Freitag, 11. September 2015

Ich glaube an die heilige Kirche

Ich glaube an die heilige Kirche,
die apostolisch ist und allgemein und rechtgläubig,
und die uns unversehrte Lehre kündet.
Nicht glaube ich an sie, wie ich an Gott glaube,
wohl aber glaube ich, dass sie in Gott ist und Gott in ihr.
Nicht ist sie Gottes eingegrenztes Maß,
wohl aber ist Gott der Raum der Kirche.
So ist sie Gottes Haus und Braut des Herrn Christus.
Sie ist die leibhafte Gemeinschaft der Heiligen,
aller Gerechten, die sind und waren und kommen.
Größeres noch ist wahr: auch die Chöre der Engel
scharen sich selig zur alleinigen Kirche.
Denn der Apostel lehrt: «Versöhnt ist alles in Christus,
nicht nur auf Erden, auch was da lebt in den Himmeln!»
Gottesstadt nennt man die hehre Einheit,
Glutofen, der alles Gold zusammenschmilzt.
Sie ist mein Glaube, die eine Kirche,
katholisch, weil hinieden und droben,
zerstreut über die Welt und dennoch berufen,
einmal gebunden zu werden zu seliger Garbe,
wenn sie mit Christus in Ewigkeit herrscht.
Er ist das Haupt und die Kirche der Leib.

Dieses Leibes bin auch ich ein Glied,
rein aus göttlicher Gnade,
wenngleich nur ein kleines, ein schwaches.
Der Kirche will ich in Glaube und Werk
immer die Treue wahren,
das hoff ich vom Geber der Gaben.
In der Kirche, die heilig und eins,
dieser katholischen Mutter,
die bis an die Grenzen der Erde
alles mit Gottes Lobpreis erfüllt,
glaub ich festen Gemüts,
Gemeinschaft der Gnade zu erben.
Nicht auf eigenes Werk vertrau ich,
sondern auf Christi heiligen Blutstrom,
und auf das gnadenverdienende Beten
meiner heiligen Mutter, der Kirche.


Alkuin von York († 804)

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