Sonntag, 14. Juli 2013

schwierige Exegese...?

In der außerordentlichen Form war heute die Perikope mit dem untreuen Verwalter bei Lukas dran (Lk 16,1-9). Mich interessiert hier v.a. Vers 8.
»8 Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.«

Der Vers 8 dieser Perikope hat allem Anschein nach schon sehr lange die Exegeten verwirrt. In einem alten Schott steht hinter "Herr" eine Anmerkung, wonach der Grundbesitzer im Gleichnis gemeint sei.
Aus der exegetischen Literatur erfährt man, dass es mal so, mal anders gedeutet wurde. Mal war der Grundbesitzer innerhalb des Gleichnisses dieser "Herr", mal wurde es auf Jesus hin ausgelegt. Auch in der aktuellen Literatur scheint das sehr schwankend zu sein.
Ich wundere mich über derlei Verwirrung, denn dieses "Der herr lobte..." passt in die handlung des Gleichnisses überhaupt nicht rein! Also: GAR NICHT! Mir ist schleierhaft, wie man überhaupt auf diese Idee kommen kann. Es kann nur Jesus gemeint sein (den Lukas häufig einfach "der Herr" nennt: 7,13; 10,1; 12,42 u.ö.).
Lukas tritt hier aus der Wiedergabe des Gleichnisses heraus und berichtet uns, was Jesus tat, ohne ihn sofort wörtlich zu Wort kommen zu lassen. Das zeigt die Vielseitigkeit der lukanischen Erzähltechnik.

Der Grund, warum mit diesem "Der Herr lobte..." unmöglich der Grundbesitzer im Gleichnis gemeint sein kann, ist eigentlich offensichtlich: Wenn man sich einmal in das Gleichnis hineinversetzt wird klar, dass, wenn der Chef erfahren würde, dass sein Verwalter so handelt, er ihn wohl kaum loben würde. Er würde ihn bestrafen und seinen Betrug, dessen Leidtragender er ist, rückgängig machen. Und warum um alles in der Welt sollte der Grundbesitzer hier anfangen von "Kindern des Lichts" zu reden?
Das Gleichnis zielt offensichtlich nicht auf eine moralische Begutachtung des Tuns des Verwalters, denn in Vers 9f wird eine derartige Deutung nicht einmal ansatzweise angesprochen. Die Intention Jesu ist offensichtlich eine andere. Das Gleichnis zielt auf die Klugheit und "Umsichtigkeit" des Verwalters ab, sich mit der unausweichlich und postwendend eintretenden Situation (er verliert seinen Job und sein Ansehen!) auseinander zu setzen und vorzusorgen. Er tut also das best mögliche: Er macht sich Freunde, er schafft sich Leute, die bei ihm "was gut haben".
Es hat sich mir nie erschlossen, wie man ob dieses Zeugnisses des Evangelisten verwirrt sein kann oder sie auch nur als "irgendwie unklar" betrachten kann... aber vllt. bin ich damals, als mir diese Stelle zum ersten Mal begegnete, in meiner völlig naiven Unbedarftheit einfach in einer besseren weil unverblendeten Lage gewesen... 

Die Exegeten machen es sich schon manchmal schwer... ich mache an der Uni des öfteren die Erfahrung, dass Stellen als "schwierig" oder "unklar" deklariert werden, die es eigentlich nicht sind... und ich stelle nicht selten fest, dass gerade die hochqualifizierten Fachidioten oft so abgehoben auf den Text schauen, dass sie schier nicht in der Lage sind, sich wirklich einmal in das berichtete Geschehen hinein zu versetzen.
Da lasse ich mich gerne vom Judentum belehren: Jüdische Mystik ist ganz wesentlich Schriftmystik, das kann dann z.B. heißen, sich ganz in die Schrift hinein zu begeben, so als wäre man bei den Geschehnissen wirklich dabei. Das (erhoffte) Ergebnis ist Verständnis, ist Einsicht. Das bedarf einiger Übung und ich merke an mir selbst, wie schwer mir das oft fällt. Aber es fruchtet.

Anyway. So wie der Verwalter, so sollen auch wir handeln: Das Gericht kommt für uns alle und wir wissen nicht wann... Wir sollen also klug sein, wie der Verwalter, und uns dort "Freunde" machen, wo es, im Angesicht des kommenden Gerichts, einzig von Wert ist: "sammelt euch Schätze im Himmel" (Mt 6,20).

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