Dienstag, 13. Mai 2014

latente Kirchenspaltung

Wäre ich noch auf meinem Weg zur Taufe, ich müsste mich in diesen Tagen ernsthaft fragen, ob es in Deutschland nicht inzwischen mindestens zwei, eher mehrere, "katholische Kirchen" gibt... und welcher ich eigentlich angehören möchte.

Während der Bischof von Münster ganz klar sagt, dass zivil wiederverheiratet Geschiedene die Kommunion nicht empfangen können, ist genau diese Praxis im Erzbistum Freiburg ganz offiziell erlaubt, mit Formvorschlägen für Segensfeiern und allem, was dazu gehört.
Hier geht es nicht um irgendeine disziplinarische Angelegenheit, sondern um den Glaubensschatz der Kirche, näherhin um die Bedeutung von Eucharistie und Ehesakrament!

Ich würde auf den Gedanken kommen, mir "meine Kirche" aussuchen zu können/müssen: Gehe ich nach Münster, oder bleibe ich in Freiburg? Je nach Lebenssituation könnte so mancher Gläubige auf die Idee kommen, sich sein Bistum entsprechend des dort jeweils Praktizierten auszusuchen... offenbar gibt es da ja beachtliche Differenzen in dem, was die jeweiligen Hirten und Glaubenshüter so hüten...

An Bischof Genn geht mein Dank für seinen Mut, die Wahrheit zu sagen. Aber es wirft doch Fragen auf, warum ein Bischof, der einfach nur die Wahrheit sagt, so "heraus ragt"...

Das betrifft natürlich auch andere Themen... etwa Lebensschutz: In manchen Bistümern werden die Gläubigen in ihrem Einsatz für das Leben unterstütz, in anderen wird ihr Engagement unter Strafandrohung verboten.
In manchen Bistümern wird offen, abgenickt vom Ordinariat, gerne auch zu offiziellen Anlässen im Priesterseminar vor Ort, für Frauenordination geworben, in anderen wird derlei chronische geistige Umnachtung klar abgewiesen.
usw. usf.

Da kann man als einfacher Gläubiger eigentlich seine Zuflucht nur noch jenseits der Berge suchen...
Ich will meinen rechtmäßig bestellten Hirten aber nicht umgehen! Ich will ihm auch nicht misstrauen müssen oder bei jeder Äußerung nur auf die Abweichungen von der "gesunden Lehre" und Disziplin warten, weil ich schon so daran gewöhnt bin, dass soetwas kommt (Breitseiten gegen Rom, Verunglimpfungen kirchlicher Lehren, Missachtung liturgischer Normen etc. pp.). Ich möchte meinem Bischof vertrauen können und mich nicht an andere Bischöfe oder den Papst wenden müssen, wenn ich einfach nur wissen will, "wie es ist"! Gott sei Dank gibt es den Papst; aber der unmittelbare Bezugspunkt für jeden Katholiken sollte eigentlich sein Bischof sein! (Mit dem Pfarrer ists das gleiche Problem, aber darum gehts hier ja grad nich.) Nochmal (vgl. hier): Ich möchte einen Bischof, dem ich vorbehaltlos vertrauen kann in dem was er sagt und tut. Ich habe es satt, mich (Internet sei Dank) nach Bamberg, Eichstätt, Köln, Salzburg, New York oder Rom wenden zu müssen, wenn ich Rat und Hilfe von offizieller Seite suche!

Ob der in zweiter Zivilehe Lebende katholische Kirchensteuerzahler in Münster wohl mit Neid nach Freiburg blickt und für sein eigenes Bistum das Ressentiment schürt? Spielt er vielleicht gar mit dem Gedanken an eine "Konversion" per Umzug? 
cuius regio, eius religio?

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