Sonntag, 26. August 2012

Geistliche Begleiter


Theresa von Avila darüber, welche Sorte geistlicher Begleiter man meiden soll: »Man sehe aber zu, daß dieser keiner von jenen sei, die uns den langsamen Krötengang lehren und sich schon damit zufrieden geben, wenn die Seele im Jagen nach Eidechsen sich tapfer erweise.«

Und über das Abwägen zwischen Seele und den oft wichtiger erscheinenden Bedürfnissen des Leibes schreibt sie, dass man zwar schon auch so zum Ziel kommen könne, »wenn wir nur gerecht und tugendhaft leben; aber das sind Hühnerschritte, mit welchen man nimmermehr zur Freiheit des Geistes gelangt.«

(Leben, XIII. Hauptstück)

Kommentare:

  1. "Meiden" ist gut, das macht das "überhaupt-einen-Finden" aber nicht leichter. ;-)

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  2. Gute geistliche Begleiter findet man, wie gute Ärzte und Beichtväter eigentlich vor allem durch persönliche Empfehlung, hab ich manchmal den Eindruck. (Man muß natürlich schauen, was für den einen hier das richtige ist, muß es für den anderen noch lange nicht sein.)

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  3. Ich kenne aus der Literatur geistliche Begleitung, aber ich kenne niemanden persönlich, der sich hat geistlich begleiten lassen. Ganz dumme Frage: Was genau ist das denn eigentlich? Lieber sophophilo, liebe Braut des Lammes - werdet ihr geistlich begleitet? Trifft man sich regelmäßig? Ist das immer auch gleichzeitig ein Beichtgespräch? Bekommt man Empfehlungen oder darf man sich einfach aussprechen?

    Ich könnte mir nicht vorstellen, dass einer unser Pastoren, Vikare oder Diakone dafür Zeit hätten. Da könne ja jede/r ankommen. ;-) Sind nur "Experten" Begleiter? Oder können das auch Laien untereinander?

    Dankbar für eure Ansichten wäre die Huppicke

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    1. Ein geistlicher Begleiter ist für jemanden ders "ernst meint" eine durchaus wichtige Einrichtung. Es kann ein Angehöriger des Klerus sein oder auch ein Laie. Wichtig ist, dass diese Person in geistlichen Dingen bereits viel Erfahrung hat, denn der Sinn besteht eben darin, dass man auf seinem eigenen geistlichen Weg jemanden hat, der einen berät, führt und begleitet.
      Braut des Lammes hat Recht: i.d.R. findet man sojemanden über Mundpropaganda.
      Die meisten Priester die ich kenne verwenden einen nicht kleinen Teil ihrer Zeit mit geistlicher Begleitung und mancherorts ist es üblich, dass sich die geistlichen Begleiter (dafür gibt es in manchen Diözesen sogar eine Aus- bzw. Weiterbildung!) einer Gegend regelmäßig treffen und Erfahrungen austauschen (freilich bleiben die Begleiteten anonym). Die Leute von denen ich weiß, dass sie sich als geistliche Begleiter zur Verfügung stellen (Priester, Ordensleute, Laien), tun das für 2 bis 12 Leuten gleichzeitig (wobei der mit den 12 ein Sonderfall ist, in der Pastoral sagt man bei uns, dass es maximal 5 oder 6 sein sollen).
      Der gestliche Begleiter, wenn es eine Priester ist, kann auch Beichtvater sein, muss es aber nicht.
      Ob man sich regelmäßig oder nach Vereinbarung trifft hängt von den Bedürfnissen und dem Profil der Beteiligten ab. Manchen hilft das regelmäßige, andere wählen die Ungelmäßigen Gespräche.
      In den meisten Heiligenviten ließt man immer wieder von segensreichen geistlichen Begleitern aber auch zuweilen von schlechten... ist ähnlich kompliziert wie mit dem "richtigen Beichtvater". :)

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    2. Eine theologische (Aus)Bildung kann sicherlich von Vorteil sein, ist aber auch nicht zwingend. Es geht nicht selten um die Frage nach dem rechten Gebet, nach der Stille... wenn man selbst nicht weiß, wie man z.B. mit Gottes Schweigen umgehen soll oder Probleme in der Andacht hat... es können auch viel banalere Probleme sein die sich im Glaubensleben ergeben...
      Es ist ein wichtiger Teil von dem was man Seelsorge nennt.

      Mir hat die geistliche Begleitung immer wieder sehr geholfen um die Orientierung zu behalten... ab und zu hab ich von meinem geistlichen Begleiter auch mal einen geistlichen Tritt in den Hintern bekommen oder einfach Zuversicht gewonnen ("es geht nicht nur mir so").

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  4. Dankeschön für deine ausführliche Antwort. Dein Eingangssatz mit dem 'ernst meinen' gibt natürlich wieder mal viel Stoff für eine Selbstprüfung.
    Mir fällt auch auf, dass ich schon wieder so eine merkwürdige (bildzeitungartige) Vorstellung vom zu betreuenden Christen hatte, denn der Priester wird ja nicht Künstler, Studierte, die Celebritiys der Stadt der ungebildeten Alleinerziehenden oder dem Omachen, das immer Hausfrau war vorziehen. Wer es ernst meint...
    Es leuchtet auch ein, dass mans vom eigenen Pastor nicht weiß, denn es wäre ja unangenehme, wenn er überall rausposaunt wer begleitet werden möchte.

    Ich denke, ich muss erst mal mit der wie ernst-Frage fertig werden.

    Noch eine Frage: Die Sache mit dem Gehorsam - taucht die bei der geistlichen Begleitung auf? Vermutlich ja, wenn man im Gespräch merkt, man weicht vom katholischen Glauben ab und "bastelt" sich gerade selbst etwas. Aber wie kann es sonst sein, dass einen der geistliche Begleiter in den Krötengang schickt während man doch selbst wie ein Wildpferd galloppieren möchte?

    Dankbarer Gruß von Huppicke

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    1. Bzgl. "ernst meinen": Das war in dem Sinne gemeint, dass bei Licht betrachtet kein Christ für sich sein kann. Er ist immer Teil von etwas, nämlich der Kirche, und als solcher ist er immer Abhängig von anderen. Ein geistlicher Begleiter ist nun nicht etwas, das man haben "muss", aber ich habe die Erfahrung gemacht, und die erwähnten Heiligenviten scheinen das zu bestätigen, dass es ohne einen solchen zuweilen auch gefährlich werden kann (wie du ja sagtest, wenn man sich z.B. selbst was zusammenbastelt). Gleichzeitig kann es aber auch sein, dass man selbst schon auf der schiefen Ebene ist und einen geistlichen Begleiter findet, der das auch ist (New-Age Christentum gibt es in unzähligen Schattierungen). Der gibt einem dann viel Bestätigung, hilft aber nicht auf dem Weg zur Wahrheit.
      Ich habe meine geistlichen Begleiter (Plural!) immer auch als Korrektiv gesehen, die mir eben auch mal einen geistlichen Tritt verpasst haben, um mich auf Trap und auf dem Weg zu halten. Katholiken qua Erzieung neigen zuweilen nach links, Konvertiten eher nach rechts... wir alle brauchen hin und wieder einen Ruck in die entgegengesetzte Richtung um wirklich beim Katholischen et-et zu bleiben...
      Du bist deinem geistlichen Begleiter nicht per so Gehorsam schuldig, DU wählst IHN und nicht andersrum. Aber wenn man mal einen guten hat, und das ist definitiv nicht der, der einem immer recht gibt, dann sollte man seinen Rat ernst nehmen!
      Es ist also auch eine Frage der Demut und des Eingeständnisses, dass man eben immer auch der Hilfe bedarf und v.a. ist es eben auch tatsächlich eine große Hilfe bei geistlichen Fragen, Nöten und Problemen... und es ist Teil des Kircheseins: Wir sind keine Monaden, sondern Glieder des einen Leibes.

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  5. Zu den Fragen oben hat Sophophilo ja schon einiges zusammengetragen, das ich auch nicht besser hätte sagen können.

    Um die Frage mit dem Gehorsam beantworten zu können, müßte ich wissen, wie sie gemeint ist? Ab und zu hab ich bei dem sehr sprechenden Gesichtsausdruck meines geistlichen Begleiters das Gefühl, jetzt, jetzt beißt er gleich in die Schreibtischkante. Das gehört, glaub ich, irgendwie dazu. Gehorsam ist allerdings nichts, was man dem geistlichen Begleiter irgendwie "schuldig" wäre, er soll einen leiten, bei der Entdeckung oder Entwicklung einer Berufung helfen, alles sowas. Man kann )mit ihm gemeinsam versuchen, Antworten auf bestimmte Fragen zu finden oder Strategien entwickeln, wiederkehrenden Schwierigkeiten zu begegnen. Früher hat man das, meiner Ansichtr nach treffender, einen "geistlichen Führer" genannt. Mit dem ständigen Beichtvater identisch zu sein braucht er nicht, manchmal soll er es auch gar nicht sein.

    Wenn ich Teresa hier recht interpretiere, meint sie jene Sorte, die man unter Beichtvätern auch trifft, die einem das, was man selbst als Sünde oder als Hindernis zu Gott hin empfindet, konstant ausreden will. Salopp ausgedrückt, brauchst du erst wiederzukommen, wenn du zwei oder drei ordentliche Todsünden begangen hast.

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