Freitag, 30. August 2013

Seid klug!

Das Gleichnis in der heutigen Lesung, was meist als Gleichnis "von den törichten Jungfrauen" bezichnet wird, wie auch das morgige, von den anvertrauten Talenten, gehört zu den Skandal- sowie zu den Gerichtsgleichnissen.
 Es sind Gerichtsgleichnisse, weil es beide Male darum geht, was der Einzelne beim Gericht zu bieten hat. Es sind Skandalgleichnisse (wie auch das vom "ungerechten" oder vielmehr klugen Verwalter; s. hier), weil das Erzählte für unsere Ohren unerhört klingt und ungerechtes oder gar verbrecherisches Verhalten regelrecht gelobt wird: Einmal kommt der Bräutigam selbst offenbar zu spät und sperrt dann die eine Hälfte der jungen Frauen, die er selbst bestellt hat, sein Ehrengeleit zu bilden, aus, schickt sie mitten in der Nacht weg und behauptet gar, sie nicht einmal zu kennen - ein Flegel (so Klaus Berger). Zum anderen gibt der Herr, der die Talente verteilte, selbst zu, ein Herr zu sein der erntet, wo er nicht gesät hat. Ihm reicht es nicht, dass der Knecht immerhin das Geld aufbewahrt (und nicht etwa verschleudert!) hat; er will Zinsen, er will Wucher - ein vorbildicher Kapitalist.
In beiden Fällen ist die Botschaft erschreckend: Wer wenig am Gericht vorzuweisen hat, sei es zu wenig Öl in der Lampe und darum eine Verzögerung (dass sie zu spät kamen, wird nicht gesagt!), sei es, das Anvertraute "nur" bewahrt und nicht vermehrt zu haben, der wird gnadenlos ausgesperrt und hinausgeworfen. Wer wenig hat, dem wird auch noch dieses Wenige genommen werden.

Wie ist das vereinbar mit dem allgütigen, allgnädigen, bedingungslos verzeihenden, mit dem "lieben" Gott der sich gerade denen zuwendet, die wenig haben, die arm und Sünder sind und fern von Ihm?
Gott will immer mehr. Er fordert viel.
Der barmherzige Gott ist damit nicht aufgehoben, er weiß, von wem er was fordert. Der Herr gibt den Knechten je nach ihren Fähigkeiten und alle Frauen hätten die Gelegenheit gehabt, genug Öl dabei zu haben. Gott ist kein Kapitalist und kein Flegel, aber dennoch ist das Christentum keine Kuschelreligion. Man kann, man darf sich nicht zurücklehnen und genügsam aufs Polstermöbel fläzen. Man darf sich erst recht nicht einreden, "Gott wirds schon verzeihen". Gott findet eben nicht jeden Lebensentwurf gleichermaßen gut, bloß weil der Mensch das so möchte. Für ihn ist nicht jedes Tun (etwa dies, das Guthaben zu vergraben) gleich gut, weil wir glauen, das richtige zu tun. So eine Selbstgerechtigkeit kann ernsthafte Konsequenzen haben.
Damit ist nicht gemeint, dass Ruhe und Erholung ausgeschlossen sind. Im Gleichnis mit den jungen Frauen schlafen alle, auch die klugen. Aber diese Ruhe ist nur dann berechtigt, nur dann "sinnvoll", wenn vorgesorgt wurde. Hätten die törichten Frauen nicht geschlafen, hätten sie die Zeit nutzen können, noch Öl zu besorgen.
Zugleich ist es auch oft nicht einfach zu wissen, was Gott eigentlich will... die Knechte die die Talente erheilten, bekamen keine konkrete Handlungsanweisung. Aber alle drei wussten, wie ihr Herr tickt: "ich wusste, dass du ein strenger Mann bist"! Gott paroli zu bieten, seine Gebote als "ungerecht" oder "zeitbedingt" und darum "überholt" zu betrachten, kann sehr gut dazu führen, am Ende gesagt zu bekommen: "Ich kenne euch nicht"...

Das Christsein ist eine unerhörte Herausforderung.

Kommentare:

  1. Die törichten Jungfrauen kamen zu spät!
    Es steht geschrieben (sinngemäß): Der Hochzeitzug zog in den Hochzeitssaal ein und die Türe wurde verschlossen.
    Passiv. Keiner schloss die zu spät gekommenen aus, die Türe wurde verschlossen.
    Die törichten Jungfrauen kamen nicht rechtzeitig, um sich - wenigstens als letzte - noch dem Hochzeitzug anzuschließen ...

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    1. Genau genommen heißt es nur, dass die Damen mit dem Bräutigam hineingingen zur Hochzeit. Wann die Frauen tatsächlich "zum Einsatz" kommen steht da nicht, ob etwa während der Zeremonie, am Ende, oder eben gleich am Anfang. Es ist auch zu bemerken, dass im textlichen Aufbau "geschlossen wurde die Tür" und das Kommen der übrigen Frauen so eng (Schlag auf Schlag) und unmittelbar ist, dass man durchaus daraus schließen kann, dass die törichten Frauen regelrecht vor die gerade "geschlossenwerdende" Tür liefen. Obacht: Es ist der Bräutigam selbst, der ihnen auf ihre Bitte um Einlass Antwortet und sagt, er kenne sie nicht (von einem "ihr seid zu spät" oder "die Feier läuft schon" etc. steht da nix)... sehr beschäfigt scheint der Bräutigam jedenfalls noch nicht zu sein, die Zeromonie scheint noch nicht begonnen zu haben.
      Es ist egal wer die Tür schließt. Dass sie gerade erst geschlossen wurde und der noch nichtmal am Startblock stehende Bräutigam die Damen abweist, ist m.E. doch ziemlich harsch.

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