Dienstag, 25. Februar 2014

Angst um das Ehesakrament?

Kardinalsring mit Petrus, Paulus in dem Stern (Maria)
Zwei schmissige Einleitungsabsätze haben mich am letzten Wochenende recht baff zurückgelassen.

"katholisches.info" kommt mal wieder mit Aufregernachrichten:
»Kardinal Walter Kasper war gestern der einzige Referent zum Thema Familie beim ordentlichen Konsistorium des Kardinalskollegiums. Der deutsche Kardinal forderte „Neue Wege“ zum Thema wiederverheiratet Geschiedene, „wie sie das Konzil auch gegangen ist“, und wurde von Papst Franziskus für seine Ausführungen gelobt: In seinen Worten „habe ich die Liebe zur Kirche gefunden“.« (Quelle)

Und die "Zeit" reagiert darauf so:
»Angst geht um in der katholischen Kirche. Nichts ist mehr sicher. Ein liberaler Altbischof konnte die Kirchenspitze indoktrinieren – so sehen es Konservative. Und sie sind froh, dass er es nur hinter verschlossenen Türen tat. Allerdings mit höchstem Lob von Papst Franziskus. Den darf man nicht kritisieren. Denn er kann unfehlbar entscheiden. Jedenfalls müssen Katholiken das glauben. Und die Unfehlbarkeit färbt ab auf alles, was er sagt. [...] Was der Kurienkardinal [...] sagte, soll nach Roms Willen geheim bleiben. Also muss es brisant sein. Der Papst vergab Bestnoten und rühmte, Kasper denke mit der Kirche. Daher muss Kaspers Referat veröffentlicht werden, fordert die Reformgruppe Wir sind Kirche. Es gebe keine Gründe, den Text "Theologen und Theologinnen sowie dem Kirchenvolk in aller Welt vorzuenthalten oder nur in Teilen durchsickern zu lassen", sagte Sprecher Christian Weisner gegenüber ZEIT ONLINE. Die Gruppe erinnert daran, dass Kasper schon 1993, als Stuttgarter Bischof, einen Vorstoß für die wiederverheirateten Geschiedenen unternahm.« (Quelle)

Oje.
Ich bin es eigentlich Leid, immerwieder diese miesen suggestiven Tricks beackern zu müssen, die gleichermaßen von "Recht" wie von "Links" angewendet werden (vgl. hier), um die Leute zu verdummen und für die eigene Clique mit ihren blöden Tunnelvisieren Selbstvergewisserung zu fabrizieren (vorher z.B. hier, hier und v.a. hier). Die Kommentare sprechen jeweils Bände!
Aber mal der Reihe nach. 

Zum Text von "katholisches.info":
1) Dass Kardinal Kasper "der einzige Referent im Konsistorium" gewesen sein soll, ist eine interessante Aussage, scheint sie doch zu insinuieren, der Kardinal habe hier als Einziger das Wort gehabt und jeder hätte es schlucken müssen, ohne Diskussion. Als seien damit die Richtung, das Programm, ja eigentlsich schon das Ergebnis beschlossene Sache. Das ist aber eine Irreführung. Was Kardinal Kasper gehalten hat, war das Eröffnungsreferat für einen "synodalen Weg" zum Thema "Familie", der noch die nächsten zwei (!) Jahre die Kardinäle mit dem Papst umtreiben wird (einen "cammino sinodale di due anni" nannte es der Pressesprecher). Eine Eröffnung, ein Impuls quasi, mehr ist es nicht!
"katholisches.info" unterlässt es denn auch (am Freitag Mittag!) zu erwähnen, dass zwar durch dieses Eröffnungsreferat die erste Zusammenkunft des Konsistoriums am Donnerstag Vormittag gut ausgefüllt war, dass aber am Nachmittag und am Freitag Vormittag rege über dieses Eröffnungsreferat diskutiert wurde, was ja der Sinn der Sache ist. So war etwa am Donnerstag Mittag auf news.va zu lesen: "this afternoon and tomorrow morning will be dedicated to comment and discussion." (hier)
Der Auftakt ist getan, zwei Jahre mit sicherlich vielen treffen (und gleich zwei Synoden!) zum Thema "Familie" stehen noch vor uns.
2) Dass Kardinal Kasper "neue Wege" "gefordert" habe ist natürlich auch wieder so eine wunderbare Aufregerkonstruktion. Denn natürlich ist "neu" automatisch schlecht, ist per Definition Häresie... Wiedermal zeigt sich, dass die Extreme sich berühren: "Links" wie "Rechts" ist man gerne der Meinung, "neue Wege" (etwa für die Verkündigung) wären automatisch eine Abkehr von der beständigen Lehre der Kirche; die einen begrüßen dies, die anderen fürchten es. Die Rede davon, dass Kasper hier etwas "gefordert" habe, wofür ich niergends eine Quelle finden kann (etwa in dem, was der Pressesprecher verlauten ließ), steigert diesen Effekt natürlich beträchtlich.
Was steckt dahinter?
3) Wenn man den Bericht auf katholisches.info ließt, bekommt man den Eindruck, Kardinal Kasper habe zwei Stunden lang einzig zu erklären und zu begründen versucht, warum man nun doch zivil Wiederverheiratete zur Kommunion zulassen müsste... Ließt man woanders nach, fällt auf, dass der Kardinal v.a. über die Schönheit und Heiligkeit der Ehe referiert hat, über ihren Ort in der Schöpfungs- und Heilsordnung, über die "Hauskirche" und die Familie als vorzüglichen Ort nicht nur der Verwirklichung des Evangeliums, sondern auch der Evangelisierung. Er sprach über das Sakrament und die die Eheleute heiligende Gnade. Und, ja, auch das Thema der zivil Wiederverheirateten kam da irgendwo mal vor.
Nochmal: Was steckt hinter dem, was katholisches.info anführt? Für alles das, was an "Inhalten" berichtet wird, fehlt der Kontext und es fehlen vor allem Quellen. Der Vortrag wird wohlweißlich nicht veröffentlicht, wie auch früher schon die Referate und Anträge bei oder gar vor einer Synode nicht vor dem Abschluss der jeweiligen Synode veröffentlicht wurden. Das hat nichts mit der "Brisanz" der Inhalte zutun, sondern damit, dass man eben gerade nicht Stimmungen erzeugen und Erwartungen wecken will, die dann natürlich wiederum Druck auf die Beratenden verursachen würden (nur darum will WisiKi die Veröffentlichung: um gezielter Druck ausüben zu können und Erwartungen zu wecken).
4) Festzuhalten bleibt, dass Eminenz Kasper ein Eröffnungsreferat hielt, in dem eine enorme Menge an Aspekten zum Thema Familie vorkam. Zu bemerken ist auch, dass sich das Konsistorium auch noch mit anderen Themen beschäftigt hat (etwa Chtistenverfolgung, weswegen der Papst dann auch in der Predigt am Samstag die Verfolgung um des Bekenntnisses willen besonders in den Fokus genommen hat).
Walter Kasper ist zweifelsohne einer der wichtigsten lebenden Theologen, dessen Werk nicht nur beeindruckt, sondern auch überaus lehrreich ist (ich schätze v.a. seine Christologie und seine Ekklesiologie). Klar ist auch, dass Kasper spätestens seit 2011 nicht mehr als Galionsfigut der "Liberalen" taugt, als er nämlich das Theologenmemorandum abgekanzelt hat (das kann man hier nachlesen). Von gewissen intellektuellen "Ausrutschern", die ich hier auch kritisiert habe (hier), einmal abgesehen, kann sich jeder selbst davon überzeugen, wie Kardinal Kasper zum "deutschen Reformeifer" (der sich für den neuen exklusiven Erlösungsweg hält) steht, z.B. anhand der Katechese, die der Kardinal letztes Jahr am Eucharistischen Kongress hielt (hier beim Domradio zu finden). Zugleich gilt er aber auch für die "Konservativen" oft als persona non grata va. wegen früherer "Irrungen und Wirrungen" in seiner Zeit als Diözesanbischof in Stuttgart. Er lässt sich nicht vereinnahmen, und das macht ihn m.E. zur idealen Wahl, so ein Eröffnungsreferat für so einen wichtigen "synodalen Weg" zu halten!


Zu der Schlagzeile bei der "Zeit":
1) Ich lass mal den üblichen intellektuellen Dünnschiss über die Unfehlbarkeit und die lächerlichen Überspitzungen, ein "Altbischof" könne "die Kirchenspitze indoktrinieren", beiseite.
2) Ich finde es lachhaft, dass hier Kasper von den einen zum Helden der Reform (nach eigenem Gusto) stilisiert wird und von den anderen, und da hat die "Zeit" leider (s.o.) irgendwie nicht Unrecht, bereits mehr oder weniger direkt als Häretiker abgestempelt wird, der die Lehre der Kirche ändern will.
3) Man schließt bei WisiKi & co. einfach messerscharf aus dem Lob des Vortrags durch Franziskus, dass Kasper die eigene(!) Meinung vertreten habe, und zwar gegen das "Lehramt" der Kirche. [Mich stimmt das große Lob, das Franziskus Kardinal Kasper gegenüber ausgesprochen hat (s.o.) übrigens sehr zuversichtlich, denn ich traue dem Urteil des Papstes und ich kenne Walter Kasper als einen hervorragenden Theologen (trotz mancher Schwächen)!]
Es ist sehr lustig zu sehen, wie man sich hier an ein Wunschbild von Papst Franziskus klammert, das man auch trotz aller Beweise für das Gegenteil nicht aufgeben will. Der Papst ist liberal, er lobt Kaspers Vortrag, also war Kaspers Vortzrag liberal. Logisch. Dass dieser Papst in der Vergangenheit schon des Öfteren bestätigt hat, dass etwa, um das gängige Beispiel zu nehmen, zivil Wiederverheiratete nicht zur Kommunion zugelassen sind, blendet man einfach aus. Und die "Zeit" gibt sich natürlich bereitwillig dafür her, aus dieser Autosuggestion eine "Story" zu machen.
Wie der Papst zu den "kritischen" Fragen steht und was seine wirkliche Intention ist, hat Leo Kardinal Burke (jener "altrituelle", achso schlimm konservative oberste Richter der Kirche) vergangenen Freitag im L'Osservatore Romano ganz gut aus seiner Perspektive beschrieben (hier nachzulesen). Für mich bleibt jenes Diktum von Erzbischof Gänswein zutiefst wahr: Der Papst will nicht den Glauben reformieren, sondern die Gläubigen (s. hier)!


Es sei daran erinnert, dass, was immer aus diesem "synodalen Weg" 2015 hervorgeht, dies Ausdruck des ordentlichen Lehramtes der katholischen Kirche, nämlich der Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Papst, sein wird. Diesen Beschlüssen gegenüber ist also von allen Katholiken religiöser Verstandes- und Willensgehorsam gefordert (mehr dazu: hier). Bereits das desavouierte Dokument "Familiaris consortio" von 1981 (zu dem die Freiburger Handreichung in eklatantem Widerspruch steht, siehe dazu: hier), war das Ergebnis der 5. Ordentlichen Bischofssynode in Rom (26.09. - 25.10.1980),  es war nicht aus einer päpstlichen Laune entsprungen. Dieses Dokument wird in jedem Fall maßgeblich sein für alles was folgt. Es fällt mir schwer, zu glauben, dass das Kollegium der Bischofe - und mit ihm der Papst - in den vergangenen 30 Jahren von der gesunden Lehre (2Tim 1,13) abgefallen ist... das ist nämlich der Standpunkt der Piusbrüder!

Letztlich ist das, was die WisiKi Wunschträumer und die katholisches.info-Autoren tun, ein Hinweis auf ihre Missachtung des göttlichen Beistandes, der der Kirche als unverlierbar verheißen ist. Man denkt gar nicht daran... die einen wollen selbst etwas "basteln", die anderen prophezeihen Irrwege (nicht Einzelner Glieder am Leibe Christi, sondern des authentischen Lehramtes der Kirche!) und sehen sich selbst als prophetische Mahner (vgl. dazu hier). In jedem Fall gilt: "Die da, in Rom, die wissen nicht, was sie tun! Die sollen tun was ICH will!"



Nein: Wir können vertrauen auf unsere Hirten (vielleicht nicht in jedem Einzefall, aber gewiss in ihrer Gesamtheit und unter der Führung des Nachfolgers Petri!), besonders auf den erlesenen Kreis der Kardinäle (vgl. hier), dass sie, in der gewissenhaften Bewahrung des Erbes der Apostel, vom Heiligen Geist geführt Christi Willen zur Ehre Gottes des Vaters treu bleiben!

Kommentare:

  1. Ich frage mich seit langem und immer drängender, warum über unsere Kirche so ganz besonders oberflächlich, tendenziös, unprofessionell und offensichtlich ohne jeden Wahrheitsanspruch berichtet wird. Natürlich kommt das auch bei anderen Themen vor, als Faux pas eben, aber beim Thema katholische Kirche ist es die Regel, auch in seriösen Medien. Und der einzige Grund, der das erklären könnte, wäre mE Angst. Angst vor der Konfrontation mit dem Anderen, das man nur noch als Last der Vergangenheit einzuordnen vermag.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aber das muss doch so sein, oder? ..."Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen."

      Und, sollten wir uns nicht darüber freuen?... "Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen."


      PS. Willkommen in der 'zoese! :)

      Löschen
  2. Danke fürs Willkommen :)
    Diese Perspektive habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht eingenommen. Ich wünsche mir doch, dass die Menschen diese Lügen durchschauen und zum Glauben finden :( Ich meine, wenn wir glückselig sein sollen, verfolgt zu werden, dann sind ja die Verfolger schon für die Hölle vorgesehen, oder? Ist doch gemein, das kann doch keiner wollen. Irgendwie erinnert mich der Spruch auch an so einen Typen der eine Weile in meiner Stadt am Hauptbahnhof lauthals gepredigt hat. Der hielt sich bestimmt auch für glückselig.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ehm... für die Hölle ist zunächstmal überhaupt niemand "vorgesehen", es sei denn, man fragt einen Calvinisten...
      Und die Verfolger Jesu oder derer, die an ihn glauben, sind ganz sicher nicht aufgrund ihres Verfolgerseins auch gleich "Verworfene". Wie heißt der bekannteste Christenverfolger der Kirchengeschichte? Saulus von Tarsus, später "Paulus" ganannt...

      Schließlich sagt Paulus selbst auch, dass wir die segnen sollen, die uns verfolgen... und sowohl Jesus als auch der Erzmärtyrer Stephanus beteten in ihrem Sterben für ihre Henker, dass ihnen die Schuld nicht angerechnet werde... SO sollen wir mit denen umgehen, die uns um Jesu Willen verfolgen!

      Löschen
    2. Das stimmt, ich meinte das mit dem "vorgesehen" auch nicht im Sinne der Prädestination, sondern eher : Das ist die Richtung, in die sie gehen. Es fällt mir schwer, die "Christenverfolgung" der Medien fröhlich zu nehmen, das wäre sicher eine gute Übung in Gelassenheit&Gottvertrauen.

      Löschen

Ich freue mich über Meinungen, (sinnvolles) Feedback und Hinweise aller Art. Fragen sind auch immer willkommen, eine Garantie ihrer Beantwortung kann ich freilich nicht geben. Nonsens (z.B. Verschwörungstheorien, atheistisches Geblubber und Esoterik) wird gelöscht. Trolle finden hier keine Nahrung.