Montag, 29. Juli 2013

Mensch, genetisch

Die Chromosomen des Menschen (w)
Eugenie schreibt (hier), auf die Frage, ab wann der Mensch Mensch ist:
»Wenn nicht ab der Empfängnis: Warum hat noch keine Frau eine Qualle, einen Delphin, ein Eichhörnchen, eine Katze, einen Apfelbaum, ein Kälbchen, einen Grasbüschel oder eine Schwalbe auf die Welt gebracht?
Denn aus einem Zellklumpen kann schließlich alles werden. Oder?«

Sorry, aber das is mir viel zu billig. Aus einem Zellklumpen kann eben nicht alles werden, denn auch ein Zellklumpen, sogar jede einzelne Zelle, hat nämlich ein vollständiges Genom!
Genetisch ist es ab der Verschmelzung der beiden Kerne ein Mensch (Homo sapiens)... im Moment der Verschmelzung wird ein Programm gestartet, an dessen Ende, sofern der Prozess ungestört und ohne grobe Fehler abläuft, nach etlichen Jahren ein voll ausgewachsener Homo Sapiens steht (das ist das Thema der Entwicklungsbiologie). Das bezweifelt ja niemand. Wenn es so einfach wäre... Da aber nicht nur wir Christen sondern auch der handelsübliche Säkularmensch heute zumeist (wenn auch nur instinktiv und nicht immer vernünftig) das Menschsein an mehr als an seinem Genom festmacht, ergibt sich ein Problem. 

Die Ironie an diesem Hickhack ist doch dies: Die Vorstellung, der Mensch würde erst zum Menschen werden, nämlich aus einem unspezifischen Zellklumpen heraus, ist aristotelisch. Es ist die moderne Naturwissenschaft, die uns gezeigt hat, dass es nicht so ist. Die Bestreitung des Menschseins "von Anfang an" ist eine der großen Inkonsequenzen in unserer wissenschaftsgläubigen Welt. Und genau darum ist diese endlose Debatte auch so vertrackt.

Kommentare:

  1. Mag Aristoteles' Biologie auch so seine Schwächen haben, so hilft uns seine Metaphysik in diesen Fragen doch um so mehr. Schließlich wussten er und seine Nachfolger schon lange vor der modernen Naturwissenschaft von der Zweckgerichtetheit und Potentialität, welche die DNA ausdrückt. Da der vollständige genetische Code eine aktive Potenz besitzt, den ganzen Menschen zu entfalten, so ist die vereinigte Ei- und Samenzelle doch auch schon ein wirklicher Mensch. Da die Wirkursache zur menschlichen Entwicklung bereits im frühsten Zellstadium, d.h. direkt nach der Befruchtung zu finden ist, muss die Beseelung auch zu diesem Zeitpunkt stattfinden - so die Anwendung der aristotelisch-scholastischen Prinzipien der Metaphysik auf die neuere, naturwissenschaftliche Erkenntnis.

    Um diesen Zusammenhang zwischen DNA und Menschsein zu vermeiden, spricht man ja zumeist von "Anlagen", "Informationen" etc. Von einer immanenten Kausalität will man nichts hören, vor allem, da es so schwierig würde, dem "Zellhaufen" den Status eines Lebewesens abzusprechen.

    Problematisch ist, wie nun das Menschsein "an mehr als seinem Genom" festgemacht wird. Das macht man ja leider häufig anhand gewisser "Fähigkeiten" bzw. Vermögen, beispielsweise das Denken. Das man somit u.U. Behinderten das Menschsein absprechen kann, liegt auf der Hand. Deswegen können diese veränderlichen Vermögen nicht Basis unserer Definition sein, vielmehr die unveränderliche Wesenheit.

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    1. Und genau hier stellt sich wiederum ein Problem: Unser Genom hat herzlich wenig mit einer "unveränderlichen Wesenheit" zu tun, denn DNA ist nunmal veränderlich (was ein Grund ist, warum es jenen prozess namens "Evolutuion" gibt). Daran kann man es also nicht festmachen.

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    2. Natürlich, das war auch nicht der Sinn meines Kommentars ;-)

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  2. @ Sophophilo: Du hast mich falsch verstanden: Wenn das im Mutterleib wirklich einfach ein Zellklumpen WÄRE, könnte alles daraus entstehen. Da es aber ein Mensch ist, ... ist es ein Mensch. Entschuldige, wenn ich mich missverständlich ausgedrückt habe.

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