens nicht nur für Schulen!) Punkt.

Angenommen, die Frage nach Gott hätte eine Legitimität, im naturwissenschaftlichen Unterricht ernsthaft behandelt zu werden: Gehört die "Kontroverse" ins Klassenzimmer? Ich will mal aus einem sehr langen Text den ich vor einigen Jahren schrieb einen Abschnitt zitieren, der genau dieses Thema betrifft:
Wissenschaft, die immer das Ziel hat, Wissen zu vermehren oder zu vertiefen, wird von Menschen durchgeführt, die darin ausgebildet sind, die also eine Bildung haben in dem Wissen, das wir gbis jetzt haben, und die fähig sind, ihren Beitrag zu dem gewaltigen Wissen der Menschheit zu leisten. Sie wird nicht von Schülern durchgeführt die noch nicht das nötig Wissen haben, um die Diskussionen die in der akademischen Welt geführt werden nachzuvollziehen oder gar zu verstehen. Und ganz sicher können sie nicht "auswählen", sowenig wie wir unsere Kinder auswählen lassen, ob sie aus dem Fenster klettern. Wir haben die Verantwortung! Wissenschaftliche Kontroversen müssen zwischen Wissenschaftlern geführt werden, nicht im Klassenzimmer!
Sollten wir z.B. den Geozentrismus, also die Ansicht, dass die Erde im Mittelpunkt des Sonnensystems (und des ganze Universums) ruht und alles andere, inklusive die Sonne um sie kreist, also als "Alternative" zum Heliozentrismus unterrichten? Ihnen sagen, es sei so, aber vielleicht auch (nach Ansicht mancher...) so? Wäre das förderlich für die wissenschaftliche Bildung der Jugend?

Angenommen, man hätte zu Zeiten Galileis sowohl den Helio-, als auch den Geozentrismus an Schulen unterrichtet. Jeder Schüler hätte sich zum Geozentrismus hingezogen gefühlt, denn die Erde erscheint bekanntlich in Ruhe, und die Sonne scheint sich von Ost nach West zu bewegen. Es ist ja auch die einfachere Erklärung, weil damit die Bewegungen sämtlicher Himmelskörper auf einen Schlag "erklärt" werden. Kein Schüler hätte das Wissen oder die Ausrüstung gehabt, dies auf eigene Faust nachzuprüfen.
Das Problem mit dem Faktum, dass die Erde sich um die Sonne dreht ist, dass es zwar seit 400 Jahren anerkannt und spätestens seit dem Raumfahrtzeitalter alltäglich ist, der Nachweis dafür aber nicht so einfach zu führen ist, denn es braucht entsprechendes Gerät und Bildung. Ein Fernrohr hat man schnell gekauft, heutzutage sind selbst einfache Fernrohre weit besser als die Fernrohre zu Galileis Zeiten. Der zweite nötige Part, Fachwissen, ist schwieriger zu erlangen. Um z.B. die Bahn des Jupiter nachzuvollziehen, müsste man erstmal wissen wo am Himmel er wann zu sehen ist. Dann muss man ihn über mehrere Tage hinweg verfolgen, also wissen, wo er in der nächsten Nacht sein wird. Von der nötigen Mathematik ganz zu schweigen! Die meisten Menschen haben nicht dieses Fachwissen und es wäre ziemlich kompliziert diesen Nachweis z.B. an Schulen zu führen (die nächtlichen Beobachtungen quasi als Hausaufgabe zu geben), da es einen sehr engagierten und qualifizierten Lehrer bräuchtet und einige überaus motivierte Schüler. Außerdem würde es enorm viel Unterrichts- und Hausaufgabenzeit beanspruchen.
 
Es gibt Millionen Aspekte in der Wissenschaft, die man ebenso aufwendig (und das ist noch eines der simpleren Beispiele) selber nachprüfen könnte. Weil das aber nicht möglich ist (es gibt nicht ohne Grund soetwas wie unterschiedliche "Fachgebiete" und darin entsprechende „Fachleute“: niemand kann sich mit allem auskennen oder gar alles erforschen... was wir heute allein über die Himmelskörper wissen, ist das Lebenswerk abertausender Wissenschaftler!), ist das einzig Vernünftige, die Heliozentrik schlicht als das zu unterrichten was sie ist (eine Tatsache) und den Schülern zu erklären, warum es im Lichte der Physik die einzig mögliche Erklärung ist, wie man dazu kam und was man seit Kopernikus darüber rausgefunden hat. Nur so kann umfassende wissenschaftliche Bildung an Schulen geleistet werden, denn Wissenschaft ist nunmal sehr Komplex. Und so wie es auch in der Religion überaus wichtig ist, den Menschen zu vertrauen die vor einem stehen oder lebten (da diese einem letztlich die Schrift und die Lehre überliefert haben), so ist es bezüglich Wissenschaft (inkl. Medizin!) ebenfalls wichtig, sich auf das Urteil der Millionen Menschen zu verlassen, die nicht nur die nötige Apparatur haben und mit den entsprechenden Phänomenen arbeiten, sondern die vor allem das nötige Wissen besitzen, um zu verstehen, was Sache ist.
Schülern zu sagen, beide Modelle, Erde im Zentrum oder Sonne im Zentrum des Sonnensystems, wären gleichberechtigt und sie sollten es für sich selbst rausfinden, wäre nicht nur aufwendiger, es wäre vor allem überaus gefährlich, weil man so die Schüler völlig in die Irre führt über das, was Wissenschaft ist und wie sie funktioniert und auch darüber, was eigentlich Wirklichkeit ist. Wissenschaft funktioniert nicht nach Meinungen. Sie funktioniert nicht für den einen so, und für den andern so, je nach den persönlichen Überzeugungen und Vorlieben des Einzelnen.
 
Sollten wir nach dem gleichen Muster vielleicht beim Medizinstudium statt der Büffelei von tausenden Symptomen, Krankheiten, Behandlungen etc., den Studenten an den Unis erzählen, die Behauptung der "Perth Group" und der "Germanischen Neuen Medizin" (esoterische "alternaive" Gruppierungen), dass es krankheitserregende Bakterien und Viren garnicht gibt, sei gleichberechtigt zu der Theorie, dass es sie sehr wohl gibt? Sollen wir ihnen dann ein Kreuz in die Hand drücken und sie das „apage satana“ üben lassen? Sollen wir also, neben der Theorie, dass Bakterien, Viren, Pilze etc. Krankheiten verursachen und neben der "Theorie", dass es alles dies garnicht gibt, als „gleichwertige (dritte) Alternative“ die "Theorie" unterrichten, dass Krankheiten nicht durch äußere Einflüsse, sondern als göttliche Strafe aufzufassen sind? Sollen wir in Geographie zusätzlich zum Sphärischen Modell das einer flachen Erde unterrichten, und den Schülern Angst machen, dass sie über die Kante stürzen, wenn sie zu weit von Daheim weggehen? (Es gibt Menschen, die das heute noch glauben und es auch "wissenschaftlich" belegen wollen!)
Was würde passieren, wenn wir im Chemieunterricht eine Tafel der 4 Elemente der Antike neben das 118 Elemente umfassende Periodensystem der Elemente hängen und die Schüler vor die Wahl stellen? Wahrscheinlich das selbe wie bei der Wahl zwischen Schöpfergott und Evolution: Das simple (wenn auch naturwissenschaftlich völlig nutzlose) Modell würde gewählt werden, eine kritische Hinterfragung oder gar Forschung würde nicht vorkommen. ("God did it" ist leichter zu verstehen als 150 Jahre Fachliteratur; erklären  tut es freilich nichts.)
 
Zu verlangen, man solle "alle Perspektiven" etwa in der Biologie unterrichten, ist absurd. Sollen wir auch die Erschaffung der menschlichen Zivilisation durch den bösen Alienlord Xenu unterrichten, so wie es Scientology behauptet? Oder die Idee, dass die Pyramiden von Außerirdischen erbaut wurden? Oder die Idee, dass die Erde Hohl ist? Oder die Idee, dass die Erde sich ausdehnt? Oder die Idee, dass die Erde flach ist und auf dem Rücken einer Schildkröte ruht? Oder die Behauptung, AIDS sei eine Erfindung der Pharmakonzerne? Man wird sagen "aber nein, diese Ideen sind ja völlig haltlos". Richtig, genauso ist auch der Schöpfer in den naturwissenchaften "haltlos". 
Und was ist mit anderen Wissensbereichen und dem Unterrichten "anderer Theorien"? Was ist mit dem Holocaust? Viele sind der Meinung, er sei erfunden... Oder, nochmal auf die Naturwissenschaften blickend, unterrichten wir dann auch Phrenologie als Alternative zur Neurologie? Alchemie alternativ zur Chemie? Astrologie neben Astronomie? Magie als „andere Seite“ gemeinsam mit Physik? Gotteszorn als Alternative zu Tornado- und Erdbebenforschung? 
Der Grund, warum wir nicht jede Idee oder Meinung einfach ungefragt und ungetestet in die Lehrpläne aufnehmen, ist, weil es so viele davon gibt. Es gibt zahllose nicht verifizierte (ohne jegliche Belege vorgebrachte) Hypothesen, wir bezeichnen sie auch als Pseudowissenschaft. Und das gleiche gilt im Prinzip auch für die Frage nach Gott etwa in der Biologie: Er kann darin per Definition nicht vorkommen, da sich die Biologie ausschließlich mit Naturphänomenen beschäftigt.  "Schöpfung" ist kein Thema der naturwissenschaft, da sich diese nur mit der (bereits existierenden) Schöpfung befasst! Und welche Schöpfungsgeschichte sollte man dann eigentlich behandeln? Die von Scientology? Die Hindu Version? Oder die der Maya? Wikinger? Da geht viel wertvolle Unterrichtszeit verloren! Naturwissenschaftlicher Unterricht und Religionsunterricht haben nicht grundlos diese Bezeichnungen! In der Naturwissenschaft beschäftigt man sich nur mit der Nämlichen. Punkt.

Darüber, welchen Gewissheitsgrad nun speziell die Evolutionstheorie hat, lass ich mich ein andermal aus... nur soviel: Die meisten Menschen haben keine Ahnung, was überhaupt eine "Theorie", geschweigedenn jene der Evolution, ist bzw. besagt. Versprochen!

PS. Das Video würde ich schnellstmöglich löschen... Ein Mensch Namens Adnan Oktar (alias Harun Yahya) verbreitet mit sowas seine idiotische Idee, die Lebewesen auf der Erde hätten sich nie verändert... indem er irgendwelche Fossilien zeigt und daneben bilder von modernen Tieren, die bei flüchtiger Betrachtung "genauso" aussehen. Das ist völlig peinlich und grottig... de facto sind die Unterschiede gewaltig und in vielen fällen ist das was als "Fossilien dieses Tieres" oder als "modernes Tier" gezeigt wird entweder etwas föllig anderes oder eine Fälschung oder die angebliche Ähnlichkeit entsteht auschließlich durch Suggestion... kein Naturwissenschaftler nimmt dieses Gewäsch ernst. Wer sich darüber bilden (und darüber lachen) will, dem empfehle ich dieses Video: Klick!

Kommentare:

  1. Fakt ist aber auch, daß in Klassenzimmern oft genug, auch von "Naturwissenschaftlern" versucht wird, neben der Naturwissenschaft auch deren Weltbild zu vermitteln, zB daß sich aus gewissen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ableiten ließe, daß es keinen Gott gibt.

    Thema -> Intelligent Design

    Ich durfte mir im Geschichtsunterricht 12.Klasse anhören, was für ein Schwachsinn der Zölibat sei, als er im 11. Jahrhundert "eingeführt" wurde, damit Erbschaften das Kirchenvermögen nicht mindern.

    Meine Klassenkameraden links und rechts haben mich sprungbereit angestarrt, für den Fall, daß ich dem Lehrer an die Gurgel will. Daß um die Theorie stimmig zu machen, die ganze theologische Vorgeschichte des Zölibats unterschlagen wurde, und auch das Thema Amtspacht nicht erwähnt wurde, weil das die schöne Theorie beschädigen könnte, ist nur das Sahnehäubchen gewesen.

    Wenn man die "Ideologien" aus dem Unterricht heraushalten will, dann muß man auch die der Lehrer unterbinden.

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    1. Das kann aber wohl kaum bedeuten, dieser gelegentlichen (ich habs z.B. nie erlebt) Grenzüberschreitung im Unterricht (zu sagen, dass es DARUM Gott nicht gäbe) zu begegnet, indem man selbige Grenzüberschreitung allgemein und noch drastischer tut (und genrell auch über Gott spricht).
      Jede solche Grenzüberschtreitung ist ein Problem und gehört da nicht hin, weder als Lernstoff, noch (sofern es der objektiven Realität widerspricht) als Meinung des Lehrers. Er darf ja gerne sagen, dass er Atheist ist, aber zu sagen, dies resultiere aus den Naturwissenschaften und er als Naturwissenschaftler könne dies sagen, ist wieder die gleiche Grenzüberschreitung wie sie die Kreationisten tun.
      Den Schülern sollte stattdessen vermittelt werden, was die naturwissenschaftliche Methodik ist und wo ihre Grenzen liegen (auf Schlau: Epistemologie).

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    2. Was ich so mitbekomme aus den USA ist dort der "Evolutionismus" eher die Regel, denn die Ausnahme.

      Im deutschen Geschichtsunterricht ist die gefärbte Sicht aber auch systemisch. Das ottonische Kirchensystem wurde mir als kluger Schachzug des Kaisers verkauft, weil er auf die Art an Fürsten und Beamte kam, die Lesen und Schreiben konnten. Die negativen Folgen, wie die kaiserliche Einmischung in die Besetzung der Bischofssitze als Recht des Monarchen wurde kaum bis nicht behandelt. Ausführlicher wurde hingegen der Investiturstreit behandelt, allerdings mit deutlicher Favorisierung der weltlichen Seite.

      Bei der Französischen Revolution wurde die Revolution einigermaßen verharmlost, weil man sich ja bis zum gewissen Grad als deutsche Demokratie auf dieses Ereignis hintradiert.

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    3. Tendenziöse Lehre die bis zur Verfälschung der Realität führt (übrigens v.a. an der Uni; die Lehrer sind daran meist nicht selbst schuld!) ist ein Problem für sich.
      Die staatliche Sanktion der völligen Missachtung notwendiger Grenzen etwas gänzlich anderes. Eine solche wäre z.B. die Zulassung von ID im Biounterricht. ID ist ja nicht nur eine Tendenz innerhalb einer Wissenschaft (solche Tendenzen gibt es immer und sie sind bis zu einem gewissen Grad auch wichtig für den wissenschaftlichen Diskurs!), sondern es steht gänzlich außerhalb derselben, in diesem fall der biologischen Wissenschaften.

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    4. Was in der Schule (jedenfalls bei mir) versäumt wurde - nicht nur im Bezug auf Evolutionstheorie, sondern generell was die Wissenschaft betrifft, sind zwei Dinge:

      1.) Der Fortschritt der Wissenschaft wurde oft nach dem Motto "unsere Altvorderen waren Volltrottel" abgetan. Das führte so weit, daß ich mich früher fragte, wie Kepler auf so was dummes wie sein Modell der platonischen Körper kommen konnte, um das Sonnensystem zu beschreiben. So wird, im konkreten Fall der Evolution, die Gegenseite immer nur als "einfach dumm" hingestellt.
      So wird jedoch kein wissenschaftliches oder kluges, sondern nur ein neunmalkluges Weltbild dem Schüler beigebracht (im besten Fall! dazu komm ich gleich noch mal). Man darf sehr wohl betonen, daß einige der Fragen intelligente offene Fragen waren bzw sind, jedoch nicht den Umkehrschluß zulassen, daß die Theorie damit vollständig widerlegt wäre.
      Eine weitere Folge einer solchen Darstellung von Wissenschaftsgeschichte ist, daß manche Leute zwar nicht neunmalklug werden, aber Wissenschaft generell in Frage stellen. Nein, nicht nur bibelfeste Kreationisten, auch bei Atheisten sehe ich das immer wieder, daß Leute komische Dinge sagen wie "können wir überhaupt was mit Sicherheit sagen? Die Wissenschaft hat sich doch immer selbst widerlegt". Gern gehörtes Beispiel hier des "widerlegten Einsteins". Man sollte in diesem Zusammenhang Kindern einfach beibringen, was wissenschaftlicher Progress ist, nämlich oft nicht einfach ein "(kluges) Weltbild A" vs "(dummes) Weltbild B", sondern eine Erweiterung des bisherigen Weltbildes B, so daß Weltbild A dabei herauskommt.

      2.) Den zweiten Punkt kann ich viel kürzer Fassen: Kinder, lernt Wissenschaftstheorie. Ich denke, wenn Schüler Grundlagen wie Falsifizierbarkeit lernen würden, könnten sie Aussagen Marke "Evolution stimmt, Gott ist tot" schnell ad acta legen.

      Nur ein anderer Punkt, der kann natürlich nicht im Biologieunterricht so einfach vermittelt werden: Gott ist ist in den Naturwissenschaften keinesfalls "haltlos". Das ist eben die Verdrehung der Naturwissenschaften, wie sie heutzutage stattfindet. Unsere Altvorderen sahen in einer Erklärbarkeit des Universums und einem Schöpfergott keinen Widerspruch. Es ist interessant zu sehen, wie einerseits Neue Atheisten und andererseits Kreationisten hier einen Widerspruch sehen.
      Gott, der Treue und Wahrhaftige, der Schöpfer, hat eine "ordentliche" Schöpfung geschaffen. Es reizt mich als Naturwissenschaftler immer wieder, wenn ein weiterer Aspekt dieser Ordnung erkannt, entdeckt, quantifiziert wird. Gott ist nicht haltlos in den Naturwissenschaften, er ist ihnen einfach nicht untergeordnet. Wenn man unbedingt den Begriff haltlos nutzen will, dann kann man sagen, daß Gott keinen Halt in den Naturwissenschaften braucht, sondern ihn in denselben uns bietet.

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    5. Ich wollte da freilich keinen Gegensatz aufbauen, nur sollte klar sein, dass Gott keine Variable in einer Gleichung sein kann, er p.d. eben nicht Gegenstand (oder Erklärungshilfe!) der Naturwissenschaften sein kann. Haltlos ist eben genau dieses "Einbauen" Gottes in den wissenschaftlichen Prozess, was wider die Methode ist und darum "haltlos" (weil es eben nicht quantifizierbar oder falsifizierbar ist!).

      Ein gutes Beispiel für den tatsächluchen Fortschritt in der WIssenschaft aus deinem Bereich, Phil, ist z.B. die Sahe mit V und c: Normalerweise wenn sich zwei Objekte einander mit einer bestimmten Geschwindigkeit annähern, ist es logisch anzunehmen, dass sich ihre Geschwindigkeiten addieren, wenn sie aneinander vorbeifahren. Fahren nun zwei Autos, die jeweils mit 50km/h unterwegs sind, aneinander vorbei, passieren sie sich insgesamt mit 100km/h (Vges=V1+V2). Für Lichtgeschwindigkeit stimmt das aber nichtmehr (genau genommen, ist es auch vorher schon ungenau; das konnte Newton aber noch nicht wissen bzw. messen). Wenn ich mich recht entsinne: Nähern sich zwei hypothetische Objekte jeweils mit ¾ der Lichtgeschwindigkeit einander an, passieren sie sich höchstens mit Lichtgeschwindigkeit, nicht mit 1½ facher! Die Lichtgeschwindigkeit ist ein Grenzwert, der nach bisherigem Wissen im normalen Raum nicht überschritten werden kann. Experimente haben das bewiesen und es wird ständig erfolgreich angewendet, weswegen es eine Grundlage moderner Physik und Kosmologie ist. Einstein erkannte das, und erweitert Newtons Gleichung um den neuen Erkenntnissen Rechnung zu tragen ( Vges=(V1+V2):(1+(V1·V2)/c²) wobei c der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum entspricht). Es ist im Grunde noch Newtons Gleichung, aber erweitert, um die neu entdeckten Fakten einzubeziehen.

      Ich werde wohl noch ein bisschen was zu dem Thema hier posten, da neulich in einer ansonsten guten "Lehre" von Joahnnes Hartl aus dem Gebetshaus Augsburg wieder so eine Phrase "Evolution ist ja eh nur eine Theorie" gedroschen wurde... schrecklich sowas... Das tut mir als Biologe und denkender Mensch echt weh.

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  2. Das Problem ist, daß die Leute, wie Du es richtig sagst (übrigens, beim ersten Überfliegen: Guter Post zu dem Thema!) Leute mit dem Begriff "Theorie" nichts mehr anzufangen wissen. Eine Theorie ist keine Hypothese oder gar eine Fiktion.

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Ich freue mich über Meinungen, (sinnvolles) Feedback und Hinweise aller Art. Fragen sind auch immer willkommen, eine Garantie ihrer Beantwortung kann ich freilich nicht geben. Nonsens (z.B. Verschwörungstheorien, atheistisches Geblubber und Esoterik) wird gelöscht. Trolle finden hier keine Nahrung.