Mittwoch, 1. Januar 2014

Taufe und Beschneidung

»Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.« (Gal 4,4-7)

»Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.« (Lk 2,21)

Ich habe letztes Jahr am 3. Januar das leider von der Liturgiereform vernichtete Fest des Namens Jesu behandelt und seine Verflochtenheit mit dem Fest der Beschneidung des Herrn, das, gleichfalls der Liturgiereform zum Opfer gefallen, heute am 1. Januar gefeiert wurde (mehr dazu: hier).

Die Beschneidung ist das Zeichen des Bundes zwischen Gott und Abraham.
»Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation. Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen« (1Mo 17,9-12).

Die Beschneidung ist nicht nur Bundeszeichen, sondern sie ist der Bund selbst, sie ist die Bundeshandlung. Weswegen Gott sagen kann, dass ein Mann der nicht beschnitten ist, den Bund bricht (1Mo 17,14). [Übrigens ist die Tatsache, dass Abrahams erster Sohn Ismael 13 Jahre alt war, als er beschnitten wurdem (1Mo 17,24-25), der Grund, warum junge Muslime mit 13 beschnitten werden und nicht, wie die Juden, bereits als Säuglinge.]
Die Beschneidung ist jedoch weit mehr als ein physicher Akt. Bereits im Buch Deuteronomium ist ausführlich von der "Beschneidung des Herzens" die Rede, was den eigentlichen, tieferen Sinn dieser Bundeshandlung zeigt: 
»Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein.« (5Mo 10,16)
»Der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden. Dann wirst du den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele lieben können, damit du Leben hast.« (5Mo 30,6)

Es wird immer gesagt, das christliche Equivalent zur jüdischen Beschneidung sei die Taufe. Das ist richtig, aber oberflächlich.
Zunächst eine Frage: Wenn Männer dadurch in das jüdische Volk aufgenommen werden (also konvertieren) können, indem sie sich beschneiden lassen, wie werden denn dann Frauen zu Juden, da sie doch nicht beschnitten werden? Die Lösung: Durch ein Tauchbad, nicht unähnlich der Taufe. Die Taufe steht also von daher bereits in einer engeren Verknüpfung mit der Beschneidung, als dies zunächst scheinen mag.

Wenige Verse vor der heute aus dem Galaterbrief gelesenen Perikope finden wir jenes berühmte Bild, das für das Verständnis der Taufe von so großem Wert ist:
»Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.« (Gal 3,27)

Noch einmal Gal 4,6 (s.o.):
»Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater.«

Die Parallelen zu den biblischen Aussagen über die Beschneidung sind ziemlich offensichtlich. Was bedeuten sie?
Die Taufe bedeutet für uns Christen in dem hier behandelten Zusammenhang zweierlei: Zum einen, dass wir Christus "als Gewand angelegt" haben. Und sie bedeutet weiters dass wir den Geist Christi in unsere Herzen eingegeossen bekommen haben (Johannes sagt bei Mk 1,8: "Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.").
Wenn wir nun aber als physisch Unbeschnittene den (beschnittenen) Juden Jesus anlegen, d.h. sein "Äußeres" (und also auch seine Identität als Jude, bezeugt im Bundeszeichen der Beschneidung) um uns legen, dann sind wir in einem gewissen Sinn nach der Taufe Beschnittene. 
Und mit dem Geist, der in unsere Herzen gesendet ist, erfahren wir die tiefere Dimension der Beschneidung: die Besch(n)eidung des Herzens.
 
Wir kommen ohne das Judesein Jesu nicht aus. Der "Oktavtag von Weihnachten" ist mehr als nur der Abschluss eines großen christlichen Festes, er markiert in besonderer Weise die Identität des Messias. Von einer jüdischen Frau geboren, deren Hochfest wir heute feiern, ist er wahrer Gott und wahrer Mensch. Ganz bei uns und ganz bei Gott, der einzige Mittler, das ewige Worte des Bundes an uns. Sein Geist belebt uns und hält uns in der Treue zu ihm.
Wir sind Gottes Eigentum und legitime Miterben seines Bundes den er mir Abraham geschlossen und in Christus endgültig gefestigt und besiegelt hat. 

Halleluja, Christus ist geboren!

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