Mittwoch, 19. März 2014

Der Reichtum der Kirche

Dem Aufruf von e. (mit dem Blog "Ein neues Land", klick) folgend, die mich vor einigen Tagen zu dieser Aktion "angeworben" hat.

Reichtum ist per se nichts Verwerfliches. Verwerflich ist der Reichtum, wenn er im Egoismus entspringt und nur dem Egoisten nützt.

Der materielle Reichtum, der der Kirche alle Nase lang zum Vorwurf gemacht wird, entspringt zum weitaus größten Teil nicht dem Egoismus und er nützt auch nicht den Egoisten. Sondern allen! Die materiellen Güter der Kirche sind v.a. dies: Kult(ur)güter. Es sind Gebäude und Gegenstände, sie oftmals seit vielen Generationen einer Unzahl von Menschen zur Verfügung stehen. Wofür? Zu allererst: Zur Verherrlichung Gottes.
Das trifft auf das Kirchengebäude ebenso zu wie auf die barocke Kasel des Priesters: Alle diese Dinge dienen nicht der Verherrlischung irgendeines Menschen, auch die Gewänder dienen nicht dem Prestige des Priesters. Selbst da, wo dieser Prestige-Grund irgendwann einmal ursächlich gewesen sein mag, ist er dies wohl seit Generationen nicht mehr: Sie dienen dem Gottesdienst indem sie v.a. das Sakrale deutlich vom Profanen abgrenzen und das Wesentliche in den Fokus rücken (vgl. dazu hier).
Das gilt übrigens für so ziemlich jede Religion auf Erden: Selbst in den ärmlichsten Dörfern einer "primitiven" Kultur mit ebensolcher Religion bringen die Bewohner ihre kostbarsten Stoffe und sonstigen handwerklichen Erzeugnisse herbei, um die Stätte ihrer Gottesverehrung zu schmücken. Sie tragen zu den religiösen Festen ihren schönsten Gewänder, ihren schönsten Schmuck... Es ist Teil jeder Religion, für Gott das Wertvollste hinzugeben, um ihn zu verherrlischen.

Diese Gegenstände, wenn wir mal bei altehrwürdigen katholischen Gotteshäusern bleiben, haben zudem oftmals den Status von Kulturgütern erlangt und sind nicht mit Geld (oder Nahrungsmitteln) aufzuwiegende Zeugnisse der Geschichte, der Schaffenskraft und Kreativität der Menschen, sowie unschätzbare "Dinge von Schönheit". Soll etwa Der Vatikan den Petersdom verkaufen, um allen Obdachlosen in Rom für ein paar Jahre eine warme Mahlzeit mehr spendieren zu können? Aber müsste man dann nicht auch von dem, der den Petersdom gekauft hat, verlangen, ihn zu verkaufen und mit dem Erlös etwas "Gutes" zu tun? Wohin würde denn diese Verkaufswelle führen? Müsste man das ganze dann am Ende nicht einfach verbrennen? Was hätten dann die "Armen" davon? (Zumal der Unterhalt viel zu teuer ist: Der Betrieb des Petersdoms, oder auch der Vatikanischen Museen, ist ein riesen Verlustgeschäft, in das die Kirche Jahr für Jahr, trotz der Unmengen an die Kapazität überlastenden zahlenden Touristen!, viele Millionen investiert!) Aber was ist dann mit all den Leuten, die durch die Arbeit an und mit diesen Kulturgütern ihr Brot verdienen? Da sind Künstler, Architekten, Handwerker, Archivare, Historiker, Archäologen... ein nicht gerade kleiner Teil der Tourismusindustrie (samt der Hotels, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants) der Stadt Rom! Nach dieser Logik dürften wir alle auch kein Geld ausgeben, um diese Kulturschätze zu besichtigen... lieber Brot für die Armen kaufen!!!... Aber wer würde diese Kulturschätze dann noch kaufen wollen, wenn er nur Geld hineinsteckt aber nichts rausbekommt? Kauft er sie dann nur für sein Privatvergnügen im Keller? Ist das nicht auch moralisch höchst fragwürdig?... usw. usf.
Denkt man solche Forderungen, was die Kirche alles verkaufen sollte, einmal weiter, stellt man fest, dass es notwendig absurd wird. Und, hey: Nur die Kirche? Hätte nicht der Staat auch ne ganze Menge zu verkaufen? Oder jeder Einzelne von uns? Aber an wen denn? Sollen wir die Zivilisation (zu der doch wohl auch die Errungenschaften von Handwerk, Kunst und Architektur im Lauf der Jahrhunderte zählen) rückgängig machen und wieder in der Steppe leben?
Stattdessen sollte man froh sein, dass die Kirche so große Anstrengungen in Kauf nimmt (und so vielen Leuten Arbeit gibt!), dass uns und den nach uns Kommenden diese Güter, die ja wahrlich Teil unserer Kultur sind!, erhalten bleiben... mit all ihrer Schönheit, ihrer historischen Bedeutung, und vor allem: Ihrem bleibenden Verweis auf etwas, das mehr ist als Stein, Gold, Stoff, Holz, Papier, Glas, Farbe, Musik(!) und was noch...

Davon zu unterscheiden ist freilich das, was die Kirche an Gütern besitzt die weder ihrem religiösen Auftrag zugutekommen, noch von besonderem kulturellem Wert sind. Da gibt es zwar vieles, was an sich dennoch erhaltenswert ist, etwa aus sozialen Gründen (z.B. günstiger Mietraum, wovon ich z.B. als Student auch profitiere!). Aber es gibt sicherlich Vieles, gerade in der katholischen Kirche in Deutschland, das hier niergends einzuordnen ist, darauf kann und sollte die Kirche m.E. getrost verzichten!
Ich finde es z.B. erschütternd, dass meine Diözese laut offiziellen Angaben 20% ihrer Kirchensteuereinnahmen (die knapp 80% ihrer gesamten Einnahmen ausmachen) für "Verwaltung und Finanzen" aufwendet; von den vielen Initiativen (z.B. Diözesanversammlung; s. hier) und kirchlichen Vereinigungen (z.B. BDKJ, s. hier), die ich keineswegs unterstützen möchte und die nachweislich weder den Armen helfen noch der Ausbreitung des Evangeliums förderlich sind, ganz zu schweigen.
Überhaupt weiß ich aus eigener Erfahrung, wie grotesk zuweilen in der Kirche mit Geld umgegangen wird. Da herrscht Vetternwirtschaft, da werden Mehrausgaben aus bloßer Faulheit billigend in Kauf genommen, da werden unnütze oder gar kontraproduktive Ausgaben getätigt sogar gegen den zuvor eingeholten Rat von Leuten, die sich besser auskennen. Irgendwelche ehrenamtlichen Stiftungsräte meinen, sie könnten über handwerkliche oder bauliche Fragen besser urteilen als der Fachmann und wundern sich hinterher, wenn sie aufgrund von fehlerhaften Konstruktionen erneut Ausgaben tätigen müssen. Da werden Unsummen verbrannt! (Und nebenbei werden die ehrenamtlichen Helfer, v.a. wenn sie ihre tatsächliche Fachkompetenz einzubringen versuchen, nervlich aufgerieben...) Solange auf dem Papier alles im Reinen ist, kümmert es niemanden. Das ist auf pfarreilicher Eben nicht anders als auf diözesaner. Wir hamms ja!

Der materielle Reichtum der Kirche ist also zu einem gewaltigen Teil ein Reichtum unserer Kultur als ganzer und kommt dieser zugute. Dieser ist daher des Schutzes und der Förderung bedürftig.
Zugleich ist aber gerade die "Amtskirche" in unserem Land im Vergleich zu anderen Ländern finanziell außerordentlich gut ausgestattet und dadurch an nicht wenigen Stellen menschlich müde und moralisch marode. Eine Bequemlichkeit herrscht, die sich dann in endlosen Strukturdebatten zeigt. Den völligen Bankrott in Sachen des Glaubens und der Moral (vgl. hier) kann man bisher noch gut mit Geld abfedern, die meisten Kirchengebäude und Gemeindezentren können wir noch unterhalten, obwohl die Menge der von der "Sache" überzeugten Nutzer dafür viel zu gering ist. Man wird sehen, wohin das führt. Irgendwann kommt man zur Besinnung (ein wichtiges Stichwort lautet: Entweltlichung), entweder freiwillig oder durch den Aufprall auf dem Boden des Fasses.

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