Samstag, 24. August 2013

Über die Verfassung der Kirche

Auferstehung zum Gericht, untere Zeile oben.
Habe heute meine Wahlbenachrichtigung zur Bundestagswahl bekommen... Aus diesem Anlass: Auf ein Wort bzgl. Demokratie in der Kirche!

Meist führe ich etwaige Pfarrerinitiative, Kirchenvolksbegehren und andere Erscheinungen auf einen Mangel an Bildung zurück. Etwa in dem Sinne, dass die Leute, obzwar sie häufig Theologen sind, oft einfach "nicht wissen", wie es sich verhält, z.B. bei der Frage der sakramentalen Weihe von Frauen. "Es geht nicht." Dieses Faktum gilt es zu wissen.

Ich meine aber inzwischen, dass es nicht so sehr ein Bildungsdefizit ist, das für das ganze Debakel mit diesen Initiativen verantwortlich ist. Zwar "auch", aber nicht ursächlich.

Viel näher am Ursprung scheint mir ein grundsätzliches Unbehagen und eine generelle Ablehnung dessen zu sein, was die Kirche ist und wie sie verfasst ist.
Die Kirche ist eine "ständehierarchisch organisierte Anstalt zum Zwecke der Heilsvermittlung". Das heißt also, dass sie 1. hierarchisch, 2. in Ständen verfasst und 3. ihr ganzer Sinn und Zwek das Heil der Seelen ist.
Diese Verfasstheit, die eine göttliche Stiftung und damit unabänderlich ist, wird von solchen Leuten, die, wie gesagt, oftmals Theologen sind und folglich über diese Tatsachen belehrt wurden, abgelehnt. Folgerichtig wird dann natürlich auch die rechtliche Struktur der Kirche abgelehnt.

Anders als etwa im Recht des Deutschen Staates, fallen im kirchlichen Recht Gleichwürdigkeit und Gleichberechtigung nicht zusammen. Jeder Katholk besitzt die Gleiche Würde vor Gott, aber nicht jeder Katholik hat die gleichen Rechte und Pflichten. Das mag man bedauern, ist aber nicht zu ändern (s. Hierarchie).
Kirchliche Gesetze sind keine "Grundrechte" die jedem Menschen durch seine Geburt zukommen, sondern es sind "Gemeinrechte", die dem Getauften im Hinblick auf die Gemeinschaft zukommen. Während das weltliche Recht den einzelnen Bürger und seine Individualität vor dem Staat schützen soll, indem es Letzteren bindet, soll das kirchliche Recht die Kirche, also die Gemeinschaft der Gläubigen schützen und den Einzelnen auf die Gemeinschaft hin binden. Weltlich besehen ist die Freiheit des Individuums also das oberste Ziel, in der Kirche ist es die Freiheit des Einzelnen auf die Kirche hin, d.h. auf die Verwirklichung seiner Persönlichkeit in, mit und durch die Kirche, nie aber getrennt von ihr ("Ein Leib in Christus"). Ist die weltliche Freiheit des Einzelnen etwas, das individuell gefunden und gestaltet werden muss, so wird die Freiheit des Katholiken objektiv vorgefunden. Hat der Einzelne gegenüber dem Staat, aufgrund seiner Geburt, die ihn zu einem Individuum macht, das Recht, dessen Eingriffe abzuwehren, seine (z.B. sozialen) Leistungen zu beanspuchen und an seiner Willensbildung teilzunehmen, so hat der Katholik seine Rechte und Pflichten aufgrund der Taufe, die ihn zum Glied im organischen Gefüge der Kirche macht, ihn aber nicht als Individuum konstituiert. (Sowohl das Vat II. als auch der CIC kennen den Terminus "Individuum" nicht!)

Die Hierarchische Verfasstheit der Kirche ist unaufgebbar, denn die Suprematie Gottes ist unüberwindbar. Die Kirche lehrt mit der Autorität Christi ("wer euch hört, hört mich") und kann darum nicht "demokratisch" sein. Als der Herr seine große Eucharistierede in Joh 6 schloss, ließt er nicht darüber abstimmen, ob das so O.K. war oder nicht, sondern er ließt die, denen es nicht gefiel, weggehen. Das was ist, nämlich die Wahrheit, ist unabänderlich und muss angenommen oder verworfen werden ("euer Ja sein ein Ja, euer Nein ein Nein"); es steht nicht zur Abstimmung.

Wenn einzelne Priester und Bischöfe die Verfasstheit der Kirche mit Füßen treten und sich in jeder Hinsicht mit allen anderen gleichmachen wollen, ist das nur zutiefst zu bedauern. Sie spielen etwas vor, was es nicht gibt. So wie Mann und Frau naturnotwendig unterschieden sind, so sind es in der göttlichen Verfasstheit der Kirche Kleriker und Laien.


Es ist sehr bedauerlich, dass ausgerechnet Leute, die sehr wohl über die Verfasstheit der Kirche bescheid wissen, die Menschen darüber belügen. Sie gaukeln etwas vor, stellen die Kirche als eine Institution dar, deren Recht und Verfassung so oder so ähnlich funktionieren wie die eines Staates. Dabei ist die Kirche mit jeder weltlichen Instanz unvergleichlich und völlig anders strukturiert - und zwar aufgrund göttlicher Einsetzung! Sie ist mit keinem politischen System vergleichbar sondern etwas ganz und gar Eigenes und Schönes. Man wünscht eine "Freiheit von der Hierarchie", ähnlich der Freiheit von der staatlichen Obrigkeit, und vergisst dabei, dass diese Hierarchie im Dienste der Wahrheit und damit im Dienste des Heils unserer Seelen eingesetzt ist. Der weltlichen "Freiheit vom Staat" entspricht in der Kirche nur die "geistliche Freiheit zur Gemeinschaft"!
Die gottgewollte hierarchische Verfassung der Kirche ist übrigens Glaubenssatz.

Die Rechte der Glieder der Kirche sind keine Freiheitsrechte und können es nie sein, egal wie oft soetwas herumgebrüllt wird. Unsere Rechte sind Gliedschaftsrechte die uns die Freiheit geben, unsere Pflichten gegenüber Gott und der Gemeinschaft der Gläubigen zu erfüllen, sie dienen nicht der uneingeschränkten Selbstverwirklichung.

Es ist ein ebenso radikaler wie verkehrter Individualismus am Werk, bei dem jeder nur das Eigene durchsetzen will... weil zufällig einige manchmal das gleiche Wollen, kommen dann "Initiativen" und "Volksbegehren" (oder Piusbrüder) dabei heraus. Aber eigentlich sind es alles Egomanen, die nur so lange zusammenarbeiten, wie es ihren bloß eigenen Wünschen nützlich ist. Eine solche Haltung hat in der Kirche nichts zu suchen. Die Kirche, der Leib Christi, besteht im Zusammenhalt und in der Unterordnung aller unter den einen Herrn Jesus Christus. In einer guten Kirchenrechtsvorlesung lernt man sehr schnell, dass das Grundwort in der Kirche nicht "Ich" ist, wie etwa im Staat, sondern "Wir". Das mag "totalitär" anmuten, ist es ja auch insofern, weil Gott, auf den hin das alles veranstaltet wird und der es selbst so instituiert hat, "total" ist und wir ihm "total" (gesamt, gänzlich, ganz) angehören sollen.

Es sind die Verdammten, die, jeder für sich, in die Verdammnis gehen. Die "Heiligen" aber, sind diejenigen, die einander beistehen, die sich gegenseitig helfen und sich dabei auch einander unterordnen. Der Weg zum Heil ist ein gemeinschaftlicher Weg, der in die Verdammnis ein monadischer.
Sehr schön ist das im Tympanon des Westportals des Freiburger Münsters bei der Auferstehung der Toten dargstellt: Die Seligen linker Hand helfen einander aus dem Grab und halten sich bei der Hand, während bei den Verdammten zur Rechten jeder für sich ist und als Erstes seine Grabplatte allein wuchten muss...
Die Kirche ist wesentlich communio und wesentlich hierarchisch. Wer das nicht akzeptiert, sollte einsehen, dass er es nicht ändern kann und sich damit anfreunden, oder sich einen anderen "Verein" suchen.

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