Sonntag, 6. Mai 2012

Mater Ecclesia

Ein Kommentator warf mir neulich Anmaßung vor, weil ich BDKJ & co. kritisiere. [Dass ich damit freilich nicht alleine stehe, zeigt ein flüchtiger Blick in die Blogozese.] Natürlich hat das mit Anmaßung nichts zutun, sondern es ist mein gutes Recht und sogar meine Pflicht, Missstände anzuprangern, meine Brüder zurechtzuweisen und zu Ermahnen (Lk 17,3; 1Thess 5,11; 1Tim 5,20; 2Tim 4,2 u.a.).
Das kann auch mal mit einer gewissen Wut verbunden sein... Ich fühle mich dabei aber in guter Gesellschaft: "Denn es gibt viele Freche, unnütze Schwätzer und Verführer, [...] denen man das Maul stopfen muss, weil sie ganze Häuser verwirren und lehren, was nicht sein darf" (Tit 1,10f). Es wäre eine Sünde es nicht zu tun, und stattdessen einfach jeden in allem machen zu lassen, wie es ihm beliebt. Man nennt das "Relativismus"... oder einfach "Gleichgültigkeit". Und sowas steht dem Christen nicht gut an.

Ich tue es im Übrigen nicht auf der Grundlage meiner eigenen Meinung und meines Geschmacks, sondern auf der Grundlage der verbindlichen kirchlichen Lehre.
Natürlich steht es mir nicht zu, andere zu richten und ich behaupte auch nicht, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Ich weiß auch, wie es ein von mir sehr geschätzter Alttestamentler mal ausdrückte: "Wir sind alle kleine Häretiker", weil wir alle irgendwo Abstriche machen, uns nicht an alles halten können oder wollen und weil wir letztlich alle Sünder sind.
Ich verstehe mein Katholischsein immerhin so, dass ich mich nach Kräften darum bemühe, dem Anspruch, der damit verbunden ist, gerecht zu werden. Das ist freilich nicht immer einfach und zuweilen geht mir manches auch gegen den Strich. Weshalb man ja auch vom so genannten "Glaubensgehorsam" spricht (vgl. KKK 143)! Wenn ich immer mit allem total einverstanden wäre, bräuchte es keinen Gehorsam mehr, dann wäre eh alles klar. 
Und manchmal scheitert man auch einfach daran. Es ist also nicht immer einfach... für niemanden. Soll es aber auch nicht sein: "Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt" (Mt 7,14).
Wenn etwas keiner Anstrengung bedarf, dann ist es auch nicht wert, darum zu kämpfen! Und nichts was es wert ist zu haben, kommt einfach so zu uns.

Bei vielen Vertretern von BDKJ, ZdK etc. hat man den Eindruck, ihr Anliegen sei es, möglichst wenig von diesem Anspruch, den die Kirche an (alle!) ihre Glieder stellt, überhaupt nur anzuerkennen, geschweige denn, ihm gerecht zu werden. Stattdessen "träumt" man sich etwas Eigenes zusammen (siehe Projekt Samuel), oder man beharrt weiter auf Themen und stellt Forderungen, die längst nicht mehr zur Debatte stehen (z.B. Frauenpriestertum), oder man lehnt gewisse Wahrheiten rundheraus ab (z.B. dass die Ehe unauflöslich ist; vgl. Mt 19,9), oder man bastelt nach Gutdünken an der Liturgie herum (etwas, was auch das VatII. ausdrücklich verboten hat! SC 22 §3).

Freilich entsteht das ganze Problem schon in dem Moment, in dem die Verbindlichkeit der kirchlichen Lehre nicht mehr anerkannt wird. Wer das nicht tut, kann natürlich nurnoch auf die eigene Meinung und den eigenen Taschengott bauen.
Das unterscheidet die Katholiken von den Nichtkatholiken: Unser Maßsstab beim Lesen und Verstehen der Schrift (= der Offenbarung Gottes an uns) ist nicht unser eigenes Gutdünken, Besserwissen und Meinen, sondern das Lehramt der Kirche: "Die Aufgabe, das Wort Gottes verbindlich[!] auszulegen, wurde einzig dem Lehramt der Kirche, dem Papst und den in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfen anvertraut." (KKK 100) Was der Hauptgrund dafür ist, wieso wir Katholiken nicht in dreißigtausend sich allerenden widersprechende Kleingruppen zersplittert sind, wie es dem Protestantismus widerfahren ist und weiter widerfährt.

Was mich an BDKJ und dergleichen und ihren Aktivitäten stört ist nicht, dass sie nicht meinen(!) Idealen entsprechen (die außer mir niemanden zu interessieren brauchen). Was mich stört ist, dass ihre Bemühungen sich allzuoft ausdrücklich gegen die Kirche und gegen den Anspruch richten, den diese an alle ihre Glieder de facto stellt. Sie wollen ihr eigenes Ding machen, wollen sehr oft etwas anderes als das, was die Kirche ihnen Vorlegt: "Kirche, Marke Eigenbau". Und da kann ich nicht schweigend zuschauen und führe daher auch oft Diskussionen mit solchen Leuten.
Es geht hier garnicht darum "wer ist der bessere Katholik", sondern es geht darum, die Autorität der Kirche und ihre (verbindliche) Lehre anzuerkennen als das, was sie ist. Und zwar auch dann, wenn sie unbequem und sperrig oder mit Schmutz und menschlichen Makeln behaftet ist. Wer gar nicht erst anerkannt, dass er dies als Katholik zu tun hat, dem ist kaum mehr zu helfen.

Ich bestimme nicht darüber, was katholisch ist und was nicht. Das steht mir nicht zu! Aber der Katechismus gibt Auskunft darüber, was allen Katholiken zu glauben und als Moral zu halten vorgelegt ist. Es geht hier also um einen Objektiven Maßstab, nicht um die Ideen Einzelner. Genau davon handelte auch jener Blogeintrag, von dem sich der eingangs erwähnte Kommentator offenbar auf den Slips getreten fühlte. Und genau hier versagen die erwähnten Gruppen m.E.: Sie wollen die "Gegebenheit" des Glaubens und der Moral und die Hierarchie (= Heilige Ordnung) der Kirche nicht anerkennen. 
Natürlich kann man auch über solch eine Anerkennung sagen, sie sei nurmehr ein "Ideal", das ich anlege. Aber: Von "Berufskatholiken", von Leuten die Verantwortung in der Kirche tragen und die nicht selten auch ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, darf und muss ich das erwarten!
Es geht letztlich um die Liebe zur Kirche und damit zu Christus, dessen mystischer Leib sie ist, von dem sie ihre Autorität und Vollmacht empfängt; die Kirche, in der Er sein Erlösungswerk fortführt, die Er immer geleitet damit sie sein Erbe in Treue bewahrt und in der und durch die Er uns allezeit aus seiner Fülle beschenkt.

Gertrud von le Fort hat diesen unerhörten Anspruch der Kirche, der an uns, ihre Glieder, gestellt wird, in ihren "Hymnen an die Kirche" wunderbar in Worte gefasst:

Mutter, ich lege mein Haupt in deine Hände:
        schütze mich vor dir!
Denn furchtbar ist das Gesetz des Glaubens,
        das du aufrichtest.
Fremd ist es in allen Fluren meines Blickes.
Die Täler der Stunden und die Räume der
        Gestirne wissen nichts von ihm.
Meine Füße gleiten an ihm ab wie an Halden
        von Eis,
Und mein Geist zersplittert daran wie an
        gläsernen Felsen.
Bist du gewiß, meine Mutter, daß nicht der
        Bote des Abgrunds dich betrog?
Oder daß Wildlinge aus der Engel Saal dich
        verhöhnten?
Du heißt mich mein einziges Licht löschen
        und heißt mich es wiederentzünden an der
        Finsternis der Nacht!
Du gebietest mir Blindheit, daß ich sehe,
        und Taubheit, daß ich höre!
Weißt du, was du tust? - Mutter, ich lege mein
        Haupt in deine Hände:
        schütze mich vor dir!

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