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Dienstag, 16. März 2021

Humanwissenschaften

Auch in ihrer dümmlichen Erwiederung (hier) auf die römische Note über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften (dümmlich, weil sie den Text völlig falsch darstellen und eigentlich überhaupt nicht auf ihn eingehen) verweisen Stephan Goertz und Magnus Striet wiedermal auf die so genannten "Humanwissenschaftern", deren Erkennntnisse angeblich eine Änderung der kirchlichen Lehre verlangen würden, denn theologisch können diese "Theologen" schon lange nicht mehr argumentieren. Die Bischöfe Timmerevers und Kohlgraf plappern es nach (hier).

Dazu schrieb kürzlich Alex Lefrank (sehr lesenswert ist etwa sein Buch "Kirche ist Paradox") einen Leserbrief an die Tagespost, der den wesentlichen Fehler solcher Verweise gut auf den Punkt bringt:

»Humanwissenschaften sind beschreibende Einzelwissenschaften, die mit den Methoden, die sie selbst definieren, die beobachtbare Wirklichkeit des Menschseins erforschen. Diese Wirklichkeit ist nicht die ganze Wirklichkeit des Menschen. Sie abstrahiert von dem, was dem Menschsein eigentümlich ist: die Sinn/Ziel-Dimension seines Lebens. [D.h. diese wird nicht behandelt.] Dafür ist als systematische Wissenschaft die Philosophie zuständig, denn sie forscht nach dem Ganzen der Wirklichkeit, zu dem die Sinnfrage dazugehört. Wenn nun in der Diskussion um die kirchliche Sexuallehre gefordert wird, die Erkenntnisse der neueren Humanwissenschaften als maßgeblich für die Sexualethik zu berücksichtigen, wie es etwa Prof. Eberhard Schockenhoff in seiner Einführung zum Thema Sexualität in der Bischofskonferenz in Lingen, März 2019, getan hat, begeht man folgenden Fehler: Man übersieht, dass Humanwissenschaften, die solche Aussagen formulieren, ihren selbst definierten Bereich verlassen und eine philosophische Aussage machen, und zwar eine des philosophischen Positivismus, der Sinn/ Ziel-Aussagen grundsätzlich ablehnt, die über die funktionalen Beziehungen hinausgehen. In Bezug auf Sexualität sagen sie damit indirekt: Ihre spezifische Gestaltung ist ohne Bedeutung für das Sinnziel des Menschseins. Konsequent wird dann die Sexualmoral auf die Nächstenliebe reduziert und das sechste Gebot damit eigentlich gestrichen.«

 

PS. I.d.R. unterlässt man es sowieso, zu benenne, welche "Humanwisseschaften" denn nun eigentlich welche konkreten Erkenntisse erbracht haben... Genderstudies zählen nicht.

Generell können Erkenntnisse einer Wissenschaft nicht unmittelbar maßgeblich für den Glauben (und die aus ihm resultierende Moral) sein. Sie können es mittelbar, indem sie theologisch eingeordnet und im Lichte der Offenbarung bewertet werden, aber ein solches Vorgehen ist in der "Theologenzunft" (zu der ich selbst gehöre) ja weitestgehend unvorstellbar geworden. Schade, da wären sie endlich mal nützlich gewesen. Stattdessen bleiben sie beim fachfremden Stammtischgefasel, das sie als Theologen disqualifiziert und unter "echten" Wissenschaftlern keineswegs seriöser erscheinen lässt.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Evolution und Urknall...

*
Ich kann es einfach nicht unerwähnt lassen. (Vor einiger Zeit habe ich hier eine kleine Serie über das Thema Evolution und Kreationismus gemacht... die ich eigentlich noch fortsetzen will... siehe "Wichtige Themen".)
Der Papst hat sich über gewisse naturwissenschaftliche Themen geäußert, und die Medien greifen es zuweilen übermäßig begeistert auf. Endlich ein aufgeklärter Papst!

Die Wahrheit ist natürlich weit weniger aufregend, denn das Lehramt der Kirche hat seit 1950, nämlich seit der Enzyklika Humani Generis von Pius XII., die Kompatibilität des Gedankens der biologischen Evolution mit dem Schöpfungsglauben durchaus anerkennt. Auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben sich in dieser Richtung sehr unzweideutig geäußert.
Was die Urknalltheorie betrifft: Diese stammt von einem katholischen Priester (und Astrophysiker) und wurde anfangs von einigen Wissenschaftlern aus genau dem Grund abgelehnt, weil sie zu sehr an jüdisch-christliche Schöpfungsvorstellungen erinnerte...
Es gibt also keinen Grund für eine Schlagzeile. *gähn*


* kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung die kurz nach dem Big Bang entstand (klick).

Montag, 29. Juli 2013

Mensch, genetisch

Die Chromosomen des Menschen (w)
Eugenie schreibt (hier), auf die Frage, ab wann der Mensch Mensch ist:
»Wenn nicht ab der Empfängnis: Warum hat noch keine Frau eine Qualle, einen Delphin, ein Eichhörnchen, eine Katze, einen Apfelbaum, ein Kälbchen, einen Grasbüschel oder eine Schwalbe auf die Welt gebracht?
Denn aus einem Zellklumpen kann schließlich alles werden. Oder?«

Sorry, aber das is mir viel zu billig. Aus einem Zellklumpen kann eben nicht alles werden, denn auch ein Zellklumpen, sogar jede einzelne Zelle, hat nämlich ein vollständiges Genom!
Genetisch ist es ab der Verschmelzung der beiden Kerne ein Mensch (Homo sapiens)... im Moment der Verschmelzung wird ein Programm gestartet, an dessen Ende, sofern der Prozess ungestört und ohne grobe Fehler abläuft, nach etlichen Jahren ein voll ausgewachsener Homo Sapiens steht (das ist das Thema der Entwicklungsbiologie). Das bezweifelt ja niemand. Wenn es so einfach wäre... Da aber nicht nur wir Christen sondern auch der handelsübliche Säkularmensch heute zumeist (wenn auch nur instinktiv und nicht immer vernünftig) das Menschsein an mehr als an seinem Genom festmacht, ergibt sich ein Problem. 

Die Ironie an diesem Hickhack ist doch dies: Die Vorstellung, der Mensch würde erst zum Menschen werden, nämlich aus einem unspezifischen Zellklumpen heraus, ist aristotelisch. Es ist die moderne Naturwissenschaft, die uns gezeigt hat, dass es nicht so ist. Die Bestreitung des Menschseins "von Anfang an" ist eine der großen Inkonsequenzen in unserer wissenschaftsgläubigen Welt. Und genau darum ist diese endlose Debatte auch so vertrackt.

Samstag, 6. Juli 2013

SETI und DNA

Vorweg: Astronomie ist nicht mein Fach, ich schöpfe im Wesentlichen aus meinem Allgemeinwissen.

Auf Facebook machte neulich dieses Bild die Runde. Natürlich geht es um die Frage, inwiefern man die Existenz eines Schöpfers naturwissenschaftlich "beweisen" kann und um die angebliche Ignoranz der Wissenschaftler.

Auf der linken Seite haben wir jemanden der wohl von SETI (wer nicht weiß, was das ist, schaue hier) sein soll und rechts soll wohl ein Biologe dargestellt sein.

Das Bild ist eine ziemlich plumpe Manipulation.

Zunächstmal: Der Versuch, Radiowellen möglicher (!) außerirdischer Zivilisationen aufzufangen, ist hier völlig falsch und irreführend beschrieben.
Worum es bei SETI geht ist, Signale aufzufangen, die nicht natürlchen Ursprungs sind. Was das ist, wissen wir, denn wir Menschen produzieren haufenweise solcher elektromagnetischer Wellen: Alles was wir an kabelloser Datenübertragung tätigen (Fernsehen, Radio, Radar uswf.). Seit Mitte des letzten Jahrhunderts strahlen wir Menschen unsere Daten ins All hinaus. Der Versuch, nun nach solcherlei Signalen zu horschen die von anderen Zivilisationen aufgesendet wurden, das ist SETI. Hier kann man durchaus von "codierten" Signalen sprechen. Signale, die künstlich erzeugt sind um eine Information zu transportieren. Es gibt auch unspezifische, "uncodierte" Radiowellen die künstlich produziert werden, etwa in einer Mikrowelle.
Nun können elektromagnetische Wellen die (durch ihre Wellenlänge und Frequenz) zum Radiobereich gehören auch ganz natürlich entstehen, etwa durch Pulsare (ein schnell rotierender Neutronenstern) und Quasare (ein Galaxienkern). Auch die oft zu lesende "kosmische Hintergrundstrahlung", die als Beleg für die Big Bang-Theorie gilt, ist eine solche Strahlung. Es gibt einen eigenen Wissenschaftszweig, der sich mit sowas befasst, die Radioastronomie.
Was nun SETI versucht (hat) ist nicht mehr und nicht weniger, als in den Radiosignalen, die ständig bei uns auf der Erde von überall her eintreffen, nach Mustern zu suchen die uns aus unserer eigenen Zivilisation bekannt vorkommen, nach Signalen also, die nicht nach den bekannten natürlich entstandenen Mustern gestrickt sind. Pulsare z.B. werden mit der Zeit langsamer, sind aber ansonsten sehr regelmäßig. Wonach gesucht wird, sind Signale, die schwerlich natürlichen ursprungs sind. Was soll das sein? Also doch ein "Code"? Ja, aber: Es geht schlicht um Daten, die von "jemandem" eingegeben wurden. Informationen, die nicht wie das gleichmäßige natürliche Rauschen irgendwelcher Sternennebel oder das regelmäßige Pulsieren wie von Pulsaren klingen... sondern man sucht nach Dingen, wie sie auch wir Menschen mittels Radiowellen ins All schicken. Also v.a. um komplexe mathematische Reihen, denn unsere Informationen, etwa die Daten auf einer CD, bestehen aus purer sehr komplexer Mathematik. Wobei auch "einfachere" Reihen schon ein guter Hinweis auf einen "intelligenten" Ursprung sein können, etwa, wie es in dem Film "Contact" dargestellt wurde, eine Reihe von Primzahlen. Pulsare pulsieren nunmal nicht in Primzahlen.
Es geht hier also, grob gesagt, um eine recht klare Unterscheidung zwischen natürlichen Phänomenen (die Gegenstand der Radioastronomie sind) einerseits, und um die elektromagnetischen "Ausdünstungen" einer möglichen anderen Zivilisation andererseits.


Kommen wir mal zur DNA. Handelt es sich hier um einen "Code"?
Hier liegt wieder eine dezent manipulierende Haltung vor: Natürlich sprechen Forscher auch immer wieder davon, eine Information sei "in der DNA codiert" und meinen damit, dass die DNA gewissermaßen einen Bauplan (den Genotyp) für ein Lebewesen (seinen Phänotyp) "enthält". Aber von dem was man gemeinhin unter "Code" versteht, kann hier kaum die Rede sein.
Ein Code ist ja nichts anderes als eine Sprache. Jede Sprache ist letztlich eine "Verschlüsselung" von Informationen, die nur Eingeweihte aus ihr herauslesen können... beherrsche ich die Sprache nicht, komme ich nicht an die Informationen ran. Die DNA ist aber keine Sprache.
Ich hatte mich dazu bereits hier (klick) geäußert:
»Eine Sprache (z.B. das Englisch Shakespeares) ist schwerlich mit DNA vergleichbar... das Wort "Sofa" z.B. beschreibt eine bestimmte Sorte von Gegenständen, wie auch bestimmte Einzelexemplare. Aber das Wort an sich hat nichts an sich was es mit dem Gegenstand "wirk-lich" verbindet. Das Wort kann beliebig mit anderen Bedeutungen belegt oder ersetzt werden, ohne dass sich irgendetwas ändert: Wenn ich plötzlich anfange die Blume, die Vicco (R.I.P.) in der Hand hält als "Sofa" zu bezeichnen (und umgekehrt) und ich andere dazu bringe, dies auch zu tun, dann würde sich nichts in der Welt ändern, die Verknüpfung zwischen Wort und Gegenstand ist dann auch nicht "mehr" oder "weniger" sinnvoll. Eine menschliche Sprache kann das.
Wenn ich aber an der DNA (und der dortigen Abfolge von "Buchstaben") und also am Genotyp eines Organismus etwas ändere, dann ändert sich die Wirklichkeit! Denn es ist eben jene spezifische Abfolge von Basen die bestimmt, welches Protein am Ende produziert wird... ändere ich die Basen, ändere ich das Protein und seine Funktion und so den Phänotyp des Organismus. Hier sind chemische Prozesse am Werk und also besteht eine reale, physische!, Verknüpfung zwischen dem angeblichen "Wort" (DNA) und dem Gegenstand, dem Protein.
Der vergleich der Wesenheit der DNA mit der von Literatur ist in etwa so Sinnvoll, wie der Vergleich der Wirkweise von Olivenöl beim Braten mit der einer Bärenfalle.«
Die DNA ist kein "Code" in dem Sinn, keine Sprache, wie es uns die Karikatur glaube machen will.
Wie schon häufiger in dieser kleinen Serie (die ich leider - mea culpa - in den letzten 2 Monaten vernachlässigt habe) erwähnt: Wir wissen, wie diese ganz bestimmten, "codierten" Abfolgen von Basen in der DNA auf natürlichem Weg entstehen... wir kennen die Prozesse die dahinter stehen... und wir können es ja selbst nachmachen (Genmanipulation, Klonen etc.) und ganz gezielt damit arbeiten. So ähnlich ist das auch mit elektromagnetischen Wellen: Wir wissen, wie sie in der Natur entstehen und wir produzieren selbst rechlich davon. Deshalb könnne wir auch zwischen natürlich entstandenen und künstlich (von einer "Intelligenz") produzierten unterscheiden.



Nachtrag: Dass ich es mir "einfach" gemacht habe mit der Frage nach der "Codierung" und diesen Punkt eigentlich umschifft habe, liegt daran, dass es in der Karikatur gar nicht um Codes geht, sondern nur um das Erzwingen einer angeblichen durch Idiologie ausgeblendeten Parallele in diesen beiden Wissenschaftsbereichen, die aber so nicht existiert. Das Wort "codierte Information" ist dort nur ein Mittel zum Zweck, hat aber keinen spezischen Inhalt, der über "da ist etwas, was man unter den Begriff 'Information' fassen könnte" hinausgeht. Wenn der Autor nur von "Information" statt von "codierter..." gesprochen hätte, wäre die Aussage die gleiche, die manipulative Absicht würde aber nicht so reinhaun, denn das Wort "codiert" soll implizieren, dass da JEMAND ist, DER diese Codierung vornimmt, und genau auf diesen kleinen Trick kommt in dieser Karikatur alles an! Bei der Deutung von Radiowellen als Zeichen außerirdischer Intelligenz stimmt das ja auch, bei Genen eben nicht.
Diesen Unterschied zwischen "Designtem" (in dieser Karikatur: "Codiertem") und "nicht Designtem" habe ich hier (klick) bereits ausführlich behandelt. Die Karikatur bietet von der Strategie her also nichts Neues.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Die Bibelfälscher

Ich bin ziemlich enttäuscht von Klaus Bergers neuestem Buch "Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden". 
Inhaltlich ist es natürlich ganz toll. So ein Verriss der handelsüblichen Bibelexegese und eine Bloßstellung ihrer dümmlichen Dogmen tut gut. Der (angehende) Theologe dankt!

Was ich aber doch sehr bemängeln muss ist die Tatsache, die Berger selbst nicht müde wird zu betonen, dass nämlich das Buch eine einzige Polemik ist und keine wissenschaftliche Behandlung des Themas darstellt.
Polemik schön und gut, das Buch kommt bei den "Konservativen" sicher gut an und man kann sich, wenn man es nicht eh schon aus eigener Erfahung kennt, ganz wunderbar an dem darin beschriebenen alltäglichen Wahn echauffieren. Aber leider wird genau diese Tatsache unausweichlich zur Folge haben, dass man diesen Aufschrei in der Fachwelt nicht ernstnehmen wird, ja: nicht ernstnehmen kann. Die Zeit der "wissenschaftlichen Polemik" ist nämlich schon lange vorbei.
Da mag der Inhalt noch so richtig und wichtig sein und Berger auch so schon kaum in der Fachwelt rezipiert, eine solche (zuweilen sehr harsche) Polemik macht es ungemein einfach, sie zu missachten und bietet zugleich eine gigantische Angriffsfläsche für eine das eigentliche Anliegen desavouierende Kritik.

Überhaupt scheint es mir, dass das Buch ziemlich hastig und vielleicht übereilt zusammengezimmert wurde (Wiederholungen, Pünktchenpünktchen, Themensprünge etc.). Eine geruhsame und wissenschaftlich ausgereifte Auseinandersetzung hätte eher die Chance gehabt, rezipiert zu werden. So aber wird es wohl leider als "konservatives" Nischenbuch verbleiben. Zu hoffen ist, dass sich einer seiner Kollegen davon anregen lässt, den Aufruf zur Katharsis an die "biblische Wissenschaft" in einer dieser Wissenschaft verständlichen (und also rezipierbaren) Sprache und Form anzugehen.

Die Lektüre lohnt sich v.a. für den Nichttheologen, wenn man wissen will, wie (schlimm) es steht und wie es anders sein könnte (wenn...). Aber eine Wirkung sollte man von dem Buch nicht erwarten.

Schade.

Dienstag, 9. April 2013

Zwischenbemerkung: Evolution

Kreationistencomic... no comment.
Auf kath.net wurde heute ein Text von Josef Bordat veröffentlicht (hier), der sehr komprimiert aber höchst sinnvoll vieles von dem zusammenfasst, was ich hier bereits in meiner kleinen Serie zur Evolution erzählte. (Ein Vortrag des selben Autors aus dem Jahr 2009, der das Thema noch etwas grundlegender behandelt, ist hier zu finden.) Mit Freude lese ich auch, dass der Autor in seinem Text auch einige Dinge angesprochen hat, die ich hier noch nicht behandelt habe, die ich aber fest eingeplant und schon mehrmals angekündigt hatte. Darum empfehle ich meinen Lesern hiermit, jenen Text auf kath.net zu lesen, das erleichtert mir mein kommendes Geschreibsel, das dann hoffentlich noch ein paar Ergänzungen liefern kann (naturwissenschaftlich wie theologisch).

Ich hätte mir allerdings vom Autor gewünscht, dass er gleich im selben Abwasch dem Intelligent Design den Marsch bläßt, denn diese Ideologie wabert nach wie vor in den Köpfen vieler Katholiken, und als der philosophische Dünnschiss der sie ist, steht sie offenkundig im krassen Widerspruch zu dem, was anhand von Thomas und de Chardin erläutert wurde. Appropos: Sehr schön finde ich es, dass Teilhard de Chardin in jenem Text recht ausführlich zur Sprache kommt. Dieser Priester und Anthropologe, den auch J. Ratzinger immer sehr geschätzt hat, ist maßgeblich an dieser notwendigen Verständigung zwischen Naturwissenschaft und Glaube beteiligt, auch wenn man manche seiner Schlussfolgerungen durchaus kritisch betrachten kann (Stichwort "Punkt Omega").
Es ist nun schon bald 1,5 Monate her seit ich in dieser Serie etwas schrieb, ich hoffe aber, diese oder nächste Woche einen weiteren Text hier einstellen zu können.

Montag, 25. Februar 2013

Freiheit der Schöpfung

Chaplins Klassiker "Modern Times" von 1936
Die Lektüre dieser beiden Einträge wird für das Folgende vorausgesetzt: Intelligent Design? und Ist es "designt"?


Der Titel ist doppeldeutig.
Zunächst meint er den Schöpfungsakt und also die Freiheit Gottes zu seiner Schöpfung. Denn Gott hat die Welt nicht aus einer Notwendigkeit geschaffen, etwa um sich durch sie seiner selbst gewahr zu werden (Hegel) oder um überhaupt seine Existenz in ein Werden zu überführen (wie in der Prozesstheologie nach Hartshorne). Er hat sie in völliger Freiheit geschaffen... er hätte es auch nicht tun können.

Diese Freiheit Gottes geht sogar so weit, dass er sie, die Freiheit, zu ihrer Erfüllung bringt, indem er schließlich mit seinen Geschöpfen einen Bund eingeht. Vergleichbar mit der Erfüllung der Freiheit des Menschen etwa im unauflöslichen Versprechen der Treue in der Ehe: Ein Akt der Freiheit, der dann aber eine Einschränkung dergestalt bedeutet, dass er die Beliebigkeit ausschaltet. So ähnlich ist es auch mit dem Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat. (Daher die bräutlichen Motive bei der Beschreibung dieses Verhältnisses.) Freiheit bestet nicht in der ständgen Verfügbarkeit aller Möglichkeiten, sondern sie verwirklicht sich dann, wenn sie eingesetzt wird, sprich, wenn eine Wahl, eine Entscheidung getroffen wird. Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten.

Und sogar noch grundlegender hat sich Gott (in Freiheit) eine Beschränkung auferlegt: Gott respektiert die Freiheit seiner Geschöpfe. Und damit sind wir nun beim zweiten Sinn des Titels: Die Schöpfung ist frei.

Gott ist kein Diktator der Schöpfung, sondern lässt ihr ihre geschöpfliche Freiheit. Die Schöpfung ist im "freien Werden" begriffen und in diesem hat sie durch das ihr von Gott eingegebene Potential all das hervorgebracht, was wir um uns sehen. Gott ist kein Ingenieur der ständig in seine Schöpfung eingreifen muss. Hätten die Kreationisten recht, wäre die einzige Erklärung für die zahllosen Fossilien die wir finden, dass Gott ständig Fehlschläge erlitt. Er schafft etwas, es stirbt aus, er muss es ersetzen. Wenn Gott direkt hantierend das zustandegebracht hätte, was wir faktisch in den Fossilien finden, dann hat er eine geringere "Erfolgsquote" als jeder Ingenieur.

Gottes Macht und Gewalt ist dann klar ersichtlich, wenn nicht er als Akteur an zahllosen einzelnen Prozessen kausal teilgenommen hat, sondern wenn er das getan hat, was er, aus Liebe, mit uns Menschen sowieso tut: Er lässt die Schöpfung sich selbst entfalten. Er zwingt sie nicht. Er nimmt keinen kausalen Einfluss auf die Entwicklung oder den Ablauf irgendwelcher Prozesse, wieso sollte er auch? Wenn ein unendliches, ewiges, allwissendes und allmächtiges Wesen das Universum geschaffen hat, wie vernünftig wäre es dann, dass er nach der anfänglichen Schöpfung ständig nachjustieren muss, damit das passiert, was er haben will? Zwar hasse ich technische Analogien aber: Eine Maschine funktioniert dann gut, wenn sie funktioniert, ohne dass ständig nachjustiert werden muss!

Wer Gott ständig in das freie Entfalten und Bestehen der Schöpfung eingreifen lässt, spricht ihm seine Allmacht und Allwissenheit nicht nur prinzipiell ab, er unterwirft Gott als Weltschöpfer allen Beschwernissen der irdischen Welt (zeitlicher Ablauf, Kausalität, Räumlichkeit etc.) und macht ihn zudem zu einem despotischen Kontrollfreak, der mehr mit einem Maschinenwärter gemein hat, als mit einem liebenden Gott dessen Schöpfungsmacht alles übersteigt. Gott kann sich freilich, aus Liebe, willentlich diesen Beschwernissen unterwerfen (hat er ja auch getan: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt"), jedoch wird im kreationistischen Denken Gott von diesen unterworfen: Ein Organismus, nehmen wir mal ein Bakterium, gelangt in eine Umgebung, in der es sinnvoll wäre, sich schnell fortbewegen zu können, um nicht gefressen zu werden... also muss der Maschinenwart ran und dem Bakterium ein Flaggelum montieren. (Alternativ: Das Bakterium stirbt aus, weil es kein Flaggelum hat, Gott muss ein neues erschaffen, diesmal mit Flagellum.)

Kreationisten haben, so gesehen, ein äußerst infantiles Gottesbild: nach ihrer Ansicht muss Gott ständig an seiner eigenen Schöpfung rumjustieren und sie beeinflussen, wird also von innergeschöpflichen Prozessen quasi dazu genötigt, immer wieder etwas zu tun, zu ändern, so als müsste er einen übers Ufer getretenen Fluss kanalisieren. Wenn die Schöpfung Gottes den Menschen in seiner Biologie nicht "aus sich selbst" (per Evolution) hervorbringen kann (hat Gott das System also von Anfang an eher mangelhaft geschaffen), muss Gott, da wir wissen, dass Evolution Fakt ist und wir Teil davon sind, also lenkend in das freie werden der Welt eingreifen um am Ende doch noch einen Menschen zu erhalten. Intelligent Design sagt in seiner Essenz nichts weiter aus, als dass Gott den Prozess, den er selbst aus inniger Liebe in seiner Ganzheitlichkeit geschaffen hat, steuern und bedienen muss, da dieser sonst nicht das gewünschte Ergebnis erbringen könnte/würde: z.B. Gezielte Mutationen.

Es ist eine kalte Logik der Funktionalität und Mechanisierung und ihre Vertreter unterwerfen Gott einer naturalistischen Notwendigkeit! Dafür fällt mir nur ein Wort ein: erbärmlich! Was für ein erbärmlicher Gott, dass er seine Schöpfung zwingen und mechanisch-physisch (kausal) manipulieren muss, um seinen Willen zu bekommen.

Die Vertreter dieser Ansicht preferieren es, einen Euphemismus wie "Anleitung" zu gebrauchen, Gott "leite" die Schöpfung an oder hege sie wie einen Garten. Das ist eigentlich ein Kategorienfehler: Der Garten wurde nicht vom Gärtner mit ewigem vorauswissen geschaffen, sondern aus bestehendem "komponiert". Wäre Gott also gar kein Schöpfer, sondern nur Sachwalter? Hat er die Schöpfung also vorgefunden und geht nurmehr damit um? Ist er also gar kein Schöpfer? Außerdem kann ein Garten sich auch ohne menschliches Eingreifen entwickeln und viel Schönes hervorbringen (ich empfehle einen Besuch im Wald). ID spricht diesem Garten aber gänzlich die Fähigkeit ab, aus sich heraus, in seiner eigenen Freiheit im Werden, irgendetwas sinnvolles hervorzubringen.

Und es ändert an der Sache wenig: Wenn der Mensch das einzige Geschöpf ist, das "Schöpfungspartner" Gottes ist, d.h. dieses sich Gott hingeben kann, sich seiner überhaupt, als einziges Geschöpf, bewusst ist, dann kann Gott auch nur diesen "an die Hand nehmen", nämlich dann, wenn dieser Mensch dazu sein "Ja" gibt. Der Mensch hat gegenüber Gott eine "Größe" die ihn von der gesamten Schöpfung abhebt und in relative Nähe zu Gott stellt (vgl. Ps 8,6). Nur darum ist er würdig, mit Gott einen Bund zu schließen. Gott nimmt sein Geschöpf Mensch nur dann an die Hand und führt/leitet es (vgl. Bündnisschluss), wenn dieses es auch zulässt und einwilligt (Willensfreiheit). Die Natur (alles davon, was nicht Mensch ist), kann sich aber nicht bewusst für Gott entscheiden, somit wird Gott sie auch nicht in ihrer freien Entscheidung an die Hand nehmen. Ein "Anleiten" der restlichen Schöpfung wäre kein liebender Akt in gegenseitigem Einvernehmen, sondern Zwang: Manipulation. Es wäre eine "Bedienen" der Schöpfung. Die Welt als Kasperletheater. Oder: Gott als störrisches Kind, das solange manipuliert bis es seinen Willen hat.

Damit ist freilich nicht Gottes schöpferisches Wirken bloß auf das allursächliche erste Aufglimmen beschränkt. Ich bestreite nicht eine creatio continua, also das fortwährende schöpferische Handeln Gottes an seiner Schöpfung und überhaupt die Tatsache, dass er sie zur Gänze im Dasein hält. Dem widerspricht ja schon die Bibel, die vom ersten bis zum letzten Buch immer wieder von "(Neu)Schöpfung" spricht. Es soll damit lediglich ausgesagt werden, dass Gottes Schöpferwirken nicht im Manipulieren einzelner Aspekte und Details der Natur zu finden ist (z.B. das Basteln eines Flagellums... das dann schlimme Krankheitserreger befähigt, uns Menschen zu quälen). Was die Kreationisten behaupten und wogegen ich mich wende, ist ein ständiges kausales Eingreifen Gottes in Naturprozesse! Wenn dem so wäre, hätten diejenigen die sich mit der Theodizee befassen ein ernstes Problem: Wenn Gott die ganze Zeit lenkend und konkret formend und gestaltend in allerlei Prozesse eingreift (wir das merkwürdigerweise aber nicht sehen und überprüfen können): Warum gestaltet er dann lauter Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten bzw. lässt sie sich frei entfalten? Ganz zu schweigen von Naturkatastrophen, die ja auch großen Einfluss auf die Entwicklung des Lebens haben (siehe Massenaussterben etc.). Was ist mit genetischen Defekten die unsägliches Leid verursachen, wenn doch Gott ständig an der DNA von allerlei Lebewesen rumbastelt? Wenn Gott kontinuierlich die Physis manipuliert, warum lässt er dann so viel Schreckliches zu? Oder ist er hier sogar der eigentliche Akteur?

Greift Gott hingegen nicht ständig manipulierend ein, ist die Existenz solcher Wirklichkeitsaspekte völlig plausibel, denn sie gehören zum Weltganzen dazu. Beispiel Erdbeben: Sie sind Teil jener geologischen Prozesse, die Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglichen (Stichworte sind z.B.: Plattentektonik und Kohlenstoffkreislauf) und ohne sie gäbe es ein ökologisches Chaos (und vermutlich ein ähnliches Schicksal des Planeten, wie es der Mars vor Urzeiten erlebt hat). In der Natur gibt es kein Gut und Böse: Die Explosion eines Sterns vernichtet alles Leben in einem großen Umkreis... doch gäbe es nie Sternenexplosionen, gäbe es nie Elemente jenseits von Eisen (siehe PSE), da diese bei solchen Explosionen gebildet werden. Unser Sonnenssystem besteht "in zweiter Generatiuon": Weil ein Stern explodierte und sich aus der entstandenen Gaswolke ein neuer Stern und die Planeten bildeten, gibt es uns! Lange Rede, kurzer Sinn: Dinge die wir als schädlich oder gar tödlich empfinden und erfahren, gehören ebenso zum Lauf der Welt.

Wirkt Gott also nicht in der (geologischen, biologischen etc.) Welt?
Doch, natürlich! Aber nicht in einem kausalen Sinne, wie es Kreationisten aller Couleur (inkl. ID) behaupten!


»Groß bist du, o Herr, und deines Lobes ist kein Ende; groß ist die Fülle deiner Kraft, und deine Weisheit ist unermesslich. Und loben will dich der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung; der Mensch, der sich unter der Last der Sterblichkeit beugt, dem Zeugnis seiner Sünde, einem Zeugnis, dass du den Hoffärtigen widerstehest; und doch will dich loben der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung. Du schaffest, dass er mit Freuden dich preise, denn zu deinem Eigentum erschufst du uns, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruhet in dir.« (Augustinus, Confessiones)

Sonntag, 10. Februar 2013

Spezifizierte Komplexität

Es ist wieder an der Zeit für etwas Kreationistenbashing und Aufklärung!

Nach der "nichtreduzierbaren Komplexität" (siehe hier und hier) ist die "spezifizierte Komplexität" das zweite große Argument von Intelligent Design-Vertretern. Es stammt von William Dembski, einem der führenden ID Vertreter (übrigens kein Biologe, sondern Mathematiker).
Dembski behauptet, in der Natur gäbe es zahlreiche Beispiele von, wie er es nennt, "spezifisch komplexer Information". Was ist das? Ein bekanntes Beispiel: Der Buchstabe A ist spezifisch, aber er ist nicht unbedingt komplex. Die Buchstabenfolge "ajykqzt" ist komplex, aber nicht unbedingt spezifisch. Ein Stück von Shakespeare jedoch, ist sowohl komplex als auch spezifisch. Er nennt dies dann "complex specified information", kurz "CSI" (nicht zu verwechseln mit jener Fernsehserie, die nur mit der Kombination von Willam Petersen und Jorja Fox gut war). Diese CSI ist laut Dembski an Anzeichen für "Design", denn er sagt, nur eine Intelligenz, könne ein Shakespearestück schreiben.

Der wichtigste Ansatzpunkt ist für Dembski natürlich die DNA: Eine spezifische Abfolge von vier Basen die komplementär gepaart sind. Man kann sie sich als Buchstaben vorstellen. Gene entsprächen dann Wörtern, die der Zelle sagen, welche Proteine sie herstellen soll (an dieser Stelle sei nochmal angemerkt, dass Dembski Mathematiker ist, kein Biologe). Die menschliche DNA besitzt 3 Milliarden Basenpaare und trägt etwa 25.000 Gene, ist also Komplex. Dass Menschen immer Menschen zu Welt bringen und nicht etwa Schimpansen oder Katzen, ist laut Dembski ein Indiz dafür, dass sie spezifisch ist. Dass es CSI in der Natur gibt, ist laut Dembski ein Beleg für Design, denn eine Intelligenz sei nötig, um CSI hervorzubringen.

Dieses Argument, kann man testen.

Wenn Dembski recht hat, dann wäre es unmöglich, dass ein neues Gen mit neuer Information im Genom eines Organismus auftaucht, es sei denn, ein "Designer" ist daran beteiligt, der dieses Gen "schreibt".

Eine kleine Geschichte: 1975 haben Forscher nahe einer Nylonfabrik in Japan eine Bakterienspezies entdeckt, die Nylon verdauen kann (und zwar eines der Gattung der Flavobakterien). Das Interessante daran: Nylon ist ein Kunststoff und wurde erst vor ca. 70 Jahren erfunden und existierte vorher schlichtweg nicht. Es ist zudem völlig synthetisch und eigentlich unverdaulich für Bakterien. Irgendwo zwischen der Entwicklung von Nylon und der Entdeckung des Bakteriums, muss also ein Bakterienstamm mutiert sein und die sogenannte "Nylonase", mit der sie das Nylon verdauen, entwickelt haben. 

Einige Wissenschaftler wollten dies im Labor mal mit anderen Bakterien (Pseudomonas aeruginosa) ausprobieren und setzten diese in eine Nylonhaltige Umgebung. Sie entwickelten nach einiger Zeit ebenfalls die Fähigkeit, Nylon zu verdauen, verwendete dafür jedoch ganz andere Enzyme (sprich: die Mutationen geschahen an ganz anderen orten im Genom). Und so kann jetzt auch dieses P. aeruginosa Nylon verdauen.

Es gibt nun drei Möglichkeiten, wieso dieses Bakterium das kann:
1. Die Information, Nylon zu verdauen, war schon immer in dem Bakterium enthalten (also vom Designer zu Beginn "eingeschrieben").
2. Der Designer gab dem Bakterium diese Fähigkeit, als es in eine nylonhaltigen Umgebung kam (die Forscher hätten dann also den Designer dazu gebracht, hier einzugreifen).

3. Die Nylonase hat sich auf natürliche Weise per Mutation entwickelt und, weil es einen Vorteil (in einer nylonhaltigen Umgebung) darstellte, war ediese Eigenschaft erfolgreich und wurde weitervererbt: Evolution.

Welche dieser Möglichkeiten die „vernünftigere“ ist, sieht man sofort. Spielen wir doch mal die beiden anderen durch: Wäre das Nylonasegen schon immer im Genom gewesen, müsste man sich fragen, was diese Bakterienspezies die 3,5 Milliarden Jahre getan hat, in denen es noch kein Nylon gab. Die Antwort wäre vermutlich die folgende: Verhungern. Zumindest wäre es aber eine nutzlose, energieverschwendende Eigenschaft gewesen, ständig Enzyme zu produzieren, die zu nichts zu gebrauchen sind... [Achja: Ist jemandem der irrsinnige Fehler dieser Möglichkeit aufgefallen? Hier wird impliziert, dass es diese spezielle Bakterienspezies seit Beginn der Welt gab... etwas wovon wir wissen, dass es nicht möglich ist...] Übrigens taugt diese Möglichkeit zu nichts, denn das ganze Experiment lief ja unter kontrollierten Bedingungen ab... die Forscher haben ja noch die  Ursprungspopulation der Bakterien und können nachschauen...: die haben diese Eigenschaft definitiv nicht!


Hätte der Designer dem Bakterium diese Fähigkeit erst später verliehen, müssten wir uns fragen, wieso er irgendeinem Bakterium das (mal zufällig, mal von Forschern platziert) in eine nylonhaltige Umgebung kommt, plötzlich diese Fähigkeit gibt... und auf welche Weise er dies tut. Der Gegenstand der Frage wäre nun der Designer selbst, über den wir aber leider keinerlei Aussagen machen können... Auch diese Möglichkeit ist aber zu nichts nutze, denn die Forscher haben regelmäßig Stichproben genommen und sie WISSEN, dass diese Eigenschaft über viele viele Generationen hinweig durch zufällige Mutationen entstand und nach und nach verbessert wurde. Die Mutationen geschahen ja nicht "gezielt", sondern, ihrer Natur gemäß, zufällig... Ist der Zufall also nur der Künstlername des "Designers"? Aber wozu braucht es dann überhaupt noch diese Idee von einem "Designer"?

Übrigns: das Nylonaseenzym arbeitet nicht so effektiv wie das Vorgängerenzym, aus dem es sich vermutlich entwickelt hat (da es aber in der nylonhaltigen Umgebung dennoch einen Vorteil bedeutet, war es erfolgreich), also wurde es, wenn designt, ziemlich unintelligent designt...

Was bleibt? Naja: Das was die Forscher beobachtet haben...: Evolution in Aktion!


Übrigens ist Dembskis Vergleich der DNA mit Shakespeare ziemlicher Nonsens: Eine Sprache (z.B. das Englisch Shakespeares) ist schwerlich mit DNA vergleichbar... das Wort "Sofa" z.B. beschreibt eine bestimmte Sorte von Gegenständen, wie auch bestimmte Einzelexemplare (s.Bild). Aber das Wort an sich hat nichts an sich was es mit dem Gegenstand "wirk-lich" verbindet. Das Wort kann beliebig mit anderen Bedeutungen belegt oder ersetzt werden, ohne dass sich irgendetwas ändert: Wenn ich plötzlich anfange die Blume, die Vicco (R.I.P.) in der Hand hält als "Sofa" zu bezeichnen (und umgekehrt) und ich andere dazu bringe, dies auch zu tun, dann würde sich nichts in der Welt ändern, die Verknüpfung zwischen Wort und Gegenstand ist dann auch nicht "mehr" oder "weniger" sinnvoll. Eine menschliche Sprache kann das.
Wenn ich aber an der DNA (und der dortigen Abfolge von "Buchstaben") und also am Genotyp eines Organismus etwas ändere, dann ändert sich die Wirklichkeit! Denn es ist eben jene spezifische Abfolge von Basen die bestimmt, welches Protein am Ende produziert wird... ändere ich die Basen, ändere ich das Protein und seine Funktion und so den Phänotyp des Organismus. Hier sind chemische Prozesse am Werk und also besteht eine reale, physische!, Verknüpfung zwischen dem angeblichen "Wort" (DNA) und dem Gegenstand, dem Protein.
Der vergleich der Wesenheit der DNA mit der von Literatur ist in etwa so Sinnvoll, wie der Vergleich der Wirkweise von Olivenöl beim Braten mit der einer Bärenfalle.

Freitag, 8. Februar 2013

Pille danach

Die erste vertrauenswürdige Stimme seit dieses Karussell in Bewegung gekommen ist, wurde heute auf kath.net veröffentlicht.
Man erkennt die Vertrauenswürdigkeit bei solchen (natur)wissenschaftlichen Debatten oft daran, dass keine absoluten Statements abgegeben werden alla "Es ist so und so. Das ist eindeutig und klar." Denn so klar ist es bei diesem speziellen Problem eben nicht! Wo ein Naturissenschaftler soetwas tut, spricht in den meisten Fällen die Ideologie, nicht die Wissenschaft.
Gerade bei so einem diffizielen Thema ist jede Vereinfachung und Abrundung höchst problematisch, da es hier notwendigerweise eine große Unsicherheit gibt. 
Ich empfehle dringend Wachsamkeit vor falschen Propheten, mit ihren einfachen und eindeutigen Lösungen... Oder wie es der amerikanische Schriftsteller H. L. Mecken einst sagte: "Zu jedem komplexen Problem gibt es eine Lösung, die einfach, einleuchtend und falsch ist."

Danke für diesen Artikel!

Samstag, 26. Januar 2013

Ignoranz allüberall

Milieus: Ein Haufen Kartoffeln
"Ignoranz" ist zunächstmal (lat. ignorare, nicht kennen, nicht wissen) eine völlig wertneutrale Eigenschaft bei einem Menschen. Und wir alle haben sie... die Frage ist nur: Im Hinblick auf was sind wir ignorant? Oder: Was kennen/wissen wir nicht?

Die meisten Missverständnisse und Verrennungen in beliebigen Dikussionen und (demokratisch veranlagten) Prozessen entstehen durch die Ignoranz einiger oder aller Beteiligten bezüglich der zu verhandelnde Sache. Wenn alle Beteiligten von Ignoranz betroffen sind, spricht man von Stammtisch; wenn es nur einige sind, von Öffentlichkeit.

Ich erlebe das regelmäßig wenn es um naturwissenschaftliche Belange geht... da ist es besonders eklatant, weil die Naturwissenschaft und ihre "Errungenschaften" eigentlich unser ganzes Leben bestimmen, uns ständig umgeben und dienstbar sind... sei es Computertechnologie, relativistische Physik (GPS!), Medizin, Mathematik oder die Gentechnik in unseren Lebensmitteln. Und da fängts schon an: Die allermeisten Menschen hierzulande lehnen "Gentechnik" ab, wissen aber eigentlich nicht einmal, was "Gentechnik" überhaupt ist... und wenn man ihnen erklärt, dass Gentechnologie ein Allgemeinposten ist, der die Analyse und Veränderung von Genen bezeichnet, und dass darunter im Grunde genommen sogar die herkömmliche Züchtung fällt, glotzen sie dich nur an wie ein Igel. Dass die moderne Gentechnologie (also die Arbeit direkt mit der DNA) uns auch medizinisch unendlich wertvolle Dienste leistet, sei nicht unerwähnt.

Übrigens müssten gerade Katholiken diese Ignoranz sehr gut kennen: Sie ist immer dann zu bewundern, wenn Nichtkatholiken ihre großartige Ignoranz im Hinblick auf den Glauben und die Kirche kundtun.

Ich verstehe darum nicht, warum dennoch gerade auch Christen (auch Katholiken) immer wieder in diese Falle tappen und sich Urteile anmaßen, die eigentlich nur am Stammtisch Platz haben... konkret könnte man hier Äußerungen im Bezug auf den Klimawandel anführen, oder (mit Hinweis auf meine kleinen Serie über Evolution und Kreationismus) wenn es um den biologischen Ursprung des Menschen geht.
Ich empfehle Bescheidenheit und Behutsameit beim Beurteilen von allem, was mit "Wissenschaftler haben herausgefunden" o.ä. betitelt ist. Dann erspart man sich auch das Schämen, wenn man z.B. Geld für einen Joghurt ausgibt, der einem Bakterien verabreichen will, die man ohnehin zur Genüge in seinem Magen hat oder schlichtweg nicht braucht... oder man von einem Shampoo eine "Reparatur" von Spliß erwartet... (frag einen beliebigen Chemiker oder Molekularbiologen: es geht nicht!). 

Das gleiche Prinzip gilt für andere Wissenschaften freilich auch, etwa die Soziologie. Und hier bin ich auch schon bei der elenden Sinus-Studie dieser Tage... die Methode, wie diese Studie zustande kam ist so haarsträubend und das ganze Machwerk in Bausch und Bogen disqualifizierend, dass es einem graust.
Man darf wohl fragen, welchen Wert ein "Stimmungsbild" hat und welche Berechtigung der Frage "Welche Konsequenzen muss die Kirche aus der Studie ziehen?" (auf katholiosch.de) zukommt, wenn in der Zusammenfassung der Studie etwa zu lesen ist: 
»Viele Befragte verstehen sich nicht als gläubig im traditionellen Sinn und suchen auch nicht aktiv nach einer Beziehung zu Gott. [...]
Bei vielen Befragten ist der Glaube individualisiert – und nicht an die katholische Religion und Kirche gebunden. Viele bezeichnen sich zwar als religiös, definieren aber den Inhalt ihres Glaubens ebenso wie ihre Vorstellungen von Gott eher diffus.« 

Soll sich die Kirche dem Diktat derer beugen, die eh nichts mit ihr zutun haben (wollen)? Was soll der Quatsch?
Jeder vernünftige Mensch tut gut daran, diese (sicher nicht billige) "Studie" zu ignorieren! Manchmal ist Ignoranz eben auch durchaus etwas Positives...

Samstag, 29. Dezember 2012

Ist es "designt"?

Marc Chagall - Der Spaziergang (1917)
Beim letzten Mal habe ich in dieser kleinen Serie gezeigt, dass Intelligent Design nichts anderes ist als handelsüblicher Kreationismus, da die Behauptungen die gleichen sind, nur weniger offensichtlich: Hier wie dort wird eine creatio ex nihilo einzelner Naturelemente behauptet, welche naturwissenschaftlich widerlegt ist, da wir wissen wie "nichtreduzierbar komplexe" Systeme entstehen und wir für die vorgeblichen Beispiele solcher Komplexität (weniger "komplexe") funktionierende Vorgänger- und Subsysteme in der Natur finden. Nichtreduzierbare Komplexität, die in der (tatsächlich wissenschaftlichen) Biologie ein System in seinem gegenwärtigen Zustand beschreibt und keine Aussagen über seine Entstehung beinhaltet, gehört überdies sogar zu den Vorhersagen einer Evolutionstheorie der natürlichen Auslese.
Nachdem nun also ID als naturwissenshaftlicher Nonsens entlarvt ist, möchte ich mich diesmal mit den philosophischen Schwierigkeiten des Konzepts befassen.


Die zentrale Aussage, die ein Verfechter des Intelliegnt Design über das Objekt seiner Untersuchungen trifft lautet: Es sieht "designt" aus. (Also wurde es design. Von einem Designer.)
Diese Aussage ist in höchstem maße bedenklich.
Warum ist es so falsch zu sagen, etwas sehe „intelligent designt“ aus und daraus zu folgern, dass es auch intelligent designt wurde? 
Weil dem die Annahme zugrunde liegt, ein intelligentes Etwas müsse es designt haben! Das was bewiesen werden soll, muss für das Argument bereits vorrausgesetzt werden; die Schlussfolgerung wird an den Anfang der Überlegung gestellt!
 

Beispiel: 
Kreationisten sagen: "If there is a creation, there has to be a creator!"
ID Vertreter sagen: "If there is design, there has to be a designer!" Fällt was auf (abgesehen davon, dass "design" und "creation" beliebig austauschbar sind)?

Wie stelle ich eine Frage an ein Phänomen, das ich mittels Naturwissenschaft ergründen will?

Wenn die Prämisse lautet: "Hier haben wir eine Schöpfung", ist die Frage "Wo kommt sie her?" umgehend beantwortet: "...von einem Schöpfer".
Wenn die Prämisse lautet: "Hier haben wir Design", ist die Frage "Wo kommt es her?" auch umgehend beantwortet: "...von einem Designer".
Wenn die Prämisse lautet: "Hier haben wir einen echten Chagall", ist die Frage "Wo kommt er her?" wiederum umgehend beantwortet: "...von Marc Chagall".


Dies ist keine wissenschaftlich Fragestellung, weil das Gesuchte bereits in der Prämisse steckt. Schöpfung ist per Definition etwas Geschöpftes (Geschaffenes), Design ist per Definition etwas Designtes und Chagalls Ölgemälde sind per Definition von Marc Chagall gemalt.


Manchmal verschärfen diese Leute die Falschheit ihrer "Forschung" noch, indem sie ganz konkret fragen "Who created/designed it?". Offensichtlicher kann man eine Schlussfolgerung garnicht in die Frage packen: hier wird als Verursachendes sogar eine Personalität vorrausgesetzt, etwas das kein Naturwissenschaftler je tun würde, sucht er doch nach natürlichen Ursachen (für natürliche Phänomene)! Solch eine Fragestellung schränkt nämlich automatisch das Feld der möglichen Antworten dramatisch ein: es bleibt faktisch nur eine Antwort übrig... "God did it!"

Der Naturwissenschaftler fragt indes so: "Hier haben wir etwas: wie kam es dazu, was ist der Grund dafür?" Jetzt kann das Forschen losgehen. Diese Frage enthält keinerlei fragwürdige Prämissen und nimmt keine mögliche Schlussfolgerung vorweg.
 

Es sei angemerkt, dass die Aussage "es sieht designt aus" nicht das eigentliche Problem ist, denn das denken die meisten Biologen bei vielen Dingen auch. Jedoch wird dieses Attribut von Naturwissenschaftlern erst nach dem Frageprozess gegebenenfalls angewendet, um zu verdeutlichen wie gut beispielsweise die Füße des Kamels an das Laufen auf lockerem Sandboden angepasst sind (sie sind sehr breit, nach dem selben Prinzip wie Schneeschuhe). Diese Konstatierung, hier läge "ein ausgefeiltes Design (der Evolution)" vor, ist aber eher ein Ausdruck von Bewunderung gegenüber dem aktuellen (gut angepassten, funktionalen oder schönen) Zustand und keine Aussage über die Entstehung. Die Frage ist zudem, was damit gemeint ist: heißt das, etwas ist gut geeignet für seine Funktion, etwa die Hände zum greifen? Die meisten Biologen sprechen eben auch von "Design", und sie meinen eines "von unten": ein natürlicher Prozess (der zuvor erforscht wurde) der eine Anpassung an die jeweiligen Notwendigkeiten in der Weise einer Entwicklung bewirkt, namentlich: Evolution. Ist der Prozess erforscht der dafür verantwortlich ist, wird zuweilen das Attribut "Design" angewendet; nicht vorher! Somit fällt auch ein möglicher "Designer" aus dem Feld, denn der Entstehungsprozess wurde, wie gesagt, vorher erforscht.

Der Fehler der Kreationisten ist, das "Angepasstsein" biologischer Strukturen (was, wie schon oft wiederholt, eine Naturnotwendigkeit alles Lebendigen ist) zu anthropomorphisieren: Sie sagen, dass wir Menschen ja ständig Gegenstände (z.B. Werkzeuge) "intelligent designen" um bestimmte Zwecke zu erfüllen, somit muss das "Design" in der Natur gleichfalls von einer Intelligenz entworfen/ausgeführt worden sein. 

Hier kommt Ockhams Rasiermesser zum Zuge: was ist plausibler: dass ein natürlicher Prozess der Veränderung und Selektion, dessen Funktionsweise wir beobachten, verstehen und testen können und dessen Kenntnis uns bereits viele Vorhersagen machen lässt um so beispielsweise Krankheiten zu behandeln, durch graduelle Anpassung an konkrete Bedingungen und Anforderungen eine hohe Funktionalität von bestimmtes Strukturen hervorbringt; oder, dass eine nicht näher bekannte, per Definition nicht ergründbare (weil übernatürliche) "Intelligenz" auf eine nicht bekannte Art und Weise auf unbekannter Ebene irgendwie in die natürlichen Prozesse eingreift um irgendetwas zu tun (und dies zu wiederholen, sobald sich die Umweltbedingungen und Anforderungen ändern; was sie de facto ständig tun)? Die Behauptung der Kreationisten ist, mit einem Wort, außergewöhnlich. Außergewöhnliche Behauptungen benötigen nun aber auch außergewöhnliche Belege... diese fehlen jedoch völlig.

Dass wir Menschen Werkzeuge für bestimmte Funktionen "designen", wissen wir, weil wir diesen Vorgang beobachten und sogar selbst erlernen können! Eine Intelligenz, die mächtig genug ist, ein ganzes Universum zu erschaffen, haben wir bisher noch nicht bei ihrem Tun beobachtet und wir haben auch keine Möglichkeit, dieses Handwerk zu erlernen.
Oder anders: Es wird oft mit einem simplen suggestiven Trick versucht, leute für die Idee des ID zu gewinnen: Wenn du ein Auto siehst oder eine Uhr am Strand findest oder ein Gemälde im Wald hängen siehst, dann denkst du doch auch nicht, dass es "natürlich entstanden" ist, sondern du weißt instinktiv, dass hier ein Designer (in dem fall ein Mensch) am Werk war. Nun schau dir mal dieses komplexe Flagellum an!
Und an sich ist diese Aussage richtig. Wir wissen, dass Autos, Uhren und Gemälde von einer "Intelligenz", einem Handwerker oder Maler hergestellt werden, weil, nochmal, wir diese Prozesse beobachten können und wir sogar selbst Autos, Uhren und Gemälde herstellen können!
Von diesem offensichtlichen Faktum abgesehen, fehlen allen diesen Beispielen jedoch auch alle Eigenschaften, die es biologischen Organismen erlauben, sich im Laufe der Zeit zu entwickeln: Weder Autos, noch Uhren, noch Gemälde sind lebendig. Sie haben keine Gene die Veränderungen unterliegen, sie reproduzieren sich nicht und rekombinieren nicht ihr Erbmaterial... in einem Wort: Sie erfahren keine Evolution. Hier liegt ein fundamenatler Kategorienfehler vor.


Was ist eigentlich "Design"?
Nun wird ja oft die "nichtreduzierbare Komplexität" als "Designargument" vorgebracht. Warum eigentlich? Warum sollen ausgerechnet diese komplexen Strukturen an Hinweis auf "intelligentes Design" sein?
Denkt man das mal durch, fällt etwas erstaunliches auf: Komplexität ist eigentlich gar kein Indiz für Design. Im Gegenteil: große Komplexität ist oftmals gerade kein Ziel von Design. Eine gute Maschine ist die, die möglichst wenige komplexe (störanfällige!) Mechanismen enthält, die also möglichst simpel einen Zweck erfüllen kann. Sind also vielleicht gerade die weniger komplexen Strukturen ein Anzeichen für Design? Wieso nicht? Jeder kennt doch die "Designermöbel" die so unglaublich schlicht und klinisch daherkommen. Ist ein Hocker nur ein einfacher weißer Würfel, nennt man das Design.
Was ist Design?
Alles kann Design sein! Jede Struktur, sei sie simpel oder komplex oder irgendwas dazwischen, kann Design sein... Warum sollte irgendetwas kein Design sein? Hat der Designer nur bestimmte Strukturen bis zu einem vorher festgelegten Komplexitätsgrad "designt" und die übrigen nicht? Woher kommen diese dann? Welcher Grad an Komplexität ist die Grenze? Warum? Ist alles Design? Ist nichts Design?
Tatsächlich ist die Behauptung von intelligentem Design eine Antwort auf alles und nichts. Von allem ließe sich behaupten, dass es designt sei... und jedesmal ist der erklärende Gehalt exakt 0 (ausgeschrieben: Null).
Das gesamte Konzept von "Intelligent Design" erklärt nichts. Nada. Zip. Zero. Zilch. Rien. Nothing.

"Design" ist eine Projektion. Es ist eine "Wertung", ein Urteil, ein Gefühl, ein Eindruck.
Unser Gehirn verfügt über Fähigkeiten zur Mustererkennung. Darum suchen wir Menschen instinktiv nach Mustern und Zusammenhängen in der Natur. Das ist sehr wichtig um z.B. bei der Jagd zu wissen, wie die Beute reagiert, um unsere Artgenossen zu erkennen oder um zu Wissen, wie man ein Tier am besten erlegen und zerteilen kann. Wir suchen Muster in der Welt um in ihr zurecht zu kommen; jedoch ist nicht jedes Muster tatsächlich objektiv vorhanden, geschweige denn "absichtlich platziert". In manchen Phänomenen finden wir Muster, in manchen nicht (z.B. weil es zu komplex ist). Ein gutes Beispiel sind die Sterne: was wir als Sternbilder kennen, existiert nicht... es sind Sterne die, von der Erde aus betrachtet!, mit viel Phantasie als Eckpunkte für Kreaturen und Gegenstände imaginiert werden... mit zufällig platzierten Punkten auf einem Blatt Papier kann man das gleiche Spielchen machen.

Einem Phänomen oder einer Struktur "Design" zuzusprechen ist ein Urteil. Es ist aber ein Urteil das immer von Subjekten kommt und immer subjektiv bleiben muss. In seiner "Kritik der Urteilskraft" befasst sich Immanuel Kant im Grunde genau mit diesem Problem und er erteilt den Intelligent Design-Vertretern eine schallende Absage: Alleine schon das Urteil, etwas sei zweckmäßig (z.B. das Auge) ist nicht objektiv. Es ist vielmehr ein subjektives Urteil, das keinerlei Anspruich auf Obejtktivität besitzt. Die Aussage, etwas sei "designt", ist noch weit abgehobener und hat demnach nichts mit der Wirklichkeit zutun (denn, siehe oben: was ist Design? Woran erkennt man es?), sondern ist nur ein subjektives Urteil, bestenfalls ein Ergebnis von Mustererkennung.

Subjektive Urteile mögen im Nachhinein zum Ausdruck gebracht werden (s.o.), aber sie helfen nicht bei der naturwissenschaftlichen Erforschung und sie können erst recht nicht als Prämisse fungieren.

Todesstrafe?

Die Berichterstattung von kath.net enttäuscht, was die angebliche Forderung der Todesstrafe für den Papst durch den grazer Musikwisseschaftler Richard Parncutt betrifft, völlig. Und er Wirbel darum scheint mir so sinnfrei.

Zunächstmal: Parncutts Meinungsäußerung auf der offiziellen Homepage der Universität hat die, wie er sagt "Globale Erwärmung" zum Thema, nicht den Papst und AIDS: für die Leugner dieser schlägt er die Todesstrafe vor. Und zwar darum, weil die Leugnung das Abwenden negativer Folgen verhindert und so wohmöglich Millionen Opfer fordert, etwa durch durch Trockenheit verursachte Hungersnöte, Überschwemmungen und andere Umweltkatastrophen. Womit er m.E. Recht hat (also mit den Folgen, die die politische Obstruktion haben wird). Parncutt kommt in seinem Text in einem Absatz auf den Papst und das Kondom zu sprechen, da hier seiner Ansicht nach in ählicher Weise eine Politik zum Tod Unschuldiger führen werde (und bereits geführt hat). Der Hinweis von kath.net, Parncutt hätte die Todesstrafe für Leugner der "globalen Erwärmung" "schon einmal" gefordert zeigt nur, dass der verantwortliche Redakteurt von kath.net den Originaltext offenbar nicht kennt.

Hier ist der ganze Absatz in dem Parncutt über den Papst schwadroniert: 
»That raises the interesting question of whether and how the Pope and his closest advisers should be punished for their consistent stand against contraception in the form of condoms. It has been clear for decades that condoms are the best way to slow the spread of AIDS, which has so far claimed 30 million innocent lives. The number of people dying of AIDS would have been much smaller if the Catholic Church had changed its position on contraception in the 1980s, or any time since then. Because it did not, millions have died unnecessarily. There is a clear causal relationship between the Vatican's continuing active discouragement of the use of condoms and the spead of AIDS, especially in Africa. We are talking about millions of deaths, so according to the principle I have proposed, the Pope and perhaps some of his closest advisers should be sentenced to death. I am talking about the current Pope, because his continuing refusal to make a significant change to the church's position on contraception will certainly result in millions of further unnecessary deaths from AIDS in the future. Since many of these deaths could be prevented relatively easily simply by changing the position of the Catholic church, which incidentally is one of the most influential political powers in Africa and elsewhere, we are talking about something remarkably similar to premeditated mass murder. Not the same, because the church does not want the affected people to die. But the numbers of people involved are so enormous that at some level it doesn't matter any more whether the murder is premeditated or not. The position of the church is presumably also racist: if those dying from AIDS were not predominately black, the church would presumably have changed its position on ontraception long ago. Just imagine 30 million white people dying from AIDS in Europe or North America, and you will see what I mean.«

Weiter: Dass sich hier ein Musikwissenschaftler über das globale Klima auslässt ist an sich schon ein guter Grund, sein Gefasel einfach zu ignorieren... Wenn eine neue Autobahnrücke über den Rhein gebaut wird, konsultiert man ja auch nicht den Bäcker im Ort. Hallo? Hier äußert sich ein MUSIKWISSENSCHAFTLER über ein Thema wozu abertausende Wissenschaftler seit Jahrzehnten intensiv in so vielen Fachgebeiten forschen, dass ich sie kaum alle aufzählen kann... Ohne die feineren Teildisziplinen zu nennen, kommen dabei v.a. die Folgenden in Betracht: In den atmosphärischen und physikalischen Wissenschaften: Klimatologie, Meteorologie, Atmosphärenphysik, Atmosphärenchemie, Solarphysik, historische Klimatologie. In den Geowissenschaften: Geophysik, Geochemie, Geologie, Bodenkunde, Ozeanographie, Glaziologie, Palaeoklimatologie, Paläoökologie. Im Bereich der Biologie: Ökologie, synthetische Biologie, Biochemie, Biogeographie, Ökophysiologie, ökologische Genetik. Und was Mathematik und Computerwissenschaften angeht, seien diese genannt: angewandte Mathematik, Modelltheorie, scientific computing, mathematische und Bayessche Statistik, Zeitreihenanalyse.

Und hier kommt nun ein MUSIKWISSENSCHAFTLER daher, und stellt Behauptungen auf... Wie inkompetent er bei diesem Thema ist, erhellt bereits aus der simplen Tatsache, dass er ständig von "globaler Erwärmung" ("Global Warming") spricht... Wissenshaftler tun das seit Jahrzehnten nicht mehr, da der Klimawandel (die korrekte Bezeichnung dessen, worum es geht) viel komplexere Auswirkungen haben wird, inklusive sinkender Temperaturen in manchen Erdteilen, etwa in Mitteleuropa.

Ok, da wir also festgestellt haben, dass sich hier ein in  den betreffenden Wissenschaften inkompetenter Mensch mit seiner Privatmeinung vergalloppiert - was war das noch mit dem Papst?

Also erstens hat Parncutt nicht die Todesstrafe für den Papst gefordert: Er hat seine abstrusen Ideen etwas weiter gesponnen, ein weiteres ihm wissenschaftlich völlig fremdes Gebiet betreten und seine These darauf angewandt ("That raises the interesting question of whether and how the Pope and his closest advisers should be punished"). Das ist beileibe nicht das gleiche wie die Forderung nach der Todesstrafe für den Papst, so hirnrissig es auch ist.  Zweitens wäre auch dieses ganze Trara egal gewesen, denn, wieder: Es handelt sich hier um einen Musikwissenschaftler! Der Mann ist kein Anthropologe, Soziologe, Ethnologe, Afrikanist, Theologe, Philosoph oder Völkerrechtler... er ist kein kein Ökonom, kein Virologe, kein Mediziner oder Sexualwissenschaftler... nichtmal ein Politiker oder gar Jurist.
Parncutt ist Musikwissenschaftler, er hat mit keinem Wissenschaftsgebiet, das in irgendeinem Zusammenhang mit dem von ihm Geäußerten steht, eine wissenschaftliche Ausbildung und ist folglich nicht qualifiziert professionelle Äußerungen in diese Richtung zu tätigen. Jeder der sich ein wenig mit der katholischen Morallehre und der tatsächlichen Situation in Afrika auskennt weiß, wie bescheuert Parncutts Äußerungen sind. (Jobo hat netterweise dazu alles Wesentliche hier zusammengestellt.)

Mag er also als Privatmann behaupten was er will: Es bleibt seine Meinung, wie dumm und dreist sie auch sein mag. Und sie ist den Wind nicht wert, der darum gemacht wird. So wenig wie das gedöns irgendeiner Gruppe von Jugendlichen, die das gleiche fordern wie er... Ich war vor meiner Begegnung mit der Katholischen Kirche selber mal in so einer Clique, die sich bis hin zu "Todesdrohungen" über den "alten verkappten Mittelalterlichen" in Rom aufgeregt hat. Es ist bedeutungslos.

Das Einzige, was man hier als "Skandal" werten könnte ist, dass dieser Mensch fahrlässig genug war, seine Meinung auf der Uniseite zu publizieren, statt es am Stammtisch zu belassen. Und ich bin ehrlich gesagt froh, dass es an der Uni keinen Zensor gibt, der schaut ob dort auch alles mit rechten Dingen zugeht. Wichtig bleibt der Hinweis, der ganz unten auf der betreffenden Seite zu lesen ist: "The opinions expressed on this page are the personal opinions of the author. I thank John Sloboda for suggestions, and further suggestions are welcome." Und mehr ist es nicht. Wenn jemand die Homepage seines Arbeitgebers für sein wirres Stammtischgefasel nutzen will, sei ihm das unbenommen... mit den dienstrechtlichen Konsequenzen muss er dann aber auch klarkommen.

Inzwischen kriescht Parncutt zu Kreuze, wenn es unter der Internetadresse seines Pamphletes (das übrigens mindestens seit Oktober online war und noch als Cache bei Google zu finden ist) nunmehr heißt:
"I wish to apologize publicly to all those who were offended by texts that were previously posted at this address. I made claims that were incorrect and comparisons that were completely inappropriate, which I deeply regret. I alone am entirely responsible for the content of those texts, which I hereby withdraw in their entirety."

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber in christlicher Gesinnung glaube ich ihm und wünsche ihm für die Zukunft das Beste (inklusive das Wiederfinden akademischer Bescheidenheit: Schuster, bleib bei deinem Leisten)!

Samstag, 24. November 2012

Intelligentes Design?

Lang lang ist's her. Weiter gehts mit dieser kleinen Serie über Evolution und Kreationismus. Beim letzten Mal (hier) habe ich versucht zu zeigen, dass Intelligent Design (ID) sozusagen "genetisch" nichts anderes ist als Kreationismus. Diesmal will ich das konkret beweisen.

Das Steckenpferd von Intelligent Design ist die so genannte "nichtreduzierbare Komplexität" (NK). Die Definition für NK vom Schöpfer des Konzepts (zumindest sieht er sich selbst als dieser), Michael Behe, lautet: »A single system which is composed of several interacting parts that contribute to the basic function, and where the removal of any one of the parts causes the system to effectively cease functioning.« (Behe, Darwins Black Box, 1996a, 9) Behe ist ein durchaus verdienter Biologe der viele (nicht ID relevante) peer-reviewte Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Hier geriet er aber auf Abwege. Nicht ohne Grund hat es nie eine ID relevante Arbeit das peer-review überlebt.
Anyway: Ein nichtreduzierbar komplexes System ist also ein System, das, so Behe, nicht durch graduelle Entwicklung zustande gekommen sein kann, weil alle Teile notwendig sind, damit es eine Funktion erfüllt. Dies, so Behe, sei ein Hinweis auf „intelligentes Design“.

Dieses Konzept hat, im Gegensatz zu nahezu allen anderen kreationistischen Argumenten, einen Vorteil: es kann getestet werden. Ganz besonders stolz ist Behe übrigens über das bakterielle Flagellum.
Hier ist eine Video mit einer sehr guten Widerlegung des Arguments, worin gezeigt wird, wie und dass nk Systeme durch Evolution entstehen und dass wir viele "reduzierte" Varianten vieler als nichtreduzierbar komplex bezeichneter Systeme in der Natur finden, womit das Argument restlos widerlegt ist.
Ein Beispiel das im Video nicht vorkommt, ist die Blutgerinnung: Behe beschreibt an einer Stelle die Blutgerinnung, wie sie bei uns funktioniert mit den verschiedenen beteiligten Faktoren der Reaktionskaskade und konstatiert dann: »... none of the cascade proteins are used for anything except controlling the formation of a clot. Yet in the absence of any of the components, blood does not clot, and the system fails.« (Behe 84-86)
Und er hat recht: Wenn in dieser Kaskade bei uns ein Faktor "fehlen" würde, würde es nicht funktionieren. Schade nur für Herrn Behe, dass dem Delphin ein bestimmter Faktor (XII) fehlt, sein Blut aber dennoch gerinnt. Es gibt außerdem noch andere Beispiele für fehlende "Teile" bei der Blutgerinnung anderer Tiere.


Die Sache ist die: "nichtreduzierbar komplex“ bezeichnet ein System in seinem gegenwärtigen Zustand, nicht dessen Entstehung! Es sagt überhaupt nichts über die Entstehung aus. Genau hier liegt Behes fataler Fehler (siehe Video). 
Dass man bei manchen System keine Teile entfernen kann, ohne die (gegenwärtige) Funktion zu gefährden ist eigentlich trivial und bedeutet nicht, dass sich das System nicht durch natürlich Prozesse hätten entwickeln können. Nach dieser Logik wäre Brückenbau unmöglich, weil durch das Entfernen einer Stütze die Brücke einstürzt.
Für jede Struktur, die von Intelligent Design Vertretern als „nichtreduzierbar komplex“ und darum als Indiz für "Design" vorgebracht wurde, haben Wissenschaftler plausible, Fakten gestützte Szenarien vorgelegt, wie es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entwickelt hat. Bei den meisten, wie etwa beim Auge, finden wir sogar zahlreiche "reduzierte" Vorstufen noch heute quietschfidel in der Natur. 
Man kann sogar sagen, dass im Grunde genommen die meisten Systeme in der belebten Natur "nichtreduzierbar komplex" sind: Viele Tiere besitzen eine Leber. Nimmt man diese Leber heraus, stirbt das Tier. Es gibt aber zahlreiche einfachere Lebensformen die keine Leber besitzen (Seeigel, Ringelwürmer u.v.m.). Es gab also eine Zeit, in der sich Lebern entwickelt haben und jetzt sind sie unverzichtbar geworden; die Tiere mit Leber sind mit dieser also gewissermaßen „nichtreduzierbar komplex“ ausgestattet. Das gleiche trifft auf unzählige Zusammenhänge in lebenden Organismen zu, ja sogar auf ganze Ökosysteme!


Jetzt kommt noch etwas sehr Interessantes: Bereits vor über 90 Jahren, also fast noch in der Frühzeit der Evolutionsbiologie, hat der Biologe Hermann Muller geschrieben, nichtreduzierbar komplexe Systeme seien eine Konsequenz der Evolution und sind zu erwarten, wenn Evolution tatsächlich stattfindet. 
Er schreibt in einem Aufsatz von 1918: »Being thus finally woven, as it were, into the most intimate fabric of the organism, the once novel character can no longer be withdrawn with impunity, and may have become vitally necessary.« (Auf dieser Website wird erklärt, wie es geht. Es ist ein Zweischritt: Füge ein Teil hinzu und mach es unentbehrlich; fertig ist ein "nichtreduzierbar komplexes System"... es ist wirklich so einfach!)
Muller beschreibt es so:  »Most present-day animals are the result of a long process of evolution, in which at least thousands of mutations must have taken place. Each new mutant [...] must have derived its survival value from the effect which is produced upon the 'reacting system' that had been brought into being by the many previously formed factors in cooperation; thus a complicated machine was gradually built up whose effective working was dependent upon the interlocking action of very numerous different elementary parts or factors and many of the characters and factors which, when new, were originally merely an asset finally became necessary becouse other necessary characters and factors had subsequently become changed so as to be dependent on the former. It must result in consequence, that a dropping out of, or even a slight change in any one of these parts is very likely to disturb fatally the whole machinery.« (Quelle)
Nichtreduzierbare Komplexität (Muller nennt es "Interlocking Complexity" und beschreibt es damit sehr viel genauer) wird von der Evolutionstheorie (bereits in ihren frühen Jahren) postuliert. Findet man solche Systeme wie das Immunsystem oder das Flagellum, ist das ein Beleg für Evolution, nicht dagegen!
Mullers Thesen wurden seither von der Molekularbiologie und Genetik (die es damals noch kaum oder garnicht gab) voll bestätigt.


Jetzt muss ich bezüglich der nichtreduzierbaren Komplexität als Theologe noch Folgendes erwähnen:
Da sich Intelligent Design Vertreter mit ihrer NK so krampfhaft an ihr Flagellum klammern, stehen sie einem ernsthaften theologischen Problem gegenüber: Wenn Gott das Flagellum ganz konkret und speziell für seine Funktion "designt" hat, ist Gott somit auch direkt für zahlreiche schlimme Krankheiten verantwortlich. Es stellt sich die Frage nach seiner Motivation, so ein Flagellum zu "designen", und ob das wirklich ein Grund wäre, um dann an einen "wohlwollenden und liebenden Gott" zu glauben. In meiner Wahrnehmung wäre das nicht gerade ein Akt der Liebe, dass Gott so vielen Bakterien das Überleben z.B. in unserem Körper dadurch ermöglicht, dass er ihnen Flagella gibt. 
Was ich meine: In der westlichen Welt sind Typhus und Cholera vielleicht nicht mehr so aktuell, anderswo aber doch. Nun sind dummerweise Sowohl Salmonellen (Salmonella enterica Serovar typhi) als auch die Choleraerreger Vibrio Cholerae begeißelte Bakterien. Wie danke ich dem "lieben Gott" dafür? Weitere mit Liebe designte Bakterien wären dann beispielsweise die nicht selten tödlichen Clostridien, die z.B. für Gasbrand (eine Art innerer Vergiftung), Botulismus (Lebensmittelvergiftung) und Tetanus verantwortlich sind... oder Listerien, die für ein ganze Reihe liebender Zuwendungen verantwortlich sind (Enzündungen von Knochen, Herzklappen, Horn- Binde und Hirnhaut, Gelenken etc. und ist zuweilen auch für Fehlgeburten verantwortlich). Diese Aufzählung könnte man beliebig fortführen. Alle diese kleinen Kerlchen sind gerade darum so effektiv, weil sie über Geißen (Flagella) verfügen. Na Prosit liebe Intelligent Design Vertreter, dieser "Designer" meint es echt gut mit uns!


Kommen wir aber mal wieder auf den Teppich: Meine Intention war ja nicht, NK zu widerlegen (das hat schon vor Jahren Michael Behe selbst getan: hier; sehr lesenswert! -  was die Intelligent Design Vertreter, und auch Behe selbst, aber nicht davon abhält, es weiter als "Argument" zu verwenden...). Was ich eigentlich hier tun wollte war: zu beweisen, dass Intelligent Design Kreationismus ist. Nundenn, Vorhang auf: 


Das Argument war doch Folgendes: "Das Flagellum kann sich nicht graduell entwickelt haben, denn es ist so komplex. Darum muss es 'designt' worden sein". Ok. Was impliziert diese Behauptung? Es impliziert Kreationismus in seiner schönsten Blüte!

Folgendes: Wenn es sich nicht graduell entwickeln konnte (weil es angeblich erst funktioniert, wenn es "komplett" ist), bedeutet das doch logischerweise auch, dass es nicht graduell "designt" worden sein kann. Logisch. 
Das heißt aber: Es muss also auf einen Schlag "gemacht" (geschaffen?) worden sein. Ok. Was passiert, wenn ich einem Bakterium das kein Flagellum besitzt, so mir nichts, dir nichts, einen Flagellummotor in die Membran pflanze und eine Geißel dranhänge? Richtig: Garnichts. Ein Flagellum ist, wie etwa der Arm beim Menschen, Teil des Organismus und ist folglich auf vielerlei Weise in diesen integriert und v.a. auch in dessen DNA "beschrieben" (sonst würde es ja nicht weiter vererbt!). Zudem muss so ein Flagellum physiologisch in die Funktion des ganzen Organismus eingebunden werden damit das Bakterium auch wirklich damit umgehen und leben kann (Verankerung, Energieversorgung, Steuerung etc.). Würde man einem Menschen einen zusätzlichen Arm an die Hüfte nähen, hätte das ungefähr den selben Effekt.
Der ganze Organismus müsste also nolens volens umgestaltet werden. Da wäre es wirklich einfacher, gleich den gesamten Organismus fix und fertig aus dem Nichts zu erschaffen. 
Letztlich ist es egal, ob man Gott (pardon: den "intelligenten Designer") nun das komplette Bakterium (oder einen anderen komplexen Organismus, z.B. den Menschen) fix und fertig aus dem Nichts ins Dasein rufen lässt (-> Kreationismus), oder Teile davon: beide Male behauptet man ein magisches Eingreifen und ein "Aus-dem-Nichts-ins-Dasein-ploppen" einer überaus komplexen Struktur (die immer den ganzen Organismus und sein Erbmaterial betrifft!). "Nichtreduzierbare Komplexität" bezeichnet also nichts anderes als "Kreationismus im kleinen Maßstab".
Q.E.D.

(Die Evolutionstheorie sagt uns hingegen, dass all diese Strukturen sich sukzessiv in den Organismen entwickelt haben. Darum sind sie eingebunden, funktionieren und nutzen ihnen. So einfach ist das.)