Dienstag, 10. Juli 2012

Benediktsregel für Eheleute

»Kommt einer neu und will das klösterliche Leben beginnen, werde ihm der Eintritt nicht leicht gewährt, sondern man richte sich nach dem Wort des Apostels: "Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind." (1Joh 4,1)Wenn er also kommt und beharrlich klopft und es nach vier oder fünf Tagen klar ist, dass er die ihm zugefügte harte Behandlung sowie die Schwierigkeiten beim Eintritt geduldig erträgt, aber trotzdem auf seiner Bitte besteht, gestatte man ihm den Eintritt [...]. Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen. Offen rede man mit ihm über alles Harte und Schwere auf dem Weg zu Gott.
Wenn er verspricht, beharrlich bei seiner Beständigkeit zu bleiben, lese man ihm nach Ablauf von zwei Monaten diese Regel von Anfang bis Ende vor und sage ihm: Siehe das Gesetz, unter dem du dienen willst; wenn du es beobachten kannst, tritt ein, wenn du es aber nicht kannst, geh in Freiheit fort. [...]
Nach Ablauf von sechs Monaten lese man ihm [erneut] die Regel vor: Er soll wissen was der Eintritt für ihn bedeutet. Wenn er noch bei seinem Entschluss bleibt, liest man ihm nach vier Monaten dieselbe Regel wieder vor. Hat er es sich reiflich überlegt und verspricht er, alles zu beachten und sich an alles zu halten, was ihm aufgetragen wird, dann soll er in die Gemeinschaft aufgenommen werden.«
(Aus der Ordnung bei der Aufnahme von Brüdern)

Wäre nicht ein ähnliches Vorgehen auch für Eheleute sinnvoll, die sich anschicken, in den "heiligen Stand der Ehe" einzutreten? Müsste man bei der Ehevorbereitung nicht mindestens so viel Sorge und Hartnäckigkeit aufwenden, da das Eheband, im Unterschied zum Leben in der Ordensgemeinschaft, unlöslisch ist?

Kommentare:

  1. Bei dem Abschitt muß ich immer an die entsprechende Szene bei 'FightClub' mit Meat Loaf denken.
    Ich frage mich, ob der Autor diese Stelle der RB im Hinterkopf hatte.

    Und um auch was thematisches zu schreiben: ich stimme Dir vollkommen zu. Für viele ist die kirchliche Eheschließung da, damit man einen schönen Rahmen hat. Leider machen die meisten Geistlichen bei diesem Folklorechristentum mit und eine gute Glaubensunterweisung bleibt auf der Strecke (oder man traut sich nicht die Lehre zu verkünden).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. *g*
      Der Film hat mich so geprägt...

      First Rule: You do not talk about Fight Club.
      Second Rule: You DO NOT talk about Fight Club.

      Löschen

Ich freue mich über Meinungen, (sinnvolles) Feedback und Hinweise aller Art. Fragen sind auch immer willkommen, eine Garantie ihrer Beantwortung kann ich freilich nicht geben. Nonsens (z.B. Verschwörungstheorien, atheistisches Geblubber und Esoterik) wird gelöscht. Trolle finden hier keine Nahrung.