Montag, 23. Juli 2012

Hochmütige Demut

Bei MC gibt es einen sehr lesenswerten Eintrag über die Unterscheidung zwischen Stolz und Hochmut im Bezug auf die Demut.
Ich sags ja schon immer: Christen sollten sich neben der Bibel immer auch mal eines Dudens bedienen, sonst gibt es Probleme.

»Wer stolz sein kann, muss demütig sein. Und zwar sehr demütig. Es ist nicht der Stolz auf die Demut. Sondern es ist der Stolz, der durch die Demut ermöglicht wird, weil sie den Hochmut verhindert. Wer wahrhaft demütig ist, der kann nicht hochmütig sein. Wer aber nicht hochmütig sein kann, der kann positiv stolz sein, weil der Faktor der Sünde, die Stolz zum Hochmut wandelt, ausgeschaltet ist.«

Eine Unterscheidung kommt mir noch zu wenig heraus: Die Frage nach der hochmütigen Demut. Es ist eine Gefahr vor allem für Neubekehrte, wenn die einfallende Demut, das Umgekrempel im Leben, sich klammheimlich in Hochmut verwandelt. Das wird z.B. erkennbar in der veränderten Wahrnehmung des eigenen Lebens vorher und des Lebens der "anderen" die noch zu diesem "Vorher" gehören.


Ich bin kein Altphilologe (Gott bewahre! ;)), aber: Obwohl ich, wie auch der allwissende Duden, zwischen Stolz und Hochmut unterscheiden würde, sei darauf hingewiesen, dass in der lateinischen Tradition "Hochmut" und "Stolz" zumeist mit dem gleichen Wort wiedergegeben werden, nämlich superbia. Das macht die Frage kompliziert, da zwar das Deutsche hier offenbar eine Unterscheidung zulässt, diese in der kirchlichen Tradition aber wohl weniger zum Tragen kam. (Ein ganz anderes Fass wäre die animositas, die sowohl "Stolz" als auch "Mut" und "Tapferkeit" bezeichnen kann.)
Auf der anderen Seite wäre noch das Griechische ὕβρις (hybris) zu erwähnen (etwa in der LXX), das meist mit "Übermut" oder "Überheblichkeit" übersetzt wird, im neutestamentlichen Kontext aber eher im Sinne von "Misshandlung", "Schmach" (lat. contumelia) oder "Schaden" (Apg 27,10) verstanden wird.


Schließlich ist ein Satz aus der Imitatio Christi immer ein guter Rat:
»Iugis pax cum humili, in corde autem superbi zelus et indignatio frequens.« (Beständig Frieden hat der Demütige, aber im Herzen des Hochmütigen herrscht Bedrängnis durch Eifersucht und Zorn. I,7)

Kommentare:

  1. Hm, die Verdeutschung ist aber ziemlich interpretierend. Von »Bedrängnis« lese ich in der lateinischen Fassung nichts.

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    1. frequens = immer wiederkehrend... ich habe das etwas freier übersetzt, das ist wahr; es schien mir aber sinnvoll. ;)

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