Samstag, 22. Juni 2013

Fundstück: Das Spüren der Sünde

Beim Studium der Dekrete des Konzils von Trient über die Ursünde und die Rechtfertigung, stieß ich in Ersterem auf ein winziges Detail, das mir prompt die komplexe Materie versüßte: Bei der Beschreibung der Tatsache, dass auch die Getauften Sünder bleiben, schreiben die Väter des Konzils: 
»Dass aber in den Getauften die Begehrlichkeit bzw. der Zündstoff bleibt, bekennt und verspürt (sentit) dieses heilige Konzil«. (DH 1515) 

Das Dekret wurde in der ersten Junihälfte 1546 ausgearbeitet und man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Konzilsväter im italienischen Sommer vor sich hinschwitzen... Was war noch gleich die Folge der Ursünde für den Mann? "Im Schweiße deines Angesichts, sollst du dein Brot essen" (Gen 3,19).
Meines Wissens findet sich nirgends sonst in irgendwelchen Konzilsakten eine so "persönliche Note".

Da scheint für mich sehr deutlich das immer auch menschliche Antlitz der Kirche durch. :)
Erwähnte ich schon, wie gern ich katholisch bin?


PS. Mein Dogmatik-Prof ließ einmal das folgende Aperçu zum Tridentinum verlauten (in Anlehnung an die Tatsache, dass der Papst nicht selbst teilnahm und deswegen ständig Post zwischen Trient und Rom hin- und herging): "Das Faszinierendste am Konzil von Trient ist, wieviele Pferde dafür totgeritten wurden."
... no comment

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