Donnerstag, 30. Januar 2014

... häretische Theologie

Wenn ich ab und zu in der katholischen Medienlandschaft lesen muss, irgend ein Theologe habe hier oder da eine häretische Ansicht geäußert (hier), kann ich mich als angehender Theologe eigentlich nur wundern... dass das eine Schlagzeile wert sein soll!

Denn was das öffentliche Äußern von Häresien anlangt, leben wir heute in geradezu goldenen Zeiten, wenn man das mal mit der Situation in der ersten Dekade nach dem letzten Konzil vergleicht.

Ein Beispiel: 1978 erschien in der Una Voce-Korrespondenz ein Artikel von Erwin Hesse mit dem Titel "Mit kirchlichem Imprimatur...", in dem er das Buch "Die heißen Eisen von A bis Z. Ein aktuelles Lexikon für Christen." bespricht. Das Buch erschien 1972 (mit kirchlicher Druckerlaubnis des Ordinariats Graz-Seckau) bei Styria und wurde vom Grazer Dogmengeschichtler Johannes Bauer herausgegeben. Es enthält lexikalisch eine ganze Anzahl von Stichworten von "Abtreibung" über "Magie" bis "Zukunft", die dann jeweils von einem Fachmann(?) bearbeitet werden. Viele Theologen wirkten daran mit, auch ein paar durchaus bekannte Namen wie Fries oder Mußner.

Hesse bespricht nun einige der Artikel im Hinblick auf ihre Treue zur Kirchlichen Lehre und fasst in der Mitte seines Artikels (bevor einzelnen Inhalten des Buches die kirchliche Lehre gegenüber stellt) die Ergebnisse wiefolgt zusammen:
»Schierse leugnet die Gottheit Christi, Bauer die Jungfräulichkeit Mariens, Limbeck die Existenz von Engel und Teufel, Assig ein der Kirche anvertrautes gläubiges Wissen über all das, was nach dem Tode kommt.
Gruber verneint die Gültigkeit einer heiligen Messe ohne Mitwirkung von Laien und hält für wichtiger und wirklicher als die Wandlung der sakramentalen Gaben die innere Verwandlung der in Gemeinschaft aktiv verbundenen Menschen. Nikolasch wieder meint, bei der Beichte genüge es, wenn jeder bloß die Sünde bekennt, über die er ein brüderliches Gespräch wünscht. Nebstbei stellt er die Verpflichtung der sonn- und feiertäglichen Meßfeier auf die unterste Stufe des von Jesus abgelehnten Zeremonialgesetzes. Den katholischen Amtspriestern wird von Griesl die Rechtmäßigkeit der Bezeichnung "Priester" abgesprochen.
Über ihr Erscheinungsbild könne die Kirche jeweils weitgehend nach freiem Ermessen bestimmen. Bauer wendet sich infolgedessen gegen den Pflichtzölibat. Gössmann fordert gar die Auflösung der dermaligen hierarchischen Struktur zugunsten voller Gleichheit der Kirchenglieder und beschränkt die Aufgabe der bisher "Priester" Genannten auf den Vorsitz bei der Eucharistiefeier, der dann natürlich auch Frauen offenstehen könne. Endlich wendet sich Bauer gegen die in der katholischen Kirche herrschende "rigorose Auffassung von der Unauflöslichkeit der Ehe".«

Nun, heute sehen wir solche eklatanten Kompendien der Häresie nur noch selten. Auch die "heißen Eisen", im stillosen Kunstledereinband der Zeit, finden sich heute im Antiquariat in der Ramschkiste. Der Grund dafür liegt allerdings nicht so sehr darin, dass man heute auf den rechten Pfad zurückgefunden hätte, sondern wohl eher darin, dass viele der erwähnten Positionen heute zur Grundausstattung eines "modernen" Theologen im Dienste des Staates gehören. Man redet da zwar nicht viel drüber, man schreibt das auch selten, aber man denkt es. Die theologischen Fakultäten an den staatlichen Hochschulen sind weitestgehend so sehr verseucht, dass es auffällt, wenn da mal ein anständiger Theologe arbeitet.
Es ist zwar einerseits gut, dass das nicht so offensichtlich ist, das mindert den täglichen Frust des Nichttheologen; andererseits auch wieder nicht, weil es den tatsächlichen Zerfallszustand der Kirche verschleiert. Man bedenke wohl, dass dies die Orte sind, wo die allermeisten der Leute ausgebildet werden, die dann für die religiöse Bildung in Schule und Gemeinde verantwortlich sind.

Wie gesagt, ich wundere mich, wenn ein Theologe Schlagzeilen bekommt, wegen solcher Lappalien, wie zu sagen, Joseph sei der Vater Jesu gewesen... Mich würde es schwer wundern, wenn ich an meiner Fakultät fünf Professoren fände, die das anders sehen!


PS. Es ist ein ausgewachsener Brainf*ck und ließ mich gröhlend am Boden Kreise drehen, als ich bei einem kurzen Blick in das Buch (man sich will sich ja mit eigenen Augen überzeugen...) das Zitat bemerkte, dass Bauer seinem Machwerk vorangestellt hat:
Auf einem Schiff zu sein, das vom Sturm gerüttelt wird, macht Lust, wenn man gewiß ist, daß es nicht sinken wird; solcher Art sind die Verfolgungen, die die Kirche quälen. Die Geschichte der Kirche sollte recht eigentlich die Geschichte der Wahrheit heißen.
(Pascal, Pensées)

1 Kommentar:

  1. Ich frage mich ohnehin schon lange, ob etwa Priesteramtskandidaten ein klares Wissen etwa über das Wesen der Heiligen Messe haben. Derweil Pfr. Irslinger (zugegeben: anderer Jahrgang) von einer falschen Opfertheologie in diversen Übersetzungen spricht (was immer damit auch gemeint sei, du erinnertest selbst schon daran und ich erinnere mich, dieser Tage einige Canones des Konzils von Trient gelesen zu haben), steht doch die Frage im Raum: Was weiß ein künftiger Priester durch sein Hochschulstudium überhaupt über die Heilige Messe?

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