Montag, 11. November 2013

Martin einmal ungewohnt

Es ist jedes Jahr wieder schade, wenn in Predigten und sonstigen Ausführungen die Gestalt des Heiligen Martin auf die Mantelteilung und ein "freimütiges Geben" reduziert wird. So wichtig diese Episode auch ist, ist doch sein Lebenslauf, legendarisch oder auch nicht, viel komplexer und reichhaltiger.

Wer weiß denn heute schon, dass Martin von Tours einer der Väter des westlichen Mönchtums ist, weil er sich gute zehn Jahre in eine Einsiedelei zurückzog und mehrere solche gegründet hat (aus einer wuchs dann das erste gallische Dorf Kloster), weil ihm immer wieder die Leute hinterherzogen, um seiner Weisheit zu lauschen (das war der Grund, weshalb man ihn als Bischof wollte).

Zugleich wird auch die Mantelteilaktion selbst immer merkwürdig verniedlicht und verkürzt wiedergegeben... Für ein Publikum mit hohem Kindergartenanteil ist das ja schön und recht, aber das darf nicht alles sein. Jenseits aller Mantelteilungs- und Bettlerromantik sollte man sich einmal der Tatsache nähern, dass in dieser Szene Martin ein (ranghoher) Vertreter der römischen Besatzungsmacht ist und der arme Bettler wohmöglich ein unter eben dieser Besatzung Leidender.

Die Tatsache etwa, dass der Soldat Martin seine Waffen niederlegt und seinen Dienst quittiert (durchaus keiner Lappalie!), wie hier in einem Fresko in der Martinskapelle in der Unterkirche von San Francesco in Assisi, wird oft gar nicht erwähnt... hier ist er noch ein Soldat der, der Legende nach, den Mantel teilt, er Träumt von Christus der sich als der Bettler zu erkennen gibt, und plötzlich muss sich der arme Martin vor dem Volk zwischen Gänsen verstecken.
Der große Asket Martin, der der Welt entsagt und sich in eine Eremitage auf einer Insel vor jener verbergen möchte, ist weitgehend unbekannt.

Unbekannt ist auch, dass dieser Bishof, der zuvor Eremit war, heute insofern wieder eine neue Aktualität gewinnt, weil auch Martin für eine arme Kirche plädierte. Eine Kirche die nur für Gott und die Menschen da ist und nichts auf Strukuren (und ihre Anfälligkeiten) und Macht gibt... das zeigt sich sehr schön an dem Widerspruicht, den der designierte Bischof von Tours vom übrigen Klerus erhielt. Ich vermeine darin sogar eine gewisse Parallele zu unserem Papst Franziskus zu erkennen...


Sancte Martine, ora pro nobis!

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