Donnerstag, 8. Mai 2014

Dürftige Theologie - 9 - Diskriminierung

Bitte die Einführung (hier) beachten!


Kardinal Walter Kasper macht in seinem Konsistoriumsvortrag deutlich, dass die von ihm angedachte Lösung nur eine solche für wenige Einzelfälle sein kann, wozu er ziemlich restriktive Kriterien anführt.

Das Problem an diesem Gedanken, so vernünftig er auf den ersten Blick anmutet, ist aber doch dies, dass er sich bei weiterem Nachdenken als Mogelpackung erweist. Der Grund ist eigentlich simpel: Es ist ja offenkundig, dass es den Hirten nicht gelungen ist, den Menschen verständlich zu machen, warum es im Falle einer zweiten zivilen Eheschließung zu Lebzeiten des sakramental angetrauten Partners einen Ausschluss von den Sakramenten gibt. Welchen Grund hätte irgendwer, anzunehmen, dass die nach Kaspers Vorschlägen dann doch irgendwie gerechtfertigte Zulassung "einiger Weniger" verständlich gemacht werden kann?

Es gilt hier wohl das Gleiche, was m.E. schon dem jüngsten tollen Einfall von Bischof Ackermann vorzuwerfen ist: 
»Die Wahrheit ist, dass jede Unterscheidung zwischen erlaubtem und unerlaubtem außerehelichem Sex sehr viel weniger vermittelbar wäre als jene andere Unterscheidung [zwischen künstlicher Verhütung und natürlicher Empfängnisregelung], die der Bischof für unvermittelbar hält. Der Druck des Faktischen würde hier im Nullkommanix sämtliche Barrieren fällen.« (siehe hier)

Mit den Worten von Norbert und Renate Martin in ihrer Replik auf Kasper in der Tagespost vom 10. März 2014:
»Der Autor spricht von einer kleinen Zahl, für die eine eventuell neue Lösung in Frage käme. Was wird die riesige Anzahl der anderen Geschiedenen, was werden die kritischen bis feindlichen Medien angesichts dieser "Privilegierten" sagen?
[...]
Überall wird die Erwartung einer generellen Lösung geschürt. Wenn nun "die Geburt einer Maus" [eine Lösung "nur für wenige"] das Ergebnis wäre, was wird die Folge der riesigen Enttäuschung bei den Gläubigen und den Medien sein?« 

Wie bei jeder "Ausnahmeregelung", wird auch hier sehr schnell der Druck von außen (und innen) so groß sein, dass man ausweitet und verallgemeinert, bis alle zufrieden sind. Das kann gar nicht anders geschehen, die Geschichte (etwa der Liturgiereform) spricht Bände darüber. Die Ausnahmen werden nicht vermittelt werden können, weil sie von der Masse ganz einfach nicht rezipiert werden wollen! Und weil diese Vermittlung ja auch tatsächlich nicht einfach wäre. Diese Perspektive auszuklammern halte ich für Realitätsflucht und für äußerst fahrlässig.

Dass Kasper ganz am Ende seines Referats die discretio (geistliche Unterscheidung) herausstreicht, mag theoretisch schön klingen, und ist auch durchaus fromm und richtig. Aber genau diesen Weg der Unterscheidung, den wird man nicht vermitteln können, den will und kann eine durch und durch säkulare Medienwelt nicht verstehen. Man wird sich einfach, schon aus Trotz!, diskriminiert fühlen. Basta!
Da kann man noch so viel die inzwischen abgedroschene Vokabel "Barmherzigkeit" im Munde führen, man wird es als Diskiminierung auffassen und "wahre Barmherzeigkeit (für alle!)" fordern.

Kasper befürchtet eine große Enttäuschung, wenn die Synode 14/15 keine "Lösung" bringt... aber er übersieht, dass sein Ansatz einer solchen überhaupt nicht abzuhelfen vermag... Schlimmer noch: Sein Vorschlag würde den Schreihälsen nur ein besseres Fundament zum Stehen bescheren, keinesfalls wird es sie zum Schweigen bringen. Man wird sich Kaspers eigener Argumentstionsweise bedienen und sagen, eine "Weiterentwicklung" von bereits Erreichtem sei "möglich" (Kasper auf S. 57, vgl. dazu hier); man wird seinen Vorschlag als Türöffner begreifen... Norbert und Renate Martin haben das sehr gut erfasst, wenn sie sagen, es ginge darum, "die Tür wenigstens einen Spalt weit [zu] öffnen und ein Signal der Hoffnung [zu] geben"... ja, und andere werden kommen und diese Tür, von der auch Kasper spricht (S. 57), ganz aufstemmen! Der Lärm wird unerträglich sein, bis das geschieht.
Die Beteuerung, auch noch so eng umgrenzte Ausnahmen zu ermöglichen, wird einen Dammbruch nicht verhindern. Der mag schrittweise erfolgen, aber er ist unvermeidlich. Es wird umgehend einen öffentlichen Aufschrei geben und jeder, der nicht zu den "Wenigen" zählt, wird sich eine Kamera und ein Mikrophon suchen, das ZdK wird großflächige Plakate ausrollen und alle werden im Chor ein Ende dieser unverständlichen, menschenfeindlichen Diskriminierung fordern.


PS. Es mag scheinen, dass das eben Dargelegte keine Behandlung dürftiger Theologie sei, sondern eher das Aufzeigen einer gewissen... Blauäugigkeit/Ignoranz auf Seiten der Kasperjubler (so es denn stimmt, was ich geschrieben habe). Ja und nein. Es hat insofern etwas mit dürftiger Theologie zutun, weil Kaspers Aufweis der Dringlichkeit ("wenn nicht Lösung... dann Enttäuschung") eine Popularisierung und Demokratisierung der Theologie bewirkt. Man hat das Gefühl, es ließe sich alles nur denkbare "synodal" beschließen, wenn nur die entsprechenden Forderungen laut genug an die Kirche herangetragen werden... Kasper hat quasi bereits beschlossen, dass Änderungen geschehen werden (bei Nichtbefolgung drohen Medienschelte, Abwanderung von Gläubigen, etc.)... Und ehe man sichs versieht, wird hier die vox populi - und das meint heute v.a.: die Massenmedien - zum eigentlichen Taktgeber, der sich bei Bedarf auch über göttliches Recht erheben kann. Die Theologie hätte dabei nurmehr eine Alibifunktion, sie soll das massenmedial schon längst Beschlossene ratifizieren. Zur Frage der Demokratie in der Kirche, siehe: hier.

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