Donnerstag, 27. März 2014

Die Frau in der Kirche

e. hat als neues Thema der heißen Eisen "Das Frauenbild in der Kirche" ausgerufen (hier). In dieser Formulierung ist mir das Thema aber zu oberflächlich, ich taufe es also für mich um: "Die Frau in der Kirche".

Als Mann fühle ich mich da natürlich herzlich inkompetent. Wenn ich eines über Frauen gelernt habe, dann dass ein Mann niemals sinnvoll über sie sprechen kann. Ich habe immer das Gefühl, bestenfalls an der Oberfläche entlangschrammen und anhand des Reibungswiderstandes ihre Beschaffenheit beschreiben zu können. Das halte ich aber für wenig zielführend... Daher beschränke ich mich hier auf die Gedanken anderer, sehr viel klügerer Leute.
Wen die "offizielle" Version interessiert, der kann ja den Brief von Papst Johannes Paul II. lesen, den er 1995 an die Frauen sandte (hier nachzulesen) oder sich das Apostolische Schreiben Mulieres Dignitatem von 1988 (hier) zu Gemüte führen (ich habe viel Gutes von Frauen über diese Schreiben vernommen! JPII war vielleicht auch in dieser Hinsicht begnadet).

Viel interessanter ist es aber, eine Altmeisterin der katholischen Seele ("Die größte Dichterin der Transzendenz") zu Wort kommen zu lassen. [Außerdem kann ich so auch mal wieder (vgl. hier) eine mir unerhört wichtige katholische Autorin etwas ausführlicher zu Wort kommen lassen!]

Vorhang auf für Gertrud von Le Fort.


»Neben dem Träger der religiösen Vaterschaft, dem geistig zeugenden Priestertum des Mannes steht in der Kirche die religiöse Sendung der Frau, ihr Apostolat als mütterliche Sendung. Erst in ihm erfüllt sich der Frau nicht nur im letzten und höchsten Sinne, sondern im eigentlichen Sinne überhaupt das Heilandswort: "Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf"; das Leben der Kirche als religiöses Leben ist das Leben des werdenden Christus in den Seelen. Wie die Kugelgestalt der Erde als fraktale Form in der Kuppel eines Domes wiederkehrt, so ergreift hier der religiöse Gedanke die Urform, um sie emporzuheben. Wir sahen die erbarmende Liebe der mütterlichen Frau durch die Schutz- und Pflegebedürftigkeit des eigenen Kindes sich zur allgemeinen Mütterlichkeit weiten - wir sehen diese allgemeine Mütterlichkeit in der religiösen Berufung erhöht zum Dienste am werdenden Christus in den Seelen. Dem Strahl aus der Krone der "Mutter der Barmherzigkeit" enspricht ein Strahl aus der Krone der "Mutter der göttlichen Gnade".
Wie die Frau als Mutter nicht durch einen eigenen großen Weiheakt ausgezeichnet wurde, so ist auch ihr Apostolat nicht durch einen solchen ausgezeichnet. Das Apostolat der Frau bildet nur einen Teil des Laienapostolats, dessen Träger jeder Christ ist. Die Mutter erfüllt sich niemals in der Mutter, sondern im Kinde: Auch hier liegt das große Sakrament auf dem Sohn der Mutter, nicht auf der Mutter selbst; aber gerade dadurch berührt sich die Sendung der Frau in der Kirche aufs tiefste mit dem Wesen der Kirche, gerade dadurch stellt sie einen Teil dieses Wesens dar: Die Kirche selbst ist, als Mutter betrachtet, ein mitwirkendes Prinzip - der in ihr wirkende ist Christus.
Hier liegt der tiefste Grund, weshalb die Kirche der Frau niemals das Priestertum anvertrauen konnte - es ist derselbe Grund, welcher den heiligen Paulus bestimmte, die Verschleierung der Frau im Gottesdienst zu fordern. Die Kirche konnte der Frau das Priestertum nicht anvertrauen, denn sie hätte damit die eigentliche Bedeutung der Frau in der Kirche vernichtet - sie hätte einen teil ihres eigenen Wesens vernichtet,  jenen, dessen symbolhafte Darstellung der Frau anvertraut waurde. Die Forderung des heiligen Paulus stellt nicht etwa eine durch zeitliche Verhältnisse bedingte Sitte dar, sondern sie stellt die Forderung der überzeitlichen Kirche an die in ihrer religiösen Bedeutung zeitlose Frau dar!«

(aus: Die zeitlose Frau, 1934)

Kommentare:

  1. Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen - mir ist die Frau in dem Text zu sehr auf die Mutterrolle reduziert. Ich finde, der Vergleich zu Maria und Jesus hinkt - es ist doch klar, daß es einen Bedeutungsunterschied gibt zwischen dem Menschen Maria und dem Gottessohn Jesus, aber einem normalen Kind eine größere Wichtigkeit beizumessen als der Mutter finde ich irgendwie seltsam - oder habe ich das falsch verstanden?

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    1. So wie ich das verstehe ist die Frage der "Wichtigkeit" hier völlig ohne Bedeutung, davon redet sie überhaupt nicht. Sie redet davon, dass sich das Muttersein im Kind "erfüllt": Eine Mutter ist Mutter, weil sie ein Kind hat. Die Mutter ist nicht aus sich heraus Mutter. "Die Mutter erfüllt sich niemals in der Mutter, sondern im Kinde"

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    2. Ich würde auch schwerlich von einer Reduktion auf die Mutterrolle sprechen, denn alles was sie tut, ist, dem männlichen und weiblichen Teil ihre Entsprechung zuweisen: Dem Mann das zeugende Prinzip (Priesteramt) und der Mutter eben das mütterliche, behütende, nährende.

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    3. Klar, das Muttersein erfüllt sich im Kind - aber nicht das Frausein per se.
      Ebenso in der zweiten Antwort: Mann und Mutter bewegen sich auf unterschiedlichen Ebenen.
      Das ist gerade das, was ich problematisch finde: der Mann ist Mann und die Frau ist Mutter - da komme ich irgendwie nicht mit...

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    4. Das liegt vllt. auch am Zitat, denn aus dem Kontext wird klar, dass Gertrud von Le Fort die Frau v.a. als "Tochter Mariens" begreift und entsprechend von Maria aus berachtet, die ja als Mutter Gottes eben v.a. als Mutter wahrgenommen wird...

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  2. Und genau das ist die Reduktion der Frau auf die Mutterrolle, die ich meinte - das paßt ja auch nicht nur bei Karrierefrauen ohne Kind nicht, sondern auch nicht bei Ordensschwestern etc.
    Ich will wirklich nicht sagen, daß Muttersein keine wichtige Aufgabe der Frau ist, aber es gibt eben auch Frauen, deren Weg das nicht ist - aus welchen Gründen auch immer (z.B. braucht man für das Kind auch einen Vater...) - sollen diese dann schlechtere Frauen sein oder wie passen die in das Schema?

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    1. Ehm... dann hast du das falsch verstanden: Natürlich geht es nicht nur um Frauen die Kinder geboren haben! Stichwort: geistliche Mutterschaft (Gertrud nennt es "allgemeinen Mütterlichkeit"). Frag mal Ordensfrauen danach!

      "Wir sahen die erbarmende Liebe der mütterlichen Frau durch die Schutz- und Pflegebedürftigkeit des eigenen Kindes sich zur allgemeinen Mütterlichkeit weiten - wir sehen diese allgemeine Mütterlichkeit in der religiösen Berufung erhöht zum Dienste am werdenden Christus in den Seelen."

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    2. Ok, aber was ist dann diese allgemeine Mütterlichkeit? Geistliche Mutterschaft i. S. v. religiöser Bildung, Weitergabe des Glaubens, Durchführung von Exerzitien etc.? Das paßt natürlich auf Ordensfrauen, aber ebenso auf -männer!
      Oder Pflegeberufe und caritative Arbeit? Da gibt´s in der Tat mehr Frauen, aber auch viele Frauen, denen das überhaupt nicht liegt (wie mir z.B.).
      Ich habe einfach meine Schwierigkeiten damit, daß Männern und Frauen bestimmte Bereiche oder typische Eigenschaften zugeordnet werden - das mag sicher in vielen Fällen zutreffen, aber es gibt genug Gegenbeispiele (und ich glaube, daß ich an vielen Punkten selber eins bin), die damit nicht in Einklang zu bringen sind. Heißt das, wenn man nicht in diese Schubladen paßt, hat man ein Geschlechtsidentitäts-Problem? Oder sind vielleicht doch diese Typisierungen zu eng gegriffen?

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    3. Ich glaube, du machst das viel zu sehr an Äußerlichkeiten fest... Es geht dabei nicht um einen bestimmten Beruf, sondern um eine allgemeine Berufung! Es geht um eine Haltung, um Tugenden.

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  3. Sorry, aber komme da gerade irgendwie nicht mit. Worin soll der Unterschied in allgemeinen Haltungen oder guten Eigenschaften oder auch Berufungen zwischen Männern und Frauen denn bestehen? Beide sind doch gleichermaßen aufgefordert, ein guter Mensch zu sein, Nächstenliebe zu üben, etc. (egal, ob sich das beruflich, privat oder in der Berufung z.B. zum Ordensleben oder zur Elternschaft niederschlägt) - ich verstehe wirklich nicht, wie man das am Geschlecht festmachen soll.
    Daß aus biologischen Gründen die Frau schwanger werden kann und nicht der Mann, ist nunmal so, aber daraus Charaktereigenschaften abzuleiten, halte ich für etwas gewagt. Würde das nicht andersrum bedeuten, daß durch die Chromosomen vorgegeben ist, wie man ist, und daß man z.B. schwierige Eigenschaften nicht ändern kann ("Ich bin eine Frau, darum muß ich mindestens 50 Paar Schuhe habe, das ist in meinen Genen" oder "Ich bin eine Frau, ich kann unmöglich einparken lernen..." oder "ich sage immer das Gegenteil von dem, was ich meine, das ist leider genetisch so programmiert" oder "Ich bin ein Mann, ich muß Fußball gucken und Bier trinken" oder "ich kann nicht lernen, die Wäsche sinnvoll nach Farben und Waschtemperaturen zu sortieren" oder "ich kann nicht über Gefühle reden, das liegt nicht in meiner männlichen Natur")? - das sind natürlich übelste Klischees, aber würde es nicht letztendlich darauf hinauslaufen, wenn man diese Theorie weiterführt? Damit könnte ich mich nicht anfreunden, glaube ich...

    PS: Ich will übrigens nicht meckern, ich verstehe nur wirklich nicht, was der Text mir sagen soll...

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  4. Auf der einen Seite erleben wir eine Erweiterung der Geschlechterrollen, eine größere Freiheit für beide Geschlechter. Und es kann nicht darum gehen, das rückgängig zu machen. Und es kann auch nicht darum gehen, Klischees zu zementieren (Schuhe, Fußball und Co.)
    Gleichzeitig vertrauen wir auf die biblische Überlieferung und die Lehre der Kirche, die Mann und Frau als komplementäre Wesen verstehen. Und das muss sich, wie sopohilo schreibt, nicht in einer Ehe niederschlagen. Sondern es geht um das Hingeordnetsein auf das jeweils andere Prinzip, das uns zu Gott hinführt. Bsp. der Priester, der Maria als Mutter der Kirche als Voraussetzung seines Priesterseins weiß und ehrt. Der mit Maria Seite an Seite geht. Die geweihte Jungfrau, die Christus als ihren Bräutigam erwählt bzw. Ja zu ihm sagt. Das sind jetzt recht klare Beispiele für Mütterlichkeit/Väterlichkeit ohne leibliche Kinder. Die Tugend der Mütterlichkeit, das Apostolat der Frau, wie kann das aussehen außerhalb der Geistlichen Berufungen? Le Fort schreibt ja über das von sich absehen, die Demut, das Mitwirken; Ich habe für mich gerade eine Formel gefunden, die mir das recht greifbar macht: Geburtshelferin Christi aus den Seelen sein. Begreift man Christus als nächste Stufe der Evolution, so braucht dieser neue Mensch ebenso wie damals der Homo sapiens Mütter, die ihn gebären. Und der Christus, das geistliche Leben, die zoe, lässt eben den bios hinter sich und damit auch die Gebärmutter. Er braucht geistliche Mütter. Und ich glaube, wenn wir Frauen es zulassen, dass Gott uns als geistliche Mütter in den Dienst nimmt, dann stellt sich die Frage nicht mehr, was denn mit den Männern ist. Dann werden wir zu Frauen, wie sie "gedacht" sind, und das heißt keinesfalls, dass wir dann alle gleich sind. Im Gegenteil, dann kann erst unsere wahre Individualität zur Geltung kommen, die bisher, wie bei den Männern natürlich auch, unter Schichten von Konvention und Klischee und falschem Stolz verborgen war. Und die Biologie, die wir zwar hinter uns lassen, die ja aber die Voraussetzung für die Entwicklung zur zoe und Gleichnis des geistlichen Lebens ist, beschränkt sich nicht auf die Fortpflanzungsorgane, lies mal Erfahrungsberichte von Frauen, die sich Testosteron spritzen ließen!

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  5. Ohne den Text jetzt zergliedern zu wollen: Das

    Wie die Frau als Mutter nicht durch einen eigenen großen Weiheakt ausgezeichnet wurde, so ist auch ihr Apostolat nicht durch einen solchen ausgezeichnet. Das Apostolat der Frau bildet nur einen Teil des Laienapostolats, dessen Träger jeder Christ ist

    halte ich in der Tat für eine Reduktion Le Forts.

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