Donnerstag, 11. April 2013

Von der Notwendigkeit der Beichte

»Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.« (Joh 20,23)

Jesus hat oftmals Sünden vergeben. Dieses göttliche Vorrecht hat er für sich in Anspruch genommen und er hat es den Aposteln weitergegeben. Auch Christen sind nie frei davon, diese Vergebung erbitten zu müssen und zugesprochen zu bekommen. So ruft uns denn auch Paulus beharrlich auf: "Lasst euch mit Gott versöhnen!" (2Kor 5,20). 

»Christus hat das Bußsakrament für alle sündigen Glieder seiner Kirche eingesetzt, vor allem für jene, die nach der Taufe in schwere Sünde gefallen sind und so die Taufgnade verloren und die kirchliche Gemeinschaft verletzt haben. Ihnen bietet das Sakrament der Buße eine neue Möglichkeit, sich zu bekehren und die Gnade der Rechtfertigung wiederzuerlangen. Die Kirchenväter stellen dieses Sakrament dar als "die zweite [Rettungs]planke nach dem Schiffbruch des Verlusts der Gnade".« (KKK 1446)

Kaum noch ist heute bekannt, dass die Beichte, ähnlich wie die Taufe (die erste Planke!), heilsnotwendig ist. Allerdings unterscheidet sie sich von der Taufe dahingehend, dass die Heilsnotwendigkeit bei der Taufe eine absolute, bei der Beichte eine bedingte ist. Das meint, dass die Taufe für alle Menschen notwendig ist, die Beichte "nur" für die zu geistiger Reife gelangten Getauften (und in schwere Sünde Gefallenen).
Allerdings muss man hier wissen, dass es, ähnlich wie bei der Taufe, zwei Möglichkeiten gibt: Der wirkliche Empfang des Sakraments (in re) und der geistige Empfang, also dem Verlangen nach (in voto). Zur wirklichen Beichte gehört die (unvollkommene) Reue und das Beichten der Sünden beim Priester und die durch ihn von Christus gewirkte Absolution. Die Beichte nach Verlangen kann begleitend auftreten in einem Akt vollkommener Reue und Liebe, welcher, in Verbindung mit dem Verlangen nach dem Empfang des Bußsakraments, die völlige Sündenvergebung bewirkt.
Jedoch muss die Beichte in re als die ordentliche und eigentliche Form des Bußsakraments betrachtet werden, da auch die vollkommene Reue stets auf das Sakrament hingeordnet ist.

Wie die ganze Kirche dazu eingesetzt ist, die Menschen zum Heil zu führen und alles menschliche Streben zu Gott letztlich bewusst oder unbewusst zum Leib Christi, der die Kirche ist, hinstrebt, so steht und fällt die Versöhnung mit Gott auch mit der Versöhnung mit der Kirche.
»Die Worte binden und lösen besagen: Wen ihr aus eurer Gemeinschaft ausschließen werdet, wird Gott auch aus der Gemeinschaft mit sich ausschließen; wen ihr von neuem in eure Gemeinschaft aufnehmen werdet, wird auch Gott wieder in die Gemeinschaft mit sich aufnehmen. Die Versöhnung mit der Kirche läßt sich von der Versöhnung mit Gott nicht trennen.« (KKK 1445)

Die Anweisung Jesu ist ziemlich krass: Sie besagt zum einen, dass wir, jeder von uns, besonders aber die Kirche, den anderen die Sünden vergeben sollen, damit auch Gott sie ihnen vergibt. Sie besagt aber ferner, dass, wenn wir, allen voran die Kirche, den anderen die Sünde nicht vergeben, sie ihnen auch von Gott nicht vergeben werden (und merke: wie wir anderen zugeteilt haben, so wird auch uns zugeteilt werden).

Wenn man sagt, wie es von nicht wenigen Theologen heutzutage gelehrt (und öffentlich, etwa auf katholisch.de, angepriesen) wird, dass das Sakrament der Versöhnung nicht notwendig sei, kann man sich als informierter Katholik eigentlich nur an den Kopf fassen. Genausout könnte man verlauten lassen, wer einmal getauft ist, der sündige eh nicht mehr und könne sich beruhigt dem widmen, was er so zu tun gedenkt. "Ich brauche keinen Priester, ich mache das mit dem lieben Gott persönlich aus." Das ist eine uralte Masche und schon immer wandten sich die Prediger dagegen... nur heute oft nicht mehr, wie es scheint.
»Tuet Buße, wie sie in der Kirche üblich ist, damit die Kirche für euch bittend eintrete. Niemand sage zu sich: ich tue im Verborgenen Buße, ich tue bei Gott Buße; es weiß Gott, der mir verzeihen soll, dass ich im Herzen Buße tue. Ist denn umsonst gesagt: "Was ihr auf Erden löset, wird auch im Himmel gelöst sein"? Sind denn der Kirche Gottes die Schlüssel ohne Grund und Zweck übergeben worden? Vereiteln wir das Evangelium, machen wir zunichte die Worte Christi? Versprechen wir euch, was er euch versagt? Würden wir euch so nicht täuschen und betrügen?« (Augustinus, Sermo 393, PL 39, 1713)

Das erste und wichtigste Mittel zur Heiligkeit ist die Taufe. Doch die durch sie verliehene Gnade kann verloren werden, sie kann abgelehnt werden (niemand wird gegen seinen Willen erlöst). Die heilige Eucharistie erhält in uns das göttliche Leben. Doch wann immer wir dennoch fehl gehen, ist es das Sakrament der Versöhnung, das uns einen Neuanfang schenkt. Immer und immer wieder. Wer den Menschen die Wichtigkeit und die Schönheit dieses Sakraments verschweigt, tut ihnen keinen Dienst. 
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wann immer ich eine violette Stola sehe, bekomme ich so ein warmes und freudiges Gefühl der Zuversicht (auch wenn ich inzwischen fast täglich in der Sakristei eine zu Gesicht bekomme...). Bei uns in der Gemeinde sind die Beichtstühle sehr gut besucht und meistens (v.a. nach der Messe am Samstag) bildet sich eine regelrechte Schlange davor. Schön, dass unser Papst das Sakrament immer wieder in seinen Ansprachen erwähnt... oh wie sehr wünschte ich, die deutschen Bischöfe täten Vergleichbares!


Gott, der barmherzige Vater,
hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes
die Welt mit sich versöhnt
und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden.
Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden.
So spreche ich dich los von deinen Sünden
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

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