Samstag, 6. Juli 2013

SETI und DNA

Vorweg: Astronomie ist nicht mein Fach, ich schöpfe im Wesentlichen aus meinem Allgemeinwissen.

Auf Facebook machte neulich dieses Bild die Runde. Natürlich geht es um die Frage, inwiefern man die Existenz eines Schöpfers naturwissenschaftlich "beweisen" kann und um die angebliche Ignoranz der Wissenschaftler.

Auf der linken Seite haben wir jemanden der wohl von SETI (wer nicht weiß, was das ist, schaue hier) sein soll und rechts soll wohl ein Biologe dargestellt sein.

Das Bild ist eine ziemlich plumpe Manipulation.

Zunächstmal: Der Versuch, Radiowellen möglicher (!) außerirdischer Zivilisationen aufzufangen, ist hier völlig falsch und irreführend beschrieben.
Worum es bei SETI geht ist, Signale aufzufangen, die nicht natürlchen Ursprungs sind. Was das ist, wissen wir, denn wir Menschen produzieren haufenweise solcher elektromagnetischer Wellen: Alles was wir an kabelloser Datenübertragung tätigen (Fernsehen, Radio, Radar uswf.). Seit Mitte des letzten Jahrhunderts strahlen wir Menschen unsere Daten ins All hinaus. Der Versuch, nun nach solcherlei Signalen zu horschen die von anderen Zivilisationen aufgesendet wurden, das ist SETI. Hier kann man durchaus von "codierten" Signalen sprechen. Signale, die künstlich erzeugt sind um eine Information zu transportieren. Es gibt auch unspezifische, "uncodierte" Radiowellen die künstlich produziert werden, etwa in einer Mikrowelle.
Nun können elektromagnetische Wellen die (durch ihre Wellenlänge und Frequenz) zum Radiobereich gehören auch ganz natürlich entstehen, etwa durch Pulsare (ein schnell rotierender Neutronenstern) und Quasare (ein Galaxienkern). Auch die oft zu lesende "kosmische Hintergrundstrahlung", die als Beleg für die Big Bang-Theorie gilt, ist eine solche Strahlung. Es gibt einen eigenen Wissenschaftszweig, der sich mit sowas befasst, die Radioastronomie.
Was nun SETI versucht (hat) ist nicht mehr und nicht weniger, als in den Radiosignalen, die ständig bei uns auf der Erde von überall her eintreffen, nach Mustern zu suchen die uns aus unserer eigenen Zivilisation bekannt vorkommen, nach Signalen also, die nicht nach den bekannten natürlich entstandenen Mustern gestrickt sind. Pulsare z.B. werden mit der Zeit langsamer, sind aber ansonsten sehr regelmäßig. Wonach gesucht wird, sind Signale, die schwerlich natürlichen ursprungs sind. Was soll das sein? Also doch ein "Code"? Ja, aber: Es geht schlicht um Daten, die von "jemandem" eingegeben wurden. Informationen, die nicht wie das gleichmäßige natürliche Rauschen irgendwelcher Sternennebel oder das regelmäßige Pulsieren wie von Pulsaren klingen... sondern man sucht nach Dingen, wie sie auch wir Menschen mittels Radiowellen ins All schicken. Also v.a. um komplexe mathematische Reihen, denn unsere Informationen, etwa die Daten auf einer CD, bestehen aus purer sehr komplexer Mathematik. Wobei auch "einfachere" Reihen schon ein guter Hinweis auf einen "intelligenten" Ursprung sein können, etwa, wie es in dem Film "Contact" dargestellt wurde, eine Reihe von Primzahlen. Pulsare pulsieren nunmal nicht in Primzahlen.
Es geht hier also, grob gesagt, um eine recht klare Unterscheidung zwischen natürlichen Phänomenen (die Gegenstand der Radioastronomie sind) einerseits, und um die elektromagnetischen "Ausdünstungen" einer möglichen anderen Zivilisation andererseits.


Kommen wir mal zur DNA. Handelt es sich hier um einen "Code"?
Hier liegt wieder eine dezent manipulierende Haltung vor: Natürlich sprechen Forscher auch immer wieder davon, eine Information sei "in der DNA codiert" und meinen damit, dass die DNA gewissermaßen einen Bauplan (den Genotyp) für ein Lebewesen (seinen Phänotyp) "enthält". Aber von dem was man gemeinhin unter "Code" versteht, kann hier kaum die Rede sein.
Ein Code ist ja nichts anderes als eine Sprache. Jede Sprache ist letztlich eine "Verschlüsselung" von Informationen, die nur Eingeweihte aus ihr herauslesen können... beherrsche ich die Sprache nicht, komme ich nicht an die Informationen ran. Die DNA ist aber keine Sprache.
Ich hatte mich dazu bereits hier (klick) geäußert:
»Eine Sprache (z.B. das Englisch Shakespeares) ist schwerlich mit DNA vergleichbar... das Wort "Sofa" z.B. beschreibt eine bestimmte Sorte von Gegenständen, wie auch bestimmte Einzelexemplare. Aber das Wort an sich hat nichts an sich was es mit dem Gegenstand "wirk-lich" verbindet. Das Wort kann beliebig mit anderen Bedeutungen belegt oder ersetzt werden, ohne dass sich irgendetwas ändert: Wenn ich plötzlich anfange die Blume, die Vicco (R.I.P.) in der Hand hält als "Sofa" zu bezeichnen (und umgekehrt) und ich andere dazu bringe, dies auch zu tun, dann würde sich nichts in der Welt ändern, die Verknüpfung zwischen Wort und Gegenstand ist dann auch nicht "mehr" oder "weniger" sinnvoll. Eine menschliche Sprache kann das.
Wenn ich aber an der DNA (und der dortigen Abfolge von "Buchstaben") und also am Genotyp eines Organismus etwas ändere, dann ändert sich die Wirklichkeit! Denn es ist eben jene spezifische Abfolge von Basen die bestimmt, welches Protein am Ende produziert wird... ändere ich die Basen, ändere ich das Protein und seine Funktion und so den Phänotyp des Organismus. Hier sind chemische Prozesse am Werk und also besteht eine reale, physische!, Verknüpfung zwischen dem angeblichen "Wort" (DNA) und dem Gegenstand, dem Protein.
Der vergleich der Wesenheit der DNA mit der von Literatur ist in etwa so Sinnvoll, wie der Vergleich der Wirkweise von Olivenöl beim Braten mit der einer Bärenfalle.«
Die DNA ist kein "Code" in dem Sinn, keine Sprache, wie es uns die Karikatur glaube machen will.
Wie schon häufiger in dieser kleinen Serie (die ich leider - mea culpa - in den letzten 2 Monaten vernachlässigt habe) erwähnt: Wir wissen, wie diese ganz bestimmten, "codierten" Abfolgen von Basen in der DNA auf natürlichem Weg entstehen... wir kennen die Prozesse die dahinter stehen... und wir können es ja selbst nachmachen (Genmanipulation, Klonen etc.) und ganz gezielt damit arbeiten. So ähnlich ist das auch mit elektromagnetischen Wellen: Wir wissen, wie sie in der Natur entstehen und wir produzieren selbst rechlich davon. Deshalb könnne wir auch zwischen natürlich entstandenen und künstlich (von einer "Intelligenz") produzierten unterscheiden.



Nachtrag: Dass ich es mir "einfach" gemacht habe mit der Frage nach der "Codierung" und diesen Punkt eigentlich umschifft habe, liegt daran, dass es in der Karikatur gar nicht um Codes geht, sondern nur um das Erzwingen einer angeblichen durch Idiologie ausgeblendeten Parallele in diesen beiden Wissenschaftsbereichen, die aber so nicht existiert. Das Wort "codierte Information" ist dort nur ein Mittel zum Zweck, hat aber keinen spezischen Inhalt, der über "da ist etwas, was man unter den Begriff 'Information' fassen könnte" hinausgeht. Wenn der Autor nur von "Information" statt von "codierter..." gesprochen hätte, wäre die Aussage die gleiche, die manipulative Absicht würde aber nicht so reinhaun, denn das Wort "codiert" soll implizieren, dass da JEMAND ist, DER diese Codierung vornimmt, und genau auf diesen kleinen Trick kommt in dieser Karikatur alles an! Bei der Deutung von Radiowellen als Zeichen außerirdischer Intelligenz stimmt das ja auch, bei Genen eben nicht.
Diesen Unterschied zwischen "Designtem" (in dieser Karikatur: "Codiertem") und "nicht Designtem" habe ich hier (klick) bereits ausführlich behandelt. Die Karikatur bietet von der Strategie her also nichts Neues.

Kommentare:

  1. Bezüglich des Codes machst Du es Dir aber einfach. Ein Code ist etwas anderes als eine Sprache. Und wenn doch, dann ist ein Code kommunikationstheoretisch nur in sehr weitem Sinne eine Sprache.

    Ein Code stellt eine Relation zwischen zwei verschiedenen Systemen da:
    Vertiefungen in einer Plastikscheibe (CD) -> Musik
    Punkte und Striche (Morsecode) -> Buchstaben
    Zahlen und Wörter (Rezept) -> Kuchen

    Ein Beispiel:
    Laut der Vorschrift benötigt man z.B. »Lamm« und weitere Zutaten. Folge ich dem Vorschrift bekomme ich ein leckeres Mittagessen.
    Ändere ich an dem Code einen Buchstaben und mache aus dem Wort »Lamm« das Wort »Kamm«, dann kann ich das zwar auch in den Topf schmeißen, aber lecker wird es nicht.

    Und es sähe auch komisch aus, wenn Loriot statt auf einem normalen Sofa auf einem mutierten sitzen würde:
    Loriot und Evelyn auf dem Mofa.

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    1. Dann hast du nicht verstanden, was ich meinte. Es ging mir um den Hinweis auf die Konventionen: Sprache ist recht beliebig abänderbare Konvention, Gene sind es nicht.
      Ich kann Zeichen und Wörtern eines Textes/Codes beliebige neue Bedeutungen geben oder das zu Bezeichnende auf beliebige Art und Weise bezeichnen, solange sich auch andere an deine Konvention halten. Wenn ich das Wort "Lamm" durch das Wort "Kamm" ersetze und alle andern das auch tun, bleibt das Ergebnis gleich, das Gericht heißt dann eben "Kammbraten". Gene funktionieren so nicht, weil das was sie "bezeichnen" (der Phänotyp) aufgrund von chemischen Reaktionen zustande kommt und nicht durch Konvention. Die Gene und ihre Auswirkungen sind eben keine von einer Intelligenz für einen Zweck entworfene Sprache, sondern eine Abfolge physikalischer Prozesse.

      Zu der Sache mit den Codes füge ich mal einen kleinen Nachtrag ein.

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    2. Wahrscheinlich liegt das Problem darin, daß hier mehrdeutig mit Begriffen wie: Zeichen, Text, Code, Wörter etc. umgegangen wird.

      Ob ich für »Haus« die Wörter Haus, House, Maison, Nyumba oder Zumselei oder sonst was benutze, ist in der Tat ein Art von Konvention.
      Aber man muß schon zwischen dem Begriff (d.h. dem Bedeutungsinhalt) und der Benennung durch ein Wort unterscheiden.
      In allen Fällen des Beispiels »Haus« bleibt der Begriff gleich, während sich das Wort ändert.

      Natürlich besteht zwischen dem Begriff und der Entität keine chemische oder physikalische Relation, wie dies bei der DNS der Fall ist. Es ist eine untrennbare und unveränderbare kognitive Relation. Ändert sich eine Seite der Relation, ändert sich auch die andere.

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