Sonntag, 23. Juni 2013

Der Leerstuhl des Papstes

Gestern war wieder einmal ein Konzert im Vatikan (hier zu sehen und v.a. zu hören). Der Stuhl des Papstes blieb leer. 

Auf den Blogs brodelt es deswegen gerade mächtig. Und nicht nur diskutiert man die Gerüchte, denen zufolge der Papst die Veranstalter und Teilnehmer des Konzertes gestern absichtlich brüskiert habe. Nein: Man schüttet bei der Gelegenheit auch gleich mal all die Ressentiments aus, die man seit 100 Tagen aufgestaut hat. Ein Banause sei der Papst, ein Kunstverächter, ein Ungebildeter. Seine täglichen Predigten seien (im Vergleich mit den großen Festtagspredigten seines Vorgängers!) banal, seine Worte an die apostolischen Nuntien, denen zufolge er keine herrschaftlichen oder professoralen Bischöfe wolle, werden als Breitseite auf Benedikt uminterpretiert und und und...
Dass er die renitenten Ordensfrauen  in den USA zurechtgestutzt hat, die Treue zum Nachfolger Petri predigt, politisch Unkorrektes beharrlich ausspricht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Relativismus den Spiegel vorhält, die "alte" Messe als kostbaren Schatz anerkennt, ein unbedingtes "Ja" zum Leben proklamiert und vieles mehr - all das genügt den "benedikttreuen", die sich fälschlich als "papsttreu" betracht(et)en nicht. Sie wollen ihren Akademikerpapst zurück. Darum!
Ein Papst der nicht singt? Schlimmer noch: Ein Papst, der nicht promovierter Theologe ist? Bloß nicht! An anderen Tagen regen sich dann die selben Leute über die vielen häretischen doctores theologiae auf... 
Man heuchelt die Sehnscht nach einem treuen Hirten, nimmt es aber Franziskus übel, dass er genau dies nur sein will. Man sieht geradezu schon die Kathedra des Bischofs von Rom zu Kleinholz zerfallen...

Leute, wir sollten jetz' alle ma' wieder runter komm'n!


Mir ist es im übrigen gar nicht so unsympathisch, obwohl ich selbst durchaus für die Künste brenne, wenn der Papst seine Zeit "produktiver" d.h. für die Menschen einsetzt.
Wenn es Absicht war (und man beachte: wir kennen den Grund nicht!), dann zeigt das nur noch mehr sein unermüdliches und durchaus nonkonformistisches Engagement für die Menschen in jeglicher Not. Es kursierte ja schon kurz nach der Wahl jenes funfact, Kardinal Bergoglio habe den Ruf, sich bei derlei Anlässen und Empfängen nur so kurz wie möglich aufzuhalten. Damals fragte ich mich schon, was wohl passieren würde, wenn, wie so oft, der Pontifex wieder einmal ein Konzert geschenkt bekommt... Jetzt weiß ich es, und bin nicht überrascht.

Die Musik war trotzdem schön.

Kommentare:

  1. Eigentlich wollte ich heute auch noch bloggen jetzt genugt ein link hierher herzlichen dank

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