Montag, 29. Juli 2013

Jetzt geht's aber ab! (Update!)

Es brodelt und blubbert an allen Enden, der Papst habe so mir nichts, dir nichts den Franziskanern der Immakulata die überlieferte Messe verboten. Von einem "Attentat auf die Alte Messe" ist die Rede. Seilschaften und Vetternwirtschaft, Verschwörung und Kirchenkampf werden beschworen. Jüngste Äußerungen des Papstes werden sehr kunstvoll gedeutet. Und wie so oft: Nichts genaues weiß man nicht.

Bekannt ist, dass der Orden einen Apostolischen Kommissar mit Leitungsvollmacht bekommen hat (P. Fidenzio Volpi O.F.M. Cap.), und das offenbar vom Papst verfügt wurde, dass die Priester des Ordens, die ansonsten intern die überlieferte Messe pflegen, diese nur noch mit Erlaubnis feiern dürfen. (Was in Teilen Deutschlands übrigens, leider, üblich ist...)

Interessant an den hochkochenden Emotionen allüberall finde ich, dass eine für die Beurteilung dieser Maßnahme notwendige Frage noch nicht beantwortet wurde: Warum?
katholisches.info redet von 6 Ordensmitgliedern (von 800), die sich in Rom beschwert hätten. Aber weder ist klar, worüber sie sich beschwert haben sollen (sicher nicht, dass ihr Orden sich besonders die überlieferte Messe zu Eigen gemacht hat, denn jeder ist frei, seinen Orden zu verlassen, wenn ihm sowas nicht passt), noch wird überhaupt irgend eine Quelle für die Behauptung angegeben.
Ich konnte bisher nichts Griffiges ausfindig machen. Eines ist mir aber klar: In dem Dekret (hier) wird als Ziel der Einsetzung des Kommissars benannt, "die interne Einheit des Ordens, die brüderliche Gemeinschaft, die angemessene Bildung des konsekrierten Lebens, die Organisation des Apostolats, und die rechte Verwaltung der zeitlichen Güter zu schützen und zu fördern". Dies zu gewährleisten, habe es erforderlich gemacht, nach einer bereits erfolgten Apostolischen Visitation einen Kommissar einzusetzen.
Für mich klingt das nicht gerade so, als ob "liturgische" Beschwerden einer Handvoll Ordensangehöriger hierfür der Auslöser sind!

Abwarten und Tee trinken. Solange nicht klar ist, was in dem Orden los ist und warum es zur Visitation kam und nun als Folge davon ein Kommissar eingesetzt werden musste, sollte man sich mit Polarisierungen (hier der supertolle mega doppelplusgute Kirchenrettungsorden, dort die Seilschaften im Vatikan, wohmöglich noch mit Freimarerunterfütterung) zurückhalten. Besonnenheit ist angesagt.


Appropos Besonnenheit: Die Äußerungen von Franziskus. Martina liefert dazu (hier) ein paar Beispiele.
Da wird z.B. das Folgende aus der Ansprache (hier zu lesen) von vor ein paar Tagen vor dem Koordinierungskommitee (was immer das ist) der südamerikanischen Bischofskonferenz angeführt (einer von vier vom Papst exemplarisch benannten Ideologisierungen des Evangeliums):
»d) Der pelagianische Entwurf. Er erscheint grundsätzlich unter der Form der Restauration. Angesichts der Übel der Kirche sucht man eine nur disziplinäre Lösung in der Wiederherstellung von überholten Verhaltensweisen und Formen, die nicht einmal kulturell bedeutend zu sein vermögen. In Lateinamerika gibt es ihn in kleinen Gruppen, in einigen neuen Ordenskongregationen, und er zeigt sich in Neigungen zu doktrineller und disziplinärer „Sicherheit".«
Man fühlt sich offenbar angesprochen. Ich bin ein Freund der überlieferten Messe, ich fühle mich nicht gemeint. Ich kenne aber einige Leute, die hier gemeint sind!
- Restauration bedeutet die Wiederherstellung überholter Zustände. Die Kirche an einem bestimmten (willkürlich) festgelegten Zeitpunkt einzufrieren, ist jedenfalls die Taktik der Piusbrüder. Insofern kann kein Katholik eine solche Restauration gutheißen. 
- Weil der Papst hier von "überholten Verhaltensweisen und Formen" spricht, meint man, er würde hier besonders die "überlieferte Form (AAAHHH!!! es ist das gleiche Wort: 'FOOORRRMMMM'!!)" des römischen Ritus meinen. Das steht da aber nicht!
- Die an anderer Stelle erwähnte "Umkehr in der Pastoral" wird schnurstracks als Gegensatz zur Hermeneutik der Kontinuität gedeutet. Wieso? Warum ist eine "Umkehr" (im Original: Conversion) etwas Schlimmes? Kann (darf?) es nicht sein, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden?
- Die Ablehung einer "Neigungen zu doktrineller und disziplinärer 'Sicherheit'" wird als Relativismus interpretiert. Mal abgesehen davon, dass dies im Widerspruch zu allem steht, was dieser Papst sonst so sagt: Es ist doch tatsächlich so, dass sich manche in so eine "Sicherheit" (man beachte die Gänsefüßchen!) flüchten und dann, mit sich selbst und der Disziplin im reinen, so manche Christenpflicht vernachlässigen.
- Wichtig scheint mir, und dem widmet Martina keine Silbe, dass der Papst hier von einem "pelagianischen Entwurf" redet. Was meint das? Pelagianismus bedeutet, grob gesagt, Erlösung aufgrund eigenen Tuns. Und genau das behandelt der Papst hier: Versuche, sich durch äußere Formen (!) und Verhaltensweisen heilig zu machen, ohne den Geist der Wahrheit. Diese Tendenz gibt es überall, auch (und nicht zu knapp!) in den Kreisen der Liebhaber der überlieferten Messe.

Mit der richtigen Intention, kann man alles irgendwie so deuten, dass es zum Meckern Anlass gibt...


Update (22:50): Es gibt (hier) eine interessante Gegendarstellung aus dem Innern des Ordens selbst. Das geht es u.a. in eine ähnliche Richung, wie das was ich oben erwähnte. Da heißt es z.B.:
»The restrictions on our community are specific to us and have been put in place for reasons specific to us. Pope Francis has not contradicted Pope Benedict. The visitation of our community began under Pope Benedict and the Commission was recommended by Cardinal João Braz de Aviz who was appointed to the Congregation by Pope Benedict.«

Kommentare:

  1. Ihre oben genannten Spekulationen über mögliche, geheimnisvolle Auslöser, mit den Franziskanern der Inmmakulata so zu verfahren, wie Franziskus es nun tut, haben einen riesigen Hinkefuß: es gibt keienrlei Hinweis auf sie. Und vor allem legt ja der Gegenstand des Verbotes nahe, darin auch den Auslöser zu vermuten. Logisch? Dieser Gegenstand ist die durchgehende Praxis des Vetus ordo! Logisch?

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    1. Bingo: Es gibt keinerlei Hinweise auf irgendwelche Gründe für das alles!
      Es ist ja schon erstaunlich, dass Benedikt XVI. eine Visitation des Ordens anordnet und dann Franziskus als Folge dieser Visitation einen Kommissar bestellt. Und wie es jene Quelle aus dem Orden ausführt, gibt es offenbar Gründe für die getroffenen Anordnungen. WAS diese Gründe sind WISSEN WIR NICHT. Aber es klingt für mich ziemlich bekloppt, dafür, wie gesagt, eine Handvoll Eingaben von Liturgieverächtern verantwortlich zu machen.

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  2. Danke für diese Gedanken! Die Wahrheit wird uns frei machen ... steht in der Bibel ... oder doch so ähnlich. Wir werden sehen. BETEN!

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