Montag, 20. Januar 2014

Projektionen


Monsignore Marcello Semeraro, Sekretär des päpstlichen Beratungsgremiums C8, beendete sein letzte Woche gegebenes Interview in La Stampa mit einer  Betrachtung, die man sich merken sollte (eigene Übersetzung des Italienischen; hier der Kontext):
»Wer mit dem Papst unzufrieden ist, vergleicht ihn wahrscheinlich mit den eigenen Ideen, ohne sich selbst zu hinterfragen im Blick auf ein Leben der Kirche, das sich vor aller Augen vollzieht. Ich frage mich: Was liegt mir eher am Herzen? Die Gemeinschaft des Glaubens, oder die Bestätigung meiner Ideen? es ist der Glaube, der den Christen zu dem macht, was er ist. Das hat Benedikt XVI. in Erinnerung gerufen und Franziskus wiederholt es: Am Beginn des Christseins steht nicht eine ethische Entscheidung, oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einer Person. Der Mensch von heute braucht die Verkündigung, das Wort, das das Herz bewegt und erwärmt. Vielleicht kommen, wie es neulich der Bruder Enzo Bianchi sagte, Tage des Schmerzes. In jedem Pontifikat gab es Tage des Leidens! Wird dieses [Pontifikat] davon ausgenommen sein? Jetzt aber sehen wir Männer und Frauen die, obwohl sie das Evangelium für selbstverständlich halten, heute überrascht sind von seiner Neuheit. Für uns alle ist dies eine große Chance.«

Der Papst ist eine riesige Projektionsfläche für allerlei Wünsche und Ideen. Ob nun DBK, BDKJ oder sonstige Buchstabenagglomerate, jeder hat so seine Vorstellungen, die er auf den Papst projiziert und sie alle werden nicht müde, das auch lauthals zu verkünden und voreiligen vermeintlichen Gehorsam zu leisten, den sie dann aber doch nur ihrem Ego leisten, nicht dem Papst (siehe zur Freiburger Handreichung hier, hier und hier). Es ist beschämend und ein astreines Anti-Zeugnis von dem, was uns als Christen, als Katholiken zumal, eigentlich umtreiben sollte. Die vatikanische Bestandsaufnahme bezüglich der kirchlichen Lehre zu Ehe und Sexualität (auch in jenem Interview thematisiert) wird als Meinungsumfrage instrumentalisiert, verfälscht und missbraucht, und tatsächlich meinen nicht wenige Leute die es eigentlich (von Berufs wegen!) besser wissen sollten, dass jetzt alles anders wird, nämlich so, wie sie es sich wünschen. Die Kirche muss von außen erscheinen wie ein gewaltiger Sauhaufen, in dem jeder brüllt und plärrt, er wolle aber noch einen zweiten Keks... Traurig, nur traurig.
Derweil geht unsere Gesellschaft moralisch weiter zu Klump, ganze Völker werden vertrieben, Heerscharen werden getötet und die Menschen werden zunehmend hirnloser und effektiver im Konsumieren und Sich-Entfremden...

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